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 Betreff des Beitrags: Re: Die Seele des Universums
Verfasst: Sa 23. Jun 2012, 23:47 
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Irrlicht
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"Also schön, Mister de la Vega. Dann fangen wir mal an. Sie erzählen uns einfach, was Sie da oben gesehen haben", begann General Jacoby und setzte sich an den Kopf eines langen Tisches.
"Hm, also gut. Ich habe hier einige Bilder aufgezeichnet. Wenn Sie bitte die Freundlichkeit hätten mir einen Projektor zur Verfügung zu stellen. Ich wäre Ihnen sehr dankbar", sagte ich. Einer der Soldaten, der an der Tür stand, bewegte sich in die Ecke und rollte einen Beamer in meine Richtung. "Vielen Dank!" Ich stöpselte meinen Tabletrechner, den ich mitgebracht hatte, an den Beamer. Der Projektor zeigte verschiedene Bilder der Marsoberfläche, den Marsrover Spirit, einige Steine und den mysteriösen Käfer.
"Das ist also Ihr Außerirdischer?", fragte O'Hara beeindruckt.
"Genau, ich habe ihn, wenn Sie nichts dagegen hätten, Lucíadylia genannt. Ich denke Sie wissen alle den Grund für diese Namenswahl, oder?" Die Menge nickte. "Nun ja, da mein Aufenthalt aus finanziellen Gründen relativ sehr kurz war, konnte ich leider nicht viel mehr über den Planeten erfahren, geschweige denn über den Käfer. Ich weiß zumindest, dass er sich von Trockeneis ernährt, obwohl es in den Quadranten, in denen ich gelandet bin, so gut wie kein Eis gibt. Wahrscheinlich hat er sich verirrt. Er lebt vermutlich auf dem Nord- oder dem Südpol des Planeten."
"Also, das ist schon mal sehr gut. Jetzt wissen wir wenigstens, dass es Leben auf anderen Planeten, sogar auf unserem Nachbarplaneten, gibt. Kein Wunder, dass die Marssonden die Käfer nicht registriert haben, wenn sie wie Steine aussehen", sagte der Colonel und lachte kurz auf.
"Und sie rennen auch nicht weg, wenn man sich ihnen nähert. Deshalb haben wir sie ja auch für Steine gehalten. Allerdings ist dieser Käfer etwas anders. Er ist nämlich vor mir abgehauen. Es kann natürlich auch sein, dass er der einzige Käfer in diesen Breiten war, und dass die anderen Steine, die wir für Steine gehalten haben, wirklich Steine sind. Auf jeden Fall sollten wir das noch einmal erforschen. Aber jetzt steht uns ja erst mal die Europa-Mission und die Proxima-Centauri-Mission bevor", antwortete ich und schaltete den Projektor ab.
"Also gut, eigentlich wollten wir es Ihnen etwas später sagen. Aber wir glauben, dass diese Missionen nicht möglich sind. Sie sind zu jung und unerfahren!", sagte General O'Hara.
"Wie bitte? zu unerfahren. So wie ich das sehe habe ich es wenigstens geschafft zum Mars zu fliegen, was Sie nicht geschafft haben. Ich weiß, ich bin kein ausgebildeter Astronaut. Aber in meinem Schiff brauche ich das auch nicht zu sein. Ich finde, es ist es schon wert. Jetzt, wo wir die Möglichkeit haben", antwortete ich.
"Tut mir Leid, aber das können wir nicht gestatten. Sie werden nirgendwo mehr hinfliegen. Ihre Zeit ist abgelaufen. Von nun an übernehmen wir!", sagte der General entschlossen und stand auf.
"Was soll das denn heißen? Sie können mich doch nicht einfach in die Ecke stellen und mein Schiff weiterhin verwenden", sagte ich empört.
"Sie irren sich, ich kann. Und nun geben Sie mir bitte den Schlüssel!"
"Den Schlüssel? Ha! Das ist kein Volkswagen! Ich habe eine einmalige Spracherkennung eingebaut, worüber sich Ihre Wissenschaftler jahrelang die Köpfe zerschlagen werden. Kein Code, nur eine Spracherkennung. Selbst wenn Sie meine Stimme auf Band aufnehmen, würde das der Computer mitbekommen und den Computer zusetzlich mit einem Zugangscode verriegeln. Außerdem ist noch mein Fingerabdruck erforderlich, sonst kommen Sie erst gar nicht in das Schiff hinein! Sie müssten mir schon meine Hand abschneiden und meine Stimmbänder in einen anderen Körper einsetzen. Dann bestünde vielleicht eine Chance!"
"Dann öffnen Sie eben dieses Schiff, oder wollen Sie etwa wegen Einbruchs in eine strenggeheime Einrichtung im Hochsicherheitsgefängnis sitzen?"
"Ich öffne gar nichts! Vielleicht ist es Ihnen entfallen, General, aber wir hatten eine Abmachung! Ich würde nicht in ein Gefängnis, wenn ich mit Ihnen zusammen arbeite. Das habe ich getan. Ich habe mit Ihnen zusammengearbeitet, aber ich löse jetzt diese Kooperation auf. Immerhin sagten Sie ja nicht für wie lange ich für Sie arbeiten soll. Sie können mir nichts mehr befehlen
"Sir, ich weiß ja nicht ob es Ihnen entgangen ist, aber ich unterliege weder Ihnen noch dem US-amerikanischen Präsidenten. Sie können mir nichts befehlen. Wenn Sie mich entschuldigen, ich werde jetzt das Weite suchen. Da ich bis vor einer halben Minute noch mit Ihnen zusammengearbeitet habe, werde ich von jeder gesammelten Datei eine Kopie erstellen und diese Ihnen zuschicken, also Bilder und so ein Schnickschnack. Das wird in Zukunft aber nicht mehr der Fall sein. Schönen Tag noch, die Herren!", sagte ich, packte meine Sachen ein und verließ den Raum.
Ich hatte ein echt mieses Bauchgefühl. Es gab doch Berichte über Wissenschaftler, die auf kuriose Weise verschwunden waren, nachdem sie mit der Regierung zusammengearbeitet hatten. Deshalb drehte ich mich immer wieder herum, um mich zu vergewissern, dass mir keiner auf den Fersen war.


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 Betreff des Beitrags: Re: Die Seele des Universums
Verfasst: Sa 23. Jun 2012, 23:58 
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Irrlicht
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"Und, wie ist es gelaufen?", fragte ich, sobald ich Joaquíns Kopf in der Tür sah.
"Ganz gut, ich habe gekündigt!"
Meine Kinnlade sackte förmlich nach unten. Was hatte er mir da erzählt? Gekündigt?!
"Wieso denn das?!"
"Sie haben angefangen mir Befehle zu erteilen und wollten mich aus meinem eigenen Projekt heraushalten. Und überhaupt, wieso sollte ich denn für die Amerikaner arbeiten? Ich komme auch ganz gut alleine zurecht. Ich will nichts mit Regierungen zu tun haben. Also kein Ding mit der NASA. Mit der ESA vielleicht, da Spanien ja auch daran beteiligt ist. Aber vorerst bin ich mein eigenes Weltraumprogramm! Immerhin sind es meine, eigentlich meines Vaters, Erfindungen!"
"Das ist ein Argument. Na gut, dann sollten wir mal schnell verschwinden, bevor die noch anfangen uns hier festzuhalten", sagte ich und ging voraus. Am Eingang gaben wir die Besucherpässe zurück und liefen in Richtung Stadt.
Ein silberner Wagen verlangsamte plötzlich und drehte.
"Warten Sie!", rief eine Stimme. Wir drehten uns herum und blickten zu einem mittelgroßen Mann, den wir sofort erkannten. Es war "Major Wilston".


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 Betreff des Beitrags: Re: Die Seele des Universums
Verfasst: So 24. Jun 2012, 00:40 
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Irrlicht
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Verwundert liefen wir dem Mann entgegen, der auch ausgestiegen war.
"Guten Abend, Leute! Es ist schön euch wieder zu sehen", begrüßte der uns Wilston.
"Es ist auch schön dich wieder zu sehen, "Major". Was führt dich denn hierher?", fragte ich und reichte ihm die Hand. Lucía tat das Gleiche.
"Ein Angebot führt mich hierher. Für dich!" Lucía und ich schauten uns gegenseitig verblüfft an.
"Ach ja? Was denn für ein Angebot?", fragte sie.
"Wisst ihr, es ist nicht länger notwendig für die Amerikaner zu arbeiten. Es gibt da eine gewisse Organisation, die sich mit der Raumfahrt beschäftigt. Es ist weder die NASA noch die ESA, keine Sorge. Es gibt sie seit etwa vier Wochen. Leider kann ich euch nicht mehr darüber sagen. Sie ist sehr geheim. Versucht erst gar nicht im Internet danach zu forschen. Das einzige, was ich euch noch verraten kann, ist KEROS. Das ist alles. Macht's gut, Leute!", sagte Wilston und stieg wieder in den Wagen. "Wenn ihr keine Dummköpfe seid, dann seid ihr spätestens nächste Woche da. Viel Glück!" Er kurbelte das Fenster hoch und fuhr los.
Das war ja ganz toll! Er hätte uns wenigstens bis zum Flughafen mitnehmen können, aber er war weggefahren.

Wir hatten uns den ganzen Rückflug gefragt was Wilston mit KEROS meinte. Wir hatten bereits an die griechische Insel Keros gedacht, aber wir lagen anscheinend ziemlich falsch, denn die griechische Regierung würde wohl kaum ein Projekt einer ausländischen Firma zulassen, da sie daran ja noch nicht selber verdienen könnte. Zudem stand das Land ja kurz vor dem Bankrott. Immerhin hatte diese unbekannte Organisation noch kein Geld gesehen, außer jenes, welches ausgegeben wurde, um gegründet zu werden. Es war höchstwahrscheinlich eine regionale Organisation. Aber der Begriff KEROS kam mir so bekannt vor. Ich hatte ihn irgendwo schon einmal gelesen. Bloß fiel es mir nicht mehr ein, wo das war.


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 Betreff des Beitrags: Re: Die Seele des Universums
Verfasst: Do 28. Jun 2012, 22:01 
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Irrlicht
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Es war der herrliche Duft von Spiegeleiern, der mich aufwachen ließ. Ich öffnete meine Augen und nahm völlig benommen Marias Gesicht wahr.
"Guten Morgen, Señorita. Ich habe Frühstück gemacht. Ihr Vater sagte, dass ich Sie wecken soll", sagte sie und öffnete die Balkontür.
Ich bedankte mich, sprang auf, zog meinen Bademantel an und lief ins Badezimmer, um mich zu duschen.
Darauf föhnte ich meine Haare, zog meine Klamotten an und hüpfte fröhlich die Treppe herunter.
"Morgen, Papa!", begrüßte ich den angealterten Mann am Tisch im Speisesaal und setzte mich neben ihn. "Wo ist denn Mama?"
"Guten Morgen, mein Schatz. Sie ist doch arbeiten. Warst du denn so lange weg, dass du das vergisst? Übrigens, Balea hat angerufen. Sie hat mich gefragt, wo du denn stecken würdest. Ich sagte, dass du in den USA bei einem Freund wärst. Du hast dein Mobiltelefon ja hier gelassen", antwortete er und nahm einen Schluck Kaffee.
"Ach ja, das habe ich ganz vergessen. Hm, wie war denn ... Oh, verflixt! So spät schon! Wieso hast du mich denn nicht früher geweckt?!" Ich schluckte das Spiegelei ganz herunter, nahm das Brötchen auf die Hand und sammelte meine Sachen ein, die in meinem Arbeitszimmer herumlagen.
Während ich zur Haustür rannte, und dabei fast Maria umstieß, die mit einem Tablett voller Wurst und Käse für Nachschub sorgen wollte, ließ ich ein kurzes "tschüss, ihr beiden" vernehmen.

Es war zum Verzweifeln. Den ganzen Tag hatte ich diesen blöden Begriff im Kopf: KEROS. Ich konnte mich nicht mehr auf meine Referat konzentrieren, da dieses Wort in meinem Kopf herumspukte. Die Sätze, die ich zusammenstammelte, ergaben größtenteils nicht einmal Sinn, weshalb ich das Referat, mit der Begründung Kopfschmerzen zu haben, abbrechen musste. Ich sollte es folgende Woche wiederholen.
Nachdem ich aus dem Saal gelaufen kam, hechtete ich sofort zu einem Wasserspender. Und wusch mein Gesicht.
"Was war denn das vorhin?", fragte eine vertraute Stimme. Ich drehte mich herum und erblickte Baleas Gesicht. "Und außerdem hast du mir nie erzählt, dass du einen Freund in den Staaten hast."
"Ach ja, das habe ich anscheinend vergessen."
"Wie auch immer. Ich bin mal gespannt, wenn Joaquín wieder landet", sagte sie und lächelte.
"Was? Der ist doch schon auf dem Boden. Ich war bei der Landung dabei. Auch bin ich mit ihm nach Hause geflogen."
"Die Medien haben nichts berichtet."
"Klar, wie auch? Da wren ja noch nicht einmal Kamerateams. Außerdem habe ... Moment mal!" Ein etwas beunruhigender Gedanke rannte gerade durch meinen Kopf. Beim Start der De Madrugada war die ganze Welt dabei, und bei der Landung nur eine Gruppe von Führungsoffizieren und Wissenschaftlern. Da war doch etwas faul! Wollten die USA etwa das ganze Spektakel doch geheim halten?


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 Betreff des Beitrags: Re: Die Seele des Universums
Verfasst: So 1. Jul 2012, 17:12 
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Irrlicht
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Endlich, nach all der langen Zeit konnte Tuvok seine Worte vollenden. Mit seiner wie immer gleichgültigen Stimme versetzte er mich in leichtes Schmunzeln, da Vulkanier für gewöhnlich niemals lachen. Es war schon erstaunlich wie nah ich mit meinem kleinen Projekt der Star-Trek-Saga entfernt war ... und vor allem wie nah ich dem Proxima-Centauri-System.
Ich unterbrach die Episode, um etwas Zuessen zu machen. Als ich den Kühlschrank öffnete, viel mir vorrangig der widerliche Geruch auf. Vor meiner Mission zur Area 51 hatte ich vergessen den Inhalt des Kühlschrank über meinen Verdauungstrakt zu vernichten. Das war bedauerlich. Ich ließ einen Seufzer vernehmen und begann mit dem Entsorgen der Lebensmittel, die mittlerweile in allen Farben schimmerten. Anscheinend war es an der Zeit neuen Proviant zu kaufen.
Ich schnappte mir eine Tragetasche und verließ meine Wohnung in Richtung U-Bahnstation. Um zu dem Markt zu kommen, bei dem ich immer einkaufte, musste ich noch nicht einmal umsteigen. Es waren lediglich sechs Stationen.
Ich erwischte gerade noch einen Zug, der in die Richtung fuhr, die für mich am günstigsten war. Es war komisch. Die Leute schienen mich gar nicht zu erkennen. Oder sie ignorierten mich, was ja auch nicht selten der Fall war. Städter waren dafür bekannt, dass sie immer zweimal hingucken mussten, um jemanden wiederzuerkennen. Aber störte mich das? Wohl kaum.
"Proxima Estació - Sants Estació", ertönte eine weibliche Stimme. Das war mein Signal. Ich stand auf und verließ den Waggon, als sich die Türen öffneten.
Wie es U-Bahnhöfe so an sich hatten, hingen überall Plakate von Werbeagenturen, Filmen oder Musikfestivals. Es war manchmal witzig anzusehen, wie verschiedene Waren dargestellt wurden. Auf einem Plakat war eine glänzende Uhr zu sehen, die von einem Krokodil umarmt wurde. Neben diesem Plakat machte die Firma Garmin wieder einmal Werbung für ihre GPS-Geräte.
Ich wollte gerade die Rolltreppe hinauf zur Erdoberfläche fahren, als mir plötzlich etwas einfiel. Ich machte auf dem Absatz kehrt und hechtete die Treppe hinunter.
Auf dem Garmin-Plakat war ein GPS-Gerät zu sehen, welches einen Teil von der Niederlande und einem Teil eines Meeres, vermutlich die Nordsee, zeigte. Aber in der auf dem Gerät waren nicht nur Flughäfen, Lufträume oder VORs eingezeichnet, sondern auch mehrere blaue und rosa-farbene, kleine Dreiecke. Und an einem der rosa-farbenen Dreiecke stand etwas kleiner geschrieben das Wort KEROS! Dann war KEROS weder eine Insel, noch eine Firma. Es war schlicht und einfach ein Luftfahrtsknotenpunkt.
Das war es! Und wenn ich nicht falsch lag, musste dieser Knotenpunkt nordwestlich von Rotterdamm sein.
Ich griff nach meinem Handy in der Hosentasche und wählte Lucías Nummer.
"Hallo?", meldete sie sich.
"Lucía, ich weiß was KEROS ist!", sagte ich voller Vorfreude.
"Wirklich? Und was?"
"Das kann ich dir jetzt nicht sagen. Ich bin in einer halben Stunde bei dir", sagte ich und legte auf. Schnell hatte ich die Lebensmittel vergessen, die ich noch einkaufen wollte. Ich sprintete zu einem anderen Bahnsteig, wo schon der nächste Zug in Richtung Tibidabo abfahren wollte.
Es dauerte eine Weile, bis der Zug am Fuße des großen Berges am Ende der Stadt hielt.


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 Betreff des Beitrags: Re: Die Seele des Universums
Verfasst: Fr 6. Jul 2012, 16:36 
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Irrlicht
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"Ein herrlicher Tag", gähnte Balea und streckte sich. Wir saßen in meinem Garten und genossen den Blick auf die Stadt.
"Genau! Hier gibt es irgendwie nur herrliche Tage", antwortete ich.
"Sag, wie geht es denn deinem Kopf?", fragte sie.
"Meinem Kopf?"
"Ja, du hattest doch heute Kopfschmerzen gehabt. Was war denn los?"
"Ach, ja ... Ich weiß es nicht. Hat wahrscheinlich etwas mit der Hitze zu tun gehabt. Es war heute ja doch ziemlich heiß."
"Lucía, du kommst aus Mexiko! Dann müsstest du ja dein Leben lang Kopfschmerzen gehabt haben", bemerkte sie und runzelte die Stirn.
"Ja, das stimmt schon. Meine Kindheit war voller Schmerzen. Wahrscheinlich die Meeresluft", antwortete ich und nahm einen Schluck vom Cocktail, der neben mir auf einem Beistelltisch stand.
"Señorita Montero, Señor de la Vega wartet im Salon auf Sie", sagte Maria.
Ich bedankte mich bei ihr und stand auf, um Joaquín zu begrüßen. Dieser wartete geduldig auf einem Sessel und schaute erstaunt zur reich verzierten Decke hinauf.
"Hi, Joaquín. Schön, dass du hier bist", sagte ich.
Er wandte seinen Blick von der Decke ab und sprang sofort auf die Beine.
"Auch schön, dich wieder zusehen, mein Schatz! Ich habe gerade herausgefunden, was KEROS ist. Und zwar ... Wer ist denn das?", fragte er neugierig und schaute zu meiner Freundin herüber, die etwas abseits von uns stand.
"Joaquín, das ist Balea. Balea, das ist Joaquín", sagte ich und trat einen Schritt zur Seite.
"Es freut mich dich kennenzulernen, Balea", sagte er und reichte ihr die Hand. "Kann man dir trauen?"
Beschämt vergrub ich mein Gesicht in meinen Händen.
Etwas irritiert und nicht wissend, was sie am besten sagen sollte, antwortete sie stotternd: "Ich ... ich denke ... schon, ja."
"Sehr gut!", antwortete er.
"Und was ist jetzt KEROS?", fragte ich ungeduldig, um diesen peinlichen Moment zu unterbrechen.
"Ein Knotenpunkt! Er wird in der Luftfahrt eingesetzt und befindet sich in der Nordsee, nordwestlich von Rotterdamm", sagte er und klatschte die Hände.
"Bist du sicher?", fragte ich.
"Oh, ja! Wir müssen nur noch nach Rotterdam gelangen und jemanden finden, der uns zu diesem Knotenpunkt fliegt oder fährt.
"Das ist doch Irrsinn! Joaquín, wieso sollte uns dieser Marcos zu einem Punkt im Meer führen? Mit Sicherheit ist dort nichts!
"Tja, es gibt eben nur eine Möglichkeit das genau herauszufinden. Wilston hatte Recht, wir würden schon innerhalb einer Woche darauf kommen. Ich habe diesen Hinweis in der U-Bahnstation Sants Estació auf einem Plakat gefunden. Darauf war ein GPS-Gerät für Flugzeuge abgebildet mit dem KEROS-Knotenpunkt. Noch offensichtlicher geht das ja nicht!"
"Wenn du meinst. Allerdings musst du da alleine hinfliegen. Ich muss noch ein Referat ausarbeiten. Das verstehst du doch bestimmt, oder?"
Joaquín holte einmal tief Luft und antwortete dann mit einem "Ja!".


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 Betreff des Beitrags: Re: Die Seele des Universums
Verfasst: Fr 6. Jul 2012, 17:30 
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Irrlicht
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Logbuch des Captains, 15. Juni 2012: Ich sitze gerade in dem Flugzeug und werde etwa gegen 14.00 Uhr in Rotterdamm eintreffen. Lucía ist leider nicht mitgekommen, da sie im Moment wichtigeres zu tun hat. Die ganze Zeit über frage ich mich, was ich wohl in der Nordsee finden werde. Falls Wilston genau das KEROS meinte.

Die Luftundurchlässige Tür der Maschine öffnete sich und gab den Weg zum Terminal frei. Ich nahm meinen Rucksack und lief geradewegs in Richtung Ausgang. Vor dem Flughafen warteten unzählige Taxis. Ein Fahrer wartete schon mit Zigarre auf Kunschaft. Als er mich sah, drückte er seine Zigarre in einen Aschenbecher und stieg ein.
"Wo soll es denn hingehen?", fragte er auf Englisch mit niederländischem Akzent und lächelte.
"Zur Marina, bitte!", antwortete ich und setzte mich ebenfalls hinein.
Er nickte und gab Gas. Der Flughafen war etwas im Landesinneren, weshalb die Fahrt eine Viertelstunde dauerte.

Der Hafen war voller Fischerboote, Segelyachten und kleinen Rennbooten. Ich gab dem Fahrer das Geld und stieg aus. Ich versuchte es einfach mal bei einem der Fischerkapitäne.
"Entschuldigen Sie, fahren Sie heute noch raus?", fragte ich einen Mann in Regenklamotten.
"Ja, in zwei Stunden, wieso?"
"Könnten Sie mich mitnehmen? Ich muss zu einem bestimmten Punkt hier in der Nordsee. Etwa zölf Meilen von der Küste entfernt und auf Steuerkurs dreihundert."
"Oh, ich glaube das geht heute ..."
"Ich gebe Ihnen zweihundert Euro", schlug ich vor.
"Sagen wir fünfhundert."
"Dreihundertfünfzig."
"Vierhundert!"
"In Ordnung. Vierhundert Euro." Somit konnte man immer leicht einen Fischer überreden. Ich wartete auf dem Schiff, bis das ablegte und mich zu den gewünschten Koordinaten brachte.
Eine ganze Stunde lang stand ich auf dem Deck, mittlerweile klitschnass. Es regnete in Strömen und die Sicht betrug gerademal fünf Meilen. Der Wellengang war zwar nicht allzu hoch, aber dennoch schaukelte das Schiff, denn es war recht klein. Es hatte leider auch keine Kabine, nur einen Frachtraum für die Fische. Kein Hinweis auf irgendetwas in Sicht, nur Wasser, Regen und tief stehende Wolken.
Doch was war das? Im Wasser leuchtete etwas gelbliches auf.
"Was ist das?", fragte ich den Fischerkapitän.
"Das ist die Bohrinsel T-25, von der Trey Research Company. Ich dachte allerdings, dass man sie abgeschaltet hat. Anscheinend ist sie doch noch in Betrieb", antwortete der Fischer.
"Nehmen Sie bitte Kurs auf diese Insel!", sagte ich und ging wieder nach draußen.
Die Insel rückte immer näher und näher. Mittlerweile konnte ich einen kleinen, schwimmenden Steg erkennen. Ich gab dem Fischer ein Signal mit den Händen und dieser nickte. Als das Boot schließlich in der Nähe des Stegs war, sprang ich hinüber und kletterte eine Leiter hinauf. Inzwischen legte der Kapitän wieder ab und nahm wieder Kurs auf das Festland.
"Hey!!!", brüllte ich noch hinterher. "Warten Sie doch!"
"Ich habe Sie doch zu Ihrem Punkt gebracht! Von einer Rückfahrt war nie die Rede!", brüllte er entgegen, lachte und winkte mit den Scheinen, die ich ihm gegeben hatte.
Das war mit Abstand das dümmste Erlebnis, was mir je widerfahren war. Ich stieg weiter die Leiter hinauf und gelangte endlich auf eine Ebene. Aber vor mir stand ein Mann, den ich sofort wiedererkannte.
"Major Wilston?" Dieser lächelte. "Ich freue mich ganz sehr Sie wieder zu sehen. Ich habe schon befürchtet, dass ich hier falsch bin!"
"Nein, Sie sind hier goldrichtig!", antwortete er mit einem Lächeln im Gesicht.
"Hm, dürfte ich bitte Marcos sprechen, falls er hier ist?", fragte ich und schaute mich um, als würde er hinter mir stehen.
"Ich glaube, dass das jetzt der richige Zeitpunkt ist. Du musst wissen, dass es nie einen anderen gab, als mich."
"Wie bitte?! Du bist Marcos? Da bin ich aber baff!" Ich konnte meinen Ohren gar nicht trauen. Dann war also "Wilston" die ganze Zeit Marcos. "Und was ist das hier für eine Anlage?"
"Das, mein lieber Freund, ist unser Hauptquartier. Es ist eine ehemalige Ölbohrplattform der Firma Trey Research Corperation. Wir haben sie gekauft und zu einem Observatorium umgebaut. Erinnerst du dich noch an KEROS?" Das war das Wort, welches mir tagelange Kopfschmerzen bereitet hatte. "Unsere kleine Organisation heißt nämlich Kentaur Raumüberwachungs- und Observationssystem. Diese Organisation ist geheim und keine Regierung, außer der niederländischen, der deutschen und der spanischen, weiß etwas von diesem Unterfangen. Ich hoffe natürlich, dass das auch so bleibt. Deswegen konnte ich dir auch nicht gleich vor einer amerikanischen Lufwaffenbasis alles erzählen. Ich hoffe natürlich, dass du das verstehst. Aber jetzt führe ich dich mal durch unsere Anlage", erklärte Wilston, alias Marcos, und wies mir den Weg.
Es war wirklich beeindruckend, was diese Menschen aus einer alten Ölbohrplattform gemacht hatten. Marcos erklärte mir manche Details. Zum Beispiel, dass mein Vater der Grund für die Gründung der Organisation war. Oder wie Marcos es geschafft hatte seine Stimme am Telefon zu verändern. Es war einfach nur toll. Von dem Zeitpunkt an wusste ich, dass ich nicht der einzige derart Verrückte auf dem Planeten war. Marcos war es genau so.
Sie hatten die alte Plattform nicht nur umgebaut, sondern auch renoviert. Im Inneren sah sie wie ein Bürogebäude aus. Das Observatorium hatte ein kleines Teleskop, dass man vom All aus nicht sehen konnte. Es war gut versteckt zwischen alten Containern, hatte aber eine achthundermal bessere Auflösung, als das Hubble-Weltraumteleskop. Zudem hatte die Anlage einen Protopypen eines Tiefraumscanners, den mein Vater auf Basis des Hyperantriebes entwickelt hatte. Marcos versicherte mir, dass diese Organisation völlig legal sei, weil sie immerhin ein wenig international war. Wenn allerdings die USA davon Wind bekommen sollten, dürfte das den NATO-Vertrag wohl in Luft auflösen. Die Amerikaner würden alles daran setzen diese Anlage in die Finger zu bekommen. Aber zu soetwas sollte es nicht kommen. Immerhin besaßen die Amerikaner ebenfalls geheime Forschungseinrichtungen. Weshalb sollten das andere Regierungen nicht haben.
Neben einem kleinen Gebäudecontainer, der vermutlich als Tower diente, befand sich ein Hubschrauberlandeplatz mit Hubschrauber.
"Ein AgustaWestland EH 101", sagte er, als er meinem staunenden Blick folgte. "Wir haben auch noch ein Firmenjet, einen CRJ700, und ein ehemaliges Küstenwache-Schiff."
"Wow! Sag bloß, das habt ihr von den Regierungen erhalten!"
"Nein, haben wir nicht. Wir haben diese Gegenstände selber gekauft, um auch mobil zu sein. Aber wir haben das Geld erhalten. Den Hubschrauber, allerdings, haben wir von der britischen Royal Air Force gekauft. Er dient als schnelle Verbindung zum Land", antwortete Marcos und öffnete mir die Tür ins Innere der Ölbohrplattform. "Übrigens. Wann hast du denn deine nächste Mission geplant?"
"Ich würde sagen ... so bald wie möglich. Ich bin sehr gespannt auf diesen Mond und vor allem auf Alpha Centauri", antwortete ich. Marcos führte mich in einen Raum mit einem langen Tisch. Das Fenster bot einen herrlichen Ausblick auf das Wasser. Man konnte ein Containerschiff erkennen, welches in geringer Entfernung - vermutlich drei Meilen - an der Plattform vorbeifuhr.
An dem Tisch saßen mehrere Personen, die sich angespannt über die verschiedensten Dinge unterhielten. Doch als mich einer von denen erblickte, brach er in Applaus aus. Die anderen schauten sich um und stimmten in den Beifall ein.
"Auf den Mann, der den ersten Schritt in Richtung sichere Zukunft gemacht hat!", rief er und hob seine Kaffeetasse. Es war schon verrückt, aber ich fühlte mich endlich mal wieder richtig wohl. Es waren Menschen, die mich nicht für verrückt hielten, sondern mich sogar bewunderten. Dafür bewunderte ich sie, da sie in jeder Beziehung hilfreich waren und sein werden.
"Señor de la Vega, wenn Sie schon gerade hier sind, können wir es Ihnen auch hier zeigen", sagte eine Frau mit blonden Haaren. Sie sprang auf und eilte zu einem Beamer, der dann plötzlich ein Bild auf eine Leinwand warf. Es war die Luftaufnahme eines Gebildes, dass dem Hangar für meine De Madrugada ähnelte.
"Ein Hangar?"
"Genau! Wir haben erst kürzlich einen Hangar fertiggestellt. Er befindet sich in Spanien, in der Sierra Nevada."
"Moment! Sie haben einen Hangar konstruiert? Einfach so in Südspanien? Durften Sie das denn überhaupt?", fragte ich völlig verblüfft.
"Ob wir das durften?! Es war unsere Anweisung! Er soll nun als Landeplattform für dein Schiff dienen, Joaquín. So müssen wir dich nicht mehr immer wieder in die USA schicken", sagte Marcos und lächelte.
"Das ist ja genial! Aber das Schiff ist momentan in den Staaten. Einmal müsst du mich noch einmal dorthin schicken."
"Das ist kein Problem! Morgen fliegst du mit dem Hubschrauber nach Rotterdam. Dann steigst du in den Jet und wirst nach Nevada gebracht. Allerdings müsst ihr dann in Reykjavik, in Kangerlussuaq, in Québec und in St. Louis zwischenlanden, um aufzutanken."
"Na, das verspricht ja wieder spaßig zu werden. Hoffentlich wird das nicht so abenteuerlich, wie letztens ..."
Marcos schaute beschämt in Richtung Boden, aber grinsend, und schwieg.


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 Betreff des Beitrags: Re: Die Seele des Universums
Verfasst: Di 11. Sep 2012, 20:21 
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Irrlicht
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Es war eine recht schlaflose Nacht für mich. Nicht nur, weil draußen auf der Nordsee ein heftiger Wind wehte. Mir machte ein Gedanke Sorgen. In einem Brief, den mein Vater hinterlassen hatte, stand eine recht merkwürdige Nachricht: Gefährlich!
Leider starb er, bevor ich diesen Zettel fand. Er lag zusammen mit einer Blaupause, die zu jenem Teil gehörte, welches ich erst aus Area 51 entwenden musste. Ob er wohl dieses Teil meinte?
Ich musste in dieser Nacht immer wieder an die erfundene Geschichte denken, die ich General O'Hare erzählt hatte, um in diese Militärbasis zu gelangen. Mir fiel ein, dass es wirklich einen Klaus Liebermann am 8. Juli 1947 zerfetzt hatte. Aber er arbeitete nicht als Spion, da der Weltkrieg schon zwei Jahre vorbei war. Die Todesursache ist immer unbekannt gewesen. Information, dass der Mann an diesem Tag dort starb, war aber geheim. Marcos hatte es mir vor einigen Monaten am Telefon mitgeteilt. Er sagte sogar, dass mein Vater davon gewusst hatte.

Ich versuchte dieses Gedankendisaster endlich loszuwerden, indem ich die Augen einfach schloss. Doch der Wind, der vor dem Fenster fegte, hielt mich davon ab. Der Himmel war schon leicht dunkelblau. Nach zehn Minuten Schäfchenzählen verfiel ich doch dem Tiefschlaf. Aber der sollte nicht so lange dauern, denn ich merkte, wie ich leicht nach rechts kullerte.
Ich öffnete die Augen und blickte in ein mir sehr vertrautes Gesicht. Mit strahlendem Lächeln saß Lucía auf dem Bett.
"Guten Morgen, Schlafmütze!", begrüßte sie mich und drückte mir einen Kuss auf die Wange.
"Guten Morgen ... Wie hast du die Anlage gefunden?", fragte ich und richtete mich auf.
"Ich war gestern kurz bei dir, um meine Jacke zu holen, die ich vor Ewigkeiten dort vergessen habe. Dann hat Marcos angerufen ..."
Das ist gut! Komm, wir gehen erst einmal etwas essen. Das habe ich seit gestern Morgen nämlich nicht mehr getan."
"Das muss warten. Marcos hat mich gebeten dich zu wecken, um dir etwas zu zeigen", sagte sie und wir verließen mein Quartier ... nachdem ich mich etwas übergezogen hatte, natürlich.


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 Betreff des Beitrags: Re: Die Seele des Universums
Verfasst: Mi 12. Sep 2012, 16:47 
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Registriert: Mo 28. Mai 2012, 00:39
Beiträge: 16
Wir gingen in einen größeren Frühstücksraum, wo schon Marcos und zwei weitere Mitarbeiter warteten. Nach seinem Gesicht war er etwas säuerlich.
"Was gibt es denn?", fragte Joaquín und setzte sich auf einen Stuhl neben einen der Mitarbeiter.
"Ich habe sehr schlechte Nachrichten ...", sagte er, ging auf einen Fernseher zu und legte eine CD in den DVD-Rekorder ein.
Auf dem Bild erschien eine Nachrichtensprecherin, die sofort mit reden begann:
"Alles bloß eine große Lüge. Der junge spanische Wissenschaftler Joaquín de la Vega war gar nicht auf dem Mars. Nach Angaben von General Mike O'Hara sandte de la Vega falsches Videomaterial von einer extra aufgebauten Kulisse zum Luft- und Weltraumüberwachungszentrum NORAD. Was sich der Spanier in Zukunft einfallen lässt, um Aufmerksamkeit zu erregen, ist noch unbekannt."
Mit entsetzten Gesichtern starrten wir den Bildschirm an. Marcos gab uns noch einige Sekunden zum Verdauen. Das war unbegreiflich, dass die Amerikaner zu soetwas fähig waren. Da verweigert man einmal die Zusammenarbeit mit der NASA, und schon wird man als Lügner bezichtigt.
"Was hält denn die spanische Regierung davon?", fragte ich an Marcos gewandt.
"Sagen wir es mal so: Frankreich, Spanien, die Niederlande und Deutschland glauben den Amerikanern gar nicht. Allerdings ziehen es manche europäische Länder, die der ESA angehören, aus dieser Organisation auszutreten. Damit meine ich Schweden, Italien und Belgien. Der Rest ist sich nicht sicher. Aber wir können auf die vier Länder zählen, die hinter uns stehen. Den Hangar zu bauen war eine internationale Angelegenheit", erklärte Marcos.
"Und was haben die Amis jetzt vor?", fragte Joaquín und nahm einen Schluck Kaffee, der auf dem Tisch stand.
"Vorraussichtlich nichts. Allerdings sollten wir so schnell wie möglich dein Schiff hier her holen, bevor es die Amis noch demontieren. Ich bin sicher, dass sie das tun werden. Der Hubschrauber ist bereit zum Abflug. Du startest in einer halben Stunde, okay?"
Aha! Wenigstens glaubten uns noch einige Länder. Auch wenn das nicht viele waren. Aber immerhin sind sie führende Handelsmächte. "Einen Vorteil gibt es für uns dennoch. Wir können uns jetzt unser Unterfangen so geheim halten, wie wir wollen. Das uns keiner glaubt war schon von Anfang an klar, Joaquín. Du hättest das nicht publik machen sollen. Aber jetzt weiß weder die Öffentlichkeit, noch die restlichen Länder von deinem Schiff. Um dir eventuell Stress zu ersparen, gebe ich dir einen neuen Namen und einen neuen Personalausweis. Gottseidank weiß nicht jeder, wie du aussiehst."
Ein neuer Name? Das war zwar hilfreich, aber blöd. Unter einem falschen Namen zu leben, macht wirklich keinen Spaß. Aber darauf kam es ja nicht an.
Jetzt war erst mal eines wichtig! Wir mussten die De Madrugada nach Spanien schaffen. Die Region, in der der Hangar sich befand, war sehr dünn besiedelt, deshalb gab es auch wenige Augen, die das Schiff sehen könnten.


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 Betreff des Beitrags: Re: Die Seele des Universums
Verfasst: Sa 15. Sep 2012, 15:46 
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Irrlicht
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Logbuch des Captains, 16. Juni 2012: Ein Pilot von Marcos brachte mich auf dem schnellsten Weg nach Nevada zu dem Hangar meines Vaters. Ich weiß noch nicht, ob die Amerikaner den Hangar gesperrt haben, oder nicht. Aber das werde ich jetzt herausfinden.

Es sah aus wie ein kleines rotes Toilettenhäuschen, das mitten in der Wüste Nevadas stand. Dabei war es der Eingang zu einem zweihundert mal fünfzig Meter großen Hangar, der ein Raumschiff beinhaltete, das gerade noch hineinpasste. Aber wie es aussah war keiner hier. Die Amerikaner hatten die Finger davon gelassen.
Ich öffnete die elektronisch versiegelte Tür mit einem Geheimcode und stieg in einen Aufzug, der mich zehn Stockwerke in Richtung Erde befördern sollte.
'Hoffentlich ist es noch da', dachte ich, als die Tür aufging. Aber zu meiner Bewunderung war das Schiff völlig unberührt. Es stand genau so da, wie ich es geparkt hatte.
Ich lief über eine schmale Gangway zu einem Schott, welches sich öffnete, als ich einen denselben Code eingab.
"Hallo, Joaquín!", begrüßte mich Valerie mit ihrer üblichen freundlichen Stimme.
"Hi, Val. Sag mal, gab es in den letzten Tagen irgendwelche Versuche in den Hangar einzudringen?", fragte ich.
"Das kann ich dir leider nicht sagen, Joaquín. Mit dem Hangar bin ich nicht verbunden. Aber die Bioscanner hatten schon mehrere Lebensformen außerhalb des Hangars aufgezeichnet. Sie bewegten sich aber in einem gewissen Abstand zum Hangar. Es gab auch keine Versuche in das Schiff einzudringen, oder in mein System zu gelangen."
Da hatte ich noch einmal Glück gehabt! Obwohl es sowieso keiner geschafft hätte das Schiff zu kapern, war ich dennoch in Angst gewesen.
Ich lief schnell auf die Brücke und fuhr die Triebwerke hoch.
"Valerie, bitte öffne die Hangartore!", sagte ich und nahm den Steuerknüppel in die Hand, der rechts aus dem Amaturenbrett ragte.
Die Tore öffneten sich sofort und strahlendes Sonnenlicht flutete den sonst dunklen Hangar.
"Joaquín, ich registriere sechs Kraftfahrzeuge, die sich unserer Position nähern. Entfernung: eine Meile! Geschwindigkeit: achtzig Kilometer pro Stunde!" Auf einem der beiden Bildschirme vor mir erschien plötzlich ein kleiner weißer Pfeil auf graublauem Hintergrund, der mein Schiff darstellte, und sechs rote Punkte, die auf den Pfeil zuhielten.
Ich aktivierte die unteren Steuerdüsen und das Schiff erhob sich vom Boden. Die sechs Fahrzeuge stellten sich als Lastwagen des Militärs heraus, welche gerade Wissenschaftler abluden. Ich ahnte schon, was sie vorhatten.
Die Fahrzeuge wurden immer kleiner und ehe ich mich versah, verschwand auch noch das Blau der Atmosphäre hinter mir.
Ich umrundete die Erde zweieinhalb mal, da ich beim ersten Landeanflug den richtigen Winkel verpasst hatte. Schließlich klappte es aber und ich trat langsam in die Atmosphäre ein, um nicht als gelber Punkt am Himmel aufzutauchen. Es war Nacht und man sollte mich eigentlich nicht sehen können. Ich steuerte direkt die Koordinaten des neuen Hangars in der Sierra Nevada an.


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 Betreff des Beitrags: Re: Die Seele des Universums
Verfasst: Di 18. Sep 2012, 21:37 
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Irrlicht
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Das Schott öffnete sich. Der erste Eindruck des neuen Hangars war überwältigend. Er war zwar nicht sehr viel größer als der alte, aber dafür war dieser wesentlich moderner. Außerdem war dieser auch nicht so grau, sondern mehr in weiß gehalten. Er war also nicht dunkel.
Nach der Landung strömten die verschiedensten Wissenschaftler aus einer Tür und machten sich sofort an die Arbeit. Techniker kletterten die Bordwand hoch und schauten nach dem Rechten.
"Guten Tag, Mijnheer. Mein Name ist Doktor Lars van der Wiesen", sagte ein dunkelblonder Mann, der plötzlich vor mir stand.
"Äh ... Freut mich. Ich bin Joaquín de la Vega, Captain der ..."
"Ich weiß wer Sie sind. Ich bin der Vizechef unseres Unternehmens. Ich hätte Sie gerne in meinem Büro gesprochen", sagte der Mann und wies mir den Weg.
Der Niederländer führte mich in ein nicht allzu kleines Zimmer mit einem Schreibtisch und einer riesigen Scheibe, die den Blick auf mein Schiff bot. Er setzte sich an einen kleineren Tisch am Fenster und zeigte auf einen weiteren Stuhl ihm gegenüber.
Er schaute aus dem Fenster und beobachtete die Leute, wie sie mein Schiff studierten.
"Geht das für Sie in Ordnung?", fragte er und deutete mit einem Nicken auf die Leute.
"Naja, ohne die Baupläne werden sie nicht weit kommen. Das zu verstehen hat mich schon fünf Jahre gekostet", antwortete ich und lächelte.
Van der Wiesen nahm eine Kanne und schüttete Tee in mein und in sein Glas.
"Also, Sie haben also vor den Weltraum etwas näher kennenzulernen, oder?", sagte er und stellte die Kanne auf die Seite.
"Ja, genau. Und Sie wollen mich jetzt davon überzeugen das nicht zu tun, stimmt's?"
"Oh, nein! ... Also, nicht ganz. Ich meine, Sie sollten das nicht alleine tun."
"Ah, genau! Lucía hat schon vorgeschlagen, dass sie mitfliegt."
Der Vizechef lachte kurz auf und nahm einen Schluck Tee.
"Ich glaube davon müsste man ihr abraten. Es ist da oben sehr gefährlich. Ich rede davon, dass einige unserer Wissenschaftler an der Reise teilnehmen sollten. Es gibt einige, die ihren linken Arm ... oder sogar beide Arme dafür opfern würden."
"Das kann ich verstehen, Señor. Aber ich glaube, dass keiner der Wissenschaftler dazu fähig ist mir in irgendeiner Weise bei technischen Problemen beizustehen. Immerhin gibt es nur zwei Personen, die diese Technik verstehen. Und eine von denen ist tot. Ich kenne wirklich niemanden, der mir helfen könnte", antwortete ich.
"Dann zeigen Sie es den anderen eben. Bringen Sie ihnen diese Technologie nahe. Diese Supergenies werden sehr schnell kapieren, wie diese Spielsachen funktionieren."
"Das wäre eventuell möglich. Ich werde es mir überlegen", sagte ich und stand auf, um mich zu verabschieden.
"Moment! Wir sind noch nicht fertig ..."
"Was möchten Sie denn noch wissen, Señor?"
"Beschreiben Sie mir bitte, welche Absichten Sie genau mit dieser Mission verfolgen."
"Ich werde mit der De Madrugada zum Jupitermond Europa fliegen, dort landen und mich ein wenig umsehen. Danach geht es weiter nach Proxima Centauri. Ich will eigentlich nur herausfinden, ob es auf anderen Planeten Leben gibt oder nicht. Allerdings ... könnten mir Biologen wirklich sehr gut helfen."
"Das hört sich doch gut an. Das war alles, was ich wissen wollte. Ich wünsche Ihnen zunächst viel Glück. Morgen früh um acht Uhr wird es dann eine Besprechung auf der KEROS-Station geben. Es wäre nett, wenn Sie diese Informationen auch unseren anderen führenden Kräften unseres kleinen Konzerns mitteilen würden. An der Oberfläche wartet ein Flugzeug, welches Sie zurück in die Niederlande befördert", sagte der Mann und begleitete mich noch bis zum Hangareingang. Doch als ich gerade in die Maschine steigen wollte, hielt mich van der Wiesen nochmal auf.
"Warten Sie! Das hätte ich fast vergessen. Nehmen Sie diese Kasette mit. Sie ist von Ihrem Vater."
"Von meinem Vater?! Woher haben Sie sie?"
"Man hat sie in einem Büro im alten Hangar gefunden. Schauen Sie sie sich am besten noch heute Abend an. Das sollte sehr interessant für Sie sein, Mijnheer", sagte Lars und trat ein paar Schritte zurück. Die Tür schloss sich und das Flugzeug rollte zu einer provisorischen Landebahn. Da das Flugzeug keinen Kasettenrecorder an Bord hatte, musste ich warten, bis ich wieder auf der Bohrplattform war.


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 Betreff des Beitrags: Re: Die Seele des Universums
Verfasst: Di 18. Sep 2012, 22:03 
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Irrlicht
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Brav, wie ein Schulmädchen, wartete ich in der Kantine, immer wieder auf die Uhr schauend. Joaquín hatte mir versprochen, dass er gegen ein Uhr morgens da sein sollte. Es war mittlerweile halb zwei. Aber trotzdem wartete ich noch geduldig auf meinen Liebling. Draußen war es stockfinster und ich konnte nur noch vier grüne Lichter erkennen, die die Hubschrauberplattform markierten.
Gelegentlich streiften mal Männer durch die Kantine, die entweder zur Toilette mussten, oder ihre Quartiere suchten. In beiden Fällen wurde ich gefragt, weshalb ich noch wach wäre. Und immer gab ich die gleiche Antwort: "Ich warte auf meinen Freund."
Sofort wussten die Männer immer Bescheid, wen ich damit meinte.
Aber solange sollte ich gar nicht warten. Als von Joaquín auch nach einer weiteren Stunde nichts zu sehen war, entschloss ich mich doch direkt auf der Landeplattform zu warten, um den Hubschrauber eventuell auszumachen. Ich zog mir in meinem Quartier eine Jacke über und ging in Richtung Plattform. In dem kleinen Container neben dem Feld brannte noch Licht und ein Mann arbeitete an einem Computer. Ich klopfte. Er schreckte hoch und nickte mir zu. Die Tür öffnete sich von alleine und ich trat ein.
"Wie kann ich Ihnen helfen?", fragte der Mann gähnend. Die Regentropfen schlugen heftig gegen das Glas, was einen Blick auf das Landefeld bot.
"Wissen Sie, wann der Hubschrauber hier auftauchen wird?", fragte ich.
"Er ist schon auf dem Radar erschienen, aber gemeldet hat er sich noch nicht", antwortete der Mann und zeigte auf einen grünen Punkt auf einem Radarbildschirm. "Er wird sich wohl in den nächsten zehn Minuten melden."
"Okay, haben Sie vielen Dank", sagte ich und wollte aufstehen, um draußen zu warten.
"Warten Sie! Draußen gießt es wie aus Eimern. Warten Sie doch hier im Warmen. Möchten Sie einen Kaffee?", fragte der Mann und deutete auf eine Kaffeemaschine zwischen mehreren Aktenhaufen.
"Oh, das ist sehr nett, danke!" Ich setzte mich wieder und nahm die Tasse, die der Mann mir in die Hand drückte.

Man konnte draußen schon langsam einen dunkelblauen Fleck erkennen, der von der Sonne verursacht wurde. Es wurde langsam Morgen.
Es war eine ungewöhnliche Stille. Nur ab und zu peitschte der Regen so heftig gegen die beiden Scheiben, dass es sich anhörte, als wäre man im Stadion voller Rasseln. Der Mann tippte auch mal auf seinem Computer herum oder sprach mit anderen Flugzeugen, die er dann zum Tower in Rotterdamm weiterleitete. Irgendwann stand er auf, um das Radio einzuschalten.
"Sie haben doch nichts dagegen, oder?"
Ich schüttelte leicht mit dem Kopf. Auch wenn er die Lautstärke ziemlich hinunter drehte, war es durch die vorige Stille wie auf einem Konzert.
"KEROS-Kontrollturm, bitte kommen. Hier ist Agusta 01, zehn Meilen südöstlich. Bitte um Landeerlaubnis auf dem Hubschrauberlandeplatz", sagte plötzlich eine weibliche Stimme.
Der Mann rollte mit seinem Stuhl zu einem Funkgerät und nahm einen Hörer ab: "Agusta 01, hier KEROS-Kontrollturm. Landeerlaubnis erteilt auf dem Hubschrauberlandeplatz. Windgeschwindigkeit beträgt sechs Knoten von Nordost, Sicht liegt bei fünf Meilen."
"Landeerlaubnis erteilt auf dem Hubschrauberlandeplatz, Agusta 01. Wind: sechs Knoten von Nordost. Sicht: fünf Meilen", bestätigte die Pilotin und legte auf.
Nur noch zehn Meilen! Geduldig wartete ich weiter ...


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