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 Betreff des Beitrags: Re: Space Pirates Teil II
Verfasst: Di 9. Jun 2009, 16:16 
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Wichtel
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Ich war mit unserer Gruppe ins Rennlager gedackelt und hatte wie jeder andere auch brav meinen Zettel gezogen. Allerdings mit flatterndem Herzen, denn an so einer Verrücktheit teilzunehmen war das Letzte, was ich wollte.
Ich hatte inzwischen von ein paar anderen chicos aus unserem Camp erfahren, wie diese Rennen abliefen und dass es immer Tote gab. Tote! Plural! ... Bei einer Teilnehmerzahl von zehn Personen bedeutete das mindestens zwanzig Prozent, und das war mir eindeutig zu viel. Ein zu hohes Risiko! Was, wenn ich zu den mindestens zwanzig Prozent gehören würde? Dann wäre ich tot. Weg vom Fenster. Ein für allemal!
Die vergangene Nacht war darum für mich eine schlaflose gewesen. Nicht, weil ich mir in die Hosen geschissen hätte - ich war beileibe kein Angsthase. Autofahren konnte ich auch ganz gut. Aber das war nicht das Problem. Das Problem war, dass ich mir in den schlaflosen Stunden zum ersten Mal seit meinem Aufbruch von DS9 eingestanden hatte, dass Frank Recht gehabt hatte. Es war Wahnsinn gewesen, was ich getan hatte. Verantwortungslos ihm und Valentina gegenüber. Egoistisch dazu, weil es nicht nur die Loyalität zu Juan gewesen war, die mich auf diese gefährliche Mission hatte gehen lassen, sondern ebenso sehr meine Sehnsucht nach ihm und meine Angst um ihn ... Gefühle, die ich in Anbetracht der Tatsache, verheiratet zu sein, aus Loyalität Frank gegenüber hätte unterdrücken müssen. Ich hatte es nicht getan. Hatte auf mein bescheuertes Herz gehört, dass mich bereits in der Vergangenheit oft genug fehlgeleitet hatte. Ich hatte nichts dazu gelernt. Und jetzt war ich drauf und dran, Frank vielleicht zum Witwer und Valentina zur Halbwaisen zu machen. Das war es, was mich seit meinem genialen Moment nächtlicher Selbsterkenntnis aufrieb. Dass ich den Menschen, die meine Familie waren und die ich so sehr liebte, möglicherweise einen noch schlimmeren Schmerz zufügen würde als den, den ich ihnen mit meinem Weggang schon zugemutet hatte.
Darum wollte ich auf keinen Fall auf der Teilnehmerliste landen. Darum betete ich im Stillen, als meine Hand in die Urne eintauchte und in dem gefalteten Papier herumzuwühlen begann, auf dem unsere Schicksale bereits festgelegt waren.
Ich zog eines der kleinen Briefchen heraus und sah es einen Moment lang an, ohne es zu öffnen. Erst, als der Meridier neben der „Wahlurne“ mich mit einem nicht allzu festen Schubs gegen die Schulter an meine Pflicht erinnerte, klappte ich das Papier mit zitternden Fingern auseinander … und schluckte an dem Kloß, der sich prompt in meinem Hals zu bilden begann.
Ein Symbol …
Mein Briefchen beinhaltete ein Teilnehmersymbol, und das ließ meine größte Angst gerade Wirklichkeit werden.
„NOCH ein Teilnehmer!“, rief der Meridier neben mir aus, nahm mich am Arm und zog mich zu den übrigen „glücklichen Gewinnern“, die man bereits von den übrigen abgesondert hatte: Marc, Jocey, Rancor, Cusack, Will, Ronon natürlich, zwei Gruppenmitglieder, deren Namen ich nicht kannte … und Juan.
Betroffen sah ich meine Freunde an. Sah Juan schließlich in die Augen. Sicher, es hatte sie alle treffen können. Ihn natürlich auch … warum hatte ich mir darum eigentlich vergangene Nacht keine Sorgen gemacht? Immerhin konnte jeder von ihnen bei diesem Chaotenrennen drauf gehen. Meine Angst verdreifachte sich prompt. Hatte sich denn eigentlich alles gegen uns verschworen?
„Ich hab noch NIE was gewonnen! In meinem GANZEN LEBEN nicht! Warum JETZT?", klagte ich weinerlich und hielt demonstrativ mein "Glückslos" in die Höhe. „Wir werden alle sterben. Ganz sicher! Das werden wir nicht überleben.“
All mein Optimismus, der mein Wesen doch sonst immer so sehr ausgemacht hatte, war dahin. Weg. Verschwunden. War tiefschwarzem Pessimismus, Angst und Gewissensbissen gewichen.
’Paco, du hast SO Recht gehabt!’

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 Betreff des Beitrags: Re: Space Pirates Teil II
Verfasst: Di 9. Jun 2009, 19:59 
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Wichtel
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Es überraschte mich nicht, dass ich nicht unter den "Auserwählten" war. Ich nehme an, dass die Typen, die meine neuen Freunde die Meridier nannten, ziemlich gut Bescheid wussten über die Insassen ihres hübschen Gefängnisses. Und fest stand nun einmal, dass ich biotechnisch verbessert war. Offenbar achtete man darauf, dass niemand einen Vorteil hatte. Oder man hatte besondere Gründe, mich nicht mehr von hier wegzulassen. Seit ich wusste, dass ich nicht "normal" war, war ich gedanklich alle möglichen Gründe für mein Hiersein durchgegangen, leider aber noch zu keinem Ergebnis gekommen.

Nun, die "Niete", die ich gezogen hatte, gab auch nicht mehr Aufschluss über mein wahres Ich. Ich warf den leeren Zettel weg und sah Joce nach, die das Los zur Teilnahme bestimmt hatte. Sie ging zu den anderen und fragte nach ihrem Beifahrer. Einer der Männer aus ihrer kleinen Gruppe - Will McNamara - trat daraufhin einen Schritt auf sie zu. Aber mit so feindseligem Blick, dass ich unwillkürlich die Stirn runzelte. Anscheinend waren die beiden sich nicht grün. Ich hatte vorher schon den Verdacht gehegt, dass McNamara sich bewusst von der Gruppe um Collins absonderte, weil er jemandem aus dem Weg gehen wollte. Wer dieser Jemand war, wusste ich jetzt. Warum Joce aber ein rotes Tuch für ihn war, erschloss sich mir immer noch nicht. Ob ich es noch erfahren würde?
'Möglicherweise ... wenn sie das Rennen überleben.'
Ich hoffte das sehr, denn ich mochte Joce.


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 Betreff des Beitrags: Re: Space Pirates Teil II
Verfasst: Di 9. Jun 2009, 20:06 
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Söldner
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Ich war schon immer ein Glückskind gewesen. Wie der Quickie im Wald bewiesen hatte, wie es auch das Los heute zeigte. Ich durfte am Todesrennen teilnehmen. Es wurde mir richtig warm ums Herz!
Noch viel wärmer wurde mir, als ich sah, wer meine werte Beifahrerin werden würde. So viel zum Thema Glück. Joce sah mich undefinierbar an, ich erwiderte ihren Blick - feindselig, wie Ranc gerade gesagt hat ... ja, möglich. Wenn ich ehrlich bin, ich war in jenem Moment nicht allzu gut drauf. Davor auch schon nicht. Ich wollte Joce nicht sehen und nicht hören. Und schon gar nicht wollte ich mit ihr in diese Scheißsardinenbüchse steigen und dort wer weiß wie lange an ihr kleben bleiben.
"Ich fahre", entschied ich in unnachgiebigem Tonfall. Das war alles, was ich sagte. Dann drehte ich ihr den Rücken zu und entfernte mich von der Gruppe. Nicht allzu weit, denn die Meridier schienen beschlossen zu haben, dass wir ab jetzt Kindergarten spielen und zusammen bleiben mussten. Egal, die sechs, sieben Meter, die uns jetzt trennten, gaben mir wieder etwas mehr Luft zum Atmen. Mit in den Hosentaschen vergrabenen Händen kickte ich einen Stein fort und sah daraufhin finster zum Dschungel hinüber.

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 Betreff des Beitrags: Re: Space Pirates Teil II
Verfasst: Di 9. Jun 2009, 20:18 
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Wichtel
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Ich sollte mich zusammenreißen ... Marc hatte gut Reden, er hatte ja auch keine Familie, kein Kind!
Ich liebe Marc, wirklich, das tue ich. Aber bei diesem Spruch hätte ich ihm am liebsten vor die Knochen getreten! So was von unsensibel, sein Rüffel!!! Und dann auch vor versammelter Mannschaft!!!
Trotzdem bewirkte er was in mir. Zwar keinen Trost, aber Wut, und das war mindestens genauso gut. Mit knirschenden Zähnen schlug ich auf meinen rechten Oberarm und ließ gleichzeitig meinen rechten Mittelfinger in die Höhe fliegen, um Marc zu zeigen, was ich von seiner Tour hielt. Ich kassierte ein Grinsen, das ich noch wütender mit einem Tritt in den Dreck quittierte, der staubartig in Marcs Richtung flog. Sofort war ein Meridier zur Stelle - keine Ahnung, ob's der gleiche von vorhin gewesen war, die sehen sich alle so verdammt ähnlich - und mahnte mich zur Ruhe. Nach Ruhe war mir gar nicht, aber mein größter Ärger war bei diesem kleinen Ausbruch verpufft, und den Rest ließ ich mit leisen, spanischen Flüchen raus, die ich dem Meridier hinterher murmelte, kaum dass er sich wieder trollte. Ein ebenso leises, tiefes Lachen hinter mir war die Folge. Mein Kopf flog herum, und ich funkelte Cusack an.
"Was ist so witzig, he?"
"Witzig? Das alles hier!" Er sah sich mit zynischem Blick um. Den heftete er daraufhin forschend auf mein Gesicht. "Wie sieht's aus? War's das gerade mit der Heulerei, oder fängst du morgen wieder an zu flennen, wenn du neben mir in der Karre sitzt?"
Jetzt reichte es mir aber! Ich stieg auf meine Zehenspitzen, um Cusacks spöttisch gewordenem Gesicht etwas näher zu kommen, und als ich nah genug war, zischte ich hinein: "NO! Aber möglicherweise KOTZE ich! DIREKT in deinen SCHOSS! Na? Wie gefällt dir DAS, he?"
Scheiß-Macho! Wie alle hier!! Ich wollte meinen feinfühligen, empfindsamen Frank zurück!

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 Betreff des Beitrags: Re: Space Pirates Teil II
Verfasst: Di 9. Jun 2009, 20:24 
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Wichtel
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Mein Blick schweifte nachdenklich über die Gruppe der Fahrer.
"Ich bleibe. Ich glaube, dass ich technisch was drauf habe. Ist so ein Gefühl. Kam bei der Auswertung der Trikorder-Daten. Vielleicht kann ich helfen ..."
Zu irgendwas musste ich ja gut sein.


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 Betreff des Beitrags: Re: Space Pirates Teil II
Verfasst: Di 9. Jun 2009, 20:36 
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Wichtel
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"No, ist mir noch nicht aufgefallen, stell dir vor!", blaffte ich zurück. Hielt er mich jetzt auch noch für doof?
Ich stopfte mir eine geröstete Raupe in den Mund und kaute darauf herum ... die Dinger schmecken ziemlich gut, wenn man sie vorher in Salz wälzt und dann auf dem Feuer gart. Da ich in der letzten Zeit immer Hunger hatte, hatte ich ständig einen kleinen Vorrat in der Hosentasche und futterte ihn zwischendurch wie Chips.
"Die Waffen sind kein Problem für mich, das weißt du. Ich muss mich nur mit ihnen vertraut machen."
Für Waffen hatte ich wirklich ein Händchen. Nicht so wie Marc natürlich, der einen Fliege auf einen Kilometer ein Auge ausschießen konnte. Aber ich war ziemlich gut, das hatte mein Supersöldner mir des Öfteren bestätigt - und er war kein Schmeichler, wenn es um solche Dinge ging. Jedenfalls nicht, wenn er nicht mehr frei war und die Baggertour darum ausfiel. Ich machte mir also keine Sorgen, weil ich morgen die Position des Bordschützen einnehmen würde. Sicher würde es Spaß machen, den Muds ordentlich einen vor den Latz zu ballern. Mit denen hatten wir ja ohnehin noch zwei bis fünf Rechnungen offen.

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 Betreff des Beitrags: Re: Space Pirates Teil II
Verfasst: Mo 15. Jun 2009, 15:45 
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Söldner
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Ich hoffe, es will jetzt niemand von mir hören, wie ich mich zum Start des Rennens fühlte. Mir ging's ja schon seit Tagen dreckig, und jetzt, hier, in Joceys Nähe, war ich auf dem Tiefpunkt meines Gefühlslebens angekommen.
Trotzdem gab ich natürlich Gas. Und bretterte gemeinsam mit neun anderen Karren los, als das Licht auf Grün sprang. Ich tat das im grimmigen Schweigen, weil ich überhaupt nicht daran dachte, Jocey eine Antwort zu geben. Mir war nicht nach herumflachsen oder demonstrativ coolen Sprüchen, nur um mir nicht anmerken zu lassen, wie beschissen es mir wirklich ging. Das war Joceys unreife Art, nicht meine.

Ich flog also die Strecke entlang - über Schlaglöcher hinweg, die man seit dem letzten Rennen nicht für nötig befunden hatte auszubessern, um Hindernisse aus Schrott und ausgebrannten Wagen herum, die man uns als Schikanen in den Weg gelegt hatte und dann in halsbrecherischer Geschwindigkeit auf einen Tunnel zu, der so schmal war, dass darin nur maximal zwei Wagen nebeneinander Platz hatten. Zehn flogen jedoch darauf zu - auf gleicher Höhe, denn das Rennen ging noch nicht lange genug, als dass der eine oder andere bereits einen Vorsprung hätte herausfahren können. Und es gab keinen Weg drumherum.
"FESTHALTEN!", rief ich Jocey zu. Gleich darauf zog ich den Wagen heftig nach rechts, in Cusacks Kiste hinein, dann nach links, in die Ronons. Beide gerieten ins Schleudern, und ich bekam mehr Freiraum. Sofort trat ich das Gaspedal bis zum Anschlag durch und jagte auf die schwarz gähnende Tunnelöffnung zu. An der Spitze der wilden Jagd, wie auch immer ich das geschafft hatte, denn ich hatte durch meine kleine Aktion auch ein paar Sekundenbruchteile an Zeit verloren.
Meine Ohren dröhnten vom Motorenlärm, der im Tunnel um ein Vielfaches verstärkt und zurückgeworfen wurde. Vom plötzlichen Fehlen des Lichts so gut wie blind geworden, kniff ich die Augen zusammen und dachte mir meinen Weg mehr, als dass ich ihn sah ... Scheinwerfer hatte man offenbar für überflüssig befunden und gar nicht erst in die Karren eingebaut, genauso wenig, wie man an eine Tunnelbeleuchtung gedacht hatte.
Doch die Blindheit dauerte nicht lange an. Ich sah auf einmal das sprichwörtliche Licht am Ende des Tunnels und atmete erleichtert auf. Nur einen Wimpernschlag später setzte mein Herz einen Schlag lang aus, denn irgendetwas – oder irgendjemand – drückte unsere Kiste mit einem heftigen Ruck an die Wand.
„HEYY!!“
Funken sprühten feuerwerksartig auf, als die Beifahrertür unseres „Rennwagens“ an der Tunnelwand entlang schrabbte.
„DRECKSKERL!!“
Wer immer das gewesen war, der uns attackiert hatte, er konnte was erleben!
Ronon, wie ich sah, als ich aus dem Tunnel heraus schoss. Ausgerechnet! Mit einem wütenden Knurren trat ich das Gaspedal durch und nahm die Verfolgung auf – ganz recht, die Verfolgung! Mir war ehrlich gesagt egal, wer gewinnen würde, Hauptsache, dieser Scheißkerl nicht! Der uns ja sowieso nicht helfen und John holen würde. Und selbst wenn, was zählte das schon noch? Für mich gab es ohnehin kein Denken mehr daran, mit Joce weiter auf demselben Schiff unter demselben Boss zu dienen. Ich war raus aus der Sache.

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 Betreff des Beitrags: Re: Space Pirates Teil II
Verfasst: Mo 15. Jun 2009, 16:37 
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Wichtel
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"AUA!!!"
Wir wurden von der Seite gerammt, und mein Kopf knallte schmerzhaft gegen das Beifahrerfenster.
Will, dieser verdammte pendejo! Hatte der noch alle Nadeln an der Tanne??
Cusack bekam alle Hände voll zu tun, um mit dem Wagen wieder in die Spur zugeraten und ich damit, etwas anderes anderes zu sehen als Sterne.
"FUCK!!", lautete der wütende Kommentar meines Piloten ... ich hätte es nicht treffender ausdrücken können! "Dreht McNamara jetzt vollkommen am Rad??"
Wir kamen zur gleichen Zeit aus dem Schlingern heraus und wieder in eine stabile Lage hinein wie der Wagen, der jetzt an Wills Statt neben uns fuhr - Ronons Karre, wie ich unschwer an Juans Profil erkennen konnte, das sich in diesem Augenblick vor Cusacks Nase schob. Also hatte Will auch Ronon abgedrängt? Carajo, so lautete aber doch nicht der Plan!
Wir schossen gemeinsam in einen Tunnel hinein, in dem es so dunkel war wie im Hintern eines spanischen torros. Dort gelang es Ronon, sich vor uns zu schieben, was für mich total in Ordnung war, schließlich sollte er ja auch gewinnen. Wie es aussah, revanchierte er sich mit einem festen Heckstüber für Wills Attacke von vorhin, dann schossen er und Juan an Will und Jocey vorbei und waren als erste im Freien.
"HA!!", schrie ich triumphierend und schüttelte meine Faust in Richtung McNamara - für den unwahrscheinlichen Fall, dass er gerade in den Rückspiegel sah. Aber sofort verabschiedete sich mein Enthusiasmus wieder, denn wir wurden erneut geschubst: diesmal von hinten, und das nicht nur einmal, sondern immer wieder.
„Die verdammte MUD-SAU!!“, brüllte Cusack über den Motorenlärm und mein Kreischen hinweg. Und dann, in meine Richtung, ohne auch nur für eine Sekunde den Blick von der Piste zu nehmen: „LOS, KLEINES! Mach dem Sack FEUER UNTERN HINTERN!!“
Oh si, genau das würde ich jetzt auch tun! Ich hatte mir nämlich Dank dieses cabróns gerade auf die Zunge gebissen, und das tat ziemlich weh!
Fluchend streifte ich mir die Hosenträgergurte ab, kletterte rittlings auf meinen Sitz und griff nach der Bordkanone, die im Heck angebracht war. Mit zusammengekniffenem Auge visierte ich unseren Verfolger an, der, wie ich trotz der verdreckten, vergitterten Scheibe deutlich erkennen konnte, keiner von uns war und drückte ab. Die Salve, die im Stakkato aus dem Gewehr geschossen kam, ließ meinen gesamten Oberkörper vibrieren und meine Zähne rhythmisch aufeinander klappern, aber ich war zu sehr in Rage, als dass ich dem irgendwelche Aufmerksamkeit geschenkt hätte. Ein paar Patronen durchschlugen die Windschutzscheibe unseres Verfolgers, ein paar trafen die Motorhaube und den Kühlergrill. Aber keine setzte die Karre hinter uns außer Gefecht – oder das Mud-Schwein, das darin saß.
Puta Madre!!!“, fuhr ich zornig auf. „Was ist das für eine Scheißmunition, eh? Schieß ich mit Erbsen oder was???“
Es klickte, und schon waren die „Erbsen“ alle. Sofort griff ich hinter Cusacks Sitz, wo, wie ich wusste, die Ersatzmunition steckte. Ich legte einen neuen Patronengurt in meine Kanone ein – das hatte ich in den vergangenen Stunden bis zum Erbrechen geübt und war jetzt dementsprechend flott darin – und schon donnerte die nächste Salve aus meinem Bordgewehr. Mit der traf ich diesmal jedoch leider überhaupt nichts, denn Cusack fuhr in dem Moment eine scharfe Linkskurve, so dass meine Schüsse wirkungslos in die Mauer der verlassenen Fabrik einschlugen. Und mein Kopf wieder einmal gegen das Beifahrerfenster knallte. „MIERDA, CHICO! – Mach vorher ’ne Ansage, comprende??“

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 Betreff des Beitrags: Re: Space Pirates Teil II
Verfasst: Mo 15. Jun 2009, 21:34 
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Wichtel
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Wir hatten wieder aufgeholt, aber direkt hinter Ronon und Juan waren wir noch nicht, denn dazwischen lagen noch Will und Jocey und, wenn ich das richtig mitbekommen hatte, Marc mit seinem Co-Piloten. Ich konzentrierte mein Feuer also wieder auf unsere Verfolger, bis ein lautes Rumpeln unter uns mich plötzlich stutzig machte.
"Was WAR das?", schrie ich Cusack über den Motorenlärm alarmiert zu. Das Geräusch hatte sich absolut ungesund angehört. So ungesund, dass ich die Ahnung kommenden Unheils, die sich mehr und mehr in mir breit machte, beim besten Willen nicht abstreifen konnte.
"Keine AHNUNG", dröhnte Cusack zurück, wieder einmal, ohne den Blick von der Piste zu nehmen. "Vielleicht 'n KANALDECKEL ..."
Si, das klang ganz plausibel. Ich zuckte mit den Schultern, entspannte mich und wollte gerade wieder den Abzug meiner Bordkanone durchziehen, als unsere Karre auf einmal in eine fauchende, rotgelb glühende Wolke getaucht wurde.
"Que al diablo ...??", rief ich überrascht aus, Cusack brüllte im gleichen Moment: "SCHEISSE!!!" Und dann: "RUNTER MIT DIR!!!" Er packte mich grob am Arm und zerrte mich vom Sitz, dabei duckte er sich hinters Lenkrad. Keinen Augenblick zu früh, denn plötzlich platzten unsere Seitenscheiben und Glas regnete heiß ins Wageninnere, begleitet von feurigen Flammenzungen, die über uns hinweg leckten. Nur für ein paar Sekunden, nicht länger. Aber wäre ich auf meinem Sitz hocken geblieben, ich wäre anschließend gegrillt gewesen wie ein knuspriges pollo. Dank Cusack jedoch beendete ich mein junges Leben nicht als Brathähnchen.
„Flammenwerfer!“, stellte ich fest, als ich meine Deckung wieder verließ und über meinen schmauchenden Beifahrersitz hinweg zum Heckfenster hinaus blickte.
„Na SUPER!“, zischte Cusack angepisst. „Wer weiß, was die SONST noch an Überraschungen auf Lager haben!“
Ich wollte es gerade nicht wissen. Der Sitz vor mir qualmte, und meine Haare qualmten auch. Angerußt wie ein Schornsteinfeger hockte ich im Fußraum des Beifahrersitzes und war nicht einmal in der Lage, meine Position als Bordschütze wieder einzunehmen, da der Sitz vor mir viel zu heiß war, um sich wieder darauf zu knien. Wozu war ich jetzt eigentlich noch gut? Außer dazu, die ohnehin schon hitzige Stimmung in unserem Wagen noch durch derbe Flüche aufzuheizen?

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 Betreff des Beitrags: Re: Space Pirates Teil II
Verfasst: Mo 15. Jun 2009, 21:48 
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Söldner
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Wir schleuderten durch die Gegend und verloren dabei natürlich an Geschwindigkeit. Beinahe verloren wir auch die Kontrolle über den Wagen, doch mir gelang es noch im letzten Moment, das Steuer wieder in meine Gewalt zu bekommen und die Kiste herumzureißen. Dabei brüllte ich Jocey an: "Nimm verdammt noch mal DIE FLOSSEN DA WEG!!! - ICH fahre!!!"
Yo, was sich so Fahren nannte. Eigentlich fuhr ich nicht, sondern befand mich auf einem Kreuzzug. Und mein Ziel hieß Ronon. Heute weiß ich das, heute bin ich schlauer. Damals hingegen war ich abgrundtief verletzt. Und stinksauer. Und unversöhnlich.
Es gelang mir, Joce auf ihren Sitz zurückzudrücken und dabei gleichzeitig wieder Kurs aufzunehmen. Leider ein wenig spät, denn jetzt hatte Collins seine Karre vor uns geschoben. Aber ich gab nicht auf. Auch wir hatten ein paar Peacemaker an Bord, und einer davon befand sich links neben dem Lenkrad. Für den Fall, dass der Bordschütze - welcher stets der Beifahrer war - das Rennen nicht überlebte.
Ich griff danach, zielte und feuerte. Collins' linker Reifen gab explosionsartig den Geist auf, und die ganze Kiste driftete nach links ab. Schon war ich vorbei und hängte mich ein zweites Mal an Ronon, den Yeti. Peng, peng!!! Die nächsten Kugeln flogen nach vorne und pfiffen Ronon und Cortez um die Ohren. Aber entweder hatte der Neandertaler mitbekommen, auf welche Art ich mir Collins aus dem Weg geschafft hatte, oder er hatte einfach nur Semmel - auf jeden Fall gelang es mir nicht, ihm seine Reifen zu zerschießen, egal, wie genau ich auch zielte. Fluchend gab ich Gas und versuchte, wenigstens wieder an seine Stoßstange zu kommen. Egal, wie ich es anstellen musste, aber eines war gewiss: Dieser Kerl würde hier und heute keinen zweiten Sieg über mich davon tragen!

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 Betreff des Beitrags: Re: Space Pirates Teil II
Verfasst: Fr 19. Jun 2009, 20:24 
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Wie die letzten beiden Rennen, die ich gefahren und gewonnen hatte, war auch dieses hier absolut abgedreht. Jeder wollte gewinnen, niemand steckte zurück. Und es wurde mit harten Bandagen gekämpft.
Dennoch war das hier noch nicht das Limit. Noch lebten alle, und alle Wagen waren noch dabei. Aber ich wusste, das würde sich ändern. Wir hatten gerade die zweite Runde hinter uns gebracht und befanden uns in der dritten, in der die Waffen und Fallen aktiviert wurden. Waffen, die am Parcours angebracht worden waren und die man aktivieren konnte, indem man über Kanaldeckel fuhr, die von der "Rennleitung" nach belieben online geschaltet wurden. Oder eben nicht.
Cusack hatte bereits entsprechende Erfahrungen gesammelt. Er hatte eine Falle ausgelöst, die ihn in lodernde Flammen tauchte. Das grelle Aufleuchten im Rückspiegel hatte meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Immer wieder flog mein Blick in die Höhe, und ich verfolgte, während ich beinahe schon routiniert weiteren Fallen auswich, was hinter mir geschah, weil ich wissen musste, ob ich noch auf seine Unterstützung rechnen konnte. McNamara hatte ich bereits abgehakt, denn es war mir inzwischen klar geworden, dass er das Rennen als eine persönliche Sache zwischen ihm und mir ansah. Ich konnte es ihm nicht verdenken, dass er seine Gefühle vor seine Vernunft stellte, denn an seiner Stelle hätte ich sicherlich genauso gehandelt. Durand war bei uns der Logiker, ich der Macher. Für Zurückhaltung war ich nicht gerade bekannt. Das hieß aber natürlich nicht, dass McNamara mir jetzt sympathisch war. Von nichts war ich weiter entfernt. Ich hatte wütend geflucht, als er mich attackiert hatte, weil er meine Chance auf den Sieg unnötig schmälerte. Zum Glück war Cortez ebenfalls kein Zauderer. Er machte McNamara Feuer unter dem Hintern, und schließlich musste McNamara selbst Attacken abwehren. Schakal half ihm dabei so effizient, dass ich nicht wusste, ob ich über ihre Aktion schmunzeln sollte oder mich viel mehr darüber ärgern, sie nicht als Beifahrer an Bord zu haben. Sie und ich, wir wären ein klasse Team gewesen. Dagegen hätte sogar Cortez einpacken können.

Wir bretterten also ein drittes Mal die Rennstrecke entlang, vorbei an einem breiten Kanal mit trübem Wasser, auf eine scharfe Linkskurve zu, die hinter halb verfallenen Hallen zu einer Engstelle führte, welche Platz für maximal einen Wagen bot, als von links plötzlich eine Karre auf uns zugeschossen kam, aus den erwähnten verfallenen Hallen heraus. Keiner von „unseren“ Leuten – ich bezeichne Collins’ Kameraden jetzt mal so – sondern ein irre lachender Mud. Wie der jetzt in die Halle gekommen war, konnte ich nur vermuten. Offenbar hatte er in der letzten Runde dort gewartet und war jetzt darauf aus, mich aus dem Rennen zu kegeln. Was ihm, wenn ich nicht sogleich was unternahm, auch gelingen würde, denn er war auf Kollisionskurs.
Ich dachte nicht nach, ich handelte. So fest ich konnte, trat ich die Bremse durch. Mein Verfolger – Cusacks angesengte Karre – knallte in mein Heck, so dass es einen gewaltigen Ruck tat, der Cortez und mich in die Gurte beförderte. In genau diesem Moment schoss der von links kommende Mud vor unserer Motorhaube vorbei – gar nicht mehr lachend, übrigens – und segelte daraufhin haltlos über den Kanalrand hinweg wie ein antriebsloses Shuttle. Cortez und ich sahen ihm nach. Dann – noch ehe die Mudkarre samt Inhalt im fauligen Wasser landete – zischte plötzlich eine Rakete darauf zu, und die Karre explodierte daraufhin in einem gewaltigen Feuerball. Das war’s für den Mud. Er hatte die Regeln gebrochen, indem er eine Runde ausgesetzt und sich vom Parcours entfernt hatte. Die Meridier verstanden keinen Spaß in solchen Dingen und ließen die Strafe auf den Fuß folgen. Der erste Tote des Death Race.
„Und weiter geht’s!“
Ich drückte das Gaspedal durch und fuhr mit durchdrehenden Reifen wieder an. Es wurde auch höchste Zeit, denn inzwischen hatten mich bereits drei Wagen überholt.

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 Betreff des Beitrags: Re: Space Pirates Teil II
Verfasst: Fr 19. Jun 2009, 21:20 
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Registriert: So 1. Mär 2009, 01:34
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Si, ich heizte dem Mud ein. Und zwar ordentlich, ich war nämlich mordssauer, da mein Schädel brummte, als hätte mir ein wildgewordener Stier davor getreten!
Die Karre fing am Heck Feuer. Keine Ahnung, was da überhaupt brennbar war und sogar durch den Funkenschlag meiner Kugeln in Brand gesetzt worden war. Auf jeden Fall schlugen die Flammen bei der Mudkarre plötzlich in die Höhe - vielleicht hatte ich ja irgendwie den Tank getroffen.
Der Mud wurde durch das Flambieren aus dem Takt gebracht. Er zog seine Kiste nach rechts, Cusack nutzte das und zog an ihm vorbei. Als wir vorbei schossen, sah ich dem hektischen Mud mit wütend-triumphierendem Blick nach und schüttelte noch einmal drohend meine Faust in seine Richtung. Dabei rutschte mein Blick weiter nach hinten, und ich musste feststellen, dass auch die Möhre hinter uns in Flammen stand. Mir fiel Cusacks "Yeah! Flammenwerfer!" wieder ein, dessen direkte Auswirkung ich offenbar gerade beobachten konnte. Zufrieden ließ ich mich wieder in den verkokelten Beifahrersitz gleiten und fühlte mich trotz Mörderkopfschmerzen direkt etwas besser.
"Vier idiotas weniger!"

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