Skriptorium
http://www.skriptorium.net/forum/

Der große Schritt der Menschheit
http://www.skriptorium.net/forum/viewtopic.php?f=180&t=336
Seite 1 von 1

Autor:  Jack Colson [ Di 10. Apr 2018, 07:49 ]
Betreff des Beitrags:  Der große Schritt der Menschheit

Der große Schritt der Menschheit

"Also gut, Mister Colson. Kommen wir zur nächsten Frage - die ist wahrscheinlich die interessanteste für unsere Leser: Wir fing das ganze denn an?"
"Oh, also ... ich bin ein wenig überfragt. Lassen Sie mich ganz kurz überlegen. Ich glaube, das fing ganz klassisch an - mit einem Traum. Ja ja, ich weiß. Ihr Blick verrät mir Ihren Unglauben, aber ich habe wirklich davon geträumt. Es war ein warmer Sommermorgen in Pasadena und ich kam gerade frisch von der Uni und arbeitete gerade an meiner Doktorarbeit über alternative Antriebssysteme für Raumsonden. Wenn ich ehrlich bin, wollte ich schon als kleiner Junge die Voyagersonden überholen. Und so träumte ich eines Nachts von meinem Konzept eines neuen Raumschiffes. Ich hatte eine Vorstellung eines Antriebs am nächsten Morgen in meinem Kopf. Und so setzte ich mich ans Reisbrett" ...


1. Ein Traum

"Hey, Jack! Ich glaube, sie fliegt!", sagte Steve Chambers als ich gerade die Wohnungstür öffnete. Die Abendsonne flutete durch das Fenster und blendete mich, sodass ich nicht recht erkennen konnte, was Steve dort trieb, aber ein öliger Duft verriet mir, dass er an seinem selbst gebastelten Helikopter geschraubt hatte. Ich blinzelte und schloss die Tür hinter mir.
"Das ist ja super", sagte ich und stellte meine Tasche in die Ecke. Steve grinste noch breiter und setzte sich im Schneidersitz neben das Fluggerät. Dabei tippte er etwas in den Computer ein.
"Die Befehlsweiterleitung an den Heckrotor ist noch etwas lahm. Hab das gerade auf dem Dach gesehen", sagte mein Mitbewohner und schaute mit zugekniffenen Augen durch das Fenster.
"Du hast den Heli auf dem Dach getestet?", fragte ich verwundert, da Misses Bell aus dem Nachbargebäude immer vollkommen unverständlich auf unsere Experimente reagierte.
"Jaa, im Victory Park fand heute wohl so eine Art Wettlauf statt. Bin dann wieder nach Hause. Pizza liegt übrigens auf dem Tisch. Hab ich gerade geholt."
"Oh, danke, Mann. Hab' heute echt wenig gegessen", sagte ich und setzte mich an den langen Tisch im Wohnzimmer.
Steve beendete seine Arbeit und schaute erneut durch das Fenster, machte dabei allerdings ein Gesicht, als ob er der Erdumdrehung gerne Einhalt gebieten würde. "Ich glaube, es ist zu spät für einen weiteren Start. Aber der Treibstoff hat es echt in sich, Mann", sagte er und klappte den Computer zu. Da hatte er Recht. Dieses Wundergemisch hatte ich zusammen mit ein paar Jungs, die bei JPL ihr Praktikum erledigten, gemixt, um genauer zu sein, mit Bradley "Brad" Kirby, Inácio "Guy" Guimarães, Mathew "Matt" Callahan und Marcus "Marc" Faraday. Wir waren eine erstaunlich bunte Truppe, ähnlich wie die Avengers, und jeder von uns hatte seine persönliche Superkraft:
Brad war ein hervorragender Physiker, besonders wenn es in Richtung Weltall ging. Er war vernarrt in alles, was wie Science Fiction aussah ... eigentlich wie wir alle, aber Brad setzte dem Vulkanier noch die Krone auf. Wenn jemand auch nur im Entferntesten eine abfällige Bemerkung über Science Fiction oder Weltall fallen ließ, war Brad der erste, der diesem Kerl ordentlich mit wissenschaftlichen Argumenten verprügelte. Meistens wurde er danach verprügelt ... Er war sozusagen das, was man einen Verrückten nannte, wenn man sich mit den Gepflogenheiten und Sitten unserer kleinen Gang nicht auskannte. Aber er war auch höchst loyal. Ein sehr "guter Nerd", wie ihn einige aus seinem Kurs bezeichneten, auch ein sehr mutiger Mensch. Allerdings war er auch der Obernerd. Einer, der die Realität als eine Last empfand und lieber die ganze Welt von den Avengers regieren lassen wollte. Er war Sohn eines Mathelehrers und einer Buchautorin, weshalb er schon sehr früh den Kontakt zur Science Fiction gefunden hatte, oder wie er es nannte: "Die Science Fiction hat mich ersucht."
Inácio, oder "Guy", wie viele Leute ihn nun nannten, weil alle Welt seinen Namen falsch ausprach; war ein eher zurückhaltender Austauschstudent aus Brasilien, aus Paraty, wenn man es genau wissen wollte. Seine Eltern waren Fischer und Hostelbetreiber, konnten die Ausbildung ihres Sohns allerdings bezahlen. Er war tatsächlich der einzige Soldat in unserer Truppe, denn er hatte die Grundausbildung durchlaufen müssen, um an seinem Institut zu stuidieren. Nachdem sein Visum und sein Auslandsaufenthalt abgelaufen waren, hatte er den Einbürgerungstest gemacht und aufgrund der überdurchschnittlichen Ergebnisse an seinem Heimatinstitut, dem Instituto Tecnológico de Aeronáutica, kurz ITA, in São José dos Campos; und bei der Einwanderunsgbehörde sofort ein Einladungsschreiben von JPL erhalten, mit den Worten: "Wir möchten Sie unbedingt wieder in unserem Team". Inácio war überdurchschnittlich intelligent und war ein Meister des Ingenieurwesens und der Informatik. Er konnte Muster erkennen wie kein anderer, doch hatte er gewaltige Probleme mit Menschen zu kommunizieren. Er war sehr, sehr schüchtern und öffnete den Mund im äußerst seltensten Fall, wenn fremde Leute dabei waren. Mit uns hatte er kein Problem, er blühte sogar in unseren Gesprächen sehr oft auf, doch fremde Leute bereiteten ihm unbehagen. Seine Äußerlichkeiten halfen ihm auch nicht gerade. Er war sehr klein und sehr schmächtig. Wenn Brad mal wieder seinen großen Mund bei den Chemikern aufmachte, war Inácio oft das zweite Ziel gezielter Faustschläge. Doch Inácio konnte für seine Größe erstaunlich schnell rennen, weshalb der Rest unserer Gang oft die Schläge kassierte, denn wir waren alles andere als sportlich ... bis auf Marcus.
Marcus ... lang, schwarz, gutaussehend, sportlich und mit Brille. Niemand würde ihn für einen Informatiker halten, sondern eher für einen Parcourläufer. Von uns allen war er wohl der mit dem geringsten "Nerdpegel", allerdings war dieser immernoch höher als der der "normalen" Bevölkerung. Er war vor allem unser Rückfahrschein in die Realität, denn von der verstand er am besten. Ursprünglich aus San Francisco, Sohn eines Priesters und einer Geschäftsfrau, kam er in diese Region und wollte etwas "großes" an der Caltech verbringen. Was dieses "Große" war, hatte er am Anfang selber nicht gewusst, doch er war dem sehr nah dran ... hatte er irgendwann mal gesagt.
Und dann war dann noch Matt. Matt ... ein ruhiger, sehr korpulenter junger Mann mit krausigem Haar und Bart aus Skagway, Alaska. Wenn man das erste Mal Matt begegnet, würde man ihn als einen ausgeglichenen, quasi spirituellen und hoch philosophischen Menschen sehen, der er in der Tat war, denn Matt stellte absolut alles infrage. Jegliche Anfeindung prallte von ihm ab, als ob er eine Rüstung aus dem härtesten Material des Universums tragen würde und alle Beschimpfungen und Lästerungen seien nichts weiter als kleine Wattebällchen. Allerdings bekam er sehr selten derbe Sprüche zu hören, denn so breit er war, so hoch war er auch. Er musste um die 2 Meter bis 2,1 Meter groß sein und kräftig war er zudem auch noch. Niemand, der in dieses stets freundliche Gesicht blickt, würde es wagen einen Finger gegen ihn zu rühren, denn für gewöhnlich wanderten die Blicke erst auf seine Muskeln und seine fast hulkähnliche Größe. Auch wenn Matt jegliche Gewalt ablehnte, war er stets entschlossen seine Freunde vor dem Unheil zu bewaren.
So hatten wir uns in der Schule früh kennengelernt, denn das damalige Unheil hatte Buddy Rosewood geheißen, ein relativ schlanker Junge aus einer höheren Klasse. Matt war damals neu auf der Schule gewesen und hatte gesehen, wie er mich zur Schnecke gemacht hatte. Er hatte es tatsächlich gewagt ihm die Meinung zu geigen, doch Buddy antwortete mit einem gemeinen Tiefschlag, der Matt allerdings nur kitzelte. Matt hatte ihn einfach gepackt und ihn in die Ecke geworfen. Beide waren darauf hin zu einem halben Jahr Nachsitzen verdonnert worden, doch Buddy hatte nie mehr ein Wort gesagt. Das war nun die Geburtsstunde unserer kleinen Gang gewesen. Matt war nun ruhiger, genoss ein friedliches Leben und war vor allem eines: Ein exzellenter Chemiker. Seine Arbeit zu einem neuen Treibstoffgemisch, welches den Verbrauch immens verringerte und die Leistung steigerte, war der Nährboden für ein kleines Projekt, welches wir in die Wege geleitet hatten. Jeder hatte seinen Teil dazu beigetragen. Auch unser Neuzugang, Steve.
Steve war ein sehr lockerer Mann. Er war der älteste von uns uns hatte seinen Abschluss in Elektrotechnik und Maschinenbau, mit Schwerpunkt Luft- und Raumfahrt, bereits abgeschlossen. Er kleidete sich gerne mit Hemd und Krawatte, wollte dadurch seriös wirken, war aber ein Nerd wie jeder andere von uns. Er liebte es Dinge auseinander zu nehmen und neue Teile daraus zu bauen. So hatte er seinen alten Laptop entkernt und daraus das Innenleben seines Helikopters gebaut. Mit Inácios Hilfe hatte der Heli nun eine bessere Steuerübermittlung als ein Airbus. Aber der eigentliche Clou an dem Ding war tatsächlich seine Reichweite. Durch Matts Arbeit und die Hilfe der restlichen Crew konnte der Heli knapp 1.000 Kilometer weit fliegen ... zumindest theoretisch. Steve wollte noch einen stärkeren Sender bauen, damit Inácio und Marcus sich in das Satellitensystem hacken konnten, doch den Plan hatten wir wieder verworfen, als wir mitbekommen hatten, dass ein Kommilitone aus der Informatik von zwei Herren der Homeland Security abgeführt worden war, weil er "aus Versehen" den gesamten antiballistischen Schutzschild der USA und Europas deaktiviert hatte. Seit dem hatten wir die Finger von dieser Idee gelassen.
Aber der Heli war bloß eine kleine Spielerei gewesen, denn das eigentlich coole Projekt war unser Megamanprojekt. Dabei handelte es sich um ein Düsentriebwerk, welches wir in einen extrem stromlinienförmigen Gleiter gebaut hatten. Bloß war die gesamte Konstruktion etwa 5 Meter lang, weshalb niemand mitfliegen konnte. Aber Megaman sollte, wie der Helikopter, ferngesteuert fliegen. Die Herausforderung hatte darin bestanden, ein Triebwerk zu entwickeln, welches der Energie dieses Treibstoffs effektiv nutzen konnte. Und das war meine Aufgabe gewesen.
Ich, Jack Colson, Student des Maschinenbaus und der Physik, kam ursprünglich aus Boston, hatte allerdings lange Zeit meines Lebens in Skagway und Vancouver verbracht, weil mein Vater dort Pilot war. Meine Mutter war Engländerin mit schottischen Wurzeln und war Ärztin, weshalb ich am Caltech studieren konnte, da mein Vater nicht gut verdiente. Ich war nie ein sonderlich auffälliger Mensch gewesen, in der Schule hatte ich zusammen mit Matt ein paar Klassen übersprungen, weshalb es auf sozialer EBene immer schwieriger geworden war. Wir beide hatten das College mit Bestnoten abgeschnitten bevor wir überhaupt Alkohol trinken durften, doch das war uns damals nicht wichtig gewesen. Hier im warmen Pasadena fühlte ich mich ironischerweise nicht so eingeengt wie in Alaska; auch wenn die Berge mich nie gestört hatten, tatsächlich liebte ich Berge; aber das soziale Umfeld passte mir in dieser lustigen Kleinstadt überhaupt nicht. Pasadena war eine lebendige, moderne Stadt, in der es vor allem in allen Ecken nach Wissenschaft roch. Auch wenn ich nie ein Partymensch gewesen war, gab es viele Events, die mir gefielen. Diese vielfältige und pulsierende Stadt war genau das Richtige. Aber sie war rein gar nichts ohne meine Freunde. Denn diese konnten hervorragend ein Portal in die Fantasiewelt errichten und uns so lange dort drinnen gefangen halten wie es nötig war.

Seite 1 von 1 Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde [ Sommerzeit ]
Powered by phpBB® Forum Software © phpBB Group
http://www.phpbb.com/