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 Betreff des Beitrags: Die Seele des Universums
Verfasst: Sa 26. Mai 2012, 23:12 
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Irrlicht
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La Alma del Universo

Wir schreiben den Anfang des 21. Jahrhunderts. Seit Jahrtausenden träumen die Menschen von Reisen durch die unendlichen Weiten des Weltalls. Aber, da viele Menschen bis in das 15. Jahrhundert glaubten, dass die Erde eine Scheibe wäre, glaubte man auch, dass die Sterne unerreichbar wären. Erst am 12. März 1961 startete der sowjetische Kosmonaut Juri Alexejewitsch Gagarin den ersten Raumflug mit dem Raumschiff Wostok 1 eines Menschen. Gleich acht Jahre später, am 21. Juli 1969 betrat der US-amerikanische Testpilot Neil Alden Armstrong den Mond. Auf der ganzen Welt wurden beide Ereignisse hoch gefeiert und sofort wurde das nächste Ziel in Betracht gezogen - der Mars. Lediglich unbemannte Raumsonden, die ein halbes Jahr für diese Reise brauchten, gelangten zum roten Planeten und untersuchten dessen Oberfläche. Weitere Missionen starteten in Richtung Venus, Merkur, Jupiter, Saturn, Neptun und Uranus. Zwei Raumschiffe sollten sogar das irdische Sonnensystem - genannt Sol - verlassen, um eventuell Kontakt mit außerirdischen Reisenden aufzunehmen. Alleine die Vorstellung von einer Möglichkeit zum nächsten Stern - Proxima Centauri - zu gelangen ist, eigentlich der Traum eines jeden Menschen, egal, ob er Science Fiction mag, oder nicht. Und ein junger Mann, der nicht nur ein Science-Fiction-Fan ist, sondern auch alles daran setzt, einmal Sol zu verlassen, lässt sich durch nichts und niemanden beirren. Nicht mal durch seine Freunde, die ihm ständig raten einen solch absurden und kindischen Traum aufzugeben, um endlich in die Realität zu finden. Aber er ist nicht aufzuhalten ...

1. Das alltägliche Leben

Logbuch des Captains, 20. April 2012, Barcelona, Erde: Ich sehe gerade auf meine Uhr und merke, dass es schon wieder Morgen ist. Seit Tagen hänge ich über den Zeichnungen, die ich mir gemacht habe. Ich komme einfach nicht mit diesem sinnlosen, eigentlich sehr wichtigen, Detail weiter. Ich habe sehr wenig Schlaf, dafür aber umso mehr Hunger. Meine Freunde halten mich ebenfalls für verrückt. Ich habe letzte Woche versucht ihnen etwas zu zeigen. Wir haben in den USA Urlaub gemacht, was natürlich nur Fasade war, denn ich wollte ihnen das Projekt meines Vaters zeigen, in Nevada. Ist wohl doch nicht so gut gelaufen, denn ich habe es ... naja ... nicht gefunden. Es war ein riesiger unterirdischer Hangar eines alten US-Airforce-Stützpunktes. Vor vierzig Jahren gab mein Vater vor, dort wichtige Forschungen im Bereich der Teilchenphysik durchzuführen. Er erfand zudem noch irgendeine absurde Geschichte, die die Airforce nicht glaubte. Das war aber von ihm geplant, denn somit erklärte ihn die Airforce für verrückt und sie ließ ihn in Ruhe. Mein Vater hatte mich einmal mit zu diesem Hangar genommen und mir diesen gezeigt ... und auch das, was dort verborgen war: Ein Raumschiff! Er hatte vor mit diesem Raumschiff, sobald es fertig sein würde, einen Testflug in den Weltraum zu machen, um den ganzen neuen Schnickschnack auszuprobieren, den man sonst nur aus dem Science Fiction kennt.
Kurz vor seinem Tod aber, sagte er mir, dass ich das Projekt vollenden werde, um dann selber diesen Testflug durchzuführen. Leider starben auch die anderen Arbeiter und Doktoren, die an diesem Projekt beteiligt waren. So war ich also der einzige, der davon wusste. Meine Freunde sollten es auch erfahren, aber da ich den Hangar nicht gefunden hatte, erklärten sie mich eben auch für verrückt. Ich dachte, ich würde auch Unterstützung von ihnen erfahren. Naja, wir flogen wieder nach Hause und gingen unseren Pflichten wieder nach. Ich aber, arbeitete weiter. Mein Vater war derjenige, der das Raumschiff zum allergrößten Teil gebaut hatte. Ich hingegen baue aber die Einzelheiten. Die Antriebe, die Steuerungssysteme, die Trägheitsdämpfer, die künstliche Schwerkraft, die Raumanzüge und das Lebenserhaltungssystem. Da aber alles noch nicht fertig ist, werde ich wohl noch ein Weilchen brauchen. Ende des Logbucheintrages.


Es war wie immer ein sonniger Tag in der katalanischen Großstadt Barcelona. Ich war gerade auf dem Weg in das Kaufhaus El Corte Inglés, um mir eine neue Hose zu kaufen, als ich von einer netten, älteren Dame begrüßt wurde: "Verrückte haben hier keinen Zutritt!!!"
Ich bedankte mich rechtherzlich und öffnete die Tür. In dem Geschäft wurde ich sofort von einer Gruppe von Jugendlichen belächelt. Ich hörte sie tuscheln und konnte sogar einiges aufschnappen, wie: "Guckt mal, Leute! Dort drüben ist der Verrückte aus der Zeitung. Der Marsmensch, oder wie man ihn nennt! Haha!"
Marsmensch? So bedrückend das auch sein mochte, aber es klang schon irgendwie witzig. Da hatten sich die Redakteure etwas passendes einfallen lassen. Ich musste ja zugeben. Ein bisschen verrückt war ich schon. Aber dass ich deswegen in der Zeitung erscheinen würde, hätte ich nicht gedacht. Naja, ich hatte mir diesen Artikel auch noch nicht angesehen.
Ich hatte meine Hose schneller gefunden, als gedacht. Ich bezahlte und wollte gerade gehen, als mich der Kassierer aufhielt: "Hey, Kumpel! Sag mal ehrlich. Hast du wirklich die Möglichkeit zum Mars zu fliegen?!" Als er das sagte, fingen die Jugendlichen sofort zu krähen und zu gackern an. Das war wohl offensichtlich eine Demütigung, zumal der Kassierer mich mit "Du" anredete und auch noch selber lachte. Aber ich nahm das mit Humor auf und antwortete: "Jetzt noch nicht, mein Freund. Aber bald! Geduldige dich einfach ein bisschen, dann reserviere ich dir einen Platz in der ersten Reihe, wenn ich meine einstündige Reise zum Mars antrete." Das Lachen verschwand sofort sowohl auf seinem Gesicht, als auch auf denen der Jugendlichen.
Wenn ich durch die Stadt lief, fiel ich nicht sonderlich auf. Die Leute marschierten einfach an mir vorbei und gingen ihren alltäglichen Sorgen nach, während ich auf die nächste U-Bahn wartete. Mal erkannte mich ein kleines Kind, das sofort zu kichern begann und mit einer Spielzeugrakete umherfuchtelte.

War ich denn glücklich? Die Menschen trampelten zwar auf mir herum, wie auf einem Fußabtreter, aber kümmerte mich das? Ich glaube, nein! Das einzige, was mich glücklich machte, war meine Arbeit. Die Objekte, die mein Vater entworfen hatte und die ich bauen durfte. Ich hatte sogar mal einen Professor des Max-Planck-Institutes in Bonn nach Barcelona zitiert, der sich das mal ansehen sollte, aber der stufte das als einen netten Zeitvertreib ein. Erst recht konnte ich meine Freunde nicht von den Meisterwerken überzeugen, die seelenruhig in meinem Keller ruhten. Sie hatten zwar die verschiedenen Maschinen irrsinnig toll gefunden, aber hatten mir einfach nicht geglaubt, was damit zu erreichen war.
Ich hatte es mittlerweile aufgegeben jemanden davon zu überzeugen. Meine Freunde dachten sogar, dass ich das ganze Projekt aufgegeben hatte, aber das stimmte ja gar nicht. Da gab es allerdings noch etwas, was mich glücklich machte. Es war das Gesicht einer jungen Studentin. Sie war die wohl wunderschönste junge Frau, die meine Augen jemals erblicken durften. Ich hatte sie kennengelernt, nachdem ich die Max-Planck-Universität in Bonn mit erfolgreichem Studium verlassen hatte. Sie studierte Botanik. Und sie war sogar die einzige, die mich nicht für verrückt gehalten hatte.

Ich saß auf meiner Couch und dachte nach. Ja, ich dachte einfach nach. Es war an diesem Tag so heiß, dass ich erst gar nicht aufstehen wollte. Zur Ablenkung schaltete ich den Fernseher ein und legte eine DVD von Star Trek Voyager ein. Bevor ich angefangen hatte Tag und Nacht zu arbeiten, schaute ich mich jeden Abend diese Fernsehserie und auch alle anderen von Star Trek an. Es beruhigte mich irgendwie. Allerdings gab es etwas an dieser Serie, das mich beunruhigte. Es war die Tatsache, dass die USS Voyager jenes Schiff war, welches 70.000 Lichtjahre entfernt von der Erde durch unsere Galaxie kreuzte, ohne einem Weg zurück zur Erde. Die Besatzung war gefangen auf einem Schiff und hatten einfach keine Möglichkeit ihre Freunde und Verwandte auf der Erde wieder zu sehen. Aber das war trotzdem ein Risiko, welches ich eingehen wollte!
Es klopfte. Die Folge war zehn Minuten dran und Tuvok hatte gerade so einen schönen Spruch gebracht. Aber ich konnte die arme Person ja nicht warten lassen. Ich stellte meine Erdnussflipps zur Seite, stand auf und bewegte mich zur Tür. Meine Wohnung war nicht sehr groß, aber sie war ausreichend um zu leben. Ich wohnte an der Plaça de Catalunya. Ich wohnte schon recht lange in Barcelona. Genau auf dem Weg von der Couch zur Tür fragte ich mich, wieso ich die U-Bahn genommen hatte, um nach Hause zu gelangen. Ich warf kurz einen Blick aus dem Fenster und sah das El Corte Inglés am anderen Ende des Platzes. Meine Hand schnellte in Richtung Stirn, so schnell, dass es weh tat. Es klopfte schon wieder.
Ich schloss die Tür auf und erblickte sofort das strahlende Gesicht von Lucía Montero. Es war jene wunderschöne Schönheit, welche Botanik an einer Universität studierte, dessen Namen mir wiedermal entfallen war, welche die einzige Person war, die mich nicht für verrückt erklärt hatte und welche mich anscheinend mochte.
"Hi, Juaquín ... oder Fernando? Wie darf ich dich nennen?", fragte sie mit ihrer Engelsstimme. Der Grund für diese Frage lag eigentlich an meinem zweiten Vornamen Fernando. Denn mein vollständiger Name war Joaquín Fernando de la Vega Vásquez.
"Ich ... mein ... Oh, du ... darfst mich nen-nen ... wie du möch-test", stotterte ich und kratzte mich bedenklich am Hinterkopf.
"Wie wäre es mit ... Juaquínito?", fragte sie und lächelte. Sie hatte ein so bezauberndes Lächeln, dass ich in dem Moment dachte, ich sei der glücklichste Mensch auf der ganzen Welt.
"Das ist gut! Das hört sich gut an. Was führt dich zu mir?" Anscheinend hatte ich meine Stimme wiedergefunden. Ich tart einen Schritt zur Seite und ließ sie eintreten.
"Oh, ich wollte dich nur mal fragen, ob du Lust hättest ... naja ... mit mir ein bisschen durch die Stadt zu schlendern. Du weißt schon ... schlemmen, essen, trinken ... vielleicht ins Kino? Es muss ja nicht lange dauern. Ich verspreche dir, dass du noch vor Mitternacht Zuhause sein wirst, wenn du noch vor hast an deinen Maschinchen zu bauen, hm?"
Was hatte ich da gehört?! Hatte sie mich etwa zu einem Date eingeladen? Ich muss mich korrigieren. Nachdem sie das gesagt hatte, war ich der glücklichste Mensch auf der Welt.
"Oh ja! Liebend gerne!", explodierte es förmlich aus mir heraus. "Und mach dir mal um mein Hobby keine Sorgen. Dem kann ich auch morgen noch nachgehen."
Auch sie strahlte - wieder mal - über beide Ohren. "Okay, dann lass uns mal keine Zeit verschwenden!", sagte sie und machte sich gleich auf. Ich schaltete schnell den Fernseher wieder aus, holte meine Jacke - falls es spät werden sollte -, verließ auch die Wohnung und schloss ab.
Zum ersten Mal seit Wochen konnte ich so richtig entspannen. Es kam echt selten vor, dass mich eine Frau um ein Date gebeten hatte. Ja sogar mit mir geredet hatte. Ich kannte sie noch nicht lange. Es bedeutete mir sehr viel, dass sie mich nicht für verrückt gehalten hatte, auch wenn sie mir nicht glaubte. Aber das war mir egal. Ich versuchte nur so viel Geld wie möglich zu verdienen, um das Projekt zu finanzieren. Allerdings konnte ich von ihr - oder besser gesagt, von ihrem Vater - kein Geld erwarten. Ihr Vater war ein mexikanischer Großunternehmer, der nur hier in Barcelona lebte und auch nur solange hier leben sollte, bis seine Tochter das Studium absolviert hat. Ich würde sie - erstens - nie um Geld bitten, egal, wie pleite ich auch irgendwie sein könnte und - zweitens - würde mir ihr Vater nicht einmal ein warmes Essen besorgen, denn er hielt mich für den letzten Spinner. Er war auch der Grund gewesen, weshalb mein Kopf in der El País im ganzen Land auf der Titelseite aufgetaucht war. Er war zwar ein großer Mann - sinnbildlich gemeint - aber er konnte mich auch damit nicht unterkriegen.

Das war der schönste Tag in meinem ganzen Leben. Wir liefen und liefen und liefen, aßen kurz zwischendurch im Catamaran, einem kleinen Restaurant an der Strandpromenade, und unterhielten uns über fast alles. Sie fragte mich allerlei Dinge, zum Beispiel, wie schwer die Abschlussprüfungen sein dürften. Ich antwortete natürlich, dass ich keine Ahnung hätte, da ich - erstens - nicht in Spanien und - zweitens - nicht Botanik studiert hatte.
Hinzu kamen noch Fragen, wie: "Weshalb machst du das eigentlich? Das mit deinen Maschinen" oder " Fällt es dir nicht schwer mit dem ganzen Druck der Bevölkerung klarzukommen?"
Es war eigentlich mehr ein Verhör, aber darüber sah ich hinweg. Sie arbeitete ja nicht für irgendeinen Geheimdienst ... oder doch? Ich beschloss sofort mit den Antworten vorsichtiger zu sein.
Der Abend neigte sich dem Ende entgegen und ich brachte Lucía wieder nach Hause. Doch vor der Tür warteten noch drei andere Spaßvögel, anscheinend auf uns!
"Hey Lucía! Treibst du dich immer noch mit diesem Versager herum?", fragte ein junger Mann in Lederjacke. Es war José Machado, einer der allergrößten Proleten dieses Planeten. Obwohl er einen halben Kopf kleiner war als ich - und somit genau so groß war wie Lucía - hatte er eine umso größere Klappe.
"Ich sehe hier nirgendwo einen Versager. Du meinst sicher den Vergaser. Denn dieser macht nicht nur mir, sondern der ganzen Umwelt Probleme", sagte ich und zeigte auf Josés Auto, einen alten Cadillac.
"Findest du das etwa witzig, du Weltraumfreak?!", gröllte der Affe vor mir und bäumte sich auf.
"Ja, eigentlich schon. Komm schon, Mann! Lach doch mal! Ich habe nur einen Spaß gemacht. Natürlich sehe ich hier einen Versager. Und der steht direkt vor mir!", antwortete ich und grinste.
"Hey, Leute! Jetzt streitet euch mal nicht. José, du bist betrunken. Verschwinde jetzt!", versuchte Lucía die Lage zu klären.
"Bleib ganz ruhig, Süße. Dein José muss jetzt erst mal den Müll entsorgen!", sagte er und grinste hämisch.
"Dann bitte! Da vorne stehen die Müllsäcke. Wenn du dich beeilst, dann holst du den Müllwagen noch ein." Was zum Teufel hatte ich da geschwafelt?! War mir denn noch zu helfen?! Die Typen waren zu dritt und ich war alleine ... naja ... fast.
"Wie du willst, Marsmensch!" Klatsch! José hatte kräftig ausgeholt und mir mitten auf die Nase geschlagen, dass es nur so knackte. Doch auch er blieb nicht unberührt. Lucía hatte ebenfalls kräftig ausgeholt und ihm eine saftige Ohrfeige gegeben. Anscheinend hatte er das Gleichgewicht verloren und taumelte ein paar Schritte den Bürgersteig entlang. Er war ja wirklich besoffen! Dass ich das nicht an seiner Stimme erkannt hatte, war mir ein Rätsel. Die Jungs waren verschwunden und ich lag da wie der letzte Trottel! Ich hätte meinen Mund nicht so weit aufreißen dürfen. Aber dafür war ich mehr oder weniger bekannt.
"Alles okay?", fragte Lucía und half mir hoch. Ich nickte leicht. Meine Nase blutete in Strömen. Sie holte ein Taschentuch heraus und wischte das Blut weg. Sie gab mir die gesamte Packung.
"Vielen Dank für die ...", begann ich und deutete eine Ohrfeige an.
"Ach, Quatsch! Kein Ding! So, wie du immer sagen würdest", sagte sie und lächelte. Da war es wieder. Dieses so wunderschöne Lächeln, das einem Engel glich. Sie drückte mir einen Kuss auf die Wange, schloss die Tür auf und ging ins Haus. Dieser Abend war wohl kein guter für einen Kuss. Das dachten wir wahrscheinlich beide.
Auf dem Nachhauseweg fand ich eine Zeitung. Eigentlich nur das Titelblatt. Darauf war mein Gesicht zu sehen. Die Aufnahme wurde in Lucías Wohnung gemacht, wahrscheinlich durch ihren Vater oder ihrem Zimmermädchen.

Barcelona - Unglaublich! Ein junger Mann namens J. F. de la Vega glaubt tatsächlich einen Antrieb erfunden zu haben, mit dem Mann ohne Zeitverlust innerhalb einer Stunde den Mars erreichen könnte. Physiker haben sich beraten und beschlossen, dass das unmöglich sei. Ist dieser Mann aus Katalonien etwa ein Lügner oder gar ein Verrückter? Wie es aussieht, wohl eher einer, der Aufmerksamkeit auf sich ziehen will, weil er von seinen Eltern keine bekommen hat. Bisher weiß man zwar noch nicht, wo er wohnt, aber das soll sich ändern! Überall auf den Straßen Sevillas, Madrids und Valencias ziehen die Menschen umher und rufen Parolen wie: "Stoppt diesen Irren! Er wird Spanien noch als Clown für die Welt darstellen!"
Ungewöhnlicherweise waren die Franzosen, die Italiener, die US-Amerikaner, die Japaner, die Russen und die Deutschen unglaublich fasziniert von seinen "Erfindungen". Ganz Spanien ist gespannt, wer diesen Quatsch finanzieren wird. Wann wird dieser Marsmensch seine Reise zum Mars antreten? Oder eher, wann wird dieser Marsmensch in seinem Raumschiff innerhalb der Atmosphäre verglühen oder explodieren? Wann wird er endlich auf den Boden der Realität zurückkehren? Diese Fragen werden wahrscheinlich noch ewig offen bleiben.


Das war erschütternd und beleidigend! Wie konnte die Zeitung denn das herausbringen? Man müsste den Redakteur erschießen! Und wozu die Aufstände auf den Straßen? Der einzige, der vielleicht daran zu Grunde gehen könnte wäre ich! Außerdem gefiel es doch manchen Staaten auf der Welt. Oder fanden die meinen Auftritt etwa nur belustigend?
Von diesem Moment an wollte ich das Projekt zuende bringen. Ich wollte der Welt zeigen, wozu ich fähig war! Mein Leben war in meinem Keller und im Hangar in Nevada ... und natürlich fünfzig Meter hinter mir - Lucía!


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 Betreff des Beitrags: Re: Die Seele des Universums
Verfasst: So 27. Mai 2012, 14:32 
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Irrlicht
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Logbuch des Captains, 27. April 2012: Gerade kam die Post und ich fand einen Brief aus Madrid. Es war eine Einladung zu einer Konferenz für Astrophysiker. Ich beschloss dem nachzugehen und stieg deshalb in eine Maschine in Richtung Hauptstadt. Auf dem Flughafen wurde ich von einem älteren Wissenschaftler empfangen.

"Sind Sie Señor de la Vega?", fragte der Mann.
"Sofort kam ich auf den zu und reichte ihm die Hand. "Ja, der bin ich. Dann müssen Sie Professor Charles McDowell sein, richtig? Wo soll es denn hingehen?"
"Folgen Sie mir!", sagte der Mann und ging voran. Wir stiegen in ein Taxi und fuhren ins Einkaufszentrum. Madrid war ähnlich wie Barcelona. Man wurde einfach auf der Straße nicht erkannt.
Bis zum Einkaufszentrum brauchten wir nur eine halbe Stunde. Komischerweise war es das gleiche wie in Barcelona, das El Corte Inglés.
Das erste, was ich sah, war ein wuliger Menschenhaufen. "Señor, darf ich Ihnen einen ganz großen Mann vorstellen?", sagte Professor McDowell. Ich nickte und folgte mit meinem Blick der Hand des Professors. Dieser deutete auf einen ebenfalls etwas älteren Herren im Anzug und Kravatte. "Das ist Professor Hiroshi Yamamoto, von einem Institut in Tokio." Auch ihm reichte ich die Hand, doch anscheiend erwiderte er den Gruß nicht.
"So, so. Das ist also unser kleiner Held der Zeitung. Sagen Sie, wie alt sind Sie eigentlich?", fragte Yamamoto. Ich hatte schon so ein mulmiges Gefühl in der Magengegend.
"Ich bin fünfundzwanzig. Ich habe erst vor zwei Jahren mein Studium beendet."
"Und wo haben Sie studiert?"
"An der Max-Planck-Universität in Bonn. Ich sah mich gezwungen in Deutschland zu studieren, da es hier in Spanien nicht so viele Möglichkeiten gibt Astrophysik zu wählen."
"Sie scheinen mir ja ein vernünftiger junger Mann zu sein. Ich finde, die Medien übertreiben ziemlich. Die spanische Zeitung meinte nämlich, dass Sie reif für die Klappsmühle wären. Sieht mir aber nicht danach aus", sagte Yamamoto und lächelte kurz. "Möchten Sie etwas trinken?"
Bevor ich antworten konnte, winkte er auch schon zu einem Kellner, der sofort herbeigeschritten kam.
"Ich danke Ihnen, Señor. Es kommt recht selten vor, dass das jemand zu mir sagt. Und erst recht ein Professor wie Sie", antwortete ich und nahm den Sekt entgegen.
"Kein Thema! Wissen Sie, die Spanier mögen Sie zwar für verrückt halten, aber bei den Japanern sind Sie sowas wie ein Volksheld. Vor allem bei den kleinen Kindern. Ich hoffe, dass Sie das schätzen."
"Ganz bestimmt. Sagen Sie, Señor, auf was spezialisiert sich Ihr Institut?"
"Oh, wir arbeiten an Antriebstechnik für Raumfahrzeuge und Mondcruiser. Zurzeit aber mehr an einem Antrieb für ein Geländefahrzeug, dass innerhalb der nächsten zehn Jahre auf dem Mars Gesteinsproben einsammeln soll. Wenn Sie sagen, Sie bekommen ein Raumschiff fertig, dass innerhalb einer Stunde zum Mars fliegen kann, dann schlage ich eine Kooperation vor. Ihr Raumschiff und unser Geländefahrzeug. Sie machen uns zwar eine Menge Konkurrenz, aber mit dieser Kooperation dürfte das kein Problem sein. Wir würden damit Milliarden verdienen und eine Firma namens Microsoft in den Schatten stellen."
"Das hört sich wirklich gut an, aber ich bin mir nicht ganz sicher, ob jemals dieses Raumschiff in Richtung Weltall starten wird. Ich liege mit meiner Arbeit recht weit hinten."
"Dann helfen wir Ihnen."
"Ich fürchte Ihre Arbeiter oder Doktoren, die mir dabei helfen könnten, werden nicht mal ansatzweise das Prinzip der Erfindungen meines Vaters verstehen. Mein Vater hatte mich auf diesem Gebiet unterrichtet, bevor er starb", antwortete ich.
"Das ist bedauerlich. Könnte ich die Erfindungen mal sehen?"
"Oh, ich habe die natürlich nicht dabei. Dafür müsste ich schon ein Flugzeug bestellen, denn sie passen nicht in den Kofferraum eines Taxis. Ich werde die Erfindungen auch niemanden mehr zweigen. Nur denjenigen, denen ich vollständig vertrauen kann. Und ich kenne Sie erst seit fünf Minuten. Ist nicht persönlich, aber das ist eben Sicherheit."
"Verstehe ich voll und ganz. Wenn wir nun ..." Yamamoto verstummte. Ein piepsendes Geräusch und ein kurzes Rauschen verkündeten, dass jemand das Mikrofon eingeschaltet hatte.
"Meine Damen und Herren! Darf ich bitte um Ihre Aufmerksamkeit bitten! Sehr gut. Wenn ich mich vorstellen darf, ich bin Doktor Ignacio Torres. Mir ist zu Ohren gekommen, dass wir heute hier einen Ehrengast begrüßen dürfen - Joaquín Fernando de la Vega Vásquez. Ich bitte Sie auf die Bühne zu kommen", sagte der Mann und suchte in der Menge nach mir. Ich drängelte mich zwischen den Leuten durch und kletterte auf die Bühne.
"Ich hätte nur einige Fragen an Sie. Sie müssen wissen, dass es sehr interessant ist Ihren Antworten auf meine Fragen zu lauschen, die Ihr Projekt betreffen. Sagen Sie mal, was genau ist Ihr Ziel des Projektes?"
Ein Sicherheitsmann tippte mich von der Seite an und gab mir ein Mikrofon.
"Ich bin jetzt ein klein wenig überrascht hier oben zu stehen und ich war auf diese Fragen nicht vorbereitet, deshalb können die Antworten etwas verzögert auftreten. Also, ich arbeite an einem Projekt, was mein Vater vor vierzig Jahren begonnen hatte. Er baute an einem Raumschiff, an einem großen Raumschiff, welches mit Hilfe von weiteren kleinen Erfindungen dazu instande sein sollte das Sonnensystem zu verlassen. Uns allen ist ja bewusst wie groß unser System ist. Mein Vater hatte einen Antrieb und weitere Sachen entworfen - sie aber nicht gebaut - die dazu in der Lage sein sollten."
"okay, und wie ist Ihr Vater auf so eine ... verrückte Idee gekommen?"
"Er hatte sich als junger Mann gerne die Science-Fiction-Serie Raumschiff Enterprise angesehen. Das hatte ihn total fasziniert und dazu gebracht auch so ein Schiff zu bauen, was aber wesentlich kleiner werden sollte, als die USS Enterprise."
"Wo befindet sich dieses Raumschiff?"
"Mein Vater hatte mir den Hangar, in dem es ruht, einmal in meinem Leben gezeigt und ich kann mich nur ein kleines bisschen daran erinnern. Aber ich weiß ungefähr, wo man suchen sollte. Aber das werde ich Ihnen nicht verraten!"
"Wieso nicht?"
"Ich werde es nur jenen Personen zeigen, denen ich wirklich hundertprozentig vertrauen kann. Und Sie kenne ich nicht! Deshalb ist es geheim."
"Señor de la Vega, wäre es möglich, dass Ihr Vater Ihnen nur etwas vorgespielt hatte, um Sie zu beeindrucken?"
"Was denn? Mein Vater gibt keine sechs Milliarden Dollar aus um mich zu beeindrucken. Selbst für ein Geburtstagsgeschenk ist das schon ungeheuerlich viel. Ich habe den Hangar und das Schiff doch mit meinen eigenen Augen gesehen und ich weiß noch in etwa, wie es aussieht."
"Und wie sieht es aus?"
"Es ist grau, etwa hundertzwanzig Meter lang, dreißig Meter hoch und fünfzig Meter breit. Die Brücke befindet sich am Bug des Schiffes. Man könnte sagen, dass das Schiff wie ein riesiger Radiergummi aussieht. Zudem hat das Schiff noch zwei Antriebssektionen, die am Heck an der linken und rechten Seite angebracht sind. Sie stehen etwas vom Rumpf ab."
"So groß?! Für wie viele Personen ist dieses Schiff denn ausgelegt?"
"Für eine. Auf dem Schiff ist aber Platz für achtzig Mann. Mein Vater hat eine Menge Quartiere einbauen lassen, für den Fall, dass auch mal mehr Menschen mitfliegen wollen, als seine Freunde."
"Aha, das hört sich eher nach einem Schiff aus einem Science-Fiction-Film an. Nagut, ich schätze, ich habe genug Fragen gestellt. Ich bedanke mich rechtherzlich bei Ihnen, dass Sie mir geantwortet haben", sagte Torres und ich verließ die Bühne. Auf dem Weg zu meinem alten Platz an der Seite Yamamotos stellte ich mir die Frage, ob es denn weise war die Größe des Raumers bekanntzugeben. Wahrscheinlich würde in der nächsten Woche wieder ein Artikel über mich erscheinen, der enthält, wie größenwahnsinnig ich war.


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 Betreff des Beitrags: Re: Die Seele des Universums
Verfasst: Mo 28. Mai 2012, 01:31 
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Irrlicht
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Eine gewaltige Stadt! Barcelona übertraf all meine Vorstellungen von Größe und Schönheit. Leider sollte ich nur zeitweise dort leben, da ich nach dem Studium diese Stadt wieder verlassen sollte. Mexiko war zwar auch ein tolles Land, aber seit dem ich in Spanien lebte, hatte ich mich in diese Stadt verliebt. Außerdem hatte ich sehr viele Freunde gefunden, unter anderem einen etwas verrückten, aber lustigen Knaben namens Juaquín. Er war mir von allen Freunden am liebsten. Er war zwar nicht der Mann, der den Erwartungen der Gesellschaft, vor allem der jugendlichen, entsprach, aber das kümmerte ihn nicht. Juaquín war zwar verrückt und hatte recht wahnwitzige Vorstellungen, aber er hatte ein Herz aus Gold. Das mochte ich sehr an ihm.
Leider war mein Vater da anderer Meinung. Er meinte ständig, dass ich mich nicht so viel mit dem Jungen treffen sollte, aber das war mir egal. Erst im letzten Monat hatte er mir verboten mich mit ihm zu treffen, weil ich plötzlich angefangen hatte über die Sterne zu reden. Obwohl Astronomie nicht wirklich mein Fach war, faszinierte mich der Weltraum immer wieder auf's Neue, seitdem Juaquín mich mal durch sein Teleskop hat gucken lassen, welches auf dem Dach seines Hauses stand.

Leider war Joaquín in Madrid, deshalb langweilte ich mich. Ich saß auf meinem Balkon und starrte in den Sternenhimmel. Ich sollte eigentlich mit auf ein Meeting von der Firma meines Vaters, aber ich hatte vorgegeben krank zu sein. Die einzige Person, die wusste, dass ich das nur vortäuschte, war das Dienstmädchen Maria.
Sie tippte mich von der Seite an und gab mir das Haustelefon. "Verzeihen Sie, Señorita. Gerade hat ein junger Mann angerufen. Sie sollen ihn zurückrufen."
"War das Joaquín?", fragte ich und hoffte auf ein "Ja".
"Nein, leider nicht. José möchte Sie sprechen" Sofort fiel ich aus allen Wolken. Der hatte mir gerade noch gefehlt! Ich war immer noch sauer auf ihn, weil er Joaquín fast die Nase gebrochen hätte.
"Danke, Maria", sagte ich und sie verschwand wieder. Ich wählte die Nummer von José und hielt den Hörer an mein Ohr.
"Ah, Lucía! Schön deine Stimme zu hören!", kam es plötzlich nach einigem Piepen.
"Ich habe doch noch gar nichts gesagt! Was möchtest du?"
"Was denn?! Darf ich nicht mal meine Freundin anrufen? Was ist denn los mit dir?"
"Nein, was ist los mit dir? Wieso hast du Joaquín geschlagen?! Er hat dir doch nie etwas getan!"
"Wie jetzt?! Beschützt du den Irren etwa?"
"Er ist nicht irre! Er ist auf jeden Fall sehr viel ehrenvoller als du!"
"Das ist doch Schwachsinn! Der Kerl ist Schwachsinn! Vergiss ihn besser! Er verdient eine Tracht Prügel, um wieder in die Realität zu finden! Wenn du mich fragst ist er ein kompletter Dummkopf!"
"Joaquín ist kein Dummkopf! Er ist wesentlich schlauer als du! Das, woran er arbeitet, hat er nämlich studiert!" Das war eigentlich gelogen, denn Joaquín hatte mir gesagt, dass sein Vater ihm das mit den Erfindungen nahegebracht hätte.
"Und wo hat er das studiert? Auf der Müllhalde!" Das war mir genug! Ich brach das Gespräch ab, stand auf und warf das Telefon so heftig gegen die Wand, dass die Trümmerteile fast geradlinig wieder zurückflogen.
"Ist mit Ihnen alles in Ordnung, Señorita Montero?", fragte Maria, die das mit angesehen hatte. Ich schreckte herum und sah dem Dienstmädchen wutentbrannt ins Gesicht. "Oh, ich lasse Sie besser alleine." Mit diesen Worten schloss sie die Tür und verschwand wieder. Maria konnte sich denken, weshalb ich so wütend war, denn sie konnte José auf keinen Fall leiden. Aber er war mein fester Freund und ich konnte ihn nicht verlassen, weil ich einfach nicht wusste, wie er dann auf Joaquín reagieren würde, denn ich hegte heimlich Gefühle für ihn. Außerdem wäre auch mein Vater sehr enttäuscht.

Der nächste Tag rückte an und ich wurde von Maria geweckt. "Ich habe Ihnen Frühstück gemacht. Ihre Eltern sind auch wieder da. Sie warten am Frühstückstisch", sagte sie und öffnete die Tür zu meinem Balkon. Schlaftrunken erhob ich mich aus meinem Bett, bedankte mich nuschelnd bei dem Dienstmädchen und ging in den Speisesaal.
"Guten Morgen, mein Engel!", ertönte die Stimme meiner Mutter. Meine Vater saß ihr gegenüber und laß Zeitung. Auch er begrüßte mich mit einem "Morgen, mein Schatz. Wie hast du geschlafen?"
"Wie ein Stein, danke", antwortete ich und setzte mich auf meinen Platz. Zum Frühstück gab es eigentlich nie viel zu reden. Maximal wechselten wir mal fünf Sätze miteinander. Danach würde sich jeder zu seinen Verpflichtungen begeben. Mein Vater zu seiner Firma, meine Mutter ins Labor und ich in die Uni.
"Na, sieh sich einer mal das an! Unser kleiner Freund Joaquín steht wieder in der Zeitung!", sagte mein Vater mit einem hämischen Grinsen im Gesicht.
"Er ist nicht klein. Er ist einen ganzen halben Kopf größer als du!", antwortete ich mit grimmigem Gesicht.
"Nicht, was die Machtposition angeht. Dieses Mal hat er es ganz alleine in die Zeitung geschafft, ohne meine Hilfe! Wie es aussieht war er erst kürzlich in Madrid bei einer Konferenz von Physikern und Astronomen! Leider steht hier nichts demütigendes. Schade."
"Papa, wieso kannst du ihn nicht einfach in Ruhe lassen?! Ob du es glaubst, oder nicht, aber es gibt tatsächlich Leute auf der Welt, die gerne mit ihm zusammenarbeiten würden. Auch wenn ich sein Vorhaben für recht unmachbar halte, glaube ich trotzdem an ihn. Du hast doch nur Angst, dass er eventuell später mehr Geld verdienen wird, als wir alle drei zusammen!"
"Das reicht! Für den Rest der Woche hast du Hausarrest! Und wage es ja nicht dich noch einmal, dich mit diesem irrsinnigen Verlierer zu treffen, ansonsten drehe ich dir den Geldhahn ab! Dann kannst du selber sehen, wie du dein Studium finanzierst! Oder die ganzen Kleider und Outfits, mit denen du ständig nach Hause kommst!" Mit diesen Worten knallte er die Zeitung so hart auf den Tisch, dass Maria in der Küche auf einmal hochschreckte. "Und jetzt verschwinde! Ich will dich für den Rest des Tages nicht mehr wiedersehen!", brüllte er und zeigte in Richtung Treppe, die wieder hoch in den ersten Stock führte.
Wütend und traurig zugleich stürmte ich die Treppe hoch und holte meine Sachen. Ohne ein "Auf Wiedersehen" rannte ich zur Haustür und knallte sie so heftig hinter mir zu, dass eines der teuern Bilder meines Vaters auf den Boden krahte, aber das war mir egal - zumindest in dem Moment. Das Splittern war bis draußen zu hören und beinahe hatte ich auch die Türklinke in der Hand gehabt.


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 Betreff des Beitrags: Re: Die Seele des Universums
Verfasst: Mo 28. Mai 2012, 01:59 
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Irrlicht
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Registriert: Sa 26. Mai 2012, 22:20
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2. Vermutet, gesucht, gefunden

Wieder zurück in meinem Labor hing ich grübelnd über einer Zeichnung meines Vaters, auf der der Hyperantrieb abgebildet war. Der Antrieb, der mein Schiff durch das Universum tragen sollte. Mit den Aufzeichnungen, die mein Vater extra mir hinterlassen hatte, schraubte ich einige Teile an den Antrieb, der zwar nicht in meinem Keller stand, aber in einem Labor meines Vaters, von dem nur ich den Schlüssel hatte. Auf den Aufzeichnungen war ein wichtiges Teil aufgelistet, was aber nicht nachzubauen war. Mein Kumpel Marcos, der die Teile extra für mich erstellte, konnte auch das nicht nachbauen. Mein Vater hatte es als eine Rekonstruktion eines gefundenen Teils beschrieben. Leider war die Rekonstruktion zerstört worden und somit auch meine Chance auf Erfolg. Aber das echte Teil gab es noch! Zwar keiner wusste, wo es sich befand.
Mein Vater hatte diese Rekonstruktion selber entworfen, als er extra dafür in ein Sicherheitsgebäude eingebrochen war, um dieses Teil zu untersuchen. Leider hatte er mir nie verraten, wo sich dieses Gebäude befand.
Ich wusste nicht weiter! Es war ein faustgroßes Objekt, was überall hätte sein können. So klein, aber so wichtig. Leider wusste auch Marcos nichts von diesem Teil. Er hatte mir gesagt, dass er sowas noch nie gesehen hatte.
Gott sei Dank gab es nicht mehr viel an den Erfindungen zu arbeiten. Wenn dieses Teil da wäre, wäre ich innerhalb zwei Wochen fertig gewesen. Es ging wirklich sehr viel schneller, als ich gedacht hatte.
Das Lebenserhaltungssystem, die Trägheitsdämpfer, der Plasmaantrieb, der Generator für künstliche Schwerkraft und mein sprechender Computer, den ich selber entworfen hatte, waren schon fertig. Es fehlten nur der Hyperrantrieb und der Fusionsgenerator, der eine künstliche, fußballgroße Sonne innerhalb eines Sicherheitsfeldes produzieren sollte. Letzteres war beinahe fertig, aber das Teil für den Hyperantrieb fehlte mir. Und es war unmöglich es wieder zu beschaffen. Ich dachte immer schärfer darüber nach, als die Klingel ging.


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 Betreff des Beitrags: Re: Die Seele des Universums
Verfasst: Mo 28. Mai 2012, 02:08 
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Irrlicht
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Es war immerhin ein Monat her, seitdem ich das absolute Verbot von meinem Vater erhalten hatte. Er hatte sich wieder abgeregt und wir hatten uns wieder vertragen. Über Joaquín hatten wir beide kein einziges Wörtchen mehr verloren. Natürlich musste ich ihn darum bitten ihn in meiner Gegenwart nicht mehr herunterzumachen. Er hatte auch geschworen nichts mehr über ihn in die Zeitung zu stellen. Allerdings hatten wir auch kein einziges Wörtchen mehr über das Verbot verloren. Sicherheitshalber hatte ich immer wieder vorgegeben mich mit meinen Freunden zu treffen, und nicht mit Joaquín.
Ich klineglet an der Tür seines Labors.
Etwas überarbeitet stand er vor mir und bat mich herein.
"Wir sehen uns ja nur noch recht selten", sagte er und schenkte uns beiden etwas zum Trinken aus.
"Ich weiß. Es ist ja die Sache mit meinem Vater und diesem Verbot ... Und? Was machst du heute noch?"


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 Betreff des Beitrags: Re: Die Seele des Universums
Verfasst: Mo 28. Mai 2012, 03:01 
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Irrlicht
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Nach dieser Frage breitete sich ein Grinsen auf meinem Gesicht aus. "Ich würde mal sagen ... feiern! ... Und trauern!"
"Wieso denn das?", fragte sie neugierig.
"Naja, es gibt da eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute ist, dass ich mit dem Bauen meiner Erfindungen fast fertig bin. Um genau zu sein sind der Hyperantrieb und der Fusionsreaktor die einzigen Dinge, die noch nicht fertig sind. Der Rest ist schon installationsbereit!", sagte ich und lachte kurz auf.
"Hey! Das hört sich ja toll an! Und was ist die schlechte Nachricht?"
"Leider fehlt mir ein Teil für den Hyperantrieb. Man kann es nicht nachbauen, da die Beschaffung der notwendigen Ressourcen unmöglich ist. Allerdings hat mein Vater dieses Teil einmal nachbauen können und wollte es mir zurechtlegen. Aber dieses Teil ist zerstört worden und das Originalteil ... naja, ich weiß nicht wo es sich befindet. Mein Vater ist dafür in ein Sicherheitsgebäude eingebrochen."
"Wofür ist dieses Teil denn gut?"
"Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich glaube, dass eine Art Flugschreiber ist. Wahrscheinlich ein kleiner Navigationscomputer, der mit dem Hyperantrieb gekoppelt ist, oder ein Teil davon. Wenn ich dieses kleine Monster habe, dann könnte ich schon im nächsten Monat die Maschinen auf ein Frachtschiff verfrachten und in die USA liefern ... zu dem Hangar in Nevada."
"Und die Maschinen funktionieren wirklich?", fragte Lucía und streichelte den Antrieb, der doppelt so hoch war wie sie.
"Ja, ich habe sie bereits getestet. Wenn du möchtest zeige ich dir den ganzen Schnickschnack."
"Da bin ich jetzt aber mal gespannt", sagte sie und trat an meine Seite.
"Ich werde nur dir das zeigen und niemand anderem", sagte ich und verriegelte die Eingangstür zum Labor. Ich klappte einen Laptop auf und aktivierte die Trägheitsdämpfer.
Unbedingt wollte sie das Versuchskaninchen spielen. Bei den Trägheitsdämpfern setzte sie sich in ein Karussell, dessen Gondel sich schnell um alle Achsen drehte. Schon beim Anblick wurde mir kotzübel, aber als sie dann ausstieg, sagte sie mir, dass sie nichts gemerkt hatte. Natürlich würde man beim Flug in dem Raumschiff schon etwas merken, da die Geschwindigkeit und die Beschleunigung ja sehr viel höher waren, als bei dem Karussell.
Beim Schwerkraftsgenerator band ich sie an der Decke fest und aktivierte ihn. Sie befreite sich und lief auf einer grauen Fläche an der Decke durch die Gegend. "Was passiert, wenn ich die graue Fläche verlasse?", fragte sie und bewegte sich in Richtung Rand.
"Wenn du das machst, werde ich den Krankenwagen rufen müssen, denn das Schwerkraftsfeld ist nur da, wo die graue Fläche ist. Ich habe die Höhe des Feldes so eingestellt, dass, wenn du springst, dich die normale Schwerkraft nach unten ziehen wird. Normalerweise ist die Höhe auf drei Meter eingestellt. So kann man im Raumschiff herumspringen, wie man will, ohne, dass man mit dem Kopf die Schwerelosigkeit schmecken kann. Binde dich einfach wieder an der Vorrichtung fest und ich lasse dich wieder herunter!", sagte ich. Sie tat, wie ihr geheißen und ich tat, wie mir geheißen. Auch zeigte ich ihr den sprechenden Computer, der wie eine lebende Person auf alle Fragen antwortete. Es war die Stimme von einer Frau, die der Computer immitierte. Er hatte die Fähigkeit selber zu lernen und Fehler vorauszusehen. Allerdings hatte ich ein Sicherheitsprotokoll geschrieben, was den Computer sofort deaktivieren würde, wenn er gegen meinen Willen handelt. Wenn das erfüllt wäre und ich einen entsprechenden Code sagen würde, würde sich der Computer deaktivieren und das Gelernte sofort löschen. Aber ich hatte den Computer so programmiert, dass das nicht passieren sollte. Aber falls jemand versuchen würde sich in meinem System breit zu machen, wäre das Protokoll echt hilfreich. Die restlichen Erfindungen konnte ich leider nicht vorführen, da der Plasmaantrieb ein Loch in die fünf Meter dicke Betonwand reißen würde. Das Lebenserhaltungssystem war einfach nichts anderes, als eine Luftaufbereitungsanlage, die den Kohlenstoffdioxid wieder in Sauerstoff und Stickstoff umwandeln konnte. Es erfüllte mich mit großem Stolz Lucía alles davon zu zeigen. Noch toller würde es allerdings aussehen, wenn alles im Raumschiff platziert wäre. Aber dieses blöde kleine Teil hinderte mich daran meine Arbeit zu vollenden.


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 Betreff des Beitrags: Re: Die Seele des Universums
Verfasst: Mo 28. Mai 2012, 13:52 
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Irrlicht
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Ich war schlichtweg beeindruckt! Ich hätte das nie für möglich gehalten! In diesem Jungen steckte wahrhaftig sehr viel mehr, als ich jemals gedacht hatte. Die einzige Hürde, die noch zu überwinden war, war meinem Vater zu erzählen, dass Joaquín fast fertig geworden war. Aber das hätte keinen Sinn, da das sowieso wieder in einem Streit enden würde. Deshalb ließ ich es. Auch José erzählte ich nichts von Joaquíns Erfolg. Schließlich war er ja nicht ganz fertig. Ihm fehlte immer noch ein Teil.
Auf dem Rückweg zu meinem Haus dachte ich noch einmal über das Geschehene nach. So etwas hatte ich noch nie zuvor gesehen, außer im Science Fiction. Wenn Joaquín dieses Teil finden würde und sein Projekt zuendebringen könnte, dann würde das meinen Vater auf jeden Fall umstimmen ... und auch José. Niemand würde mehr auf ihm herumtrampeln!

Ich war wieder zurück und Maria hatte schon Abendessen gemacht. Der Tisch war schon gedeckt und ich setzte mich hinzu.
"Warum grinst du so?", fragte mein Vater neugierig.
"Ha, wenn du wüsstest ...!"
"Wenn ich was wüsste? Komm schon, raus mit der Sprache!", auch mein Vater fing zu grinsen an.
"Gut, ich sag es dir ... euch! Ich bin heute ganz zufällig auf Joaquín gestoßen. Ich wollte schon das Weite suchen, aber er hat mich aufgehalten. Er hat mich in sein labor eingeladen und mir seine Erfindungen gezeigt. Und weißt du was? Die meisten funktionieren! Wir haben den Trägheitsdämpfer ... oder so ... getestet. Ich habe mich in ein Karussell gesetzt, er hat es aktiviert und ich habe nichts gespürt! Keine Fliehkraft! Nichts! Zuletzt haben wir den Schwerkraftgenerator ausprobiert! Ich bin an der Decke gelaufen! Zudem hat Joaquín noch einen lernfähigen sprechenden Computer. Leider Joaquín noch nicht ganz fertig. Ihm fehlen nur noch der Hyperantrieb und der Fusionsgenerator!"
Ich konnte mir eigentlich schon denken, was mein Vater davon hielt. Er saß da und schaute mich entsetzt an.
"Du hast dich mit ihm getroffen?!"
"Nein, Papa! Er hat mich getroffen, aber das ist egal! Seine Erfindungen funktionieren!"
"Ha, das glaube ich erst, wenn ich das mit eigenen Augen sehe!"
"Das wirst du, wenn Joaquín fertig ist! Nächsten Monat hat er vor diese Dinge in das Raumschiff zu installieren."
"Na, da bin ich mal gespannt. Und was passiert, wenn er versagt? Was passiert wenn dieser Antrieb nicht funktioniert?"
"Dann hat er uns trotzdem mindestens hundert Jahre in die Zukunft geschleudert. Außerdem funktioniert ja der Plasmaantrieb. Was passiert eigentlich, wenn er nicht versagt? Wenn er wirklich innerhalb einer Stunde beim Mars ist? Wenn er wirklich innerhalb eines Tages nach ... äh ... Proxima Centauri fliegt? Wirst du dich denn da entschuldigen?"
"Noch ist er auf der Erde. Gut, abgemacht! Wenn er es wirklich nach Proxima Centauri schafft - oder zum Mars -, dann werde ich mich bei ihm entschuldigen. Falls er aber versagt, dann werden wir drei ... ähm, vier ... wieder zurück nach Mexiko kehren und du wirst diesen Tunichtgut nie wiedersehen! Gilt unser Pakt?"
"Ja, der Pakt gilt!", antwortete ich und reichte ihm die Hand. Hatte ich wirklich gerade einen Pakt mit meinem Vater gemacht? War das denn weise? Ich wusste es nicht. Auf jeden Fall musste Joaquín dieses Projekt zuende bringen. Ich wollte ihm bei der Suche nach dem letzten Stück helfen, damit ich ihn nicht nie wiedersehen musste!


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 Betreff des Beitrags: Re: Die Seele des Universums
Verfasst: Mo 28. Mai 2012, 20:17 
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Irrlicht
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Logbuch des Captains, 31. Mai 2012: Seit Tagen hänge ich nun da und grübele an einer Lösung dieses Problem einfach zu umgehen. Ich konnte dieses kleine Gerät einfach nicht vergessen, denn es war zu wichtig. Der Fusionsreaktor ist fertiggestellt. Ich habe alle Maschinen in ein gesichertes Lager deponiert, das durch die Polizei geschützt wird. Zurzeit bin ich in meinem Wohnzimmer und schaue mir die vor Monaten angefangene Folge von Star Trek an.

Es war witzig mit anzusehen, wie ständig Tuvoks trockener Humor zum Vorschein kam. Ähnlich viel wie Data, einem Androiden aus der Serie Star Trek: The Next Generation, lachte Tuvok, nämlich gar nicht. Doch ich wurde schon wieder unterbrochen. Das Telefon klingelte und halb müde und halb genervt stand ich auf, um zum Telefon zu watscheln.
"Hallo?", gähnte ich und kratzte mich am Kopf.
"Joaquín?! Ich habe endgeile Neueigkeiten für dich!", brüllte Marcos' Stimme durch den Hörer.
"Die dann wären?", fragte ich schon wieder wach.
"Ich habe dein verloren geglaubtes Teil gefunden!"
"Was?! Das ist ja geil! Sag nicht, du hast es die ganze Zeit unter dem Sofa gehabt!"
"Nein, natürlich nicht! Ich habe gestern eine alte Zeitung ausgegraben. Es ist eine amerikanische und handelt von außerirdischen Landungen auf der Erde. Auf dem Titelbild war dieses Teil abgebildet. Man hat es in Roswell gefunden. Erinnerst du dich?!"
Das war erstaunlich. Roswell war jener Ort in den USA, wo man dachte, dort wäre ein UFO gelandet. Dann hatte also mein Vater ein Stück außerirdische Technologie gefunden, aber als er das Wrack untersuchen wollte, war ihm die Regierung zuvorgekommen. Sie hatte gemeint, es handelte sich um einen abgestürzten Wetterballon.
"Wo hat man dieses Teil hingebracht?!"
"Hier steht, dass es und andere Wrackteile nach Area 51 gelangt sind. Unter strengster Geheimhaltung wurde dieses Schiff weggesperrt!"
"Super! Dann muss ich ja nur noch in die USA fliegen, in den wohl am stärksten bewachten Stützpunkt der Airforce eindringen, ein Stück außerirdischer Technologie stehlen, unbemerkt wieder abhauen und mit diesem Teil am Zoll vorbeikommen. Wird'n Klacks!"
"Du hast vergessen zu erwähnen, dass du eventuell wegen Diebstahl an US-Airforce-Eigentum verhaftet und lebenslang eingesperrt wirst."
"Genau! Aber darüber mache ich mir keine Sorgen! Ist ja für einen guten Zweck!"
"Ach ja! Was das mit dem Zoll angeht. Mach dir mal keine Sorgen darum. Ich kenne einen Piloten, der dich sorgenfrei und ohne Zoll nach Nevada bringen kann."
"Bist du sicher?"
"Natürlich. Ich werde ihm Bescheid geben. Spätestens nächste Woche wird er auf einem Parkplatz auf dem Flughafen El Prat warten. Es ist eine ausgemusterte Lockheed C-5 "Galaxy"."
"Wie bitte? Hast du auch Freunde bei der Airforce?"
"Nein, er ist Frachtpilot, hat das Flugzeug vor der Schrottpresse beschützt. Er wird dich sicher nach Area 51 bringen", antwortete Marcos.
"Du hast echt krasse Freunde. Okay, danke für deine Hilfe, Kumpel!"
"Kein Ding, Mann! Ich werde dir eine Zutrittserlaubnis für den El Prat-Flughafen fälschen, damit du ohne weitere Untersuchungen betreten kannst. Kannst mir hundertprozentig vertrauen", sagte er und legte auf. Eine Zutrittserlaubnis fälschen. Das war wohl nicht ganz so legal. Und Airforce-Eigentum steheln ja auch nicht. Aber ich würde das Originalstück wieder zuzücklegen, wenn ich einen Weg finden könnte, das Teil selber herzustellen. Natürlich, wenn mir die Funktionsweise dann bekannt ist.


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 Betreff des Beitrags: Re: Die Seele des Universums
Verfasst: Di 29. Mai 2012, 03:03 
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Irrlicht
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Im Nachhinein hatte ich mich gefragt, ob es wirklich weise war, diesen Pakt mit meinem Vater einzugehen. Aber ich hatte Joaquín vertraut und seine Erfindungen hatten ja auch funktioniert. Dann würden die beiden Antriebe auch funktionieren. Ich durfte mich zwar wieder mit ihm treffen und mein Vater hatte nie wieder etwas gegen den Jungen gesagt, aber José war da anscheinend anderer Meinung. Er meinte, dass ich mich viel lieber mit Joaquín treffen würde, als mit ihm - was eigentlich sogar fast stimmte. José war zwar ein netter Kerl, aber Feingefühl hatte er überhaupt nicht. Er mochte zwar sehr gut aussehen und Geld haben, aber das war mir scheißegal. Mir war Joaquín lieber, weil er einfach ruhig, gelassen, witzig, verrückt und sehr liebevoll war.
Er hatte mich zu einem Gespräch am Strand eingeladen. Natürlich hatte ich ja gesagt, denn ich befürchtete schon, dass an dem Abend José anrufen würde. Ich ging zu der Verabredung und sah ihn schon da warten.
"Ah, Lucía. Schön, dass du gekommen bist. Ich möchte mich mit dir unterhalten", begrüßte er mich und schob mir den Stuhl zurecht. Er hatte mich in das Strandrestaurant Catamaran, unserem Lieblingsrestaurant, eingeladen. Ich bedankte mich bei ihm und setzte mich hin. An dem Abend war kein Schwein da. Wir hatten normalerweise einen Stammtisch, da der Besitzer ein guter Freund meines Vaters und auch von Joaquín war, aber an dem Abend war es egal, denn es war keine Saison. Wir bestellten uns Paella und einen guten Wein.
"Gibt es wieder etwas zu feiern?", fragte ich, denn nach seinem Gesicht ahnte ich schon ein "Ja".
"Ha, ja! Allerdings! Ein Kumpel von mir namens Marcos, der die ganzen Teile für mich herstellen lässt, hat eine alte Zeitung ausgegraben und mein verlorenes Teil auf einem Bild auf der Titelseite gefunden!", flüsterte er mir zu.
"Das hört sich doch toll an! Dann bist du ja bald fertig, nicht wahr? Und wieso flüsterst du?"
"Naja, das Teil befindet sich in Area 51. Ohne einen däftigen Grund und einer Erlaubnis darf ich da leider nicht rein. Und so eine Erlaubnis zu ergattern ist schon schwierig."
"Wie bitte? Area 51?! Was ist denn an diesem Teil so wichtig?", fragte ich neugierig.
"Es ist ein Teil eines UFOs, welches vor fünfundsechzig Jahren in Roswell abgestürzt ist. Erinnerst du dich daran. Die Regierung hat vorgegeben, dass ein Wetterballon abgestürzt ist, was aber ja nicht stimmt! Und ich muss an dieses Teil herankommen."
"Und jetzt willst du in Area 51 eindringen und dir dieses Teil einfach unter den Nagel reißen?", fragte ich skeptisch und zeigte ihm den Vogel. Das war ziemlich absurd. Joaquín konnte nicht einfach in dem am besten gesicherten Stützpunkt der USA einbrechen.
"Genau. Morcos hat mir eine C-5, eine Frachtmaschine, organisiert, die mich nach Nevada bringen soll. Nächste Woche."
Es war schon richtig! Joaquín war verrückt, sehr sogar. Aber auch ziemlich mutig. Ich musste ihm einfach wiedermal vertrauen.
"Und wie willst du das angehen? Verkleidest du dich als Wissenschaftler und fälschst einen Ausweis? Oder du fragst einfach nach diesem Teil?"
"Nein. Das mit dem Ausweis dauert zu lange. Leider kann ich auch nicht die Wahrheit sagen, da die mich sofort in die Klappsmühle stecken würden. Du weißt ja, wie die Spanier darauf reagiert haben, als ich ihnen von meinem Projekt erzählt hatte. Ich wurde zum Gespött des Monats! Nein, ich werde dort einbrechen. Marcos hat mir gestern einen Lageplan von Gromm Lake zugefaxt. Zudem hat der Pilot einige Frachtcontainer mit Technologie organisiert, die er dann in der Frachtmaschine transportieren wird. Er hat einen Airforce-Code und wird mit seiner Maschine in Groom Lake landen. Während des Ausladens husche ich an den Wachen und an dem Personal vorbei und suche nach Area 51."
"Jetzt klingt es verrückt! Aber einfach. Aber was ist Groom Lake? Wieso landet der Pilot nicht in Area 51?"
"Naja, die US-amerikanische Regierung hat die Existenz von Area 51 immer verneint. Groom Lake ist die Luftwaffenstützpunkt der Airforce, wo sich die Abteilung Area 51 aufhalten soll. Aber das zu finden dürfte schwierig sein. Um nicht entdeckt zu werden, wird er sich ins Sicherheitssystem hacken und alles fernsteuern", erklärte er mir und zeigte mir den Lageplan, den er erwähnt hatte.
"Wow, dieser Marcos scheint ja ein ziemlich kluges Köpfchen zu sein. Wo wohnt er überhaupt?"
"Das weiß ich nicht. Ich habe ihn noch nie in meinem Leben gesehen und sein Name ist nicht Marcos. Ich weiß seinen echten Namen leider nicht."
"Moment! Du hast den Kerl noch nie gesehen? Bezahlst du ihn?"
"Ja, ich gebe ihm für jede Bemühung ein bisschen Geld. Leider kann ich es nicht überweisen, sonst könnte man ja seine Identität herausfinden. Ich bezahle ihn bar, indem ich das Geld einfach irgendwo verstecke. Und er holt es sich dann später einfach."
"Und wie kommuniziert ihr, wenn das Handy seinen Standort verraten könnte?"
"Er hat sich selber ein unaufspürbares Telefon gebaut. Ich bin der einzige, der seine Nummer hat", antwortete er und nahm einen Schluck Wein.
"Im Klartext also, dein "Freund" arbeitet nicht gerade legal."
"Oh, nein! Ich arbeite eigentlich ziemlich legal mit ihm, bis auf das mit dem Hacken und hereinschmuggeln nach Area 51. Das ist nicht mehr legal!", flüsterte er und stellte seinen leeren Teller zur Seite. Auch ich war mit dem Essen fertig und legte den Teller weg. Joaquín bezahlte den Kellner und wir verschwanden. Aber nicht nach Hause, denn wir liefen noch etwas am Strand entlang.
"Das klingt ja sehr aufregend, aber es ist doch ziemlich gefährlich, nicht wahr?", fragte ich und kickte einen Stein ins Meer.
"Ja, aber was tut man nicht alles, um Erfolg zu haben. Außerdem werde ich das Teil auch wieder zurückgeben, wenn ich ein Replik angefertigt habe."
"Wäre es möglich, dass ich mitkomme?", fragte ich neugierig.
"Was?! Nein, auf keinen Fall! Das ist doch Irrsinn und viel zu gefährlich! Bleib am besten hier."
"Nein, ich werde mitkommen! Und du kannst nichts dagegen machen!", antwortete ich spitz und verschränkte die Arme vor meiner Brust.
"Ugh ... Also gut, wenn es dir denn soviel bedeutet! Aber du solltest auf das hören, was ich dir dann sagen werde!"
Ich stimmte zu!
Auch das war nicht wirklich weise, was ich da gefaselt hatte. Eigentlich wollte ich gar nicht mitkommen, aber ich war bereits wieder Zuhause. Allerdings wollte ich Joaquín nicht im Stich lassen, falls er festgenommen werden könnte.


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 Betreff des Beitrags: Re: Die Seele des Universums
Verfasst: Di 29. Mai 2012, 13:36 
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Irrlicht
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Logbuch des Captains, 7. Juni 2012: Die letzten Vorbereitungen sind getroffen und ich habe mich bestens auf den Einbruch vorbereitet. Ich habe mich komplett in Schwarz gehüllt - ein schwarzer Pullover, eine schwarze Basecap und eine schwarze Hose - und einige Gegenstände dabei, die mir bei diesem Einbruch helfen sollten. Eine Taschenlampe, ein kleiner Handcomputer, ein Langstreckenfunkgerät, zwei normale Funkgeräte, ein bisschen Verpflegung und ... eine Waffe, eine SIG Sauer P-226, nur für alle Fälle. Wir sitzen gerade in der U-Bahn und sind auf dem Weg nach El Prat, wo die Maschine warten sollte.

"Ich habe da irgendwie ein mulmiges Gefühl", flüsterte mir Lucía zu. "Ich bin noch nie irgendwo eingebrochen." Gott sei Dank waren wir die einzigen Personen im Wagon, sonst hätte uns vermutlich jemand gehört.
"Keine Sorge, wir packen das! Außerdem bin ich auch noch nie eingebrochen."
"Sicher?"
"Natürlich. Wenn wir im Flugzeug sind haben wir genug Zeit den ganzen Plan durchzugehen", sagte ich und stand auf, denn der Zug wurde langsamer. Die Tür öffnete sich, wir nahmen unsere Rucksäcke und stiegen aus. Da es Nacht war vielen wir nicht besonders auf. Zwar war die U-Bahnstation beleuchtet, aber immer noch war keiner zu sehen. Im Flughafengebäude sah es da schon etwas anders aus. Wir folgten der Wegbeschreibung, die wir von Marcos erhalten hatten, und gelangten zu einer Tür mit Sicherheitskontrolleur. Ich gab dem Mann die gefälschten Papiere. Dieser las sie sich aufmerksam durch, gab sie mir wieder und ließ uns passieren. Wir gingen durch den Metalldetektor, der zweimal piepte, aber das störte weder uns noch den Kontrolleur.
"Nur mal so aus Neugier. Was enthielten die Papiere denn?", fragte Lucía mit lauterer Stimme, um gegen den Lärm der Flugzeuge anzukommen.
"In ihnen stand, dass wir Metallprotesen haben und prominente Persönlichkeiten sind, die keinerlei Untersuchungen bedürfen. Deswegen habe ich dir im Zug den Stahlbarren gegeben, der gerade vermutlich deinen Rücken demoliert", erklärte ich.
"Da hast du Recht! Ganz schön clever! Ist sie das dort?", fragte sie und zeigte mit dem Finger auf ein sehr großes, vierstrahliges Flugzeug mit einem US-Airforce-Wappen an der Seite.
"Oh, Marcos hat anscheinend die Maschine umspritzen lassen und etwas militarisiert", bemerkte ich und lief die Frachtrampe am Bug der Maschine hinauf. Der Frachtraum war gefüllt mit Kisten und Containern, die alle mit Airforce-Aufklebern versehen waren.
"Joaquín de la Vega?", ertönte plötzlich eine Stimme. Ich drehte mich herum und erblickte das Gesicht eines dunkelhäutigen Mannes im grünen Overall. Ich nickte und reichte dem Mann die Hand. "Ich bin "Major Jonathan Wilston", der Pilot dieses Flugzeuges. Eigentlich heiße ich Ignacio de Katenga, aber für diese Mission bin "Major Wilston"."
"Alles klar. Das ist Lucía Montero", sagte ich und trat einen Schritt zurück.
"Freut mich Sie kennenzulernen, Major", sagte sie und reichte ihm die Hand.
"Gut, dann sollten wir mal keine Zeit verlieren. Es ist erst gerade dunkel geworden und wenn wir in Nevada sein sollten wird es noch Abend sein. Deshalb brechen wir jetzt schon auf", sagte der Major und verzog sich ins Cockpit. Im Flugzeug arbeiteten normalerweise siebzehn Mann, aber da wir noch anwesend waren, waren es nur fünfzehn.
Die Triebwerke heulten langsam einem nach dem anderen auf und schließlich rollte die Maschine zur Startbahn.


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 Betreff des Beitrags: Re: Die Seele des Universums
Verfasst: Di 29. Mai 2012, 13:52 
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Noch nie war ich so sehr aufgeregt, wie in diesem Moment. Mein Herz sprang im Quadrat, wenn ich daran dachte. Aber es gab kein Zurück mehr, denn wir waren schon in der Luft! Freundlicherweise hatte uns der Major zwei Ausweise des FBI gegeben, auf denen aber kein Bild war.
"Dann haben wir ja doch Ausweise erhalten!", sagte ich zu Joaquín. Dieser war aber anscheinend genau so verwirrt wie ich.
"Major Wilston, hatte Marcos nicht gesagt, dass es zu lange dauern würde die Ausweise zu fälschen?", fragte er.
"Ja, das hat er. Aber er hatte noch zwei leere Ausweise des FBI gefunden, die er schnell füllen konnte. Die Rucksäcke und schwarzen Sachen, die ihr da tragt, werden nicht nötig sein. Wir haben für euch Anzüge, die ihr tragen solltet, sonst fallt ihr noch wirklich auf. Das Zeug, was ihr in euren Rucksäcken habt, tut ihr einfach in einen Aktenkoffer, der bei den Sachen dabei ist", sagte der Major und zeigte auf einen Schrank, in dem unsere Sachen hingen.
"Vielen Dank", sagten wir fast gleichzeitig und griffen uns unsere neuen Sachen. Nach zehn Minuten waren wir beide fertig und aufbruchbereit, aber leider waren wir noch nicht da. Die Reise sollte noch etwa vierzehn Stunden dauern, und zudem mussten wir noch in New York zwischenlanden, da die Maschine nicht bis nach Nevada durchkommen konnte.

Die Stunden verstrichen. Joaquín schlief und ich dachte noch einmal über meine gerade versemmelte Zukunft nach. Joaquíns Plan, den er schon ausgeheckt hatte, konnten wir vergessen, da wir keine Einbrecher mehr waren, sondern FBI-Leute. Aber Joaquín hatte sich schon etwas ausgedacht, was er sagen könnte.
Die Landung und den Start auf dem LaGuardia-Flughafen hatten wir gar nicht mitbekommen, da wir nun beide schliefen ...


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 Betreff des Beitrags: Re: Die Seele des Universums
Verfasst: Di 29. Mai 2012, 18:02 
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Es rüttelte. Die Motoren wurden langsam leiser und die Maschine befand sich, glaube ich, im Landeanflug. Ich stand auf und bewegte mich zum Cockpit. Ich hatte Recht. Aus der Frontscheibe konnte man einen lecuhtenden Punkt am Horizont erkennen. Nach zehn Minuten erkannte ich schon die Landebahn.
"Bitte anschnallen!", sagte Major Wilston, als Lucía gerade das Cockpit betrat. Ich setzte mich auf den Funkersitz und Lucía auf einen für Passagiere.
Der Major funkte nach Groom Lake für Landeerlaubnis, die er sofort erhielt. Nachdem wir aufgesetzt waren rollte der Copilot die Maschine zum Parkplatz.
"Diese Maschine kommt aus Washington und soll einige technischen Geräte nach Groom Lake bringen. Ihr beide seid FBI-Agenten. Joaquín, du bist Agent Fernando Reyes, geboren am 26. Juli 1987 in El Paso, Colorado. Lucía, du bist Agent Paulina Torres, geboren am 22. März 1989 in Albuquerque. Das wisst ihr beide doch hoffentlich noch?", erklärte uns der Major noch einmal.
"Ja, natürlich. Und was ist, wenn sie genaueres wissen wollen?", fragte Lucía.
"Ihr könnt einfach verneinen. Die Dinge gehen die Airforce nichts an. Allerdings solltet ihr schon sagen weswegen ihr gekommen seid, nämlich wegen einer Untersuchung an einem Mord. Die wissen zwar, dass zwei Agenten vom FBI kommen sollen, aber wer das sein soll wissen sie nicht. Lasst eurer Fantasie einfach freien Lauf. Sie können euch nicht auf die Spur kommen. Es sei denn ihr verhaltet euch so auffällig. Dann werden die alles in die Wege leiten, um eure wirkliche Identität herauszufinden."
"Das ermutigt uns nicht wirklich!", antwortete ich und stand auf, denn der Copilot hatte die Motoren abgestellt.
"Ihr werdet das schon schaffen. Das hoffe ich, denn wenn ihr versagt, werde ich ebenso hinter Gittern gebracht, wie ihr. Achja, Lucía! Das hätte ich fast vergessen! Öffne den Schrank dort vorne und nimm die eine Waffe und den Holster.
"Wofür?", fragte sie.
"Ihr seid FBI-Agenten. Die Kerle schlafen doch mit ihren Waffen. Ob ihr das glaubt oder nicht, aber wenn ihr unbewaffnet dort aufkreuzt, wird man ziemlichen Verdacht hegen. Es ist besser so. Du musst die Waffe ja nicht verwenden. Nagut, bleibt einfach solange, bis wir wieder abreisen. Das wird in etwa fünf Stunden sein", sagte der Major und wünschte uns viel Glück.
Wir bedankten uns und griffen nach unseren Aktenkoffern und verließen das Flugzeug durch die Bugluke.
Ein Empfangskomitee gab es zwar nicht, weshalb wir uns ziemlich hilflos vorkamen. Mal sahen wir einen Trupp von Piloten, die zu ihren Jägern eilten. Aber schließlich kam ein Offizier in Uniform auf uns zu. Ich atmete tief durch und ging ebenfalls auf ihn zu.
"Sind Sie die beiden Agenten aus Washington?", fragte der Offizier. "Brigadier General Mike O'Hara."
"Ja, die sind wir. Ich bin Agent Fernando Reyes und das ist Agent Paulina Torres. Wir sind ihr, da wir vermuten, dass ein ungewöhnliches Artefakt hierher geschmuggelt wurde, dass mit einem Mord an einem Mann vor fünfundsechzig Jahren zu tun hat."
"Um welchen Mann handelt es sich?", fragte der General.
"Es geht um ... Klaus Liebermann. Er war ein deutscher Spion, der für das FBI arbeitete. Er starb am 8. Juli 1947 in New Mexico. Er wurde in Einzelteilen wieder gefunden. Dürfen wir uns hier ein wenig umschauen?", log ich.
"So so, der 8. Juli 1947? Was soll ich denn jetzt davon halten? Zeigen Sie mir bitte die Akten des Verstorbenen, ja?"
"Ich schätze, das geht nicht. Leider handelt es sich hierbei um strenggeheime Akten. Sie wissen schon. Nationale Sicherheit. Der Mann hatte ein Objekt bei sich, welches dazu gedient hatte mit dem FBI zu kommunizieren. Wenn Sie die Freundlichkeit hätten uns dieses Objekt zu geben, wären wir sehr dankbar für Ihre Kooperation. Wir müssen herausfinden, über was er sich als letztes mit dem FBI unterhalten hat", sagte ich und gab dem General ein Bild.
"Das Ding? Das ist ein Kommunikationsgerät?", fragte der General skeptisch.
"Genau! Man hat es in Deutschland entwickelt. Es dient nicht nur der Kommunikation, sondern auch zur Aufnahme von Geräuschen. Eben ein Aufnahmegerät und ein Walkie-Talkie in einem", erklärte ich.
"Sie sind nur wegen dieses Gerätes hier? Woher wissen Sie davon?", fragte er mich.
"Die Person, die uns davon unterrichtet hatte, möchte unerkannt bleiben. Ich kann Ihnen den Namen nicht nennen."
Der General überlegte eine Weile, nickte aber endlich. "Folgen Sie mir!"
Ich konnte es kaum fassen! Er hatte mir die Geschichte wirklich abgekauft, die ich gerade so zusammengereimt hatte. Auch Lucía schien überrascht zu sein. Die Sache dürfte ja schneller erledigt sein, als gedacht. Wir wurden in ein Gebäude gebracht, was sich direkt in der Nähe des Rollfeldes befand. Wir wurden vom General höchst persönlich und vier Soldaten begleitet, wobei ich bei den Soldaten ein mulmiges Gefühl bekam. Wir stiegen in einen Fahrstuhl, der uns zehn Stockwerke nach unten bringen sollte. Doch plötzlich begann der General wieder zu fragen.
"Sie sind ja recht jung, für einen Agenten des FBI, oder nicht?"
"Ja, das stimmt. Das ist unser erster Auftrag. Wissen Sie denn schon, wie man dieses Funkgerät benutzt? Unsere Wissenschaftler, die wir deswegen angesetzt haben, beißen sich täglich die Zähne aus."
"Oh, nein leider nicht. Wir haben es nur in der Wüste gefunden, mehr nicht. Darum haben wir uns aber nicht weiter gekümmert. Aber Ihr Gesicht kommt mir irgendwie bekannt vor, Agent Reyes. Sind wir uns schon einmal begegnet?"
"Wir? Nein, ich fürchte nicht. Ich werde andauernd verwechselt, weil ich einem sehr bekannten Mann, dessen Name mir leider entfallen ist, ähnele", log ich wieder. Verdammt! Der hatte mich auf dem Kieker! Und das sollte noch für die nächsten viereinhalb Stunden weitergehen, denn unser Major konnte nicht vorher fliegen.
"Hm. Ah, da wären wir ja", sagte er und stieg aus. Wir streiften durch ein irre langes System von Korridoren und gelangten an Türen vorbei, die ich sehr gerne mal aufgemacht hätte. War es denn wirklich möglich, dass in dieser Militäreinrichtung Aliens und UFOs gelagert waren. Wer wusste das schon? Vielleicht würde ich ja einigen Verwandten unserer Besucher begegnen, sobald ich deren Heimatwelt gefunden hatte.
Schließlich waren wir an einer Tür angekommen, die einen sehr langen Code brauchte, um Zutritt zu gewähren. Wir gelangten in ein Lager, gefüllt mit Regalen voller Artefakte wie kleine Schätze aus Ägypten, mehrere Statuen und ... meinem verlorenen Teil!!! Zwischen Einer Statue von Ra und einer Kiste, die mit Aliens beschriftet war, lag mein kleines Teil. Es war wohl doch nicht faustgroß, sondern eher kopfgroß. Wir hatten es wirklich geschafft!
"Ist es das?", fragte Lucía, die die ganze Zeit geschwiegen hatte.
"Oh ja, meine Liebe! General O'Hara, Sie haben uns wirklich geholfen und unserem Ziel ein gewaltiges Stück näher gebracht. Jetzt müssen wir nur noch herausfinden, wie dieses Teil zu handhaben ist", sagte ich und reichte ihm die Hand. Wir verließen den Untergrund und kehrten zurück zur Oberfläche. Ich hielt meinen Preis in meinen Händen. Jetzt konnte mich nichts mehr aufhalten!
Ohne ein weiteres Wort zu sagen liefen wir zurück zum Rollfeld und suchten nach unserer Maschine ... Doch wo war sie? Wir schauten uns um, aber niemand war mehr zu sehen! Keine C-5, kein Major Wilston und keine Möglichkeit wieder nach Hause zu gelangen! Wir sahen nur einen rot-grünen Lichtpunkt zwischen den Sternen. und zwei Jets, die auf der Startbahn Gas gaben, um diesem Lichtpunkt zu verfolgen.
Langsam drehte ich mich herum und erblickte den General.
"Was ist los, Agents?! Haben wir etwa unsere Maschine verloren?", fragte er hämisch. Hinter ihm tauchten zwei Soldaten auf, die gerade ihre Waffen ziehen wollten, doch ich war schneller. Ich schoss den beiden in ihre Beine und sie ließen ihre Waffen fallen.
"Wissen Sie, wie viel Ärger Sie sich gerade gemacht haben?!"
Ich zielte mit der Waffe auf seinen Kopf und sagte: "Kommen Sie mit, General!"
Etwa dreißig Mann strömten herbei und richteten ihre Waffen auf uns.
"Keinen Schritt weiter!", brüllte ich in die Menge und versteckte mich hinter dem General, meine Waffe an seinem Kopf gerichtet.
"Fernando!" Lucía tippte mich von der Seite an und zeigte auf einen Geländewagen, der an dem Parkplatz stand, wo die C-5 hätte stehen sollen. Wir gingen langsam zu dem Wagen, Lucía setzte sich auf den Fahrersitz und der General und ich auf die Rückbank. Sie startete den Wagen und fuhr mit Bleifuß über das Gelände, durch eine Schranke hindurch und weiter über einen Feldweg, der zu einem Zaun führte. Ein Wachposten sah uns und den General und begann auf uns zu schießen, doch Lucía brach auch durch diese Schranke mit einem Affenzahn.
"Wohin jetzt?!", fragte sie völlig aufgeregt.
Ich tat das eigentlich gar nicht gerne, aber der General gab keine Antwort. Ich fragte ihn nocheinmal und kitzelte ihn mit der Waffe.
"Die nächste Abfahrt links in Richtung Osten. Etwa achtzig Kilometer entfernt ist ein Ort namens Alamo."
"Sehr gut. Paulina, halte bitte an!" Der Wagen kam sofort zum Stillstand. "Verschwinden Sie!" Der General öffnete die Tür und rannte in die entgegengesätzte Richtung. Ich setzte mich auf den Beifahrersitz und Lucía gab wieder Gas.
Die nächste halbe Stunde hörten und sahen wir nichts. Keine Hubschrauber, keine Autos und keine Jets.


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