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 Betreff des Beitrags: Das Spiel der Zeit
Verfasst: Mo 23. Okt 2017, 21:13 
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Irrlicht
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Das Spiel der Zeit

1. Ein ganz normaler Arbeitstag

Es war ein ganz normaler Tag. Zumindest war er vollkommen normal für mich, denn für andere will ich nicht sprechen. Auch damals schon kümmerte ich mich um meine eigenen Angelegenheiten. Beruflich war ich oft damit beschäftigt die Fehler anderer auszubügeln, aber meine morgentliche Routine konnte mir keiner nehmen. Wie jeden Morgen betrat ich ein Café im Herzen Londons, um mir ein Mozzarrella-Tomaten-Brötchen mit Kakao zu genehmigen, bevor ich meine Arbeit antreten würde. Ich weiß, meine Geschichte klingt an der Stelle etwas eintönig, doch will ich sie etwas aufpeppeln. Schließlich sollte es hier nicht um ein gesichtsloses, an einem Namen mangelndes und vollkommen routinegesteuertes Großstadtzahnrad gehen. Nein, jede Geschichte verdient mindestens eine Hauptfigur. Da es mir an Hintergrundinformationen und feinen, aber wichtigen, Details anderer Menschen mangelt, erzähle ich einfach meine Geschichte. Um mich eben vorzustellen: Ich bin Samuel Caldwell, ein großgewachsener Mann mit vollem Bart und einem langen, mageren, aber sehr freundlichen Gesicht. Zumindest hatte man mir das ab und zu mal gesagt. Zusammen mit meinem struppeligen Haar, welches mir über die Ohren wächst, erfüllte ich mit meiner heruntergekommenen Jacke und einem alten Karohemd nicht gerade das Klischee eines Ministeriumsbeamten, der ich allerdings tatsächlich damals war. Die Leute musterten mich im Vorbeigehen und einige Blicke waren wohl so zu deuten, dass sie sofort an einen Landstreicher dachten, wenn sie mich sahen. Doch hinter dem groben Gewand zeichnete sich eine Geschichte ab. Eine Geschichte, die ein anderer Mensch niemals sich hätte im Traum vorstellen können. Es war eine Geschichte, würde man sie einem Menschen, wie der Kellnerin des Cafés, erzählen, hätte sie den Notruf schneller gewählt, als dass man seinen Kakao in Ruhe hätte austrinken können. Denn ich unterschied mich sehr von manch einem anderen Bewohner Londons. So kam es vor, dass, wenn ich Gäste zu mir nach Hause lud, die Kaffeekanne sich erst gar nicht richtig entleerte. Einmal, als Felicia McDowell, eine alte Freundin meiner Mutter, mich besucht hatte, hatte sie feststellen müssen, dass die Tomatensuppe, die sie über das Sofa gekippt hatte, vollkommen verschwunden war. Es war nicht ein Fleck übriggeblieben. Und dabei war es doch gerade einmal zwei Tage her gewesen.
"Die Reinigung musst du mir mal zeigen, Sam. Ich bestehe darauf!", hatte sie eines Tages gesagt, als sie mich wieder besucht hatte und festgestellt hatte, dass sie das nicht geträumt hatte. Doch ich erklärte ihr nie, wie ich es auf solch mysteriöse Weise geschafft hatte einen Fleck aus einem alten Sofa zu entfernen so schnell zu entfernen, oder wie ich einen scheinbar unendlichen Vorrat an Kaffee hatte, oder dass ich es bereits mehrmals geschafft hatte zu Geburtstagen und Hochzeiten in Schottland zu kommen, obwohl ich zwei Stunden zuvor noch in London arbeiten war. Nichtmal das Auto, welches ich schon seit Jahren fuhr, hatte einmal in die Werkstatt gemusst.
Doch ich hatte ein Geheimnis. Ich wollte dieses natürlich nicht ausplaudern. Es war ein Geheimnis, welches ich mit meiner Mutter teilte. Sie war eine Frau, genauso wie ich, geheimniskrämerisch, und vor allem ... anders. Doch sie konnte ihre Tricks sehr gut verbergen, sodass Felicia bloß auf mich aufmerksam geworden war. Aber das störte mich nicht. Ich war nämlich ein Zauberer. Meine Mutter, Misses Chrysanta Caldwell, war eine Hexe, und zwar dazu noch eine sehr gute. Nur mein Vater konnte keinen Tomatensuppenfleck mit einem Schwenk des Zauberstabs entfernen, oder heruntergefallene Teetassen reparieren, sodass sie sogar noch unbenutzter aussahen als vorher. Er war das, was die Zauberergemeinschaft als Muggel bezeichnete - ein Mensch ohne irgendwelche magischen Fähigkeiten. Doch obwohl die Zauberergemeinschaft im Verborgenen lebte und alle ihre magischen Kräfte vor den Muggeln geheimhalten musste, gab es dennoch einige, die von dieser Welt wussten, und zu dehnen gehörte eben auch Mister Jacob Caldwell.
"Darf ich?", fragte die Kellnerin und deutete auf den Rest meines Brötchens. Ich schreckte hoch und sah der Frau in die Augen. Meine Gedanken waren wohl entgleist und ich hatte vollkommen vergessen etwas zu essen. Ich schüttelte kurz angebunden den Kopf und die Kellnerin antwortete mit einem sehr knappen Lächeln, welches wohl hätte freundlich wirken sollen.
Ich hatte kurz den Faden verloren. Ich blickte erneut auf den Punkt irgendwo auf der anderen Seite der Straße, in der Hoffnung meinen Gedanken wiederzufinden.
Leicht betrübt griff ich in meine Tasche und holte eine Zeitung hervor. Im Vergleich zur Zaubererzeitung, dem Tagespropheten, konnten sich die Bilder in dieser nicht bewegen. Tatsächlich wäre es für jemanden, der keine Ahnung von der Zaubererwelt hatte, sehr merkwürdig gewesen, wenn die Politiker und Sportler in ihren Zeitungen ihnen zuwinken oder mürrische Blicke zuwerfen würden. Aber die Fotos dieser Zeitung bewegten sich nicht, allerdings berichteten sie über ein Ereignis aus der Zaubererwelt. Es ging um einen Mord an einem Ministeriumsmitarbeiter.
Ein jeder Mensch hat eine Geschichte zu erzählen, und meine begann an jenem sonnigen, aber kühlen Tag in genau diesem Café. Um genauer zu sein war es der 14. Juni 2017. Doch wie genau sich meine Geschichte entwickeln würde, wusste ich selbst noch nicht. Ich wusste nur, dass ich zu spät zu Arbeit kommen würde, wenn ich nicht das Café in ein paar Minuten verlassen würde. Nachdem ich meinen Kakao geleert hatte, den ich anschließend mit einer Fünf-Pfund-Note bezahlt hatte, und das Tagesblatt wieder in meine Tasche gleiten gelassen hatte, machte ich mich direkt auf den Weg. Ich kam nicht zu spät, denn diese Prozedur vollzog ich jeden Tag. Es war bereits fünf vor neun Uhr und ich bewegte mich mit gleichmäßigem Schritt auf die öffentliche Toilette im Londoner Zentrum zu. Ich wartete bis mein Vorgänger das Klo benutzt hatte und trat schließlich ein. Nur setzte ich mich nicht auf den Klodeckel, sondern stieg mit beiden Füßen mitten in die Schüssel. Ich mochte diese Art zu reisen überhaupt nicht, doch es war sicher und ging sehr schnell. Meine Füße wurden zwar keineswegs vom Klowasser benetzt, dennoch bewirkte es in mir ein leichtes Schauergefühl. Ich betätigte die Klospülung und nun wurde ich durch den Abfluss gesogen, sodass ich mich schließlich in einem riesigen, langen Atrium befand. Etwa hundert Kamine waren an beiden Wänden der Länge nach angebracht und aus einem dieser Kamine war ich gerade gestiegen.
Der Boden des Atriums war mit einem dunkel polierten Pakett ausgestattet und die dunkelblaue Decke und die überall platzierten Goldverzierungen versetzten dem Bauwerk ein außerordentlich edles Ambiente.
"Guten Morgen, Sam", sagte plötzlich ein Zauberer, der hinter mir auftauchte, nachdem der, wie die meisten anderen, mittels einer grünen Stichflamme plötzlich im Nachbarkamin aufgetaucht war. Und tatsächlich tauchten hunderte Zauberer und Hexen aus diesen Kaminen auf, um zur Arbeit zu gehen, ministerielle Termine zu erreichen oder um sich geschäftlich mit anderen zu treffen. Es war durchaus voller, als auf einem Wochenendmarkt. Die Leute huschten eilig vorbei, um rechtzeitig ihre Büros zu erreichen. Teilweise konnte man sogar ausländische Hexen und Zauberer hören, die verzweifelt versuchten sich mit den Briten zu unterhalten. Und einer dieser ausländischen Zauberer war Pierre Auber, der allerdings hervorragend Englisch sprach. Und genau dieser hatte mich gerade abgefangen.
"Ohh, Pierre! Schön dich zu sehen. Du hast mir einen schönen Schrecken eingejagt", antwortete ich matt und versuchte meine Gänsehaut abzuschütteln.
"Das tut mir Leid. War keine Absicht", antwortete er lächelnd und reichte mir die Hand, die ich sofort drückte. Pierre war ein kleiner Mann mit schulterlangen Haaren und einem dunkelbraunen Anzug. Er stammte aus Frankreich und arbeitete im britischen Zaubereiministerium als Verbindungsmann zu französischen Auroren; das waren Zauberer, die im Ministerium die investigative Aufgabe hatten schwarze Magier zu fangen und einzusperren. Zu dieser Truppe gehörte auch ich, wobei sich meine Abteilung mit anderen Problemfällen auseinandersetzte ... beziehungsweise ... auseinandergesetzt hatte. Schließlich wurde sie eines Tages geschlossen. Pierre war ein sehr vorschriftentreuer Mann, der viel Wert auf Pünktlichkeit und genaue Ausführung der Protokolle legte.
Am Lift angekommen, der uns ins zweite Stockwerk bringen sollte, wandte er sich mit verschwörerischer Stimme an mich: "Ich habe von dem gehört, was gestern passiert ist. Ich glaube, Barnaby wird dir den Schädel einschlagen."
"Ich weiß, ich weiß. Ich hätte vorher mit dir darüber beraten sollen, aber es blieb keine Zeit mehr. Ich konnte dich gestern gar nicht mehr finden, nachdem du nach Paris gereist warst. Ich hatte keine Ahnung, dass du wieder da warst", erwiderte ich und schaute ihn mit gesenktem Kopf an.
"Ich mache dir keinen Vorwurf. Aber Barnaby wird dir mit Sicherheit einen machen. Es geht nur darum dich fertig zu machen."
Ich konnte die laute und gröhlende Stimme meines unbeliebten Vorgesetzten schon hören. Aber was hätte man tun sollen? Rein gar nichts? Trolle waren keine Kuscheltiere! Ich hatte keine Ahnung, dass es sich bei dem Troll um das Haustier des berüchtigten und verschwundenen Meister Eckhardt handelte, der vor einiger Zeit in Osteuropa untergetaucht war. Wären es eventuell ehemalige Todesser gewesen, hätte Barnaby einen Grund gehabt mich zu tadeln ... oder gar rauszuwerfen. Aber verschwundene Besen und Kessel aus einem Dorf ... das war normalerweise nicht das Werk von Schwerkriminellen, zumal es rein gewöhnliche Besen waren, von denen nur einer fliegen konnten. Ich hatte den Krempel in einer Höhle gefunden, zusammen mit Meister Eckhardt und seinem Haustier, das die Besen als Feuerholz benutzte um Suppe in dem geklauten Kessel zu kochen. Er hatte es tatsächlich geschafft ihm das Sprechen und Kochen beizubringen. Aber das würde Barnaby kein Stück interessieren.
Pierre schien meinen Gedankengang lesen zu können und klopfte mir freundschaftlich auf die Schulter. "Wir sehen uns dann später, Sam", sagte er und verließ den Fahrstuhl mit mir und ein paar anderen auf der zweiten Etage, nur dass er in sein Büro spazierte und ich mich in das Büro des Abteilungsleiters bewegte, wobei meine Schritte immer träger wurden je näher ich dem Büro kam. Ich ging vorbei an einigen anderen Büros höhergestellter Auroren, unter anderem an dem des Leiters der Aurorenzentrale, welcher Harry Potter war, der, der einst den dunklen Lord Voldemort besiegt hatte und deshalb alle ehemaligen Todesser, also Voldemorts Anhänger, sich im Land verteilt hatten. Es war nun bedeutend schwieriger diese zu finden und dingfest zu machen. Aber gut. Die Gefahr war gebannt, das Land, oder eher die ganze Welt, wieder sicherer. Was gab es nun zu tun? Todesser aufspüren? Das war die Aufgabe von höher dekorierten Mitarbeitern, wie etwa dem berühmten und allzeit schmierigen Auroren Eduard Barkley, der nicht nur all seinen untergebenen Kollegen gehörig auf den Geist ging, sondern der auch noch das Schoßhündchen Barnabys war. Meine Wenigkeit befasste sich mit den eher kleineren Aufgaben, zum Beispiel mit dem Aufspüren von verschwundenen Besen und der Überprüfung von ausländischen Zauberern und Hexen in der Winkelgasse. Meine eigentliche Tätigkeit hatte sofort an Bedeutung verloren, als Barnaby das erste Mal sein neues Büro von innen betrachtet hatte. Ursprünglich war ich Auror in der Abteilung Temporale Ermittlungen gewesen. Es war eine unglaublich spannende Arbeit. Die Zeit hatte mich schon immer sehr fasziniert, weil sie die einzige unerschöpfliche Macht im Universum war. Mein Büro war gefüllt mit Büchern über die Geschichte der Zaubererwelt und der Muggelwelt. Meine Aufgabe hatte darin bestanden Anomalien in der Geschichte aufzuspüren und zu überprüfen, gegebenenfalls dorthin zu reisen und die Geschichte wieder gerade zu rücken. Aber meine Abteilung wurde schlicht aufgelöst, und obwohl wir ursprünglich schon unterbesetzt waren, war es ein noch viel größerer Hieb gewesen, als Barnaby unsere Abteilung als reinste "Zeitverschwendung" betitelte. Ein toller Wortwirtz.
Es war tatsächlich nicht oft vorgekommen, dass ich durch die Zeit reisen musste. Um genau zu sein, hatte ich das erst einmal getan. Es hatte mich in das Jahr 1926 verschlagen. Meine Aufgabe bestand darin einen Zauberer aufzuspüren, der den berühmten Autor Newt Scamander umbringen wollte. Seine Motive waren nicht ganz klar gewesen, allerdings hätte der Mord zu schwerwiegenden Fehlern in der Geschichte geführt.
Und nun wurden die einzigen Mitarbeiter dieser Abteilung in andere Bereiche versetzt, daher blieb die Geschichte nun vollkommen schutzlos. Es hatte ursprünglich eine ganze Menge Mitarbeiter in dieser Abteilung gegeben, diese waren allerdings verschwunden. Nachdem sie in die Vergangenheit geschickt wurden, waren sie nie wiedergekehrt. Im besten Fall hatten sie sich mit der Kalkulation in der Rükreise verschätzt und kommen irgendwann in der Zukunft wieder, oder im schlimmsten Fall waren sie einfach umgekommen. Dieses Ereignis hatte unserer Abteilung das Genick gebrochen.
Schließlich erreichte ich eine dicke Eichentür mit der Aufschrift B. Barnaby - Abteilungsleiter.

"Caldwell!", hörte ich seine aggressive Stimme bereits, als ich Barnabys Büro betrat. "Noch nie in meinem Leben habe ich einen solch schlechten Bericht gelesen! Sie sind ohne Verstärkung in die Höhle des Verdächtigen gekrochen und haben anschließend diesen verfluchten Eckardt nicht festgenommen?!"
"Der Troll stellte keinerlei Gefahr dar. Und Eckardt hatte ihn ..."
"HALTEN SIE DIE KLAPPE!!!", brüllte er erneut in meine Richtung und warf mir meinen Bericht zu Füßen. "Sie können froh sein, dass zur Zeit Personalmangel in der Aurorenzentrale herrscht, sonst würden Sie ganz schnell auf der Straße sitzen! Immerhin sind Sie der Grund, weshalb hier Mangel herrscht! Temporale Ermittlungen! So ein Quatsch! Wenn es nach mir ginge würden Sie für den Rest Ihres Lebens als Stundenglas verbringen! Wenn Sie sich soetwas noch einmal erlauben, werden Sie Taschendiebstähle in der Winkelgasse aufklären! Haben Sie mich verstanden?"
Ich seufzte laut und wollte gerade antworten, als sich die Tür öffnete und jemand hereinschritt, dessen Duftwolke ich auf einer Meile riechen würde.
"Sie wollten mich sehen, Sir?" Es war Barkley. Ich spürte schon Bemerkung seinerseits auflodern, doch diesmal blieben sie wohl aus. Vor lauter Verwunderung blickte ich über die Schulter und erkannte sein Gesicht. Doch es schien anders zu sein als sonst. Sonst hatte man seinen dicken und breiten Schnurbart, dr ihm fast an die Ohren gewachsen war, flattern sehen. Sonst war er immer mit einem zufriedenen und hochnäsigen Lächeln unterwegs. Und sonst machte er keine trübe Miene, wie er sie gerade hatte. Jeder Fremder hätte diesen Gesichtsausdruck nicht sonderlich bemerkenswert oder merkwürdig gefunden, allerdings würden die Leute, die ihn kannten, ihm sicherlich noch mehr misstrauen. Und am aller merkwürdigsten war es noch, dass Barkley mir kurz zugenickt hatte, als er meinen verwunderten Blick auffing. Ich nickte kurz zurück und wollte zum Gehen ansetzen, als Barnaby schließlich überflüssigerweise sagte: "Was tun Sie noch hier? Sie können gehen!"

Archäologie der ersten Zauberergemeinschaften. Ein tolles Buch. Zauberer und Hexen waren schon in der Bronzezeit mächtige Zeitgenossen, obwohl sie sich bloß auf das brauen von Tränken beschränkt hatten.
Es wunderte mich kein bisschen, dass Barnaby nicht zufrieden war. Es war der vierte Auftrag nach der Schließung der Abteilung und es sollte hoffentlich auch nicht der letzte sein. Allerdings hatte ich bereits überlegt mich selbstständig zu machen, oder zumindest in einem anderen Land zu arbeiten. Aber für Selbstständigkeit fehlte mir die nötige Lizenz und das nötige Geld. Die Zaubereiministerin, Hermine Granger, die vor einigen Jahren erneut wurde; würde es wohl kaum zulassen, wenn einer ihrer Zauberer im Alleingang mit der Zeit spielen würde. Das käme ihm nie in den Sinn. Aber so war es nun. Durch die Zeit reisen werde ich wohl in Zukunft nicht mehr so häufig.


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Verfasst: Mi 25. Okt 2017, 04:07 
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Irrlicht
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Mir fiel mein Gesicht fast auf den Tisch, als ich einfach in die Leere schaute. Meine Gedanken kreisten hin und her und ich hatte keine Möglichkeit mich zu konzentrieren. Ich wartete auf meine alte Schulkollegin, mit der ich schon lange Zeit befreundet war. Wann immer wir einen schlechten Tag erwischt hatten, hatten wir es immer wieder geschafft uns aufzurichten, doch diesmal reiste sie aus Moskau an, weshalb sich ihre Ankunft ein wenig verspätete. Sie kam mit dem Zug.
Ich beschloss mir ein wenig die Beine in der Winkelgasse zu vertreten und sagte der Wirtin Hannah, sie sollte Miranda Bescheid geben, wo sie mich finden konnte.
Die Winkelgasse hatte sich ziemlich verändert. Nach dem Tod Voldemorts war sie sogar zu neuer Blüte aufgestiegen. Neue Geschäfte hatten sich niedergelassen, einige alte hatten geschlossen. Es herrschte allerdings noch kein reges Treiben wie man es gewöhnt war, wenn die Schule begann. Die Familien würden erst in einem Monat beginnen massenweise hier durch strömen. Jetzt wurde die Gasse lediglich von einigen Anwohnern und auch Reisenden bevölkert.
Von all den Wundern hier interessierte mich vor allem Flourish and Blotts, die Zauberbuchhandlung, da sie neben den ganzen Schulbüchern auch einige Exemplare über die Geschichte verkaufte, die es sonst bloß in Hogwarts oder in der magischen Abteilung der Bibliothek des Trinity College in Irland gab. Doch bevor ich die Buchhandlung erreichte, schweifte mein Blick über die Fassade des Zauberstabladens Ollivanders.
Garrick, der Besitzer, saß hinter seinem Schreibtisch und las in einem Buch. Ich erinnerte mich ganz genau an den Tag, als ich zum ersten Mal einen Zauberstab bekam. Und diesen hatte ich noch immer. Ich griff in meinen Mantel, zog ihn hervor und ließ ihn ein paar Mal in meiner Hand wippen. Er hatte mich doch tatsächlich so lange begleitet. Ein sehr robuster und schöner Zauberstab, der, obwohl er recht gleichmäßig und schlicht erschien, dennoch elegant wirkte. Das Griffstück war eher ein wenig breiter als der vordere Abschnitt, lag aber wegen der symmetrischen Form hervorragend in der Hand. Es war fast so, als ob der Griff genau für meine Hand gedacht war. Er war nicht allzu lang, 13 ¾ Zoll, was ihn sehr handlich machte, und er bestand aus dunkler Zypresse und der seltenen Phönixfeder; eine wirklich gelungene Kombination. Mein Mantel hingegen hatte schon bessere Tage gesehen, was manch einen prüfenden und abfällig wirkenden Blick auf mich zog - selbst in der Winkelgasse. Aber darüber machte ich mir keine Sorgen.
Mein Blick schweifte weiter durch die Gasse und ich setzte meinen Spaziergang zur Buchhandlung fort.
Flourish and Blotts war ein staubiges, aber durchaus sehr gemütliches Geschäft. Die Bücher stapelten sich bis unter die Decke und es roch immer nach altem Pergament. Als ich als einziger Kunde den Laden betrat, klappte ein älterer Herr hinter der Theke sein Buch zu, musterte mich durch seine Lesebrille, die er sofort abnahm, um mich aus der Ferne zu betrachten, und lächelte.
"Mister Caldwell! Schön, dass Sie endlich da sind! Ich habe mich schon gefragt, wann Sie wieder hier auftauchen würden", sagte der Verkäufer und kam schnurstracks auf mich zugeschlichen, darauf achtend nicht über die Bücher auf dem Boden zu stolpern.
"Freut mich ebenfalls hier zu sein! Was haben Sie neues für mich?", fragte ich den Mann, der mir lächelnd eine Tasse Tee reichte.
"An Büchern leider gar nichts. Scheint wohl nix neues in der Vergangenheit zu geben", lachte er und setzte sich hinter seinen Schreibtisch.
"Es muss doch wenigstens eine Abhandlung oder einen Artikel über die letzten Jahre geben. Ich bin mir ziemlich sicher, dass das irgendjemand niedergeschrieben hat."
"Das erfahren Sie wohl aus dem Tagespropheten. Wir haben wirklich nichts." Es schien, als ob der Mann genauso enttäuscht darüber war wie ich. Er wandte sich einer kleinen Truhe zu, die auf seinem Schreibtisch lag. "Ich habe gestern eine Eule aus Hogwarts empfangen. Der Brief scheint für Sie zu sein."
Ich runzelte die Stirn, nahm den Brief entgegen und drängelte mich an den Leuten vorbei, die gerade hereingeschneit kamen, um mir einen Platz am Fenster zu suchen.

Sehr geehrter Mister Caldwell,

in Annahme, dass Sie wohlauf sind, schreibe ich Ihnen nun diesen Brief, um Ihnen mitteilen zu dürfen, dass wir Ihre Anfrage auf die Stelle des Lehrers für Verteidigung gegen die dunklen Künste überprüft haben und zu dem Entschluss gekommen sind, dass Sie die richtige Wahl sind. Herzlichen Glückwunsch!
Ihre gewünschte Stelle als Lehrer für Geschichte der Zauberei konnten wir Ihnen leider nicht geben, da sie nach wie vor noch von Professor Binns bekleidet wird.
Bitte schicken Sie uns eine Liste der Bücher, die Sie in den Unterrichtsstunden behandeln möchten. Denken Sie bitte daran, dass die Lektüre dem Niveau der Schüler entsprechen sollte.
Sie erhalten in den folgenden Tagen einen weiteren Brief, in dem wir Ihnen die Bestätigung der Bücher mitteilen.

Mit freundlichen Grüßen

M. McGonagall, Schulleiterin der Hogwartsschule für Hexerei und Zauberei

PS: Sagen Sie uns doch beim nächsten Mal bitte, wo Sie sich aufhalten. Ein Glück, dass Professor Slughorn Sie besonders gut kennt.


In mir tobte ein Feuersturm. Ich konnte mein Glück gar nicht fassen! Es war, als würde ein Kind an Weihnachten sein Lieblingsschaukelpferd geschenkt bekommen. Schmunzelnd steckte ich den Brief in meine Innentasche und nahm einen Schluck des Tees. Es war mir ein persönlicher Triumpf endlich eine Stelle gefunden zu haben, in der mir niemand mehr solche Aufgaben auf den Hals hetzte. Ich war froh endlich meine Kündigung dem Zaubereiministerium überreichen zu können. Mir persönlich hätte es eine noch größere Freude bereitet, wenn die Stelle im Fach Geschichte der Zauberei frei gewesen wäre, aber Professor Cuthbert Binns war ein sehr guter Lehrer, auch wenn er den Unterricht vielleicht etwas langweilig gestaltete. Auf eine freie Stelle in diesem Fach würde ich aber noch ziemlich lange warten müssen, denn Professor Binns würde sie nicht so leicht hergeben wollen. "Nicht in tausend Jahren", so seine Worte. Und das meinte er ernst, denn er war ein Geist, der eines Nachts gestorben war und am nächsten Tag wie gewohnt zum Unterricht gegangen war - nur eben ohne seinen Körper.
Doch ein jäher Gedanke riss mich aus meiner Freude und setzte mich in einen großen, leeren und dunklen Raum. Ich holte den Brief aus meiner Tasche und las erneut die letzten Zeilen des Briefs durch. Sie brauchten Büchervorschläge. Das bereitete mir Kopfschmerzen, denn ich hatte keine Ahnung wie ich diese Kinder unterrichten sollte. Plötzlich schoss mir durch den Kopf, dass ich diese Entscheidung, Lehrer an Hogwarts zu werden, vielleicht überstürzt getroffen hatte.
Ich öffnete meinen Rucksack, in dem sich das Lehrbuch zur Abwehr schwarzer Magier befand und kramte es heraus. Die anderen Bücher, die dagegen gelehnt waren kippten zur Seite, doch ein Ausdehnungszauber, den ich über den Rucksack gelegt hatte, sorgte dafür, dass die schweren Wälzer den Rucksack nicht zur Seite umkippen ließen, als ich ihn wieder auf den Boden legte.
Das gesamte Buch war gefüllt mit den verschiedensten Flüchen und Abwehrzaubern und den dazugehörigen Abbildungen und Beschreibungen. Es war eine relativ neue Ausgabe, die erst vor einigen Jahren erschienen war. Sie lehrte bereits Kniffe und Tricks, die ich während meiner Ausbildung zum Auroren gelernt hatte. War das das, was mir Sorgen bereitete? Ich hatte keine Ahnung, wo die Schüler mit dem Stoff waren. Die letzte Lehrerin für dieses Fach war zwar ganze dreizehn Jahre im Amt gewesen, doch dann entschloss sie sich für eine kurze Auszeit. Aber ich hatte keine Ahnung wie ich das deichseln könnte. Keine Notizen des Vorgängers, keine Anweisungen der Direktorin - noch nicht.
Ich blätterte durch die Seiten, in der Hoffnung etwas zu finden, was mir helfen könnte. Ich kannte die meisten Zaubersprüche bereits, allerdings musste ich welche aussuchen, die für Schüler geeignet waren. Dieses Buch war ein regelrechtes Regelwerk für alle Jahrgangsstufen und für jene Zauberer, die eine Aurorenausbildung anstrebten. Es beinhaltete eine fast schon globale Zusammenfassung über Kämpfe mit Schwarzmagiern, die auch in historischem Kontext gesetzt wurden. Geschichtliche Beispiele waren normalerweise die beste Möglichkeit sich auf gegenwärtige Probleme zu stürzen. Und da ging mir ein Licht auf.
Ich hatte während meiner Ausbildung für die Temporale Ermittlungen eine ganze Menge für die Geschichte studiert. Dazu zählte nicht nur die Geschichte der Zauberei, sondern auch die der Muggel.
Ich konnte endlich meine Gedanken etwas ordnen, nachdem ich herausgefunden hatte, wo ich ansetzen konnte. Dann fielen mir ein paar übliche Bücher ein, die den Schülern stets ein gutes, fundiertes Wissen mitteilten. Ich zog ein Blatt Pergament aus meiner Tasche und begann zu schreiben:

1. Schuljahr: Dunkle Kräfte: Ein Kurs zur Selbstverteidigung
Das musste als Einführung reichen. Schließlich fiel mir ein weiteres Buch ein, welches ich verwenden könnte.
2. Schuljahr: Grundlagen des Duellierens
Es erschien mir richtig in diesem Jahr bereits Flüche und Gegenflüche zu behandeln. Allerdings zögerte ich, als ich den zweiten Titel hinzufügen wollte. Abwehrmaßnahmen und Fluch-Neutralisierungszauber waren schwierig. Ich hatte den Schildzauber zwar bereits im zweiten Schuljahr gelernt, aber nur, weil ich mich gegen die andauernden Überraschungsangriffe zur Wehr setzen wollte. Zudem war ich nicht selten nachts aus dem Schlafsaal der Ravenclaws geschlichen um mich mit Slytherins zu duellieren. Da war der Schildzauber unheimlich praktisch. Ich nickte kurz mit dem Kopf und fügte das Buch der Liste hinzu.
3. Schuljahr: Dunkle Kreaturen und ihre Gefahren
Natürlich mussten auch Geschöpfe behandelt werden, damit die Schüler später wussten mit was sie es zu tun hatten.
4. Schuljahr: Lehrbuch zur Abwehr schwarzer Magier - Eine Abhandlung zur Abwehr von Flüchen aus verschieden Epochen und Regionen
'Ja, das muss so stimmen', dachte ich und betrachtete das Buch erneut. 'Es gibt einen tollen Einblick in die Vielfalt von Flüchen und Abwehrzaubern.
5. Schuljahr: Erweiterte Verteidigungszauber und Grundlagen in das Recht der Anwendung
Das war nun ZAG-Jahr. Die Schüler mussten auch lernen wann sie diese Zauber einsetzen dürfen.
6. Schuljahr: Die dunkelsten Künste
Vor diesem Buch hatte ich in meiner Schulzeit einen großen Bogen gemacht, da dieses die Wirkung der Flüche sehr genau beschrieb. Später war mir aufgefallen, dass dieses Buch diese Horror-Flüche nicht lehrt, sondern nur beschreibt. Zudem sollten sie unverzeiliche Flüche kennenlernen.
7. Schuljahr: Dunkle Kreaturen und alte Flüche
Das UTZ- und letzte Jahr in Hogwarts. Es behandelt die letzten Zipfel der dunklen Künste.

"Na, wieder am stöbern?", sagte eine Stimme, die mir sehr vertaut vorkam. Ich drehte mich auf meinem Platz und erblickte eine schwarze Frau, welche gerade durch die Tür schritt. Es war Miranda. Sie war ein Jahr jünger als ich, hatten uns aber in Hogwarts schon kennengelernt. Wir verstanden uns seit jeher prächtig, auch wenn es während unserer Schulzeit nicht sehr einfach war, da sie eine Slytherinschülerin gewesen war und mit der Hochnäsigkeit ihrer Mitschüler zu kämpfen hatte, wobei ich dem Hause Ravenclaw angehörte. Sie war tatsächlich auch Aurorin geworden, wobei es ihr wesentlich einfacher erging, da ihr Posten nicht ganz so viele Probleme bereitete.
"Miranda! Schön dich wiederzusehen!", sagte ich und fiel ihr um die Arme. Mit einer Handbewegung bat ich sie sich zu setzen. "Wie ich sehe hast du den Kampf mit dem Meister aus Novgorod gut überstanden!", merkte ich an, da sie sehr glücklich strahlte.
"Stimmt! Der macht niemandem mehr Probleme. Das russische Zaubereiministerium hat mir dabei sehr geholfen. Du kannst dir gar nicht vorstellen wie weit ich in die Wildnis vordringen musste, nur um ihn zu finden. Er hatte sich in einer kleinen Höhle mitten in Sibierien verschanzt. Natürlich wusste er, dass wir hinter ihm her waren, deshalb war er auch kaum aufzuspüren. Aber letztendlich hat es gut geklappt!", lachte sie und zog sich ihren Umhang aus. Es war ein wenig kühl draußen, dafür in der Buchhandlung sehr warm durch die vielen Besucher. "Und du? Ich hörte etwas von einem Troll. Hat dir Barnaby wieder ins Handwerk gepfuscht? Oder besser gesagt ... hat er die den Minutenzeiger verdreht?" Sie fing lauthals an zu lachen, doch ich blieb trocken. Sie hatte schon immer die Gabe vollkommen schlechte Witze zu reißen, über die nur sie lachte.
"Kann man so sagen. Der Troll ist hoffentlich kein Problem mehr. Es stellte sich heraus, dass er zum verschwundenen Meister Eckhardt gehörte. Naja, dieser Auftrag dauerte nicht sehr lange an. Aber ... dafür habe ich endlich die Zusage für die Lehrerstelle bekommen!", sagte ich und griff in meinen Mantel, um ihr den Brief unter die Nase zu halten.
Sie stieß einen freudigen Schrei aus und klopfte mir freundschaftlich auf die Schulter. Wir hatten uns sehr lange Zeit nicht mehr gesehen und ich freute mich riesig, dass sie nun mir gegenüber saß. Wir redeten viel über Vergangenes, über die Zukunft, viel über andere und vor allem, was gerade passierte. Wir redeten über große Dinge, über kleine Dinge. Es machte mir viel Spaß mich mit ihr zu unterhalten.
Gegen Abend verließen wir den Laden und der Besitzer von Flourish and Blotts zog seinen Zauberstab und ließ ihn einmal lässig durch die Luft schwingen, sodass drei Besen herangeeilt kamen um den Boden zu wischen. Der Mann ließ noch ein "Gute Nacht!" aus seinem Kämmerchen hören, bevor die Tür sich von selbst schloss und ein Geschlossenschild sich zur Gasse hin zeigte. Einige wenige Laternen brannten noch und Passanten streiften in Richtung Gasthaus, um sich wohl noch ein Abendmahl zu genehmigen.
"Lust auf einen Spaziergang?", sagte Miranda und deutete in Richtung Gringotts-Bank. Ich nickte grinsend.
"Wie sieht es bei dir so aus?", fragte ich sie, wobei ich ein Grinsen nicht verstecken konnte.
"Warum grinst du so? Redest du etwa von Ralph?", fragte sie und blieb abrupt stehen.
"Ganz und gar nicht. Wollte nur wissen wie es mit deiner Schokofroschkartensammlung steht", log ich und boxte ihr leicht gegen die Schulter.
"Aham ...", machte sie und schüttelte den Kopf, wobei sie mir einen scharfen Blick zuwarf.
"Also ... hat er eigentlich schon einen Platz in der Kartenreihe bekommen?", fragte ich.
"Er steht noch im Gespräch", sagte sie mit einem Anflug von Stolz in ihrer Stimme.
"Ich verstehe", antwortete ich und kickte einen Stein quer durch die Gasse, der einen krummen Briefkasten traf und ein sehr unangenehmes "Klong!" verursachte.
"Ruhe da unten!", brüllte jemand aus einem Fenster oberhalb eines kleinen Pub.
Miranda warf mir einen belustigten Blick zu. "Keine Sorge. Du verdienst auch einen Platz in dieser Reihe", sagte sie und tätschelte meine Schulter. "Wo wir gerade bei großen Leistungen sind: Wie ist es eigentlich so durch die Zeit zu reisen?", fragte sie mich und ich erkannte in ihrem Augen ihr eigentümliches Funkeln, wenn sie unglaublich neugierig war.
Mit leichtem Magengrummeln versuchte ich mich an meinen letzten Sprung zu erinnern, der mir fast das Leben gekostet hatte. Es war ein recht unwirkliches Gefühl. Jemand, der des apparieren mächtig war, würde eine solche Aktion als einen Ritt durch eine sehr enge Röhre beschreiben, vielleicht wie ein Rohrpostbrief; aber er würde auch gleichzeitig das Gefühl von Raum und Zeit verlieren. So ähnlich war auch der Sprung durch die Zeit ... nur etwas haarsträubender.
"Es ist wie apparieren, nur erscheint einem der Sprung durch die Zeit wie ein Sog durch das gesamte Universum und allen seinen Dimensionen. Man findet sich plötzlich in einer anderen Zeit wieder und es könnte passieren, dass man den Verstand verliert. Deshalb ist es wichtig vor dem Sprung einen Beruhigungstrank zu sich zu nehmen. Auf jeden Fall ist der Sprung unheimlich anstrengend. Man verliert das Gefühl für die Zeit. Und zudem sind noch einige Gegenstände nötig", erläuterte ich und schaute ihr in die Augen, in der Hoffnung ihre Neugier befriedigt zu haben.
"Und was ist dazu nötig?", fragte sie.
"Das ist leider geheim", erwiderte ich und blickte die Gasse entlang, um ihr den Drang nach weiteren Fragen zu nehmen. Sie ließ ein kräftiges Gähnen ertönen, was uns signalisierte, dass nun Zeit für die Kiste war.
Mittlerweile war es tiefste Nacht und wir beschlossen unsere Zimmer im Tropfenden Kessel zu besuchen.
Nach einer kleinen Suppe wünschte ich ihr eine gute Nacht, worauf sie nach oben in ihr Zimmer verschwand. Auch ich rappelte mich langsam auf, um mein Bett aufzusuchen. In meinem Zimmer dachte ich noch eine gefühlte Ewigkeit nach. Meine Gedanken kreisten von Mirandas Worten über ihren Ehemann bis hin zu der Zeitreise, die ich vor einigen Monaten absolviert hatte und zu ihrem Erfolg gegen diesen Schwarzmagier. Doch etwas auf meinem Nachtisch verlangte nach meiner Aufmerksamkeit. Ein weißer quadratischer Fleck, so erschien es mir in dem trüben Kerzenlicht, zeichnete sich auf dem Tisch ab, wobei ich allerdings sicher war, dass dieser leer war als ich das Zimmer zuvor verlassen hatte. Ich griff danach und erkannte, dass es sich um den Tagespropheten, der Zaubererzeitung, handelte. Es war die vierzehnte Seite aufgeschlagen. Ein Bild war zu erkennen, und wie üblich bewegte es sich. Darauf zu erkennen waren zwei Auroren in Muggelkleidung, die einen Bereich absicherten, wobei sie versuchten Passanten davon abzuhalten näherzutreten. In der Mitte des Bildes lag ein Mann, mit dem Gesicht nach unten, und alles schien voller Blut zu sein. Unter dem Bild stand in großen und kunstvoll geschwungenen Lettern geschrieben: Tod eines Ministeriumsangestellten.
Der Artikel kräuselte sich um ein zweites Bild, welches wohl das Opfer abbildete:

London, 14. Juni 2017: Das Zaubereiministerium gibt bekannt, dass es sich bei dem Toten um den Auroren Jeff Barkley handelt. Ein Sprecher der Magischen Strafvervolgungsbehörde berichtete dem Tagespropheten, dass der Mann am Dienstag, den 13. Juni, vor seiner Wohnung in Clerkenwell, Nord-London, tot aufgefunden wurde. Jeff Barkley war ein ehemaliger Mitarbeiter der Sektion Temporale Ermittlungen, die für ihre unkonventionellen Methoden der Strafverfolgung bekannt war, aber nun geschlossen ist. Harry Potter, Leiter der Aurorenzentrale äußerte sich zu dem Tod des Auroren, der ihn offenbar näher kannte. "Es ist ein wirklich tragischer Verlust eines ausgezeichneten Mitarbeiters. Wir werden alles in unserer Macht stehende tun den Mörder dieses Mannes zu fassen", sagte Potter heute Morgen während einer Pressekonferenz im Atrium des Ministeriums.

In mir zog sich etwas zusammen. Jeff Barkley war wirklich ein ausgezeichneter Auror, allerdings auch ein sehr toller Mensch. Er war um einiges älter als ich und hatte schon einige Sprünge in die Vergangenheit hinter sich gehabt. Er genoss sehr hohen Respekt unter den Auroren, und das sollte schon etwas heißen, wenn man bedachte wie unsere Abteilung seit jeher dargestanden hatte. Aber plötzlich fiel mir wieder Eduard Barkleys Gesicht ein. Er war immerhin sein Bruder. Eine unerklärliche Woge des Mitleids durchfuhr mich und es war, als könnte ich diesem Mann für all das verzeihen, was er so von sich gegeben hatte. Sicherlich, er war ebenfalls ein guter Auror, allerdings stand er im Schatten seines Bruders. Ich hatte Eduard nie wirklich leiden können, da er jedem ständig auf fast subtile Art mittweilte wie brillant er war. Er erniedrigte seine Mitarbeiter zwar nicht mit Beleidigungen oder Bloßstellungen, doch seine überhebliche Art und seine Aura als Alleskönner schüchterte manch einen sehr ein. Andere, mich eingeschlossen, reagierten eher mit rollenden Augen. Doch nun überlegte ich, wie er sich fühlen würde. Nun hatte ich nicht das Bild eines "Superhelden" vor Augen, sondern eines Mannes, dem ein wichtiger Teil seines Lebens entrissen wurde.
Bedrückt legte ich das Blatt wieder zurück und setzte mich auf die Bettkante. Wer hatte mir die Zeitung dorthin gelegt? Warum wurde Jeff umgebracht? Diese Fragen kreuzten quer durch meinen Kopf, bis ich irgendwann nach hinten kippte und einschlief.


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 Betreff des Beitrags: Re: Ein Mann und sein Spielzeug
Verfasst: Sa 20. Jan 2018, 23:25 
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Irrlicht
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"So, bitteschön, Mister", sagte eine Frau und stellte mir eine dampfende Schüssel voll Kürbiscremesuppe vor die Nase. Der Geruch drang sofort in meine Nase und ich konnte es kaum erwarten meinen Löffel da hinein zu tauchen. Ich bedankte mich bei Misses Longbottom und löffelte meine Suppe genüsslich. In meinem Kopf geisterten noch die Fragen der beiden etwas beklommen wirkenden Auroren, die mich etwa zwei Stunden lang befragt hatten. Es gab nicht viele Leute, die in meiner Abteilung gearbeitet hatten. Die eine Hälfte war verschwunden und die andere Hälfte arbeitete in verschiedenen anderen Abteilungen, aber nun war einer tot und das war nicht gut.
Die Suppe war gegessen und die Schüssel bekam plötzlich Flügel und segelte in die Küche zum Abwasch.
"Entschuldigen Sie bitte die Direktheit von Davis und Murphy", sagte eine bekannte Stimme hinter mir. Ich runzelte die Stirn und drehte mich um. Aus dem Schatten der Eingangstür des Lokals trat der Leiter der Aurorenzentrale höchst persönlich hervor, Harry Potter.
"Oh, Sir! Es ist schön Sie hier zu sehen, Mister Potter. Unterwegs zur Winkelgasse?", fragte ich, während ich mich erhob, um dem Mann im braunen Anzug zu begrüßen. Auch Misses Longbottom schenkte ihm ein kurzes Lächeln, worauf sie ihm mit "Das übliche, Harry?" ein kurzes Nicken entlockte.
"Nein, ehrlich gesagt bin ich hier, um Sie zu treffen. Verzeihen Sie mir bitte, dass ich mich nicht angekündigt hatte", sagte er und setzte sich an den Tiscch, an dem ich zuvor gesessen hatte. "Nun, ich hörte, die beiden waren nicht sonderlich angetan von Ihren Antworten ... und das an Ihrem Geburtstag." Er reichte mir kurz lächelnd die Hand und fuhr dann fort: "Ich wünsche Ihnen alles Gute. Nun, die Umstände haben wirklich einen tiefen Eindruck im Land hinterlassen."
Ich bedankte mich lächelnd bei dem Mann und antwortete daraufhin: "Weiß man schon etwas genaueres?" Ich schaute dabei durch den Speisesaal, als ob die Antwort an irgendeinem der Tische sitzen würde. Doch im Salon war sonst niemand außer einem kahlköpfigen Zauberer, der in der Ecke ein Spiegelei aß.
"Nur, dass es kein Unfall war. Dieser Mann ist auf eine wirklich außergewöhnliche Art und Weise gestorben. Ich habe soetwas noch nie gesehen. Es schien so, als ob alle seine Organe auf einmal herausgerissen wurden. Dass Davis und Murphy nun zu Ihnen gekommen waren, ist logisch, finden Sie nicht?"
"Sie meinen, weil ich zufällig in der selben Abteilung gearbeitet habe? Tatsächlich habe ich Mister Barkley kaum gekannt, auch wenn wir nicht viele Mitarbeiter waren. Aber Barkley war wirklich oft im Außendienst."
"Ja, einer von vielen, die so oft durch die Zeit gereist sind, aber einer der wenigen, die noch übrig waren", sagte Mister Potter, und griff nach dem Krug voller Butterbier, welcher gerade angeflattert kam. "Witzig diese Dinger, nicht?" Er betrachtete den Becher mit seinen grauen Flügeln, welche sich nun beruhigt an den Rand schmiegten. "Hat Neville erfunden. Soll wohl an den Goldenen Schnatz erinnern." Mister Potter ließ den Becher wieder los und er drehte sich vergnügt in der Luft, als ob er gerade ein wichtiges Rennen gewonnen hätte.
"Wir hatten es schonmal mit einem Haufen Schwarzmagier zu tun, aber Voldemort ist nicht mehr länger da. Die Welt hat sich seitdem sehr verbessert. Aber nun kommt das!", sagte ich und betrachtete den fliegenden Becher, wie er weiter durch den Raum flog und sich den Gästen anbot.
"Das stimmt. Die Welt ist viel friedlicher geworden. Allerdings wird es immer jemanden wie Tom Riddle geben. Wie ich hörte sind Sie jetzt der neue Lehrer für Verteidigung gegen die dunklen Künste. Das freut mich. Ich habe schon oft darüber nachgedacht, diese Stelle anzunehmen, aber man kommt dadurch nicht oft nach Hause. Das ist für die Kinder etwas schwierig, vor allem wenn ein Kind noch zu Hause lebt, während die anderen schon in der Schule sind." Ich nickte etwas gedankenverloren und starrte auf einen der Tische. Mister Potter war folgte meinem Blick, der allerdings vollkommen ins Leere führte. "Haben Sie schonmal eine Klasse geleitet?", fragte er mich.
Ich schüttelte den Kopf und dachte, er würde mir einige Tipps geben wie ich die Schüler am besten an die Verteidigungskünste bringen konnte, doch ich lag falsch, denn mit einem Blick, der sagte: "Sie schaffen das schon" stand er auf und rückte seinen Anzug zurecht. "Verzeihen Sie mir, aber ich muss leider wieder zurück ins Ministerium. Ich bin mir sicher, Sie werden einen ausgezeichneten Job machen, Mister Caldwell." Er reichte mir die Hand, die ich, nachdem ich mich ebenfalls erhoben hatte, drückte. "Ich wünsche Ihnen alles Gute."
"Danke, Sir. Ich wünsche Ihnen das ebenfalls", erwiderte ich und Mister Potter wandte sich in Richtung Tür.
Ich wollte mich gerade aufrichten, um mir etwas die Beine zu vertreten, als eine hellbraune Schleiereule durch ein offenes Fenster geflattert kam und mir ein Päckchen zufallen ließ, welches ich gerade noch fangen konnte, bevor es dem kahlköpfigen Zauberer direkt ins Gesicht fiel. Dieser lächelte nur verschmitzt und ging durch die Tür nach draußen. Neugierig auf den Inhalt öffnete ich das Päckchen und sofort fiel ein Brief heraus, den ich aufsammelte, öffnete und gespannt las:

Lieber Sam,

erstmal, einen fröhlichen Geburtstag. Ich hoffe du genießt ihn und langweilst dich nicht allzu sehr. Bitte verzeih mir, dass ich nicht früher geschrieben habe. Hatte sehr viel um die Ohren und musste haufenweise Überstunden schieben. Ich hoffe, dir geht es gut. Aber ich glaube schon, oder? Immerhin hast du jetzt endlich die Stelle in Hogwarts bekommen. Schade, dass es nicht Geschichte der Zauberei war. Aber immerhin ... Glückwunsch! Meine Schwester feiert am 14. Oktober ihren 30. Geburtstag. Hast du Lust zu kommen? Du bist herzlich eingeladen. Wir feiern allerdings in Innsbruck. Du weißt ja, wegen ihres Ehemanns. Du musst allerdings deinen Besen nehmen, aber ich glaube, dass du das ja schon weißt. Durch den Kamin in ein anderes Land zu reisen ist nicht und apparieren ... naja ... die weiteste Strecke, die ich mal appariert bin ... das waren so 400 Kilometer und ich war erstaunt, dass ich mich nicht übergeben hatte. Du weißt ja ... ein weiterer Kilometer und ein Happen weniger vorher essen. Ach ja ... mach dir um Geschenke keine Sorgen. Sie weiß, dass du direkt aus Hogwarts kommst. Aber das hielt mich trotzdem nicht davon ab dir etwas zu schenken. Ich hoffe es gefällt dir und du kannst damit etwas anfangen. Also dann ...

Eins, zwei, drei ... Drachenei

Bis später

Pierre


Grinsend legte ich den Brief zur Seite und schlitzte das Päckchen mit dem Zauberstab vorsichtig auf. Es war kein sonderlich großes Päckchen, doch der Inhalt erstaunte mich sehr. Es waren fünf kleine Runensteine, wobei ich allerdings keine dieser Runen zuordnen konnte. Zugegeben, es war schon eine Zeitlang her, dass ich Alte Runen, eines der Wahlfächer in Hogwarts, besucht hatte. Doch ich erinnerte mich keineswegs an diese Runen. Die Steine waren sehr fein geschliffen, rechteckig und kaum fünf Zentimeter lang. Normalerweise hatten solche Runen magische Fähigkeiten, doch schon bekannte Runen konnte man manchmal gar nicht richtig magisch zuordnen. Bei diesen hier dürfte es wohl unmöglich sein ihre magischen Kräfte zu offenbaren. In mir regte sich etwas. Ich bewunderte diese Steine und fragte mich, ob es irgendwelche Aufzeichnungen darüber gab.
'Pierre hat mir etwas zum Grübeln geschenkt', dachte ich und lächelte. 'Ausgezeichnet!'
Wenig später folgten noch weitere Eulen mit Briefen und Paketen. Meine Mutter schickte mir einen Roman über drei junge Zauberer aus den USA, die eine Reihe sehr spannende Abenteuer erlebten. Dabei lag noch ein Brief, in dem sie Schrieb, dass sie sich sehr über meine neue Stelle freue und dass sie es mir gleichtäte und mit meinem Vater eine Weltreise unternehme. Nachdem ich geendet hatte musste ich tatsächlich an meine lange Reise denken, die ich nach meinem Abschluss in Hogwarts unternommen hatte. Ich hatte mich dazu entschieden etwas Erfahrung zu sammeln, bevor ich meine Ausbildung zum Auroren angreteten hatte.
Die Eule, die das Paket meiner Mutter gebracht hatte, hatte allerdings noch ein weiteres Paket da gelassen. Ich ahnte bereits, dass dieses wohl von meinem Vater kommen würde, und ich hatte Recht, als ich das Paket öffnete. Ein ganzer Stapel von rund eintausend Fotos sprang mir durch das Nachlassen des Drucks des aufgeschlitzten Pakets entgegen. Es war, als ob mein Vater kein größeres Paket gefunden hatte, denn dieses war offensichtlich zu klein für alle Fotos. Aber so wie er eben war mussten ausnahmslos alle in das Paket. Mein Herz machte einen kleinen Hüpfer. Mama und Papa sahen sehr glücklich aus. Die Bilder bewegten sich nicht. Ich dachte mir schon, dass sie mit Papas alter Kamera aufgenommen wurden. Es war seine große Leidenschaft Fotos mit alten Geräten zu schießen. Es schien so, dass sie auf den ersten Fotos in Lateinamerika oder in Asien waren. Die Berge schienen sehr hoch zu sein und ab und an war eine Wüste zu erkennen. Schließlich war eines der Bilder auf der Rückseite beschriftet. Lieben Gruß vom Aconcagua, 28.07.2017. Sie schienen wirklich ganz oben auf der Spitze zu sein. Es war ein strahlendblauer Himmel und beide lächelnden überglücklich in die Kamera. Mein Vater, Jacob, war ein kleinerer, rundlicher, dunkelblonder Mann mit vollem Haar und einem Schnauzbart, der sich seinem immer freundlichen Gesicht vollständig anpasste und das Lächeln nur noch verstärkte. Meine Mutter hingegen, Chrysanta, war recht dünn, hochgewachsen mit hohen Wangenknochen und vollem, schwarzem Haar. Ihr Lächeln war nicht minder ausdrucksstark und in ihren Augen offenbarte sich ein Ausdruck vollkommener Abenteuerlust. Ich hatte schon geahnt, als ich das Bild betrachtete, dass sie meinen Vater gezwungen hatte den Gipfel zu besteigen. Solche halsbrecherischen Aktionen hatte sie am liebsten, und noch viel mehr, wenn sie diese ohne Zauberei durchführte. Allerdings war ich mir nicht sicher wie sie es geschafft hatte sich selbst und meinen Vater ohne Zauberei auf den Gipfel zu befördern. Mein Vater war nie ein sonderlich guter Sportler wie meine Mutter. Bei Bergbesteigungen hatte er immer den Sessellift vorgezogen. Doch gab es dort gar keinen.
Mit dem Vorsatz die restlichen Bilder später durchzusehen verband ich sie mit einem dünnen Seil, welches ich aus meinem Zauberstab schlängeln ließ und packte sie in meinen Rucksack. Nach diesen tollen Geschenken begab ich mich wieder auf mein Zimmer und legte mich schlafen.

Es war ein winziges Kratzen, was meine Aufmerksamkeit weckte und meine Augen öffnete. Obwohl ich noch sehr müde war, konnte ich die Augen nicht mehr schließen. 'War wohl nur eine Maus', dachte ich und versuchte meine Augen wieder zu schließen, doch das Kratzen ließ das nicht zu. Es war zu leise um etwas genaueres zu erraten, aber zu laut um weiterzuschlafen. Ich griff nach meinem Zauberstab und murmelte verträumt Lumos. An der Spitze des Zauberstabs erschien im gleichen Moment eine weiße Lichtkugel, die ausreichte um den Raum genügend zu beleuchten. Es war ein sehr unangenehmes Licht. Meine Augen konnten sich gar nicht daran gewöhnen, weshalb ich flüchtig und mit halb zugekniffenen Augen nach der Maus umsah. Mittlerweile glaubte ich fest daran, dass es eine Maus war, denn etwas größeres oder gefährlicheres hätte ich mit meiner Müdigkeit nie bekämpfen können, selbst wenn es sich um eine streunende Katz gehandelt hätte. Ein flüchtiger Blick auf meine Uhr, die auf dem Nachtisch lag, zeigte mir 03:49. Fast schon benebelt durch diese Erkenntnis wollte ich wieder zurück ins Bett sinken, um meinen Schlaf fortzusetzen, doch das Kratzen verwandelte sich umgehend in ein Hämmern. Erschrocken erleuchtete ich den Raum erneut und flüsterte Homenum Revelio. Nichts geschah. Keine schwarze Schatten erschienen in diesem Raum. Ich konnte durch die Wände andere Schatten erblicken, die anscheinend in ihren Betten schliefen. Aber in meinem Raum war ich alleine. Erneut war ein Hämmern zu hören, doch ich erkannte durch meine neugewonnene Konzentration, dass es ein Hämmern gegen das Fensterglas war. Ich schnellte herum und erblickte eine kleine Gestalt, die draußen auf dem Fenstersims sah. Ich schritt langsam auf das Fenster zu und erkannte eine Schleiereule, die anscheinend einen Brief im Schnabel hielt.
Erleichtert atmete ich auf und öffnete das Fenster mit einem Schwenk meines Zauberstabs und die Eule flatterte gemütlich herein und machte sich auf meinem Bett bequem.
Ich begrüßte sie, indem ich mit der Hand über ihren Kopf fuhr und ihr dabei den Brief entnahm.

Sehr geehrter Mister Caldwell,

wie alle anderen Neuzugänge in unserem Kollegium möchte ich Sie bitten sich am Freitag, den 25. August 2017, in Hogwarts einzufinden. Sie erscheinen eine Woche früher als die Schüler, damit wir Sie mit den Pflichten, Aufgaben und Rechten eines Lehrers der Hogwarts-Schule für Hexerei und Zauberei vertraut machen können. Wie Ihnen bekannt sein dürfte, ist das Apparieren auf das Schulgelände nicht möglich, weshalb Sie eine andere Anreisemöglichkeit in Erwägung ziehen sollten.
Wir haben die Bücher, die Sie empfohlen haben geprüft und sie den Bücherlisten der Schüler hinzugefügt.

In der Hoffnung, dass Sie wohlauf sind,

M. McGonagall, Schulleiterin der Hogwartsschule für Hexerei und Zauberei


In mir breitete sich ein flaues Gefühl aus. Immerhin war es fast so weit in die Schule zurückzukehren. Ich war seit meinem Abschluss, den ich nach der Schlacht um das Schloss nachgeholt hatte, nicht mehr da gewesen. Doch nun war alles anders. Keine Bedrohung, kein Leben in Angst. Das einzige, was mir noch Sorgen bereitete, war, dass ich keinerlei Erfahrung hatte eine Klasse zu führen. Die Schülerzahl hatte sich seit dem Ende der zweiten Schreckensherrschaft fast verdoppelt, sodass tatsächlich ein paar mehr Lehrer eingestellt werden mussten, allerdings blieb der Posten für die Verteidigung gegen die dunklen Künste unberührt. Die einzigen Leute, die sich in den letzten Jahren für diese Stelle beworben hatten, waren hauptsächlich Auroren, die allerdings nach mehr oder weniger kurzer Zeit die Schule wieder verlassen hatten, um wieder im Ministerium arbeiten zu können. Es erforderte sicherlich einiges an Leidenschaft Schülern solche Dinge beizubringen. Viele waren allerdings nur darauf aus gewesen nicht arbeitslos auf der Straße zu landen, denn nach dem starken Rückgang der Kriminalität im Land ging auch die Notwendigkeit einer großen Anzahl an Auroren stark zurück. Ich konnte mich also damit trösten, dass ich nicht der einzige gewesen war, der auf die Straße gesetzt wurde.
Da saß ich nun auf der Bettkante und grübelte über die Zukunft nach. Das hatte ich mir in irgendeiner Weise angewöhnt, wenn ich nachts aufwachte. Für mich war es der schnellste Weg wieder einzuschlafen, doch dieses Mal klappte es nicht sonderlich gut. Es lag wahrscheinlich an McGonagalls Eule, die neben mir saß und mich mit ihren Augen anstarrte. Somit entschied ich mich der Schulleiterin sofort eine Antwort zuzusenden.
Nachdem ich die Eule mit fünf Knut bezahlt und den Brief, in dem stand, dass ich der Anweisung Folge leisten würde, in ihren Schnabel gesteckt hatte, versuchte ich mich erneut hinzulegen, doch es erschien mir unmöglich weiterzuschlafen. Die Sonne war bereits aufgegangen und beleuchtete mit ihren goldenen Strahlen mein Zimmer.


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 Betreff des Beitrags: Re: Das Spiel der Zeit
Verfasst: Sa 12. Mai 2018, 08:02 
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Irrlicht
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Mit einem Schlenker meines Zauberstabs räumten sich die letzten Bücher wie von selbst hinein. Ich griff nach meinem Mantel, den ich auf den Koffer legte und mit Seilen aus meinem Zauberstab an ihm befestigte, und ging runter in den Speisesaal, wo schon Misses Longbottom das Frühstück vorbereitete. Sie begrüßte mich mit einem "Na Sie sind ja früh wach" und bevor ich antworten konnte begab sie sich sofort in die Küche, um eben ein Spiegelei zuzubereiten. Vollkommen müde setzte ich mich an einen der Tische und versuchte nicht wieder einzuschlafen. Die Schulleiterin hatte keine genaue Uhrzeit angegeben, aber ich dachte, dass es besser wäre früher als später zu erscheinen. Somit hatte ich auch den Fahrenden Ritter bestellt, der schon in einer halben Stunde kommen sollte.
Fünf Minuten später kehrte Misses Longbottom zurück und servierte mir das Ei, welches ich in mehr oder weniger drei Bissen herunterschluckte, um in Ruhe nochmal über meine bevorstehende Zeit nachzudenken.
Warum war ich so nervös? Es gab überhaupt gar keinen Grund die Nerven zu verlieren. Ich hatte einen guten Job im Ministerium gemacht. Ich hatte die meisten UTZs mit den Bestnoten abgelegt. Ich hatte mich mehrere Male mit Schwarzmagiern duelliert und war dabei mehr oder weniger glimpflich davongekommen. Aber nach Hogwarts gingen bloß Schüler, und keine Drachen oder Bergtrolle. Irgendwas bereitete mir ziemliche Kopfschmerzen.

Vor dem Tropfenden Kessel wartete ich auf den Bus, der mich nach Hogwarts bringen sollte. Ich kramte in meinem Mantel nach dem Ticket, welches mir vor ein paar Tagen geschickt wurde, und umklammerte es fest. Mein Herz pochte heftig und in meinem Kopf trieben sich die wildesten Gedanken: 'Du hast noch nie vor einer Klasse gesprochen', 'Wie würden denn die Schüler auf dich reagieren, wenn du etwas falsch machst?'
Ich würde jeden Schüler an dieser Schule unterrichten ... von der ersten bis zur siebten Klasse. Ich versuchte diese Gedanken aus meinem Kopf zu jagen und dachte an vergangene Ereignisse. Meine Aurorenausbildung, meine Schulzeit, meine Arbeit im Ministerium. In mir kreisten Erinnerungen aus allen Lebensbereichen, doch bevor ich mich noch weiter hineinsteigern konnte kam auch schon der Bus. Er war etwas zu spät, allerdings war das bei dem Fahrenden Ritter so üblich.
Knallend und schlitternd kam der dreistöckige und purpurne Bus vor mir zum Stillstand und ein schlaksiger Zauberer mittleren Alters mit einem recht vernarbten Gesicht streckte seinen Kopf durch den Eingang. Er machte ein recht müdes Gesicht, als ob er gerade von einer wochenlangen Schlacht nach Hause gekommen wäre. Das, jedenfalls, ließe seine vielen Narben erklären.
"Guten Morgen, mein Name ist Stan Shunpike und ich bin Ihr Schaffner im Fahrenden Ritter. Mister ... Caldwell, richtig?", sagte Stan, ohne das er mich ansah, und las in einem Blatt Pergament, offenbar um meine Reservierung zu finden.
"Ganz recht", antwortete ich und bevor ich mein Ticket vorzeigen konnte, sprang Stan aus dem Bus und brachte meinen Koffer mit einem Schlenker seines Zauberstabs zum schweben. "Danke", sagte ich lächelnd und folgte meinem Koffer in den Innenbereich.
Der Bus war gefüllt mit willkürlich zusammengestellten, alten Sesseln und Stühlen, die gar nicht festgemacht schienen. Von der Decke des dreistöckigen Busses hing ein prunkvoll wirkender Kronleuchter, der durch die anderen beiden Geschosse baumelte und nachts wohl sehr viel Licht bot.
Bevor ich mich allerdings auf einen der Sessel fallen lassen konnte, gab der Bus schon Gas und wir brausten mit einer irrwitzigen Geschwindigkeit durch die nächste Häuserwand, die sich um den Bus herumschlängelte und, nachdem der Bus passiert war, wieder zusammenfügte. Der Bus schoss so schnell durch das Londoner Zentrum, dass wir mindestens in zwei Sekunden die Themse erreicht hatten, worauf der Bus eine Mauer durchbrach und wie ein Flummi über die Wasseroberfläche hüpfte und mit einem Satz das London Eye durchbrach, ohne, dass Muggel den leisesten Schimmer von dem hatten, was da geschah.
"Die nächste Station ist Maidston, Ernie!", rief Stan dem Busfahrer zu und schaute gelangweilt aus dem Fenster, als der Bus eine scharfe Linkskurve nahm und ein modernes Bürogebäude durchschnitt. Ich hingegen wurde hart mit dem Sessel gegen die Wand geschleudert, dass mir der Arm wehtat. 'Wenn dieser Bus nicht magisch modifiziert worden wäre, wäre ich bei dieser Geschwindigkeit mit Sicherheit aus dem Fenster geflogen', dachte ich und versuchte mein Übelkeitsgefühl zu unterdücken.
Wir hatten nun London verlassen und sprangen über Felder, ignorierten Landstraßen und schoben Bäume aus dem Weg bis der Bus nach ziemlich kurzer Zeit krachend zum Stillstand kam. Stan lief zu der Treppe, die nach oben führte, und rief: "Maidstone, Misses Banks!" Eine ältere Hexe mit einem Kater auf der Schulter kam wankend die Treppe hinunter, bedankte sich bei Stan und hüpfte leichfüßig auf die Straße. Stan hämmerte gegen die Scheibe und bevor ich einen Blick auf die Hexe werfen konnte, schoss der Fahrende Ritter los und Maidstone verblasste in der Ferne.
"Nächster Halt Belfast", bemerkte Stan und Ernie ließ ein zustimmendes Grunzen hören. Bevor ich mich versah sprang der Bus über die Küste und glitt mit einem Affenzahn über die Irische See.
"Fahren Sie auch zum Festland?", fragte ich Stan, der sich verwirrt umdrehte.
"Nein, nein. Nur in Britannien und Irland." Ich hatte noch die Geburtstagsfeier in Österreich im Kopf und fragte mich, ob man mit dem Bus auch dort hin kam. Es wäre zumindest eine sehr kurze Fahrt.
Und wir verließen wieder Belfast, nachdem ich meinen Gedanken zuende gedacht hatte. Ein kleiner, fröhlich wirkender Zauberer war eingestiegen und hatte sich direkt hinter mich gesetzt. Es schien, als ob es nicht die erste Reise in diesem Bus war, denn der Mann griff immer im richtigen Moment zu den Haltestangen unter der Decke und setzte sich schwungvoll auf einen Barhocker. Wieder hüpfte der Bus über das Meer, hielt sich dieses Mal aber nördlich, denn als er die Küste erreichte, schlängelte er sich durch ein nebliges Tal.
"Der nächste Halt ist Hogsmeade!", rief Stan und Ernie reckte den Daumen nach oben, als ob er die Antwort schon gewusst hatte. Nach wenigen Minuten erreichten wir schließlich das Zaubererdorf, welches nicht weit von der Schule lag. Die Tür sprang auf und ich trat auf die Hauptstraße; mein Koffer landete hinter mir.
Stan nickte mir knapp zu, klopfte wieder gegen die Scheibe und der Bus verschwand mit einem Knall als purpurner Streifen in den umliegenden Bergen.


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 Betreff des Beitrags: Re: Das Spiel der Zeit
Verfasst: Do 8. Nov 2018, 18:55 
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Irrlicht
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2. Wieder zurück in Hogwarts

Die Sonnenstrahlen kitzelten meine Nase, sodass ich niesen musste. Es wehte ein laues Lüftchen und die knöpfte mir meinen Mantel etwas enger. Die Hauptstraße des kleinen Dorfes schien wie ausgestorben zu sein. Die Läden würden erst in einer halben Stunde aufmachen, das wusste ich noch, allerdings war das Dorf außerhalb der Besucherzeiten der Schüler recht ausgestorben. Die Anwohner hier genossen ein behagliches Leben, entfernt von all der Hektik in der Stadt ... und auch entfernt jeglicher Muggel, denn Hogsmeade war das einzige Zaubererdorf auf den britischen Inseln, wo kein einziger Muggel lebte. Ich schritt die Haupstraße entlang und vorbei an dem kleinen Bahnhof durch einen Wald. Der Nebel, der sich kurz zuvor noch zwischen den Bäumen gewunden hatte, wich der aufgehenden Sonne und unter meinen Füßen raschelten schon die ersten Blätter des kommenden Herbstes. Es war ein recht kühler Morgen und zwischen den Bäumen war es recht schattig. Doch nach einer Biegung kam es endlich in Sicht. Hoch oben auf einem Felsen, golden bestrahlt durch die aufgehende Sonne, ragte das Schloss Hogwarts mit seinen unzähligen Türmen, Erkern, Fenstern und Winkeln. Es war ein unbeschreiblich schöner Anblick. Es schien, als ob das Schloss alleine für diese Kulisse bestimmt war. In mir breitete sich sofort eine Wärme aus. Es war das gleiche Gefühl, welches ich hatte, wenn ich als Kind nach Hause gekommen war. Aber nun fühlte ich mich ebenfalls wie zu Hause.
Ich gelangte an ein eisernes, großes Tor, geschmückt mit zwei Ebern, die sich grimmig anschauten, und klopfte an einen Türklopfer. Es war ein Klicken zu hören, so, als ob jemand einen Schlüssel herumgedreht hätte, und das Tor glitt quietschend auf, doch niemand hatte es geöffnet. Ich schritt hindurch und folgte dem Pfad durch den Wald, bis dieser sich legte und einen Hügel hinaufführte. Es wehte ein sehr kühler Wind, doch der Anblick war es wert. Hinter dem Hügel tronte auf einem großen Felsen Hogwarts, mit seinen Türmen, Brücken und unzähligen Fenstern. Mein Herz machte einen Hüpfer als ich dieses gewaltige Schloss wiedererblickte. Dieser Tempel des Wissens uns des Mysteriums war sieben Jahre meine Heimat gewesen, und nun konnte ich stolz darauf sein, weiter dort sein zu dürfen.
Das Schloss war von der Seite, wenn man den Weg nahm, den ich genommen hatte, mit einem langen Viadukt mit dem Hügel verbunden, auf dem ich stand. Ich folgte dem Pfad und setzte meinen Fuß auf die steinerne Brücke, die geradewegs zum Vorhof mit dem Rundgang, und schließlich zum großen Eingangstor, führte. Die Brücke war geschmückt mit großen Laternen, die nachts hell leuchteten, und führte direkt über eine tiefe Schlucht, die in einem Bach endete, und quer durch das Schloss verlief. Somit waren beide Schlosshälften mit Brücken verbunden.
Ich erreichte den Vorhof und das große Schlossportal öffnete sich ebenfalls von alleine. Die Eingangshalle war vollkommen leer und nicht einmal die Geister waren unterwegs. Die große Tür zur Großen Halle öffnete sich ebenfalls und gab einen vollkommen ausgestorbenen Anblick preis. Selbst die Decke, die sonst so verzaubert war, dass sie wie der Himmel draußen erschien, war nun vollkommen normal. Bisher waren wohl bloß die Lehrer da. Natürlich, die Schüler sollten erst eine Woche später kommen. Es faszinierte mich sehr, dass dieses Schloss vollkommen menschenfrei war. Dadurch entstand eine vollkommen andere Stimmung. Die vier langen Tische, an denen jeweils die vier Häuser Platz nahmen. Ich schaute auf den dritten Tisch, der sonst von den Ravenclaws bevölkert wurde, und erinnerte mich an die zahlreichen Feste und Abendessen, die ich hier verbracht hatte. Ich war in den Ferien niemals zu Hause gewesen. Ich war viel zu sehr damit beschäftigt das Schloss zu erkunden ... die ganzen sieben Jahre lang. Auch wenn ich oft wegen den Prüfungen lernen gemusst hatte und die Berge Hausaufgaben viel zu groß gewesen waren, war ich immer versucht gewesen, das Schloss auf eigene Faust zu erkunden. Auch wenn Rowan, mein damaliger bester Freund, mich oft begleitet hatte und wir zusammen eine Menge Zeit in die Urkundung des Schlosses investiert hatten, hatte ich mir am letzten Tag der siebten Klasse leider eingestehen müssen, dass es noch massig viel zu erkunden gab: Geheimgänge, die selbst Filtch, der griesgrämige Hausmeister nicht kannte; versteckte Nieschen mit seltsamen Gebilden wie Büsten, die einem ein Geheimnis verrieten, oder Zauber, die im Laufe der Jahrhunderte schlicht und einfach verloren gegangen waren. Es gab so viele Dinge, die noch unvollendet waren. Aber nun war ich wieder hier und das Kind in mir rief laut: "Erkunde das Schloss, erkunde das Schloss!"
'Mist ...', dachte ich als mir ein Lächeln entfuhr. 'Ich hoffe ich habe noch Zeit für die Vorbereitungen meiner Klassen.'
Ich machte auf dem Absatz kehrt und machte mich auf den Weg ins Lehrerzimmer, welches im Erdgeschoss etwa in der Mitte des Schlosses lag. Der Weg dorthin war lang. Ich passierte mindestens zehn verschiedene Türen und verirrte mich tatsächlich einige Male. Die Leute in den Bildern an den Wänden zeigten mir oft die Richtung, doch eine Rüstung wollte mir erklären, dass das Lehrerzimmer sich hinter einer Tür befand, die offensichtlich keinen Durchgang hatte, denn sie war an einer Säule in einem Rundgang im Innenhof. Ich bedankte mich grimmig bei dem Metallgerüst und folgte weiter dem Korridor.
"Aber ich sage doch die Wahrheit!", klagte die Rüstung mit ihrer blechernen Stimme und stellte sich wieder an ihren Platz. Einige Türen weiter, nachdem ich ein paar Mal im Pokalzimmer gelandet war, gelangte ich in einen langen und breiten Korridor. Diesen erkannte ich gar nicht wieder, denn er war voller Bücherschränke. Ich schritt langsam hindurch und schaute mir die Bücher genauer an. Es waren eigentlich bloß Romane. Es waren Geschichten aus dem Mittelalter und der Neuzeit. Die Titel waren sehr interessant: Domitius und das Tor zum Glück, Die Wanderhexe und Der Waideler aus den Sümpfen. Ich legte die Bücher wieder zurück und folgte dem Korridor. Er war ähnlich wie die Bibliothek eingerichtet, doch etwas weitläufiger. Durch eines der Fenster flutete die Vormittagssonne. Das war wohl die Südseite. Ich gelangte an das andere Ende des Korridors und drehte mich nochmal rum. Ich erkannte ihn tatsächlich wieder. Nur war er damals mit anderem Krimskrams zugestellt. Sie hatten wohl umdekoriert, wobei ich mich nicht entsinnen konnte schonmal in diesem Bereich des Schlosses gewesen zu sein. Ein paar Korridore weiter erreichte ich endlich das Lehrerzimmer, welches von zwei Wasserspeiern bewacht wurde.
"Ohh ... ein Neuzugang. Herzlich willkommen", sagte der linke Wasserspeier und öffnete die Tür. Ich bedankete mich lächelnd und trat in das geräumige Lehrerzimmer. Es machte einen sehr gemütlichen Eindruck. Sessel waren um einen niedrigen Holztisch am Kamin gereiht und die Holztäfelung an den Wänden gab dem ganzen noch eine sehr warme Note. Ein Kopf erschien neben einem der Sessel und eine ältere Frau erhob sich. Es war Minerva McGonnagall. Sie war schlank und recht groß, hatte ein sehr strenges Gesicht, trug eine quadratische Lesebrille, die auf ihrer Nasesnpitze saß, und war in einem tiefschwarzen Umhang gekleidet. Ihr großer Hut, den sie immer trug, lag auf der Kopflehne des Sessels.
Ihr strenges und prüfendes Gesicht verwandelte sich plötzlich in ein freundliches Lächeln.
"Samuel Caldwell, schön, dass Sie wieder hier sind", sagte sie und reichte mir ihre Hand.
"Es ist schön wieder hier zu sein, Professor", antwortete ich, doch Professor McGonnagall schüttelte mit dem Kopf.
"Jetzt, da sie hier Lehrkraft sind, können Sie mich mit Minerva ansprechen", sagte sie und lächelte erneut.
Professor McGonnagall ... Minerva ... hatte sich äußerlich kaum verändert. Sie hatte nach wie vor eine tadellos autoritäre Aura, selbst wenn sie lächelte. Doch war es für mich unheimlich ungewohnt sie nun als "Gleichrangige" zu sehen. Immerhin war sie mal meine Lehrerin gewesen. Natürlich, sie war jetzt Schulleiterin von Hogwarts, doch diese familiäre Atmosphäre war für mich sehr neu. Im Ministerium wurden Vorgesetzte nie so angesprochen, doch ich empfand es hier nun als angenehmer.
"Nehmen Sie bitte Platz", sagte sie und deutete auf einen Sessel neben ihr. "Das ist nun ihr erstes Mal als Lehrer, nicht war?" Ich nickte. "Das ist nicht weiter schlimm. Ich habe mir Ihren Lehrplan angesehen und fand ihn äußerst fördernd, auch wenn die Wiedereröffnung des Duellierclubs als Teil des Unterrichts vielleicht etwas viel ist. Ich glaube, wir können diesen Club wieder als Wahl für die Schüler lassen. Aber Ihr Vorschlag eine Praxisstunde und eine Theoriestunde pro Woche einzuführen ist eigentlich ziemlich gut, da ich praktische Stunden für äußerst wichtig halte. Nun ist Ihre Zeit allerdings auf zwei Stunden pro Woche und pro Klasse eingeschränkt und die Theoriestunden haben natürlich Priorität, da die Schüler, vor allem die aus den Jahrgängen 5-7, viel lernen müssen", sagte Minerva und bot mir einen Tee an, indem sie mit ihrem Zauberstab auf eine Teekanne auf einem Beistelltisch zeigte. Ich lehnte dankend ab und die Kanne goss von selbst Tee in eine Tasse.
"Darüber habe ich auch schon nachgedacht. Ich hatte bei dieser Praxisstunde an eine gemischte Stunde gedacht. Die Schüler bekommen alles wichtige mitgeteilt, doch anhand von praktischen Beispielen. Ich gebe zu, dass mein Unterrichtsplan sehr deffensiv- und kampflastig ist und sich etwas weniger mit magischen Kreaturen befasst, aber ich hielt eine Ausbildung im Selbstverteidigungsbereich für notwendig. Viele Hexen und Zauberer im Ministerium haben beispielsweise Probleme mit dem Schockzauber oder dem Lähmzauber. Natürlich werde ich sie auf alle Themen der ZAG-Prüfungen vorbereiten, doch Duelle sind mein absolutes Spezialgebiet."
"Das will ich gar nicht bestreiten. Ich fand sogar den Punkt sehr interessant, dass Sie die Schüler des sechsten Schuljahrs Verwandlungszauber als Duellzauber üben lassen. Hut ab vor dem, der das hinbekommt. Aber da würde ich Ihnen vorschlagen das nicht als Prüfungsthema dranzunehmen. Es kommt in den UTZ-Prüfungen gar nicht vor, da Verwandlungen sowieso schon sehr schwierig sind und in Gefahrensituationen durchaus noch herausfordender sind."
"Das stimmt. Im sechsten Schuljahr werden einige Schüler keinen Verwandlungsunterricht mehr haben. Ich dachte da an einen kleinen Crashkurs."
Minerva runzelte die Stirn. "Sie sind äußerst fixiert auf Verteidigungszauber, nicht wahr?"
"Ja, das ist wahr. Seit der Schlacht, damals, weiß ich wie wichtig sie sind. Auch wenn sie nicht oder selten gegen starke Flüche helfen, sind sie die nützlichsten Zauber. Aber ... diese Verwandlungszauber sollen Deckung schaffen, wo keine ist. Das möchte ich denen zeigen, die daran interessiert sind. Deshalb dachte ich an die Wiedereröffnung des Duellierclubs."
"Natürlich." Die Schulleiterin nickte nachdenkend mit dem Kopf und sagte dann: "Gut, dann machen wir das so. Aber grundlegend sollten Sie sich an die ZAG- und UTZ-Richtlinien halten."
Das war mir klar. Wenn das Zaubereiministerium erfahren sollte, dass ich die Schüler zu Auroren ausbilden würde, würden die alles daran setzen mich los zu werden.
Es klopfte. Der Wasserspeier öffnete erneut die Tür und quasi im Sekundentakt kamen weitere Lehrer hineingetröpfelt. Ein paar von ihnen erkannte ich wieder. Sie waren auch damals schon Lehrer in Hogwarts gewesen.
Professor Horace Slughorn, ein kugelrunder, fast schon übertrieben wohlhabend gekleideter Zauberer, war der Lehrer für Zaubertränke und auch Hauslehrer von Slytherin. Ich hatte ihn als regelmäßig gutgelaunten und fairen Lehrer in Erinnerung, zumindest fair, wenn man in seinem Fach gut war. Auch wenn er sehr auf seinen eigenen Profit aus war und selber immer Vorteile aus Situationen geschöpft hatte, war er dennoch ein guter Zeitgenosse. Es wunderte mich, dass er noch an der Schule unterrichtete. Er war schon recht alt und hatte eigentlich in den Ruhestand gehen wollen.
Professor Pomona Sprout, eine ebenfalls korpulente, aber sehr kleine Dame. Sie war die Hauslehrerin von Hufflepuff. Sie war, nachdem Neville Longbottom sie als Lehrer für Kräuterkunde abgelöst hatte, die Gärtnerin in Hogwarts und unterstützte mit ihrer Arbeit Hagrid. Sie hatte zerzaustes Haar und war ebenfalls stets gut gelaunt.
Professor Flitwick war noch viel kleiner als Professor Sprout. Er war der Lehrer für Zauberkunst und auch der Hauslehrer von Ravenclaw, weshalb er sofort auf mich zugeeilt kam, um mir die Hand zu schütteln. "Schön Sie wieder zu sehen, Sam", sagte er freudestrahlend und setzte sich auf einen der kleineren Sessel. Anschließend kam Neville herein. Er eilte mit einem breiten Grinsen auf mich zu.
"Freut mich, dass du hier arbeitest, Sam", sagte er und klopfte mir auf die Schulter.
"Mich auch. Sag mal, bist du jetzt Hauslehrer geworden?"
"Von Gryffindor? Ja, bin ich. Nachdem Aurelia Auszeit genommen hatte, habe ich ihren Posten übernommen", sagte er und grinste noch breiter.
"Das ist toll. Ich glaube, dass du dafür der Richtige bist", sagte ich als sich der Wasserspeier erneut öffnete.
Es folgten Professor Trelawny, die Wahrsagelehrerin; Professor Sinistra, die Astronomielehrerin; Professor Vektor, Lehrer für Arithmantik; Madam Hooch, die Besenflugunterricht gab, und Hagrid, der Wildhüter des Schlosses und seiner Ländereien. Zusätzlich gab er noch den Unterricht für Pflege Magischer Geschöpfe. Er war ein riesengroßer Mann, mindestens doppelt so groß wie ein normaler Mensch, und etwa dreimal so dick. Struppeliges, schwarzes Haar und ein dicker Bart bedeckten sein Gesicht fast vollständig, doch noch immer war sein freundliches Gesicht darunter zu erkennen. Hagrid war bei den meisten Schülern beliebt gewesen, auch wenn sein Unterricht damals etwas sehr alternativ angelegt war. Auch er erkannte mich wieder, schritt auf mich zu und klopfte mir auf die Schulter, sodass ich fast zu Boden fiel. "Gut gemacht, Sam. Schön dich mal wieder zu sehen", sagte er und machte der nächsten Lehrerin Platz.
Doch diese kannte ich gar nicht. Eine Frau, etwa 1,60 Meter groß, kam herein. Sie wirkte etwas nervös und war sehr hübsch. Sie hatte liebevolle, grüne Augen und dunkelblonde Haare, die sie zu einem Pferdeschwanz gebunden hatte. Sie hatte einen schmalen Mund und eine liebliche Nase. Sie blickte freudestrahlend in die Runde und stellte sich mit "Julia Sant'Ana" vor.
Bevor jemand einen Ton sagen konnte, hatte sich Professor McGonnagall erhoben und bat um unser Gehör:
"So ... nun, da wir uns alle vollständig hier eingefunden haben, darf ich Sie herzlich zu einem neuen Jahr in Hogwarts begrüßen. Vor allem unsere beide Neuzugänge." Sie deutete auf Julia und mich. "Das sind Professor Julia Sant'Ana und Professor Sam Caldwell. Julia wird nun das Fach Alte Runen übernehmen, da Bethesda nun in den Ruhestand gegangen ist. Sie kommt aus Brasilien und hat in Castelobruxo studiert. Ich heiße Sie herzlich Willkommen an unserer Schule, Julia. Ich bin mir sicher, Sie werden eine große Bereicherung sein", sagte die Schulleiterin lächelnd und neigte leicht anerkennend ihren Kopf. "Sam wird nun das Fach Verteidigung gegen die Dunklen Künste übernehmen. Da Aurelia leider nicht mehr aufzufinden ist, nachdem sie sich auf eine Reise gemacht hatte, dürfen wir nun Sam herzlich Willkommen heißen", fuhr sie fort und verteilte nun Zettel an die anwesenden Lehrer. "Dies hier sind alle nötigen Informationen zu den Schulregeln, den Rechten und Pflichten der Lehrer, den Rechten und Pflichten der Schüler und der Vertrauensschüler und allen Veranstaltungen, die dieses Jahr hier stattfinden. Quidditchspiele, Wettbewerbe, Weichnachten, Ostern und Helloween. Ich bitte die Neuankömmlinge sich diese Blätter gut einzuprägen und die Alteingesessenen sich daran zu erinnern", sagte Minerva und lächelte erneut. "Heute Abend werden wir ein kleines Festessen zum Beginn eines weiteren Jahres veranstalten. Natürlich wird es nächste Woche noch das Große Fest mit den Schülern geben. Aber heute Abend ist es ein reines Lehrerfest." Die Anwesenden klatschten ermuntert in die Hände. "Winky? Monty?", sagte sie plötzlich. Ich schaute verwirrt in die Gesichter der anderen, doch niemand schien sonderlich verwundert zu sein. Plötzlich erschienen zwei Hauselfen mit einem Knall vor uns. Beide trugen gestrickte Pullover und dicke Socken gegen das kühle Wetter draußen.
"Sie haben nach uns gefragt, Madam?", sagte die offensichtlich weibliche Hauselfe quitschend und verneigte sich wieder.
"Ganz recht, Winky. Würdet Ihr beiden mir bitte den Gefallen tun und Professor Sant'Ana und Professor Caldwell ihre Räumlichkeiten zeigen?", fragte die Schulleiterin lächelnd. Beide Hauselfen verneigten sich erneut und nahmen Professor Sant'Ana und mich an die Hände. "Und noch was. Ich möchte nicht, dass Ihr euch nochmal vor mir verneigt. Jaa?", sagte sie in spielerisch strengem Ton und schaute abwechselnd zu Monty und Winky.
"Zu Befehl, Madam Professor McGonnagall. Wir Ihr wünscht", erwiderte Winky und deutete eine Verneigung an, unterließ es aber dennoch. Sie nahm Professor Sant'Ana wieder an die Hand und führte sie aus dem Lehrerzimmer. Monty, der, oder die, bisher noch nichts gesagt hatte, ergriff ebenfalls wieder meine Hand und führte mich in Richtung Korridor. Winky und Professor Sant'Ana waren bereits außer Sicht. Winky schien viel enthusiastischer zu sein als Monty. Er schien recht deprimiert zu sein. Er öffnete die Türen bloß halbherzig und auf meine Frage hin, wie lange er denn hier schon arbeite, antwortete er bloß mit einem Grummeln. Doch als wir die Großen Treppen erreichten, sagte er plötzlich: "84 Jahre."
"Wie bitte?", entegnete ich, da ich meine Frage schon fast wieder vergessen hatte.
"84 Jahre lebe und arbeite ich auf Schloss Hogwarts."
Der Klassenraum für Verteidigung gegen die Dunklen Künste war im dritten Stock. Monty führte mich die Treppen hinauf, die regelmäßig ihre Richtung änderten. Ich schaute den Elfen von der Seite neugierig an, doch er konzentrierte sich auf seine Aufgabe. Wir erreichten den dritten Stock. Monty öffnete mit einem Schnippen seiner Finger die Tür und führte mich hindurch. Der Korridor war so gut wie ausgestorben. Einige Klassenzimmer waren schon seit Ewigkeiten nicht mehr benutzt worden. Nicht weit von hier entfernt war der Gang der Einäugigen Hexe, in einem Nebenkorridor, der in einen breiten Turm führte, und gleich dahinter - das Klassenzimmer. Erneut schnippte Monty mit den Fingen und die Tür flog unwirsch auf. Das Klassenzimmer war recht geräumig. Es war etwa so hoch wie eine kleine Kirche und war ebenso mit einer stützenden Holzdecke ausgestattet. Das Zimmer hatte eine leichte Rechtskurve und befand sich ging in einen der größeren Türme über. An beiden Längsseiten waren Fenster. Die Sonne flutete herein und ließ den Raum wie eine altes Lagerhaus erscheinen. Alle Tische waren an den Seiten aufgestapelt. Am anderen Ende führte eine kleine Treppe in einen kleinen, ründlichen Erkerturm, der an dem großen Turm angeheftet war. Dort war das Büro des Lehrers. Es war nicht sehr geräumig, aber es bot genügend Platz. Ein gemütlicher Ohrensessel stand auf der einen Seite eines recht alt wirkenden Schreibtisches vor einem Kamin in der Wand und zwei andere Sessel auf der Gegenseite. Einige staubige Regale waren an den Wänden aufgestellt, die aber leer waren.
"Das ist das Ihr Büro, Herr", krächzte der Hauself hustend und deutete mit einer laschen Handbewegung in den Raum. "Dort ist Ihr Schlafgemach." Er deutete auf eine zweite Tür, die aufsprang und einen weiteren, kleinen runden Raum offenbarte, der wesentlich kleiner war. Darin war ein Bett mit Beistelltisch und einem Schrank und ein weiterer, kleinerer Kamin.
Ich drehte mich, um mich bei dem Hauselfen zu bedanken, doch der war berits mit einem Knall verschwunden. Stirnrunzelnd schloss ich die Tür zum Schlafzimmer, richtete meinen Zauberstab auf den Kamin und nach einem kurzen, leisen Zischen brannte nun ein gemütliches Feuer. Ich setzte mich gerade in den Sessel als mich plötzlich ein weiterer Knall hochfahren ließ. Es waren mein Koffer und der Rucksack, den ich im Lehrerzimmer abgestellt hatte. Herzklopfend setzte ich mich wieder hin und entfachte mit dem Zauberstab Kerzen an den Wänden. Erneut las ich mir die Bücher durch, die ich auf die Liste gesetzt hatte. Ich wollte einfach sicher gehen.

Am Abend verließ ich mein Büro und begab mich in die Große Halle, in der bloß ein einzige, kleinerer Tisch aufgestellt war. Ich musste der Letzte gewesen sein, denn selbst Professor Binns war bereits anwesend, denn der kam nie gerne zu festlichen Feierlichkeiten. Das lag vermutlich daran, dass er als Geist nichts irdisches mehr essen konnte. Professor McGonnagall blickte strahlend in die Runde.
"Greifen Sie bitte zu", sagte sie und mit einem Mal war der Tisch mit allerlei köstlich duftenden Hauptgerichten bedeckt. Es gab Kartoffelpüree, Brathähnchen, Hirschgulasch, Kaninchen, Bratensaucen, Bratwürstchen, Obst- und Salatplatten, Käseplatten, Steaks und viel mehr. Ich hatte schon den ganzen Tag nichts gegessen, aber nun wo das alles vor mir aufgetaucht war, verspürte ich schon ein Sättigungsgefühl. Die Teller waren beladen mit solchen Dingen.
Filius Flitwick, der sein Würstchen extra kleinschnitt, wandte sich an die brasilianische Lehrerin: "Sie werden nun Alte Runen unterrichten?"
Julia nickte strahlend.
"Das ist wirklich ein spannendes Fach. Aber sagen Sie mir doch, wie kamen Sie dazu?"
Julia überlegte kurz. Dann antwortete sie: "Ich habe mich in Castelobruxo lange mit alter britischer Magie befasst. Ich finde es faszinierend, wie weit sich Runenformeln über Europa erstrecken. Viele germanische Zauberer haben damals große Werke mit diesen statischen, also unbeweglichen, Zaubern vollbracht. Nun will ich mein Wissen gerne hier weitergeben."
"Wir verfügen hier über eine sehr umfangreiche Bibliothek über dieses Themengebiet", sagte Minerva lächelnd.
Julia lächelte zurück.
"Welche Arten von Zauber haben Sie dort studiert? Wenn ich mich an meine Runen-Stunden erinnere, handelte es sich oft um Heilzauber, Flüche und Verteidigungszauber, die meistens ganze Dörfer beschützten", sagte ich und schaufelte mir Kartoffelpüree in den Mund.
"Das stimmt. Runenformeln bilden fast undurchdringliche magische Banne oder Flüche, die erst gebrochen werden können, wenn jemand diese Runen vernichtet oder löscht. Somit löscht sich auch der Zauber."
"Kann man Runen auch mit sich herumtragen?", fragte ich plötzlich, obwohl ich wusste, dass diese Frage ziemlich dämlich klang.
Julia lachte kurz auf, fasste sich danach aber wieder. "Ja, das kann man. Es gibt sogenannte Runensteine, die kleine magische Wirkungen haben. Allerdings ist der Zauber viel kräftiger, wenn sie fest irgendwo niedergeschrieben werden. In frühen Zeiten haben Soldaten sich oft Runensteine in ihre Schwerter eingravieren lassen, sodass ihre Waffen bessere Effekte erzielten. Das waren für gewöhnlich Druiden, die die Waffen modifizierten."
"Wow", sagte ich und nickte beeindruckt. Mein Wissen über Runen war bloß arg begrenzt. "Das wusste ich nicht. Sie sind wohl eine Geschichtsinteressierte."
"Oh ja", gab sie zurück und lächelte mir wieder zu. Ich wusste nicht, wie mir geschah, aber ihr Lächeln hatte eine absolut betäubende Wirkung auf mich. Ich lehnte mich zurück, vergaß den Kartoffelpüree zunächst und starrte die Wand gegenüber an.


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 Betreff des Beitrags: Re: Das Spiel der Zeit
Verfasst: Mi 24. Apr 2019, 19:53 
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Irrlicht
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3. Der Schlangenjunge

In den kommenden Tagen erklärte uns Professor McGonnagall die wichtigen Tätigkeiten, die sie uns schon auf diesem Blatt nähergebracht hatte, und zeigte an verschiedenen Orten wie wir uns zu verhalten hatten. Wir durchstreiften die Ländereien von morgens bis abends und erklärte uns, wie man als Lehrer hier die Schüler betreute.
"Sie müssen vor allem darauf achten, dass auf dem Gelände und in den Korridoren nicht gezaubert wird", sagte sie, als sie uns über die lange Holzbrücke führte, die geradewegs zu Hagrids Hütte und zum Verbotenen Wald führte. Julia und ich folgten ihr nickend und jasagend. Es legte sich ein leichter Nebel über den Hang und verschlang Hagrids Hütte. Ein paar Mal konnten wir merkwürdige Geräusche aus dem Wald fahren. Julia hielt sich vom Waldrand entfernt. "Sie dürfen zwar den Wald betreten, doch ich rate Ihnen das mit äußerster Vorsicht zu tun. Die Zentauren mögen es nicht, wenn ein Zauberer ihr Areal betritt."
"Sind sie gefährlich?", fragte Julia leicht misstrauisch.
"Die Zentauren? Ja, das sind sie. Der ganze Wald ist ihr Territorium, das sie nicht gerne allen offenbaren. Sie halten sich hauptsächlich im Inneren des Waldes auf. Die Randregionen werden von ihnen nur selten besucht. Sie brauchen keine Angst zu haben. Sie kommen niemals aus dem Wald raus. Außerdem sind sie, wenn sie nicht gerade wütend sind, sehr vernünftig", erwiderte Minerva und bog nach rechts auf einen kleinen Pfad, der am Wald entlang führte, schließlich an der Eulerei und am Quidditchfeld endete. Das Feld war auf einer weiten Wiese am Fuße eines hohen Berges aufgebaut und während der Quidditchsaison reich an Farben und Wappen der einzelnen Häuser. Gerade war das Feld jedoch nur ein großes Holzgerüst. Es fing leicht an zu regnen und ein paar Wolken bildeten sich am Hang des Berges, sodass das Feld etwas mystisch erschien, wie ein verlassener Freizeitpark, der seit Jahren nicht mehr benutzt wurde.
"Die Quidditchsaison beginnt Anfang November", sagte Minerva und schritt auf das Ovale Spielfeld zu. "Die Lehrer werden angehalten besonders während dieser Zeit darauf zu achten, dass alles rechten Dingen zugeht. Es kommt nämlich häufig zu Auseinandersetzungen zwischen den Häusern." Sie öffnete ein Tor des Stations und schritt durch einen kurzen Korridor zum Spielfeld. Julia staunte nicht schlecht, als sie auf das Spielfeld trat.
"In Castelobruxo haben wir auch ein sehr großes Quidditchfeld. Es ist allerdings von riesigen Bäumen umgeben", sagte sie und schaute auf die umliegenden Berge.
Das Quidditchstadion war ein großes, ovales Feld, maß 160 Meter in der Länge und an der breitesten Stelle 60 Meter in der Breite. Drei Torringe waren auf jeder Seite auf maximal 20 Metern in der Höhe angebracht. Ich hatte nie Quidditch gespielt, war aber immer gerne bei den Spielen dabei gewesen. Es gab insgesamt sieben Spieler pro Mannschaft, einen Hüter, zwei Treiber, drei Jäger und einen Sucher. Die Jäger hatten die Aufgabe einen fußballgroßen, hellbraunen Ball, namens Quaffel, in einen der drei unterschiedlich hoch angebrachten Ringe zu werfen. Die Treiber sorgten beschützten mit Holzschlägern die eigene Mannschaft vor den Klatschern. Das waren schwarze, sieben Zoll dicke Eisenkugeln, die hinter den Spielern herflogenm, um sie von ihren Besen zu hauen. Das endete immer sehr schmerzvoll. Außerdem versuchten die Treiber die Klatscher zur gegnerischen Mannschaft zu schleudern, da diese sich immer an den nächsten Spieler hängten. Letzten Endes gab es noch den Goldenen Schnatz. Es war ein walnussgroßer, goldener Ball mit silbernen Flügeln. Er war sehr schwer zu erkennen und der Sucher hatte die Aufgabe, diesen zu fangen. Würde es ihm gelingen, brachte der Fang 150 Punkte für die Mannschaft des Suchers ein und das Spiel war beendet ... aber auch nur wenn der Sucher ihn wirklich fing. Das bedeutete, dass ein Spiel durchaus mehrere Tage dauern konnte, wenn keiner der beiden Sucher den Ball fangen konnte. Dass ein Spiel nicht automatisch gewonnen war, zeigte sich oft, wenn die gegnerische Mannschaft über 150 Punkte Vorsprung hatte. Denn dann war das Spiel zwar vorbei, aber das Spiel verloren. Sucher beendeten häufig das Spiel einfach so, wenn sie keine Chance mehr für ihre eigene Mannschaft sahen.
"Ich habe früher gerne Quidditch gespielt", sagte Julia und strahlte in Richtung Himmel.
"Tatsächlich?", sagte ich verwundert.
"Ja ... ich war Jägerin in einer der vier Schulmannschaften, und zwar bei den Sagitários Encantados", sagte sie.
"Wow ... das ist ... faszinierend", sagte ich stotternd, als sie mich ansah. Schnell fügte ich hinzu: "Ich war immer hundsmiserabel im Quidditch, da mir die Klatscher immer zu große Sorgen bereitet haben. Somit konnte ich mich nie auf das Spiel konzentrieren, selbst, als ich die Position des Treibers übernommen hatte."
"Wo hast du denn gespielt?", fragte sie interessiert.
"Oh ... eigentlich nur, wenn ich bei meinen Freunden war. Zu Hause gab es keinen Platz, aber ein paar meiner Freunde wohnten auf dem Land in North Yorkshire, weshalb es da immer ... einfacher war."
Ich merkte wie ich plötzlich rot anlief. Julia grinste nur und folgte Minerva aus dem Stadion heraus.
Den ganzen restlichen Tag zogen wir noch durch die Ländereien und die Schulleiterin erzählte uns, wo sich die Räumlichkeiten befanden, welche Events es außer dem Quidditchtunier noch gab und welche Gegenstände in diesem Jahr auf der Verbotsliste standen. Über das Schloss erzählte sie auch viel, wobei sie sich hauptsächlich an Julia wandte, die das Schloss bisher nur auf Bildern gesehen hatte. Auch erzählte sie einiges über ihre Schule. Castelobruxo war ebenfalls ein Schloss, welches sich im brasilianischen Teil des Amazonasgebiets befand.
"Das große Hauptgebäude ist quadratisch und hat die Form eines mesoamerikanischen Tempels. Es ist fast komplett mit Gold überzogen. Natürlich ist das ganze Schloss für Trouxas ... ähm, ich glaube Sie nennen sie "Muggel". Naja ... es ist nicht für sie sichtbar. Aber für jene, die es sehen können, erscheint das große Hauptgebäude am Horizont als glänzender Punkt, wenn man weit genug weg ist."
"Interessant", sagte ich. "Ich war einmal während meiner Weltreise in Brasilien und habe dort viele Zauberer und Hexen kennenglernt, die nach Castelobruxo gegangen sind. Leider war ich nicht dort, aber es gibt dort wohl eine weitreichende Ausbildung im Bereich Kräuterkunde, nicht wahr?"
"Oh ja. Die Schule ist gegen Ende des 16. Jahrunderts von einer Gruppe Indigener gegründet worden, die allesamt Nachfahren der Maya, Inka und Azteken waren. Es sollte ein Zufluchtsort für Heilkundige, Priester und andere mit magischen Kräften werden, da die Spanier Magier verfolgten. Es waren unter den Flüchtlingen übrigens auch Europäer, die gerade in die Neue Welt gekommen waren. Sie bauten die Schule mitten in den Dschungel, um vor neugierigen Augen versteckt zu bleiben. Zu der Zeit befand sich Castelobruxo noch im spanischen Teil Südamerikas und es waren noch einfache Hütten, aber mit dem Kontakt zu den spanischen Magiern kamen auch die Zauberstäbe nach Südamerika. Somit konnte letzlich das große Schloss gebaut werden", sagte Julia ohne einmal Luft zu holen.
"Ich habe mich schon immer gefragt: Wie haben die Zauberer in der präkolumbischen Zeit gezaubert, wenn der Zauberstab erst mit den Europäern kam?", fragte ich interessiert, als wir uns von der Schulleiterin verabschiedet hatten und uns in einem großen Raum im Nordteil des Schlosses in Sesseln niedergelassen hatten. Der Raum war, wie jener Raum, der mir auf dem Weg ins Lehrerzimmer aufgefallen war, mit Bücherregalen vollgestellt. Die Sessel waren mitten in dem Raum auf einem großen Perserteppich.
"Es gab tatsächlich eine Art Zauberstab, aber dieser war nur für die Elite bestimmt. Er war mannsgroß und wurde nur zu Zeremonien verwendet. Wofür aber genau, weiß ich nicht. Es mag durchaus noch Leute geben, die mit diesem Zeremoniestab noch zaubern, allerdings leben sie wohl recht abgeschottet. Der europäische Stab hat sich viel zu schnell durchgesetzt. Außerdem wurden die alten magischen Bräuche in der Schule nicht mehr gelehrt, da es keine solche Elite mehr gab. Aber man stellte fest, dass die europäischen Stäbe genauso gut, vielleicht sogar besser, für die exakt gleichen Zauber geeignet haben. Was auch interessant ist, ist, dass diese Zeremoniestäbe in absolut jeder präkolumbischen Gesellschaft aufgetaucht waren ... sogar schon um 3.000 vor Christus."
Julia sprudelte wie ein Wasserfall. Ich hatte nie jemanden so begeistert über ein Thema sprechen gehört. Auch wenn sie mir kaum Zeit ließ eine Frage zu stellen, war ich gänzlich von dem, was sie erzählte, fasziniert. Wir unterhielten uns noch lange über die Geschichte der Zauberei, bis ich irgendwann sagte, dass wir ja Professor Binns holen könnten. Daraufhin nickte sie eifrig und ich verwarf die Idee schnell, denn Professor Binns war ebenfalls ein äußerst redseliger Zeitgenosse, der allerdings mit der Stimme eines Mannes sprach, der gerade die letzte Rede über dem offenen Grab seines verstorbenen Vaters hält. Julia lachte laut auf.
Es war ein sehr lustiger Abend gewesen. Auch wenn das Schloss vollkommen leer war, war es dennoch erholsam, da Julia und ich noch viel Zeit zusammen verbrachten, bis die Schüler endlich mit dem Zug kommen würden.


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 Betreff des Beitrags: Re: Das Spiel der Zeit
Verfasst: Mo 20. Mai 2019, 03:10 
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Irrlicht
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Als schließlich der erste September kam, wurde meine Nervosität allmählich immer größer. Im Kopf ging ich noch mal alle Flüche und dunklen Kreaturen durch, die mir gerade in den Sinn kamen, stellte dann allerdings fest, dass ich noch alles drauf hatte. Das schien ich allerdings immer wieder zu vergessen, so dachte ich während des Frühstücks noch ausgiebig über die erste Stunde am Montag nach. Die Schulleiterin hatte uns die Stundenpläne gegeben und ich bemerkte, dass es um 8 Uhr los ging. Ich hatte die erste Klasse - Slytherin und Gryffindor. Mir fiel ein Stein vom Herzen. Ich hatte die Befürchtung gehabt, dass es sofort mit der sechsten Klasse oder der siebten losgehen würde. Diese Schüler hatten schon lange Erfahrung und könnten mir zum Schluss "unseriöses Auftreten" vorwerfen, wenn ich doch zu nervös sein sollte. Aber Erstklässler hatten noch gar keine Erfahrung gehabt. Es würde viel leichter sein, wenn sie noch wissbegierig und tollpatschig sein würden.
Julia las offenbar meine Gedanken und wedelte mit ihrer Gabel vor meiner Nase herum.
"Aufgeregt?", fragte sie kichernd und schob sich ein Bratwürstchen in den Mund.
"Ähhm ... was?" Ich fiel gerade aus meinen Gedanken und Sorgen über den ersten Tag. "J-jaa ... schon. Ich habe noch nie unterrichtet", antwortete ich und rührte in meinen Bratkartoffeln, die mittlerweile kalt waren.
"Naja, sind ja noch drei Tage. Wie ich sehe hast du die bösen Erstklässler ... uuuuhhhhh." Sie imitierte ein Gespenst so, als ob alle Schüler von einem Fluch anheim gefallen wären. "Ich habe am Montag gleich die Siebtklässler. Sind natürlich nur noch sehr wenige in diesem Jahrgang, die sich noch für alte Runen interessieren, aber immerhin haben die schon ein gewaltiges Vorwissen."
"Naja ... du doch auch", sagte ich. Sie lachte.
"Jo, aber es wird wahrscheinlich schwierig mich ihnen anzupassen. Immerhin müssen die das Fach ja überstehen und ich komme aus dem Ausland ..."
"Stimmt ... ich habe die Siebtklässler erst am Freitag", sagte ich und beäugte nochmal den Stundenplan.
"Angehende Auroren, was?", sagte sie zwinkernd.
"Hmm ... womöglich." Ich schwieg für ein paar Sekunden und schaute auf die Obstschale vor mir, dann sagte ich: "Du hast Recht. Was soll da schon schlimmes passieren."
Nach dem Frühstück verzogen wir uns auf unsere Büros und ich kramte die Bücher aus meinem Schrank hinter der Tür. Den restlichen Nachmittag verbrachte ich damit vor einer hergezauberten Tafel den Unterricht zu simulieren. Die Sessel dienten als meine Schüler. Ich verlas die Namensliste, fragte die imaginären Erstklässler nach deren Kenntnissen über die Arten der Verteidigungszauber und zeigte ihnen simple Zauber, die sie gegen kleinere Wesen oder sogar Menschen einsetzen konnten. Ich ließ Kissen durch die Luft wirbeln, erklärte die Anwenungen an verschiedenen Wesen und zeigte ihnen, wie Duelle aussahen.
Als es draußen schon dunkel wurde, räumte ich alles wieder mit einem Schwung meines Zauberstabs an seinen Platz und begab mich wieder in die Große Halle. Alle anderen Lehrer saßen bereits am langen Tisch, der am anderen Ende stirnseitig auf einer kleinen Bühne aufgestellt war.
"Die Schüler kommen gerade mit den Kutschen und Hagrid bringt die Erstklässler mit den Booten", meinte Pomona Sprout zu mir, als ich mich neben ihn an den Tisch setzte. Julia schaute ganz verblüfft auf die reich bedeckten Tische, auf denen noch keine Speisen zu sehen waren. Die vier Haustische waren längsseits aufgestellt und die Kerzen, die über den Tischen schwebten, beleuchteten die Halle festlich.
Plötzlich ging das große Portal der Halle auf und mehrere hundert Schüler tröpfelten herein und setzten sich an ihre Tische. Alle trugen lange schwarze Umhänge, die innen in den Farben ihrer Häuser bestickt waren. Rot für Gryffindor, Blau für Ravenclaw, Gelb für Hufflepuff und Grün für Slytherin. Auf den Umhängen glitzerte das Wappen der Schule: Alle vier Tiere, ein Löwe, ein Adler, ein Dachs und eine Schlange, waren um den Buchstaben "H" gereiht.
Einige Schüler schauten verwundert zu Julia und mir und wiederum andere nickten fröhlich zu ihren Hauslehrern, die die Grüße, ebenfalls nickend, erwiderten.
Nur wenig später öffnete sich die große Tür wieder und eine Gruppe von weiteren Schülern folgten schüchtern dem kleinen Professor Flitwick, der mit dem Zauberstab einen Stuhl vor sich herschweben ließ, auf dem ein steinalter, verschlissener Hut lag; bis vor den Lehrertisch. Alle Erstklässler trugen noch komplett schwarze Umhänge.
Auf dem Hut, oberhalb der Krempe, bildete sich ein Riss, der einem Mund sehr ähnlich war, und er gab ein langezogenes und melodisches "Oooohhhh" von sich. Alle, die noch geflüstert hatten, verstummten augenblicklich und lauschten dem folgenden Lied des Sprechenden Huts:

Oooohhhh ein neues Jahr nun beginnt
Und ihr Schüler gewinnt
Kommt herbei und ich zeig' euch dann
Wer die neue Familie sein kann

Ist es Gryffindor,
Der einst allen schwor
Die Mutigsten zu nehmen
Und sie zu bewegen
Zu Glanze gar zu kommen
So seid ihr stets willkommen

Oder gar die kluge Ravenclaw
Die keinem Rätsel Abstand schwor
So verlangte sie nach Weisheit,
Nach Wissensdurst und Feinheit
In den Köpfen ihrer Schüler
Das mochte sie viel lieber

Nun kommt denn nach Hufflepuff
Wer treu ist und auch fleißig schafft
Hier ist er gern geseh'n,
Der Freund, nach dem man sich sehnt.

Ein Slytherin ist man dann
Wenn man listig und klug sein kann,
Wenn man viel mit wenig schafft
Ist man ein Gewinn der Zaubererschaft

Hier bin ich nun und warte
Auf eure Köpfe ganz sachte
Werde ich mich schmiegen
Um eure Zukunft zu schmieden.


Der Sprechende Hut verstummte und ein tosender Beifall erschütterte die Halle. Professor Flitwick stellte sich auf ein Podest, welches er mit einem Schnippen seines Zauberstabs hatte erscheinen lassen, stellte sich darauf und entfaltete eine Liste mit Namen derer, die nun in die Häuser verteilt werden sollten.
"Adams, Geoffrey", sagte Filius und ein kleiner, braunhaariger Junge, der sehr selbstbewusst dreinschaute, schritt nach vorne zu dem Stuhl.
Der Hut hatte gerade Geoffreys Haare berührt, da verkündete er schon: "Gryffindor!" Der linke Tisch jubelte und Geoffrey, breit lächelnd, bewegte sich zu den Gryffindors. David Allen kam an die Reihe und der Hut teilte ihn in das Haus Hufflepuff ein. Martina Ahrens, ein schüchtern wirkendes Mädchen mit dunkelblonden Haaren, wurde wieder eine Gryffindor, doch mit Ivana Berwick, die handlange, tiefschwarze Haare und blaue Augen hatte, die wachsam ständig in der Gegen herumschauten, kam schließlich die erste Slytherin. Sie schien mehr als stolz zu sein. Überlegen schaute sie durch die Halle und schritt schnurstracks auf den Slytherintisch zu, wobei sie es öfteren Geoffrey Adams scharf im Auge behielt.
"Boot, Marc!", verkündete Filius und ein dunkelhaariger Junge mit braunen Augen setzte sich auf den Stuhl.
'Das muss der Sohn von Terry Boot sein', dachte ich und ahnte bereits in welches Haus der Hut ihn stecken würde, denn Terry Boot war zu meiner Zeit ebenfalls in Ravenclaw, bloß einen Jahrgang über mir. Und tatsächlich, ohne groß darüber nachzudenken, posaunte der Hut: "Ravenclaw!" Diesmal kam der Beifall vom Ravenclawtisch und Marc, sichtlich erleichtert, gesellte sich zu seinen Mitschülern.
Es flolgten noch ein Slytherin, zwei Hufflepuffs und eine Raveclaw bis mit Lara Finnigan wieder eine Gryffindor folgte. Irgendwann kam der Hut dann zu Rose Granger-Weasley, die ebenfalls nach Gryffindor kam. Es kam ein leichtes Gemunkel in der Halle auf. Sie war wohl die Tochter der jetzigen Zaubereiministerin, Hermine Granger, und des ehemaligen Auroren Ronald Weasley. Professor McGonnagall setzte sich noch etwas gerader auf ihren Stuhl, offensichtlich, um sie besser in Augenschein zu nehmen.
Das Gemurmel verstummte, als der Hut ihr Haus ausgerufen hatte, doch der Applaus war nicht minder kräftig als sie sich hinsetzte. Ein paar weitere Schüler wurden in ihre Häuser verteilt, bis schließlich ein Junge mit hellblonden Haaren und sehr blassem Gesicht nach vorne schritt, den ich sofort erkannt hatte, bevor Filius seinen Namen ausgerufen hatte: Scorpius Malfoy. Auch war klar in welches Haus dieser Junge kommen würde. Er war der Sohn Draco Maldfoys gewesen, der jetzt im Ministerium arbeitet, und dieser war stets durch und durch ein Slytherin. Einige Schüler begannen wieder das Gemurmel, diesmal sogar etwas stärker als bei Rose. Das war durchaus verständlich. Auch wenn freigesprochen, war Draco Malfoys Vater, Lucius Malfoy, ein Todesser, ein enger Anhänger Voldemorts, gewesen. Man erzählte sich des Öfteren, dass Draco ebenfalls Todesser war, wenn auch nur kurz, doch aufgrund des Überlaufs der Malfoys kurz vor Voldemorts Tod wurden alle samt freigesprochen. Ich hatte mit Draco Malfoy einige Mal im Ministerium zu tun gehabt und es schien mir tatsächlich, dass er nicht mehr ein großmäuliger Aufschneider war, wie er in der Schule gewesen war. Doch Scorpius wirkte gar nicht so selbstsicher und arrogant wie einst sein Vater, dennoch starrten manche der Schüler ihn an, als ob er ein Ebenbild seines Vaters war.
Nun wurde der nächste von Professor Flitwick aufgerufen: "McKay, Eddie!" Dieser wurde wieder ein Ravenclaw. "Nunes, Inácio!", ebenfalls ein Ravenclaw. Julia blickte den Kleinen neugerig an. Vielleicht lag es daran, dass er einen portugiesischen Nachnamen hatte. "Nickelsen, Andie!", wurde schließlich Hufflepuff und "Patil, Ellen", eine Gryffindor. Als der nächste Name aufgerufen wurde, folgte das deutlichste und am weitesten verbreitete Tuscheln in der ganzen Halle. "Potter, Albus Severus!" Dieser war wohl Harry Potters Sohn und auch dieses Getuschel war überaus verständlich, denn Harry Potter war seit seines Kleinkindalters schon weltberühmt gewesen. Seine Berühmtheit fußte nicht nur auf der Tatsache, dass er im Alter von einem Jahr den Todesfluch Lord Voldemorts überlebt hatte, sondern dass er es tatsächlich war, der die Herrschaft des ehemals Unnennbaren im Jahre 1998 endgültig beendete.
Und nun stand sein Sohn hier in der Reihe der Erstklässler, offensichtlich besorgt, und schritt nach vorne, um sich auf den Stuhl zu setzen. Filius setzte ihm den Hut auf und der Hut verfiel in ein relativ langes Schweigen. Einige Schüler fingen wieder zu tuscheln an, sogar so laut, dass wir am Lehrertisch einiges mitbekamen.
"Wieso braucht der denn so lange? Es ist doch vollkommen klar, wo der hinkommt", sagte Geoffrey am Tisch der Gryffindors. Einige Köpfe reckten sich, um Albus besser sehen zu können, doch die meisten hielten gespannt den Atem an. Auch die Lehrer warfen sich des öfteren bedeutungsvolle Blicke zu. Es kam relativ selten vor, dass der Hut so lange bei der Auswahl brauchte, aber offensichtlich schienen die Lehrer ebenfalls eine gewisse Erwartung gehabt zu haben, dass der Junge nach Gryffindor kam.
"Wetten, er kommt in ein anderes Haus?", sagte plötzlich Amanda Fernandez, die dem Haus Ravenclaw zugeteilt worden war.
"Ich bin mir da nicht sicher", sagte ein älterer Junge neben ihr. Langsam schien sich auch Julia zu wundern, denn sie blickte abwechselnd von den Lehrern und zu dem Jungen auf dem Stuhl.
"Dauert das manchmal so lange?", fragte sie schließlich an mich gewandt.
"Manchmal", antwortete ich. "Allerdings ist das ziemlich selten."
Schließlich atmete der Sprechende Hut auf, und es schien als würden es die Schüler, von denen manche rote Köpfe bekommen hatten, es ebenfalls tun, und verkündete: "Slytherin!"
Manch einer im Saal stutzte merklich, andere rissen die Augen vollkommen überrascht auf, doch die Reaktion der Slytherins war abzusehen. Eine Explosion erfüllte die Große Halle und Albus, der sichtlich angespannt versuchte sich bloß auf die Schüler in schwarz-grünen Umhängen zu konzentrieren, lächelte etwas, als er sich neben Scorpius setzte. Für einen Moment lang war es totenstill in der Großen Halle. Albus starrte nur auf seinen leeren Teller vor ihm und lächelte wieder kurz, als ihm Scorpius auf die Schulter klopfte. Das Gemurmel entflammte erneut und selbst als der nächste aufgerufen wurde, Lorence Richards, der ebenfalls nach Slytherin kam, schenkte niemand diesem Jungen irgendwelche Aufmerksamkeit. Nur die Slytherins und die Lehrer hatten die Auswahl Lorences verfolgt und geklatscht, als er sich zu seinen Mitschülern gesellte. Viele Schüler beobachteten den jungen Albus mit Verachtung in ihren Gesichtern und Albus, der die ganze Zeit auf seinen Teller schaute, schenkte ihnen keine Beachtung. Der Junge tat mir Leid. Ich wusste etwa wie sich Ausgrenzung anfühlte.
Nachdem sich Victoria Zelenka von diesem Stuhl erhoben hatte und sich zu den Hufflepuffs gesellt hatte, erhob sich Professor McGonnagall und lächelte in die Runde. Filius hatte sich derweil neben mich auf einen Stapel Bücher mit einem Kissen oben drauf gesetzt. Die Halle verstummte augenblicklich.
"Willkommen zu einem weiteren Jahr in Hogwarts. Zu allererst möchte ich unsere beiden Neuzugänge vorstellen. Professor Sant'Ana aus der brasilianischen Zauberschule Castelobruxo, die nun das Fach Alte Runen unterrichtet, nachdem Professor Babbling in den wohlverdienten Ruhestand gegangen ist." Applaus ertönte und Julia erhob sich um sich winkend zu bedanken. "Und dann möchte ich noch Professor Caldwell willkommen heißen, der nun das Fach Verteidigung gegen die Dunklen Künste übernimmt." Auch ich erhob mich und winkte den Schülern zu, nachdem ebenfalls Applaus ertönte. "Aber ich möchte keine großen Reden schwingen, deshalb sage ich nur: Guten Appetit!"
Mit einem Mal befüllten sich die Teller und Platten mit den erdenklichsten Speisen, die man sich vorstellen konnte. Viele der Schüler staunten, rissen die Augen auf und begannen ihre Teller mit Brathähnchen, Kartoffeln, gebutterten Steaks und Lachsfilets, Nudeln, Sahnesaucen, Kartoffelpüree, Spagelaufläufe, Käsesorten und Unmengen an Bratwürstchen zu beladen. Es war unglaublich, wie lecker die gesamnten Tische aussahen. Viele Fleischsorten brutzelten noch, als seien sie gerade vom Grill geheolt worden.
"Woooow", staunte Julia und fuhr mit ihrem Blick den ganzen Lehrertisch entlang. "Das ist ja noch reicher als beim letzten Festmahl, als nur die Lehrer anwesend waren", sagte sie und begann ihren Teller mit gebratenen Zwiebeln, Schweinshaxe und Pellkartoffeln an Petersilie zu beschaufeln. "Ich glaube, danach wirst du viel zu erschöpft sein um die große Sorgen zu machen", sagte sie und schüttete mir kühlen Kürbissaft ein. Ich nickte lächelnd.
Nach dem Essen, dem auch ein gewaltiges Nachtischangebot gefolgt war, erhob sich Professor McGonnagall erneut: Bevor wir alle, erschöpft wie wir vom Essen sind, zu Bett gehen, fühle ich mich verpflichtet, die Erstklässler über die Schulregeln zu informieren, und alle anderen an die Schulregeln zu erinnern: Der Verbotene Wald ist für alle Schüler verboten, es sei denn sie werden von einem Lehrer begleitet. Das Verlassen Ihrer Häuser ist während der Nachtruhe nicht erlaubt. Die Nachtruhe herrscht zwischen 21 Uhr und 6 Uhr. In den Korridoren und anderen Räumlichkeiten, die nicht zwecks Unterricht betreten werden, außer in Ihren Häusern, ist das Zaubern verboten. Besuche des Dorfes Hogsmeade ist allen Schülern ab der dritten Klasse an den markierten Wochenenden gestattet, die eine unterschriebene Erlaubnis ihrer Eltern oder eines Vormundes dabei haben. Zudem war Mister Filch so freundlich mir mitzuteilen, welche Gegenstände als verboten eingestuft sind. Eine Liste hängt an der Tür seines Büros und an den Schwarzen Brettern Ihrer Häuser. Somit ist es verboten diese Gegenstände zu besitzen, zu benutzen und zu verkaufen. Zudem darf ich Sie erinnern, dass die Quidditchsaison im November beginnt und die Auswahlspiele in der zweiten Schulwoche stattfinden", sagte sie und lächelte breit. "Und nun wünsche ich Ihnen eine gute Nacht." Mit diesen Worten erhoben sich die Schüler und spazierten aus der Großen Halle, angeführt von ihren Vertrauensschülern, die sie in ihre Häuser eskortierten.

Die nächsten beiden Tage verliefen recht ereignislos. Des öfteren spazierte ich durch die Korridore, um mich an meine Schulzeit zu erinnern. Das Schloss hatte sich wirklich gar nicht verändert, was mir sehr gefiel. Manchmal beäugten mich die Schüler und tuschelten, als ob sie erraten wollten, wie ich mich als Lehrer geben würde. Am Anfang hatte mich das noch etwas verunsichert, doch ich gewöhnte mich schnell daran. Am Sonntag machte ich mich auf einen letzten Kakao in den Pub Drei Besen. Es war ein sehr kühler Tag und der Wind peitschte mir gehörig um die Ohren. Manchmal fielen auch feine Wassertropfen, die dem Klima etwas nordseeartiges verpassten. Im Dorf war noch kein Schüler zu sehen, aber der Pub war dennoch recht voll. Einige Besitzer anderer Läden waren hier anwesend, so zum Beispiel Zonko, der den Scherzartikelladen im Dorf führte, und Madam Puddifoot, eine untersetzte, sehr nett dreinschauende Hexe, der ein kleines Café gehörte. Zudem saß noch ein kahlköpfiger Zauberer im langen Reiseumhang in der Ecke und nippte, wie es schien, an einem Kakao.
"Sam, gesell dich zu mir", sagte Horace Slughorn freudestrahlend, der ebenfalls anwesend war und in einer Ecke in der Nähe des Tresens saß, und bot mir einen Stuhl direkt neben ihm an. "Dankeschön", entgegnete ich dem Zaubertranklehrer und hängte meinen gefütterten Umhang an einen Haken. Auf dem Tisch lag ein Prospekt, welches Horace offenbar gerade gelesen hatte.
"Schön, schön, dass du hier bist, Sam. Dein erster Tag morgen", raunte er mir zu und stupste mich mit seinem Ellenbogen freundlich gegen meinen Oberarm. Ich nickte leicht und blickte durch den Saal. Der Mann mit dem Kakao war offenbar schon gegangen. "Ich glaube, du hast es bestimmt schon satt dir ständig Tipps anhören zu müssen, hehe!", fuhr er fort und befingerte leicht den Prospekt. "Weißt du, ich habe gerade mit Rosmerta über dich geredet. War neugierig, wer dieses Jahr an die Schule kommt. Ich hab ihr von dir erzählt ... dass du ein ausgezeichneter Zaubertrankbrauer warst, zum Beispiel!" Horace lachte hicksend auf.
"Ach, so gut war ich nicht. Ich hatte bloß versucht den Anforderungen des Ministeriums gerecht zu werden", antwortete ich und lächelte verlegen.
"Ach komm schon! Ich muss wirklich sagen, dass deine Teilverwandlungstränke einsame Spitze waren ... wie der Katzenaugentrank. Mein Gott! Meiner Meinung nach hättest du nicht mal die Aurorenausbildung durchlaufen müssen. Zumal der damalige Zaubereiminister Shacklebolt diejenigen einstellte, die an der Schlacht gegen Voldemort teilgenommen hatten."
"Das stimmt ... aber ich schätze, ich hatte mich zu der Zeit nicht sonderlich sicher gefühlt."
Horace lachte kurz auf und öffnete sein Prospekt.
"Ich habe eben einem Reisenden dieses Blättchen abgekauft. Ist eigentlich viel Unsinn drinnen, aber auf einer Seite stehen ganz interessante Dinge zu alten Runen. Neue Erkenntnisse zu alten Schutz- und Verstärkungszaubern. Wirklich sehr empfehlenswert", sagte er und überreichte mir den Prospekt.
"Oh, ich wette, Julia wird das sehr interessieren."
"Ahh, die neue Lehrerin für Alte Runen. Ja, ich bin mir sicher, das wird sie von den Socken hauen, wie es die Muggel ausdrücken haha!" Er lachte erneut auf und nahm einen kräftigen Schluck Feuerwhiskey. Ich bestellte allerdings bloß einen Kakao bei Rosmerta, die die Besitzerin des Pubs war. "Warum so trocken? Ist der letzte Tag heute. Morgen beginnt der Ernst des Lebens huh hah!", sagte er und klopfte mir auf die Schulter.
"Hier gibt es den absolut besten Kakao im Land. Ich trinke hier wirklich nichts anderes", antwortete ich als Rosmerta mit einem großen Krug an unseren Tisch kam.
"Soso, der Neue also", sagte sie und stellte den Krug vor meine Nase. Er war fast randwoll mit heißem Kakao und eine dicke Krone aus Sahne und Schokostreuseln tronte oben drauf. "Ich hoffe, dass Sie meinen Vorrat nicht so schnell vernichten wie unser lieber Horace hier. In seinen Hochzeiten hatte er es tatsächlich geschafft so viel Elfenwein zu trinken, dass die anderen Gäste sich beschwert hatten, es gäbe bloß Butterbier und Feuerwhiskey."
Horace lachte laut und verschüttete dabei ein wenig des Whiskeys.
"Keine Sorge, Rosmerta. Die Zeiten, in denen ich Wein wie Wasser getrunken habe, sind vorbei ... das Alter, das Alter. Aber hin und wie genehmige ich mir einen Schluck vor dem Bett ... für's Herz."
Sie lachte und verschwand im Hinterzimmer.
"Wenn du dich fragst, was ein alter Zaubertrankmeister mit Runen zu schaffen hat ... das stehen einige interessante Anwendungen für Zaubertränke drinnen. Kürzliche Entdeckungen von Runen, die Tränke verstärken, langlebiger Machen oder unverzichtbare Zutaten sind, wenn man sie in das Gefäß des Zaubertranks ritzt. Ich hätte nie gedacht, dass Runen derartig vielseitig sind", sagte er, während ich mir den Artikel darüber durchlas.


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 Betreff des Beitrags: Re: Das Spiel der Zeit
Verfasst: Mo 20. Jul 2020, 21:56 
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Irrlicht
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Ich erwachte am nächsten Tag aus einem sehr erholsamen Schlaf. Ich war bereit für die neue Herausforderung. So packte ich alle meine Bücher, die Namensliste und den Dienstplan ein und verließ mein rundes Schlafzimmer in den Klassenraum. Dort legte ich die Sachen ab. Die Sonne durchflutete den Raum und ich stellte mir den vollen Raum vor. In einer Stunde würde es beginnen. So ließ ich meine Sachen zurück und begab mich in die Große Halle zum Frühstücken.
Die allermeisten Schüler waren schon im Unterricht, doch einige waren durch Freistunden später aufgestanden. Von den älteren Schülern wurde ich immer öfter kritisch beäugt. Auch das Tuscheln nahm kein Ende. Hingegen waren die Erstklässler wohl viel zu beschäftigt damit sich auf ihre kommende Zeit einzustellen. Ich erinnerte mich sehr gut daran, als ich das erste Mal hier her kam. Wie es gewesen war ausgewählt zu werden, oder wie mein erster Schultag verlaufen würde. Diese Frage stellten sich die Kleinen auch. Wie würde ihr Unterricht ausfallen?
Nach einem deftigen Frühstück aus hervorragendem Rührei und Speck begab ich mich wieder, diesmal voller Elan, in den dritten Stock. Die Kinder hatten bereits eine Schlange geblickt und alle erstarrten sofort, als sie mich sahen. Es klingelte gerade rechtzeitig. Mit einem Schwung meines Zauberstabs öffnete sich die Tür und die Schar trat ein. Freunde setzten sich zueinander und es wurde wieder getuschelt. Doch auch eine leichte Brise des Unwohlseins überzog den Klassenraum. Nicht etwa weil sie wegen des Unterrichts nervös waren, sondern weil der Gruppenzusammenhalt nicht ganz so passte, wie ich es mir erhofft hatte. Ich merkte eine gewisse Rivalität unter den Häusern. Doch dieses Klima war mir durchaus bekannt. Als ich Schüler in Hogwarts war, gab es diese Rivalität ebenfalls, vor allem zwischen Gryffindor und Slytherin. Ravenclaw kam verhältnismäßig gut mit Slytherin aus, aber noch viel besser mit dem Rest. Doch auch zwischen Ravenclaws und Slytherins hatte es des öfteren heftig geknallt. Hingegen war Rivalität unter den Schülern des eigenen Hauses, vor allem in Ravenclaw, nicht selten. Doch heute spürte ich nicht nur einen Grad an Unwohlsein, sondern regelrechte Verachtung. Ich hatte gehofft, dass diese exesszive Feindschaft nach Voldemorts Sturz ein Ende gehabt hätte. Doch ich hatte mich geirrt.
"Guten Morgen, meine Lieben!", begrüßte ich die Meute mit einem fröhlichen Lächeln, um die Stimmung etwas aufzuheitern.
"Guten Morgen, Professor", kam es von den meisten. Einige Gryffindors hatten sich recht weit hinten in der letzten Reihe verschanzt und schienen nicht sonderlich erpicht auf ein freundliches "Hallo" am Montagmorgen, der übrigens sehr sonnig war.
"Also ... ich fang dann einfach mal mit euren und meinem Namen an. Ich bin Professor Caldwell", begann ich und schnippte mit dem Zauberstab, woraufhin ein Stück Kreide meinen vollen Namen an die Tafel kritzelte. Ich griff nach der Anwesenheitsliste: "Ich rufe einfach jeden von euch einmal auf und derjenige hebt bitte die dann Hand, okay?" Sie nickten. Einer nach dem anderen hob die Hand, einer nervöser oder ehrgeiziger als der andere. Als ich am Ende der Liste angekommen war, bemerkte ich, dass die Gryffindor wieder tuschelten, doch sie hörten auf als ich sie mahnend anschaute. "Nun denn. Verteidigung gegen die Dunklen Künste ... ja. Eine recht heikle, aber auch vielschichtige Disziplin, wenn Sie mich fragen. In diesen sieben Jahren werden Sie lernen, wie Sie sich vor schwarzer Magie verteidigen ... was der Name ja schon sagt. Doch umfasst dieses Fach nicht nur die komplizierten Flüche und Gegenflüche, Schutzzauber oder Verwandlungszauber. Es geht auch um die Erkennung von Schwachstellen, sowohl bei Hexen und Zauberern, als auch bei Tierwesen. Sie müssen wissen, worauf Sie sich einlassen. Das wird aber erst später kommen. Im ersten und zweiten Schuljahr werden Sie erstmal die Grundzüge der Verteidigung lernen. Es gibt Zauber, die Sie sehr leicht erlernen können und die in sehr vielen Situationen sehr nützlich sind. Ich werde Ihenen nicht nur beibringen, wie Sie diese Zauber anwenden, und vor allem wann Sie sie anwenden; ich werde ebenfalls Ihre Stärken ermitteln und diese vertiefen. Jeder Zauberer, der von dieser Schule geht, hat seine eigene, ich sag mal, Handschrift, seinen eigenen Stil. Das zeichnet einen Zauberer ebenfalls aus. Sie wurden von Ihren Zauberstäben vor ein paar Tagen oder Wochen ausgewählt. Sie werden ihn, hoffentlich, bis zum Ende Ihres Lebens benutzen. Und durch das regelmäßige Benutzen des Stabs werden Sie alle erfahren, wie Sie vom Zauberstab lernen und wie er von Ihnen lernt. Da es keine zwei identischen Stäbe gibt, gibt es auch keine zwei identischen Stile, sowie es auch keine identischen Charaktereigenschaften unter den Hexen und Zauberern gibt. Also werde ich Ihnen dabei helfen Ihre Handschrift zu verfeinern. Noch Fragen?" Keiner hob die Hand. "Gut, dann komme ich zu unserem Schuljahresplan. Wir haben zweimal pro Woche zusammen Unterricht. Das bietet sich sehr gut an. Montags, also heute, beginnen wir mit der Theorie. Ich weiß, trockene Theorie. Ohne die Praxis ist sie, zumindest in diesem Fach, gähnend langweilig." Einige Schüler horchten auf. Selbst die beiden Gryffindors in der letzten Reihe verstummten. Ich hatte wohl einen Jackpot gelandet. Sie waren alle gespannt auf die Praxis. Verständlich, einige hatten noch nie in ihrem Leben Zauberei gesehen, außer natürlich der ungewollten, unkontrollierten Zauberei, die sie vorher gezeigt hatten. "Sooomit setze ich die Praxistunden auf den Mittwoch, wenn wir zusammen zwischen 14:00 und 16:00 Uhr wieder Unterricht haben. In den Praxisstunden zeige ich Ihnen wie man diese Zauber praktisch anwendet, die wir in den Theoriestunden lernen. Natürlich gehen wir das Ganze sehr langsam an. Am Anfang werde ich Ihnen natürlich noch nicht die gefährlichen und mächtigen Flüche lehren. Wir werden uns vor allem mit kleinen Dingen, wie dem Entwaffnungszauber, dem Beinklammerfluch et cetera witmen." Einige Schüler maulten auf. "Nanu?", lachte ich. "Was haben Sie erwartet? Dass wir uns gleich ins Gefecht stürzen? Sie werden sehen. Selbst die leichten Zauber können in schwierigen Situationen schwer wirken. Aber ich wiederhole mich gerne, wenn ich sage, dass diese sehr, wirklich sehr nützlich sind."
Für den Rest der Stunde durchstöberten wir das Schulbuch Dunkle Kräfte: Ein Kurs zur Slebstverteidigung und ich erklärte den Kindern, wann solche Zauber hilfreich waren. Läuft der Gegner davon, benutze den Beinklammerfluch. Ist sein Zauberstab in einer gefährlichen Position, benutze den Entwaffnungszauber. Großen Gefallen fanden die Schüler an den Illustrationen, die die Handbewegungen mit dem Zauberstab und die Effekte darstellten. Einige blätterten schon gierig in den letzten Seiten, zweifellos um zu sehen, ob da noch kräftige und schwierige Flüche kommen mögen, doch sie wurden leicht enttäuscht. Zwar hatten sie großen Gefallen an einigen Zaubern gefunden, etwa dem Körperklammerfluch oder dem Stoßzauber, dennoch wirkten einige milde enttäuscht über die sehr klein ausfallenden Effekte dieser Zauber. Des öfteren bemerkte ich wieder die beiden Gryffindors in der letzten Reihe, wie Sie untereinander die Flüche und Zauber aufzeigten, aber es beunruhigte mich ein wenig, dass sie manchmal mit biestigen Gesichtern zu zwei Slytherins schauten, die sich ein paar Mal herumdrehten, um zu erkennen, dass über sie geflüstert wurde. Ich schaute nochmal auf die Liste, die sich so geordnet hatte, dass ich mühelos die Namen den Gesichtern zuordnen konnte. Die beiden Gryffindors hießen Geoffrey und Martina. Ich musste die beiden schärfer im Auge behalten. Das nahm ich mir vor. Nachdem ich wieder auf die Liste schaute, um zu sehen, wer die beiden Slytherins waren, wurde mir klar, warum sie getuschelt hatten. Es waren Scorpius Malfoy und Albus Severus Potter.
Als die Glocke läutete, bat ich die Schar noch um ihre Aufmerksamkeit: "Bitte, suchen Sie in Ihren Büchern, oder in den Büchern in der Bibliothek, nach nützlichen Zaubern, die Sie interessant finden. Dann können wir für die nächsten Wochen eine kleine Ansammlung an Zaubern üben. Ach ja, bevor Sie gehen, hab ich noch eine kleine Ankündigung: Ab November wird einmal pro Woche, und wenn es beliebt auch am Wochenende, der Duellierclub stattfinden. Informationen dazu finden Sie auf den schwarzen Brettern in Ihren Gemeinschaftsräumen. Wenn es Interessenten gibt, können Sie mich jederzeit ansprechen. Dann organisieren wir einen Übungsplatz, ob in der Großen Halle oder woanders. Es kann jeder teilnehmen. Dazu wird es auch vor jedem Ferienbeginn ein abendliches Turnier mit Abendessen und Getränken geben. Auch da ist die Teilnahme nicht verpflichtend. Aber es wird tolle Preise geben", schloss ich den Unterricht ab.

Im Lehrerzimmer setzte ich mich vor den Kamin, da es langsam kalt wurde, und öffnete das Schulbuch der ersten Klasse. Ich stöberte ein wenig herum und fragte mich, welche Zauber sich die Schüler wohl aussuchen würden. Es gab wirklich sehr interessante Zauber, die Kinder bereits problemlos und risikolos anwenden könnten.
Ich ging die erste Stunde nochmal im Kopf durch und sagte mir, dass sie wohl ein Erfolg gewesen war. Ich freute mich allerdings mehr auf die Praxisstunden. Zu sehen wie die Kinder Fortschritte machen werden wird mich glücklich stimmen.
"Jaaaa, ich werd' eine gute Zeit hier haben", sagte ich und schaute aus dem Fenster, wobei mir meine ehemalige Beschäftigung durch den Kopf ging, die ich zwar mochte, die aber durch da fehlende Interesse meiner Vorgesetzten auch letztlich meine Passion verlor.

Die letzte Stunde der Erstklässler von Ravenclaw und Hufflepuff verlief genau wie die der Gryffindors und Slytherins, doch hatte ich das Gefühl, dass diese beiden Häuser wesentlich besser miteinander auskamen, so wie ich es in Erinnerung an meine Schulzeit hatte.
Nachdem ich mich abends mit Julia zum Abendessen in der Großen Halle getroffen hatte, wobei es deftigen Kartoffelauflauf mit Bratwürstchen und Yorkshirepudding gegeben hatte, entschied ich mich noch ein wenig in meinen Räumlichkeiten zu lesen.
Das Buch, welches ich vorhatte zu lesen, war eines der drei Bücher aus dem Bücherregal in einer der kleineren Bibliotheken am anderen Ende des Schlosses, die mir beim letzten Mal aufgefallen waren. So machte ich mich also auf den Weg nach diesem Raum zu suchen. Es war mittlerweile stockdunkel geworden und durch die Korridore zog ein kühler Wind. Ein paar Fackeln beleuchteten sperrlich die verwinkelten Korridore, sodass ich gerade noch erkennen konnte wo es entlang ging. Ich entzündete ein Licht an meinem Zauberstab, um besser sehen zu können, doch eine Büste eines neuzeitlichen Zauberers beschwerte ich gähnend, dass es zu hell sei.
"Verzeihung, ich suche den Weg zu einer der kleineren Bibliotheken. Sie muss irgendwo nördlich sein", sagte ich und versteckte meinen Zauberstab hinter meinen Beinen, damit das Abbild des Zauberers nicht geblendet wurde.
"Bibliothek? Es gibt tausende Bibliotheken hier. Also zumindest tausende Bücherregale, die nicht in der großen Bibliothek stehen haha", lachte der Mann, der nun hellwach wirkte. "Ich weiß noch, zu meiner Zeit änderten sich die Flure, Korridore und Zimmer des Schlosses ständig. Mal war da eine Toilette, mal ein Wandteppich", schwelgte der Kopf lächelnd.
"Ja, das stimmt. Aber das Schloss tut das doch seit dem 18. Jahrhundert nicht mehr so stark, zumindest seit Dilys Derwent Schulleiter war.
"Jaaaa, aber Sie vergessen den ... dunklen Teil des Schlosses", sagte die Büste geheimnistuerisch.
"Den dunklen Teil? Sie meinen, der Teil, der nicht mehr verwendet wird?"
"Ganz recht, dieses Schloss hat unwahrscheinlich viele Korridore und Flure, die heute keiner mehr benutzt. Flüche, Banne und anderweitige Zauber, die vor Jahrhunderten zurückgelassen wurden, zieren das Bild dieses Teils des Schlosses. Sie glauben ja nicht, was zu meiner Zeit, oder noch vor meiner Zeit, üblich war. Es war eine Zeit, in der fast ganz Europa hier unterrichtet wurde, bevor es andere Zauberschulen gab. Da brauchte man den Platz. Aber dieser Teil des Schlosses wird heute nicht mehr betreten. Nicht nur wegen der Gefahr, die von dort ausgeht, sondern auch weil es vergessen wurde. Verliese, tief unter der Erde; Zauberbücher, die so schrecklich sind, dass man sie nie wieder anfassen wollte. Oder gar Kreaturen, die man zurücklies."
"Aber ...", begann ich leicht verwirrt. "Ich suche nach einem Raum voller Bücher, der hier an der Oberfläche liegt."
"Ohh", sagte der Kopf traurig. "Ein Raum voller Bücherregale, irgendwo in Richtung Norden. Dann müssen Sie ... nach Norden", schloss der Kopf.
"Danke", sagte ich leicht genervt.
"Keine Ursache, Sir." Die Büste verneigte sich und schloss die Augen.
"Gute Nacht."
Ich ging weiter den Korridor entlang und ließ mir seine Worte durch den Kopf gleiten. Ich wusste, dass es einen großen, vergessenen Teil des Schlosses unter der Erde gab, wobei auch ein Teil des Schlosses über der Erde nicht mehr benutzt wurde. Ich hatte allerdings keine Ahnung von den Gefahren, die von dort kommen mochten. War es nur eine Schauergeschichte der Büste, um vorbeiziehende Lehrer und Schüler einzuschüchtern? Vielleicht. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass es in dem Schloss Flüche gab, die niemand aufgehoben hatte. Allerdings gibt es vieles in der Geschichte Hogwarts', welches nur auf Vermutungen basierte. Ich wusste, dass der Raum mit den Bücherregalen kein Unicum darstellte. Es gab viele Räume wie diesen. Da hatte der Kopf Recht gehabt. Sie mussten auch nicht durch einen Bibliothekar geschützt und verwaltet werden, da das normalerweise Schutzzauber taten. Aber dieser Raum, den ich suchte, war vollkommen ab vom Schuss. Dort bewegte sich niemand. Nachdem Hogwarts im 10. Jahrhundert gegründet worden war, strömten fast alle Zauberer aus ganz Europa an, um hier ihre Ausbildung zu erhalten. Das Schloss wurde von Anfang an so groß gebaut, damit alle hier Platz fanden. Als aber ab der Neuzeit vermehrt Hexen und Zauberer verfolgt wurden und auch im Hochmittelalter andere Zauberschulen gegründet worden waren, blieben auch die Schüler aus. Somit wurde der restliche Teil des Schlosses nicht mehr gebraucht. Ebenso dieser Bücherregalraum.
Ich folgte einer offenen Steintreppe, die in einen Korridor über mir führte und mich schließlich über eine Hängebrücke über den Burggraben führte. Hier ging es tief runter und ich konnte zu meiner Rechten an den Schlossmauern vorbei die große Steinbrücke sehen, die von großen Fackeln beleuchtet wurde. Es zog ein eisiger Wind durch diese Schlucht, was mich etwas laufen ließ. Ich war mir zu hundert Prozent sicher, dass ich vollkommen falsch war. Ich war gar nicht soweit von der Großen Halle enfernt gewesen, aber trotzdem packte mich die Neugier. Die Hängebrücke lag sehr tief, weit unterhalb der Großen Halle, aber noch nicht auf der Höhe der Kerker. Der nördliche Teil des Schlosses war einer der Teile, die kaum noch benutzt wurden. Die Zaubertrankkerker waren zwar von hier aus nicht weit, aber über diese Brücke kam man meines Wissens nicht dorthin.
Auf der anderen Seite öffnete ich die große Tür und ich gelangte in eine kleinere Halle, von der aus drei Gänge in jeweils drei verschiedene Richtungen führten. Ich entschied mich für den mittleren und folgte einem Korridor, der mich vorbei an alten Holztüren führte, die vermutlich zu alten Klassenräume gehörten. Ich entschied mich allerdings dem Korridor bis zu einer steinernen Wendeltreppe zu folgen, die mich weiter nach oben brachte. Bevor ich jedoch einen alten Wandteppich passierte, auf dem eine alte Hexe von Muggeln verbrannt wurde, hielt ich inne. Ich war vollkommen falsch. Ich wollte mich nicht zu sehr von meinem Schlafzimmer entfernen. Aber es juckte mich noch sehr die letzten Winkel des Schlosses zu erkunden. Aber ein Blick auf meine Taschenuhr sagte mir, dass es bereits kurz nach ein Uhr war. So drehte ich wieder herum und ging den ganzen Weg wieder zurück in den bewohnten Teil des Schlosses. Nachdem ich die Brücke wieder überquert hatte und einige Korridore zurückgelassen hatte, die ich gar nicht auf dem Hinweg genommen hatte, merkte ich, dass ich in der Nähe dieser Bibliothek sein musste. Und tatsächlich! Hinter der nächsten Tür lag der Raum, den ich gesucht hatte. Ich ging zu dem Regal, in dem ich das Buch gefunden hatte, und ergriff es. Domitius und das Tor zum Glück. Das musste eine spannende Geschichte sein, die ich aber an dem Abend nicht mehr lesen wollte. Es war bereits halb zwei und am nächsten Tag hatte ich bereits um acht Uhr die Sechstklässler ... und das zwei Schulstunden lang.
Ich klemmte mir das Buch unter den Arm und wollte gerade zum Gehen ansetzen, als ich ein flatterndes Geräusch hörte. Ich reagierte schnell und versteckte mich hinter dem Bücherregal, das dummerweise mitten im Raum stand. Ich löschte das Licht meines Zauberstabs und versuchte durch die Mondstrahlen etwas zu erkennen. Auf meiner Seite des Raums war nichts also blickte ich zu der Tür, aus der ich gerade gekommen war, dochdort war auch nichts. Das Flattergeräusch wurde immer lauter. War es ein Vogel? Es musste ein großer Vogel gewesen sein, denn seine Schläge waren recht langsam. Ich schaute durch die Lücken im Regal, konnte aber wieder nichts erkennen. Doch als es mir sehr kalt den Rücken herunterlief, ahnte ich, wo sich das Wesen aufhalten konnte. Ich umklammerte fest meinen Zauberstab und schaute nach oben. Doch es war kein Vogel. Das Mondlicht beleuchtete ganz klar die Konturen eines Buches, welches über meinem Kopf seine Kreise zog. Bevor ich mich von meiner Erkenntnis erholt hatte, stürzte das Buch auf mich herab. Ich sprang zur Seite und das Buch klatschte mit einem tiefen Schlag auf den Boden. Ich hörte laute Stimmen und Glas oder Keramik zerbrach in der Ferne. Ich hatte keine Zeit über diese sekundären Geräusche nachzudenken, denn das Buch hatte sich wieder in die Luft erhoben und flatterte geradewegs auf mich zu. Ein Buch war eigentlich keine sonderlich große Bedrohung, doch wollte ich nicht von einem mindestens zehn Pfund schweren Band über Gartenkräuter erschlagen werden. Ich versteckte mich hinter einem weiteren Regal, welches mitten im Raum stand und schlich an der anderen Seite entlang, bis das Regal eine Biegung machte und mir das Mondlicht direkt ins Gesicht schien. Das Buch hatte seine Flatterfrequenz verlangsamt, sodass ich vermutete, es hat sich irgendwo niedergelassen. Ich schlich weiter an dem Regal entlang, welches bis zur Ecke des Raumes führte. Ich war der Tür nahe, doch wollte ich das Buch mitnehmen, welches ich lesen wollte. Vor Schreck hatte ich es bei dem Angriff fallengelassen. Ich schaute um die Ecke und hatte mein Buch im Blick, das fliegende Buch hingegen nicht. Da hatte ich die erste Regel missachtet, welche man uns in der Aurorenausbildung gelehrt hatte: "Lasse niemals den Feind aus dem Auge."
Lag es irgendwo auf der Lauer? Ich hoffte nicht. Ich schaute wieder nach oben, doch da war diesmal nichts. Ich entschloss mich also auf das Buch zuzusprinten und dann die Biege zu machen. Doch bevor ich loslief, fing auch das Buch an zu flattern. Im Mondlicht erkannte ich den schweren, roten Band, wie er mit halsbrecherischer Geschwindigkeit auf mich zuflog. Ich erhob den Zauberstab und rief: "Stupor!"
Ein roter Blitz zuckte aus meinem Zauberstab und traf das Buch in all seinen Seiten, sodass es regungslos zu Boden fiel, bevor es mich erreichte. Ich ergriff mein Buch und horchte durch die Stille. Es war als hätte ich laute Schritte gehört. Da fielen mir wieder die Stimmen und das Geräusch des Zerbrechens ein und ich nahm die dritte Tür in diesem Raum, mit dem Buch in meinem Arm. Die Tür sprang auf und ich beleuchtete den nächsten Raum. Einige Fackeln waren entzündet. Auf dem Boden lag ein riesiger, roter Teppich und an den Wänden waren Schaufenster, die Muggelapparate beinhalteten, wie Staubsauger, Computer, Autoschlüssel und Fernbedienungen. Doch ein Schaufenster war zerbrochen. Ich schwang meinen Zauberstab und dachte den Zauberspruch Vitrum Reparo. Das Schaufenster fügte sich wieder natlos zusammen. Es war wohl ein leeres Fenster gewesen, denn weder war darin ein Sockel, noch ein Objekttext, das das Objekt beschreiben sollte. Der Täter hatte offenbar nichts entwendet. Doch wieso wurde das Fenster zerbrochen? War es ein Unfall? Vielleicht fand hier ein Duell statt. Die Schüler taten sowas sehr gerne, vor allem nachts. Ich war bei meiner Zeit nicht anders gewesen. Doch wenn jetzt Schüler sich zum Duellieren getroffen hatten, musste ich dem auf den Grund gehen, und den Vorfall melden. Mein Verdacht lag bei Geoffrey und Martina, die in meiner ersten Stunde über Scorpius und Albus getuschelt hatten. Andererseits kannte ich weder diese beiden genug, noch hatte ich schon mit den anderen Schülern zu tun gehabt. Es hätte also sonst wer sein können, zumal es unwahrscheinlich war, dass die beiden nach einer Schulstunde, bei der wir nichtmal praktisch geübt hatten, Flüche wirken konnten. Aber irgendwer musste es gewesen sein. Vielleicht auch Peeves, der Poltergeist? Das würde ganz seinem Geiste entsprechen. Ich entschied mich die Verfolgung aufzunehmen, auch wenn es unwahrscheinlich war, dass ich einen von denen fassen konnte. Sie mussten geflohen sein, als sie meinen Kampf mit dem Buch mitbekommen hatten. Zudem wusste ich nicht, durch welche der beiden Türen sie entkommen waren, doch die Wahrscheinlichkeit war sehr groß, dass sie zu ihren Schlafsälen geflohen waren. Die andere Tür führte nämlich noch weiter weg. Ich öffnete die nächste Tür und befand mich nun in einem langen, sehr schmalen Korridor, ohne Fenster und mit einem langen, roten Teppich ausgestattet. An der Wand hing wieder ein Wandteppich, der einen einsamen Zauberer zeigte, der alleine im Wald neben seiner Hütte ein Kaninchen röstete. Es war absolut still. Ich schlich den Korridor entlang, der irgendwann in einen größeren, vollkommen leeren Saal mündete. Als die Tür hinter mir zufiel, schnaufte ich enttäuscht aus. Zwei Türen führten in die gleiche Richtung. Ich hatte sie also verloren. Ich wusste selber nicht, welche Tür ich nehmen sollte, als entschied ich mich die linke Tür zu nehmen, da sie etwas anders aussah, als alle anderen Türen. Ich erwartete einen weiteren Korridor, doch fand ich mich wieder in einem großen Raum wieder, der offenbar mal als Klassenraum verwendet wurde. Auf der anderen Seite war wieder eine herkömmliche, romanische Tür. Doch diese führte offenbar in den Verwandlungskorridor. Ich war doch vor wenigen Sekunden noch im anderen Ende des Schlosses gewesen. Ich kehrte wieder um und öffnete die Tür, aus der ich gekommen war, doch sie führte bloß in eine Abstellkammer.
Ich war schon sehr häufig durch merkwürdige Türen in diesem Schloss gelaufen. Geheimtüren, sprechende Türen, Türen, die keine waren, sondern Wände, die nur so taten als ob, oder gar Wandvorhänge, die durch Passwörter oder Zaubersprüche zum Leben erweckt werden, um einen Durchgang zu ermöglichen. Doch ich war noch nie durch eine Tür geschritten, die mich quer durch das Schloss teleportierte.
Als ich wieder in meinem Bett lag gingen mir einige Fragen durch den Kopf. Niemand hatte je alle Geheimnisse des Schlosses entdecken können. Dazu gab es viel zu viele Zauber und Geheimgänge. Ich hatte nun Zeit alle Orte des Schlosses zu erkunden. Und als Lehrer konnte mich keiner davon abhalten.


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 Betreff des Beitrags: Re: Das Spiel der Zeit
Verfasst: Do 13. Aug 2020, 05:37 
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Irrlicht
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"Und?"
"Hmm?"
"Wie war es?"
"Was denn?"
"Das Buch ..."
"Ohh ja, richtig." Julia hatte sich beim Frühstück zu mir herübergelehnt und war offenbar sehr interessiert an dem Buch. "Naja, ich habe es noch nicht gelesen. Ich habe die halbe Nacht damit verbracht das Bücherregal zu finden, aus dem ich es habe." Ich stocherte nach den Bratwürstchen, die fein säuberlich gestapelt waren, doch das Türmchen stürzte in sich zusammen. Einige Würstchen rollten über den Tisch und fielen auf den Boden.
"Echt schade", sagte sie und schwang ihren Zauberstab, sodass die gefallenen Würstchen verschwanden.
"Ich habe dich gestern nicht gefragt, wie dein erster Tag war. Wie war er?", fragte ich und Julia lachte vergnügt auf.
"Naja, es war schon ein wenig witzig. Ich hatte die siebte Klasse gleich am Morgen. Es verlief aber eigentlich sehr entspannt. Ich hatte gedacht, dass die Siebtklässler alle viel schlauer und viel gebildeter seien als ich, aber ich konnte doch noch mit ihnen mithalten", sie lachte wieder auf. Ihre Nervosität war mir gar nicht aufgefallen. Sie hatte sie sehr gut verstecken können. "Hmm aber es war ja nur die erste Stunde. Wir brauchten etwas, um uns aufeinander einzustellen. Von da an war es spielend leicht. Runen lesen und schreiben konnten sie alle. Zauber legen auch. Es war wirklich sehr spannend zu sehen, was man alles mit ein paar Symbolen und Steinen machen kann."
Sie erzählte mir viel von ihrer ersten Stunde. Allmählich schlossen sich auch die anderen Lehrer an und berichteten von ihren Ereignissen am ersten Schultag. Es war nicht nur für die Schüler sehr aufregend den ersten Schultag zu verbringen und davon zu erzählen. Auch die Lehrer mussten sich wieder in den neuen Rhythmus einfügen, sie mussten offen für Neues sein und vor allem sehr geduldig mit den Schülern sein.
Neu war es auch für die Schüler. Nie gab es einen ausländischen Lehrer, zumindest soweit ich wusste, außer Julia. Die Schüler fragten sie viel über ihr Heimatland Brasilien, über ihre Schule und ob sie ihren Aufenthalt in Hogwarts genoss. Doch mir fiel auf, dass zwei Jungen Julia nicht mit Fragen löcherten. Vielleicht war mir das schon zu Kopf gestiegen, doch Albus und Scorpius aus der ersten Klasse schienen sich da eher zurückzuhalten. Auch die anderen Lehrer berichteten, dass die beiden recht schweigsam wären. Aber mir fiel auf, dass Scorpius eine Schwellung am Kopf hatte. Als ob er irgendwo gegengelaufen war. Auch Albus schien verdächtig oft seine Hand am Kopf zu halten, um etwas zu verdecken. Eine Wunde? Er schaute nun in meine Richtung. Ich ließ meinen Blick wieder über den Lehrertisch wandern.
Mir schien, als hätte ich die Verursacher des nächtlichen Gepolters gefunden. Doch ich konnte mir nicht vorstellen, dass die beiden sich duelliert hatten. Erstens waren sie gerade einmal einen Tag hier und hatten keine Erfahrung und zweitens waren sie miteinander befreundet. Ich erinnerte mich an die beiden Gryffindors, die über die beiden gelästert hatten, und suchte in derGroßen Halle nach ihnen. Sie saßen an ihrem Tisch und lachten lauthals über etwas. Doch sie wirkten nicht sehr lädiert. Hatten sie das Duell gewonnen? Oder hatten sie überhaupt daran teilgenommen?
Ich erwischte mich selbst dabei, wie ich viel zu tief in meinen Gedanken und Spekulationen hing. Ich sollte das Ganze nicht so ernst nehmen. Raufereien waren an Schulen normal. Dennoch empfand ich Mitleid mit den beiden. Ich hatte am gestrigen Tag und heute Morgen sehr viele Schüler tuschelnd sehen. Nicht mehr über mich, wie am Wochenende, doch die Schüler schienen sich sehr für Scorpius und Albus zu interessieren. Alles begann mit der Auswahl des jungen Albus. Niemand hatte damit gerechnet, dass er nach Slytherin kam. Dennoch war es so geschehen. Und das verursachte eine ziemlich große Welle des Tratsch und der Lästereien.

Nach dem Frühstück bewegte ich mich, nun viel entspannter und mit viel mehr Vorfreude, in Richtung meines Klassenzimmers, wo schon meine sechste Klasse, Gryffindor und Slytherin, wartete. Ich hatte vielleicht Glück. Nach den Stunden mit den Erstklässlern schien es viel einfacher jetzt mit dem gleichen Thema weiterzumachen. Nur waren jetzt die Großkaliber dran - Flüche.
Wie ich erwartet hatte, wartete die Meute bereits vor meiner Klassenzimmertür. Sie wirkten recht gelassen, viel mehr als die Erstklässler. Einige beäugten mich etwas kritisch, doch dies entegnete ich mit einem freundlichen Lächeln. Mit einem Schwung meines Zauberstabs öffnete sich die Tür und alle traten ein. Ich huschte zum Lehrerpult und drehte mich zu den Schülern um, die recht erwartungsvoll zu mir schauten.
"Guten Morgen, miteinander", dröhnte ich durch die Klasse und einige schienen aus ihrer morgendlichen Trance zu stolpern. Lauter als gedacht entgegneten alle den Gruß.
Ich begann, wie auch bei der ersten Klasse, mit dem Vorlesen der Namen. Tatsächlich war die Liste viel kürzer, denn nicht jeder hatte Interesse gezeigt nach dem ZAG Verteidigung gegen die Dunklen Künste fortzuführen. Aber die, die hier waren, schienen recht entschlossen zu sein mir zu zeigen, was sie schon drauf hatten. Ich legte die Liste beiseite und schaute in die Runde.
"Sehr schön. Dann können wir ja beginnen. Ich will anfangs keine großen Reden schwingen", begann ich und griff nach dem Stundenplan der sechsten Klasse. "Ich erkläre Ihnen nur eben wie ich mir den Unterricht vorgestellt habe. Wir haben Doppelstunden, das ist sehr gut. Dann haben wir genügend Zeit. Dienstags werden wir die Theorie durchpauken und Donnerstags dürfte dann der interessantere Teil kommen, die Praxis. Sie sind jetzt in der sechsten Klasse. Das bedeutet folgendes. Wir werden uns in diesem Jahr den schwierigen Formen der Verteidigung widmen, und, das muss ich dazu sagen, dem Angriff. Sie haben sicherlich gelernt, wann Sie einen Angriff durchführen können, beziehungsweise dürfen. Naa?" Ich schaute in die Runde. Einige Köpfe zuckten nach oben, da plötzlich ihre Meinung gefragt war. Zwei Hände erhoben sich.
"Wir dürfen angreifen, wenn der Gegner einen Angriff vollführen will oder andere in unmittelbarer Gefahr sind", sagte eine Schülerin, die ich als Elvira Hudson identiffizierte, nachdem ich auf den Sitzplan geschielt hatte.
"Ganz recht. Und, wenn Sie igrnedwann eine Aurorenlaufbahn einschlagen wollen, dann auch wenn Sie jemanden festnehmen. Tatsächlich dürfen Sie Feinde magisch festhalten, bis das Ministerium Leute schickt. Aber das sind nur Nebensächlichkeiten. Natürlich wird der Gegner nicht unbewaffnet sein. Merken Sie sich das gut. Es gibt nicht viele Möglichkeiten hier in Großbritannien Magie zu lernen, deshalb ist es möglich, dass der Gegner auch hier an dieser Schule war, vielleicht sogar noch hier ist. Das bedeutet nicht nur, dass Sie Ihren Gegner womöglich wiedererkennen werden, sondern dass er mindestens genau so gut ist wie Sie. Deshalb müssen Sie auf alles vorbereitet sein! Kennen Sie die Grundlagen. Sie wissen, wie man jemanden entwaffnet. Ohne den Zauberstab ist der Magier machtlos. Aber mit seinem Zauberstab vermag er Sie zu töten, wenn er es denn will. Und daran führt oftmals kein Weg vorbei. Man hat Ihnen hier beigebracht, wie man sich anständig duelliert. Man verbeugt sich, geht auf Distanz und gibt seine Flüche ab. Das machen Gentlemen oder bei Turnieren. Aber ich in der wirklichen Welt passiert Ihnen das nicht. Vielleicht sehen Sie den Feind auch nicht. Deshalb machen Sie sich bewusst, dass die Dunklen Künste viele Gesichter haben. Deshalb muss Ihre Verteidung ebenso vielschichtig, komplex und spontan sein. Oftmals reicht ein Entwaffnungszauber nicht aus. Expelliarmus, Protego, Zauberstab verloren, tot. Das ist normalerweise die Reihenfolge von jemandem, der sich praktisch mit seinem eigenen Zauber entwaffnet. Bei jemandem, der Sie töten will, müssen Sie größere also Geschütze auffahren. Und dazu kommen wir in diesem Semester. Wir werden heute eine Probestunde machen. Ziehen Sie bitte alle Ihre Zauberstäbe und räumen Sie Ihre Sachen weg." Damit hatte keiner gerechnet. Alle zögerten, nachdem sie die Anweisung vernommen hatten. "Ich habe nicht vor Sie zu verfluchen, keine Angst", sagte ich und schob den Lehrerpult magisch zurück. Die Schüler erboben sich langsam und stellten ihre Taschen an die Seite. Mit einem Schwung standen alle Tische und Bänke an den Fenstern.
"Sir? Haben Sie nicht gesagt, dass die Praxisstunde erst am Donnerstag ist?"
"Ganz Recht, Mister ..." Wieder beäugte ich den Sitzplan, doch der Junge kam mir zuvor. "Bletchley, Sir", sagte er und starrte mich verwirrt an. "Wir sind noch am Anfang. Eine kleine Praxislektion kann da nicht schaden. Außerdem gibt es da noch einen kleinen Punkt zu klären. Stellen Sie sich bitte paarweise gegenüber auf und verteilen Sie sich etwas gleichmäßiger im Raum." Es gab ein kurzes Gedränge, doch nach wenigen Sekunden standen alle an den beiden langen Wänden, ihren Gegnern gegenüber. Ich ging zum Lehrerpult zurück und begutachtete die Runde.
"Sie sind nun in einen Kampf verwickelt. Visieren Sie Ihre Gegner an, lassen Sie aber keine Flüche los!" Alle hoben ihre Zauberstäbe und richteten sie auf ihre Gegenüber. Ich stellte mich neben einen kleineren Jungen, der seinen Zauberstab auf seinen Freund gerichtet hatte. "Was ist wichtig, bevor Sie den Kampf eröffnen?"
"Das Ziel im Blick zu haben", antwortete der Junge.
"Ganz richtig, Mister ... Bell, richtig?", entegenete ich. Der Junge nickte. "Halten Sie den Zauberstab etwas höher, sodass Ihre Augen eine einheitliche Linie mit Ihrem Zauberstab bilden. Somit können Sie das Ziel besser anvisieren, ja?" Der junge Mister Bell tat wie ihm geheißen und sein Gegenüber wurde zunehmend nervöser. Es gefiel ihm nicht, dass man seinem Kumpel Tipps gab, wie man ihn noch effizienter verfluchen konnte. Alle anderen im Raum taten es ihm gleich. "Stellen Sie sich etwas stabiler hin. Gehen Sie ein wenig in die Knie, sodass Sie jederzeit zur Seite springen können."
Alle ahmten diese Position nach, doch Bletchley fand das nicht sehr spannend. "Das ist doch Kindergarten!", lamentierte er in sich hinein und verdrehte die Augen.
"Problem, Blethley?", fragte ich.
"Ja, Sir. Ist das wirklich notwendig? Wir sind doch keine Erstklässler!"
"Dessen bin ich mir bewusst, Mister Bletchley. Ich halte es aber für notwendig, dass wir alle auf einem Niveau anfangen, da es mit der Zeit schwieriger wird. Um genau zu sein geht es heute schon los." Ich wandte mich wieder den anderen zu, die ihre Zauberstäbe wieder gesenkt hatten. "Nun gut. Mister Bletchley möchte diesen Kindergarten nicht fortführen. Das müssen wir natürlich respektieren. Aber er hat vielleicht Recht. Was ich Ihnen gerade gezeigt habe, sind die Grundlagen. Das müssen Zweitklässler können. Dennoch baut das, was heute kommt, genau darauf auf. Ich sage es Ihnen frei heraus. Wenn Sie nicht richtig stehen, stehen Sie nicht mehr lange. In diesem Schuljahre geht es nicht nur um die Flüche, sondern auch um die Art sie zu wirken. Ich sagte, dass Ihre Strategie vielseitig sein muss. Sie müssen Vorteile aus dem gewinnen, was Sie können oder was Sie haben. Einen Vorteil werde ich Ihnen heute beibringen. Und da gibt es für Sie keinen Ausweg. Sie müssen das nicht nur bei mir können, sondern auch in allen anderen Fächern", sagte ich und suchte die Menge nach einer erhobenen Hand ab, die ich auch fand. Es war Michael Bell: "Stilles Zaubern."
"Ganz genau. Mister Bletchley, kommen Sie mal her." Verwundert schaute er mich an und trat dann in die Mitte des Raumes. Er ahnte schon, was auf ihn zukam. "Ich gebe Ihnen die Erlaubnis mich anzugreifen. Schleudern Sie mir Zauber, Flüche oder Verwünschungen entgegen. Egal welchen. Lassen Sie Ihrer Phantasie freien Lauf. Aber ... Sie dürfen kein Wort dabei sagen, verstanden?"
Bletchley runzelte die Stirn. Damit hatte er nicht gerechnet. Er hatte gedacht, dass ich Zauber an ihm ausprobieren wollte, doch das Gegenteil war der Fall.
"Egal welchen?"
Ich nickte. "Nur, bitte töten Sie mich nicht." Die angespannte Stimmung ging in tosendes Gelächter auf.
"Aber wie mache ich das?", fragte er, wobei er sich ein Lachen nicht verkneifen konnte.
"Denken Sie ganz fest an den Zauber ... oder Fluch. Denken Sie an seine Wirkung. Dabei müssen Sie wollen, dass der Zauber mich trifft. Denken Sie den Zauberspruch, aber sagen Sie ihn nicht. Sprechen Sie ihn in Gedanken so laut und deutlich wie möglich aus. Ihr Zauberstab wird ihn hören", entgegnete ich und machte mich bereit.
Bletchley überlegt kurz, grinste leicht und schaute mir dann gehässig in die Augen. Er hatte sich einen ganz fiesen Spruch ausgedacht, der mich womöglich vor der Klasse blamieren sollte. Ich ging in Verteidigungsposition und stellte mich so, als ob ich ein Schwert aus seiner Scheide ziehen wollte. Ich merkte wie Bletchley angestrengt versuchte, den Befehl an seinen Zauberstab weiterzuleiten. Immer wieder flüsterte er den Spruch. Da die ganze Klasse den Atem angehalten hatte, konnte ich klar verstehen, was er sagte. "Impedimenta, Impedimenta", flüsterte er und ich wusste sofort, dass er mir einen Lähmzauber aufhalsen wollte. Aus der Spitze seines Zauberstabs züngelten schon weiße Flämmchen heraus. Ein paar Schüler traten zurück. Er nuschelte weiter doch mit der Zeit wurde sein Flüstern leiser und sein Blick glasiger. Ich stand nach wie vor in Verteidigungshaltung da, bereit den Zauberstab wie ein Schwert zu ziehen. Langsam überlegte ich, ob es vielleicht ein Trick war, doch während ich für einen Moment nachgedacht hatte, drehte Bletchley seinen Zauberstab im Kreis und ein weißer Blitz brach daraus hervor. Ich reagierte im letzten Augenblick und zog blitzartig den Zauberstab, während ich Protego dachte. Der weiße Blitz prallte auf den unsichtbaren, halbrunden Schild und verteilte sich blitzförmig an der Oberfläche des Schildes in alle Richtungen, wobei Funken die durch den Raum stoben. Die Schüler wichen zurück, doch es war vorbei. Bletchley hatte den Zauberstab sinken lassen und atmete schwer vor Anstrengung.
"Genau so!", gratulierte ich dem Jungen. "Genau so wird still gekämpft. Ich nehme an, Sie alle wissen, welchen Vorteil das Ganze hat. Ich war für eine Sekunde abgelenkt gewesen, Mister Bletchley hat diese ausgenutzt und angegriffen, ohne mich mit einem Zauberspruch vorzuwarnen."
Den ganzen restlichen Morgen versuchten die Schüler sich gegenseitig Flüche an den Hals zu werfen, wobei sie des öfteren versuchten, die Zaubersprüche zu flüstern. Es erforderte eine ungeheure Konzentration einen Zauber zu wirken ohne die Lippen zu bewegen. Einigen gelang es aber, auch wenn ihre Flüche wesentlich schwächer waren, als wenn sie diese laut ausgesprochen hätten. Kyle Bletchley trainierte mit einem drahtigen, hochgewachsenen Jungen, der versuchte, seine Flüche abzublocken. Hin und wieder gelang es ihm eine stabile, unsichtbare Wand vor sich aufzubauen, doch den Fluch zurückzuschicken war ihm noch nicht gelungen.
Nach der Doppelstunde verließen die Schüler wesentlich gelassener und erfreuter als sie zu Beginn der Stunde gewesen waren. Vor allem kam Freude auf als ich ihnen von dem Duellierclub und dem Duellierturnier erzählte, welches ich gedachte zu veranstalten. Als der Klassenraum wieder frei von Schülern war, lächelte ich in mich hinein. 'So kann es weitergehen', dachte ich und schloss zufrieden das Buch, welches heute gar nicht zum Einsatz kam.

Auch die vierte Klasse war ein voller Erfolg gewesen. Sie waren nicht so skeptisch wie die Sechstklässler gewesen und wirkten sogar noch etwas wissbegieriger. Nach meiner Standardansprache hatte ich ihnen das Lehrprogramm vorgestellt. Es ging ebenfalls hauptsächlich um das Abwehren von Flüchen, doch der Theorieunterricht sollte sich hauptsächlich um historische Anwendungen drehen. Ich sollte zwar versuchen Professor Binns nicht zu überbieten, aber einen kleinen Ausflug in die Geschichte der Verteidigung sollte nicht schaden.
Als ich in der Pause durch die Korridore zog, bemerkte ich viele Sechstklässler, die versuchten, Zauber stumm zu wirken. Nicht nur Flüche, sondern auch Alltagszauber oder Verwandlungszauber, da sie bereits am Tag zuvor Zauberkunst und Verwandlungen gehabt hatten. Ständig versuchten die Schüler ihre Zauberstäbe zu verstecken, wenn Lehrer vorbeizogen. In ihren Gemeinschaftsräumen konnten sie zaubern, ohne dass jemand über ihre Schultern schaute. Ich wurde das Gefühl aber nicht los, dass die Schüler die Nacht nutzen würden, um selber das Duellieren zu üben. Zumindest hatte ich das des öfteren mit meinen Freunden getan. Ich war zwar nie erwischt worden, doch war es sehr häufig sehr knapp gewesen. Das würde noch sehr spannend werden.


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 Betreff des Beitrags: Re: Das Spiel der Zeit
Verfasst: So 16. Aug 2020, 05:27 
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Irrlicht
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Die Wochen verstrichen und der Herbst kam langsam mit seiner vollen Wucht auf uns zu. Die Tage wurden immer dunkler, immer öfter spühlte der Regen alle Motivation aus den Köpfen der Schüler. Die Kaminfeuer in den Gemeinschaftsräumen oder den Klassenräumen sorgten für angenehme und trockene Temperaturen, doch sobald man das Schloss verließ, schlug eine Wand aus Feuchtigkeit und Kälte entgegen.
Die Erst- und Zweitklässler wurden immer besser. Die Zauber, die ich ihnen in den Praxisstunden beibrachte, wurden immer wirkungsvoller. Ich musste allerdings feststellen, dass Geoffrey und Martina sehr oft im Unterricht tuschelten. Dennoch waren ihre Leistungen sehr gut, was ich allerdings von Scorpius und Albus nicht sagen konnte. Albus wirkte jede Woche immer introvertierter und sprach kaum noch ein Wort. Selbst als ich ihn aufforderte auf meine Fragen zu antworten, die ich ihm im Unterricht stellte, stellte er sich sehr häufig quer. Meine Sorge war, dass er unter dem Druck seiner Mitschüler litt, weshalb ich das ein oder andere Mal die Schulleiterin konsultierte. Eines Abend, als die Sonne sich nochmal für ein letztes Mal des Jahres zeigte, erzählte mir die Direktorin, dass die Schüler ihn "Schlangenjunge" nannten. Mir war sofort klar, dass sie sich auf sein Haus bezogen. Die anderen Lehrer erzählten auch von häufigen verbalen Attacken auf den Jungen, und auf Scorpius, weil er stets bei ihm war. Hauptproblem waren Geoffrey und Martina. Sie attackierten die beiden Jungen nun viel häufiger und offener, was das ein oder andere Mal fast in einer Schlägerei geendet hatte. Dafür wurde beiden Häusern je 50 Punkte pro Nase abgezogen, was beide Häuser wieder auf Null setzte. Das gefiel den älteren Schülern überhaupt nicht. Vor allem die Gryffindors muckierten sich sehr über die beiden Jungen, und auch in den anderen Häusern redete man häufig von zwei Raufbolden, die nur Ärger suchten. Dass die beiden Gryffidors ebenfalls beteiligt gewesen waren, wurde schnell wieder vergessen. Das ganze führte jedoch dazu, dass Albus und Scorpius sich viel mehr von den anderen abkapselten. Ich sollte mich gedulden. Das erwartete jedenfalls Minerva.
Der Oktober kam herbeigeglitten und mir wurde allmählig klar, dass ich schon einen Monat hier war. Es war erstaunlich wie schnell die Zeit an dieser Schule verging. Mit dem Herbst kam auch die Vorfreude aufdie Quidditchsaison, die im November anfangen sollte, und keiner im Lehrkörper war schärfer auf die erste Partie, als Julia, dicht gefolgt von Minerva. Oft unterhielten sie sich am Lehrertisch oder im Lehrerzimmer über verschiedene internationale Teams und Spieltaktiken. Einmall entbrannte sogar eine heftige Diskussion über ein Quidditchmatch aus dem Jahre 1544, bei dem ein Treiber einer englischen Mannschaft gegen den Torhüter einer Mannschaft aus dem kolonialen Brasilien zusammenstieß und dabei aus Versehen ein Tor machte, was den entscheidenden Punkt für den Sieg Brasiliens bedeutete, obwohl der englische Sucher den Schnatz gefangen hatte. Das Tor war nur wenige Augenblicke gefallen bevor der Sucher seine Hand triumphierend um den kleinen goldenen Ball geschlossen hatte, dann aber festgestellt hatte, dass er somit das Spiel zu seinen Ungunsten beendet hatte. Keiner wusste heutzutage noch, ob der Sucher den Schnatz vor oder nach dem Tor gefangen hatte, weshalb Julia die Bibliothek geplündert hatte, um die wenigen Aufzeichnungen dieses Spiels zusammenzukratzen.
Ich war mir aber sicher, dass ich vor der Quidditchsaison nochmal wegmusste. Mein verehrter Kollege aus Frankreich hatte mir eine Einladung zur Geburtsgagsparty seiner Schwester geschickt, zu der ich fahren wollte. An einem heiteren Sonntag, widerum, kam mir die plötzliche Idee, dass ich Julia fragen könnte, ob sie mitkommen wollte. Und zu meinem Glück nickte sie sehr aufgeregt als ich ihr von der Party erzählte. Somit ging meine nächste Eule nach Saint-Malo, wo Pierre wohnte, um nachzufragen, ob sie denn mitkommen dürfte. Die Antwort darauf kam gleich am 12. Oktober, kurz vor der Abreise. Er schrieb darin, dass seine Schwester und ihr Mann sich sehr freuen würden, wenn ich weitere Anhängsel mitbringen wollte.
"Dann fahren wir also in die Alpen", stieß sie hervor, nachdem wir von einem Spaziergang am Rande des verbotenen Waldes wiederkamen. Die Luft war sehr trocken, was das kalte Wetter ein wenig erträglicher machte. Es hatte seit ein paar Tagen nicht mehr geregnet, doch war mir sehr nach dem Kaminfeuer im Lehrerzimmer, oder in meinem Büro.


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 Betreff des Beitrags: Re: Das Spiel der Zeit
Verfasst: So 16. Aug 2020, 05:37 
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Irrlicht
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4. Schatten der Vergangenheit

Am Abend unserer Abreise, es war Freitag der 13., begaben Julia und ich uns nach Hogsmeade, um von dort aus nach London zu apparieren. Die Schüler hatten schon das Gerücht gehört, dass ihr Lehrer auf eine Reise gehen wollte und fürchteten, er würde sich jetzt wie seine Vorgängerin eine Auszeit gönnen. Ich hatte das Gerücht aufgelöst, als ich sagte, dass ich am Montag wieder im Schloss sein würde. Ein allgemeines Aufatmen war die Reaktion auf meine Erklärung. Ich hatte das Gefühl, dass die Schüler mich mochten. Und das gab mir ein sehr gutes Gefühl.
Als wir in King's Cross ankamen, schaute Julia verdutzt drein. "Moment, wir fahren mit dem Zug?"
Ich nickte. Nachdem wir die große Eingangshalle des Bahnhofs betreten hatten, zählte ich die Bahnsteige ab. Es musste hier irgendwo sein. Endlich fand ich die beiden Schilder, auf denen Gleis 7 und Gleis 8 gedruckt war. "Ahh, ich verstehe. Anstelle des anderen Gleis fahren wir von hier ab?"
Wieder nickte ich. Einige kleinere Leute schoben sich mit einem "Verzeihung!" an uns vorbei und liefen auf die Mauer zu. Alle drei verschwanden plötzlich aus unserem Blickfeld und es wirkte, als ob keiner der Touristen, die nur unweit von der Säule zwischen Gleis 7 und 8 entfernt standen, das mitbekam. Bevor wir durch die Mauer traten, kam wiederum eine Gruppe von Zauberern aus der Säule heraus. Sie sahen sehr orientalisch aus, hatten breite Schnurbärte und trugen rote Kappen. Sie waren mit Sicherheit die auffälligsten auf dem gesamten Bahnhof, doch keiner schien so richtig Notiz von ihnen zu nehmen.
"Und los", sagte ich und wir marschierten schnurstracks durch die Mauer. Wir drehten uns nach rechts und sahen uns vor einer gewaltigen grünen Dampflock mit der goldenen Aufschrift: Compagnie Magique des Chemins de fer Orientaux, Magische Gesellschaft der Orientbahnen. Der Zug hatte unzählige, nachtblaue Wagen und auf dem Bahnsteig tummelten sich unendlich viele Menschen. Koffer wurden durch die Gegend geschoben, Familienmitglieder wurden begrüßt oder verabschiedet und Mitarbeiter beluden den Speisewagen mit Nahrungsmitteln. Wir schnappten viele Gespräche in allen möglichen Sprachen auf, einige berichtetevon den Wundern Istanbuls und dem Verständnis der Magie im Orient, andere erzählten von Geschöpfen, die ihnen in Belgrad begegnet waren und wiederum andere wie ihnen von Zugfahrten übel wurde. An einem Schalter, der von einem steinalten Zauberer bewohnt wurde, kauften wir unsere Tickets. Der Mann wirkte, als wäre er noch mit dem allerersten Zug gefahren.


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