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Verfasst: Mo 23. Okt 2017, 21:13 
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Irrlicht
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Exkursion in die Geschichte der Zauberei

1. Ein ganz normaler Arbeitstag

Tagebucheintrag des 14. Juni 2017, Zaubereiministerium: Ich fühle mich wie in der Schule. Man zitierte mich in das Büro unseres Abteilungsleiters. Nachdem der letzte Auftrag abgeschlossen ist, weiß ich bereits wie Barnaby auf mich reagieren würde. Ein toller Tag!

"Du hast Mist gebaut! Du hast großen Mist gebaut und ich habe dich auch noch vorher gewarnt!", hörte ich eine Stimme hinter mir erklingen. Es war Roberts stimme. Er war ein kleiner, kahlköpfiger und eifriger Mitarbeiter in unserer Abteilung, der sich seit jeher besonders um Regeln und Vorschriften scherte.
"Es tut mir Leid, Robert!", erwiderte ich und drehte mich auf meinem Stuhl in Richtung Tür. "Aber hätten wir auf die Verstärkung gewartet, wären sie uns entkommen."
"Das ist wahrscheinlich sogar wahr. Aber dennoch wird das Barnaby kaum interessieren. Es geht ihm nur darum uns fertig zu machen. Nein, eigentlich geht es ihm nur darum dich fertig zu machen, aber er wird mich auch fertig machen, weil ich mit dir arbeite! Ich kann dann mal meinem Traum als Leiter der Zentrale adieu sagen!"
"Krieg dich wieder ein. So schlimm wird es wohl nicht werden. Du hast nur nach meinen Anweisungen gehandelt."
"Wenn das Barnaby nur berücksichtigen würde ...", antwortete er, machte auf dem Absatz kehrt und verließ mein Büro.
Ich konnte die laute und gröhlende Stimme meines Vorgesetzten schon hören. Aber was hätte man tun sollen? Rein gar nichts? Trolle waren keine Kuscheltiere! Ich hatte keine Ahnung, dass es sich bei dem Troll um das Haustier des berüchtigten und verschwundenen Meister Eckhardt handelte, der vor einiger Zeit in Osteuropa verschwunden war. Wären es eventuell ehemalige Todesser gewesen, hätte Barnaby einen Grunde gehabt mich zu tadeln ... oder gar rauszuwerfen. Aber verschwundene Besen und Kessel aus einem Dorf ... das war normalerweise nicht das Werk von Schwerkriminellen, zumal es rein gewöhnliche Besen waren, von denen nur einige fliegen konnten. Ich hatte den Krempel in einer Höhle gefunden, zusammen mit Meister Eckhardt und seinem Haustier, das die Besen als Feuerholz benutzte um Suppe in dem ebenfalls geklauten Kessel zu kochen. Er hatte es tatsächlich geschafft ihm das Sprechen und Kochen beizubringen. Aber das würde Barnaby kein Stück interessieren.
Ich schaute auf das Stundenglas, welches abgelaufen war, und stand auf, um in das Büro zu gehen. Obwohl es sich in der gleichen Etage befand, war es dennoch eine ziemliche Strecke. Es dauerte ganze fünf Minuten den Eingangsbereich der zweiten Etage zu erreichen, in dem sih ebenfalls das Büro des Leiters der Aurorenzentrale befand, welcher Harry Potter war, der, der einst den dunklen Lord besiegt hatte und deshalb nun alle ehemaligen Todesser sich im Land verteilt hatten. Es war nun bedeutend schwieriger diese zu finden und dingfest zu machen. Aber gut. Die Gefahr war gebannt, das Land, oder eher die ganze Welt, wieder sicherer. Was gab es nun zu tun? Todesser aufspüren? Das war die Aufgabe von höher dekorierten Mitarbeitern, wie etwa dem berühmten und allzeit schmierigen Auror Patrick Primes, der nicht nur all seinen untergebenen Kollegen gehörig auf den Geist ging, sondern der auch noch das Schoßhündchen Barnabys war. Meine Wenigkeit befasste sich mit den eher kleineren Aufgaben, zum Beispiel mit dem Aufspüren von verschwundenen Besen, der Kontrolle von nicht genehmigten Transportmitteln und der Überprüfung von ausländischen Zauberern in der Winkelgasse. Meine eigentliche Tätigkeit hatte sofort an Bedeutung verloren, als Barnaby das erste Mal sein neues Büro von innen betrachtet hatte. Ursprünglich war ich Auror in der Abteilung Chronologische Ermittlungen. Es war eine unglaublich spannende Arbeit. Die Zeit hatte mich schon immer sehr fasziniert, weil sie die einzige unerschöpfliche Macht im Universum war. Mein Büro war gefüllt mit Büchern über die Geschichte der Zaubererwelt und der Muggelwelt. Meine Aufgabe bestand darin Anomalien in der Geschichte aufzuspüren und zu überprüfen, gegebenenfalls dorthin zu reisen und die Geschichte wieder gerade zu rücken. Aber meine Abteilung wurde schlicht aufgelöst, und obwohl wir ursprünglich schon unterbesetzt waren, war es ein noch viel größerer Hieb als Barnaby unsere Abteilung als reinste "Zeitverschwendung" betitelte. Ein toller Wortwirtz. Es war tatsächlich nicht oft vorgekommen, dass ich durch die Zeit reisen musste. Um genau zu sein, hatte ich das erst einmal getan. Es hatte mich in das Jahr 1926 verschlagen. Meine Aufgabe bestand darin einen Zauberer aufzuspüren, der den berühmten Autor Newt Scamander umbringen wollte. Seine Motive waren nicht ganz klar gewesen, allerdings hätte der Mord zu schwerwiegenden Fehlern in der Geschichte geführt.
Und nun wurden die einzigen Mitarbeiter dieser Abteilung in einen anderen Bereich versetzt, daher blieb die Geschichte nun vollkommen schutzlos. Es hatte ursprünglich noch mehrere Mitarbeiter gegeben, diese waren allerdings verschwunden. Nachdem sie in die Vergangenheit geschickt wurden, waren sie nie wiedergekehrt. Im besten Fall hatten sie sich mit der Kalkulation in der Rükreise verschätzt und kommen irgendwann in der Zukunft wieder, oder im schlimmsten Fall waren sie einfach umgekommen. Dieses Ereignis hatte unserer Abteilung das Genick gebrochen.

"Harrington!", hörte ich seine aggressive Stimme bereits, als ich Barnabys Büro betrat. "Noch nie in meinem Leben habe ich einen solch schlechten Bericht gelesen! Sie sind ohne Verstärkung in die Höhle des Verdächtigen gekrochen und haben anschließend diesen verfluchten Eckardt nicht festgenommen?!"
"Der Troll stellte keinerlei Gefahr dar. Und Eckardt hatte ihn ..."
"HALTEN SIE DIE KLAPPE!!!", brüllte er erneut in meine Richtung und warf mir meinen Bericht zu Füßen. "Sie können froh sein, dass zur Zeit Personalmangel in der Aurorenzentrale herrscht, sonst würden Sie ganz schnell auf der Straße sitzen! Immerhin sind Sie der Grund, weshalb hier Mangel herrscht! Chronologische Ermittlungen! So ein Quatsch! Wenn es nach mir ginge würden Sie für den Rest Ihres Lebens als Stundenglas verbringen! Wenn Sie sich soetwas noch einmal erlauben, werden Sie Taschendiebstähle in der Winkelgasse aufklären! Haben Sie mich verstanden?"
Ich seufzte laut und wollte gerade antworten, als sich die Tür öffnete und jemand hereinschritt, dessen Duftwolke ich auf einer Meile riechen würde.
"Sir, ich habe diesen Abschaum festgenommen und zugleich seine gesamte Familie, die überraschenderweise ebenfalls in kriminellen Handlungen verstrickt war. Oh, Tom. Ich wusste nicht, dass Sie wieder da sind. Was war es diesmal? Ein Hauself?"
"Ganz und gar nicht. Es stellte sich heraus, dass es sich um ein Wesen mit außerordentlich guten Manieren im Umgang mit seinen Mitmenschen handelte. Ein Troll. Sie sollten sich von ihm eine Scheibe abschneiden", sagte ich diesem aufgeblasenen und hochnäsigen Wichtigtuer, der sich nur desinteressiert abwandte. "War das alles, Sir?"
Barnaby fixierte mich mit seinen kleinen Augen durch seine viel zu große Brille, doch ohne eine Antwort abzuwarten verließ ich sein Büro und machte mich auf den Weg in meines.

Archäologie der ersten Zauberergemeinschaften. Ein tolles Buch. Zauberer und Hexen waren schon in der Bronzezeit mächtige Zeitgenossen, obwohl sie sich bloß auf das brauen von Tränken beschränkt hatten.
Es wunderte mich kein bisschen, dass Barnaby nicht zufrieden war. Es war der vierte Auftrag nach der Schließung der Abteilung und es sollte wohl auch nicht der letzte sein. Ich hatte bereits überlegt mich selbstständig zu machen, oder zumindest in einem anderen Land zu arbeiten. Aber für Selbstständigkeit fehlte mir die nötige Lizenz und das nötige Geld. Der Zaubereiminister, Kingsley Shacklebolt, würde es wohl kaum zulassen, wenn einer seiner Zauberer im Alleingang mit der Zeit spielen würde. Das käme ihm nie in den Sinn. Aber so war es nun. Durch die Zeit reisen werde ich wohl in Zukunft nicht mehr so häufig.


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Verfasst: Mi 25. Okt 2017, 04:07 
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Irrlicht
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Tagebucheintrag des 15. Juni 2017, Zum Tropfenden Kessel: Nach dem gestrigen Tag hat mich tatsächlich der alte Barnaby in den unbezahlten Urlaub geschickt. Sei's drum. Wenigstens etwas Zeit zum nachdenken.

Mir fiel mein Gesicht fast auf den Tisch, als ich einfach in die Leere schaute. Meine Gedanken kreisten hin und her und ich hatte keine Möglichkeit mich zu konzentrieren. Ich wartete auf meine alte Schulkollegin, mit der ich schon lange Zeit befreundet war. Wann immer wir einen schlechten Tag erwischt hatten, hatten wir es immer wieder geschafft uns aufzurichten, doch diesmal reiste sie aus Moskau an, weshalb sich ihre Ankunft ein wenig verspätete. Sie kam mit dem Zug.
Ich beschloss mir ein wenig die Beine in der Winkelgasse zu vertreten und sagte dem Wirt Henry, dem Sohn des ehemaligen Wirts Tom, er sollte Angelica Bescheid geben, wo sie mich finden konnte.
Die Winkelgasse hatte sich ziemlich verändert. Nach dem Tod Voldemorts war sie sogar zu neuer Blüte aufgestiegen. Neue Geschäfte hatten sich niedergelassen, die alten jedoch waren nicht verschwunden. Es herrschte reges Treiben. Der Schulbeginn stand bevor und die Zaubererfamilien zwangen sich durch die Gassen mit ihren Kindern, die schon begeistert von dieser sehr eigentümlichen Gasse waren. Von all den Wundern hier interessierte mich vor allem Flourish and Blotts, die Zauberbuchhandlung, da es neben den ganzen Schulbüchern auch einige Exemplare über die Geschichte, die es sonst bloß in Hogwarts oder in der magischen Abteilung der Bibliothek des Trinity College in Irland gab. Doch bevor ich die Buchhandlung erreichte, schweifte mein Blick über die Fassade des Zauberstabladens Ollivanders.
Garrick, der Besitzer, saß hinter seinem Schreibtisch und las in einem Buch. Ich erinnerte mich ganz genau an den Tag, als ich zum ersten Mal einen Zauberstab bekam. Und diesen hatte ich noch immer. Ich griff in meinen Mantel, zog ihn hervor und ließ ihn ein paar Mal in meiner Hand wippen. Er hatte mich doch tatsächlich so lange begleitet. Ein sehr robuster und schöner Zauberstab, der, obwohl er recht gleichmäßig und schlicht erschien, dennoch elegant wirkte. Das Griffstück war eher ein wenig breiter als der vordere Abschnitt, lag aber durch das leicht geschwungene Ende hervorragend in der Hand. Es war fast so, als ob der Zweig des Baumes genau für eine Menschenhand gedacht war. Er war nicht allzu lang, etwa 14 Zoll, was ihn sehr handlich machte. Eiche und Drachenherzfaser waren wirklich eine gelungene Kombination. Mein Mantel hingegen hatte schon bessere Tage gesehen, was manch einen prüfenden und abfällig wirkenden Blick auf mich zog. Aber darüber machte ich mir keine Sorgen.
Mein Blick schweifte weiter durch die Gasse und ich setzte meinen Spaziergang zur Buchhandlung fort.
"Mister Harrington! Schön, dass Sie endlich da sind! Ich habe mich schon gefragt, wann Sie wieder hier auftauchen würden", sagte Mister Shackleton, der neue Besitzer der Buchhandlung. Sein Vorgänger, der stets als der am schlechtesten gelaunte Verkäufer Londons bezeichnet wurde, war nun im Ruhestand.
"Freut mich ebenfalls hier zu sein! Was haben Sie neues für mich?", fragte ich den Mann, der mir lächelnd eine Tasse Tee reichte.
"An Bühern leider gar nichts. Scheint wohl nix neues in der Vergangenheit zu geben", lachte er und setzte sich hinter seinen Schreibtisch.
"Es muss doch wenigstens eine Abhandlung oder einen Artikel über die letzten Jahre geben. Ich bin mir ziemlich sicher, dass das irgendjemand niedergeschrieben hat."
"Das erfahren Sie wohl aus dem Tagespropheten. Wir haben wirklich nichts." Es schien, als ob Mister Shackleton genauso enttäuscht darüber war wie ich. Er wandte sich einer kleinen Truhe zu, die auf seinem Schreibtisch lag. "Ich habe gestern eine Eule aus Hogwarts empfangen."


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