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Verfasst: Sa 17. Jun 2006, 15:54 
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Zauberlehrling
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Hi,

ich habe heute wieder eine Erfahrung gemacht, an der ich Euch teilhaben lassen möchte und wozu mich Eure Ansichten interessieren.
Einen neuen Thread mache ich nur deshalb auf, weil es evtl. Bedarf gibt auch diese Themen zu beleuchten.

Es geht um Emotionen zum Leben und Emotionen zum Sterben und zum Tod.

Heute wurde mir am Telefon mitgeteilt, dass ein Onkel (Ehemann der Schwester meiner Mom gestern abend gestorben ist, nachdem er vorgestern mit Hirnschlag ins Krankenhaus eingeliefert wurde.

Nun stand mir dieser Mann nahe und auch wieder nicht. Ich fühle eine sehr tiefe Verbundenheit zu vielen Menschen, auch wenn ich sie nur wenig kenne. Das klingt vielleicht seltsam, aber ich kann es nicht anders beschreiben.
Es ist traurig, dass ich ihn nie wieder werde Witze machen hören, noch ihn werde lachen sehen. Vor gerade mal 14 Tagen haben wir uns noch sehr angeregt unterhalten. Und nun...

Naja, ich habe zum Tod ein sehr einfaches Verhältnis - ich bin neugierig auf ihn. Neugierig, in der Art eines Wissenschaftlers, der ihn untersuchen möchte. Aufgrund meiner Erlebnisse habe ich meine Angst vor dem Tod verloren und eine Art Interesse dafür gefunden. *ggg* Keine Sorge, ich habe nicht vor ihm entgegen zu laufen, aber ich renne auch nicht davor weg.

Aus diesem Blickwinkel ist mein eigener und auch der Tod anderer für mich nichts Schlechtes. Allerdings gebietet mir meine Pietät und meine Kultur dies die Menschen, die nicht so empfinden, nicht spüren zu lassen.

Und genau hier entsteht ein Dilemma - zeige ich meine Art der "Trauer", indem ich mich freue, dass er nicht lange gelitten hat? Darüber dass er kurz zuvor noch einen wunderschönen Urlaub mit der Familie verbracht und sehr genossen hat? Oder trauere ich mit den Hinterbliebenen, die dann denken müssen, ich würde um den Verstorbenen trauern?
Ist das nicht unaufrichtig?

Sicher trauere ich mit den Menschen, die zurück bleiben, um deren Verlust, aber sage ich Ihnen, wie ich empfinde? Würden sie das nicht sehr ablehnen?
Wie geht man auf einen Menschen zu, der seinen Liebsten verloren hat? Darf man diesem Menschen zeigen, dass der Tod auch im Lichte betrachtet werden darf?
Irgendwie kommt es mir vor, dass ich mit dem Tod nicht so umgehen kann (oder will) wie es (scheinbar) alle tun...

Was sind Eure Gedanken dazu?

_________________
Gruß,

Bl@ckHole
(Aus dem Sein erwächst die Macht)


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Verfasst: So 18. Jun 2006, 15:56 
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Schreibstuben-Oberhexe
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Lieber BH!

Ich melde mich hierzu erst mit ein wenig Verspätung, weil ich das Thema für zu ernst halte, als dass man im Vorbeilaufen einfach so eine Antwort hinklecksen sollte. Ich wollte mir schon ein wenig Zeit dazu nehmen, und diese Zeit hab ich jetzt.

Und ich möchte direkt vorweg schieben, dass ich dein Verständnis von Tod in gewisser Weise teile. Ich bin kein gläubiger Mensch, ich denke also nicht, dass mich nach meinem "Abgang" am Ende des Tunnels ein Engelchen oder Teufelchen erwartet, um mich entsprechend in die Höhe oder Tiefe mitzunehmen. Was allerdings nicht heißt, dass ich grundsätzlich denke, dass in dem Moment, wo man die Augen für immer zumacht, alles vorbei ist. Es KANN natürlich so sein, aber vielleicht ist es auch völlig anders, vielleicht betritt man in diesem Augenblick nur eine neue Ebene des Seins. Wie du weißt, bin ich Star Trek Fan, und in dieser Serie wurde desöfteren mit diesem Thema gespielt, auf genau diese Art und Weise, nämlich dass der Verstorbene nach seinem Tod in einer anderen Form weitergelebt hat. Als reine Energieform z.B., die von den Angehörigen nicht mehr wahrgenommen werden kann. Was zum einen vielleicht utopisch und sehr nach Science Fiction klingt, auf der anderen Seite jedoch genau das sein könnte, was man geläufigerweise als "Seele" oder "Geist" bezeichnet. Irgendwoher müssen solche Theorien von einer "Seele" oder einem "Geist" ja dann auch kommen - die Frage ist natürlich, entspringen sie dem Wunsch eines jeden Menschen, dass mit dem Tod eben noch nicht alles zu Ende ist oder steckt doch mehr dahinter? In der christlichen Religion ist die Seele das, was zu Gott auffährt - oder alternativ in die entgegen gesetzte Richtung. In anderen Religionen wie z.b. dem Hinduismus ist hingegen Reinkarnation der Kerngedanke. Und eine Art von Reinkarnation wäre es wirklich, wenn man nur die Form des Seins wechselt und auf andere Weise weiterlebt - wie eine Raupe, die sich verpuppt, um danach als Schmetterling durch die Gegend zu flattern.

Wie dem auch sei - das alles ist natürlich nur Spekulation, wirklich wissen wird man es erst, wenn es soweit ist. Und man dann noch in der Lage ist, es bewusst wahrzunehmen. Aber wie du siehst, BH, finde ich dieses Thema auch sehr interessant und mache mir meine Gedanken dazu. Und bin deshalb natürlich auch in keiner Weise selbstmordgefährdet *schmunzelt*. Es ist nicht verkehrt, wenn man sich mit solchen Themen auseinander setzt, wie ich finde. Es erweitert das Bewusstsein und verhindert, dass man jeden Tag nur so dahinplätschern lässt.

Was deine Frage betrifft, wie du mit der Trauer anderer umgehen sollst und ob du deine Ansichten zum Thema "Tod" besser für dich behalten sollst, um den Betroffenen nicht zu nahe zu treten (übrigens eine sehr feinfühlige Überlegung!) oder ob du frei darüber sprechen sollst, wie du die Sache siehst, kann ich nur folgendes sagen:
Verstell dich nicht, wenn das Thema in deinem Umfeld gerade akut ist, und wenn du nach deiner Meinung gefragt wirst, dann sag sie auch. Ich kann mir gut vorstellen, dass deine Ansicht manch einem Trost spenden kann - denn allzu pessimistisch ist sie ja schließlich nicht, oder? Aber wenn du deine Meinung sagst, dann tu es feinfühlig - genauso feinfühlig, wie du dich hier damit auseinander gesetzt hast. Es gibt auch Menschen, die in ihrer Trauer nicht besonders empfänglich sind für Theorien wie diese, die trauern wollen, Schmerz empfinden wollen, um den Verlust des Menschen besser verarbeiten zu können. Immerhin ist es schon so - Theorie hin oder her - dass man, wenn jemand gestorben ist, für den Rest seines Lebens ohne diesen Jemanden auskommen muss. Und wenn man denjenigen geliebt hat, ist das immer mit Schmerz verbunden. Manchmal mehr - wenn Personen unerwartet mitten aus dem Leben gerissen werden, vor allen Dingen, wenn es Kinder sind - und manchmal weniger - wenn es abzusehen gewesen ist, dass derjenige stirbt, weil er vielleicht schon lange krank gewesen ist oder sehr alt. Aber weh tut es wohl immer, das ist nur natürlich und vielleicht auch ganz gut so. Denn damit wird uns bewusst, wie sehr wir denjenigen geliebt haben, dadurch kann uns die Zeit, die uns mit anderen lieben Menschen bleibt, wichtiger als bisher werden und es bringt uns vielleicht dazu, mit diesen anderen Menschen, die uns geblieben sind, rücksichtsvoller und bedachter umzugehen.

Der langen Rede kurzer Sinn - sei einfach du selbst, BH! Du bist schon schwer in Ordnung so, und so sensibel, wie du mit dem Thema umgehst, glaube ich nicht, dass du andere damit verletzten kannst!

Zum Schluss noch mein Beileid wegen des Todes deines Onkels! Ich hätte das vielleicht an den Anfang meines kleinen Romans hier schreiben sollen, und sicher hätte ich das auch getan, wenn du eine andere Einstellung zum Tod hättest. Aber da du ihn nicht nur negativ siehst, war es mir erst einmal wichtiger, dir meine Ansicht darüber darzulegen. Kondolieren möchte ich natürlich trotzdem, nicht zuletzt, weil du ihn offenbar sehr gern gehabt hast und ihn vermisst.

Carmen :() :hug:

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Verfasst: Mo 19. Jun 2006, 12:24 
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Hi,

Du hast, wie immer, meine Empfindungen auf den Punkt gebracht. Danke :smile:
Wie Du richtig erkannt hast, bin ich eher traurig, dass die Menschheit noch nicht soweit ist den Tod anzunehmen als eine Art Übergang in etwas anderes. Das würde alles viel leichter machen, auch wenn man trauert darüber, dass man denjenigen nicht mehr "erleben" kann und unabhängig davon, ob das nun tatsächlich so eintrifft, oder nicht. Das hat nicht unbedingt mit Verleugnung zu tun, sondern eher mit Akzeptanz des Unabänderlichen und einer positiven Grundeinstellung.

Vielen Dank für Deine Antwort. Es ist schön zu lesen, wie locker (wenn auch mit dem gebotenen Ernst) auch Du mit diesem Thema umgehst.

_________________
Gruß,

Bl@ckHole
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Verfasst: Mo 19. Jun 2006, 14:51 
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Bl@ckHole hat geschrieben:
Vielen Dank für Deine Antwort. Es ist schön zu lesen, wie locker (wenn auch mit dem gebotenen Ernst) auch Du mit diesem Thema umgehst.


:bow: ... Das ist für mich eigentlich selbstverständlich :wink: - sowohl darauf zu antworten, als auch ernsthaft mit dem Thema umzugehen. Ich finde es meinerseits schön, dass bei all dem Quatsch, den wir hier machen, auch mal tiefgründigere Gespräche im Skriptorium geführt werden. Auch wenn Herumalbern natürlich Spaß macht.

Carmen :()

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Verfasst: Do 22. Jun 2006, 15:24 
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Hi,

ich habe heute etwas gefunden, das viel von dem ausdrückt, was ich selbst dazu empfinde:

Steh weinend nicht an meinem Grab,
ich lieg nicht hier in tiefem Schlaf.
Ich bin der Wind, der immer weht,
ich bin Brillantgefunkel im Schnee.

Ich bin die Sonne auf reifem Feld,
ich bin im Herbst der Regen mild.
Und wachst du auf in stiller Früh,
flattre als Vogel ich in die Höh,
zieh stumme, weite Kreise.

Nachts bin ich der weiche Sternenglanz.
Steh weinend nicht an meinem Grab,
ich lieg nicht hier, weil ich nie starb.


und dies hier:
Mit hartem Dröhnen ist das
schwere Tor der Erde
hinter dir ins Schloss gefallen.

Ich lege lauschend an den
Spalt mein Ohr und höre
drüben deine Schritte hallen.

Der Klang stählt mir das Herz
so hart es litt und schlägt
den Lärm des Tages nieder.

Du drüben und ich hier,
wir halten Schritt und treffen uns
am gleichen Ziele wieder.

_________________
Gruß,

Bl@ckHole
(Aus dem Sein erwächst die Macht)


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Verfasst: Mo 17. Jul 2006, 08:40 
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Hi,

unsere kleine Andrea B. hat mich nun doch hier verleitet, etwas zum Alter zu schreiben.

Prinzipiell bin ich ja ein jugendlicher, pubertierender, der keinen Tag Älter ist als 17! :twisted: :whistle:

Naja, manchmal erwische ich mich dabei, daß selbst ich erwachsene Ansichten habe, aber das geht, Q sei dank, recht zügig vorbei. :grin:

Es gibt außer einem ( :holy: ) nichts, was ich lieber mache, als lachen und Leute zum Lachen zu bringen. Leider ist das Leben manchmal nicht zum lachen und man muss sich den Gegebenheiten anpassen und auch wenn ich durchaus anpassungsfähig bin, so reagiere ich doch auf Druck sofort mit Gegendruck, bin also echt renitent und lasse mir nicht mit der Peitsche drohen.

Mit Ruhe und Freundlichkeit kann man das letzte Hemd von mir haben und ich bin sehr gesellig.
In solchen geselligen Gesprächen (und nun komme ich endlich zur Sache) bin ich bereits mehrfach in den letzten drei Jahren darauf aufmerksam geworden, daß ich nach einem Datum oder einer Begebenheit in meiner Vergangenheit gefragt wurde und ich dann sehr erstaunt feststellen mußte, daß dieses Ereignis oder Datum bereits weit mehr als 20 Jahre zurück liegt! :shock:

Außerdem erkenne ich an meinen Neffen jedesmal, wie die Zeit an mir vorbeirast. Das ist im Prinzip nichts schlechtes, es verblüfft mich nur.
Auch bei bestimmten Filmen oder Menschen, die man so von früher kennt, fällt einem oft sehr drastisch ein, daß man das Kennedy-Attentat und den ersten Mann auf dem Mond persönlich im TV erlebt hat (bewusst, oder unbewusst ist dabei wurscht).

Dieses Bewußtsein ist (zumindest für mich persönlich) schon sehr beeindruckend!

_________________
Gruß,

Bl@ckHole
(Aus dem Sein erwächst die Macht)


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