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 Betreff des Beitrags: Re: Angel Blood
Verfasst: Sa 7. Jun 2014, 19:44 
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Ich hatte wohl ein bisschen lang unter der Dusche entspannt. Als ich Haare rubbelnd ins Zimmer zurück ging und einen Blick auf meine Armbanduhr warf, war ich überrascht - ich hatte fast eine ganze Stunde unter dem heißen Wasserstrahl gestanden!
Zügig zog ich mich an. Auch wenn Frauen für gewöhnlich länger im Bad brauchen als Männer, war ich mir doch sehr sicher, dass sie längst in der Bar saß und auf mich wartete. Wahrscheinlich mit entsprechender Laune, denn welche Frau wartet schon gerne auf einen Mann?
In Jeans und grauem Strickpullover verließ ich das Zimmer wenig später und fuhr in die Lobby hinab. Als ich die Bar betrat, war sie bereits gut gefüllt. Na was für ein Glück, dass ich einen Platzhalter hatte!
Der "Platzhalter" bedachte mich mit einem schiefen Blick, als ich mich mit einem entschuldigenden Lächeln an den gedeckten Tisch setzte.
"Sorry. Ich hab beim Duschen die Zeit vergessen."
Gott, das klang vielleicht bescheuert! Als wäre ich dabei im Stehen eingeschlafen. Ich verdrängte den Gedanken und griff nach meinem Besteck, um mich um meinen Frühstücksteller zu kümmern. Alles kalt. Egal! Ich schaufelte mir das Rührei zwischen die Zähne, kaute, schluckte und meinte: "Okay. Das ist der Plan: Wir statten dem Club heute einen zweiten Besuch ab. Durch den Hintereingang. Tagsüber pennen die Freaks, wir haben darum bessere Chancen, ungestört herumstöbern zu können. Vielleicht finden wir dieses Angel Blood und können was mitnehmen, um es zu analysieren."
Am liebsten hätte ich ihr das alles gar nicht erzählt, sondern die Sache allein durchgezogen. Was ich vorhatte, war verdammt gefährlich, auch wenn sich mein Plan wie ein Spaziergang anhörte. Der Club war bestimmt gesichert. Alarmanlage, Kameras, um ein paar der angenehmeren Sicherungsmöglichkeiten zu nennen. Es war auch durchaus möglich, dass der Club überhaupt nicht leer war, sondern von ein paar von Gabriels Bulldoggen bewacht wurde. Nicht nur die Untoten stellten eine Gefahr dar, die Lebenden taten es schließlich auch. Aber mir war klar, dass ich Cole jetzt am Hacken hatte. Nähme ich sie nicht mit, würde sie was auf eigene Faust versuchen. Und wie gefährlich das wäre, darüber wollte ich erst gar nicht nachdenken.
'Jetzt hast du einen Zweitjob, Warren. Vampirkiller UND Babysitter. Wenn das mal nicht zusammen passt!'

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 Betreff des Beitrags: Re: Angel Blood
Verfasst: Sa 7. Jun 2014, 21:10 
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Ich war begeistert von ihrem Pragmatismus. Sie hatte erkannt, dass ich ihr nichts weiter über mich erzählen wollte und akzeptierte es einfach. Das war so untypisch weiblich, dass ich das ziemlich cool fand.
"Okay, auf geht's!", entfuhr es mir mit unüberhörbarem Enthusiasmus. Ich stand auf, trank noch schnell meinen Kaffee auf und schob mich daraufhin aus der Bank. In dem Moment wurde mir bewusst, dass meine Jacke noch oben war und meine Waffen natürlich ebenso. "In fünf Minuten vor der Tür!"
Ich zwinkerte Cole grinsend zu und verließ daraufhin die Bar. Woher kam plötzlich meine gute Laune? Hatte Cole mir was in meinen Kaffee getan?
Was auch immer es war, das mich gerade beflügelte, ich beschloss, es einfach anzunehmen, ohne es zu hinterfragen. Es war besser als die depressive Alternative.

Fünf Minuten später verließ ich das Hotel, in eine immer noch leicht klamme Jacke gehüllt, was aber dank des dicken Pullovers darunter nicht so schlimm war. Wiederum war Cole vor mir da und wartete bereits. Als ich mich zu ihr gesellte, drehte sie sich kommentarlos zur Straße um und winkte einem vorbei fahrenden Taxi. Es hielt schneller, als es das wohl bei mir getan hätte. Wir stiegen ein, und ich nannte dem Fahrer die Adresse des Nachtclubs. Nach einem sehr langen, sehr französischen Blick, den er an Coles Figur entlang gleiten ließ, wandte sich der Kerl wieder seinem Lenkrad zu und fuhr los.
Oh là là! Fast hätte ich doch vergessen, dass wir in Paris waren.

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 Betreff des Beitrags: Re: Angel Blood
Verfasst: Sa 7. Jun 2014, 22:03 
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Wir kamen ohne Schwierigkeiten in den Club, und allein das machte mich schon mega misstrauisch. Ich meine, noch misstrauischer als ich sowieso schon war. Und das wollte was heißen!
Stiller Alarm etwa?
Cole warf eine kleine mitgebrachte Maglite-Taschenlampe an und sah sich um. Ich tat das ebenfalls und sah auch in die Ecken, die sie nicht beleuchtete. Dennoch erkannte ich dort jedes Detail, so als hätte jemand den Lichtschalter betätigt. Aus diesem Grund bemerkte ich auch die runde, in die Decke eingelassene Kamera, durch die uns zweifellos ein unbekanntes Auge beobachtete. Es war nur eine Frage der Zeit, bis es hier rund ginge.
"Wo willst du zuerst nachsehen?", fragte ich meine Partnerin, die mir mit einem Mal sehr routiniert vorkam. Verständlich, denn genau das hier war ihr Ding. Beruflich gesehen. "Oben? Im Büro von diesem Gabriel? Oder hier unten in den hinteren Räumen?"
Vor denen hatten immer ein paar Gorillas gestanden Wache gehalten. Es schien dort also etwas zu geben, das verhältnismäßig wichtig war. Ein Drogenlabor vielleicht? Ich bezweifelte, dass Gabriel das Zeug da oben in seinem piekfeinen Etablissement zusammenbraute. Wenn er es denn überhaupt selbst tat.

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 Betreff des Beitrags: Re: Angel Blood
Verfasst: Mo 9. Jun 2014, 13:46 
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Hier bekam die Redewendung, dass manche Leute eine Leiche im Keller hatten, doch gleich eine ganz neue Bedeutung. Ganz definitiv war die Frau tot - zumindest, was ihr Menschsein betraf.
Ich trat an den OP-Tisch heran und schob mit meinem Zeigefinger ihre Oberlippe in die Höhe. Scharfe Fangzähne blitzten mir entgegen und bestätigten meine Vermutung. Eine Vampirin, die man ausbluten ließ und deren Blut man auffing, um es als Droge zu verhökern. Ich wusste, dass der Konsum von Vampirblut Menschen einen Kick verschaffen konnte. Es gab eine Reihe wissenschaftlicher Tests darüber, die aus gutem Grund jedoch nie veröffentlicht worden waren. Die Wirkung jedoch, die das Blut auf Cole gehabt hatte, war überproportional hoch gewesen. Ich vermutete, dass das Vampirblut nur den Grundstoff für die Droge lieferte. Irgendetwas mussten sie hier noch hinein mixen, und das wollte ich herausfinden.
Ich nahm mir zwei der Blutampullen und sah mich um. Das Labor war nicht sonderlich groß, und außer dem OP-Tisch und der Abpumpvorrichtung gab es nichts Interessantes darin. Hier wurde nur abgezapft und nicht veredelt. Wir mussten uns hier unten also noch ein bisschen weiter umsehen.
"Okay, lass uns noch einen Blick in die übrigen Räume werfen und dann nichts wie raus hier!" Ich schob die zwei Ampullen in die Innentasche meiner Lederjacke. "Ich trau der verdammten Ruhe nicht. Der Raum hier war nicht abgeschlossen, und das ist schon seltsam genug." Die Kamera am Eingang ging mir wieder durch den Kopf. "Ich tippe mal auf stillen Alarm. Wir müssen uns beeilen."
Cole nickte und wandte sich wieder der Tür zu. Ich schob mich am OP-Tisch vorbei und wollte ihm folgen, als sich plötzlich eine Hand in meine Jacke krallte. Ich hielt ruckartig an und starrte auf die Vampirin. Fluoreszierend leuchtende Augen starrten zurück, mit einem Ausdruck darin, wie ich ihn noch nie bei einem Untoten gesehen hatte.
"Bitte ...", flüsterte sie flehend, "... tötet mich."
Unter anderen Umständen hätte ich ihr diesen Wunsch sofort erfüllt. Doch ich wollte keine Spuren hinterlassen, die verraten würden, dass wir hier geschnüffelt hatten. "Ein andermal", murmelte ich und streifte ihre ohnehin schwache Hand ab. Cole sah mich über ihre Schulter hinweg kurz an, dann öffnete sie die Tür und wollte den Raum wieder verlassen. Ich packte sie an der Schulter und hielt sie zurück, denn ich hatte Geräusche gehört.
"Da kommt jemand", raunte ich. Das war dann wohl die Kavallerie, die da die Treppe herunter kam - eigentlich auf leisen Sohlen, aber immer noch laut genug, dass ich es hören konnte. "Menschen", fügte ich murmelnd hinzu. Vampire hätte ich ganz sicher nicht gehört.
Ich drückte die Tür vorsichtig wieder zu und sah mich im Raum um. Es gab nicht viele Versteckmöglichkeiten. Der OP-Tisch war im Grunde genommen die einzige. Ich zog meine SIG und bedeutete Cole mit dem Kopf, mir zu folgen. Sie runzelte kurz die Stirn - offenbar gefiehl ihr der Gedanke nicht, sich zu verkriechen - aber wenig später hockte sie neben mir unter der leise stöhnenden Vampirin. Vermutlich war es der Schlag unserer Herzen, das Rauschen unseres Blutes, das die Blutsaugerin über uns vorhin aus der Bewusstlosigkeit hatte aufwachen lassen und das sie jetzt unruhig machte. Ich überlegte kurz, dann öffnete ich von unten ihre Hand- und Fußschellen. Ein ausgehungerter Vampir würde uns möglicherweise von Nutzen sein können, je nachdem, wie sich das hier entwickelte.

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 Betreff des Beitrags: Re: Angel Blood
Verfasst: Mi 11. Jun 2014, 19:28 
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Wir hatten uns wie die Anfänger angestellt! Es war doch von vornherein klar gewesen, dass der Club gesichert war - die Kamera hatte ich doch mit meinen eigenen Augen gesehen. Hatte ich etwa geglaubt, dass man die nur zur Abschreckung angebracht hatte?
Ich nahm mir vor, das nächste Mal auf meine innere Stimme zu hören, wenn sie mich warnte. Falls es ein nächstes Mal noch geben würde.
Ungefähr an dem Punkt war ich gedanklich angelangt, als mir die Faust ins Gesicht flog. Daraufhin dachte ich erst einmal gar nichts mehr, sondern war viel mehr damit beschäftigt, den dröhnenden Nachhall in meinem Schädel abzuschalten, der mich kurz glauben machte, mein Kopf wäre eine riesige, geschlagene Kirchenglocke, den reißenden Schmerz auszublenden und meine Sinne wieder einzusammeln. Das dauerte einen Moment, in dem ich lässig Blut spuckend so tat, als wäre ich der unglaubliche Hulk, den man mit Wattebällchen beworfen hätte. Ich war nicht traurig darüber, dass Gabriel es bei diesem einen Schlag beließ.
Was mich allerdings stinkwütend machte, war, dass seine neue Taktik Cole mit einschloss, und zwar in einer Weise, die das Mädel sofort ins Nirwana schoss.
"VERDAMMT NOCH MAL!", brauste ich auf, wobei ich diesen Gabriel mit meinem Blick durchbohrte. "Lassen Sie die Kleine in Ruhe!! Wenn Sie sich mit jemandem anlegen wollen, dann mit MIR!"
Ich war echt sauer. Aber ich legte bewusst noch eins drauf, um Gabriel und diese Typen von dem Umstand abzulenken, dass ich die Kabelbinder dehnte. Sie schnitten mir in die Handgelenke, aber es war auszuhalten. Ich fühlte, dass nur noch ein wenig mehr Kraft nötig wäre, um die Plastikstrippen zu zerreißen. Es waren nur dieser Sean und Gabriel im Raum anwesend. Ich würde den Überraschungseffekt auf meiner Seite haben, wenn ich mich plötzlich losreißen und auf Mister Schleimscheißer losgehen würde.
'Ja, und dabei würdest du platt auf die Schnauze fallen, weil deine Füße noch am Stuhl gefesselt wären. Super Strategie! Willst du Gabriel mit dem Teil im Schlepptau vielleicht wie ein Duracel-Hase anhüpfen?'
Ich beschloss, meiner inneren Stimme diesmal eine Chance zu geben. Zeit, den Verstand endlich einzuschalten und Hauruckaktionen wie diese oder den Besuch in diesem Etablissement zu lassen. Wer war eigentlich auf diese bescheuerte Idee gekommen?

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 Betreff des Beitrags: Re: Angel Blood
Verfasst: Mi 11. Jun 2014, 19:58 
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Hielt dieser Kerl mich für bescheuert? Es war doch vollkommen klar, dass er mich hier nicht mehr lebend rausspazieren lassen würde. Ich spuckte noch einmal Blut auf den Boden, und zwar mit so viel Verachtung, wie ich aufbringen konnte und zischte: "Fick dich, du Arsch! Hättest du es bei der Drohung belassen, ihr diesen Scheiß noch einmal zu spritzen, hätte ich vielleicht kooperiert. Aber du hast sie bereits bis unters Dach abgefüllt und damit alle Patronen verschossen."
Nun ja, nicht alle. Offenbar hatte er vor, Cole zu manipulieren mich umzubringen. Aber davor machte ich mir in diesem Moment nicht in die Hose. Sie wirkte gerade nicht so, als könnte sie überhaupt bis drei zählen.

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