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 Betreff des Beitrags: Das Daedalus Projekt
Verfasst: Mo 9. Okt 2017, 07:55 
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Irrlicht
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Das Daedalus-Projekt

1. Vorurteile

Logbucheintrag, 3. Mai 2369: Seit vier Wochen patrouilliert die USS Endurance am Rande des föderalen Raums. Ab hier gibt es nur noch vereinzelte und sperrlich bevölkerte Systeme. In einigen dieser Systeme kam es vermehrt zu Übergriffen durch seperatistische Rebellen auf föderale Kreuzer, die normalerweise Personal in diese Gegenden schickte.

"Sir, wir erreichen in wenigen Minuten das System 12 d Bootis", berichtete mir der Navigationsoffizier und riss mich aus meinen Gedanken. Die Reise von unserem letzten Halt, die einige Stunden gedauert hatte, verbrachte ich in meinem Bereitschaftsraum, nachdenkend wie noch nie. Ich schaute aus dem schmalen Fenster in die tiefe Weite und fragte mich tatsächlich, weshalb wir hier draußen waren. Der Befehl war klar: speratistische Schiffe aufspüren, Besatzung gefangen nehmen und wieder in den Föderationsraum zurückkehren, um diese dann einem Gericht zu übergeben.
Aber warum waren wir soweit weg? So weit weg von unserer blauen Perle? Klar, das System weöches wir ansteuerten hatte eine Bevölkerungszahl von etwa 3 Millionen Menschen. Wenn man alle Bewohner in der Milchstraße auf die Erde pressen würde, sähe sie nicht mehr so schön blau aus. Aber ich dachte zu viel nach. Normalerweise war es nicht üblich, somit erwischte ich mich selber, wie ich mich in meinen Gedanken verlor. Ich schenkte den vorbeiziehenden Sternen noch einen letzten Blick, bevor ich meine Tasse Kakao nahm und in Richtung Brücke aufbrach, die gleich um die Ecke lag. Das Schiff, ein recht ellipsenförmiger Schlitten mit abgeflachtem Heck, an dem sich die Triebwerke befanden, war nicht sonderlich groß wie die großen Kreuzer der Föderation. Es war lediglich etwa 85 Meter lang und 59 Meter breit, wobei es sogar umso flacher wirkte mit seinen 18 Metern Höhe. Und dennoch passten rund 60 Personen auf das Schiff. Es war erstaunlich wie großräumig es innen war, wieviel Platz es bot. Ein feines Schiff.
'Ein feines Schiff', dachte ich und strich mit der Hand über den Rahmen des Schotts, bevor ich eintrat.
"Navigationsoffizier, Bericht!", sagte ich als ich die Brücke betrat. Die Brücke ... das Zentrum des Schiffes. Außer mir arbeiteten hier noch sieben Mann: zwei Navigationsoffiziere, die für die Steuerung und die Navigation zuständig waren, ein Kommunikationsoffizier, der sich mit der internen und externen Kommunikation des Schiffes und allen Arten von Signalen auseinandersetzte, ein taktischer Offizier, der Strategien ausklügelte und die Waffen bediente, ein Wissenschaftsoffizier, der die forschungsrelevanten Aufgaben auf dem Schiff koordinierte, und ein Systemoffizier, die sich mit den internen Systemen, den Schutzschilden und den Sensoren auseinandersetzte. Schließlich war da noch mein erster Offizier, Commander Álvaro Ramírez, zugleich aber auch ein jahrelanger Freund, der mir stets zu Seite gestanden hatte.
"Wir haben das System erreicht und passieren gleich den Stern 12 d Bootis", antwortete Lieutenant Campbell, der das Schiff steuerte.
"Auf den Schirmen ist bloß das Notsignal zu erkennen, welches wir vor einigen Stunden empfingen. Ansonsten sehe ich hier rein gar nichts", sagte Lieutenant Baker, die die Systeme überwachte.
Ich befahl dem Lieutenant einen Kurs zu dem havarierten Raumschiff zu berechnen, um nach Überlebenden zu suchen.
Es war normalerweise nicht üblich, dass der Captain des Schiffes selber auf Außenmissionen ging, allerdings war es keine Vorschrift an Bord zu bleiben. So nutzte ich jedes Mal die Gelegenheit, wenn sie sich bot. Ramírez war eher der häußliche Typ, weshalb er gerne das Kommando über das Schiff hatte, während ich weg war. So auch dieses Mal.
Ich trommelte Hiro Sato, unseren führenden Schiffsarzt, Barbara Baker, die die Systemoffizierin war, Manuel Jackson, den Sicherheitschef, und eine Hand voll Star Marines zusammen, die uns auf das Schiff begleiten sollten, damit wir Rückendeckung hatten.
Ausgerüstet mit Plasmagewehren und -handfeuerwaffen betraten wir das Shuttle, welches uns an das Wrack heranführte.
"Sir, das Schiff scheint noch minimale Energiewerte zu senden. Sind wohl Notschilde, die die Löcher in der Hülle abdichten", meldete der Pilot des Shuttles und steuerte das kleine Schiff näher an den klobog wirkenden Transporter. Leichen ließen die Stimmung mancher etwas vertrüben. Das Schiff wurde ziemlich in Mitleidenschaft gezogen. Am gesamten Rumpf, in jeder Sektion waren Einschusslöcher, teilweise so groß, dass das Shuttle und ein weiteres bequem hätten durchfliegen können. Allerdings ließen das die Schilde nicht zu. "Sir, die Sensoren zeigen einen Raum, der nicht mehr unter Druck steht. Allerdings ist der Raum daneben unter Druck. Wir können ein Loch in den ersten Raum schneiden und das Loch schließlich mit einem Schild versiegeln. Eine tragbare Umweltkontrolle müsste den Druck in diesem Raum dann wieder herstellen", sagte der Pilot und zeigte mit seinem Finger auf den Plan des beschädigten Schiffs. Dieser Plan zeigte tatsächlich noch einige Räume an, die unter Druck standen. Der Raum, den er erwähnte, war sogar mit den anderen verbunden. Die Bioscanner konnten leider keine Lebewesen an Bord ausmachen, aber sie wurden wahrscheinlich durch die aktivierten Schilde abgelenkt.
Somit gab ich den Befehl dem Piloten sich dieser Stelle zu nähern. Ein Asteroidenplasmaschneider schnitt einen perfekten kreisrunden Durchgang, sodass wir das Schiff betreten konnten. Unsere Raumanzüge sollten uns vor den harschen Bedingungen des Alls schützen, aber die Strahlung des nahen Sterns würde uns auf Dauer trotzdem schaden. Wir mussten uns also beeilen.
"Außenteam ... schon etwas Neues?", fragte Ramírez durch das Kommsystem.
"Wir haben das Schiff betreten und nähern uns ... Moment ... der Messe. Es gibt hier noch einige Bereiche, die unter Druck stehen. Wir schauen uns noch weiter um. Überlebende haben wir bis jetzt nicht gefunden. Senden Sie ein Missionsaupdate zum Admiral. Der wird das sicher interessant finden", antwortete ich und öffnete das Schott zur Messe. Es war zappenduster. Wir schalteten unsere Helmlichter ein. Doch was war das? Tatsächlich zeigte der Bioscanner ein Lebewesen an, hinter dem Platz des Kommandanten.
"Sir, hier sind Überlebende!", meldete ein Marine.
"Hier ebenfalls. Gehen Sie zurück zum Shuttle und holen Sie weitere Raumanzüge. Ziehen Sie sie dann den Überlebenden an!", befahl ich und kniete mich vor die Frau, dessen Haut einige Brandstellen aufwies. Mein Bioscanner zeigte mir keine Spuren eines Kampfes, allerdings hohe Dosen an Strahlung, vermutlich vom Stern. Der Sergeant kam schließlich mit einer Kiste Raumanzügen wieder, die wir den Überlebenden überzogen. Wir mussten sie schnell zurück zum Schiff bringen, da viele schon recht viel Strahlung abbekommen hatten. Einige Bereiche des Schiffes waren dem Stern fast schonungslos ausgesetzt.
"Captain, wir werden angegriffen! Drei Kampf ..." Die Übertragung endete mit einer Explosion.
"Ramírez!", schrie ich in das Mikrofon, doch es kam nur ein Rauschen als Antwort.


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 Betreff des Beitrags: Re: Das Daedalus Projekt
Verfasst: Di 10. Okt 2017, 07:31 
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Irrlicht
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Registriert: Mo 9. Okt 2017, 06:19
Beiträge: 1
Kälte umhüllte mich, doch dann wurde es wärmer. Ich spürte, wie sich meine Finger bewegten, doch der Rest meines Körpers weigerte sich schlicht den Betrieb aufzunehmen. Es war unheimlich. Noch nie hatte ich solche Furcht verspür. Dunkelheit umarmte mich, doch manchmal erschienen Lichter, die versuchten gegen die endlose Dunkelheit zu kämpfen. Ich fühlte mich alleine ... sehr alleine. Alles war still. Ich konnte nicht mal meinen Atem hören. Ein oder zwei Geister zogen durch meine kleine Welt, dessen Ursprung ich noch nicht ermitteln konnte. Ich fing an am gesamten Körper zu zittern. Ich hörte Geräusche, die wie Zischen klangen. Ich wusste nicht, ob ich fiel oder schwebte. Meine Augen fielen wieder zu, doch schließlich wurde das Zischen klarer. Es bildeten sich Worte heraus wie "Name" und "Gassi". Ich versuchte zu antworten. Aber mein Mund brachte wohl nichts vernüftiges heraus, bis ich plötzlich klarer wurde. Die Geister entpuppten sich als Menschen in Raumanzügen und das Gezische wohl deren Sprache. Ich versuchte mich zu konzentrieren.
"Wie ist Ihr Name? Was ist hier passiert?", fragte einer der beiden Männer, die mich wohl untersuchten.
"Doktor Victoria Lawson. Wir ... wurden angegriffen", stammelte ich und schlackerte mit meinem Kopf hin und her. Ich hatte wohl keine Kontrolle über meine Gliedmaßen. Ich war bei vollstem Bewusstsein, konnte genau verstehen, was sie sagten, allerdings lag mein Körper so da, als ob ich eine Woche nicht geschlafen hätte. Ich konnte kaum meine Hand heben.
"Schon gut! Wir bringen Sie hier raus!", sagte der andere mit seiner durch den Funk verzerrten Stimme. "Mein Name ist Hiro Sato. Ich bin Arzt. Ich habe Ihnen ein Mittel gegeben, was Sie etwas aufpeppen sollte. Zumindest mental."
"Danke!", sagte ich, ohne dass mein Mund wirklich mitarbeitete. "Wir wurden ... angegriffen. Von drei Raumschiffen der Separatisten. Sie ... haben uns zum sterben zurückgelassen", versuchte ich zu erklären. "Der Kommandant hat zuletzt auf das Logbuch gesprochen. Es befindet sich in seinem Quartier."
Der andere Mann bedankte sich und erzählte einem dritten etwas, was ich aber nicht verstehen konnte. Dieser machte auf dem Absatz kehrt und verschwand aus der Messe.
"Wir haben leider ein Problem. Wir müssen noch weiter hier ausharren. Unser Schiff, die USS Endurance, wurde vor einigen Stunden von drei feindlichen Schiffen angegriffen. Seitdem haben wir keinen Kontakt mehr. Wir gehen derzeit vom Schlimmsten aus und versuchen die Kommunikationsantenne zu reparieren, um ein Notsignal zur Flotte oder zu einer nahen Raumstationen zu senden. Ich bin übrigens Captain John Edwards."
"Das waren die ... Die, die uns angriffen!"


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 Betreff des Beitrags: Re: Das Daedalus Projekt
Verfasst: Sa 28. Okt 2017, 03:40 
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Irrlicht
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Registriert: So 8. Okt 2017, 09:18
Beiträge: 2
"Geht es Ihnen besser?", fragte ich. Doktor Lawson atmete einige Male tief durch und blickte durch die mittlerweile erhellten Räume. Ich gab ihr eine Kapsel Wasser und eine, die mit Nahrungsrationen gefüllt waren. "Können Sie die greifen?"
"Ja, ich ... denke schon. Danke!", antwortete sie nun mit klarer Stimme und platzierte beide Kapseln in die vorgesehenen Halterungen ihres Raumanzuges, den wir aus dem Shuttle geholt hatten. Sofort nippte sie an den beiden Schläuchen in ihrem Mund und lehnte sich entspannt zurück. "Mhhh ... Maccaroni mit Käse! Jetzt geht es mir besser." Doktor Sato lachte kaum hörbar auf und auh ich musste schmunzeln. "Ich nehme an, Sie möchten hören, was auf unserem Schiff passiert ist?"
"Wir werten noch das Logbuch des Captains und den Flugschreiber aus, allerdings glaube ich, dass die uns keine schlüssigen Ergebnisse liefern, korrekte Antworten auf einige Fragen."
"Welche Fragen wären das denn?"
"Zum Beispiel ... welches Interesse hatten die Separatisten an einem Passagiertransport? Waren hier zufällig irgendwelche wichtigen Leute an Bord?"
"Es war tatsächlich bloß ein simpler Transport zwischen einer Raumstation und der Basis auf 12 d Bootis B 3"


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