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 Betreff des Beitrags: Das Spiel der Zeit
Verfasst: Mo 23. Okt 2017, 21:13 
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Irrlicht
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Das Spiel der Zeit

1. Ein ganz normaler Arbeitstag

Es war ein ganz normaler Tag. Zumindest war er vollkommen normal für mich, denn für andere will ich nicht sprechen. Auch damals schon kümmerte ich mich um meine privaten Angelegenheiten. Beruflich war ich oft damit beschäftigt die Fehler anderer auszubügeln, aber meine morgentliche Routine konnte mir keiner nehmen. Wie jeden Morgen betrat ich ein Café im Herzen Londons, um mir ein Mozzarrella-Tomaten-Brötchen mit Kakao zu genehmigen, bevor ich meine Arbeit antreten würde. Ich weiß, meine Geschichte klingt an der Stelle etwas eintönig, doch will ich sie etwas aufpeppeln. Schließlich sollte es hier nicht um ein gesichtsloses, an einem Namen mangelndes und vollkommen routinegesteuertes Großstadtzahnrad gehen. Nein, jede Geschichte verdient mindestens eine Hauptfigur. Da es mir an Hintergrundinformationen und feinen, aber wichtigen, Details anderer Menschen mangelt, erzähle ich einfach meine Geschichte. Um mich eben vorzustellen: Ich bin Samual Caldwell, ein großgewachsener Mann mit vollem Bart und einem langen, mageren, aber sehr freundlichen Gesicht. Zumindest hatte man mir das ab und zu mal gesagt. Zusammen mit meinem struppeligen Haar, welches mir über die Ohren wächst, erfüllte ich mit meiner heruntergekommenen Jacke und einem alten Karohemd nicht gerade das Klischee eines Ministeriumsbeamten, der ich allerdings tatsächlich damals war. Die Leute musterten mich im Vorbeigehen und einige Blicke waren wohl so zu deuten, dass sie sofort an einen Landstreicher dachten, wenn sie mich sahen. Doch hinter dem groben Gewand zeichnete sich eine Geschichte ab. Eine Geschichte, die ein anderer Mensch niemals sich hätte im Traum vorstellen können. Es war eine Geschichte, würde man sie einem Menschen, wie der Kellnerin des Cafés, erzählen, hätte sie den Notruf schneller gewählt, als dass man seinen Kakao in Ruhe hätte austrinken können. Denn ich unterschied mich sehr von manch einem anderen Bewohner Londons. So kam es vor, dass, wenn ich Gäste zu mir nach Hause lud, die Kaffeekanne sich erst gar nicht richtig entleerte. Einmal, als Felicia McDowell, eine alte Freundin meiner Mutter, mich besucht hatte, hatte sie feststellen müssen, dass die Tomatensuppe, die sie über das Sofa gekippt hatte, vollkommen verschwunden war. Es war nicht ein Fleck übriggeblieben. Und dabei war es doch gerade einmal zwei Tage her gewesen.
"Die Reinigung musst du mir mal zeigen, Sam. Ich bestehe darauf!", hatte sie eines Tages gesagt, als sie mich wieder besucht hatte und festgestellt hatte, dass sie das nicht geträumt hatte. Doch ich erklärte ihr nie, wie ich es auf solch mysteriöse Weise geschafft hatte einen Fleck aus einem alten Sofa zu entfernen so schnell zu entfernen, oder wie ich einen scheinbar unendlichen Vorrat an Kaffee hatte, oder dass ich es bereits mehrmals geschafft hatte zu Geburtstagen und Hochzeiten in Schottland zu kommen, obwohl ich zwei Stunden zuvor noch in London arbeiten war. Nichtmal das Auto, welches ich schon seit Jahren fuhr, hatte einmal in die Werkstatt gemusst.
Doch ich hatte ein Geheimnis. Ich wollte dieses natürlich nicht ausplaudern. Es war ein Geheimnis, welches ich mit meiner Mutter teilte. Sie war eine Frau, genauso wie ich, geheimniskrämerisch, und vor allem ... anders. Doch sie konnte ihre Tricks sehr gut verbergen, sodass Felicia bloß auf mich aufmerksam geworden war. Aber das störte mich nicht. Ich war nämlich ein Zauberer. Meine Mutter, Misses Chrysanta Caldwell, war eine Hexe, und zwar dazu noch eine sehr gute. Nur mein Vater konnte keinen Tomatensuppenfleck mit einem Schwenk des Zauberstabs entfernen, oder heruntergefallene Teetassen reparieren, sodass sie sogar noch unbenutzter aussahen als vorher. Er war das, was die Zauberergemeinschaft als Muggel bezeichnete - ein Mensch ohne irgendwelche magischen Fähigkeiten. Doch obwohl die Zauberergemeinschaft im Verborgenen lebte und alle ihre magischen Kräfte vor den Muggeln geheimhalten musste, gab es dennoch einige, die von dieser Welt wussten, und zu dehnen gehörte eben auch Mister Jacob Caldwell.
"Darf ich?", fragte die Kellnerin und deutete auf den Rest meines Brötchens. Ich schreckte hoch und sah der Frau in die Augen. Meine Gedanken waren wohl entgleist und ich hatte vollkommen vergessen etwas zu essen. Ich schüttelte kurz angebunden den Kopf und die Kellnerin antwortete mit einem sehr knappen Lächeln, welches wohl hätte freundlich wirken sollen.
Ich hatte kurz den Faden verloren. Ich blickte erneut auf den Punkt irgendwo auf der anderen Seite der Straße, in der Hoffnung meinen Gedanken wiederzufinden.
Leicht betrübt griff ich in meine Tasche und holte eine Zeitung hervor. Im Vergleich zur Zaubererzeitung, dem Tagespropheten, konnten sich die Bilder in dieser nicht bewegen. Tatsächlich wäre es für jemanden, der keine Ahnung von der Zaubererwelt hatte, sehr merkwürdig gewesen, wenn die Politiker und Sportler in ihren Zeitungen ihnen zuwinken oder mürrische Blicke zuwerfen würden. Aber die Fotos dieser Zeitung bewegten sich nicht, allerdings berichteten sie über ein Ereignis aus der Zaubererwelt. Es ging um einen Mord an einem Ministeriumsmitarbeiter.
Ein jeder Mensch hat eine Geschichte zu erzählen, und meine begann an jenem sonnigen, aber kühlen Tag in genau diesem Café. Um genauer zu sein war es der 14. Juni 2017. Doch wie genau sich meine Geschichte entwickeln würde, wusste ich selbst noch nicht. Ich wusste nur, dass ich zu spät zu Arbeit kommen würde, wenn ich nicht das Café in ein paar Minuten verlassen würde. Nachdem ich meinen Kakao geleert hatte, den ich anschließend mit einer Fünf-Pfund-Note bezahlt hatte, und das Tagesblatt wieder in meine Tasche gleiten gelassen hatte, machte ich mich direkt auf den Weg. Ich kam nicht zu spät, denn diese Prozedur vollzog ich jeden Tag. Es war bereits fünf vor neun Uhr und ich bewegte mich mit gleichmäßigem Schritt auf die öffentliche Toilette im Londoner Zentrum zu. Ich wartete bis mein Vorgänger das Klo benutzt hatte und trat schließlich ein. Nur setzte ich mich nicht auf den Klodeckel, sondern stieg mit beiden Füßen mitten in die Schüssel. Ich mochte diese Art zu reisen überhaupt nicht, doch es war sicher und ging sehr schnell. Meine Füße wurden zwar keineswegs vom Klowasser benetzt, dennoch bewirkte es in mir ein leichtes Schauergefühl. Ich betätigte die Klospülung und nun wurde ich durch den Abfluss gesogen, sodass ich mich schließlich in einem riesigen, langen Atrium befand. Etwa hundert Kamine waren an beiden Wänden der Länge nach angebracht und aus einem dieser Kamine war ich gerade gestiegen.
Der Boden des Atriums war mit einem dunkel polierten Pakett ausgestattet und die dunkelblaue Decke und die überall platzierten Goldverzierungen versetzten dem Bauwerk ein außerordentlich edles Ambiente.
"Guten Morgen, Sam", sagte plötzlich ein Zauberer, der hinter mir auftauchte, nachdem der, wie die meisten anderen, mittels einer grünen Stichflamme plötzlich im Nachbarkamin aufgetaucht war. Und tatsächlich tauchten hunderte Zauberer und Hexen aus diesen Kaminen auf, um zur Arbeit zu gehen, ministerielle Termine zu erreichen oder um sich geschäftlich mit anderen zu treffen. Es war durchaus voller, als auf einem Wochenendmarkt. Die Leute huschten eilig vorbei, um rechtzeitig ihre Büros zu erreichen. Teilweise konnte man sogar ausländische Hexen und Zauberer hören, die verzweifelt versuchten sich mit den Briten zu unterhalten. Und einer dieser ausländischen Zauberer war Pierre Auber, der allerdings hervorragend Englisch sprach. Und genau dieser hatte mich gerade abgefangen.
"Ohh, Pierre! Schön dich zu sehen. Du hast mir einen schönen Schrecken eingejagt", antwortete ich matt und versuchte meine Gänsehaut abzuschütteln.
"Das tut mir Leid. War keine Absicht", antwortete er lächelnd und reichte mir die Hand, die ich sofort drückte. Pierre war ein kleiner Mann mit schulterlangen Haaren und einem dunkelbraunen Anzug. Er stammte aus Frankreich und arbeitete im britischen Zaubereiministerium als Verbindungsmann zu französischen Auroren; das waren Zauberer, die im Ministerium die investigative Aufgabe hatten schwarze Magier zu fangen und einzusperren. Zu dieser Truppe gehörte auch ich, wobei sich meine Abteilung mit anderen Problemfällen auseinandersetzte ... beziehungsweise ... auseinandergesetzt hatte. Schließlich wurde sie eines Tages geschlossen. Pierre war ein sehr vorschriftentreuer Mann, der viel Wert auf Pünktlichkeit und genaue Ausführung der Protokolle legte.
Am Lift angekommen, der uns ins zweite Stockwerk bringen sollte, wandte er sich mit verschwörerischer Stimme an mich: "Ich habe von dem gehört, was gestern passiert ist. Ich glaube, Barnaby wird dir den Schädel einschlagen."
"Ich weiß, ich weiß. Ich hätte vorher mit dir darüber beraten sollen, aber es blieb keine Zeit mehr. Ich konnte dich gestern gar nicht mehr finden, nachdem du nach Paris gereist warst. Ich hatte keine Ahnung, dass du wieder da warst", erwiderte ich und schaute ihn mit gesenktem Kopf an.
"Ich mache dir keinen Vorwurf. Aber Barnaby wird dir mit Sicherheit einen machen. Es geht nur darum dich fertig zu machen."
Ich konnte die laute und gröhlende Stimme meines unbeliebten Vorgesetzten schon hören. Aber was hätte man tun sollen? Rein gar nichts? Trolle waren keine Kuscheltiere! Ich hatte keine Ahnung, dass es sich bei dem Troll um das Haustier des berüchtigten und verschwundenen Meister Eckhardt handelte, der vor einiger Zeit in Osteuropa untergetaucht war. Wären es eventuell ehemalige Todesser gewesen, hätte Barnaby einen Grund gehabt mich zu tadeln ... oder gar rauszuwerfen. Aber verschwundene Besen und Kessel aus einem Dorf ... das war normalerweise nicht das Werk von Schwerkriminellen, zumal es rein gewöhnliche Besen waren, von denen nur einer fliegen konnten. Ich hatte den Krempel in einer Höhle gefunden, zusammen mit Meister Eckhardt und seinem Haustier, das die Besen als Feuerholz benutzte um Suppe in dem geklauten Kessel zu kochen. Er hatte es tatsächlich geschafft ihm das Sprechen und Kochen beizubringen. Aber das würde Barnaby kein Stück interessieren.
Pierre schien meinen Gedankengang lesen zu können und klopfte mir freundschaftlich auf die Schulter. "Wir sehen uns dann später, Sam", sagte er und verließ den Fahrstuhl mit mir und ein paar anderen auf der zweiten Etage, nur dass er in sein Büro spazierte und ich mich in das Büro des Abteilungsleiters bewegte, wobei meine Schritte immer träger wurden je näher ich dem Büro kam. Ich ging vorbei an einigen anderen Büros höhergestellter Auroren, unter anderem an dem des Leiters der Aurorenzentrale, welcher Harry Potter war, der, der einst den dunklen Lord Voldemort besiegt hatte und deshalb alle ehemaligen Todesser, also Voldemorts Anhänger, sich im Land verteilt hatten. Es war nun bedeutend schwieriger diese zu finden und dingfest zu machen. Aber gut. Die Gefahr war gebannt, das Land, oder eher die ganze Welt, wieder sicherer. Was gab es nun zu tun? Todesser aufspüren? Das war die Aufgabe von höher dekorierten Mitarbeitern, wie etwa dem berühmten und allzeit schmierigen Auroren Eduard Barkley, der nicht nur all seinen untergebenen Kollegen gehörig auf den Geist ging, sondern der auch noch das Schoßhündchen Barnabys war. Meine Wenigkeit befasste sich mit den eher kleineren Aufgaben, zum Beispiel mit dem Aufspüren von verschwundenen Besen und der Überprüfung von ausländischen Zauberern und Hexen in der Winkelgasse. Meine eigentliche Tätigkeit hatte sofort an Bedeutung verloren, als Barnaby das erste Mal sein neues Büro von innen betrachtet hatte. Ursprünglich war ich Auror in der Abteilung Chronologische Ermittlungen gewesen. Es war eine unglaublich spannende Arbeit. Die Zeit hatte mich schon immer sehr fasziniert, weil sie die einzige unerschöpfliche Macht im Universum war. Mein Büro war gefüllt mit Büchern über die Geschichte der Zaubererwelt und der Muggelwelt. Meine Aufgabe hatte darin bestanden Anomalien in der Geschichte aufzuspüren und zu überprüfen, gegebenenfalls dorthin zu reisen und die Geschichte wieder gerade zu rücken. Aber meine Abteilung wurde schlicht aufgelöst, und obwohl wir ursprünglich schon unterbesetzt waren, war es ein noch viel größerer Hieb gewesen, als Barnaby unsere Abteilung als reinste "Zeitverschwendung" betitelte. Ein toller Wortwirtz.
Es war tatsächlich nicht oft vorgekommen, dass ich durch die Zeit reisen musste. Um genau zu sein, hatte ich das erst einmal getan. Es hatte mich in das Jahr 1926 verschlagen. Meine Aufgabe bestand darin einen Zauberer aufzuspüren, der den berühmten Autor Newt Scamander umbringen wollte. Seine Motive waren nicht ganz klar gewesen, allerdings hätte der Mord zu schwerwiegenden Fehlern in der Geschichte geführt.
Und nun wurden die einzigen Mitarbeiter dieser Abteilung in andere Bereiche versetzt, daher blieb die Geschichte nun vollkommen schutzlos. Es hatte ursprünglich eine ganze Menge Mitarbeiter in dieser Abteilung gegeben, diese waren allerdings verschwunden. Nachdem sie in die Vergangenheit geschickt wurden, waren sie nie wiedergekehrt. Im besten Fall hatten sie sich mit der Kalkulation in der Rükreise verschätzt und kommen irgendwann in der Zukunft wieder, oder im schlimmsten Fall waren sie einfach umgekommen. Dieses Ereignis hatte unserer Abteilung das Genick gebrochen.
Schließlich erreichte ich eine dicke Eichentür mit der Aufschrift B. Barnaby - Abteilungsleiter.

"Caldwell!", hörte ich seine aggressive Stimme bereits, als ich Barnabys Büro betrat. "Noch nie in meinem Leben habe ich einen solch schlechten Bericht gelesen! Sie sind ohne Verstärkung in die Höhle des Verdächtigen gekrochen und haben anschließend diesen verfluchten Eckardt nicht festgenommen?!"
"Der Troll stellte keinerlei Gefahr dar. Und Eckardt hatte ihn ..."
"HALTEN SIE DIE KLAPPE!!!", brüllte er erneut in meine Richtung und warf mir meinen Bericht zu Füßen. "Sie können froh sein, dass zur Zeit Personalmangel in der Aurorenzentrale herrscht, sonst würden Sie ganz schnell auf der Straße sitzen! Immerhin sind Sie der Grund, weshalb hier Mangel herrscht! Chronologische Ermittlungen! So ein Quatsch! Wenn es nach mir ginge würden Sie für den Rest Ihres Lebens als Stundenglas verbringen! Wenn Sie sich soetwas noch einmal erlauben, werden Sie Taschendiebstähle in der Winkelgasse aufklären! Haben Sie mich verstanden?"
Ich seufzte laut und wollte gerade antworten, als sich die Tür öffnete und jemand hereinschritt, dessen Duftwolke ich auf einer Meile riechen würde.
"Sie wollten mich sehen, Sir?" Es war Barkley. Ich spürte schon Bemerkung seinerseits auflodern, doch diesmal blieben sie wohl aus. Vor lauter Verwunderung blickte ich über die Schulter und erkannte sein Gesicht. Doch es schien anders zu sein als sonst. Sonst hatte man seinen dicken und breiten Schnurbart, dr ihm fast an die Ohren gewachsen war, flattern sehen. Sonst war er immer mit einem zufriedenen und hochnäsigen Lächeln unterwegs. Und sonst machte er keine trübe Miene, wie er sie gerade hatte. Jeder Fremder hätte diesen Gesichtsausdruck nicht sonderlich bemerkenswert oder merkwürdig gefunden, allerdings würden die Leute, die ihn kannten, ihm sicherlich noch mehr misstrauen. Und am aller merkwürdigsten war es noch, dass Barkley mir kurz zugenickt hatte, als er meinen verwunderten Blick auffing. Ich nickte kurz zurück und wollte zum Gehen ansetzen, als Barnaby schließlich überflüssigerweise sagte: "Was tun Sie noch hier? Sie können gehen!"

Archäologie der ersten Zauberergemeinschaften. Ein tolles Buch. Zauberer und Hexen waren schon in der Bronzezeit mächtige Zeitgenossen, obwohl sie sich bloß auf das brauen von Tränken beschränkt hatten.
Es wunderte mich kein bisschen, dass Barnaby nicht zufrieden war. Es war der vierte Auftrag nach der Schließung der Abteilung und es sollte hoffentlich auch nicht der letzte sein. Allerdings hatte ich bereits überlegt mich selbstständig zu machen, oder zumindest in einem anderen Land zu arbeiten. Aber für Selbstständigkeit fehlte mir die nötige Lizenz und das nötige Geld. Der Zaubereiminister, Kingsley Shacklebolt, der vor einigen Jahren erneut ernannt wurde; würde es wohl kaum zulassen, wenn einer ihrer Zauberer im Alleingang mit der Zeit spielen würde. Das käme ihm nie in den Sinn. Aber so war es nun. Durch die Zeit reisen werde ich wohl in Zukunft nicht mehr so häufig.


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Verfasst: Mi 25. Okt 2017, 04:07 
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Irrlicht
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Mir fiel mein Gesicht fast auf den Tisch, als ich einfach in die Leere schaute. Meine Gedanken kreisten hin und her und ich hatte keine Möglichkeit mich zu konzentrieren. Ich wartete auf meine alte Schulkollegin, mit der ich schon lange Zeit befreundet war. Wann immer wir einen schlechten Tag erwischt hatten, hatten wir es immer wieder geschafft uns aufzurichten, doch diesmal reiste sie aus Moskau an, weshalb sich ihre Ankunft ein wenig verspätete. Sie kam mit dem Zug.
Ich beschloss mir ein wenig die Beine in der Winkelgasse zu vertreten und sagte der Wirtin Hannah, sie sollte Miranda Bescheid geben, wo sie mich finden konnte.
Die Winkelgasse hatte sich ziemlich verändert. Nach dem Tod Voldemorts war sie sogar zu neuer Blüte aufgestiegen. Neue Geschäfte hatten sich niedergelassen, einige alte hatten geschlossen. Es herrschte allerdings noch kein reges Treiben wie man es gewöhnt war, wenn die Schule begann. Die Familien würden erst in einem Monat beginnen massenweise hier durch strömen. Jetzt wurde die Gasse lediglich von einigen Anwohnern und auch Reisenden bevölkert.
Von all den Wundern hier interessierte mich vor allem Flourish and Blotts, die Zauberbuchhandlung, da sie neben den ganzen Schulbüchern auch einige Exemplare über die Geschichte verkaufte, die es sonst bloß in Hogwarts oder in der magischen Abteilung der Bibliothek des Trinity College in Irland gab. Doch bevor ich die Buchhandlung erreichte, schweifte mein Blick über die Fassade des Zauberstabladens Ollivanders.
Garrick, der Besitzer, saß hinter seinem Schreibtisch und las in einem Buch. Ich erinnerte mich ganz genau an den Tag, als ich zum ersten Mal einen Zauberstab bekam. Und diesen hatte ich noch immer. Ich griff in meinen Mantel, zog ihn hervor und ließ ihn ein paar Mal in meiner Hand wippen. Er hatte mich doch tatsächlich so lange begleitet. Ein sehr robuster und schöner Zauberstab, der, obwohl er recht gleichmäßig und schlicht erschien, dennoch elegant wirkte. Das Griffstück war eher ein wenig breiter als der vordere Abschnitt, lag aber wegen der symmetrischen Form hervorragend in der Hand. Es war fast so, als ob der Griff genau für meine Hand gedacht war. Er war nicht allzu lang, 13 ¾ Zoll, was ihn sehr handlich machte, und er bestand aus dunkler Zypresse und der seltenen Phönixfeder; eine wirklich gelungene Kombination. Mein Mantel hingegen hatte schon bessere Tage gesehen, was manch einen prüfenden und abfällig wirkenden Blick auf mich zog - selbst in der Winkelgasse. Aber darüber machte ich mir keine Sorgen.
Mein Blick schweifte weiter durch die Gasse und ich setzte meinen Spaziergang zur Buchhandlung fort.
Flourish and Blotts war ein staubiges, aber durchaus sehr gemütliches Geschäft. Die Bücher stapelten sich bis unter die Decke und es roch immer nach altem Pergament. Als ich als einziger Kunde den Laden betrat, klappte ein älterer Herr hinter der Theke sein Buch zu, musterte mich durch seine Lesebrille, die er sofort abnahm, um mich aus der Ferne zu betrachten, und lächelte.
"Mister Caldwell! Schön, dass Sie endlich da sind! Ich habe mich schon gefragt, wann Sie wieder hier auftauchen würden", sagte der Verkäufer und kam schnurstracks auf mich zugeschlichen, darauf achtend nicht über die Bücher auf dem Boden zu stolpern.
"Freut mich ebenfalls hier zu sein! Was haben Sie neues für mich?", fragte ich den Mann, der mir lächelnd eine Tasse Tee reichte.
"An Büchern leider gar nichts. Scheint wohl nix neues in der Vergangenheit zu geben", lachte er und setzte sich hinter seinen Schreibtisch.
"Es muss doch wenigstens eine Abhandlung oder einen Artikel über die letzten Jahre geben. Ich bin mir ziemlich sicher, dass das irgendjemand niedergeschrieben hat."
"Das erfahren Sie wohl aus dem Tagespropheten. Wir haben wirklich nichts." Es schien, als ob der Mann genauso enttäuscht darüber war wie ich. Er wandte sich einer kleinen Truhe zu, die auf seinem Schreibtisch lag. "Ich habe gestern eine Eule aus Hogwarts empfangen. Der Brief scheint für Sie zu sein."
Ich runzelte die Stirn, nahm den Brief entgegen und drängelte mich an den Leuten vorbei, die gerade hereingeschneit kamen, um mir einen Platz am Fenster zu suchen.

Sehr geehrter Mister Caldwell,

in Annahme, dass Sie wohlauf sind, schreibe ich Ihnen nun diesen Brief, um Ihnen mitteilen zu dürfen, dass wir Ihre Anfrage auf die Stelle des Lehrers für Verteidigung gegen die dunklen Künste überprüft haben und zu dem Entschluss gekommen sind, dass Sie die richtige Wahl sind. Herzlichen Glückwunsch!
Ihre gewünschte Stelle als Lehrer für Geschichte der Zauberei konnten wir Ihnen leider nicht geben, da sie nach wie vor noch von Professor Binns bekleidet wird.
Bitte schicken Sie uns eine Liste der Bücher, die Sie in den Unterrichtsstunden behandeln möchten. Denken Sie bitte daran, dass die Lektüre dem Niveau der Schüler entsprechen sollte.
Sie erhalten in den folgenden Tagen einen weiteren Brief, in dem wir Ihnen die Bestätigung der Bücher mitteilen.

Mit freundlichen Grüßen

M. McGonagall, Schulleiterin der Hogwartsschule für Hexerei und Zauberei

PS: Sagen Sie uns doch beim nächsten Mal bitte, wo Sie sich aufhalten. Ein Glück, dass Professor Slughorn Sie besonders gut kennt.


In mir tobte ein Feuersturm. Ich konnte mein Glück gar nicht fassen! Es war, als würde ein Kind an Weihnachten sein Lieblingsschaukelpferd geschenkt bekommen. Schmunzelnd steckte ich den Brief in meine Innentasche und nahm einen Schluck des Tees. Es war mir ein persönlicher Triumpf endlich eine Stelle gefunden zu haben, in der mir niemand mehr solche Aufgaben auf den Hals hetzte. Ich war froh endlich meine Kündigung dem Zaubereiministerium überreichen zu können. Mir persönlich hätte es eine noch größere Freude bereitet, wenn die Stelle im Fach Geschichte der Zauberei frei gewesen wäre, aber Professor Cuthbert Binns war ein sehr guter Lehrer, auch wenn er den Unterricht vielleicht etwas langweilig gestaltete. Auf eine freie Stelle in diesem Fach würde ich aber noch ziemlich lange warten müssen, denn Professor Binns würde sie nicht so leicht hergeben wollen. "Nicht in tausend Jahren", so seine Worte. Und das meinte er ernst, denn er war ein Geist, der eines Nachts gestorben war und am nächsten Tag wie gewohnt zum Unterricht gegangen war - nur eben ohne seinen Körper.
Doch ein jäher Gedanke riss mich aus meiner Freude und setzte mich in einen großen, leeren und dunklen Raum. Ich holte den Brief aus meiner Tasche und las erneut die letzten Zeilen des Briefs durch. Sie brauchten Büchervorschläge. Das bereitete mir Kopfschmerzen, denn ich hatte keine Ahnung wie ich diese Kinder unterrichten sollte. Plötzlich schoss mir durch den Kopf, dass ich diese Entscheidung, Lehrer an Hogwarts zu werden, vielleicht überstürzt getroffen hatte.
Ich öffnete meinen Rucksack, in dem sich das Lehrbuch zur Abwehr schwarzer Magier befand und kramte es heraus. Die anderen Bücher, die dagegen gelehnt waren kippten zur Seite, doch ein Ausdehnungszauber, den ich über den Rucksack gelegt hatte, sorgte dafür, dass die schweren Wälzer den Rucksack nicht zur Seite umkippen ließen, als ich ihn wieder auf den Boden legte.
Das gesamte Buch war gefüllt mit den verschiedensten Flüchen und Abwehrzaubern und den dazugehörigen Abbildungen und Beschreibungen. Es war eine relativ neue Ausgabe, die erst vor einigen Jahren erschienen war. Sie lehrte bereits Kniffe und Tricks, die ich während meiner Ausbildung zum Auroren gelernt hatte. War das das, was mir Sorgen bereitete? Ich hatte keine Ahnung, wo die Schüler mit dem Stoff waren. Der letzte Lehrer für dieses Fach war zwar ganze dreizehn Jahre im Amt gewesen, war aber auf mysteriöse Weise verschwunden. Aber ich hatte keine Ahnung wie ich das deichseln könnte. Keine Notizen des Vorgängers, keine Anweisungen der Direktorin - noch nicht.
Ich blätterte durch die Seiten, in der Hoffnung etwas zu finden, was mir helfen könnte. Ich kannte die meisten Zaubersprüche bereits, allerdings musste ich welche aussuchen, die für Schüler geeignet waren. Dieses Buch war ein regelrechtes Regelwerk für alle Jahrgangsstufen und für jene Zauberer, die eine Aurorenausbildung anstrebten. Es beinhaltete eine fast schon globale Zusammenfassung über Kämpfe mit Schwarzmagiern, die auch in historischem Kontext gesetzt wurden. Geschichtliche Beispiele waren normalerweise die beste Möglichkeit sich auf gegenwärtige Probleme zu stürzen. Und da ging mir ein Licht auf.
Ich hatte während meiner Ausbildung für die Chronologischen Ermittlungen eine ganze Menge für die Geschichte studiert. Dazu zählte nicht nur die Geschichte der Zauberei, sondern auch die der Muggel.
Ich konnte endlich meine Gedanken etwas ordnen, nachdem ich herausgefunden hatte, wo ich ansetzen konnte. Dann fielen mir ein paar übliche Bücher ein, die den Schülern stets ein gutes, fundiertes Wissen mitteilten. Ich zog ein Blatt Pergament aus meiner Tasche und begann zu schreiben:

1. Schuljahr: Dunkle Kräfte: Ein Kurs zur Selbstverteidigung
Das musste als Einführung reichen. Schließlich fiel mir ein weiteres Buch ein, welches ich verwenden könnte.
2. Schuljahr: Grundlagen des Duellierens
Es erschien mir richtig in diesem Jahr bereits Flüche und Gegenflüche zu behandeln. Allerdings zögerte ich, als ich den zweiten Titel hinzufügen wollte. Abwehrmaßnahmen und Fluch-Neutralisierungszauber waren schwierig. Ich hatte den Schildzauber zwar bereits im zweiten Schuljahr gelernt, aber nur, weil ich mich gegen die andauernden Überraschungsangriffe zur Wehr setzen wollte. Zudem war ich nicht selten nachts aus dem Schlafsaal der Ravenclaws geschlichen um mich mit Slytherins zu duellieren. Da war der Schildzauber unheimlich praktisch. Ich nickte kurz mit dem Kopf und fügte das Buch der Liste hinzu.
3. Schuljahr: Dunkle Kreaturen und ihre Gefahren
Natürlich mussten auch Geschöpfe behandelt werden, damit die Schüler später wussten mit was sie es zu tun hatten.
4. Schuljahr: Lehrbuch zur Abwehr schwarzer Magier - Eine Abhandlung zur Abwehr von Flüchen aus verschieden Epochen und Regionen
'Ja, das muss so stimmen', dachte ich und betrachtete das Buch erneut. 'Es gibt einen tollen Einblick in die Vielfalt von Flüchen und Abwehrzaubern.
5. Schuljahr: Erweiterte Verteidigungszauber und Grundlagen in das Recht der Anwendung
Das war nun ZAG-Jahr. Die Schüler mussten auch lernen wann sie diese Zauber einsetzen dürfen.
6. Schuljahr: Die dunkelsten Künste
Vor diesem Buch hatte ich in meiner Schulzeit einen großen Bogen gemacht, da dieses die Wirkung der Flüche sehr genau beschrieb. Später war mir aufgefallen, dass dieses Buch diese Horror-Flüche nicht lehrt, sondern nur beschreibt. Zudem sollten sie unverzeiliche Flüche kennenlernen.
7. Schuljahr: Dunkle Kreaturen und alte Flüche
Das UTZ- und letzte Jahr in Hogwarts. Es behandelt die letzten Zipfel der dunklen Künste.

"Na, wieder am stöbern?", sagte eine Stimme, die mir sehr vertaut vorkam. Ich drehte mich auf meinem Platz und erblickte eine schwarze Frau, welche gerade durch die Tür schritt. Es war Miranda. Sie war ein Jahr jünger als ich, hatten uns aber in Hogwarts schon kennengelernt. Wir verstanden uns seit jeher prächtig, auch wenn es während unserer Schulzeit nicht sehr einfach war, da sie eine Slytherinschülerin gewesen war und mit der Hochnäsigkeit ihrer Mitschüler zu kämpfen hatte, wobei ich dem Hause Ravenclaw angehörte. Sie war tatsächlich auch Aurorin geworden, wobei es ihr wesentlich einfacher erging, da ihr Posten nicht ganz so viele Probleme bereitete.
"Miranda! Schön dich wiederzusehen!", sagte ich und fiel ihr um die Arme. Mit einer Handbewegung bat ich sie sich zu setzen. "Wie ich sehe hast du den Kampf mit dem Meister aus Novgorod gut überstanden!", merkte ich an, da sie sehr glücklich strahlte.
"Stimmt! Der macht niemandem mehr Probleme. Das russische Zaubereiministerium hat mir dabei sehr geholfen. Du kannst dir gar nicht vorstellen wie weit ich in die Wildnis vordringen musste, nur um ihn zu finden. Er hatte sich in einer kleinen Höhle mitten in Sibierien verschanzt. Natürlich wusste er, dass wir hinter ihm her waren, deshalb war er auch kaum aufzuspüren. Aber letztendlich hat es gut geklappt!", lachte sie und zog sich ihren Umhang aus. Es war ein wenig kühl draußen, dafür in der Buchhandlung sehr warm durch die vielen Besucher. "Und du? Ich hörte etwas von einem Troll. Hat dir Barnaby wieder ins Handwerk gepfuscht? Oder besser gesagt ... hat er die den Minutenzeiger verdreht?" Sie fing lauthals an zu lachen, doch ich blieb trocken. Sie hatte schon immer die Gabe vollkommen schlechte Witze zu reißen, über die nur sie lachte.
"Kann man so sagen. Der Troll ist hoffentlich kein Problem mehr. Es stellte sich heraus, dass er zum verschwundenen Meister Eckhardt gehörte. Naja, dieser Auftrag dauerte nicht sehr lange an. Aber ... dafür habe ich endlich die Zusage für die Lehrerstelle bekommen!", sagte ich und griff in meinen Mantel, um ihr den Brief unter die Nase zu halten.
Sie stieß einen freudigen Schrei aus und klopfte mir freundschaftlich auf die Schulter. Wir hatten uns sehr lange Zeit nicht mehr gesehen und ich freute mich riesig, dass sie nun mir gegenüber saß. Wir redeten viel über Vergangenes, über die Zukunft, viel über andere und vor allem, was gerade passierte. Wir redeten über große Dinge, über kleine Dinge. Es machte mir viel Spaß mich mit ihr zu unterhalten.
Gegen Abend verließen wir den Laden und der Besitzer von Flourish and Blotts zog seinen Zauberstab und ließ ihn einmal lässig durch die Luft schwingen, sodass drei Besen herangeeilt kamen um den Boden zu wischen. Der Mann ließ noch ein "Gute Nacht!" aus seinem Kämmerchen hören, bevor die Tür sich von selbst schloss und ein Geschlossenschild sich zur Gasse hin zeigte. Einige wenige Laternen brannten noch und Passanten streiften in Richtung Gasthaus, um sich wohl noch ein Abendmahl zu genehmigen.
"Lust auf einen Spaziergang?", sagte Miranda und deutete in Richtung Gringotts-Bank. Ich nickte grinsend.
"Wie sieht es bei dir so aus?", fragte ich sie, wobei ich ein Grinsen nicht verstecken konnte.
"Warum grinst du so? Redest du etwa von Ralph?", fragte sie und blieb abrupt stehen.
"Ganz und gar nicht. Wollte nur wissen wie es mit deiner Schokofroschkartensammlung steht", log ich und boxte ihr leicht gegen die Schulter.
"Aham ...", machte sie und schüttelte den Kopf, wobei sie mir einen scharfen Blick zuwarf.
"Also ... hat er eigentlich schon einen Platz in der Kartenreihe bekommen?", fragte ich.
"Er steht noch im Gespräch", sagte sie mit einem Anflug von Stolz in ihrer Stimme.
"Ich verstehe", antwortete ich und kickte einen Stein quer durch die Gasse, der einen krummen Briefkasten traf und ein sehr unangenehmes "Klong!" verursachte.
"Ruhe da unten!", brüllte jemand aus einem Fenster oberhalb eines kleinen Pub.
Miranda warf mir einen belustigten Blick zu. "Keine Sorge. Du verdienst auch einen Platz in dieser Reihe", sagte sie und tätschelte meine Schulter. "Wo wir gerade bei großen Leistungen sind: Wie ist es eigentlich so durch die Zeit zu reisen?", fragte sie mich und ich erkannte in ihrem Augen ihr eigentümliches Funkeln, wenn sie unglaublich neugierig war.
Mit leichtem Magengrummeln versuchte ich mich an meinen letzten Sprung zu erinnern, der mir fast das Leben gekostet hatte. Es war ein recht unwirkliches Gefühl. Jemand, der des apparieren mächtig war, würde eine solche Aktion als einen Ritt durch eine sehr enge Röhre beschreiben, vielleicht wie ein Rohrpostbrief; aber er würde auch gleichzeitig das Gefühl von Raum und Zeit verlieren. So ähnlich war auch der Sprung durch die Zeit ... nur etwas haarsträubender.
"Es ist wie apparieren, nur erscheint einem der Sprung durch die Zeit wie ein Sog durch das gesamte Universum und allen seinen Dimensionen. Man findet sich plötzlich in einer anderen Zeit wieder und es könnte passieren, dass man den Verstand verliert. Deshalb ist es wichtig vor dem Sprung einen Beruhigungstrank zu sich zu nehmen. Auf jeden Fall ist der Sprung unheimlich anstrengend. Man verliert das Gefühl für die Zeit. Und zudem sind noch einige Gegenstände nötig", erläuterte ich und schaute ihr in die Augen, in der Hoffnung ihre Neugier befriedigt zu haben.
"Und was ist dazu nötig?", fragte sie.
"Das ist leider geheim", erwiderte ich und blickte die Gasse entlang, um ihr den Drang nach weiteren Fragen zu nehmen. Sie ließ ein kräftiges Gähnen ertönen, was uns signalisierte, dass nun Zeit für die Kiste war.
Mittlerweile war es tiefste Nacht und wir beschlossen unsere Zimmer im Tropfenden Kessel zu besuchen.
Nach einer kleinen Suppe wünschte ich ihr eine gute Nacht, worauf sie nach oben in ihr Zimmer verschwand. Auch ich rappelte mich langsam auf, um mein Bett aufzusuchen. In meinem Zimmer dachte ich noch eine gefühlte Ewigkeit nach. Meine Gedanken kreisten von Mirandas Worten über ihren Ehemann bis hin zu der Zeitreise, die ich vor einigen Monaten absolviert hatte und zu ihrem Erfolg gegen diesen Schwarzmagier. Doch etwas auf meinem Nachtisch verlangte nach meiner Aufmerksamkeit. Ein weißer quadratischer Fleck, so erschien es mir in dem trüben Kerzenlicht, zeichnete sich auf dem Tisch ab, wobei ich allerdings sicher war, dass dieser leer war als ich das Zimmer zuvor verlassen hatte. Ich griff danach und erkannte, dass es sich um den Tagespropheten, der Zaubererzeitung, handelte. Es war die vierzehnte Seite aufgeshlagen. Ein Bild war zu erkennen, und wie üblich bewegte es sich. Darauf zu erkennen waren zwei Auroren in Muggelkleidung, die einen Bereich absicherten, wobei sie versuchten Passanten davon abzuhalten näherzutreten. In der Mitte des Bildes lag ein Mann, mit dem Gesicht nach unten, und alles schien voller Blut zu sein. Unter dem Bild stand in großen und kunstvoll geschwungenen Lettern geschrieben: Tod eines Ministeriumsangestellten.
Der Artikel kräuselte sich um ein zweites Bild, welches wohl das Opfer abbildete:

London, 14. Juni 2017: Das Zaubereiministerium gibt bekannt, dass es sich bei dem Toten um den Auroren Jeff Barkley handelt. Ein Sprecher der Magischen Strafvervolgungsbehörde berichtete dem Tagespropheten, dass der Mann am Dienstag, den 13. Juni, vor seiner Wohnung in Clerkenwell, Nord-London, tot aufgefunden wurde. Jeff Barkley war ein ehemaliger Mitarbeiter der Sektion Chronologische Ermittlungen, die für ihre unkonventionellen Methoden der Strafverfolgung bekannt war, aber nun geschlossen ist. Harry Potter, Leiter der Aurorenzentrale äußerte sich zu dem Tod des Auroren, der ihn offenbar näher kannte. "Es ist ein wirklich tragischer Verlust eines ausgezeichneten Mitarbeiters. Wir werden alles in unserer Macht stehende tun den Mörder dieses Mannes zu fassen", sagte Potter heute Morgen während einer Pressekonferenz im Atrium des Ministeriums.

In mir zog sich etwas zusammen. Jeff Barkley war wirklich ein ausgezeichneter Auror, allerdings auch ein sehr toller Mensch. Er war um einiges älter als ich und hatte schon einige Sprünge in die Vergangenheit hinter sich gehabt. Er genoss sehr hohen Respekt unter den Auroren, und das sollte schon etwas heißen, wenn man bedachte wie unsere Abteilung seit jeher dargestanden hatte. Aber plötzlich fiel mir wieder Eduard Barkleys Gesicht ein. Er war immerhin sein Bruder. Eine unerklärliche Woge des Mitleids durchfuhr mich und es war, als könnte ich diesem Mann für all das verzeihen, was er so von sich gegeben hatte. Sicherlich, er war ebenfalls ein guter Auror, allerdings stand er im Schatten seines Bruders. Ich hatte Eduard nie wirklich leiden können, da er jedem ständig auf fast subtile Art mittweilte wie brillant er war. Er erniedrigte seine Mitarbeiter zwar nicht mit Beleidigungen oder Bloßstellungen, doch seine überhebliche Art und seine Aura als Alleskönner schüchterte manch einen sehr ein. Andere, mich eingeschlossen, reagierten eher mit rollenden Augen. Doch nun überlegte ich, wie er sich fühlen würde. Nun hatte ich nicht das Bild eines "Superhelden" vor Augen, sondern eines Mannes, dem ein wichtiger Teil seines Lebens entrissen wurde.
Bedrückt legte ich das Blatt wieder zurück und setzte mich auf die Bettkante. Wer hatte mir die Zeitung dorthin gelegt? Warum wurde Jeff umgebracht? Diese Fragen kreuzten quer durch meinen Kopf, bis ich irgendwann nach hinten kippte und einschlief.


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 Betreff des Beitrags: Re: Ein Mann und sein Spielzeug
Verfasst: Sa 20. Jan 2018, 23:25 
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Irrlicht
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"So, bitteschön, Mister", sagte eine Frau und stellte mir eine dampfende Schüssel voll Kürbiscremesuppe vor die Nase. Der Geruch drang sofort in meine Nase und ich konnte es kaum erwarten meinen Löffel da hinein zu tauchen. Ich bedankte mich bei Misses Longbottom und löffelte meine Suppe genüsslich. In meinem Kopf geisterten noch die Fragen der beiden etwas beklommen wirkenden Auroren, die mich etwa zwei Stunden lang befragt hatten. Es gab nicht viele Leute, die in meiner Abteilung gearbeitet hatten. Die eine Hälfte war verschwunden und die andere Hälfte arbeitete in verschiedenen anderen Abteilungen, aber nun war einer tot und das war nicht gut.
Die Suppe war gegessen und die Schüssel bekam plötzlich Flügel und segelte in die Küche zum Abwasch.
"Entschuldigen Sie bitte die Direktheit von Davis und Murphy", sagte eine bekannte Stimme hinter mir. Ich runzelte die Stirn und drehte mich um. Aus dem Schatten der Eingangstür des Lokals trat der Leiter der Aurorenzentrale höchst persönlich hervor, Harry Potter.
"Oh, Sir! Es ist schön Sie hier zu sehen, Mister Potter. Unterwegs zur Winkelgasse?", fragte ich, während ich mich erhob, um dem Mann im braunen Anzug zu begrüßen. Auch Misses Longbottom schenkte ihm ein kurzes Lächeln, worauf sie ihm mit "Das übliche, Harry?" ein kurzes Nicken entlockte.
"Nein, ehrlich gesagt bin ich hier, um Sie zu treffen. Verzeihen Sie mir bitte, dass ich mich nicht angekündigt hatte", sagte er und setzte sich an den Tiscch, an dem ich zuvor gesessen hatte. "Nun, ich hörte, die beiden waren nicht sonderlich angetan von Ihren Antworten ... und das an Ihrem Geburtstag." Er reichte mir kurz lächelnd die Hand und fuhr dann fort: "Ich wünsche Ihnen alles Gute. Nun, die Umstände haben wirklich einen tiefen Eindruck im Land hinterlassen."
Ich bedankte mich lächelnd bei dem Mann und antwortete daraufhin: "Weiß man schon etwas genaueres?" Ich schaute dabei durch den Speisesaal, als ob die Antwort an irgendeinem der Tische sitzen würde. Doch im Salon war sonst niemand außer einem kahlköpfigen Zauberer, der in der Ecke ein Spiegelei aß.
"Nur, dass es kein Unfall war. Dieser Mann ist auf eine wirklich außergewöhnliche Art und Weise gestorben. Ich habe soetwas noch nie gesehen. Es schien so, als ob alle seine Organe auf einmal herausgerissen wurden. Dass Davis und Murphy nun zu Ihnen gekommen waren, ist logisch, finden Sie nicht?"
"Sie meinen, weil ich zufällig in der selben Abteilung gearbeitet habe? Tatsächlich habe ich Mister Barkley kaum gekannt, auch wenn wir nicht viele Mitarbeiter waren. Aber Barkley war wirklich oft im Außendienst."
"Ja, einer von vielen, die so oft durch die Zeit gereist sind, aber einer der wenigen, die noch übrig waren", sagte Mister Potter, und griff nach dem Krug voller Butterbier, welcher gerade angeflattert kam. "Witzig diese Dinger, nicht?" Er betrachtete den Becher mit seinen grauen Flügeln, welche sich nun beruhigt an den Rand schmiegten. "Hat Neville erfunden. Soll wohl an den Goldenen Schnatz erinnern." Mister Potter ließ den Becher wieder los und er drehte sich vergnügt in der Luft, als ob er gerade ein wichtiges Rennen gewonnen hätte.
"Wir hatten es schonmal mit einem Haufen Schwarzmagier zu tun, aber Voldemort ist nicht mehr länger da. Die Welt hat sich seitdem sehr verbessert. Aber nun kommt das!", sagte ich und betrachtete den fliegenden Becher, wie er weiter durch den Raum flog und sich den Gästen anbot.
"Das stimmt. Die Welt ist viel friedlicher geworden. Allerdings wird es immer jemanden wie Tom Riddle geben. Wie ich hörte sind Sie jetzt der neue Lehrer für Verteidigung gegen die dunklen Künste. Das freut mich. Ich habe schon oft darüber nachgedacht, diese Stelle anzunehmen, aber man kommt dadurch nicht oft nach Hause. Das ist für die Kinder etwas schwierig, vor allem wenn ein Kind noch zu Hause lebt, während die anderen schon in der Schule sind." Ich nickte etwas gedankenverloren und starrte auf einen der Tische. Mister Potter war folgte meinem Blick, der allerdings vollkommen ins Leere führte. "Haben Sie schonmal eine Klasse geleitet?", fragte er mich.
Ich schüttelte den Kopf und dachte, er würde mir einige Tipps geben wie ich die Schüler am besten an die Verteidigungskünste bringen konnte, doch ich lag falsch, denn mit einem Blick, der sagte: "Sie schaffen das schon" stand er auf und rückte seinen Anzug zurecht. "Verzeihen Sie mir, aber ich muss leider wieder zurück ins Ministerium. Ich bin mir sicher, Sie werden einen ausgezeichneten Job machen, Mister Caldwell." Er reichte mir die Hand, die ich, nachdem ich mich ebenfalls erhoben hatte, drückte. "Ich wünsche Ihnen alles Gute."
"Danke, Sir. Ich wünsche Ihnen das ebenfalls", erwiderte ich und Mister Potter wandte sich in Richtung Tür.
Ich wollte mich gerade aufrichten, um mir etwas die Beine zu vertreten, als eine hellbraune Schleiereule durch ein offenes Fenster geflattert kam und mir ein Päckchen zufallen ließ, welches ich gerade noch fangen konnte, bevor es dem kahlköpfigen Zauberer direkt ins Gesicht fiel. Dieser lächelte nur verschmitzt und ging durch die Tür nach draußen. Neugierig auf den Inhalt öffnete ich das Päckchen und sofort fiel ein Brief heraus, den ich aufsammelte, öffnete und gespannt las:

Lieber Sam,

erstmal, einen fröhlichen Geburtstag. Ich hoffe du genießt ihn und langweilst dich nicht allzu sehr. Bitte verzeih mir, dass ich nicht früher geschrieben habe. Hatte sehr viel um die Ohren und musste haufenweise Überstunden schieben. Ich hoffe, dir geht es gut. Aber ich glaube schon, oder? Immerhin hast du jetzt endlich die Stelle in Hogwarts bekommen. Schade, dass es nicht Geschichte der Zauberei war. Aber immerhin ... Glückwunsch! Meine Schwester feiert am 16. Oktober ihren 30. Geburtstag. Hast du Lust zu kommen? Du bist herzlich eingeladen. Wir feiern allerdings in Innsbruck. Du weißt ja, wegen ihres Ehemanns. Du musst allerdings deinen Besen nehmen, aber ich glaube, dass du das ja schon weißt. Durch den Kamin in ein anderes Land zu reisen ist nicht und apparieren ... naja ... die weiteste Strecke, die ich mal appariert bin ... das waren so 400 Kilometer und ich war erstaunt, dass ich mich nicht übergeben hatte. Du weißt ja ... ein weiterer Kilometer und ein Happen weniger vorher essen. Ach ja ... mach dir um Geschenke keine Sorgen. Sie weiß, dass du direkt aus Hogwarts kommst. Aber das hielt mich trotzdem nicht davon ab dir etwas zu schenken. Ich hoffe es gefällt dir und du kannst damit etwas anfangen. Also dann ...

Eins, zwei, drei ... Drachenei

Bis später

Pierre


Grinsend legte ich den Brief zur Seite und schlitzte das Päckchen mit dem Zauberstab vorsichtig auf. Es war kein sonderlich großes Päckchen, doch der Inhalt erstaunte mich sehr. Es waren fünf kleine Runensteine, wobei ich allerdings keine dieser Runen zuordnen konnte. Zugegeben, es war schon eine Zeitlang her, dass ich Alte Runen, eines der Wahlfächer in Hogwarts, besucht hatte. Doch ich erinnerte mich keineswegs an diese Runen. Die Steine waren sehr fein geschliffen, rechteckig und kaum fünf Zentimeter lang. Normalerweise hatten solche Runen magische Fähigkeiten, doch schon bekannte Runen konnte man manchmal gar nicht richtig magisch zuordnen. Bei diesen hier dürfte es wohl unmöglich sein ihre magischen Kräfte zu offenbaren. In mir regte sich etwas. Ich bewunderte diese Steine und fragte mich, ob es irgendwelche Aufzeichnungen darüber gab.
'Pierre hat mir etwas zum Grübeln geschenkt', dachte ich und lächelte. 'Ausgezeichnet!'
Wenig später folgten noch weitere Eulen mit Briefen und Paketen. Meine Mutter schickte mir einen Roman über drei junge Zauberer aus den USA, die eine Reihe sehr spannende Abenteuer erlebten. Dabei lag noch ein Brief, in dem sie Schrieb, dass sie sich sehr über meine neue Stelle freue und dass sie es mir gleichtäte und mit meinem Vater eine Weltreise unternehme. Nachdem ich geendet hatte musste ich tatsächlich an meine lange Reise denken, die ich nach meinem Abschluss in Hogwarts unternommen hatte. Ich hatte mich dazu entschieden etwas Erfahrung zu sammeln, bevor ich meine Ausbildung zum Auroren angreteten hatte.
Die Eule, die das Paket meiner Mutter gebracht hatte, hatte allerdings noch ein weiteres Paket da gelassen. Ich ahnte bereits, dass dieses wohl von meinem Vater kommen würde, und ich hatte Recht, als ich das Paket öffnete. Ein ganzer Stapel von rund eintausend Fotos sprang mir durch das Nachlassen des Drucks des aufgeschlitzten Pakets entgegen. Es war, als ob mein Vater kein größeres Paket gefunden hatte, denn dieses war offensichtlich zu klein für alle Fotos. Aber so wie er eben war mussten ausnahmslos alle in das Paket. Mein Herz machte einen kleinen Hüpfer. Mama und Papa sahen sehr glücklich aus. Die Bilder bewegten sich nicht. Ich dachte mir schon, dass sie mit Papas alter Kamera aufgenommen wurden. Es war seine große Leidenschaft Fotos mit alten Geräten zu schießen. Es schien so, dass sie auf den ersten Fotos in Lateinamerika oder in Asien waren. Die Berge schienen sehr hoch zu sein und ab und an war eine Wüste zu erkennen. Schließlich war eines der Bilder auf der Rückseite beschriftet. Lieben Gruß vom Aconcagua, 28.07.2017. Sie schienen wirklich ganz oben auf der Spitze zu sein. Es war ein strahlendblauer Himmel und beide lächelnden überglücklich in die Kamera. Mein Vater, Jacob, war ein kleinerer, rundlicher, dunkelblonder Mann mit vollem Haar und einem Schnauzbart, der sich seinem immer freundlichen Gesicht vollständig anpasste und das Lächeln nur noch verstärkte. Meine Mutter hingegen, Chrysanta, war recht dünn, hochgewachsen mit hohen Wangenknochen und vollem, schwarzem Haar. Ihr Lächeln war nicht minder ausdrucksstark und in ihren Augen offenbarte sich ein Ausdruck vollkommener Abenteuerlust. Ich hatte schon geahnt, als ich das Bild betrachtete, dass sie meinen Vater gezwungen hatte den Gipfel zu besteigen. Solche halsbrecherischen Aktionen hatte sie am liebsten, und noch viel mehr, wenn sie diese ohne Zauberei durchführte. Allerdings war ich mir nicht sicher wie sie es geschafft hatte sich selbst und meinen Vater ohne Zauberei auf den Gipfel zu befördern. Mein Vater war nie ein sonderlich guter Sportler wie meine Mutter. Bei Bergbesteigungen hatte er immer den Sessellift vorgezogen. Doch gab es dort gar keinen.
Mit dem Vorsatz die restlichen Bilder später durchzusehen verband ich sie mit einem dünnen Seil, welches ich aus meinem Zauberstab schlängeln ließ und packte sie in meinen Rucksack. Nach diesen tollen Geschenken begab ich mich wieder auf mein Zimmer und legte mich schlafen.

Es war ein winziges Kratzen, was meine Aufmerksamkeit weckte und meine Augen öffnete. Obwohl ich noch sehr müde war, konnte ich die Augen nicht mehr schließen. 'War wohl nur eine Maus', dachte ich und versuchte meine Augen wieder zu schließen, doch das Kratzen ließ das nicht zu. Es war zu leise um etwas genaueres zu erraten, aber zu laut um weiterzuschlafen. Ich griff nach meinem Zauberstab und murmelte verträumt Lumos. An der Spitze des Zauberstabs erschien im gleichen Moment eine weiße Lichtkugel, die ausreichte um den Raum genügend zu beleuchten. Es war ein sehr unangenehmes Licht. Meine Augen konnten sich gar nicht daran gewöhnen, weshalb ich flüchtig und mit halb zugekniffenen Augen nach der Maus umsah. Mittlerweile glaubte ich fest daran, dass es eine Maus war, denn etwas größeres oder gefährlicheres hätte ich mit meiner Müdigkeit nie bekämpfen können, selbst wenn es sich um eine streunende Katz gehandelt hätte. Ein flüchtiger Blick auf meine Uhr, die auf dem Nachtisch lag, zeigte mir 03:49. Fast schon benebelt durch diese Erkenntnis wollte ich wieder zurück ins Bett sinken, um meinen Schlaf fortzusetzen, doch das Kratzen verwandelte sich umgehend in ein Hämmern. Erschrocken erleuchtete ich den Raum erneut und flüsterte Homenum Revelio. Nichts geschah. Keine schwarze Schatten erschienen in diesem Raum. Ich konnte durch die Wände andere Schatten erblicken, die anscheinend in ihren Betten schliefen. Aber in meinem Raum war ich alleine. Erneut war ein Hämmern zu hören, doch ich erkannte durch meine neugewonnene Konzentration, dass es ein Hämmern gegen das Fensterglas war. Ich schnellte herum und erblickte eine kleine Gestalt, die draußen auf dem Fenstersims sah. Ich schritt langsam auf das Fenster zu und erkannte eine Schleiereule, die anscheinend einen Brief im Schnabel hielt.
Erleichtert atmete ich auf und öffnete das Fenster mit einem Schwenk meines Zauberstabs und die Eule flatterte gemütlich herein und machte sich auf meinem Bett bequem.
Ich begrüßte sie, indem ich mit der Hand über ihren Kopf fuhr und ihr dabei den Brief entnahm.

Sehr geehrter Mister Caldwell,

wie alle anderen Neuzugänge in unserem Kollegium möchte ich Sie bitten sich am Freitag, den 25. August 2017, in Hogwarts einzufinden. Sie erscheinen eine Woche früher als die Schüler, damit wir Sie mit den Pflichten, Aufgaben und Rechten eines Lehrers der Hogwarts-Schule für Hexerei und Zauberei vertraut machen können. Wie Ihnen bekannt sein dürfte, ist das Apparieren auf das Schulgelände nicht möglich, weshalb Sie eine andere Anreisemöglichkeit in Erwägung ziehen sollten.
Wir haben die Bücher, die Sie empfohlen haben geprüft und sie den Bücherlisten der Schüler hinzugefügt.

In der Hoffnung, dass Sie wohlauf sind,

M. McGonagall, Schulleiterin der Hogwartsschule für Hexerei und Zauberei


In mir breitete sich ein flaues Gefühl aus. Immerhin war es fast so weit in die Schule zurückzukehren. Ich war seit meinem Abschluss, den ich nach der Schlacht um das Schloss nachgeholt hatte, nicht mehr da gewesen. Doch nun war alles anders. Keine Bedrohung, kein Leben in Angst. Das einzige, was mir noch Sorgen bereitete, war, dass ich keinerlei Erfahrung hatte eine Klasse zu führen. Die Schülerzahl hatte sich seit dem Ende der zweiten Schreckensherrschaft fast verdoppelt, sodass tatsächlich ein paar mehr Lehrer eingestellt werden mussten, allerdings blieb der Posten für die Verteidigung gegen die dunklen Künste unberührt. Die einzigen Leute, die sich in den letzten Jahren für diese Stelle beworben hatten, waren hauptsächlich Auroren, die allerdings nach mehr oder weniger kurzer Zeit die Schule wieder verlassen hatten, um wieder im Ministerium arbeiten zu können. Es erforderte sicherlich einiges an Leidenschaft Schülern solche Dinge beizubringen. Viele waren allerdings nur darauf aus gewesen nicht arbeitslos auf der Straße zu landen, denn nach dem starken Rückgang der Kriminalität im Land ging auch die Notwendigkeit einer großen Anzahl an Auroren stark zurück. Ich konnte mich also damit trösten, dass ich nicht der einzige gewesen war, der auf die Straße gesetzt wurde.
Da saß ich nun auf der Bettkante und grübelte über die Zukunft nach. Das hatte ich mir in irgendeiner Weise angewöhnt, wenn ich nachts aufwachte. Für mich war es der schnellste Weg wieder einzuschlafen, doch dieses Mal klappte es nicht sonderlich gut. Es lag wahrscheinlich an McGonagalls Eule, die neben mir saß und mich mit ihren Augen anstarrte. Somit entschied ich mich der Schulleiterin sofort eine Antwort zuzusenden.
Nachdem ich die Eule mit einem Knut bezahlt und den Brief, in dem stand, dass ich der Anweisung Folge leisten würde, in ihren Schnal gesteckt hatte, versuchte ich mich erneut hinzulegen, doch es erschien mir unmöglich weiterzuschlafen. Die Sonne war bereits aufgegangen und beleuchtete mit ihren goldenen Strahlen mein Zimmer.


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 Betreff des Beitrags: Re: Das Spiel der Zeit
Verfasst: Sa 12. Mai 2018, 08:02 
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Irrlicht
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Tagebucheintrag des 25. August 2017, Zum Tropfenden Kessel: Es war nun mein letzter Tag in der gemütlichen Absteige. Die Vorfreude war mit einer ordentlichen Portion Skepsis gefüllt, denn ich konnte nur erahnen welche Anforderungen ich erfüllen musste. Und dabei hoffte ich nicht, dass meine letzten Misserfolge im Ministerium Eindruck hinterlassen haben.

Mit einem Schlenker meines Zauberstabs räumten sich die letzten Bücher wie von selbst hinein. Ich griff nach meinem Mantel, den ich auf den Koffer legte und mit Seilen aus meinem Zauberstab an ihm befestigte, und ging runter in den Speisesaal, wo schon Misses Longbottom das Frühstück vorbereitete. Er begrüßte mich mit einem "Na Sie sind ja früh wach" und bevor ich antworten konnte begab er sich sofort in die Küche, um eben ein Spiegelei zuzubereiten. Vollkommen müde setzte ich mich an einen der Tische und versuchte nicht wieder einzuschlafen. Die Schulleiterin hatte keine genaue Uhrzeit angegeben, aber ich dachte, dass es besser wäre früher als später zu erscheinen. Somit hatte ich auch den Fahrenden Ritter bestellt, der schon in einer halben Stunde kommen sollte.
Fünf Minuten später kehrte Misses Longbottom zurück und servierte mir das Ei, welches ich in mehr oder weniger drei Bissen herunterschluckte, um in Ruhe nochmal über meine bevorstehende Zeit nachzudenken.
Warum war ich so nervös? Es gab überhaupt gar keinen Grund die Nerven zu verlieren. Ich hatte einen guten Job im Ministerium gemacht. Ich hatte die meisten UTZs mit den Bestnoten abgelegt. Ich hatte mich mehrere Male mit Schwarzmagiern duelliert und war dabei mehr oder weniger glimpflich davongekommen. Aber nach Hogwarts gingen bloß Schüler, und keine Drachen oder Bergtrolle. Irgendwas bereitete mir ziemliche Kopfschmerzen.


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