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Verfasst: So 13. Mai 2012, 15:23 
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Irrlicht
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Ich muss zugeben, der Anblick dieses überaus berückenden Frauenzimmers hatte mich für einen winzigen Moment aus dem Tritt gebracht. Weshalb ihre Bemerkung bezüglich meiner "Freunde" etwas verspätet zum Grund meines Bewusstseins durchsickerte.
Wieder blickte ich zum Schmugglerversteck, an dem man mich in der Tat zu vermissen begann. Bucklet machte sich bereits auf die Suche nach mir. Doch zum Glück tat er das in der entgegengesetzten Richtung - dort, wohin ich vorhin zwecks "Müssen" verschwunden war. Es war allerdings nur eine Frage der Zeit, bis er mich und meinen hübschen Fang hier finden würde. Der Boden war sandig, und ich hatte mir nicht die Mühe gemacht, meine Fußspuren zu verwischen.
"Wir ... äh, sollten gehen."
Gehen? Warum um alles in der Welt sagte ich das jetzt bloß? Gebot die Logik nicht, dass ich das Fräulein aus dem Dickicht zerrte und es den anderen präsentierte? Ganz bestimmt gab es Märkte, auf denen wir mit ihr einen hohen Preis erzielen konnten. Weitaus höher als mit dem besten Rum. Und wenn nicht zum Zwecke des Geldverdienens, so könnten wir sie immer noch zum Amüsement der Crew mitnehmen. Aber anscheinend war meine Seele doch nicht so finster, wie man es hätte vermuten können, denn oh Wunder, innerhalb eines Augenblickes hatte ich mich dazu entschlossen, sie vor einem schlimmen Schicksal zu retten.
"Kommt!", forderte ich die schöne Unbekannte auf und griff nach ihrer Hand. "Wenn man Euch hier findet, ist es um Euch geschehen."
Ich zog sie mit mir, ihre geringe Gegenwehr ignorierend und eilte auf dichteres Gebüsch zu, das sich bald in einen wahren Dschungel ergoss. Das war der Zeitpunkt, an dem die Gegenwehr heftiger wurde.
"Lasst mich! Lasst doch los!", jammerte es hinter mir, und es wurde nun ordentlich an meiner Hand gerüttelt. Doch noch weiter hinter mir wurden raue Rufe laut, und das verdeutlichte mir den Ernst der Lage.
Ich wirbelte so überraschend herum, dass der Rotschopf gegen meine Brust rannte und verdutzt daran abprallte. "Hört zu!", erklärte ich entschieden, jeden weiteren Protest im Keim erstickend. "Entweder Ihr kommt jetzt mit mir, oder Ihr findet euch in der nächsten Viertelstunde auf dem Deck einer Schmugglerschalupe wieder, unter rohen, verwahrlosten Schurken, deren Manieren in keiner Weise mit den meinen zu vergleichen sind und die nun schon seit Wochen keine Frau mehr zu Gesicht bekommen haben. Entscheidet euch!"

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Verfasst: So 13. Mai 2012, 16:50 
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Irrlicht
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Ich überlegte kurz. Guckte ihn dann an und ging schließlich weiter.
"Das ... heißt dann wohl, dass Ihr mit mir kommt.", stellte er fest. Er ging wieder voraus, mit einem festen Griff um meine Hand. Daraufhin zog er mich wieder regelrecht. Dann begann ich: "Und wo, dachtet Ihr, sollen wir uns verstecken?"
Wir blieben stehen, und er guckte mir in die Augen. Dann ging er wieder voraus, ließ mich aber los. Ich wartete kurz und lief ihm dann hinterher.
"Hier irgendwo muss er doch sein!", hörten wir Stimmen hinter uns.


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Verfasst: So 13. Mai 2012, 16:59 
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Irrlicht
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Wo wir uns verstecken sollten? Das fragte sie ausgerechnet mich?
"Nun ja, wo haltet Ihr Euch denn für gewöhnlich auf, wenn Ihr nicht gerade Schmuggler ausspioniert?"
Ich fand es ohnehin etwas seltsam, diese schöne Maid völlig allein auf diesem Eiland, das, wenn man meinen Kumpanen Glauben schenken konnte, abgelegen und unbewohnt war, vorgefunden zu haben.
"Seid Ihr hier gestrandet?"
Wenn, dann musste das schon länger her gewesen sein, denn weder hatten wir im Meer Wrackteile erblickt, noch war das Wetter entsprechend rau gewesen.
"Oder wohnt Ihr hier vielleicht?", fuhr ich über die Schulter fort zu fragen. Gleichzeitig bahnte ich mir mit meinem Schwert eilig einen Weg durch das immer dichter werdende Dickicht. Die Stimmen hinter uns nahmen derweil an Lautstärke ab.

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Verfasst: So 13. Mai 2012, 17:11 
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Irrlicht
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"Ich bin vor fünf Jahren hier gestrandet, und die Einheimischen haben mich liebevoll aufgenommen. Ich habe eine Hütte etwas außerhalb von dem Dorf, in dem die Einheimischen wohnen. Also ja, ich wohne hier. Aber erst seit fünf Jahren, wie gesagt. Wo wir grade dabei sind, würdet Ihr mir Euren Namen verraten, damit ich Euch auch ordentlich ansprechen kann?", erzählte ich dem Mann.
"Äh ... Larry ... denk ich zumindest. Ich glaube, ich habe mein Gedächtnis verloren. Und Ihr heißt?", sagte er.
"Lola. Lola Cumberland."
"Jetzt lasst uns hier nicht weiter herum stehen und ein Schwätzchen halten, sondern weiter laufen. Wo habt Ihr Eure Hütte noch gleich?", fragte er in Eile.
Ich lief voraus in meine Hütte, die von dichtem Wald umgeben war.


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Verfasst: Sa 19. Mai 2012, 22:01 
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Irrlicht
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Dies alles ist nun bereits ein paar Wochen her. Meine Existenz als Rumschmuggler war nur von kurzer Dauer gewesen und nicht im Entferntesten erfreulich genug, dass ich sie nicht liebend gerne gegen ein Leben Seite an Seite mit Lola eingetauscht hätte.
Lola ... über alle Maßen schöne, aber leider auch über alle Maßen abweisende Lola.
Nun gut, ich gebe es zu. Es war nicht allein, dass mein Rumschmugglerdasein nicht reizvoll genug gewesen wäre, dass ich mich entschlossen hatte, auf der Insel zu verbleiben. Hauptsächlich war es, dass Lola viel reizvoller war. Doch diese Reize hatte sie beschlossen mir vorzuenthalten. Weshalb ich mir nach einigen erfolglosen Eroberungsversuchen schon zu wünschen begonnen hatte, ich hätte ihren roten Schopf an jenem schicksalhaften Tag gar nicht erst im Gebüsch erblickt. Doch die Reue kam zu spät. Die Schmugglerschaluppe samt Bucklet und Tucker war längst wieder in Indischen Gewässern verschwunden, und Poseidon allein wusste, wann sie das nächste Mal dieses Eiland hier ansteuern würden. Man hatte schließlich noch eine Menge anderer Verstecke. Außerdem waren es Schmuggler, und Schmuggler waren wie Piraten - sie taten ausschließlich, wonach ihnen der Kopf stand. Und meistenteils war das Saufen und Weiber.
'Woher weißt du das, Jackie?'
Aye, woher wusste ich das?
Und wieso nannte ich mich Jackie???

Es hat schon etwas Irritierendes an sich, wenn man sein Gedächtnis verloren hat. Vor allem in den Momenten, wo es sich bruchstückhaft zurück meldet. Dies war so ein Moment.

Nachdenklich kaute ich auf einem Halm Seegras herum und blickte dabei aufs blaue Meer hinaus. Konnte es also wirklich sein, dass ich das war? Ein Pirat?
'Das würde das "P" auf deinem rechten Unterarm in der Tat erklären, Junge.'
Vermutet hatte ich es ja schon länger. Aber in diesem Augenblick wusste ich, dass es so war.
Also gut. Ich war ein Pirat, und ich hieß vermutlich Jackie. Wie weiter? Jackie Blackbird? Immerhin gab es ja auch die Tätowierung eines Vogels über meinem "P".
Blackbird ... ich schmunzelte, weil der Name eine gewisse Ähnlichkeit hatte mit dem eines sehr berüchtigten anderen Piraten: Blackbeard. Doch das Schmunzeln verging mir sofort wieder, denn bei diesem Gedanken klopfte plötzlich etwas in mir an. Etwas Vertrautes.
"Blackbeard ... Blackbeard ... Blackbeard ...", murmelte ich. Dabei sah ich grüblerisch einer Möwe nach, die im Tiefflug über das türkise Wasser setzte. Doch da wurde mein Blick von etwas anderem eingefangen, etwas weißem, weit hinten am Horizont - und sofort war jeder Gedanke an Blackbeard wie weggewischt.
Ich kniff die Augen zusammen, um besser sehen zu können. War das etwa ...?
Mit einem Satz sprang ich aus dem Sand in die Höhe und zog mein Fernrohr auseinander, das ich ebenso wie meinen nicht funktionierenden Kompass, mein Schwert und meine Steinschlosspistole am Gürtel trug. Ich setzte es an mein rechtes Auge und blickte angespannt hindurch.
Aye, Segel! Ein Dreimaster, Fregatte. Mein Herz machte einen Satz.
Ob sie unsere Insel ansteuern würde?
'Wie wahrscheinlich ist das, hm?'
Nicht sonderlich. Aber dennoch lag es im Bereich des Möglichen. Und es machte mich ganz kribbelig, denn es war seit Beginn meines selbsterwählten Exils auf diesem einsamen, unaufregenden, unerotischen Eiland das erste Schiff, das ich in diesen Gewässern sah. Nervös lief ich am Strand hin und her, nicht in der Lage, länger als einen Herzschlag still stehen zu bleiben und hob immer wieder das Glas an mein Auge, um den Kurs der Fregatte zu verfolgen.
"Hierher, meine Schöne ...! Komm zu mir!"

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Verfasst: Sa 19. Mai 2012, 22:34 
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Vor den Malediven, 31. Januar 1751

"Land in Sicht!", hörte ich eine Stimme. Ich schreckte hoch und rannte sofort auf das Hauptdeck. Ich war irgendwie außer Rand und Band. Zwar wusste ich nicht den Grund dafür, aber ich war es. Ich zog mein Fernrohr auseinander und schaute in die Richtung der Inseln, die sich über den ganzen Horizont verteilten. Etwas später stieß auch Clement dazu, der mir einfach ohne Vorwarnung das Fernrohr entriss.
"Wie lange werden wir dort bleiben?", fragte dieser und gab mir das Stück Metall wieder.
"Drei Tage. Dann sollten wir direkt weitersegeln. Ich spüre schon den kalten, toten Atem von Cortés in meinem Nacken.

Langsam näherten wir uns einer der Inseln, bis es allerdings doch zu flach wurde. Der Anker platschte ins Wasser und Clement, Bo'sun und ich ruderten an Land, Guillermo hatte solange das Kommando.
"Dann suchen wir mal Euren Vogel. Ob Ihr es glaubt oder nicht, aber ich bin auch sehr gespannt auf dieses wunderliche Geschöpf. Ach ja, ich hatte ja ganz vergessen Euch mitzu..." Ich verstummte. Ein Mann, der sich offenbar hinter einem Baum versteckt hatte, kam plötzlich hervor und rannte auf uns zu. Ich berührte schon mit meiner Hand meine Pistole, im Falle eines Falles ... versteht sich.

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Verfasst: Sa 19. Mai 2012, 23:10 
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Irrlicht
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Ich hatte Glück! Ich hatte endlich einmal Glück!!!
Nicht nur, dass die Fregatte in der Nähe vor Anker ging, nein, man ruderte auch noch in meine Richtung! Irgendjemand dort oben - die Vorsehung, Gott, was auch immer - war mir offenbar wohlgesonnen. Ich jubilierte innerlich. Doch ließ ich mich dadurch nicht zu überstürzten Handlungen hinreißen. Lieber ging ich erst einmal hinter einer Palme in Deckung und wartete ab, welcher Art die Gestalten sein mochten, die auf den Strand zuhielten. Die Fregatte selbst segelte unter spanischer Flagge, und irgendwie hatte ich in Bezug auf diese Nationalität kein gutes Bauchgefühl. War ich vielleicht vor dem Verlust meines Gedächtnisses das eine oder andere Mal mit den Señores aneinander geraten?
'Machst du Witze, Jackie? Du bist ein Pirat! Und ein Pirat gerät mit jedem aneinander! Klar soweit?'
Ich ignorierte mein Bauchgefühl, und beschloss, aus der Deckung und in die Offensive zu gehen. Was blieb mir auch anderes übrig? Sollte ich auf diesem von prüden Jungfrauen heimgesuchten und Gott verlassenen Stück Land etwa meine besten Mannesjahre vergeuden??? Eine grauenhafte Vorstellung!
"He! Ihr da!! - Nehmt mich mit! Nehmt mich mit!!", rief ich also, hinter der Palme hervorstürzend und mit beiden Armen wedelnd auf die drei Spanier zulaufend, welche mich mit wachsamer Überraschung ansahen. Meine eigene Überraschung sollte sich hinzu gesellen, als ich feststellte, dass einer der Männer eine selbst für einen Spanier sehr dunkle Haut hatte: Ein riesenhafter Schwarzer türmte sich neben dem Offizier in die Höhe. Verdutzt kam ich ein paar Schritte vor dem Grüppchen zum Stehen, wankte und starrte den großen Mohren dabei aus zusammengekniffenen Augen an. Er kam mir irgendwie bekannt vor. Hatte ich ihn vielleicht schon mal bedroht?

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Verfasst: Sa 19. Mai 2012, 23:27 
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"Kann ich Euch helfen, Señor?", fragte ich, ohne dabei meine Pistole loszulassen. Das erste, was ich hörte, war ein lautes und tiefes Lachen. Nur kam es nicht von dem unbekannten Mann. Ich blickte nach links und sah Bo'sun, wie er mit Hand auf dem Bauch lauthals kicherte. Doch schließlich fing er sich wieder und begann zu reden: "Haha, Jack! Du?! Ich habe ja auf dieser Reise so manch Unglaubliches gesehen, aber dass gerade du auf einer gottverlassenen Insel herumlungerst - wieder mal - Zuflucht auf einem spanischen Schiff suchst, ist schon recht witzig!"
"Wie jetzt? Ihr kennt euch?", fragte ich stirnrunzelnd.
"Ja, wir kennen uns sehr gut. Sein Name ist Jack Sparrow. Ich war mal Bootsmann unter seinem Kommando auf seinem Schiff. Sag, Jack, was ist mit der Pearl geschehen? Sag nicht, die Crew hat gemeutert und dich hier abgesetzt!", höhnte Bo'sun und fing wieder zu lachen an.
"Captain, wenn Ihr nichts dagegen habt, werde ich jetzt nach dem Vogel suchen", flüsterte mir der Professor zu.
"Geht in Ordnung. Falls wir wieder auf dem Schiff sein sollten, Ihr seid aber noch hier, dann brüllt einfach, wenn Ihr wieder zurück wollt", sagte ich. Clement nickte und verzog sich in den Dschungel.
Das war wirklich ein außergewöhnlicher Zufall. Anscheinend hatte mein so brillanter Bootsmann doch eine kleine Vorgeschichte gehabt, von der ich noch nichts wusste. Wenn natürlich dieser Jack Sparrow das war, was ich dachte.

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Verfasst: Sa 19. Mai 2012, 23:49 
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Irrlicht
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'Aha, Sparrow ... nicht Blackbird!'
Das war mein erster Gedanke bei den höhnischen Worten des Schwarzen. Und plötzlich zuckten ein paar Lichtblitze durch meinen Kopf und erhellten, was so lange in Dunkelheit gehüllt gewesen war. Nun ja, zumindest einen Teil davon.

Jack Sparrow. Capt'n Jack Sparrow! Das war ich. Und mein Schiff war die Pearl - oder die Black Pearl, um genau zu sein. Das schnellste Schiff in der Karibik. Und der da vor mir, der Mohr mit dem schadenfrohen Lachen in seinem rituell vernarbten, hässlichen Gesicht, das war Bo'sun, mein ehemaliger Bootsmann. Einer von denen, die mich seinerzeit auf Barbossas Geheiß auf einem anderen Eiland ausgesetzt hatten - zweimal sogar. Und jenes Eiland war sogar noch verlassener gewesen als dieses. Wenigstens beim ersten Mal.

Doch da hörten die Erleuchtungen auch schon auf. Weder wusste ich, wo die Pearl und meine Crew jetzt waren noch was mich seinerzeit nach Indien verschlagen hatte. Und warum ich so vieles vergessen hatte. Aber nun gut, wenigstens kannte ich jetzt meinen vollen Namen. Ich hieß nicht Larry. Das war doch schon mal was. Außerdem kehrten mit Bo'sun Erinnerungen an längst vergessene Ereignisse zurück. Und an weitere Namen. Will Turner, Elizabeth Swann, Davy Jones, Calypso ...
Ich atmete tief durch. Es tat verdammt gut, wieder ich selbst zu sein. Ich lächelte selbstzufrieden.
Plötzlich fiel mir auf, dass man mich abwartend ansah. Da wurde mir bewusst, dass ich Bo'suns Frage ja noch gar nicht beantwortet hatte.
"Die Pearl ... äh, ja ... um ehrlich zu sein, ich habe keine Ahnung, was mit ihr geschehen ist. Und nein, die Crew hat mich nicht hier ausgesetzt. Ich hab sie ... verloren."
Angelegentlich betrachtete ich bei dieser Erklärung meine nicht allzu sauberen Fingernägel, knabberte dann an einem und äugte dabei zu Bo'sun und seinem neuen Captain.
"Und Ihr seid?", fragte ich jenen und lenkte so bewusst vom Thema ab, ehe Bo'sun Gelegenheit fand, weiter auf mir herumzuhacken.

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Verfasst: So 20. Mai 2012, 01:18 
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Der Mann guckte mich an, als hätte er literweise Alkohol getrunken. Wahrscheinlich hatte er das auch.
"Capitán Fernando del Castillo. Der werte Herr, der sich vorhin verkrümelt hat, war Professor Clement Aurentius", antwortete ich Capitán Sparrow, der einen halben Kopf kleiner war als ich. Anscheinend war er Brite und anscheinend hatte er vor mich zu überreden, einen britischen Hafen anzulaufen. "Wenn Ihr mir die Frage erlaubt und meine Neugierde entschuldigt: Welches Ziel habt Ihr vor Augen? Wenn Ihr vorhabt, nach England oder zu irgendeiner derartigen Kolonie zu gelangen, muss ich Euch enttäuschen. Denn wie Ihr sicherlich bereits mitbekommen habt, sind wir Spanier und nicht gerade willkommen auf solchem Boden."
Bevor allerdings Sparrow antworten konnte, vernahm ich ein lautes Geschrei von meinem Schiff: "Capitán del Castillo!" Es war Teniente Reyes, der sich an den Wanten festhielt. Das erkannte ich durch mein Fernrohr. Aber er machte noch eine andere Geste. Er zeigte mit seinem Finger in Richtung Horizont. Ich folgte seinem Arm und gelangte zu mehreren weißen Segeln. Ich war mir nicht ganz sicher, aber irgendwie sah das Schiff aus wie meines! Bloß wehte die britische Flagge am Gaffelsegel. Und ich wettete mein gesamtes Schiff darauf, dass es sich hierbei um die HMS Independence handelte. Die hatte mir gerade noch gefehlt. Woher wusste Esteban Carlos Martínez y López die Position meines Schiffes? Bekam er die Information etwa von Cortés, dem einzigen, der wusste, wo ich mich aufhielt? Unmöglich! Oder hatte Cunningham etwas gewusst, was selbst Cortés nicht wusste? Den Aufenthalt dieser mystischen Knochen? Leider war keine Zeit darüber zu grübeln.
"Los, alle Mann ins Beiboot! Clement! Wir müssen aufbrechen!", rief ich dem älteren Herren hinterher, der zwischen den Bäumen irrte und seltsame Geräusche von sich gab.
"Was?! Aber wir sind doch gerade erst ..."
"Sofort!!!" Ohne weitere Widerworte lief Clement zur Barkasse und setzte sich hinein.
"Wartet!", rief Jack und kam ebenfalls zu uns. Dabei winkte er den Strand hinunter zu einer weiteren Person, die sich als Frau herausstellte.
"Warte, Bo'sun!" Langsam, fast schleichend kam sie auf uns zu. "Wer ist das? Eine Freundin von Euch?"

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Verfasst: So 20. Mai 2012, 13:18 
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Irrlicht
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Ich machte den Mund auf, um Captain Fernando Sonstwie Antwort auf seine erste Frage zu geben. Zu dieser kam ich jedoch nicht, weil der Captain mir das Wort abschnitt, ehe es meinen Lippen entfleuchte und zur Eile aufrief. Ich klappte meinen Mund also wieder zu, und mit einem hurtigen Blick, der durch mein Fernrohr noch an Schärfe gewann, verschaffte ich mir einen Überblick über den Grund dieser Eile und verstand augenblicklich.
Aaah ja, die Engländer.
Nun, es stand ebenso wenig in meiner Absicht wie in der des geschätzten spanischen Captains, mich in die Hände britischer Soldaten zu begeben. Zwar wusste ich nicht den genauen Grund, doch ich hatte da wieder einmal so ein Bauchgefühl. Und das machte mir deutlich, dass ich die Gesellschaft britischer Soldaten doch besser meiden sollte.
Ich stopfte also mein Fernrohr eilig wieder in meinen Gürtel und wollte mich schon daran machen, in das Beiboot zu springen, als der Captain mich erneut von meinem Tun abhielt.
Eine Freundin von mir?
Verwirrt drehte ich mich um und folgt dem Blick des Captains.
Da war sie wieder, Lola, die Schöne. Lola, die Abweisende. Lola, die mich die ganzen letzten Wochen nicht einmal an ihre Wäsche gelassen hatte. Die sich nicht mal dazu hatte überreden lassen, ein bisschen Rum mit mir zu trinken, damit sie ihre Sprödheit verliert. Ich sollte sie einfach hier lasse. Ich sollte dem Captain sagen: "Nein, das ist keine Freundin von mir, sondern eine Verrückte. Ignoriert sie einfach!" Und dann sollte ich ins Boot steigen und mit den drei anderen Männern zur Fregatte hinüber rudern.
Doch stattdessen hörte ich mich sagen: "Aye ... äh, nicht ganz. Sie ist eine Verwandte von mir ... eine Cousine zweiten Grades mütterlicherseits ..."
Und indem ich mich dem Captain näherte, raunte ich ihm noch vertrauensvoll zu: "Eine ganz hervorragende Köchin! Ihr werdet es nicht bereuen, sie ebenfalls mitzunehmen."
Ich muss wirklich ein guter Kerl sein, dass ich mich so selbstlos verhielt. Ich wusste ja, dass Lola von diesem öden Eiland wegwollte, dass sie das schon sehr lange wollte und nur auf die passende Gelegenheit wartete - ein Grund, warum sie meine Schmugglerkameraden und mich damals beobachtet hatte. Und wohl auch der Grund, warum sie jetzt so um uns herum schlich wie die Katze um den heißen Brei.
Der Captain, dem ich wohl zu nah gekommen war, wich ein Stück vor mir zurück und rümpfte die Nase. Ich ignorierte das und fragte mit einem goldblinkenden Lächeln: "Klar soweit?"
Die Augen des Spaniers huschten kurz zwischen Lola und mir hin und her, dann nickte er knapp. Ob er sich wohl so entschieden hätte, wenn die Anwesenheit der Engländer dort draußen ihn nicht so unter Druck gesetzt hätte? Möglicherweise nicht. Aber die Umstände waren günstige - zumindest für mich, und das war das Wichtigste. Ich bedachte den Spanier also mit einem breiten Strahlen, eilte dann zu Lola und packte sie am Handgelenk und zog sie im Laufschritt hinter mir her.
Aber dieses kleine Weibsstück! Statt sich zu freuen, dass wir endlich eine geeignete Mitfahrgelegenheit bekamen, fing sie an sich zu sträuben. Sie zerrte plötzlich an meinem Arm, stemmte ihre Füße wie ein störrischer Maulesel in den sandigen Boden und begann zu keifen. Wohin ich mit ihr wollte und was das alles sollte und wer die Männer wären ... und so weiter, und so fort.
Weiber!
Was dachte sie, dass ich sie an den nächsten vorbeifahrenden Sklavenhändler verkaufen wollte? Sah der Captain vielleicht danach aus? An Bo'suns erschreckendes Äußeres dachte ich in diesem Moment nicht.
Ich verdrehte die Augen, schnappte mir das keifende Biest und warf es mir kurzerhand über die Schulter. Das Schreien und Strampeln und Boxen ignorierend, trug ich meine Last am verwundert dreinblickenden spanischen Captain vorbei und bemerkte dabei knapp: "Wir können."
Endlich weg von dieser Mistinsel!

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Verfasst: So 20. Mai 2012, 15:21 
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Ich wusste zwar nicht wieso, aber irgendwie schmeckte mir die Sache nicht! Aber darüber machte ich mir in dem Moment keine Sorgen, denn das einzige, was mich kümmerte, waren die Briten, die immer näher kamen. Bo'sun schob die Barkasse in Richtung Meer und hüpfte dann ebenfalls an Bord. Schnell ruderten wir zurück zu meinem Schiff, wobei währenddessen die mir immer noch unbekannte Frau immer weiter protestierte und Ärger machte. Das erinnerte mich ziemlich stark an meine erste Begegnung mit der o so lieben und reizenden Yasmin.
Nachdem das Beiboot endlich auf dem Hauptdeck verstaut war und die Besatzung gerade dabei war die Segel zu setzen, war es schon zu spät. Ein lauter Knall ertönte und ein Sausen und ein Treffer im Wasser folgten sogleich. Die Independence war keine tausend Fuß entfernt.
"Ladet die Kanonen!", ertönte Guillermos Stimme. Die Besatzung tat wie ihr geheißen. "Feuer!"
Im Prinzip war das kein Angriff von unserer Seite. Es war lediglich die Notwehr, die meinen guten zweiten Offizier dazu bewegt hatte den Befehl zum Feuern zu geben, da die Independence angefangen hatte. Ich blickte durch mein Fernrohr und erkannte zwar nicht das hämische Grinsen Cunninghams, aber dafür ein weiteres fieses Gesicht, nämlich das von Esteban Carlos Martínez y López.
Nach Guillermos Befehl allerdings entwickelte sich sein Gesicht zu einer verängstigten Miene.
Neunzehn Mal war der tiefe Bass des Schießpulvers zu vernehmen, welches in den Kanonen explodierte. Die Kugeln schossen mit einer irrwitzigen Geschwindgkeit durch die Luft und trafen den Rumpf der britischen Fregatte. Holzsplitter flogen durch die Luft, der Klüverbaum knickte in Richtung Wasser und das gesamte Vorschiff war wie leergefegt. Kein Matrose, kein Soldat und kein Offizier war mehr dort zu sehen. Was nicht in Richtung Heck gelaufen war, lag entweder verblutend im Wasser oder auf dem Deck mit einem riesigen Splitter im Bauch. Y López hatte seinen Warnschuss abgegeben, und das war unsere Antwort!
Die Independence hatte keine Gelegenheit mehr das Schiff zu drehen, bis sie auf einer weitläufigen Sandbank zum Stehen kam. Leise hörte ich noch wilde, spanische Flüche, die aus y López' Mund kamen.
Bo'sun hatte, bevor wir den Anker ins Wasser geworfen hatten, eine riesige Schleife um diese Sandbank gedreht. Keiner kannte diese Gewässer so gut wie mein Bootsmann.
Die britische Fregatte hatte leichte Schlagseite. Ihr Anblick berührte mich zutiefst, und das in zweifacher Hinsicht. Erstens war ich froh darüber, ein britisches Schiff auf dem Grund des Meeres zu sehen - auch wenn der Grund nicht besonders weit von der Wasseroberfläche entfernt war. Zweitens schmerzte mein Herz, da das Schiff ja haargenau so aussah wie meines.
Unsere Kanonen waren nachgeladen und abschussbereit, bloß ich wartete mit dem Befehl.
"Macht die Boote klar und bringt uns in Musketenreichweite!", befahl ich.
Bo'sun brachte den Kahn in die richtige Position und Guillermo überwachte das Inswasserlassen der Boote. Die Independence hatte keine Möglichkeit sich zu wehren, der ihr Bug auf unsere Breitseite zeigte.
Ich setzte mich mit zehn Gardisten in eines der kleinen Beiboote. Drei weitere, ebenfalls gefüllt mit Soldaten, folgten uns. Obwohl ich von fünfzig Soldaten umgeben war, und die Kanonen der Santa Cecilia auf das Feindschiff zielten, fühlte ich mich sehr unwohl. Guillermo hatte Befehl zum Abfeuern der Kanonen, sobald es auf der Independence zu einer Gefangennahme der Spanier kommen sollte.
Wir kletterten die Bordwand hinauf auf das Hauptdeck, wo schon y López samt Rotröcke auf uns wartete. Deren Musketen lagen bereits auf dem Boden, was mir mehr Sicherheit gab.
"Capitán del Castillo ...", begann y López mit einem wutentbrannten Gesicht.
"Ja, in der Tat. Dann müsst Ihr Esteban Carlos Martínez y López sein, wenn ich mich nicht irre. Sich auf Lord Cunningham einzulassen, war der größte Fehler, den Ihr jemals begangen habt. Ihr wisst schon, dass ich Euch wegen Verrates an den König verhaften muss. Die Strafe wird, glaube ich, der Strang sein", sagte ich.
"Nein, Ihr seid der jenige, der sterben wird!"
"Ich glaube, dass Ihr nicht in der Position seid daran zu denken. Lord Cunningham hat Euch den Befehl gegeben mich zu töten. Ich denke, dass er diese Entscheidung ziemlich bereut. Ich war mehrmals in seiner Gefangenschaft. Er will mich gar nicht töten!"
"Ihr lügt doch!", zischte y López.
"Wieso sollte ich das tun? Ihr habt so oder so verloren. Ich werde Euch den spanischen Behörden überliefern, Ihr werdet vor Gericht gehen und dann sterben!", sagte ich und hob kurz die Hand, womit ich meinen Gardisten signalisierte, dass sie y López in die Zelle werfen sollten. Die Besatzung der englischen Fregatte konnten wir leider nicht mitnehmen, deshalb kamen nur die Offiziere mit. Aber die Matrosen durften sich auf dem so schönen Eiland, auf dem Captain Sparrow bis vor Kurzem noch lebte, breit machen.

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