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 Betreff des Beitrags: Beyond the Frontier
Verfasst: Fr 31. Jul 2020, 03:48 
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Irrlicht
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Beyond the Frontier

1. Das Signal

Persönlicher Logbucheintrag des Captains der Alsafi, 27. Juni 2416, an Bord der Alsafi: "Wir erreichen fast die Harrington-Station. Ich überlege seit ein paar Monaten, zusammen mit meinem ersten Offizier, uns aus der Abhängigkeit von StarLink zu lösen. Dafür ist ein großer finanzieller Aufwand notwendig, aber es würde sich für uns alle sehr lohnen."

"Sir, wir erreichen Harrington Station in zwei Minuten", sagte eine Stimme in meinem Quartier. Das InterCom war an. Ich hatte meinem ersten Offizier, Alexandra Novak, angewiesen mich zu informieren, sobald wir die Station erreichten. Ich erhob mich aus meinem Bett und blickte aus dem schmalen Fenster. Ein Planet zog an uns vorbei und wurde immer langsamer. Ich legte mir meine Alltagskleidung an und begab mich auf die Brücke.
"Guten Morgen, Sir", begrüßte mich mein erster Offizier. Sie saß auf dem Stuhl des Kommandanten, stand jedoch auf, als ich die Brücke betrat. Die Brücke war recht klein für ein Schiff derartiger Größe. Zwei Piloten steuerten das Schiff ganz vorne, ein Kommunikations- und Operationsoffizier saß an der linken Seite, hinter dem Piloten, und überwacht die Schildemmitter, die Kurz- und Langstreckenscanner und die Schiffssysteme; ein Waffenoffizier bediente alle Plasmawaffen und Raketen, ein Wissenschaftsoffizier sammelte wissenschaftliche Daten und wertete diese aus und ein Frachtmeister kümmerte sich um die Abwicklung des Handels und um das Aufspüren neuer Handelsdaten. Alle waren mehr oder weniger eng an einander gekuschelt, denn die Instrumente nahmen den größten Teil der Brücke ein. Aber dennoch war es mein Zuhause. Die RCS Alsafi. Es war ein Frachtschiff der Belugaklasse. Keines dieser kleinen Hauler, die Kurzstreckenlieferungen zwischen benachbarten Systemen durchführen. Die Schiffe der Belugaklasse waren der Stolz der föderalen Handelsflotte. Fünf Klassen gab es. Die kleinste, Klasse A, wurde für geringe Autarkie gebaut. Unser Schiff, Klasse E, wurde für fast unbegrenzter Autarkie gebaut und konnte bis zu 2.600 Tonnen Fracht laden. 2.324 Tonnen Silizium waren für ein Technologieunternehmen geladen und 216 Tonnen archäologischer Objekte für ein Forschungszentrum auf dem ersten Planeten des Systems.
Ich lebte schon seit ich denken konnte auf Frachtschiffen. Auf einem Mittelstreckenfrachter der Allianz hatten mich meine Eltern aufgezogen und auf einem imperialen Minenschiff hatte ich ich für kurze Zeit geheuert, bevor ich der föderalen Flotte beigetreten war. Sie war mein letzter Arbeitgeber gewesen, bis ich die Flotte im Rang eines Captains wieder verlassen hatte. Mich hatte es wieder in die relative Freiheit des Handelsfliegens gezogen. Niemand schrieb uns vor, wohin wir fliegen sollten. Lediglich der Profit zog uns dorthin, wo es etwas zu gewinnen gab. Der bewohnte Raum war riesig. Es gab immer etwas zu entdecken und die Bezahlung war niemals schlecht. Wir mussten lediglich zwanzig Prozent des Gewinns an die Handelsgesellschaft StarLink abtreten, die auch Fährtransporte zwischen den Systemen anbot.

Das Schiff verlor stetig an Geschwindigkeit. Der Copilot gab regelmäßig die Geschwindigkeit wieder: "320 Meter pro Sekunde, 250 Meter pro Sekunde, 200 Meter pro Sekunde ..."
"Alsafi, Sie haben Landeerlaubnis. Reduzieren Sie Ihre Geschwindigkeit auf 100 Meter pro Sekunde und docken Sie an Schleuse 4G an. Der Wirtschaftsaufseher der Station wird Sie in Empfang nehmen", sagte eine Stimme durch das Kommunikationssystem.
Sie war ein wichtiger Knotenpunkt des Warentransfers in der Umgebung. Das gesamte System stand im föderalen Einflussgebiet und war hauptsächlich auf die Herstellung und den Verkauf von Raumschifftriebwerken und Schutzschilden spezialisiert. Der Verkauf der Waren sollte uns einen Gewinn von 8.640.632 Credits einbringen, wovon 20 Prozent StarLink in die Taschen rieselt, 30 Prozent für den Unterhalt des Schiffes benötigt wird, 45 Prozent für den Einkauf neuer Waren gebraucht wird und fünf Prozent uns zustand.
Das Schiff kam allmählich zum Stillstand und eine Gangway fuhr an unsere Schleuse heran. Die Brückencrew versetzte das Schiff in den Cold and Dark Modus, die restlichen 27 Mann betraten bereits die Station.
"Sechs Wochen auf Fahrt und endlich wieder halbwegs festen Boden unter meinen Füßen", sagte Novak lachend und erhob sich aus ihrem Stuhl. "Was werden Sie zuerst tun?"
"Ich glaube, ich werde den Planeten betreten. Dort herrscht zwar Sauerstoffmangel, aber er soll recht schön sein. Aber für's Erste bekommen wir Urlaub. Nochmal sechs Wochen."
"Fliegen Sie nicht nach Hause?", fragte Novak und folgte mir durch den Korridor in Richtung Gangway.
"Nein, noch nicht. Ich ... kann noch nicht", antwortete ich. Sollte ich ihr davon erzählen? Es waren zwar schon einige Monate vergangen, doch ich konnte seit dem nicht mehr nach Hause. Nicht nach New York, nicht nach Nordamerika, nicht auf die Erde. Monatelang waren wir unterwegs, monatelang war ich nicht mehr zu Hause gewesen. Meine Arbeit gab mir die Möglichkeit zu vergessen. Neue Entdeckungen, die wir machen konnten, waren zwar bloß ein Bonus zu meiner eigentlichen Aufgabe, aber auch das vermochte mein Leben etwas aufzubessern. "Und Sie?", fragte ich nach einer kleinen Weile.
"Ja, ich besuche meine Eltern in Buenos Aires", sagte sie und lächelte. Doch ihr Lächeln verzog sich etwas, offenbar da sie merkte, dass noch mehr hinter meiner Aussage steckte. Doch Alexandra war immer rücksichtsvoll gewesen. Sie hakte nicht weiter nach. Und dafür war ich ihr sehr dankbar. Sie blickte wieder nach vorne und begrüßte den Wirtschaftsaufseher, der den Handel auf dieser Station abwickelte, mit freundlichem Lächeln. Der Mann, Vigor Baren, war ein untersetzter, mürrischer Erbsenzähler, der, auch wenn ich ihn nicht leiden mochte, ein sehr fähiger und fairer Mann war. Ich reichte ihm die Hand und er begrüßte mich auf der Station.
"Wie Sie vielleicht verstehen werden, ist meine Zeit sehr begrenzt. Ich bitte Sie mich zu Ihrem Frachtmeister zu fürhen. Ich habe noch sechs Frachtschiffe zu bearbeiten und ein Diplomatenschiff der Bari zu inspizieren."
"Inspizieren? Dürfen Sie das denn einfach so?", fragte Alexandra und schaute sehr verwirrt drein. Die Bari waren eigentlich stets höchst misstrauisch, weshalb es unmöglich schien, dass einer Ihrer Botschafter eine Untersuchung gewähren würde.
"Nein", begann der Mann zögernd, "nicht ganz."
"Vigor!", kam es von unserem Frachtmeister Alan Hunt, der aus der Luke gestürmt kam. "Freut mich dich zu sehen!"
Alexandra und ich drehten uns um und verließen die Gangway grinsend.
Auf dem Frachterdeck tummelten sich einige Leute von kleineren Frachtschiffen unterschiedlicher Spezies, die ihren Weg zum Herz der Station suchten, dem Casinodeck. So nannte man jedenfalls das riesige Vergnügungsdeck der Station, auf dem es nicht nur Casinos, sondern auch zahlreiche Läden, Restaurants, Dienstleister, wie Banken oder Infobroker; Tagesstätten für Kleinkinder und Spielplätze für größere Kinder, Schulen und Informationsdepots gab. Auf den anderen Decks waren sonst noch Vertetungen einiger Spezies, Sicherheitsabteilungen, Gefängniszellen, Energieversorgung der Station und die riesigen Frachtdepots, die direkte Transportbandverbindungen zu den Luftschleusen hatten.
Die Station war riesig, fast vier Kilometer hoch und an der Krempe eineinhalb Kilometer im Durchmesser. Sie war zylinderförmig, wobei das Casinodeck die Krempe der ganzen Konstruktion darstellte. Die Habitatdecks, 160 an der Zahl, waren unter dem Casinodeck und bildeten den Corpus der Station, der aber nur 400 Meter im Durchmesser maß. Das oberste Deck, Deck 1, war die Kommandozentrale der Station. Von dort dirigierte der Führungsstab das gesamte Leben auf der Station
Selbst das Frachtdeck war gut besucht. Ich konnte mir kaum vorstellen wie das Casinodeck aussehen sollte. Wir folgten einer Gruppe Fugasi, einer sehr rituellen, aber recht schweigsamen Spezies aus etwa 1.000 Lichtjahren entfernten Sektoren. Sie waren sehr groß gewachsen und trugen lange blaue Roben mit goldenen Mustern. Sie waren wohl mit einem kleineren Kurierschiff hier.
Die Station war eher in die Höhe gewachsen. Da wir auf den untersten Decks waren, war es ein weiter Weg nach oben.
Wir betraten einen Aufzug, der uns nach oben brachte. Wir fuhren an den unzähligen Habitatdecks vorbei, an Gärten, künstlichen Seen, Ausbildungszentren und Forschungszentren bis die Tür sich öffnete und einen herrlichen Blick auf das dichte Leben ermöglichte, welches hier herrschte. Spezies aus unwahrscheinlich vielen Systemen und Sektoren zogen durch die große Hauptstraße und die zahlreichen kleinen Gassen, tauschten Erfahrungen, kulturelle Eigenschaften und Informationen aus, kauften und verkauften seltene Gegenstände, wie Vasen aus entfernten Systemen, Talismane religiöser Kulturen oder Gewürze außerirdischer Pflanzen. In den Banken wurden föderale Credits in andere Währungen getauscht, die Casinos waren voll von allen möglichen Leuten aus allen Bevölkerungsschichten und Händler tauschten sich in Restaurants und Bars über profitable Handelsrouten aus.
"Sir, wenn Sie erlauben ...", sagte Alexandra. Ich drehte mich zu ihr um und gab ihr nickend die Erlaubnis sich zu entfernen. Normalerweise war es auf Frachtschiffen nicht üblich eine allzu strenge Kommandostruktur zu etablieren. Aber einige meiner Offiziere und einige der Besatzungsmitglieder hatten früher der föderalen Flotte angehört, einige einer Kampfgruppe der Allianz und viele andere Militärs verschiedener anderer Spezies. Unser Waffenoffizier war sogar Pilot der imperialen Flotte gewesen, was recht selten war, denn das Imperium und die Föderation waren nie sehr gute Freunde gewesen.
Dass so viele Exmilitärs an Bord meines Schiffes arbeiteten, war der Grund, dass wir übereinstimmend diese Struktur aufrecht erhalten hatten. Ein paar meiner Besatzungsmitglieder waren anfangs damit nicht sehr zufrieden gewesen, aber sie konnten sich relativ schnell daran gewöhnen.
Die Crew verteilte sich in alle Richtungen, trafen alte Freunde, genehmigten sich Drinks oder gaben der Versuchung nach ihr Glück im Glücksspiel zu versuchen. Ich wollte mich sogleich in ein Shuttle begeben, welches zur Planetenoberfläche fliegen sollte. Ich hatte frische Luft schon seit langer Zeit nicht mehr genossen. Zwar war dieser Planet terraformiert worden und der Prozess war noch lange nicht abgeschlossen, doch für's Erste sollte es genügen.
"Hey, Süßer, Lust auf mich? Nur 700 Credits pro Stunde", sagte eine Alyanerin und streichelte meine Schulter.
"Danke, aber ... ich fürchte, ich muss verzichten", erwiderte ich und drehte mich wieder um. "Das sind ja Wucherpreise", flüsterte ich.
Alexandra hatte mir einmal geraten das Restaurant Gar'eks bester zu besuchen, welches hier auf der Station sein sollte. Dort sollte es den besten Vorak-Burger und den besten ecuatorianischen Kakao geben. Da ich kurz davor war ein Reenu-Rind zu verspeisen, entschied ich mich in dieses Etablissement zu gehen und diesen Burger zu testen. Es war kein weiter Weg bis ich das Restaurant gefunden hatte. Es war ein recht gemütliches Lokal, mit zwei Etagen und einer optimalen Sicht auf den grünen Planeten unter uns.
"Halloooo, werter Herr! Mein Name ist Gar'ek und ich bin der Besitzer dieses bescheidenen Gourmettempels", sagte ein Virianer, der sich von hinten an mich herangeschlichen hatte, während ich auf den Planeten starrte.
"Oh ... äh ... ja. Ich hörte, Sie hätten einen hervorragenden Hamburger ... und einen tollen Kakao", sagte ich dem Mann. Virianer waren eine recht eigentümliche Spezies. Ihre Heimatwelt, Viria, war eine sehr heiße und trockene Welt in der Nähe der Plejaden. Wir hatten in unserer Geschichte der Raumfahrt nur sehr wenig Kontakt zu den Virianern, nicht nur, weil sie nah einer Region lebten, die wir normalerweise mieden, sondern weil sie recht wenig Interesse an diplomatischen Beziehungen zu anderen Völkern hatten. Das Viria-Konglomerat bestand aus drei Spezies auf neun verschiedenen Planeten: den Virianern, die den Kopf des Staates bildeten, den Vari, die ein enger Handelspartner der Virianer sind und deren Heimatwelt außerhalb des Territoriums des Konglomerats liegt; und den Vron, die ein strenges Kastensystem haben und den religiösen Teil dieser Dreiecksbeziehung tragen.
"Da haben Sie richtig gehört. Die Bouletten bestehen aus feinstem Reenu-Fleisch, gezüchtet auf den Weiden außerhalb von Vret'esh-City, von den absolut besten Rindern der Galaxis. Und der Käse? Erstklassiger Queijo Prato aus Porto Alegre, Brasilien", fabulierte Gar'ek und zeigte mir den tiefgekühlten Käse in seiner Theke.
"Das hört sich sehr gut an. Dann nehme ich ..."
"Machen Sie bitte zwei Gar'ek", sagte eine Stimme neben uns. Es war Admiral Laurentius Robertson, ein hochgewachsener, schmalgesichtiger Mann von außergewöhnlich hohem Renommé. In unrühmlicheren Tagen, als die Föderation vehement Krieg gegen das Imperium und manchmal gegen die Allianz geführt hatte, hatte er zahlreiche Kämpfe bewältigt, auch als die Na'ara-Kooperative viel rabiater gegen andere Völker vorgegangen war. Doch vor allem die Bedrohung durch die Fangu'ul konnte durch die Taten des jungen Commander Laurentius Robertson abgewehrt werden, der durch waghalsige Manöver eine ganze Flotte in die Knie zwingen konnte. Wie er das getan hatte, war nicht bekannt, da er in seinem Jäger schwer verletzt worden war und die Sensoren nichts aufgezeichnet hatten.
"Admiral ...", ich fuhr mit der Hand an meine Schläfe, um zu salutieren, doch hielt ich inne, da ich nicht mehr Teil der föderalen Flotte war. Er lachte kurz auf, als er meinen Patzer bemerkte.
"Stehen Sie bequem. Ich hörte, Sie seien nun im Urlaub", begann er und wieß auf einen Stuhl am Fenster.
"Ja, ganz recht. Ich wollte nachher zur Planetenoberfläche", antwortete ich und rutschte etwas nervös auf meinem Platz. Der Admiral besuchte mich nicht ohne Grund.
"Ich fürchte, das muss etwas warten. Ich ..." Der Admiral unterbrach, als Gar'ek wiederkam und uns die Burger präsentierte. Der oberen Brötchen lagen mit den Tomaten und dem Salat neben dem Burger.
"Bin sofort wieder da." Gar'ek verschwand hinter seinen Thresen und kam nun mit einem dicken Käse und einem glühend heißen Messer wieder. Er strich mit dem Messer über den Käse und verteilte die dickflüssige Masse auf der Boulette. Das Gleiche tat er auch bei Admiral Robertsons Burger.
"Vielen Dank, Gar'ek. Das sieht wirklich hervorragend aus", bemerkte der Admiral.
"Kann ich Ihnen sonst noch etwas anbieten, meine Herren? Wie wäre es mit feinstem virianischen Grünwein?", fragte Gar'ek freudestrahlend.
Wir bedankten uns beide bei ihm, lehnten jedoch ab. Nachdem der Wirt sich aus der Hörreichweite entfernt hatte, lehnte sich der Admiral verschwörerisch über den Tisch und begann: "Was wissen Sie über die Geschichte der Raumfahrt der Erde?"
"Hmm Grundkurs in der Akademie der föderalen Flotte, was? Erster bemannter Raumflug 1961, erste Mondlandung 1969, so etwas?"
Der Admiral schüttelte lächelnd den Kopf. "Ich rede von irdischer Mythologie. Oder eher, von einer bemannten Forschungsmission in den tiefen Raum 2154, genannt Projekt Daedalus. Erinnern Sie sich?"
"Ohh jaaaa, Projekt Daedalus. Ich erinnere mich ... dunkel." Das war gelogen. Ich hatte keine Ahnung, wovon der Mann sprach. Ich erinnerte micheigentlich an das Meiste an diesem Kurs, doch ich fürchtete, dass mir dieses Kapitel nicht geläufig war.
"Sie haben keine Ahnug, nicht war?"
"Naja ... vielleicht ... nein, Sir", erwiderte ich und schaute verlegen in meine Kakaotasse.
Der Admiral hob leicht die Augenbrauen. "Nun denn. Es handelt sich auch eigentlich nicht um eine bedeutende sehr bedeutende Legende. Fakt ist nur, dass das Schiff igrendwann verloren gegangen war. Die Archäologin Victoria Lawson konnte zuletzt eine Botschaft zur Erde schicken, die 54 Jahre später von einem Observatorium im Föderationsraum empfangen. Danach gab es keinen Kontakt mehr zu dem Schiff."
"Ohh ich erinnere mich doch. Das war der erste bemannte, interstellare Flug, nicht war?"
"Ganz recht. Obwohl der Überlichtantrieb schon von Jack Colson in den 2050ern theorisiert wurde, kam der erste Einsatz erst hundert Jahre später. Aber das ist eigentlich ganz nebensächlich. Wichtig ist allerdings, weshalb diese Mission stattfand. 2154 brach die Daedalus nach Alpha-Centauri auf. Der Flug sollte bloß sechzehn Monate dauern. Als sie jedoch dort ankamen und das System erforschten, empfingen sie ein Signal aus einem weit entfernten Ort, dem sie auf dem Grund gehen wollten. Lawson sandte eine Mitteilung, dass sie die Signalquelle untersuchen wollten, was 16 weitere Jahre dauern sollte. Als sie 16 Jahre später das Ziel erreicht hatten, schickte sie diese letzte Nachricht, die aber recht unvollständig war. Wir konnten nur Bruchstücke empfangen, da das Signal sehr schwach war. Sie schien euphorisch gewesen zu sein, das war aber auch schon alles. Wir erhielten die Nachricht: 'Ich ... gelandet ... unglaublich ... fremd ... weit.' Nichts weiter. Aber neben der Botschaft war auch die Art der Übermittlung interessant."
"... Weil es kein Sender des Raumschiffs war", ergänzte ich.
"Exakt! Entweder hatte sie, oder jemand anderes der Crew, es geschafft ein eigenes Funkgerät zu bauen, da sie offenbar notgelandet waren, oder sie hatten diese Transmission über ein fremdes Funkgerät gesandt. Wir wissen es bis heute nicht."
"Sie sind doch nicht den weiten Weg geflogen, um mich in Geschichte zu unterrichten, nicht war?"
"Nein, das bin ich nicht. Ich bin so weit geflogen, um Ihnen von einem Vorkommnis zu berichten. Die Föderation hat es für absolut geheim erklärt. Und das, was ich Ihnen jetzt verrate, sollten Sie für sich behalten, und nur für sich. Haben Sie das verstanden?"
"Ja, Sir. Sie können sich auf mich verlassen. Meine Missionen, bevor ich Frachterkapitän geworden bin, waren fast immer geheim", antwortete ich.
"Ich bin eigentlich kein Fan dieser Geheimnistuerei. Ich bin der Meinung, dass Geheimaufträge stets dem Kongress vorgelegt werden sollten. Wenn eine Abteilung etwas anderes tut als angekündigt wurde, kann das zu Zwiespältigkeiten führen", erwiderte der Admiral und lehnte sich leicht zurück. Ich schaute leicht verlegen auf meinen Handrücken. Der Admiral hatte mich da ganz schön in eine Falle gelockt. Die allermeisten Admirale und Generäle der Flotte waren skeptisch gegenüber Geheimaufträgen, geheimen Einrichtungen oder alternativen Existenzen. Aber ein Admiral mit seinem Erfahrungsschatz dachte da womöglich anders, jedenfalls hatte ich es so geahnt. "Aber ... eine unserer Horchstationen hat vor einigen Monaten eins ähnliches Signal erhalten. Es war sehr schwach, es war keine Botschaft. Wir glauben, dass es wohl eine Art Bestätigungssignal war. Dennoch hatte es das absolut gleiche Muster und Signatur wie jenes, welches von Victoria Lawson gesandt wurde."
"Das ist interessant. Aber, wieso erzählen Sie mir das? Wie Sie erkannten, bin ich doch nicht mehr Teil der Raumflotte."
"Das stimmt. Deshalb biete ich Ihnen einen Posten an. Sie waren jahrelang Kommandant verschiedener Raumschiffe. Der Exeter, der Interceptor, der Champion, der Tempest und der Invisible. Hauptsächlich Patrouillen- und Forschungsraumschiffe. Ihre Referenzen sind hervorragend. Ich biete Ihnen den Wiedereinstieg in die föderale Flotte und das Kommando über eines unserer Raumschiffe an."
"Das ist sehr verlockend. Aber, ich habe vor sechs Jahren die Flotte aus einem bestimmten Grund verlassen."
"Ich weiß", anwtortete der Admiral. Er wirkte etwas nachdenklich. Offenbar wusste er von meinen Zweifeln gegenüber der Flotte. Die Beziehungen zwischen Sektoren der Föderation und Planeten der Allianz waren besser geworden, doch vermehrte Geheimaktionen gegen die Allianz hatten mich an der Intention der Föderation zweifeln lassen. Frieden, Wohlstand und Freiheit waren stets ihre Leitsätze. Aber diese Paranoia war mir neu gewesen, obwohl viele meiner Missionen geheim waren. "Ich weiß, dass damals ... viele Dinge schief gegangen sind. Aber die Zeiten haben sich geändert. Ich weiß, dass Sie in der Allianz aufgewachsen sind. Und Ihnen wurde das nie negativ angelastet. Die diplomatischen Beziehungen zu ihr sind deutlich besser geworden, das wissen Sie doch."
"Das weiß ich. Ich habe nie die Föderation abgelehnt, bloß ihre Methoden, wenn Sie verstehen."
"Das tue ich, glauben Sie mir. Ich war mit vielen ihrer Methoden selbst nicht einverstanden. Wie ich Ihnen eben mitgeteilt habe, mag ich keine Geheimnisse. Doch bin ich hier, um Ihnen einen Geheimauftrag anzubieten."
"Ja, das ist wahr", sagte ich und blickte wieder auf meinen Handrücken. "Wie ... würde dieser Auftrag aussehen?"
"Sie fliegen mit dem Schiff zu dem Horchposten und forschen nach, was es mit dem Signal auf sich hat", sagte der Admiral und stand auf, um Gar'ek zu bezahlen.
"Das macht dann vierzig Credits, bitte", sagte er und hielt uns einen Scanner hin.
"Nein, ich übernehme schon", sagte Admiral Robertson, legte seinen Daumen auf den Scanner und gab seinen Code ein.
"Vielen Dank, Sir. Aber das wäre nicht nötig gewesen", antwortete ich.
"Beehren Sie uns bald wieder, meine Herren." Wir wandten uns ab und gingen ein Stück durch die Promenade. Kinder verschiedenster Spezies tollten durch die Gegend. Sie schlängelten sich um die Beine der Leute. Der Admiral lachte auf.
"Das erinnert mich an eine Mission, den wir in den Katarisektor unternommen hatten. Von einem Planeten ging ein Notsignal aus, welches wir näher untersuchen wollten. Als wir an der Quelle ankamen, es war eine Raumstation, waren nur Kinder anwesend. Sie hatten sich dort versteckt, als die Station von Piraten angegriffen worden war. Sie hatten sich wirklich sehr gut geschlagen. Hatten eine eigene Organisation aufgebaut, Aufgaben verteilt. Sie taten mir wirlkich sehr leid. All ihre Familien tot, seit drei Monaten ohne Kontakt zu irgendjemandem."
"Was wurde aus ihnen?", fragte ich.
"Oh sie wurden sicher nach Hause gebracht und kamen in ein Waisenhaus. Zwanzig Jahre später kauften sie sich ihr eigenes Schiff und erforschten den Weltraum. Ihre Bindung untereinander war wirklich unglaublich stark gewesen."
"Sehr interessant. Aber ich frage mich, wo war die Legende? In ihrer Geschichte ..."
"Ahh ja, ich vergaß Ihnen davon zu erzählen", der Admiral lachte auf, wobei ich dachte, dass die kurze Ablenkung von der Mission gewollt war. "Man erzählt sich, Doktor Dawson hat sich ungewöhnlich stark zum Weltraum gezogen gefühlt. Etwa zu den Plejaden. Man sagt, sie wäre in irgendeiner Weise gerufen worden und das begründete wohl die große Angst vor diesem Sektor. Andererseits gab es schon viele ungewöhnliche Vorkommnisse in der Nähe dieses Sektors. Schiffe verschwanden, Raumanomalien sorgten für psychische Probleme vorbeireisender. Der Sekltor ist nur sehr sporadisch erkundet worden. Selbst Forschungsschiffe der Föderation, der Allianz und des Imperiums konnten nicht näher als 100 Lichtjahre herankommen."
"Und ... Sie wollen, dass ich da reinfliege?", fragte ich sarkastisch, doch der Admiral schaute mich an, als ob er mich bitten würde ohne Raumanzug durch die Luftschleuse zu spazieren.
"Kommt darauf an, woher das Signal kommt. Erstmal fliegen Sie zu dieser Station, um herauszufinden, um was es sich handelt."
"Wenn ich zusage, meinen Sie."
"Sagen Sie zu?"
"Kriege ich keine Zeit zum nachdenken?"
"Gut, Sie haben zehn Sekunden."
"Wie bitte? Wie wäre es mit ... zehn Stunden?"
"Nein, die Zeit drängt. Was sagen Sie?"
"Puhh ..." Ich schaute durch das Fenster. Tatsächlich juckte mich ein Tripp in den tiefen Raum sehr. Es waren Weiten, die kein Frachtschiff erreichen konnte. Aber nun musste ich eine Entscheidung treffen. Mein Leben lang Frachtschiff fliegen oder auf einem Kampfschiff der Föderation der Angst ins Auge zu blicken. Die Wahl war nicht so schwer. "Also gut. Ich sage zu."
"Hervorragend! Dann erwarte ich Sie morgen früh um 0800 an Schleuse 34, auf Deck 107."
"Morgen? Ich dachte, die Zeit drängt?"
"Tat sie auch. Sie wollten doch auf die Planetenoberfläche, oder nicht? Bis morgen also, Captain", der Admiral lächelte und verschwand in der Masse.
Bevor ich bemerkte, wie mir geschah, griff eine Hand meine Schulter.
"Verzeihen, Sie, dass ich Sie damit überrasche, aber so wie ich, unfreiwillig natürlich, mitbekam, wollen Sie sich zu den Plejaden aufmachen?"
"Wie viel haben Sie denn gehört?", fragte ich Gar'ek erstaunt, dass er gelauscht hatte.
"Nur, dass Sie dort hin wollen. Sie müssen wissen, ich komme ja von da. Die Plejaden bilden einen größen Teil unseres Nachthimmels. Ich dachte nur, dass Sie eventuelle einen Führer gebrauchen könnten."
"Nun ja, wir wissen nicht, ob wir dorthin fliegen. Ich ... lasse Sie gerne wissen, ob wir Sie gebrauchen können. Aber für's Erste brauchich etwas Ruhe."
Ich war mir nicht ganz sicher, ob Gar'ek meine Andeutung richtig interpretiert hatte. Er wirkte etwas verdutzt, als ich ihn zurückgelassen hatte, aber ich brauchte eine kleine Auszeit, bevor es morgen weitergehen sollte.
Der ganze Tag stand mir offen. Ich schaute in meinem Quartier auf dem Schiff einige Filme an, besuchte das Fitnesszentrum der Station und spielte Karten mit einem Fremden in einem der Maschinenräume der Station. Was würde mich am nächsten Tag erwarten? Bisher war ich auf mich alleine gestellt gewesen. Sicher, ich hatte meine Crew gehabt, doch dieses Mal lag mir wieder die Föderation im Nacken.


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 Betreff des Beitrags: Re: Beyond the Frontier
Verfasst: Mi 5. Aug 2020, 05:29 
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Persönlicher Logbucheintrag John Stanton, 28. Juni 2416, 07:40, Harrington-Station: "Ich bin gespannt auf mein neues Kommando. Auch wenn ich nicht genau weiß, was auf mich zukommt, bin ich bereit mich der Herausforderung zu stellen."

Das Briefing begann in wenigen Minuten. Ich hatte meinem ehemaligen ersten Offizier schnell zum Captain befördern müssen, da ich nicht weiter der Kommandant der Alsafi sein sollte. Sie hatte es mit relativ gelassenem Lächeln aufgenommen. Ich hatte sogar den Eindruck bekommen, dass sie ich nicht sonderlich wunderte, dass sie geahnt hätte, ich würde das Schiff irgendwann verlassen.
Meine Dankesrede an die Crew war recht kurz und, ich muss zugeben, vielleicht etwas unpersönlich. Ich hatte nicht lange mit ihnen zusammengearbeitet, da die meisten recht neu gewesen waren.Ich hatte allerdings den Eindruck, dass Alexandra die Crew sehr gut weiterführen würde.
Der Aufzug führte mich runter zu Deck 107. Es war kein sehr nobles Deck, da es recht weit weg von den ganzen Frachtschiffen war. Häufig dockten dort Militärschiffe oder kleinere Kampfkreuzer an, am meisten jedoch überlichtfähige Jäger. Weil der Aufzug direkt am Fenster vorbeifuhr, konnte ich sehen wie einige von ihnen wie Fliegen vor der Station schwirrten und den Anweisungen der Stationscontroller folgten. Es waren viele private Schiffe, ein solches besaß ich ebenfalls. Es war eingestaubt auf dem zweiten Planeten des Qamadi-Systems, wo ich derzeit wohnte.
Doch dann fiel mein Blick auf eines der größeren Schiffe. Um genau zu sein, auf den leichten Explorer, der direkt zu meinen Füßen auftauchte und auf dem IFS Interceptor stand. Das musste es sein. Es war das einzige größere Schiff, welches momentan hier angedockt hatte. Es war zwar viel kleiner als die Alsafi, doch bestand der Frachter natürlich fast ausschließlich aus Frachtraum. Es war augenscheinlich ein Schiff der Tiradentes-Klasse. Ellipsenförmig und vorne spitz zulaufend wirkte es wie ein flacher Faustkeil. Da es aber ein Explorer der Föderation war, der, zugegeben, von einem privaten Unternehmen für Privatleute gebaut wurde, aber zahlreich in der Flotte verwendet wurde; war es dennoch erstaunlich gut bewaffnet. Wenn ich mich recht erinnerte besaß das Schiff zwei Klasse-2- und drei Klasse-3-Plasmastrahlwaffen, einen Revolvermultiraketenstarter und sechs Schnellfeuerplasmageschütze. Antriebstechnisch war dieses Schiff mehr als ausreichend ausgerüstet, und zwar mit einem Klasse-C-Sublichtantimaterieantrieb mit einer Höchstgeschwindigkeit von 188.000 Kilometern pro Sekunde, ohne Zeitverlust; einem 4600Xi FTL-Antrieb mit einer empfohlenen Reisegeschwindigkeit von 2.725-facher Lichtgeschwindigkeit und einer Höchstgeschwindigkeit von 3.140-facher Lichtgeschwindigkeit, und dem neuartigen Sprungantrieb, der es ermöglicht Distanzen von bis zu 34,45 Lichtjahren in wenigen Sekunden zu überwinden, wobei jedoch der Treibstoffverbrauch immens ist. So immens, dass man ihn nur äußerst selten einsetzt. Des öfteren war es schonmal vorgekommen, dass Schiffe einfach mitten im Nichts liegengeblieben waren, weil sie eine falsche Route gewählt hatten, dortlang, wo es keinen Treibstoff zu tanken gab. Dieses Schiff könnte bis zu 1.200 Lichtjahre weit fliegen ohne aufzutanken, allerdings mit dem Sprungantrieb nur maximal 130 Lichtjahre.


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