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Verfasst: Sa 5. Apr 2008, 23:24 
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Leiter der Taktik auf DS9
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Was immer uns aus der Bahn geschossen hatte, es hatte es ordentlich getan.
Ich hab keine Ahnung, wie oft ich mich in unserem Quartier überschlagen hatte und wie oft ich mir die Knochen angestoßen hatte - an dem Schiff, an Cunningham - ich weiß nur noch, dass ich aufatmete, als Collins das Schiff endlich einigermaßen abfing und aus dem Überschlagen 'nur' noch ein wildes Hin- und Herrollen wurde, da wir offenbar trudelten.
Aber dann kam der Hammer!
"WIR HÄNGEN IM GRAVITATIONSFELD UND STÜRZEN AB! COLLINS AN DEN REST DER WELT! ALLES FESTHALTEN, WIR STÜRZEN AUF EINEN PLANETEN RUNTER!!"
Ich riss die Augen auf, während ich mich krampfhaft am Bett festhielt, um nicht weiter wie eine Bowlingkugel durch das Quartier zu rollen und versuchte dabei aus irgendeinem irrationalen Grund heraus, durch das Quartierfenster einen Blick auf besagten Planeten zu werfen. Es gelang mir nicht, denn offenbar jagten wir mit der Nase voran auf unser neues Ziel zu. Dann verschwand die Schwärze des Alls plötzlich, und eine Zeitlang war nur ein rotes Glühen und Wabern am Fenster zu sehen. Dann Helligkeit. Blauer Himmel. Blauer, blauer Himmel.
Und dann kam der Aufschlag!
Ich fand mich plötzlich auf der Wand über dem Bett liegend wieder - auf der Wand, da das Schiff sich in einem steilen Anflugwinkel zum Planeten befunden hatte und die Trägheitsdämpfer ausgefallen waren. Und nur einen Moment später fiel ich von der Wand herunter wie eine Fliege, die man mit einer Klatsche getroffen hatte und kullerte über den Quartierboden auf die andere Wand zu, an der ich erst einmal benommen liegen blieb. - Wir waren gelandet.

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Verfasst: Sa 5. Apr 2008, 23:44 
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Zerrissenes Herzchen
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Ich hörte Juans Stimme wie durch Watte. Mühsam versuchte ich, meine Augen aufzuschlagen, verzog mein Gesicht aber gleich, als mein Körper mir mit zunehmendem Bewusstsein immer weher tat.
"Juan? Was ist passiert?", krächzte ich und stützte mich dabei auf meine Ellbogen - Dios, ich fühlte mich wie gerädert.

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Verfasst: So 6. Apr 2008, 00:43 
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In meinem Kopf drehte sich immer noch alles, aber ich begriff, was passiert war und nickte zu Juans Worten. 'Abgestürzt ... auf einen Planeten ... wichtige Sachen mitnehmen ...' - Ich betete mir das vor, während ich mich dem Bad zuwand und darin verschwand, um das Medokit zu holen. Dabei fühlte ich mich wie in Trance, obwohl ich mich schnell und zielstrebig bewegte.
'Schock ...!', fuhr es mir durch den Kopf. So war es. Ich stand unter Schock, aber ich hatte jetzt keine Zeit, darauf Rücksicht zu nehmen.
Als ich aus dem Bad wieder herauskam, sah ich mich nach weiteren wichtigen Dingen um. Und einer Möglichkeit, diese Dinge auch zu transportieren. Mein Blick blieb an der Wasserflasche kleben, die ich mir am Abend repliziert hatte. Dann flog er zum Replikator. Mit dem Medokit unter dem Arm lief ich darauf zu und aktivierte ihn. Das heißt, ich wollte es, aber das Ding war tot. Die Energie war weg.
Frustriert drehte ich mich um und schnappte mir wenigstens die Wasserflasche, aus der noch nicht viel heraus war. Dann sah ich zu meiner Reisetasche. Wäsche raus, Flasche und Medokit hinein?
Ich entschied mich dagegen, weil die Tasche zu groß war. Wir mussten schwimmen, das würde ich nicht mit einer großen Tasche können.
Aber was dann?
Hektisch sah ich mich um. Wenig später hatte ich den Kopfkissenbezug vom Kissen gezogen und die Sachen hineingestopft. Die beiden Plastikbecher, aus denen Juan und ich getrunken hatten, ebenso. Auch die Zahnputzbecher und das Zahnputzzeug - ich weiß, nicht so wichtig, aber in der Hinsicht hatte ich nun mal eine Macke. Ich wollte noch Wäsche aus meiner Reisetasche dazu stopfen, aber Juan fand wohl, dass es an der Zeit war, von Bord zu gehen. Er stieß die Tasche mit seinem Fuß beiseite, klatschte ein paar Mal auffordernd in die Hände und rief: "Venga!!"
Erst jetzt sah ich zum ersten Mal zum Fenster - blauer Himmel ... und am unteren Drittel der Scheibe die Wasserlinie des Meeres. Ich schluckte und wollte nicht warten, bis die Fische vorbei schwammen und den komischen Wesen in dem komischen, in die Tiefe sinkenden Ding zuwinkten. Eilig knotete ich den Kopfkissenbezug zu und zog die Zipfel durch eine Gürtelschlaufe meiner Cargo-Hose, wo ich wiederum einen festen Knoten machte. Bis ich im Wasser wäre, würde ich mein Päckchen tragen und im Wasser hinter mir herziehen - besser, als es in der Hand zu halten, weil ich so nicht würde schwimmen können.
Juan hatte mich, noch während ich mit dem Knoten beschäftigt war, ungeduldig aus dem Quartier gezogen - in den Korridor hinein, auf dessen Boden sich bereits das Wasser zu sammeln begann. Erschrocken starrte ich es an, während Juan mich weiter hinter sich her zog - wohin, wusste ich nicht, aber ich fragte jetzt auch nicht. Juan tat immer das Richtige.

Einen Moment später kamen wir im Frachtraum an, wo bereits eine Luke geöffnet und eine Leiter bereit gestellt worden war. Hier trafen wir auf die anderen - und erst jetzt, wo ich Frank sah, wurde mir bewusst, dass er bei dem Aufprall genauso gut hätte ums Leben gekommen sein können.
'Er stirbt doch so schnell!'
Ich fühlte mich schuldig, weil ich nicht sofort an ihn gedacht hatte, nachdem ich wieder zu Bewusstsein gekommen war. Eine schöne Liebe, die ich da empfand!
Unsere Blicke begegneten einander und ich versuchte ein Lächeln, aber es gelang mir nicht. Das hatte vielleicht etwas damit zu tun, dass wir gerade untergingen. Juan ließ dann auch keine weiteren Blickkontakte zu. Er schob mich zur Leiter und befahl mir knapp: "Rauf! JETZT!"
Und ich gehorchte. Ausnahmsweise. Und ausnahmsweise ohne Widerworte. So schnell es mit dem Päckchen in meiner Hand ging, stieg ich die Sprossen in die Höhe und tauchte wenig später in blendendem Sonnenschein aus der Starfighter auf - Jocey, die bereits auf dem Rumpf stand, griff nach mir und half mir den letzten halben Meter.
Ich stand schließlich neben ihr. Breitbeinig, denn der Rumpf des Schiffes wogte auf dem Wasser hin und her - etwas, das mir erst jetzt auffiel. Vielleicht, weil vorhin alles noch sehr viel mehr gewackelt hatte. Nach mir kam Juan herauf, dann Frank, dann Will, schließlich Marc. Alle mit Waffen und anderen Dingen in ihren Hosenbunden, Marc mit einem Rucksack auf der Schulter, Will mit seiner Reisetasche in der Hand, die er sich gerade auf den Rücken schwang, woraufhin er seine Arme durch die Trageschlaufen steckte, als wäre die Tasche ebenfalls ein Rucksack - so ging's natürlich auch.
Mein Blick schweifte wieder zu Frank, dann zu Juan, dann sah ich mich um. Wasser, so weit man sehen konnte. Bis auf ...
"Ist das Land dort hinten?"
Ich kniff die Augen zusammen und versuchte meinen Blick zu schärfen - die Sonne war gleißend und schien mir ins Gesicht, weshalb ich nicht gut sehen konnte.
"Dios, ist das weit weg!!"
Mir war ja eben schon schummerig gewesen, aber jetzt hätte ich mir am liebsten in die Hose gemacht. Sollten wir etwa dahin schwimmen? Durch dieses Meer hier? Von dem wir nicht wussten, was darin alles herum schwamm und Hunger hatte?
Dass wir von Glück sagen konnten, auf einem Klasse-M-Planeten gelandet zu sein, daran dachte ich gerade nicht. Auch nicht daran, dass wir bei dem Aufprall genauso gut den Löffel hätten abgeben können. Damit verglichen war das Schwimmen eigentlich eine Kleinigkeit - zumal das Meer glatt war, kein Sturm, keine Nacht, nichts, was unser Vorhaben noch zusätzlich erschwert hätte. Aber ich hatte trotzdem Schiss vor diesem unbekannten Gewässer, das unbekannte Tiere enthielt, die unbekannte Absichten hatten. Was, wenn es hier sowas wie Haie gab? Ich hatte diesen Gedanken noch kaum zu Ende gedacht, als mein Blick wieder zu Frank flog - er hatte doch eine schreckliche Angst vor diesen Viechern. Wie fühlte er sich jetzt? Man sah es ihm nicht an. Aber auch er hatte den Blick jetzt aufs Wasser geheftet. Ich war mir plötzlich sicher, dass er genau daran dachte. Eilig verdrängte ich meine eigene Angst und flötete möglichst heiter: "Na ja, nicht so schlimm, oder? Ist ja nur ein bisschen Wasser. Wir haben doch keine Angst, nass zu werden, stimmts?"

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Verfasst: So 6. Apr 2008, 09:48 
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Mir war ebenfalls scheißeunwohl bei dem Gedanken, die Starfighter zu verlassen und zu dem Küstenstreifen zu schwimmen, der verdammt weit weg war. Aber es blieb uns gar nichts anderes übrig. Der Flieger hatte die ‚Landung’ zwar überstanden, aber er hatte Hüllenrisse bekommen, Collins hatte das im Frachtraum bestätigt. Er zog Wasser, und das gar nicht mal so langsam. Und so war es nur eine Frage der Zeit, bis er unterging.
„Stimmt genau, ist doch nur ein bisschen Wasser“, stimmte ich Carmen zu, froh darüber, dass sie jetzt keinen hysterischen Anfall bekam. „Ich meine, Sonne, blauer Himmel, Meer … was wollen wir mehr? – Okay, wir sind vier Jungs und zwei Mädels. Ich schlage vor, je zwei von uns harten Burschen nehmen ein Mädel in die Mitte, das ist sicherer. Cortez, Sie …“
In dem Moment, in dem ich dem Spanier sagen wollte, dass er Carmen das Bündel besser abnahm, das sie sich an ihre Hose gebunden hatte, löste er den Knoten schon.
„Gut, genau das wollte ich gerade vorschlagen.“ – Die Kleine wäre mit dem Paket wie eine Bleiente abgesoffen.
„Wir gehen als erstes ins Wasser, ihr Mädels kommt nach!“
Ich wechselte einen kurzen Blick mit Cunningham und Collins, und beide nickten. Daraufhin ließ ich mich am Rumpf entlang ins Wasser gleiten, ging einen Moment unter, kam dann aber wieder hoch – und dachte dabei, dass ich mit meinem Gewicht auf dem Rücken selbst verdammt gut aufpassen musste, dass ich hier nicht absoff.
„Okay, es ist warm!“ – Ja, wie in der Badewanne. Ich wusste nicht, ob mir das gefallen sollte, da sich in warmen Gewässern bekanntermaßen mehr Viehzeugs herum trieb als in kaltem. „Der Nächste!“

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Bei Jocelyns Spruch musste ich kurz schmunzeln, aber ich sparte mir einen eigenen locker flockigen Kommentar, da es nicht schlau gewesen wäre, meine Energie mit Quatscherei zu vergeuden. Ich begab mich an ihre Seite, und wir begannen gemeinsam, auf das Land zuzuschwimmen, das Sicherheit versprach. Dabei vermied ich es, über unsere jetzige Situation nachzudenken. Dafür wäre später noch Zeit genug - eine Menge Zeit, ganz bestimmt.

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Ich nickte tapfer zu Juans Worten und zwinkerte mir dazu ein paar Tropfen aus den Augen. Dann wandte ich mich dem Land zu und schwamm - froh darüber, dass Juan mir meinen Beutel vorher abgenommen hatte, denn meine Kleidung, die sich natürlich längst voll Wasser gesogen hatte, wog schwer an meinem Körper, obwohl ich nur ein T-Shirt, eine Hose und Schuhe an hatte. Aber es war eben ungewohnt, damit zu schwimmen. In einem riesigen Meer, mit dem Bewusstsein, dass hinter uns unser Raumschiff und damit unsere Rettung unterging und das Land vor uns so unglaublich weit weg war.
Ich versuchte, so jetzt nicht zu denken, weil ich merkte, wie mich dieser Gedanke in die Tiefe ziehen wollte. Und die Tiefe war nun wirklich der letzte Ort, wo ich hin wollte.

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Ich bekam es erst gar nicht mit, dass was mit Frank geschehen war. Ich konzentrierte mich auf meine Schwimmzüge und auf meine Atmung, den Blick dabei immer fest auf das rettende Land geheftet. Aber plötzlich hielt Marc, der sich links neben mir gehalten hatte, während Juan rechts von mir schwamm, in seinen Bewegungen inne und tauchte unter. Erschrocken stoppte ich ebenfalls ab und sah mich suchend um.
Frank war nicht mehr da!!! - Mein Herz setzte einen Schlag lang aus.
"Dios ...", keuchte ich und versuchte zu erkennen, wo die beiden jetzt steckten und was passiert war, aber das war nicht möglich, denn das Wasser war hier, da es tief war, dunkelblau und spiegelte glitzernd die Sonnenstrahlen wider. Ich hätte schon ebenfalls untertauchen müssen, aber so feige das auch war, ich brachte es einfach nicht über mich.

Plötzlich aber änderte sich etwas. Ich meinte, ein orangefarbenes, kurzes Glühen unter der Wasseroberfläche zu sehen - oder war das wieder nur eine Spiegelung?
Plötzlich jedoch durchdrang Marc die Wasseroberfläche neben mir prustend, und was er dann hervor stieß, ließ mir den Magen in die Knie sacken. Wir mussten weg hier, bevor noch mehr kamen?
"Von wem redest du, Marc?", fragte ich ängstlich und sah mich hektisch wieder nach Frank um. Er tauchte ebenfalls auf - endlich - und ich stieß ein stummes Dankgebet gen Himmel. Aber dann sah ich auf einmal, dass das Wasser in seiner Nähe sich verfärbte und Luftblasen aufstiegen. Und dann durchbrach kurz ein riesiger schuppiger Rücken mit mehreren gezackten Flossen darauf die Wasseroberfläche, und ich stieß einen entsetzten Schrei aus.
"WEG hier!!"
Das war Will, der uns zur Eile antrieb. Ich benötigte keine zweite Aufforderung. Sofort verfiel ich in kräftige Kraulbewegungen und schiss aufs Energiesparen. Was nützte mir eine gut eingeteilte Kraft, wenn ich gefressen würde?

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Die Viecher, denen wir kurz nach Verlassen des Schiffes begegnet waren, hatten uns Beine gemacht. Oder besser gesagt, Schwimmflossen. Was ja auch kein Wunder war, bei dem, was uns sonst wohl geblüht hätte.
Das Tempo unseres Schwimmvereins hatte sich also erhöht - vor allen Dingen, weil wir jetzt keine Rücksicht mehr auf Carmens Ausdauer nehmen mussten. Cortez schleppte sie mit sich, und sie unterstützte ihn mit kräftigem Beinschlag, was auf alle Fälle besser war, als sich auf dem Rücken des Spaniers nur auszuruhen. Aber da Cortez kein Supermann war, ging ihm irgendwann dann doch mehr oder weniger die Puste aus. Das war der Moment, in dem Collins Carmen übernahm. Cortez wehrte sich nicht dagegen - ich denke, er war in dem Moment selbst froh, eine Weile nur noch sich selbst durchs Wasser schleppen zu müssen. Und da Collins noch nicht so geschafft war wie er, konnten wir unsere Geschwindigkeit beibehalten und mussten sie nicht mehr drosseln. Das war ganz gut so, in Anbetracht dessen, was in diesem Meer wohnte.

Ich hätte mich ja auch gerne um Jocey gekümmert. Meine Kondition war top, und ich war schon immer ein guter Schwimmer gewesen. Aber die Kleine schien überhaupt keine Hilfe zu benötigen. Sie führte unsere Gruppe sogar an, indem sie immer eine halbe Körperlänge vor uns herschwamm und sogar den Eindruck erweckte, als könnte sie eigentlich noch schneller und passte sich nur um unseretwillen unserem Tempo an.
'Vielleicht solltest du SIE fragen, ob sie dich schleppt', ging es mir zwischendurch durch den Kopf, aber natürlich tat ich es nicht. Ich konzentrierte mich weiter darauf, möglichst viel Strecke zwischen die Biester und mich zu bringen. Das war alles, was im Moment wichtig war.

Die Sonne, die mir viel heißer und heller vorkam als unsere gute alte Sonne im Solsystem, stand schon tief in unserem Rücken, als wir das Land endlich erreichten - als wir losgeschwommen waren, hatte sie uns noch ins Gesicht geschienen, so viel also zum Thema Zeit.
Ich konnte es kaum noch erwarten, endlich wieder festen Boden unter den Füßen zu fühlen und erhöhte mein Kraultempo noch mal, obwohl meine Arme und Schultern inzwischen reine Schmerzherde waren. Weißer, langer, verhältnismäßig breiter Sandstrand, dahinter ein grüner Palmensaum - wir paddelten nicht zufällig auf Hawai zu, oder?
Aber nein, dann hätten uns wohl Sonnenliegen und -schirme auf am Strand empfangen. Außerdem hatte ich noch nie was davon gehört, dass solche Urviecher vor der Küste von Hawai herum schwammen - und Loch Ness war eindeutig zu weit entfernt, als dass Nessie einen Ausflug hätte gemacht haben können.
Doch die Brandung, die lang und kräftig auf den Strand auflief, hatte schon was von den maritimen Zuständen, die auf - oder besser gesagt, um - Hawai herrschten. Wo wir zuvor in großen, langsamen, trägen Wellen geschwommen waren, wurden wir jetzt von der Strömung erfasst, die bezeugte, dass das Land lang und flach ins Wasser hinauslief und die großen, trägen Wellen sich daran brachen. Ein kontrolliertes Schwimmen wurde immer schwerer - und schließlich wurden wir mehr oder weniger gepackt und nach vorne geworfen, nur um vom zurückströmenden Wasser wieder ein Stück ins Meer hinausgezogen zu werden, bis die nächste Welle uns wieder nach vorne schleuderte.
'Du hast das Surfbrett vergessen, McNamara!'

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Verfasst: So 6. Apr 2008, 14:23 
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"Tapfer gehalten?", japste ich sarkastisch, legte einen Arm über meine Augen und bemühte mich, wieder zu einer ruhigen Atmung zu finden.
Ich hatte mich überhaupt nicht tapfer gehalten. Ich hatte mich tragen lassen, von Juan, von Marc und auch von Frank und es damit nur allen schwer gemacht. Sie aufgehalten. Wir konnten von Glück sagen, dass diese Meeresbiester sich nicht mehr für uns interessiert hatten, sonst lägen wir jetzt nicht am Strand in der Sonne, sondern befänden uns zu kleinen Häppchen filetiert im Bauch dieser Ungeheuer.
Und trotzdem war ich offenbar die Erschossenste von allen, denn Marc gab bereits Anweisungen, was wir jetzt zu tun hätten, und als ich meinen Arm kurz hob und in seine Richtung linste, bemerkte ich, dass auch Jocey wieder um ihn herum lief.
Ich rappelte mich auch wieder auf, zumindest in eine sitzende Position und blickte düster zu Marc hinüber, der mir für meinen Geschmack gerade viel zu unternehmungslustig war.
"Machst du WITZE, chico? Ich für meinen Teil gehe die nächste Viertelstunde nirgendwo hin. Claro? Nicht, ehe ich wieder genug Luft habe!"
Wenn wir auf einem unbewohnten Planeten gelandet waren und wir wirklich erst einmal fest saßen - welche Zeitspanne dafür in Frage käme, daran wagte ich in diesem Moment nicht zu denken - dann käme es auf die paar Minuten wohl auch nicht mehr an. Aber ich wusste sehr wohl, dass ich mich nach einer Pause wieder etwas besser fühlen würde. Im Augenblick fühlte ich mich nur Scheiße. Meine Hose und mein weißes Top klebten wie eine zweite Haut an mir, und das verursachte mir eine angewiderte Gänsehaut. Wie gerne wäre ich Marcs Beispiel jetzt gefolgt und hätte mich ausgezogen, aber daran war kein Denken. Ich zog es also in meinem Rücken ein Stück von mir ab, griff dabei aber gleichzeitig in den nassen Sand, der mich nun von hinten panierte. Wenn es etwas gab, das ich noch mehr hasste als nasse Klamotten am Leib, dann waren es nassige, sandige Klamotten!

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Verfasst: So 6. Apr 2008, 14:41 
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Ich schnaubte Marcs Rücken an und antwortete trotzig: "Stimmt genau. Wenn, dann schlummert das Unheil hinter mir im Urwald. Und darum beweg ich mich auch nicht mehr vom Fleck!"
Marc konnte mich mal. Hier den Sklaventreiber zu spielen. Mit finsterer Miene drückte ich mich aus dem Sand hoch und zog mir wenigstens meine Hose und meine Schuhe aus, damit sie in den letzten Sonnenstrahlen noch trocknen konnten. Mein schwarzer Slip hätte ja genauso gut eine Bikini-Hose sein können, also was sollte es? Nur dumm, dass ich so gut wie nie einen BH trug.

Mit brummig gerunzelter Stirn breitete ich meine nasse Hose im Sand aus und stellte meine weißen Segelschuhe daneben, die, weil sie aus Stoff waren, schnell trocken wären. Dann klopfte ich mir meine sandigen Hände ab und wrang mein langes Haar aus, das widerwärtig nach Salzwasser stank - so wie die ganze Carmen Esteban. Dabei bemühte mich mich, nicht zu denken. Aber das war gar nicht so einfach, denn Marcs Worte hallten in mir nach.
"Wenn der Planet unbewohnt ist, dann werden wir eine ganz schön lange Zeit hierbleiben müssen, weil niemand weiß, wo wir sind. Es wird sicher dauern, bis die hier auf uns stoßen."
Ja, lange Zeit. Wenn nicht noch länger. Wer wusste schon, wo wir hier waren. Auf einem M-Klasse-Planeten, zum Glück - wir hätten es schlimmer treffen können. Aber es gab viele M-Klasse-Planeten in unserem Quadranten, und offenbar hatte uns doch irgendetwas ziemlich Energiereiches aus unserer Flugbahn geworfen. Was? Einer dieser komischen Ionenstürme, von denen man ab und zu hörte? Eine Supernova? Ich hatte keine Ahnung. Aber was immer es auch gewesen war, es hatte uns ordentlich durchs All katapultiert.
'Oder ob wir vielleicht sogar in ein instabiles Wurmloch geraten sind?'
Bei diesem Gedanken hielt ich mit dem Wringen inne und sah mit heftig klopfendem Herzen zur untergehenden Sonne. Wenn dem so war, dann konnten wir jetzt überall sein. In einem anderen Quadranten, vielleicht sogar in einer anderen Galaxie. Dann gäbe es für uns keine Rettung mehr, denn niemand würde uns je finden können.

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Verfasst: So 6. Apr 2008, 14:57 
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Collins war umsichtig und entschlossen, das gefiel mir. Zimperliesen konnten wir hier keine gebrauchen.
Ich folgte seinem Beispiel und zog mir mein nasses T-Shirt über den Kopf. Dann stand ich auf und öffnete die Reisetasche, die ich 'mitgebracht' hatte.
Phaser, Tricorder, Energiezellen, Medokit, Notrationen, zwei Wasserflaschen ... das waren die Sachen, die ich in aller Eile mitgenommen hatte. Ich griff nach den Phasern und warf Cunningham einen zu, zwei Energiezellen ebenfalls, dann wandte ich mich wieder Collins zu.
"Okay, Arbeitsgruppe 'Holzbeschaffung' zum Abmarsch bereit!'
Ich zwinkerte Jocelyn zu, die in ihrem nassen Sporttop zum Anbeißen aussah - zu Carmen hinüber zu sehen, die ganz sicher keinen weniger appetitlichen Anblick bot, traute ich mich wegen möglicher spanischer Vergeltungsmaßnahmen nicht. Ich war ja nicht lebensmüde.

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"Aber gerne doch, Mam!"
Ich grinste, wechselten einen viel sagenden Blick mit Cunningham und eilte dann in quackenden Schuhen der nassen Sporttop-Schönheit hinterher, um mit ihr gemeinsam ein bisschen zu 'sammeln'.
'Vielleicht ab heute ein neues Hobby von dir, McNamara. Mal sehen.'

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