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Verfasst: Do 3. Apr 2008, 22:04 
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Sandos Schwester
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"Ach, ist das nicht die kleine Fotografin?", fragte Nana und lächelte schwach. Schwach, das war das Stichwort bei ihr. Sie hatte in der letzten Woche abgebaut, in den letzten beiden Tagen noch mehr, und die Gewissheit hatte sich in mir festgesetzt, dass es nicht mehr lange mit ihr dauern würde. Vielleicht hätte ein medico etwas bewirken können, vielleicht hätte er gewisse Dingen hinauszögern können. Aber Nana wollte keinen Arzt sehen, sie hasste Ärzte und traute ihnen nicht über den Weg. Und darum konnte niemand aufhalten, dass sie mit jedem Tag hinfälliger wurde.
Ich setzte mich ebenfalls zu ihr und schenkte ihr ein Lächeln, von dem ich hoffte, dass es meine wahren Gefühle nicht widerspiegelte.
"Si, das ist sie. Sie wollte mal sehen, wer um diese Zeit noch im Bett liegt und faulenzt."
Nana lachte leise und heiser auf, aber das Lachen ging in ein Husten über. Eilig griff ich nach der Tasse Tee, die neben ihrem Bett stand und gab ihr etwas zu trinken. Das Husten ließ nach, meine Sorge nicht.
"Ich hätte ja zu gerne noch mal mit diesem feurigen Cortez getanzt", krächzte meine Großmutter, nachdem sie sich wieder beruhigt und ich sie sachte ins Kissen zurückgelegt hatte. "Aber ich fürchte, ich könnte jetzt nicht mehr mit seinem Tempo mithalten. Habt ihr gesehen, wie er mit ihr getanzt hat? Unsere kleine Carmen ... sind sie nicht ein schönes Paar? Sie passen so gut zusammen. Jetzt, wo ich alt und hässlich bin, kann ich das ja sagen. Früher ... früher hätte ich ihn ihr ausgespannt!"
Wieder lachte sie, aber etwas unterdrückter als vorher, weil sie keinen neuen Hustenanfall riskieren wollte. Mein Herz wurde mir schwer bei ihrem Anblick - klein und zerbrechlich in dem großen Kissen, blass, die Augen trüb ... sogar ihre früher so volltönende Stimme war nur noch ein Hauch. Nana starb. Und mit ihr ein Stück Familie und Familiengeschichte. Es tat weh, ihr hilflos dabei zuzusehen.
"Und wann krieg ich endlich diese Bilder von Sando zu sehen, eh?", begehrte sie leise krächzend auf und sah Eva vorwurfsvoll an. Mein Blick schweifte ebenfalls zu Eva, und ich schenkte ihr ein aufmunterndes Lächeln - gerade weil ich ahnte, dass Nanas Zustand Eva betroffen gemacht hatte.

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Verfasst: Do 3. Apr 2008, 22:15 
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Petrischalenputzer
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"Ja, auch wenn es in deinem Kopf nicht viel zu gucken gibt", erwiderte ich trocken und schob Cunningham vor mir her in die KS hinein, die hier auf der Defiant nur aus einem kleinen Raum bestand - aber immerhin, Krankenbett und Gerätschaften waren vorhanden, es stand einer Untersuchung also nichts im Weg.

Wenig später lag Cunningham vor mir ausgestreckt auf besagtem Krankenbett und ich betrachtete eingehend das Bild seines Schädels, der über ihm auf dem Screen an der Wand angezeigt wurde.
"Tja, wie ich es mir gedacht hab ... das große Vakuum in deinem Kopf ist es, dass so weh tut. Dagegen kann man nicht viel machen. Entweder man hat Grips oder man hat keinen."
Ein Knöchelchen hatte sich von der Stirnfraktur, die ich neulich behandelt hatte, abgelöst und war ganz offensichtlich die Ursache für Cunninghams aktuelle Probleme. Da das Ding nicht tief saß, beschloss ich, es unter lokaler Betäubung herauszuholen.
"Lieg mal für 'nen Moment still, da sitzt ein Halm in deinem Strohkopf quer", erklärte ich meinem Kollegen metaphorisch, was Sache war und füllte ein Hypo mit einem Anästhetikum. Das verabreichte ich Cunningham an der entsprechenden Stelle, dann machte ich einen kleinen Schnitt mit dem Laser, der nicht blutete, da die Blutung dank der Hitze des Strahls sofort gestoppt wurde und fischte das Stückchen Knochen mit einer Pinzette heraus. Die Wunde verschloss ich daraufhin wieder mit einem Gewebegenerator, und abschließend verpasste ich Cunningham noch ein Analgetikum, weil der kleine Eingriff trotz allem noch weiter Kopfschmerzen verursacht hätte. Eine knappe Viertelstunde später konnte mein Patient wieder aufstehen.
"So gut wie neu", konstatierte ich zufrieden. "Was nicht schwer gewesen ist", setzte ich grinsend hinzu, "da man bei dir da oben nicht viel kaputt machen kann."

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Verfasst: Fr 4. Apr 2008, 06:52 
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Werbedesignerin
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Ich war geschockt. Wenn ich bedachte, wie agil die alte Dame noch vor zwei Tagen gewesen war. Und jetzt lag sie da und konnte sich kaum noch rühren. Es tat mir so leid, denn innerhalb der kurzen Begegnung, die wir gehabt hatten, hatte ich sie lieb gewonnen und einen großen Respekt für sie empfunden. Ich fing Marias Blick auf und erwiderte ihn mit einem Lächeln. Wie gut, dass ich meine Tasche dabei hatte, so konnte ich nana wenigstens den einen Wunsch erfüllen und ihr die Bilder von Sando zeigen. Ich hatte nur die Neuen dabei, die von ihm alleine und mit mir gemeinsam. Das war auch gut so, denn nana wäre sicherlich geschockt gewesen, wenn sie gesehen hätte, dass ich Fotos von Sando und Maria in sehr erotischen Posen gemacht hatte.
"Sofort kannst du sie sehen, nana. Ich habe sie bei mir, weil ich sie einem Kunden gezeigt habe."
Ich griff in meine Tasche und holte das Padd hervor und aktivierte es. Es war ein Präsentationspad, welches größer als die Normalen war und so konnte man die Bilder gut sehen. Ich drehte mich und setzte mich so, dass ich weiterblättern konnte und nana die Bilder gut sehen konnte.
"Wie du siehst ist Sando äußerst talentiert. Maria ist es auch. Die beiden sind vor der Kamera einfach perfekt."

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Verfasst: Fr 4. Apr 2008, 07:56 
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Sandos Schwester
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Ich war froh, dass Eva die Bilder dabei hatte. Es lenkte Nana ein wenig ab, außerdem wusste ich ganz genau, dass sie sich auch persönlich von Sandos fotogener Aura überzeugen wollte, nicht nur von meiner. Ich beugte mich ebenfalls übers Padd und sah zu, wie die Bilder an mir vorbei scrollten. Es waren neue, die ich noch nicht kannte. Bilder von Sando und Eva, die sie wohl geschossen hatten, nachdem ich sie letztens alleine gelassen hatte.
'Wirklich nur Bilder geschossen?', ging es mir durch den Kopf, während ich die Shots betrachtete. Ich verspürte einen Stich der Eifersucht bei dem Gedanken, dass es vielleicht nicht nur ein Fotoshooting gewesen war. Rückblickend erinnerte ich mich sehr gut an Sandos Blicke, die er Eva an jenem frühen Nachmittag zugeworfen hatte - der Grund, warum ich mich damals zurückgezogen hatte. Nein, es wahr beim Fotografieren nicht geblieben, das spürte ich auf einmal mit deutlicher Sicherheit. Resignation wollte mich überkommen. Würde das ab jetzt immer so sein, wenn Sando sie wollte? Würde sie ihm dann nachgeben? Sicher, zwischen uns hatte alles auf diese Weise begonnen. Das hieß aber nicht, dass ich wollte, dass es so weiter ging. Bedrückt, was ich mir nach außen hin aber nicht anmerken ließ, betrachtete ich die Bilder weiter. Und stellte fest, dass Eva und Sando hervorragend miteinander harmonierten.
Wozu brauchten sie mich eigentlich noch?

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Verfasst: Fr 4. Apr 2008, 08:07 
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Petrischalenputzer
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Ich betrachtete Cunningham bei diesem Vorschlag forschend.
War das jetzt ein Versuch seinerseits, sich von dem Eindruck zu befreien, den Carmen auf ihn gemacht hatte? Ich hoffte es sehr, und das nicht nur, weil sie nicht mehr frei war und ich wusste, was passieren konnte, sollte Cunningham Cortez in die Quere kommen. Nein, es war auch gut möglich, dass - so traurig der Gedanke war - Carmen bereits gar nicht mehr lebte. Sie war von Brisbane längst übergeben worden, und ich konnte mir keinen Grund vorstellen, warum Dukat mit seiner "Befragung" hätte warten sollen. Sobald er aber alles wusste, hatte sie keinen Wert mehr für ihn, und er würde sich ihrer entledigen. Es sei denn, dass ... - aber das wünschte ich Carmen noch viel weniger. Im Grunde war es vollkommen egal, welches der beiden Schicksale sie erwartete - der Tod oder die Geliebte dieses Drecksacks zu werden - beide bedeuteten ihr Ende. Darum war es gut, dass Frank sich gedanklich und gefühlsmäßig wieder von ihr distanzierte und zurück zur Normalität fand. Ich würde das in jeder Hinsicht unterstützen. Das tat ich auch jetzt schon, indem ich nun grinste und ihm auf die Schulter schlug.
"Wir können ja eine Wette abschließen, wer von uns als erstes ein Mädel klar gemacht hat - hundert Replikatoreinheiten! Was hältst du davon?"
Herausfordernd ließ ich meine Augenbrauen in die Höhe schnellen. Das war ein ganz schön beträchtlicher Wetteinsatz!

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Verfasst: Fr 4. Apr 2008, 08:46 
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Werbedesignerin
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Nana war sehr angetan von den Bildern und meinte, dass Sando ein Talent hätte. Ich hatte gelächelt und ihr erklärt, wofür diese Bilder wären. Aber schnell hatte ich bemerkt, dass sie immer müder geworden war. Ich hatte das Pad wieder eingesteckt und ihr versprochen, bald wieder zu ihr zu kommen. Dann hatte ich mich von ihr verabschiedet und hatte den Wohnwagen verlassen. Maria war kurz danach ebenfalls heraus gekommen und als wir ein paar Meter gegangen waren, blieb ich stehen und sah sie mit dunklem Blick an.
"Ein medico sollte nach ihr sehen, Maria. Sie ist erschreckend schwach."
Ich sah zurück zum Wohnwagen und es tat mir so leid. Vor allem aber für Maria und Sando, weil ich spürte, wie sehr sie an nana hingen. Ich seufzte leise auf und konnte mir jedoch vorstellen, wie nana auf so einen Vorschlag reagieren würde. Sie würde es bestimmt nicht wollen.
"Es tut mir so leid für dich, Maria. Ich möchte noch ein bisschen bei dir bleiben, wenn es dir recht ist. Ich will dich aber auch zu nichts drängen."

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Sandos Schwester
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"Nana lehnt ärztliche Hilfe ab. Und du weißt genau, dass ich nichts dagegen habe, wenn du hier bleibst - im Gegenteil. Komm, lass uns zum Fluss gehen und dort ein bisschen spazieren gehen. Ich kann ein bisschen Gesellschaft jetzt gut gebrauchen."
Ich nahm Evas Hand in meine, und gemeinsam schlenderten wir zum Flussufer hinunter.

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Petrischalenputzer
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Schmunzelnd ging ich mit Cunningham zum Turbolift zurück.
"Dann vergiss aber bloß nicht, ein Paket Spaghetti mitzubringen - ich kann nämlich überhaupt nicht kochen!"
Ich wunderte mich nicht wenig darüber, dass der Junge auf meine Wette eingegangen war, denn immerhin war er noch mit Jasmine zusammen, und ich hatte immer angenommen, andere Frauen wären für ihn tabu, wenn er eine Freundin hätte. Aber offenbar hatte ich mich geirrt.

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Irrlicht
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Ich saß an Carmens Bett und sah nachdenklich auf die Frau herab, die ich mit Hilfe des Wahrheitsserums zwei Stunden lang befragt hatte. Sie schlief jetzt, da das Mittel seinen Tribut forderte. Ich hatte sie nach der Befragung, die auf der Krankenstation nur im Beisein von Doktor Lenar stattgefunden hatte, wieder in ihr Quartier zurückbringen lassen und war selbst in mein eigenes gegangen, um dort über all das Gehörte nachzudenken und meine Konsequenzen zu ziehen. Die Aufzeichnung der Befragung hatte ich in Form eines Datensticks mitgenommen, den ich in mein Com-Terminal gesteckt hatte, um mir gewisse Stellen immer wieder ansehen zu können.

Relek würde also in der Zukunft gegen mich operieren. Das war ein schwerer Schlag für mich gewesen. Gerade auf Releks Unterstützung hatte ich bei meiner Rückkehr gebaut, aber das würde ich nun nicht mehr können, denn ich musste davon ausgehen, dass ihm bereits jetzt schon nicht mehr zu vertrauen war. Er war niemand, der seine Loyalität innerhalb kürzester Zeit wechselte. Darum musste er so schnell wie möglich entfernt werden, ehe er zu großen Schaden anrichten konnte. Bedauerlicherweise hatte ich jetzt noch keinen Zugriff auf ihn. Und würde ihn wohl auch nicht mehr bekommen, denn die Sternenflotte wusste, dass ich Carmen Esteban in der Gewalt hatte, und da ihr klar sein musste, dass ich von Relek erfahren würde, hatten sie ihn mit Sicherheit gewarnt. Aber nun gut, das bedeutete auch, dass er erst einmal aus dem Weg wäre und nicht an den Schalthebeln säße, die für mich schädlich werden konnten. Zweifellos würde er Legat Ra’orn warnen, doch dieser würde ihm entweder keinen Glauben schenken, weder was mein noch sehr lebendiges Dasein noch meine Rückkehr nach Cardassia betraf oder er würde es tun, es aber nicht für nötig halten, Maßnahmen zu ergreifen. Ra’orn war ein schwacher Führer – das war überhaupt einer der Gründe, warum ich beschlossen hatte, ihn zu stürzen. Cardassia brauchte eine starke Hand, damit endlich wieder glorreichere Zeiten anbrechen konnten. Cardassia brauchte mich!

„Was für ein Glück, dass mir dieser kleine Vogel hier ins Haus geflattert ist“, murmelte ich leise und strich Carmen eine schwarz glänzende Strähne aus dem Gesicht, die sich aus ihrem Haarknoten gelöst hatte. Ich würde diesen kleinen Vogel behalten. Er war wie ein Glücksbringer für mich. Er würde mir die Zeit vertreiben, hier auf dem Schiff und später in meinem Haus auf Cardassia, in dem jetzt zweifellos eine andere wichtige Persönlichkeit wohnen würde, doch nicht mehr lange. Es würden sich eben einige Dinge ändern, sobald ich wieder in meiner Heimat wäre.

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Irrlicht
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Vier Wochen später auf Cardassia ...

Wie erwartet, war meine Rückkehr in die Heimat ein triumphaler Siegeszug gewesen. Man war verwundert gewesen, als die Reklat sich cardassianischem Hoheitsgebiet genähert hatte und ich mich als der identifiziert hatte, der ich war. Aber man hatte mir die Überquerung der Grenze natürlich nicht verwehrt, und ebenso wenig die Landung auf Cardassia Prime.
Kaum hatte ich dort wieder Fuß gefasst, hatte ich mich mit meinen Elitesoldaten zum Zentralkommando aufgemacht, um dort eine Audienz bei Legat Ra'orn zu erwirken. Man hatte sie mir und zweien meiner Männer gewährt unter der Auflage, dass wir den Konferenzraum, in dem Ra'orn mich erwarten würde, unbewaffnet betraten. Wir waren scheinbar darauf eingegangen und hatten unsere Disruptoren am Eingang des Gebäudekomplexes hinterlegt. Doch wir waren natürlich nicht unbewaffnet gewesen, jeder von uns hatte zwei triptilianische Handfeuerwaffen dabei, die aus nicht-scanbarem Material bestanden - eine im Stiefel, die andere im Ärmel unserer Uniformen - und da man sich auf den Sicherheitsscan allein verlassen und es versäumt hatte, uns zusätzlich manuell zu durchsuchen, war der Staatsstreich zu einem Kinderspiel geworden. Wir hatten Ra'orn und seine Leibwächter nach unserer formal ausgefallenen Begrüßung erschossen, und ich hatte mich daraufhin über alle Sender zum alten und neuen Herrscher über Cardassia aufgerufen - der König war tot, lang lebte der König.
Nachdem der Legat aus dem Weg geräumt war, war es eine Kleinigkeit gewesen, die im ZK befindlichen Sicherheitskräfte davon zu überzeugen, mit mir zu kooperieren. Es hatten sich ohnehin genügend meiner Anhänger unter ihnen befunden, und für den Fall, dass dem nicht so gewesen wäre, hatte die Reklat, die im Orbit von Cardassia Prime gelegen hatte, das Energieversorgungszentrum des Planeten im Visier gehabt. Mit der konkreten Drohung, dieses zu vernichten, hatten sich auch die Männer, die nicht spontan in Hurra-Rufe ausgebrochen waren, davon überzeugen lassen, dass es besser war, sich nicht gegen mich zu stellen. Ihre Gesichter hatte ich mir jedoch vorsichtshalber gemerkt - sie waren daraufhin die ersten gewesen, die ich gegen meine eigenen Leute ausgetauscht hatte.

Und so herrschte ich nun endlich wieder über meine Heimat - ein gutes Gefühl! Das Volk hatte den Wechsel in der Regierung teils schweigend, teils erfreut aufgenommen. Proteste gegen den neuen Legaten hatte es keine gegeben - auch nicht vom Obsidianischen Orden und dem D'Tapa-Rat. Und es wäre auch niemandem gut bekommen zu protestieren.
Cardassia blühte wieder auf, nachdem es jahrelang unter Ra'orn vor sich hingewelkt hatte. Ich hatte in den ersten Amtstagen einige wichtige Änderungen vorgenommen - nicht nur in personeller Hinsicht, sondern auch in wirtschaftlicher - und seit ich vor allen Dingen die Rüstungsindustrie wieder angekurbelt hatte, begannen nicht nur die Gelder zu fließen, das Volk geriet sogar in eine regelrechte Aufbruchstimmung. Man erinnerte sich plötzlich wieder daran, dass man eine Gesellschaft von Kriegern war und dass Kriege zu führen den Ruhm von Cardassia zu mehren bedeutete. Mit jedem Tag, der verging, wurden die Lobrufe auf den neuen Legaten lauter, und das bestätigte mich in dem, was ich getan hatte und tat.

Nur zwei Dinge trübten meinen Genuss: Zum einen war das der bedauerliche Umstand, dass ich Relek trotz intensiver Suche immer noch nicht geschnappt hatte - und ich war mir sicher, ich wusste es einfach, dass er noch auf Cardassia Prime ausharrte und nicht längst geflohen war - und zum anderen war da mein kleiner Glücksbringer, der sich trotz meiner ganzen Aufmerksamkeiten, mit denen ich ihn überhäuft hatte, nicht für mich erwärmen wollte.
Carmen bewohnte mit mir gemeinsam nun meine alte Villa, in der sich zuvor, bis ich ihn hatte hinauswerfen lassen, ein fetter Bürokrat breit gemacht hatte, und dort gehörte ihr eine ganze Zimmerflucht alleine. Die Lage war traumhaft, bot sie doch einen phantastischen Ausblick über die Stadt bis hin zum G'tag-Gebirge, und die Zimmer waren groß und dank der auf Cardassia stets herrschenden Hitze offen und boten allen Luxus, den man sich nur vorstellen konnte. In seidene Gewänder hatte ich sie gehüllt, die ausgesuchtesten Mahlzeiten servierte man ihr, ich hatte ihr ein paar Mädchen zur Gesellschaft abgestellt und auch ein paar kleine Tiere geschenkt, die gemeinhin als putzig galten. In die Oper führte ich sie des abends oder zu sportlichen Vorführungen oder Kunstausstellungen, manchmal blieb ich auch zu Hause und versuchte, sie bei einem Glas Kanar in eine interessante Unterhaltung zu verstricken. Und sie verfehlte es nie, mich zu unterhalten und mein Interesse für sie weiter zu entfachen - aber trotz all der Dinge, die ich für sie tat, trotz der Geschenke, mit denen ich sie überhäufte und der Kurzweil, die ich ihr bot, verschloss sie ihr Herz nach wie vor vor mir. Und das machte mich langsam schwermütig.

Ich war es nicht gewohnt, dass eine Frau mir widerstand. Die, die ich in meinem Leben gewollt hatte, hatte ich auch bekommen - wenn man von diesem Sturkopf Kira Nerys einmal absah - und ich hielt es mir zugute, dass ich es nicht nötig hatte, eine Frau in mein Bett zu zwingen. Auch bei Carmen wollte ich zu dieser Maßnahme nicht greifen. Ich besaß Charisma, war attraktiv und sehr mächtig. Wenn ich gewollt hätte, hätte ich das Bett jede Nacht mit zehn willigen Cardassianerinnen teilen können. Aber daran lag mir überhaupt nichts. Ich wollte diese kleine Terranerin. Und ich wollte sie ebenso willig und nicht mit Gewalt - zumal mir ihre Beschreibung unseres letzten Aufeinandertreffens, das nur sie erlebt hatte und ich nicht, klar gemacht hatte, dass man mit Druck bei ihr überhaupt nichts erreichte. Aber ich war ja auch kein Unterdrücker, ich war ein Eroberer! Ihre Kapitulation, das war es, wonach mich verlangte. Und das mich tagsüber, wenn ich im Zentralkommando meiner Arbeit nachging, so manches Mal mehr beschäftigte als Dinge von größerer Wichtigkeit.

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Zerrissenes Herzchen
Zerrissenes Herzchen
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Registriert: Mi 17. Mai 2006, 19:56
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Ich befand mich nun schon seit einiger Zeit auf Cardassia Prime, konnte aber beim besten Willen nicht sagen, wie lange, denn ich hatte die Tage nicht gezählt - wozu auch? Es war unwichtig geworden. Es nützte mir nichts, wenn ich einen Kalender führte, denn ein Ende meines neuen Daseins war nicht in Sicht. Das hier war jetzt mein neues Leben. Nicht an Franks Seite und nicht an Juans Seite, sondern an Dukats Seite, dessen Geliebte ich nun offiziell war. Paradox genug, denn bisher hatte ich mich ihm nicht hingegeben. Noch nicht.
Aber ich machte mir nichts vor, irgendwann würde er an sein Ziel gelangen. Wenn nicht durch meine Einwilligung, so wohl durch seine kontinuierlich wachsende Ungeduld. Und wahrscheinlich würde es ihm auch irgendwann sein Stolz gebieten, mich sich untertan zu machen. Dukat war kein Mann, der einer Frau auf ewig hinterher lief. Eine gewisse Zeit lang würde er darauf hoffen, dass ich seinem Charme erlag, weil diese Vorstellung seinem männlichen Ego am besten gefiel. Aber der Punkt wäre irgendwann überschritten, und er würde Nägel mit Köpfen machen. So, wie er es damals auf DS9 getan hatte. Ich wusste, dass ich einem Schicksal entgegen ging, das nicht mehr abzuwenden war.

Aber - und das mag jetzt genauso paradox klingen - es kümmerte mich nicht mehr. Der Gedanke, dass ich ihm eines Tages ganz gehören würde, erschreckte mich nicht mehr. Ich hatte alles verloren, alles, was ich auf dieser Welt geliebt hatte und ich befand mich in einer Situation, die sich für mich nie wieder ändern würde, weil alle Welt glauben musste, dass ich längst tot war. Darum war mein Leben dunkel und grau geworden. Ohne Hoffnung auf Glück, ohne Angst vor neuem Verlust oder Schmerz - ich war innerlich taub geworden und lebte nur noch nach außen hin. Was scherte es mich also, wenn Dukat schließlich die Geduld verlor und mich mit Gewalt nahm? Oder mich seinen Leuten schenkte oder mich umbrachte, weil er mich leid geworden war?

Bereits seit Stunden stand ich auf dem ausladenden, steinernen Balkon meines Wohnraums und sah blicklos hinüber zu den Bergen. Die Sonne brannte heiß auf mich herab, ein leichter, stickiger Wind verfing sich in meinem rotseidenen, langen Gewand, das daraufhin meine Beine umspielte. Er verfing sich auch mit den zarten Haarsträhnen, die man an meinen Schläfen und im Nacken zu weichen Locken gedreht hatte, während man den Rest meines Haares zu einer komplizierten Frisur aufgetürmt hatte, wie sie die Cardassianerinnen gerne trugen. Der Wind brachte ebenfalls meine langen, verschlungenen Ohrgehänge zum Schaukeln, die Dukat mir am Vortag geschenkt hatte - sicher das zwanzigste Paar inzwischen, denn er überhäufte mich geradezu mit Schmuck.
Der Schmuck war mir egal. Der Wind auch. Und auch die Sonne und die Villa und der Ausblick, den man von hier hatte. Auch die Mädchen, die mir Gesellschaft leisteten, obwohl sie alle nett waren und Föderationsstandard sprachen. Aber sie berührten mich nicht. Nichts berührte mich mehr. Ich hatte einmal ein Herz besessen, das so groß gewesen war, dass zwei Männer Platz darin gehabt hatten. Jetzt hatte ich gar kein Herz mehr, weil es mit diesen beiden Männern gestorben war.

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Kommandant von DS9
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Registriert: Mi 26. Dez 2007, 01:29
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Die Stunde X war gekommen. Unsere Landung auf Cardassia Prime war problemlos vonstatten gegangen, denn natürlich waren nicht alle Männer, die Relek treu ergeben waren, ihm in den Untergrund gefolgt. Einigen war es gelungen, unauffällig zu bleiben und ihre Posten weiterhin zu behalten, trotz der Säuberung, die Dukat in zahlreichen Ämtern und Funktionen hatte durchführen lassen. Zu diesen Männern gehörte Gul V'nohr, welcher uns an einem vereinbarten Treffpunkt an Bord genommen und sich daraufhin mit uns nach Cardassia Prime aufgemacht hatte.

Und nun befanden wir uns in V'nohrs Wohnhaus am Rande der Stadt und besprachen noch einmal den Einsatzplan, bei dem es noch eine kleine Unstimmigkeit gab.
Relek war der Ansicht gewesen, dass es erfolgversprechender wäre, Dukat in seiner Villa zu überwältigen - auf alle Fälle einfacher als im streng bewachten und befestigten Zentralkommando. Aber ich hatte dem widersprochen - hauptsächlich, weil ich wusste, dass sich auch Miss Esteban in der Villa aufhielt und es für sie ungleich gefährlicher werden würde, wenn der Putsch in ihrer Gegenwart geschah. Sicherer wäre es für sie, wenn Collins & Co. sie, wie wir es intern besprochen hatten, klammheimlich aus der Villa schafften, während wir Dukat im ZK beschäftigten. Aber natürlich konnte ich Relek gegenüber nicht mit der Sicherheit einer für ihn unwichtigen Frau argumentieren. Das hätte er sicherlich nicht begriffen und darum sofort abgelehnt. Ich führte also einen weiteren Grund an, weshalb es meiner Meinung nach besser war, zuzuschlagen, wenn Dukat sich im Zentralkommando befand.
"Bedenken Sie die Wirkung eines solchen Putsches, Gul - Sie täten es Dukat gleich, der vor vier Wochen genauso gegen Ra'orn vorging! Sie würden ihn mit seinen eigenen Mitteln schlagen. Eine Machtübernahme im Zentralkommando ... klingt das nicht weitaus rühmlicher als die Überwältigung Dukats in seinem Schlafzimmer?"
Relek kniff die Augen zusammen. Er wusste, dass ich Miss Esteban als Bürgerin der Föderation einen genauso hohen Wert beimaß wie dem Gelingen des Putsches gegen Dukat, völlig ungeachtet dessen, was er selbst von dieser Frau hielt. Weshalb er mich wohl durchschaute und ahnte, dass meine Argumentation nicht nur den Zweck verfolgte, Relek ein möglichst ruhmreiches Auftreten zu gewährleisten. Aber diese Argumentation ließ sich auch nicht einfach so beiseite wischen. Natürlich wäre die Wirkung um einiges größer, wenn Dukat im Zentrum seiner Macht überwältigt werden würde - und diese Wirkung wog mehr als die einfachere Variante seines Domizils. Relek war Politiker und Diplomat, er wusste das. Darum nickte er schließlich und stimmte unserem Plan schließlich zu.
"Also gut, Captain. Dann auf Ihre Weise. Und da Sie von diesem Konzept so überzeugt sind, nehme ich an, dass Ihre Männer bereits entsprechend instruiert sind?"
Ich nickte.
"Gut. Dann werde ich denjenigen, die sich auf den Weg zur Villa machen werden, einen Führer mitgeben. Das ist jedoch alles, was Sie von mir in dieser Hinsicht an Unterstützung erwarten können. Unser Ziel lautet Dukat und nicht irgendeine unwichtige Frau. - Es empfiehlt sich jedoch, beide Aktionen so zu koordinieren, dass sie zeitgleich ablaufen. Miss Esteban darf nicht vorzeitig von Ihren Männern befreit werden, weil wir es sonst riskieren, dass jemand in der Villa den Alarm auslöst und Dukat das Zentralkommando verlässt, um zu Hause nach dem Rechten zu sehen. Ein Dukat, von dem wir nicht konkret sagen können, wo er sich gerade befindet, nützt uns nichts. Stellen Sie sicher, dass die Villa erst dann von Ihren Männern eingenommen wird, wenn der Putsch begonnen hat."
"Das wird kein Problem sein, Gul. Unsere Leute verfügen über abhörsichere Interkoms und sind in der Lage, sich untereinander zu verständigen."
"Also gut. Dann weisen Sie diejenigen, die es betrifft, an, sich zu Dukats Villa zu begeben. Wir werden uns mit Ihnen und Ihren restlichen Männern zum Zentralkommando aufmachen. Bedauerlicherweise sind alle meine Leute aus den wichtigeren Posten entfernt worden, so dass wir keine Hilfe von innen erwarten können wie zum Beispiel das Deaktivieren der Transporterblocker, um leichter hinein zu gelangen. Es wird uns nichts anderes übrig bleiben, als das Zentralkommando zu stürmen. Gul V'nohrs Schiff wird das Gebäude des ZKs in einen Tachionenstrahl einhüllen, damit Transportervorgänge unmöglich gemacht werden - es steht sonst zu befürchten, dass Dukat sich auf die Reklat oder in sein Haus oder wer weiß wohin beamt, um zu fliehen."
"Verstanden. Machen wir es so."
Mehr war nicht mehr nötig gewesen. Ich gab Collins, der unserem Gespräch ebenso wie jeder andere meiner Männer beigewohnt hatte, ein Zeichen, und er entfernte sich mit Cortez und den zwei anderen Leuten aus Parrishs Team. Dann sah ich Cunningham an und bemerkte mit nur wenig verzogener Miene, da das Exoskelett der Cardassianer keine großartigen Grimassen zuließ: "Auf in den Kampf, Commander!"
Ich konnte es kaum noch erwarten, dass ich wieder ich selbst war.

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