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 Betreff des Beitrags: Space Pirates Teil II
Verfasst: Fr 4. Apr 2008, 23:35 
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Zerrissenes Herzchen
Zerrissenes Herzchen
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Fortsetzung der "Space Pirates"-Geschichte aus DIESEM Thread. :kiss2:

:ente:

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Verfasst: Sa 5. Apr 2008, 00:23 
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Kommandant von DS9
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DS9

Wir waren alle wieder heil auf DS9 angekommen, und vor allen Dingen steckten wir alle wieder in unserer eigenen Haut. Ich hatte mich, ehe wir von Bord der Independence gegangen waren, noch kurz von John Parrish und Marc Collins verabschiedet und dann Juan Cortez und Carmen Esteban persönlich zu Miss Estebans Quartier auf DS9 begleitet, weil ich das für den richtigen Abschluss unseres Einsatzes gehalten hatte. Daraufhin hatte ich mich, brennend vor Neugier, mit den von Commander Cunningham heruntergeladenen cardassianischen Daten in mein Quartier begeben und Anweisung an die OPS gegeben, dass ich vorerst nicht gestört zu werden wünschte. Commander McNamara, das war mir klar gewesen, würde wie üblich dafür sorgen, dass dieser Anweisung Folge geleistet werden würde. Und so hatte ich mich, kaum dass die Tür zu meinem Quartier sich hinter mir verschlossen hatte, eilig an meinen Schreibtisch gesetzt und den Datenstick in die Konsole gesteckt - eine erholsame Ultraschalldusche, einige Stunden Schlaf, etwas Richtiges zu essen, all das hätte mir gewiss besser getan, aber ich war nicht in der Lage gewesen, die nötige Geduld dafür aufzubringen.

Kaum hatte der Computer auf die Daten zugegriffen, hatte ich ihn angewiesen, sie in Föderationsstandard zu übersetzen. Und nachdem dies geschehen war, hatte ich mich in die Lektüre vertieft. Die Lektüre einer umfangreichen Datenbank, die in der Kürze der Zeit sicher nicht zur Gänze heruntergeladen worden war, doch zu einem großen Teil. Und was ich bei dieser Lektüre alles erfahren hatte, ließ mich gleich im Anschluss zwei Dinge tun - immer noch, ohne geduscht, geruht oder gegessen zu haben: Zum einen informierte ich Admiral Connors über einen sicheren Kanal über die gelungene Beendigung der Aktion "Schädlingsbeseitigung", wie der Einsatz auf Cardassia Prime intern geheißen hatte, und im Anschluss daran erklärte ich ihm, dass er in Kürze die Lieferung einiger interessanter Bücher erwarten könnte, die ich in einem Antiquariat für ihn erstanden hätte, da ich ja wüsste, wie vernarrt der Admiral in dieses gebundene Papier wäre. "Bücher" war unter uns - und damit meine ich jetzt nur den Admiral und mich, niemanden sonst - der Code für "Daten". Und dass ich mich selbst auf diesem geheimen Kanal verschlüsselt ausdrückte, mag verdeutlichen, dass ich sogar diesem Kommunikationsweg nicht traute. Und darum auch ganz gewiss nicht den Fehler begehen würde, die von Cunningham beschafften Daten Connors auf diesem Wege zu übermitteln. Ich erzählte dem Admiral im Plauderton, dass zwei meiner Offiziere nun, da es nach dem gelungenen Einsatz wieder ruhig geworden wäre, einen längeren Urlaub auf der Erde planten und diesen auch verdient hätten, und dass ich einem dieser Männer die erstandenen Bücher der Einfachheit halber mitgeben würde. Connors nickte lächelnd und bedankte sich für diese Aufmerksamkeit. Dann fragte er mich, ob ich noch immer meiner großen Leidenschaft, dem Baseball frönte und was die von mir aufgestellte Mannschaft "Niners" machte. Mit einem leisen Lachen antwortete ich ihm, dass ich bedauerlicherweise kaum noch Zeit gefunden hätte, mit meinen Leuten in die Holosuite zu gehen, um dort mit ihnen Baseball zu spielen. Aber dass ich das vielleicht in Kürze nachholen würde, da nun nichts Weltbewegendes mehr anstehen würde. Connors sprach die Bitte aus, sich bei seinem nächsten Besuch der Station ein solches Spiel ansehen zu dürfen, und ich sagte mit einem jovialen Lachen zu. Daraufhin bedankte Connors sich freundlich, nicht nur für meine Zusage, sondern auch für die Bücher und beendete das Gespräch scheinbar guter Laune. Doch mir war der ernste Funken in seinem Blick nicht entgangen, und ich nehme an, mein Blick war mit dem Connors' vergleichbar gewesen.

Nachdem ich das erledigt hatte, fertigte ich eine Kopie der Daten an, welche ich sicher zu deponieren gedachte. Daraufhin rief ich die beiden Offiziere zu mir, die ich dazu ausersehen hatte, die Daten auf der Erde Connors zu übergeben.
"Commander McNamara und Commander Cunningham, bitte zu mir ins Quartier. Sofort."
Es dauerte keinen Moment, bis McNamara sich meldete.
"Ich bin auf dem Weg, Sir!"
Bei Cunningham dauerte es etwas länger, was mich vermuten ließ, dass er unter der Dusche stand und den Ruf deshalb nicht hörte. Seine Bestätigung kam erst herein, als McNamara mir gegenüber bereits Platz genommen hatte. Ich beschloss, mit dem Gespräch zu warten, bis wir vollständig waren und berichtete McNamara in der Zwischenzeit von unserem Einsatz auf Cardassia Prime.
Nachdem Cunningham sich in frischer Uniform und mit nassem Haar zu uns gesellt und sich für seine Verspätung entschuldigt hatte, kam ich zur Sache und erklärte als erstes McNamara, was wir von Cardassia außer Miss Esteban noch mitgebracht hatten. Danach berichtete ich von dem Gespräch mit Connors und machte meine Offiziere mit ihrer neuen Aufgabe vertraut - die Daten, die Cunningham in aller Eile gesammelt hatte, zur Erde zu bringen und nur Connors, nur Connors persönlich auszuhändigen. Ich schloss meine kleine Ansprache mit den Worten: "Zu Ihrer eigenen Sicherheit werde ich Ihnen nicht mitteilen, was sich auf diesem Datenstick befindet, meine Herren. Es ist für Ihren Auftrag auch nicht notwendig. Da die Sache jedoch brisant ist, wage ich es nicht, nur einen von Ihnen mit dieser Angelegenheit zu betrauen. Mir ist bekannt, dass Sie früher gemeinsam auf der U.S.S. Freedom gedient haben und privat miteinander befreundet sind. Es ist mir wichtig, dass die Offiziere, die ich für diese Aufgabe einsetze, einander hundertprozentig vertrauen. Zudem muss ich ihnen natürlich zu hundert Prozent vertrauen können. Beides ist hier der Fall, darum ist meine Wahl auf Sie beide gefallen, Commanders. - Machen Sie sich bereit, morgen aufzubrechen. Ihre Beförderung, Commander Cunningham, werden wir heute natürlich noch gebührend angehen. Nur bitte nicht zu lang und zu heftig, meine Herren. Sie müssen morgen wieder einsatzbereit sein."
McNamara und Cunningham schmunzelten, sagten aber noch nichts, da sie wussten, dass ich meinen Vortrag noch nicht beendet hatte.
"Wie John Parrish mir berichtet hat, wird Marc Collins Mister Cortez und Miss Esteban morgen mit der Starfighter zur Erde fliegen. Sie werden mit von der Partie sein, weil die Starfighter schneller ist als ein herkömmlicher Personenfrachter und besser gesichert als manches Sternenflottenschiff. Ich wage es nicht, Sie mit diesen Daten auf ein Schiff mit vielen hundert fremden Personen gehen zu lassen. Obwohl nicht davon auszugehen ist, dass die Entwendung derselben von den Cardassianern entdeckt worden ist und außer Commander Cunningham, Lieutenant Turner, Ihnen, Commander McNamara und mir niemand davon weiß. Wir können trotzdem nicht vorsichtig genug sein. Offiziell werden Sie eine Woche Urlaub einreichen und für diese Zeit auch auf der Erde bleiben, damit Sie glaubhaft bleiben. Nach Ablauf dieser Woche treten Sie Ihren Dienst hier ganz normal wieder an. - Noch Fragen, meine Herren?"

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Verfasst: Sa 5. Apr 2008, 15:57 
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Kommandant von DS9
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"Das bin ich auch, Commander."
Ich lächelte und stand auf - das Zeichen für meine beiden Offiziere, dass die Besprechung beendet war.
"So, und nun Schluss mit allem Dienstlichen. Nehmen Sie sich heute frei, meine Herren. Ab morgen werden Sie ohnehin dauernd im Einsatz sein. Commander, ich habe mir erlaubt, die Feier zu Ihrer Beförderung in die Hand zu nehmen. Sie wird, wenn es Recht ist, noch einmal in meinem Büro stattfinden. Sie sollten sich jetzt damit beschäftigen, Ihre Gäste einzuladen, wenn Sie heute Abend nicht mit Ihrem Captain alleine Schnittchen essen wollen."

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Verfasst: Sa 5. Apr 2008, 16:04 
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Zerrissenes Herzchen
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Einige Stunden später ...

Ich hatte, wie vermutet, Juan auf der Independence erst wieder zu Gesicht bekommen, als wir DS9 fast schon erreicht hatten. In dem Moment, wo er die Tür zum Quartier geöffnet hatte und eingetreten war, war ich ihm in die Arme geflogen, hatte ihn fest umschlungen und war wieder einmal in Tränen ausgebrochen – eine Zeitlang hatte ich geglaubt, meine ständige Heulerei wäre ein Phänomen, das sich nur auf Frank beschränkte. Aber ich hatte inzwischen erkannt, dass Juan dieselbe Reaktion in mir hervorrufen konnte. Ich musste eben nur genügend emotional bewegt sein, und das war ich in dieser Zeitlinie eigentlich ständig.

Nachdem wir an DS9 angedockt hatten und ich Kloß und Déjà-Vu-Gefühl beim vertrauten Anblick der Station hinuntergeschluckt hatte, hatte Captain Sisko uns zu meinem Quartier gebracht, das im Gegensatz zu dem auf der Independence noch sehr bewohnt ausgesehen hatte – schließlich war ich vor einigen Wochen Hals über Kopf von hier geflohen und hatte nur eine Reisetasche mitgenommen, weshalb zwei Drittel des Kleiderschranks noch voll mit Anziehsachen waren und auch sonst alle Naselang etwas herumlag, so ordentlich ich ja ansonsten auch war. Frank hatte ich nicht mehr gesehen, was rational gesehen sicherlich gut war, mich emotional aber in eine Stimmung versetzte, die ich hier liebe nicht beschreibe.
Juan und ich hatten geredet. Den halben Tag lang, mal auf dem Bett liegend, mal sitzend, zwischendurch auch mal am Esstisch, wo wir ein wenig gegessen hatten. Ich hatte ihm alles erzählt, was geschehen war, seit wir im Lager der gitanos getrennt worden waren. Nicht die geringste Kleinigkeit hatte ich ausgelassen, bis zum Schluss nicht, und immer wieder hatte ich beteuert, dass ich nicht mit Dukat geschlafen hätte und er mich, abgesehen von ein paar Küssen, die er sich genommen hatte, auch nicht berührt hätte. Die Erleichterung darüber hatte Juan nicht verborgen. Er hatte mich fest in seinen Arm gezogen und mehr als einmal “Gracias a Dios“ geflüstert. Und mich geküsst. Und mich geliebt. Danach war meine Welt halbwegs wieder in Ordnung gewesen.

Am Nachmittag dann war eine Einladung zu Franks Beförderungsfeier eingetrudelt, die man wohl im kleinen Rahmen in Siskos Büro angehen wollte – unter „Freunden“, wie Frank geschrieben hatte. Ich hatte mich darüber gewundert, dass er Juan und mich auch dazu zählte, da er uns eigentlich gar nicht kannte und ich mir nicht hatte vorstellen können, dass er und Juan in den vergangenen Wochen meiner Entführung Blutsbrüder geworden waren. Aber vielleicht hatte die Befreiungsaktion sie einander ein wenig angenähert. Ihr Händeschütteln auf der Krankenstation war vielleicht nicht gerade ein Zeichen beginnender Freundschaft gewesen, aber auf alle Fälle des Respekts, den sie einander zollten. Darum war es vielleicht doch nicht so abwegig, dass wir zu den geladenen Gästen zählten. - Dachte ich. Dass Frank Gefühle für mich entwickelt haben könnte, zog ich überhaupt nicht in Betracht, da er mich bisher nur einen Tag lang gesehen hatte und das bereits einige Wochen zurücklag. Und er eine Freundin hatte und ich einen Freund. Und da er weder bei meiner Befreiung zugegen gewesen war noch bei unserem Verlassen der Independence.

Juan war die Einladung nicht angenehm, das sah ich ihm an, jetzt, wo ich mich dafür fertig machte. Mir auch nicht, aus den gleichen Gründen. Andererseits war der heutige Abend wahrscheinlich die letzte Gelegenheit in meinem Leben, wo ich Frank sehen würde. Mit ihm sprechen könnte. Darum war es mir absolut unmöglich gewesen abzusagen. Mehr als alles andere wollte ich ihm danken. Dafür, dass er Dukat erledigt hatte. Er konnte es nicht wissen, aber er hatte den Mann getötet, der in meiner Zeit Schuld am Tod unserer ungeborenen Tochter gewesen war. Wäre unser Kind nie gestorben, hätte unser Leben vielleicht einen völlig anderen Verlauf genommen. Vielleicht wäre ich nie wieder zu Juan zurückgegangen, sondern bei Frank geblieben – mit ziemlicher Sicherheit sogar. Und dann wäre Frank niemals von Juan umgebracht worden, ich hätte niemals mit Juan diese unglücksseligen Zwillinge bekommen, ich wäre niemals in der Zeit zurückgereist, sondern an der Seite meines ersten Ehemannes geblieben. So gesehen hatte Frank sich nicht nur unwissenderweise für den Tod seiner Tochter gerächt, sondern auch für die Liebe, die er nun nicht mehr kennen lernen würde. Es erfüllte mich mit einer gewissen Zufriedenheit und Dankbarkeit. Und die wollte ich Frank gegenüber heute Abend zum Ausdruck bringen – danach war ich um seinetwillen und um Juans Willen bereit, ihn für immer zu verlassen. Wieder einmal. Wie relativ Begriffe wie „für immer“ doch sein konnten.

„Ich bin soweit“, verkündete ich Juan, nachdem ich in ein paar hohe, schwarze Sandalen geschlüpft war. Ich hatte mich für den Anlass nicht aufgeschneckt, nach aufschnecken stand mir im Moment wie gesagt sowieso der Sinn nicht. Ich hatte das bordeauxrote, wadenlange Strickkleid angezogen, das ich an dem Tag getragen hatte, als ich Frank zum ersten Mal begegnet war – vor Äonen. Es erschien mir nur angemessen, es auch heute zu tragen, wo ich ihn zum letzten Mal sehen würde. Es hatte fast schon etwas Rituelles. Mein Haar trug ich offen ... nach Wochen komplizierter Hochsteckfrisuren ebenfalls eine Wohltat. Und ich war aus dem gleichen Grund auch nicht geschminkt. Alles in mir strebte danach, mich so weit wie möglich von dem in Seide gehüllten, angemalten, frisierten, parfümierten Wesen zu distanzieren, das ich für Dukat hatte sein sollen. Auch wenn ich mich damit nicht vom Ruf seiner Geliebten befreien konnte, konnte ich doch deutlich machen, dass ich anders war, als er mich hatte formen wollen.
Da ich keinen großen Aufwand für mein Aussehen betrieben hatte, war ich zeitgleich mit Juan fertig, der gerade eines seiner dunkelroten Hemden zuknöpfte und dabei mit dunklem Blick in den Spiegel des Schlafzimmerschranks sah. Ich bemerkte seine Miene, trat zu ihm und küsste ihn auf die glatt rasierte Wange.
„Es ist nicht für lange, mi amor. Nur für ein Stündchen. Ich möchte mich bedanken – nicht nur bei Frank, sondern auch bei Sisko und Marc und Jocey.“

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Verfasst: Sa 5. Apr 2008, 17:36 
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Das war die erste Beförderungsfeier, bei der ich nicht an Franks Seite war, sondern ihm gegenüber stand, mit einem anderen Mann an meiner Hand. Damals, bei seiner ersten Beförderung zum Lieutenant Commander, hatte er sich mit mir verlobt - keine acht Wochen, nachdem wir uns kennengelernt hatten. Und auch bei seiner zweiten Beförderung, die ihn zum Commander gemacht hatte, war ich dabei gewesen, weil ich zu dem Zeitpunkt Juan wieder einmal verlassen hatte und zu Frank zurückgekehrt war. Diesmal teilte ich seine Freude nicht, zumindest nicht äußerlich, diesmal kannte er mich nicht einmal, sondern stand mir wie ein Fremder gegenüber, mit dem ich nur förmlich sprach. Dabei gab es nicht viele Menschen in meinem Leben, die mir vertrauter waren als er. Das an sich war schon ganz schön schwer.
Aber es gab noch eine andere Premiere, und die kostete mich beinahe noch mehr Kraft und Selbstbeherrschung. Und das war der Moment, wo er mir seine Hand hin hielt und ich sie zaghaft ergriff und drückte. Es war das erste Mal in dieser Zeitlinie, dass ich Frank berührte - die Erkenntnis durchzuckte mich wie ein Blitz, genauso wie es der vertraute, warme Druck seiner Hand und das Funkeln in seinen schönen Augen war. Ich musste mich zwingen, seine Hand wieder loszulassen, obwohl ich in diesem Moment nichts lieber getan hätte, als den ganzen Abend so herumzustehen, meine Hand in seiner und unsere Blicke ineinander versenkt. Aber daran war kein Denken. Und nicht nur wegen Juan nicht, der ja genau wusste, was in mir vorging, sondern auch wegen Frank - er hätte sich schön bedankt, wenn ich ihn auf diese Weise für den Rest des Abends in Beschlag genommen hätte. Ich war eine Fremde für ihn, die ihm nicht das Geringste bedeutete. Immer wieder musste ich mich daran erinnern, um zu vermeiden, dass ich mich in der Vergangenheit verlor.
"Danke für die Einladung, Commander", bekam ich, nachdem ich meine Hand wieder gesenkt hatte, erfreulich klar und deutlich heraus. "Und meinen Glückwunsch zu Ihrer Beförderung. Sie haben es wirklich verdient - wie gut, dass Dukat nun tot ist. So kann er niemanden mehr töten oder bedrohen oder ihm seinen Willen aufzwingen. Auch dafür meinen Dank, Commander."
So, fertig. Nun konnten wir wieder gehen.

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Verfasst: Sa 5. Apr 2008, 17:49 
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Mein Herz klopfte heftiger als gut war - Frank sollte ich zu ihm sagen? Schon wieder ein Schritt mehr in Richtung Vertrautheit. Aber das durfte ja doch gar nicht sein. Wie gut, dass wir morgen abflogen!
"Ich würde gerne einen Rotwein trinken, wenn Sie welchen da haben", antwortete ich mit ein wenig belegt klingender Stimme und vermied jetzt lieber, ihn mit irgendwelchen Namen anzusprechen, weder mit Commander noch mit Frank noch mit anderen Bezeichnungen, die mir noch sehr viel vertrauter waren.
Juan schloss sich meiner Getränkewahl an, und Frank entfernte sich mit einem "Einen Moment, kommt sofort!" von uns, um unsere Wünsche in die Tat umzusetzen. Ich atmete tief durch, dann sah ich zu Juan auf, und ich nehme an, mein Blick war ziemlich bekümmert.
Was für eine grauenhafte Situation! Ich hätte doch absagen sollen!

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Verfasst: Sa 5. Apr 2008, 17:55 
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Und noch ein tiefer Atemzug, damit ich innerlich wieder ruhiger wurde.
"Gleich, Juanito. Wenn wir uns auch bei Sisko, Marc und Jocey bedankt und uns vom Captain verabschiedet haben."
Ich wusste inzwischen, dass Marc und Jocey uns zur Erde fliegen würden und war sehr dankbar dafür. So hatte ich wenigstens noch zwei meiner Freunde um mich herum, die mir auch sehr viel bedeuteten. Wer wusste schon, wann ich sie danach wiedersehen würde?

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Verfasst: Sa 5. Apr 2008, 18:03 
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Ich hatte gerade an meinem Wein genippt, als Frank uns im Nebensatz erklärte, dass das hier gar nicht der große Abschied wäre, weil er morgen mit uns fliegen würde. Ich verschluckte mich prompt am Wein, prustete ihn wieder heraus und bekam dann einen Hustenanfall, der sich gewaschen hatte - und sah dabei nur durch Tränen, dass ich Franks weiße Galauniform voll getroffen hatte und die nun an der Brust ein individuelles, rotes Graffitimuster besaß.

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Verfasst: Sa 5. Apr 2008, 19:00 
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Mein Herz war mir bei der Aussicht, Frank doch noch länger sehen zu können, in einem heftigen, freudigen Schock geplatzt - allerdings sah Frank jetzt auch genauso aus, denn seine Uniform war total eingesaut. Ich unterdrückte mein Husten nur mit Mühe, zwinkerte mir die Tränen weg ... und wurde hochrot bei dem, was ich daraufhin von ihm zu hören bekam.
"Ich ... ich ...", begann ich zu stottern, wollte meine Hand nach ihm ausstrecken und an seiner Jacke herumwischen, aber im letzten Moment bremste ich mich - ich hatte mich auch so schon genug blamiert. "Es tut mir leid ... wirklich!", brachte ich schließlich heiser hervor und stellte mein Weinglas beiseite, dabei nahm ich den Blick von Frank, weil ich diesen Ausdruck in seinen Augen, der jetzt so abweisend war, nicht länger ertragen konnte. "Ich ... ich denke, ich gehe jetzt besser. Ich wollte Ihnen Ihre Feier nicht verderben und Ihre ... Ihre Uniform. Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Abend, Commander."
Noch einmal warf ich Frank einen scheuen Blick zu, dann griff ich nach Juans Hand und zog ihn auf wackeligen Knien hinter mir her auf den Ausgang des Büros zu. Ich hörte, dass er noch etwas zu Frank sagte - über die Schulter wahrscheinlich, und es war wohl irgendwas wie "Adios" oder "Hasta luego" oder so, aber was genau, das bekam ich nicht mit. Das Blut rauschte mir in den Ohren, und ich wollte nur noch weg von hier - ich hatte Frank beleidigt und seine Uniform, in der er so phantastisch aussah, in einen sauigen, stinkenden Spüllappen verwandelt. Kein Wunder, dass er gar nicht mehr vorhatte, sich morgen auf dem Flug noch in irgendeiner Weise mit mir zu beschäftigen - ich hatte das Fass gerade zum Überlaufen gebracht, und das besser, als es mir in der Vergangenheit je gelungen war.

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Verfasst: Sa 5. Apr 2008, 19:21 
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Ich musste mich gegen die Liftwand lehnen, weil ich befürchtete, sonst zusammenzuklappen.
"Ich ... ich weiß es nicht, ich ... ich kann darüber jetzt nicht nachdenken", murmelte ich erstickt und versuchte verzweifelt, meine Tränen zurückzuhalten, aber es gelang mir einfach nicht.
Wie ablehnend Franks Blick zum Schluss gewesen war ... der Ausdruck seiner Augen verfolgte und quälte mich, genauso wie der Gedanke an meinen glamourösen Auftritt von gerade - eine echte Glanzleistung mal wieder! Ich hatte nicht nur mich selbst blamiert, sondern auch Juan, und ich wagte mir gar nicht auszudenken, was die anderen Offiziere und Sisko jetzt über mich dachten! Jetzt war ich nicht nur die Geliebte Dukats, ich war die tollpatschige Geliebte des Guls. Wahrscheinlich waren alle froh, dass wir wieder weg waren, Frank allen voran. Warum hatte ich mich nur nicht besser im Griff gehabt?
"Es tut mir leid, Juan ...", flüsterte ich und wischte mir die Tränen weg. "Ich hab mich gerade unmöglich aufgeführt. Ich wollte das nicht. Aber es ... es war so ein Schock gewesen!"
Ein freudiger, wie gesagt. Aber das Attribut ließ ich jetzt lieber weg.

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Verfasst: Sa 5. Apr 2008, 19:33 
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Ich nickte todunglücklich und schniefte dabei an Juans Brust.
"Si, wir werden im Quartier bleiben und erst wieder rausgehen, wenn wir die Erde erreicht haben."
Und ich hatte mich so gefreut, Frank noch einen Tag länger sehen zu können! Aber was nutzte es, wenn ich inzwischen zu einem roten Tuch für ihn geworden war?
'Zu einem WEINroten, chica!'

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Verfasst: Sa 5. Apr 2008, 20:07 
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Ich hatte mich wieder im Griff - ungefähr seit heute Morgen. Juan und ich hatten uns letzten Endes darauf geeinigt, es beim Flug mit Marc und Jocey zu belassen, aber bis zum Eintritt in den Erdorbit wirklich in unserem Quartier zu bleiben. Es war mir klar, dass das für mich zu einer Zerreißprobe werden würde, denn das Wissen, dass ich nur durch eine Schiffswand von Frank getrennt sein würde, folterte mich jetzt schon. Zwei Tage lang würde ich gegen die Versuchung ankämpfen müssen, unser Quartier doch zu verlassen, vor allen Dingen weil sicher war, dass ich ihn nach diesem Flug nie wiedersehen würde. Mir graute jetzt schon davor. Aber es nützte alles nichts.

Als Marc sich schließlich bei uns meldete, war ich zur Abreise fertig. Ich hatte mir ein paar praktische Sachen angezogen - ein weißes, ärmelloses Top und eine beige Cargo-Hose, dazu ein paar weiße Segelschuhe, fertig - und den gesamten restlichen Inhalt meines Kleiderschranks gepackt, um das Quartier leer zu machen, damit es für mich keinen Grund mehr gab, noch einmal hierher zu kommen. Diesmal sollte es ganz bestimmt das letzte Mal gewesen sein, dass ich mich auf dieser Raumstation aufgehalten hatte.
Da auch Juan fertig war - er stand neben einer Reisetasche, ich neben drei großen Koffern - antwortete ich Marc bemüht sachlich: "Hola Marc. Du kannst uns zu dir herüber holen, wir sind soweit."
Ich sah zu Juan und wischte mir dabei meine feuchten Handflächen an meiner Hose ab. Gleich darauf begann mein Körper zu kribbeln - als nämlich der Transporterstrahl, den Marc aktiviert hatte, begann, meinen Körper in seine Elementarteilchen zu zerlegen.

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