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 Betreff des Beitrags: Re: Angel Blood
Verfasst: Do 10. Okt 2013, 20:38 
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Blut bekam man am besten mit kaltem Wasser heraus? So so. Für den Hinweis war ich jetzt aber dankbar! Wenn man bedachte, wie selten ich in der Vergangenheit mit Blut zu tun gehabt hatte!
Ich wrang meinen Pullover aus, dabei bedachte ich Cole mit einem trockenen Blick. Sie sah ziemlich gut aus in ihrem Disco-Fummel. Gabriel würde mit Sicherheit bei ihr anbeißen.
"Es ist eigentlich unüblich, dass sie die Leichen so offen herumliegen lassen", erwiderte ich laut denkend. "Normalerweise beseitigen sie sie, damit keine Nachforschungen angestellt werden. Sie müssen sich ziemlich sicher fühlen, dass sie ihre Essensreste nicht entsorgen."
Der ausgewrungene Pullover kam über die Handtuchstange, die nassen Hände trocknete ich mir ab, indem ich sie an meiner Jeans abwischte. Ich schob mich an der in der Badezimmertür lehnenden CIA-Agentin vorbei und ging zu meinen Motorradkoffern. Diesmal jedoch öffnete ich nicht den Waffenkoffer, sondern den anderen. Und in dem befand sich ganz profan frische Wäsche.
"Ich vermute", fuhr ich fort, während ich ein frisches, dunkelblaues T-Shirt herauskramte und es mir über den Kopf zog, "dass sie was Großes vorhaben. Das lässt sich schon aus der Masse an Freaks schließen, die hier herumschwirren. Vampire sind für gewöhnlich Einzelgänger. Sie leben nicht in Verbänden, und sie jagen auch nicht in solchen."
Ich befestigte meine Uhr wieder an meinem linken Handgelenk, die ich vor der Waschaktion ausgezogen hatte. Danach schlüpfte ich in meine Lederjacke. Sie war jetzt an der Vorderseite um einiges dunkler als zuvor, aufgrund der Feuchtigkeit, die ins Leder gezogen war. Doch der Fleck war großflächig, und außerdem war es jetzt Nacht. Es würde nicht weiter auffallen.
"Und im Club sind ganz besonders viele. Bist du sicher, dass du das alleine durchziehen willst? Ich könnte dein großer Bruder sein, der dir nach oben folgt, weil er seine kleine Schwester in so einem Laden nicht alleine lassen will. Ich kann ziemlich gut schauspielern, weißt du?"
Es kostete mich Mühe, unser Vorhaben rational anzugehen und die Risiken und Möglichkeiten zu analysieren. Immerzu wollte sich ein blasses, von blonden Haaren umrahmtes Gesicht dazwischen schieben, so schön, so vertraut. Ich musste meine ganze Kraft aufbringen, mich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

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 Betreff des Beitrags: Re: Angel Blood
Verfasst: Do 10. Okt 2013, 22:03 
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Mir wäre es lieber gewesen, sie hätte mich nicht auf den gestrigen Abend angesprochen. Aber ich verstand natürlich, dass sie es doch tat. Sie brauchte mich als Rückendeckung, und ich hatte mich gestern Abend als labil und unzurechnungsfähig herausgestellt.
Ich straffte mich, während ich ernst auf sie hinab sah.
"Vergiss den gestrigen Abend. Wir haben hier einen Job zu erledigen. Du kannst dich auf mich verlassen."
Ich hatte vierundzwanzig Stunden Zeit gehabt, mich an den Gedanken zu gewöhnen, dass Mary nun ein Vampir war. Und genauso lange hatte ich mich innerlich gegen eine erneute Begegnung gewappnet, von der ich wusste, dass sie unweigerlich kommen würde. Ich hatte mich im Griff und würde mich nicht noch einmal so aus der Bahn werfen lassen. Sie war nun eine Blutsaugerin. Meine Mary war tot.

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 Betreff des Beitrags: Re: Angel Blood
Verfasst: Sa 12. Okt 2013, 18:03 
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Während wir Gabriels Affen nach oben folgten, fragte ich mich, ob wir wohl einer Leibesvisitation unterzogen werden würden, ehe man uns gestattete, dem Boss unsere Aufwartung zu machen. Ich fragte mich weiterhin, was ich in diesem Fall wohl tun würde. Ich war nicht unbedingt gewillt, in diesem Nest voller Fledermäuse meine SIG abzugeben. Von meiner kleinen "Wasserspritzpistole" ganz zu schweigen. Außerdem würde gerade letztere wohl Neugier entfachen.

Meine Sorge sollte sich jedoch als unbegründet herausstellen. Gabriel musste sich sehr sicher fühlen, dass er uns nicht auf Waffen checkte. Und vielleicht war er das ja sogar auch. Ich hatte seit Betreten des Ladens fast ausschließlich Vampire ausgemacht und so gut wie keine Sterblichen. Wenn es hart auf hart kommen sollte, hätten wir auch mit Bewaffnung ein Problem.
Aber alles zu seiner Zeit. Ich war niemand, der sich über ungelegte Eier aufregte. Ich war auch niemand, der sich einen Plan zurechtlegte, ehe er etwas tat - weshalb unsere heutige Aktion schon ungewöhnlich genug war für mich. Ich handelte dem Augenblick gemäß. Und in der Regel hatte ich Erfolg damit.
Das einzige, das ich mir einbläute, seit ich durch die Tür des L'Odyssée geschritten war, war, mich vor dem Moment zu wappnen, in dem ich Mary wiedersehen würde. Und dass ich das würde, war so sicher wie der Fakt, dass Vampire Blut tranken.
Es sollte schneller geschehen als mir lieb war.
Kaum hatte ich in Gabriels Adlerhorst Platz genommen, leistete sie uns auch schon Gesellschaft. Und ich war froh, dass dies nicht der erste Moment unserer Begegnung war, sondern bereits der zweite. Anderenfalls hätte ich zweifellos meine Selbstbeherrschung verloren.

Doch auch so war der Moment schwierig genug für mich. Mary näherte sich mir nach Gabriels Worten mit laszivem Hüftschwung und betörendem Blick. Ich verschloss mich innerlich vor der Vertrautheit ihrer Züge, vor dem Sehnen in meinem Herzen, das wie ein Funke unter dem Scheiterhaufen unserer Liebe glomm und nur darauf wartete, wieder zu einer hellen Flamme aufzulodern. Stattdessen öffnete ich mich völlig allem Vampirischen, das an ihr war: den wie Saphire leuchtenden Augen, der unnatürlichen Blässe ihrer Haut, der unnatürlich starken Verführung in all ihren Bewegungen. Das, was jeden anderen Mann unweigerlich in Bann gezogen hätte, stieß mich ab, weil ich wusste, dass es nicht echt war. Dass es das lähmende Gift war, das Pheromon, das jeder weibliche Vampir - und auch die männlichen - versprühte, um den Willen des Opfers zu brechen.
Abrupt stand ich auf. Mary, die drauf und dran gewesen war, sich auf meinen Schoß zu setzen, zuckte überrascht zurück und sah mich forschend an.
"Vielleicht sollten wir die Formalitäten beenden und zur Sache kommen. Sie haben Sandras Frage noch immer nicht beantwortet. Was wollen Sie von ihr?"
Marys Blick glitt von mir zu Gabriel und wurde fragend. Sie war sein Schoßhündchen, so viel war klar. Ich analysierte das irgendwo im Hinterstübchen meines Verstandes und ließ nicht zu, dass der Gedanke einen Weg in mein Herz fand. Es war jetzt notwendiger denn je, dass ich klar im Kopf blieb und alle Gefühle ausschaltete.

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 Betreff des Beitrags: Re: Angel Blood
Verfasst: Sa 12. Okt 2013, 21:33 
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Cole und ich, wir waren an diesem Abend wohl beide nicht ganz auf der Höhe. Wie sonst war zu erklären, dass wir beide diesen Drink in uns hinein kippten? War Cole fremdbeeinflusst worden? Durch Mary vielleicht? Ich war es ganz bestimmt, wenn auch nicht auf vampirische Weise.
Ich haute den Drink also auch weg. Doch im Gegenzug zu Cole schlug er bei mir nicht an. Sandra jedoch stand sofort unter Strom, das wurde mir nicht nur durch das, was sie sagte und tat, klar, ich sah es auch an ihren plötzlich stecknadelkopfkleinen Pupillen und roch es an dem Schweiß, der ihr ausbrach. Trotz der Entfernung von gut drei, vier Metern, die uns trennten.
Dann stand sie auf und ging. Ich warf einen Blick in die Richtung, in die Gabriel verschwunden war, dann folgte ich ihr - ausgeschlossen, dass ich sie alleine in das Nest aus Blutsaugern da unten gehen ließ.
Mary griff nach meiner Hand und hielt mich fest. Ich sah mich nach ihr um und geradewegs in ihr verlockend lächelndes Gesicht. Es kostete mich Kraft, die Mauer aus Hass und Ablehnung, die ich um mein Herz errichtet hatte, aufrecht zu erhalten. Sie bröckelte bereits ... um so wichtiger, dass ich hier schnell rauskam. Mit angewiderter Miene schüttelte ich ihre Hand ab und eilte Cole nach, die auf wackeligen Beinen die Treppe hinunterstieg. Ich packte sie am Arm, gerade noch rechtzeitig, um sie zu vom Fallen abzuhalten, denn sie knickte in den Knien ein. Was für einen Scheiß hatten sie ihr in den Drink gekippt?
"Hey, hey, hey ... langsam!"
Cole hob ihren Blick schwerfällig, und ich erkannte, dass sie vollkommen stoned war. Ich machte kurzen Prozess, hob sie hoch und warf sie mir über die Schulter.
"Mister Warren, warten Sie doch!", erklang eine nur allzu vertraute weibliche Stimme hinter mir. Mary ... sie war uns gefolgt.
Ich biss die Zähne zusammen und stieg die Treppe weiter hinab. Raus! Bloß raus hier!!!
Die Musik brandete uns entgegen. Tanzende Leiber, glühende Blicke, Hitze, Schweiß, der Geruch von Blut ...
Mit festen Schritten bahnte ich mir meinen Weg durch die Menge, Cole nach wie vor über der Schulter. Und tat das, was man als Vampirjäger am wenigsten tun sollte: auffallen.
Die Typen um mich herum rückten näher. Ich sah in ihre irrisierenden Augen und gierig geöffneten Münder. Fangzähne blitzten im UV-Licht bläulich-weiß auf und machten mir klar, dass ich mich etwas beeilen sollte. Doch das war leichter gesagt als getan, denn ich verlor immer mehr an Bewegungsfreiheit, je enger sich der Kreis um uns schloss. Ich griff in die Innentasche meiner Lederjacke und tastete nach meiner Waffe. Den Flammenwerfer, nicht die SIG. Blöd nur, dass ich nicht gleichzeitig nach dem Fläschchen mit dem Brandbeschleuniger greifen konnte. Ohne den war der Flammenwerfer nur halb so effektiv.
Doch noch ehe ich meine Waffe zum Einsatz brachte, rückte die Menge plötzlich auseinander. Vor mir bildete sich ein Gang, als wäre ich Moses und hätte das Rote Meer geteilt. Warum das so war, war mir in diesem Moment egal. Ich nutzte die Gelegenheit und eilte mit Cole auf den Ausgang zu, darauf gefasst, dass sich die Situation jederzeit wieder ändern und man mich von hinten packen würde, um uns am Verlassen des Clubs zu hindern.
Das geschah aber nicht. Ein, zwei heftige Herzschläge später stand ich unversehrt auf dem Boulevard de Clichy und sog die kalte Nachtluft in meine Lungen. Es regnete, und das nicht gerade wenig, doch das bemerkte ich nur am Rande. Dafür sah ich die Taxis. Mit drei großen Schritten war ich bei einem und riss die Fondtür auf. Ich ließ Cole von meiner Schulter in meinen Arm rutschen, griff unter ihre Beine und schob sie auf die Rückbank. Dann folgte ich ihr und schloss eilig die Tür hinter mir.
"À l'hôpital prochain - Zum nächsten Krankenhaus", wies ich den Taxifahrer an. Der startete sein Fahrzeug und setzte es in Bewegung, ohne im mindesten vom Zustand meiner Begleitung irritiert zu sein. Ich atmete tief durch und sah durch die regennasse Scheibe zum L'Odyssée zurück.
Dort stand sie - Mary. Im Regen, das blonde, lange Haar jetzt dunkel vor Nässe, das blasse Gesicht weiß und glänzend, als weinte sie. Eine Szene wie aus einem Liebesfilm: die Frau, die der Mann für eine andere verlässt und die ihrem Leben und ihrer Liebe mit Tränen im Gesicht nachsieht. Nur dass es keine Tränen waren, die ihr über das Gesicht liefen, sondern Regentropfen. Und dass sie diejenige war, die mich verlassen hatte, in der Nacht, als sie gestorben war.
Ich schloss meine Augen. Nur kurz, dann wandte ich mich entschlossen Cole zu, die sich leise stöhnend neben mir regte. Besorgt beugte ich mich über sie.
"Hey ... alles klar bei dir?"
Blöde Frage, natürlich war es das nicht. Sie war high bis unters Dach, und ich wusste nicht einmal, wovon. Aber das würden sie im Krankenhaus hoffentlich herausfinden.

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 Betreff des Beitrags: Re: Angel Blood
Verfasst: Sa 12. Okt 2013, 22:29 
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Ach nein? Eine Bar voller Vampire gab keine Antworten auf unser Mörderproblem? Das sah ich aber anders! Und ich wunderte mich, dass Cole das nicht tat. Der "Likör" hatte ja eine tolle Wirkung!
"Darüber sollten wir morgen reden", entgegnete ich knapp. Dann wandte ich mich wieder an den Fahrer.
"Hôtel à L'Ange Sauvage, rue Briquet", dirigierte ich ihn um, denn offenbar war ein Krankenhausaufenthalt nicht mehr notwendig. Ich beschloss, dass dieser Abend zu Ende war. Cole gehörte ins Bett, und mich selbst drängte es danach, allein zu sein, um das Geschehen im Club zu analysieren. Wozu hatte Gabriel Cole nach oben geholt? Welchem Zweck hatte dieses unnütze Gespräch gedient? Was hatte Gabriel so schnell von uns abgezogen? Und wieso hatten die Freaks, die die untere Etage des Clubs gefüllt hatten, uns gehen lassen, wo sie doch zuerst den Anschein erweckt hatten, als wollten sie sich kollektiv auf uns stürzen?
Wie man es drehte und wendete, alles schien mit diesem Club und mit Gabriel verknüpft zu sein. Merkwürdig genug, denn bisher hatte ich es noch nicht erlebt, dass die Blutsauger sich so zusammenrotteten. Und das auch noch unter der Oberhand eines Sterblichen!
Gabriel war es also, an dem wir dranbleiben mussten. Allerdings hatte ich nicht vor, noch ein drittes Mal in diesen Laden zu latschen. Irgendetwas sagte mir, dass ich mein Glück damit höchstwahrscheinlich einmal zu viel herausfordern würde. Ich musste mir was anderes überlegen, um Gabriel auf die Schliche zu kommen.

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 Betreff des Beitrags: Re: Angel Blood
Verfasst: Sa 12. Okt 2013, 23:07 
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Was zum Teufel war nur mit Cole los? Sie führte sich auf, als würde sie verfolgt, aber mein siebter Sinn sagte mir, dass momentan kein Untoter in der Nähe war. Hätte ich sie vielleicht doch besser ins Krankenhaus gebracht?
"Nein, sie können dich nicht beeinflussen, wenn sie nicht da sind", beantwortete ich ihre erste Frage. Auf die anderen ging ich gar nicht ein. "Sie müssen Blickkontakt haben, sonst funktioniert das nicht."
Der Regen klatschte nur so auf uns nieder und lief mir im Nacken ins T-Shirt hinein. Eiskalt perlte er mir daraufhin den Rücken hinunter. Ekelhaft!
"Und jetzt sollten wir reingehen, ehe wir uns hier draußen eine Lungenentzündung holen."
Statt zu tun, was ich sagte, duckte Cole sich erneut, den Blick panisch in den schwarzen Nachthimmel gerichtet. Unwillkürlich sah ich auch nach oben, aber außer einem schwarzen, wolkenverhangenen Nachthimmel und jeder Menge Wasser sah ich gar nichts.
"Was ist denn, verdammt? Sie sind nicht hier!"

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 Betreff des Beitrags: Re: Angel Blood
Verfasst: Sa 12. Okt 2013, 23:52 
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Ich hatte mich verschätzt. Es war klar, dass Cole noch auf Droge war. Sollte ich sie doch noch ins Krankenhaus bringen?
Während sie mir die Hand zerquetschte, sah ich mich nach dem Taxi um. Doch es war längst weg und kein weiteres in Sicht.
"Lass uns hineingehen", schlug ich vor und legte meinen freien Arm um sie. Die andere Hand wollte sie offenbar nicht freigeben, also ließ ich sie ihr. "Du solltest dich hinlegen und schlafen. Wir können morgen früh darüber nachdenken, was wir als nächstes tun werden."
Ich für meinen Teil wusste bereits, dass ich mich tagsüber sehr genau in der Gegend um den Club umsehen würde. Bei so vielen Blutsaugern in der Stadt würde ich bestimmt den einen oder anderen Freak in die Ewigen Jagdgründe schicken können. Und darum war ich schließlich hier. Das war der Zweck meines Daseins, so viele Vampire wie nur möglich zu eliminieren. Danach wäre noch genug Zeit, um Mister Gabriel weiter auf den Zahn zu fühlen. Ihm und seiner ... Gespielin.

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 Betreff des Beitrags: Re: Angel Blood
Verfasst: Fr 18. Okt 2013, 18:13 
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Cole hatte kaum ausgesprochen, da befand sie sich auch schon im Land der Träume. Zu viel. Es war einfach zu viel gewesen für sie. Der Schock über die Existenz von Vampiren, die Exekution eines dieser Blutsauger, die auch hartgesottenen Kerlen einen Kloß im Hals beschert hätte. Und schließlich der Scheiß, den man ihr im L'Odyssée offenbar in den Drink gekippt hatte - das alles hätte noch ganz andere ausgeknockt.
Ich setzte mich auf die Bettkante und sah auf die schlafende Agentin hinab. Wie jung sie wirkte, jetzt, da ihre Züge sich entspannt hatten. Fürsorglich zog ich die am Bettende gefaltete Decke über sie und löschte die Lampe auf ihrer Bettseite, so dass nur noch der Zwilling auf der anderen Seite für Licht sorgte.
Konnte ich sie jetzt alleine lassen? Sie hatte mich gebeten zu bleiben, bis sie eingeschlafen war. Sollte ich danach auf mein Zimmer gehen? Konnte ich es verantworten, sie hier ohne Schutz liegen zu lassen, wo doch offenkundig war, dass dieser Gabriel ein reges Interesse an ihr hatte?
Es gab nur eine Antwort auf all die stillen Fragen. Ich stand auf, umrundete das Doppelbett und setzte mich auf die freie Hälfte. Die nassen Schuhe streifte ich ab, die feuchte Lederjacke hatte ich schon beim Betreten des Zimmers über einen Stuhl geworfen. Ich würde nicht gehen. Es wäre verantwortungslos, das zu tun. Die Nacht war noch lang, und wer wusste schon, wer oder was uns vom Club aus verfolgt hatte.
Wieder sah ich auf die schlafende Cole hinab. Wenn man die ganzen Umstände in Betracht zog, musste man anerkennen, dass sie sich gut gehalten hatte. Wenigstens war sie keine Zimperliese, wie ich zu Beginn unserer neuen Partnerschaft schon fast befürchtet hatte. Sie würde mir bei meiner Arbeit nicht zur Last fallen, und das war gut so.

Bei meiner Arbeit ... meine Gedanken schweiften ab und wanderten wieder in den Club zurück, in dem sie jetzt lebte. Mary.
Lebte? Wohl kaum der passende Ausdruck. War dieser Gabriel dafür verantwortlich, dass sie jetzt so war, wie sie war? Er war kein Vampir, also konnte er sie kaum zu einem gemacht haben. Aber möglicherweise jemand, der für Gabriel arbeitete?
Ich lehnte meinen Kopf zurück, bis ich die Wand hinter mir spürte und schloss für einen Moment die Augen, um besser nachdenken zu können. Dabei bemühte ich mich um Sachlichkeit, denn alles andere wäre fatal für mich gewesen.
Vampire, die für einen sterblichen Clubbesitzer arbeiteten. Das war schon seltsam genug. Eine Vampirin, die anscheinend seine Gespielin war. Das war noch viel seltsamer. Und dann ein ganzer Club voller blutsaugender Untoter. Wieso rotteten sie sich derart zusammen? Es konnte natürlich sein, dass ...

Ich dachte den Gedanken nicht mehr zu Ende. Auch für mich war der Tag ein bisschen heftig gewesen. So schlief ich ebenfalls ein. Im Sitzen, die Arme vor der Brust verschränkt.

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 Betreff des Beitrags: Re: Angel Blood
Verfasst: Fr 18. Okt 2013, 18:39 
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Irrlicht
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Der Besuch dieser beiden Sterblichen hatte einiges verändert. Gabriel war wütend gewesen, als er zurück gekommen war. Er hatte mich angefahren, weil ich diesen Mann, Dan Warren, offensichtlich nicht genügend verführt hatte. Aber ich hatte mein Bestes gegeben, aber dieser Mann war völlig unempfänglich für meine unsterblichen Reize gewesen. Es hatte mich sehr irritiert, denn so etwas hatte es noch nie zuvor gegeben. Gabriel hatte mir nicht glauben wollen und mich dazu gezwungen, wieder in meine Räume zu gehen. Aber ich hatte ihm nicht gehorcht. Das war ebenfalls das erste Mal gewesen. Dieser Dan Warren hatte etwas in mir wach gerufen, von dem ich noch nicht wusste, was es war. Aber ich wollte unbedingt mehr über ihn erfahren. Die Nacht war noch jung genug dafür und so hatte ich auf Umwegen den Club einfach verlassen.
Gabriel erwartete sowieso Jean zurück, der den beiden hatte folgen sollen, um zu beobachten, wie Miss Cole auf das Angel Blood reagieren würde. Pierre hatte beiden etwas davon in den Drink gemixt, aber wie ich hatte sehen können, hatte auch dieses keinerlei Wirkung auf Dan Warren gehabt. Er schien völlig immun gegen alles vampirische zu sein und das war ungewöhnlich. Ich musste heraus finden, was es damit auf sich hatte. Vor allem aber, wieso dieser Mann mich berührte. Was er in mir berührte, wusste ich, wie erwähnt, zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Ich hatte keinerlei Erinnerung an mein früheres Leben. Ich hatte auch nie versucht, etwas heraus zu finden. Ich war davon überzeugt, dass niemand meines früheren Lebens in mein jetziges passte, denn ich war verflucht. Verflucht dazu, mich vom Blut anderer Menschen zu ernähren und Gabriel zu Diensten zu sein, weil er auf mich aufpasste und mich vor allen anderen beschützte. Er konnte es und deshalb blieb ich bei ihm. Aber nun widersetzte ich mich ihm, was er niemals erfahren durfte, denn Gabriel konnte grausam sein, wenn man sich seinem Willen widersetzte. Die Luft schlug mir kalt entgegen, als ich mich so schnell wie ich konnte fort bewegte. Ich durfte den beiden nicht so viel Vorsprung lassen und deshalb bewegte ich mich schließlich über die Dächer vorwärts.
Das Risiko war nur gering, wie ich schon ein paar Minuten später bemerkte, denn Sandra Coles Geist war wie ein Leuchtfeuer in der Nacht. Hier draußen standen nicht viele unter dem Einfluss von AB und dieses AB war etwas besonderes, denn es war aus meinem Blut gefertigt worden. Dieses Konzentrat war Gabriels geheimer Vorrat und er wendete es nur an, wenn er etwas spezielles im Sinn hatte. Ich war nicht eifersüchtig darauf, denn Cole würde es sowieso auf Dauer nicht überleben. Gabriel war nicht im Stande Gnade zu zeigen, oder Barmherzigkeit zu empfinden. Sobald er hatte, was er wollte, warf er das weg, was ihm nicht mehr nützlich sein konnte.
Ich hockte auf dem Dach des Hotels und beobachtete die beiden unten auf der Straße. Auch Coles Reaktion auf das AB, welche etwas heftiger ausfiel als erwartet. Pierre musste ein wenig zuviel ins Glas gemischt haben. Und wieder bemerkte ich, dass Dan Warren überhaupt nicht auf das AB reagierte. Ich musste es heraus finden. Vielleicht war es auch für Gabriel eine nützliche Information. Wenn ich ihn gnädig stimmen konnte, würde er seine Fesseln vielleicht etwas lockern und mich häufiger hinaus lassen. Ich lauschte Coles Gedanken, bis sie einschlief und ließ mich vom Dach hinunter auf das Fenstersims ihres Zimmers schweben. Niemand bemerkte mich und ich sah, dass auch Dan Warren dabei war, einzuschlafen. Mit der Kraft meiner Gedanken öffnete ich den Riegel des Fensters und ließ es geräuschlos aufgleiten. Mit geschmeidigen und lautlosen Bewegungen hockte ich mich auf die Fensterbank und betrat schließlich das Zimmer, um aber am Fenster stehen zu bleiben. Wäre ich sterblich gewesen, hätte mir mein Herz hart vor lauter Aufregung in der Brust geschlagen. So rauschte mir nur mein Blut in den Ohren als ich meinen Blick auf Dan Warren richtete. Wer war dieser Mann? Was bedeutete es, dass ich so auf ihn reagierte? War er vielleicht sogar jemand aus meiner Vergangenheit? Ich schüttelte innerlich den Kopf, denn das konnte nun wirklich nicht sein. Ich hätte mich doch in diesem Augenblick an ihn erinnern müssen, als ich ihm gegenüber getreten war. Aber da war nur die altbekannte Schwärze, aber zusätzlich ein merkwürdiges Gefühl in meinem Inneren.
Ich wollte mich ihm gerade nähern, als er sich bewegte und ich fast vor Schreck nach hinten gestolpert wäre. Wollte ich etwa, dass er aufwachte, damit ich ihn all das fragen konnte? Nein, es war viel zu gefährlich und es war besser, wenn ich wieder verschwinden würde. Ich konnte nur hoffen, dass Gabriel mein Verschwinden nicht bemerkt hatte. Und so ging ich wieder lautlos die zwei Schritte in Richtung Fenster zurück, diesen Mann nicht aus den Augen lassend, als dieser seine plötzlich aufschlug.

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 Betreff des Beitrags: Re: Angel Blood
Verfasst: Fr 18. Okt 2013, 18:53 
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Ich weiß nicht, ob ich von dem leisen Geräusch aufwachte, das Mary gemacht hatte oder ob es an meinem geschärften Instinkt für alles Vampirische lag. Vielleicht an beiden. Ich hatte berufsbedingt einen leichten Schlaf und war schnell hellwach. So auch jetzt.
Das Licht neben mir brannte noch immer, aber selbst im Dunkeln hätte ich sie sofort erkannt. Und das nicht nur wegen meiner verbesserten Sehfähigkeit.
Mary.
Da stand sie, so aufreizend gekleidet wie zuvor im Club, doch tropfend, denn auch vor Vampiren macht der Regen nicht halt. Allerdings fror sie nicht, so wie jede Normalsterbliche es getan hätte. Sie schien es nicht einmal zu bemerken, dass sie völlig nass war. Regungslos fixierte sie mich mit ihren übernatürlich leuchtenden blauen Augen und war wie ein Traum in einem Traum. Surreal, wunderschön, beängstigend.
Sie sagte kein Wort. Ich auch nicht. Zumindest zuerst nicht.
Während wir uns ansahen, fragte ich mich, was ich tun sollte. Sie töten? Wie grauenhaft mir dieser Gedanke in diesem Moment vorkam! Und wie notwendig obendrein!
Ich entschied mich anders.
"Was willst du hier?"
Ich sprach leise, um Cole nicht zu wecken. Dieser Moment war privat. Er gehörte Mary und mir, egal, wie er auch ausgehen würde.

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 Betreff des Beitrags: Re: Angel Blood
Verfasst: Fr 18. Okt 2013, 18:59 
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Ja, das war eine berechtigte Frage. Was wollte ich eigentlich dort? Ich musste meine Gedanken sortieren, denn ich war viel zu aufgeregt, um klar denken zu können. Ich atmete tief durch und legte den Kopf leicht schief und musterte Dan Warren mit leuchtendem Blick. Wie zuvor im Club war er völlig unempfänglich für meine Reize. Er schien fast sachlich auf mich zu reagieren. Ich musste heraus finden, wieso das so war. Vor allem aber auch, wieso er nicht überrascht schien, dass ich hier im Zimmer war. Es kaum zu interessieren schien, wie ich hier herein gelangt war.
„Ich ..“ begann ich und stockte dann doch. Was sollte ich denn jetzt sagen? Ich bin gekommen, um zu erfahren, wieso du mich nicht willst?? Was für ein blöder Gedanke das doch war. Es war ein Fehler gewesen, ihnen hinterher zu gehen und dann auch noch in dieses Zimmer zu kommen. Aber jetzt war ich nun einmal hier. Ich räusperte mich und fing noch einmal an.
„Ich weiß, dass ich nicht hier sein darf, aber ich musste zu Ihnen kommen. Da ist etwas im Club geschehen, was ich nicht verstehe und ich wollte wissen, was es ist.“

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 Betreff des Beitrags: Re: Angel Blood
Verfasst: Fr 18. Okt 2013, 19:08 
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Ich schnaubte bei ihren Worten. Und bemerkte dabei mit Dankbarkeit, dass ich innerlich völlig ruhig war.
"Im Club ist etwas geschehen, was du nicht verstehst? Na dann sind wir ja schon zwei. Vielleicht erklärst du mir zu allererst mal, was ihr dort mit ihr gemacht habt!"
Mit einer knappen Kopfbewegung deutete ich auf die schlafende Cole neben mir, ohne allerdings meine Augen von Mary zu lassen. Ich war kein Idiot, ich wusste, was sie war. Auch wenn sie früher einmal meine Frau gewesen war, auch wenn sie mich offenbar mehr aus Neugier als aus Blutdurst verfolgt hatte, war sie ein unberechenbares Raubtier, das geschaffen worden war, um zu töten.
Verdammt! Wieso hatte ich meine Waffen nicht neben mich auf den Nachttisch gelegt? Die gammelten jetzt in der feuchten Lederjacke vor sich hin, zu weit weg, um sie schnell zu erreichen.

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