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 Betreff des Beitrags: Beyond the Frontier
Verfasst: Fr 31. Jul 2020, 03:48 
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Irrlicht
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Beyond the Frontier

1. Das Signal

Persönlicher Logbucheintrag des Captains der Alsafi, 27. Juni 2416, an Bord der Alsafi: "Wir erreichen fast die Harrington-Station. Ich überlege seit ein paar Monaten, zusammen mit meinem ersten Offizier, uns aus der Abhängigkeit von StarLink zu lösen. Dafür ist ein großer finanzieller Aufwand notwendig, aber es würde sich für uns alle sehr lohnen."

"Sir, wir erreichen Harrington Station in zwei Minuten", sagte eine Stimme in meinem Quartier. Das InterCom war an. Ich hatte meinem ersten Offizier, Alexandra Novak, angewiesen mich zu informieren, sobald wir die Station erreichten. Ich erhob mich aus meinem Bett und blickte aus dem schmalen Fenster. Ein Planet zog an uns vorbei und wurde immer langsamer. Ich legte mir meine Alltagskleidung an und begab mich auf die Brücke.
"Guten Morgen, Sir", begrüßte mich mein erster Offizier. Sie saß auf dem Stuhl des Kommandanten, stand jedoch auf, als ich die Brücke betrat. Die Brücke war recht klein für ein Schiff derartiger Größe. Zwei Piloten steuerten das Schiff ganz vorne, ein Kommunikations- und Operationsoffizier saß an der linken Seite, hinter dem Piloten, und überwacht die Schildemmitter, die Kurz- und Langstreckenscanner und die Schiffssysteme; ein Waffenoffizier bediente alle Plasmawaffen und Raketen, ein Wissenschaftsoffizier sammelte wissenschaftliche Daten und wertete diese aus und ein Frachtmeister kümmerte sich um die Abwicklung des Handels und um das Aufspüren neuer Handelsdaten. Alle waren mehr oder weniger eng an einander gekuschelt, denn die Instrumente nahmen den größten Teil der Brücke ein. Aber dennoch war es mein Zuhause. Die RCS Alsafi. Es war ein Frachtschiff der Belugaklasse. Keines dieser kleinen Hauler, die Kurzstreckenlieferungen zwischen benachbarten Systemen durchführen. Die Schiffe der Belugaklasse waren der Stolz der föderalen Handelsflotte. Fünf Klassen gab es. Die kleinste, Klasse A, wurde für geringe Autarkie gebaut. Unser Schiff, Klasse E, wurde für fast unbegrenzter Autarkie gebaut und konnte bis zu 2.600 Tonnen Fracht laden. 2.324 Tonnen Silizium waren für ein Technologieunternehmen geladen und 216 Tonnen archäologischer Objekte für ein Forschungszentrum auf dem ersten Planeten des Systems.
Ich lebte schon seit ich denken konnte auf Frachtschiffen. Auf einem Mittelstreckenfrachter der Allianz hatten mich meine Eltern aufgezogen und auf einem imperialen Minenschiff hatte ich ich für kurze Zeit geheuert, bevor ich der föderalen Flotte beigetreten war. Sie war mein letzter Arbeitgeber gewesen, bis ich die Flotte im Rang eines Captains wieder verlassen hatte. Mich hatte es wieder in die relative Freiheit des Handelsfliegens gezogen. Niemand schrieb uns vor, wohin wir fliegen sollten. Lediglich der Profit zog uns dorthin, wo es etwas zu gewinnen gab. Der bewohnte Raum war riesig. Es gab immer etwas zu entdecken und die Bezahlung war niemals schlecht. Wir mussten lediglich zwanzig Prozent des Gewinns an die Handelsgesellschaft StarLink abtreten, die auch Fährtransporte zwischen den Systemen anbot.

Das Schiff verlor stetig an Geschwindigkeit. Der Copilot gab regelmäßig die Geschwindigkeit wieder: "320 Meter pro Sekunde, 250 Meter pro Sekunde, 200 Meter pro Sekunde ..."
"Alsafi, Sie haben Landeerlaubnis. Reduzieren Sie Ihre Geschwindigkeit auf 100 Meter pro Sekunde und docken Sie an Schleuse 4G an. Der Wirtschaftsaufseher der Station wird Sie in Empfang nehmen", sagte eine Stimme durch das Kommunikationssystem.
Sie war ein wichtiger Knotenpunkt des Warentransfers in der Umgebung. Das gesamte System stand im föderalen Einflussgebiet und war hauptsächlich auf die Herstellung und den Verkauf von Raumschifftriebwerken und Schutzschilden spezialisiert. Der Verkauf der Waren sollte uns einen Gewinn von 8.640.632 Credits einbringen, wovon 20 Prozent StarLink in die Taschen rieselt, 30 Prozent für den Unterhalt des Schiffes benötigt wird, 45 Prozent für den Einkauf neuer Waren gebraucht wird und fünf Prozent uns zustand.
Das Schiff kam allmählich zum Stillstand und eine Gangway fuhr an unsere Schleuse heran. Die Brückencrew versetzte das Schiff in den Cold and Dark Modus, die restlichen 27 Mann betraten bereits die Station.
"Sechs Wochen auf Fahrt und endlich wieder halbwegs festen Boden unter meinen Füßen", sagte Novak lachend und erhob sich aus ihrem Stuhl. "Was werden Sie zuerst tun?"
"Ich glaube, ich werde den Planeten betreten. Dort herrscht zwar Sauerstoffmangel, aber er soll recht schön sein. Aber für's Erste bekommen wir Urlaub. Nochmal sechs Wochen."
"Fliegen Sie nicht nach Hause?", fragte Novak und folgte mir durch den Korridor in Richtung Gangway.
"Nein, noch nicht. Ich ... kann noch nicht", antwortete ich. Sollte ich ihr davon erzählen? Es waren zwar schon einige Monate vergangen, doch ich konnte seit dem nicht mehr nach Hause. Nicht nach New York, nicht nach Nordamerika, nicht auf die Erde. Monatelang waren wir unterwegs, monatelang war ich nicht mehr zu Hause gewesen. Meine Arbeit gab mir die Möglichkeit zu vergessen. Neue Entdeckungen, die wir machen konnten, waren zwar bloß ein Bonus zu meiner eigentlichen Aufgabe, aber auch das vermochte mein Leben etwas aufzubessern. "Und Sie?", fragte ich nach einer kleinen Weile.
"Ja, ich besuche meine Eltern in Buenos Aires", sagte sie und lächelte. Doch ihr Lächeln verzog sich etwas, offenbar da sie merkte, dass noch mehr hinter meiner Aussage steckte. Doch Alexandra war immer rücksichtsvoll gewesen. Sie hakte nicht weiter nach. Und dafür war ich ihr sehr dankbar. Sie blickte wieder nach vorne und begrüßte den Wirtschaftsaufseher, der den Handel auf dieser Station abwickelte, mit freundlichem Lächeln. Der Mann, Vigor Baren, war ein untersetzter, mürrischer Erbsenzähler, der, auch wenn ich ihn nicht leiden mochte, ein sehr fähiger und fairer Mann war. Ich reichte ihm die Hand und er begrüßte mich auf der Station.
"Wie Sie vielleicht verstehen werden, ist meine Zeit sehr begrenzt. Ich bitte Sie mich zu Ihrem Frachtmeister zu fürhen. Ich habe noch sechs Frachtschiffe zu bearbeiten und ein Diplomatenschiff der Bari zu inspizieren."
"Inspizieren? Dürfen Sie das denn einfach so?", fragte Alexandra und schaute sehr verwirrt drein. Die Bari waren eigentlich stets höchst misstrauisch, weshalb es unmöglich schien, dass einer Ihrer Botschafter eine Untersuchung gewähren würde.
"Nein", begann der Mann zögernd, "nicht ganz."
"Vigor!", kam es von unserem Frachtmeister Alan Hunt, der aus der Luke gestürmt kam. "Freut mich dich zu sehen!"
Alexandra und ich drehten uns um und verließen die Gangway grinsend.
Auf dem Frachterdeck tummelten sich einige Leute von kleineren Frachtschiffen unterschiedlicher Spezies, die ihren Weg zum Herz der Station suchten, dem Casinodeck. So nannte man jedenfalls das riesige Vergnügungsdeck der Station, auf dem es nicht nur Casinos, sondern auch zahlreiche Läden, Restaurants, Dienstleister, wie Banken oder Infobroker; Tagesstätten für Kleinkinder und Spielplätze für größere Kinder, Schulen und Informationsdepots gab. Auf den anderen Decks waren sonst noch Vertetungen einiger Spezies, Sicherheitsabteilungen, Gefängniszellen, Energieversorgung der Station und die riesigen Frachtdepots, die direkte Transportbandverbindungen zu den Luftschleusen hatten.
Die Station war riesig, fast vier Kilometer hoch und an der Krempe eineinhalb Kilometer im Durchmesser. Sie war zylinderförmig, wobei das Casinodeck die Krempe der ganzen Konstruktion darstellte. Die Habitatdecks, 160 an der Zahl, waren unter dem Casinodeck und bildeten den Corpus der Station, der aber nur 400 Meter im Durchmesser maß. Das oberste Deck, Deck 1, war die Kommandozentrale der Station. Von dort dirigierte der Führungsstab das gesamte Leben auf der Station
Selbst das Frachtdeck war gut besucht. Ich konnte mir kaum vorstellen wie das Casinodeck aussehen sollte. Wir folgten einer Gruppe Fugasi, einer sehr rituellen, aber recht schweigsamen Spezies aus etwa 1.000 Lichtjahren entfernten Sektoren. Sie waren sehr groß gewachsen und trugen lange blaue Roben mit goldenen Mustern. Sie waren wohl mit einem kleineren Kurierschiff hier.
Die Station war eher in die Höhe gewachsen. Da wir auf den untersten Decks waren, war es ein weiter Weg nach oben.
Wir betraten einen Aufzug, der uns nach oben brachte. Wir fuhren an den unzähligen Habitatdecks vorbei, an Gärten, künstlichen Seen, Ausbildungszentren und Forschungszentren bis die Tür sich öffnete und einen herrlichen Blick auf das dichte Leben ermöglichte, welches hier herrschte. Spezies aus unwahrscheinlich vielen Systemen und Sektoren zogen durch die große Hauptstraße und die zahlreichen kleinen Gassen, tauschten Erfahrungen, kulturelle Eigenschaften und Informationen aus, kauften und verkauften seltene Gegenstände, wie Vasen aus entfernten Systemen, Talismane religiöser Kulturen oder Gewürze außerirdischer Pflanzen. In den Banken wurden föderale Credits in andere Währungen getauscht, die Casinos waren voll von allen möglichen Leuten aus allen Bevölkerungsschichten und Händler tauschten sich in Restaurants und Bars über profitable Handelsrouten aus.
"Sir, wenn Sie erlauben ...", sagte Alexandra. Ich drehte mich zu ihr um und gab ihr nickend die Erlaubnis sich zu entfernen. Normalerweise war es auf Frachtschiffen nicht üblich eine allzu strenge Kommandostruktur zu etablieren. Aber einige meiner Offiziere und einige der Besatzungsmitglieder hatten früher der föderalen Flotte angehört, einige einer Kampfgruppe der Allianz und viele andere Militärs verschiedener anderer Spezies. Unser Waffenoffizier war sogar Pilot der imperialen Flotte gewesen, was recht selten war, denn das Imperium und die Föderation waren nie sehr gute Freunde gewesen.
Dass so viele Exmilitärs an Bord meines Schiffes arbeiteten, war der Grund, dass wir übereinstimmend diese Struktur aufrecht erhalten hatten. Ein paar meiner Besatzungsmitglieder waren anfangs damit nicht sehr zufrieden gewesen, aber sie konnten sich relativ schnell daran gewöhnen.
Die Crew verteilte sich in alle Richtungen, trafen alte Freunde, genehmigten sich Drinks oder gaben der Versuchung nach ihr Glück im Glücksspiel zu versuchen. Ich wollte mich sogleich in ein Shuttle begeben, welches zur Planetenoberfläche fliegen sollte. Ich hatte frische Luft schon seit langer Zeit nicht mehr genossen. Zwar war dieser Planet terraformiert worden und der Prozess war noch lange nicht abgeschlossen, doch für's Erste sollte es genügen.
"Hey, Süßer, Lust auf mich? Nur 700 Credits pro Stunde", sagte eine Alyanerin und streichelte meine Schulter.
"Danke, aber ... ich fürchte, ich muss verzichten", erwiderte ich und drehte mich wieder um. "Das sind ja Wucherpreise", flüsterte ich.
Alexandra hatte mir einmal geraten das Restaurant Gar'eks bester zu besuchen, welches hier auf der Station sein sollte. Dort sollte es den besten Vorak-Burger und den besten ecuatorianischen Kakao geben. Da ich kurz davor war ein Reenu-Rind zu verspeisen, entschied ich mich in dieses Etablissement zu gehen und diesen Burger zu testen. Es war kein weiter Weg bis ich das Restaurant gefunden hatte. Es war ein recht gemütliches Lokal, mit zwei Etagen und einer optimalen Sicht auf den grünen Planeten unter uns.
"Halloooo, werter Herr! Mein Name ist Gar'ek und ich bin der Besitzer dieses bescheidenen Gourmettempels", sagte ein Virianer, der sich von hinten an mich herangeschlichen hatte, während ich auf den Planeten starrte.
"Oh ... äh ... ja. Ich hörte, Sie hätten einen hervorragenden Hamburger ... und einen tollen Kakao", sagte ich dem Mann. Virianer waren eine recht eigentümliche Spezies. Ihre Heimatwelt, Viria, war eine sehr heiße und trockene Welt in der Nähe der Plejaden. Wir hatten in unserer Geschichte der Raumfahrt nur sehr wenig Kontakt zu den Virianern, nicht nur, weil sie nah einer Region lebten, die wir normalerweise mieden, sondern weil sie recht wenig Interesse an diplomatischen Beziehungen zu anderen Völkern hatten. Das Viria-Konglomerat bestand aus drei Spezies auf neun verschiedenen Planeten: den Virianern, die den Kopf des Staates bildeten, den Vari, die ein enger Handelspartner der Virianer sind und deren Heimatwelt außerhalb des Territoriums des Konglomerats liegt; und den Vron, die ein strenges Kastensystem haben und den religiösen Teil dieser Dreiecksbeziehung tragen.
"Da haben Sie richtig gehört. Die Bouletten bestehen aus feinstem Reenu-Fleisch, gezüchtet auf den Weiden außerhalb von Vret'esh-City, von den absolut besten Rindern der Galaxis. Und der Käse? Erstklassiger Queijo Prato aus Porto Alegre, Brasilien", fabulierte Gar'ek und zeigte mir den tiefgekühlten Käse in seiner Theke.
"Das hört sich sehr gut an. Dann nehme ich ..."
"Machen Sie bitte zwei Gar'ek", sagte eine Stimme neben uns. Es war Admiral Laurentius Robertson, ein hochgewachsener, schmalgesichtiger Mann von außergewöhnlich hohem Renommé. In unrühmlicheren Tagen, als die Föderation vehement Krieg gegen das Imperium und manchmal gegen die Allianz geführt hatte, hatte er zahlreiche Kämpfe bewältigt, auch als die Na'ara-Kooperative viel rabiater gegen andere Völker vorgegangen war. Doch vor allem die Bedrohung durch die Fangu'ul konnte durch die Taten des jungen Commander Laurentius Robertson abgewehrt werden, der durch waghalsige Manöver eine ganze Flotte in die Knie zwingen konnte. Wie er das getan hatte, war nicht bekannt, da er in seinem Jäger schwer verletzt worden war und die Sensoren nichts aufgezeichnet hatten.
"Admiral ...", ich fuhr mit der Hand an meine Schläfe, um zu salutieren, doch hielt ich inne, da ich nicht mehr Teil der föderalen Flotte war. Er lachte kurz auf, als er meinen Patzer bemerkte.
"Stehen Sie bequem. Ich hörte, Sie seien nun im Urlaub", begann er und wieß auf einen Stuhl am Fenster.
"Ja, ganz recht. Ich wollte nachher zur Planetenoberfläche", antwortete ich und rutschte etwas nervös auf meinem Platz. Der Admiral besuchte mich nicht ohne Grund.
"Ich fürchte, das muss etwas warten. Ich ..." Der Admiral unterbrach, als Gar'ek wiederkam und uns die Burger präsentierte. Der oberen Brötchen lagen mit den Tomaten und dem Salat neben dem Burger.
"Bin sofort wieder da." Gar'ek verschwand hinter seinen Thresen und kam nun mit einem dicken Käse und einem glühend heißen Messer wieder. Er strich mit dem Messer über den Käse und verteilte die dickflüssige Masse auf der Boulette. Das Gleiche tat er auch bei Admiral Robertsons Burger.
"Vielen Dank, Gar'ek. Das sieht wirklich hervorragend aus", bemerkte der Admiral.
"Kann ich Ihnen sonst noch etwas anbieten, meine Herren? Wie wäre es mit feinstem virianischen Grünwein?", fragte Gar'ek freudestrahlend.
Wir bedankten uns beide bei ihm, lehnten jedoch ab. Nachdem der Wirt sich aus der Hörreichweite entfernt hatte, lehnte sich der Admiral verschwörerisch über den Tisch und begann: "Was wissen Sie über die Geschichte der Raumfahrt der Erde?"
"Hmm Grundkurs in der Akademie der föderalen Flotte, was? Erster bemannter Raumflug 1961, erste Mondlandung 1969, so etwas?"
Der Admiral schüttelte lächelnd den Kopf. "Ich rede von irdischer Mythologie. Oder eher, von einer bemannten Forschungsmission in den tiefen Raum 2154, genannt Projekt Daedalus. Erinnern Sie sich?"
"Ohh jaaaa, Projekt Daedalus. Ich erinnere mich ... dunkel." Das war gelogen. Ich hatte keine Ahnung, wovon der Mann sprach. Ich erinnerte micheigentlich an das Meiste an diesem Kurs, doch ich fürchtete, dass mir dieses Kapitel nicht geläufig war.
"Sie haben keine Ahnug, nicht war?"
"Naja ... vielleicht ... nein, Sir", erwiderte ich und schaute verlegen in meine Kakaotasse.
Der Admiral hob leicht die Augenbrauen. "Nun denn. Es handelt sich auch eigentlich nicht um eine bedeutende sehr bedeutende Legende. Fakt ist nur, dass das Schiff igrendwann verloren gegangen war. Die Archäologin Victoria Lawson konnte zuletzt eine Botschaft zur Erde schicken, die 54 Jahre später von einem Observatorium im Föderationsraum empfangen. Danach gab es keinen Kontakt mehr zu dem Schiff."
"Ohh ich erinnere mich doch. Das war der erste bemannte, interstellare Flug, nicht war?"
"Ganz recht. Obwohl der Überlichtantrieb schon von Jack Colson in den 2050ern theorisiert wurde, kam der erste Einsatz erst hundert Jahre später. Aber das ist eigentlich ganz nebensächlich. Wichtig ist allerdings, weshalb diese Mission stattfand. 2154 brach die Daedalus nach Alpha-Centauri auf. Der Flug sollte bloß sechzehn Monate dauern. Als sie jedoch dort ankamen und das System erforschten, empfingen sie ein Signal aus einem weit entfernten Ort, dem sie auf dem Grund gehen wollten. Lawson sandte eine Mitteilung, dass sie die Signalquelle untersuchen wollten, was 16 weitere Jahre dauern sollte. Als sie 16 Jahre später das Ziel erreicht hatten, schickte sie diese letzte Nachricht, die aber recht unvollständig war. Wir konnten nur Bruchstücke empfangen, da das Signal sehr schwach war. Sie schien euphorisch gewesen zu sein, das war aber auch schon alles. Wir erhielten die Nachricht: 'Ich ... gelandet ... unglaublich ... fremd ... weit.' Nichts weiter. Aber neben der Botschaft war auch die Art der Übermittlung interessant."
"... Weil es kein Sender des Raumschiffs war", ergänzte ich.
"Exakt! Entweder hatte sie, oder jemand anderes der Crew, es geschafft ein eigenes Funkgerät zu bauen, da sie offenbar notgelandet waren, oder sie hatten diese Transmission über ein fremdes Funkgerät gesandt. Wir wissen es bis heute nicht."
"Sie sind doch nicht den weiten Weg geflogen, um mich in Geschichte zu unterrichten, nicht war?"
"Nein, das bin ich nicht. Ich bin so weit geflogen, um Ihnen von einem Vorkommnis zu berichten. Die Föderation hat es für absolut geheim erklärt. Und das, was ich Ihnen jetzt verrate, sollten Sie für sich behalten, und nur für sich. Haben Sie das verstanden?"
"Ja, Sir. Sie können sich auf mich verlassen. Meine Missionen, bevor ich Frachterkapitän geworden bin, waren fast immer geheim", antwortete ich.
"Ich bin eigentlich kein Fan dieser Geheimnistuerei. Ich bin der Meinung, dass Geheimaufträge stets dem Kongress vorgelegt werden sollten. Wenn eine Abteilung etwas anderes tut als angekündigt wurde, kann das zu Zwiespältigkeiten führen", erwiderte der Admiral und lehnte sich leicht zurück. Ich schaute leicht verlegen auf meinen Handrücken. Der Admiral hatte mich da ganz schön in eine Falle gelockt. Die allermeisten Admirale und Generäle der Flotte waren skeptisch gegenüber Geheimaufträgen, geheimen Einrichtungen oder alternativen Existenzen. Aber ein Admiral mit seinem Erfahrungsschatz dachte da womöglich anders, jedenfalls hatte ich es so geahnt. "Aber ... eine unserer Horchstationen hat vor einigen Monaten eins ähnliches Signal erhalten. Es war sehr schwach, es war keine Botschaft. Wir glauben, dass es wohl eine Art Bestätigungssignal war. Dennoch hatte es das absolut gleiche Muster und Signatur wie jenes, welches von Victoria Lawson gesandt wurde."
"Das ist interessant. Aber, wieso erzählen Sie mir das? Wie Sie erkannten, bin ich doch nicht mehr Teil der Raumflotte."
"Das stimmt. Deshalb biete ich Ihnen einen Posten an. Sie waren jahrelang Kommandant verschiedener Raumschiffe. Der Exeter, der Eagle, der Champion, der Tempest und der Invisible. Hauptsächlich Patrouillen- und Forschungsraumschiffe. Ihre Referenzen sind hervorragend. Ich biete Ihnen den Wiedereinstieg in die föderale Flotte und das Kommando über eines unserer Raumschiffe an."
"Das ist sehr verlockend. Aber, ich habe vor sechs Jahren die Flotte aus einem bestimmten Grund verlassen."
"Ich weiß", anwtortete der Admiral. Er wirkte etwas nachdenklich. Offenbar wusste er von meinen Zweifeln gegenüber der Flotte. Die Beziehungen zwischen Sektoren der Föderation und Planeten der Allianz waren besser geworden, doch vermehrte Geheimaktionen gegen die Allianz hatten mich an der Intention der Föderation zweifeln lassen. Frieden, Wohlstand und Freiheit waren stets ihre Leitsätze. Aber diese Paranoia war mir neu gewesen, obwohl viele meiner Missionen geheim waren. "Ich weiß, dass damals ... viele Dinge schief gegangen sind. Aber die Zeiten haben sich geändert. Ich weiß, dass Sie in der Allianz aufgewachsen sind. Und Ihnen wurde das nie negativ angelastet. Die diplomatischen Beziehungen zu ihr sind deutlich besser geworden, das wissen Sie doch."
"Das weiß ich. Ich habe nie die Föderation abgelehnt, bloß ihre Methoden, wenn Sie verstehen."
"Das tue ich, glauben Sie mir. Ich war mit vielen ihrer Methoden selbst nicht einverstanden. Wie ich Ihnen eben mitgeteilt habe, mag ich keine Geheimnisse. Doch bin ich hier, um Ihnen einen Geheimauftrag anzubieten."
"Ja, das ist wahr", sagte ich und blickte wieder auf meinen Handrücken. "Wie ... würde dieser Auftrag aussehen?"
"Sie fliegen mit dem Schiff zu dem Horchposten und forschen nach, was es mit dem Signal auf sich hat", sagte der Admiral und stand auf, um Gar'ek zu bezahlen.
"Das macht dann vierzig Credits, bitte", sagte er und hielt uns einen Scanner hin.
"Nein, ich übernehme schon", sagte Admiral Robertson, legte seinen Daumen auf den Scanner und gab seinen Code ein.
"Vielen Dank, Sir. Aber das wäre nicht nötig gewesen", antwortete ich.
"Beehren Sie uns bald wieder, meine Herren." Wir wandten uns ab und gingen ein Stück durch die Promenade. Kinder verschiedenster Spezies tollten durch die Gegend. Sie schlängelten sich um die Beine der Leute. Der Admiral lachte auf.
"Das erinnert mich an eine Mission, den wir in den Katarisektor unternommen hatten. Von einem Planeten ging ein Notsignal aus, welches wir näher untersuchen wollten. Als wir an der Quelle ankamen, es war eine Raumstation, waren nur Kinder anwesend. Sie hatten sich dort versteckt, als die Station von Piraten angegriffen worden war. Sie hatten sich wirklich sehr gut geschlagen. Hatten eine eigene Organisation aufgebaut, Aufgaben verteilt. Sie taten mir wirlkich sehr leid. All ihre Familien tot, seit drei Monaten ohne Kontakt zu irgendjemandem."
"Was wurde aus ihnen?", fragte ich.
"Oh sie wurden sicher nach Hause gebracht und kamen in ein Waisenhaus. Zwanzig Jahre später kauften sie sich ihr eigenes Schiff und erforschten den Weltraum. Ihre Bindung untereinander war wirklich unglaublich stark gewesen."
"Sehr interessant. Aber ich frage mich, wo war die Legende? In ihrer Geschichte ..."
"Ahh ja, ich vergaß Ihnen davon zu erzählen", der Admiral lachte auf, wobei ich dachte, dass die kurze Ablenkung von der Mission gewollt war. "Man erzählt sich, Doktor Dawson hat sich ungewöhnlich stark zum Weltraum gezogen gefühlt. Etwa zu den Plejaden. Man sagt, sie wäre in irgendeiner Weise gerufen worden und das begründete wohl die große Angst vor diesem Sektor. Andererseits gab es schon viele ungewöhnliche Vorkommnisse in der Nähe dieses Sektors. Schiffe verschwanden, Raumanomalien sorgten für psychische Probleme vorbeireisender. Der Sekltor ist nur sehr sporadisch erkundet worden. Selbst Forschungsschiffe der Föderation, der Allianz und des Imperiums konnten nicht näher als 100 Lichtjahre herankommen."
"Und ... Sie wollen, dass ich da reinfliege?", fragte ich sarkastisch, doch der Admiral schaute mich an, als ob er mich bitten würde ohne Raumanzug durch die Luftschleuse zu spazieren.
"Kommt darauf an, woher das Signal kommt. Erstmal fliegen Sie zu dieser Station, um herauszufinden, um was es sich handelt."
"Wenn ich zusage, meinen Sie."
"Sagen Sie zu?"
"Kriege ich keine Zeit zum nachdenken?"
"Gut, Sie haben zehn Sekunden."
"Wie bitte? Wie wäre es mit ... zehn Stunden?"
"Nein, die Zeit drängt. Was sagen Sie?"
"Puhh ..." Ich schaute durch das Fenster. Tatsächlich juckte mich ein Tripp in den tiefen Raum sehr. Es waren Weiten, die kein Frachtschiff erreichen konnte. Aber nun musste ich eine Entscheidung treffen. Mein Leben lang Frachtschiff fliegen oder auf einem Kampfschiff der Föderation der Angst ins Auge zu blicken. Die Wahl war nicht so schwer. "Also gut. Ich sage zu."
"Hervorragend! Dann erwarte ich Sie morgen früh um 0800 an Schleuse 34, auf Deck 107."
"Morgen? Ich dachte, die Zeit drängt?"
"Tat sie auch. Sie wollten doch auf die Planetenoberfläche, oder nicht? Bis morgen also, Captain", der Admiral lächelte und verschwand in der Masse.
Bevor ich bemerkte, wie mir geschah, griff eine Hand meine Schulter.
"Verzeihen, Sie, dass ich Sie damit überrasche, aber so wie ich, unfreiwillig natürlich, mitbekam, wollen Sie sich zu den Plejaden aufmachen?"
"Wie viel haben Sie denn gehört?", fragte ich Gar'ek erstaunt, dass er gelauscht hatte.
"Nur, dass Sie dort hin wollen. Sie müssen wissen, ich komme ja von da. Die Plejaden bilden einen größen Teil unseres Nachthimmels. Ich dachte nur, dass Sie eventuelle einen Führer gebrauchen könnten."
"Nun ja, wir wissen nicht, ob wir dorthin fliegen. Ich ... lasse Sie gerne wissen, ob wir Sie gebrauchen können. Aber für's Erste brauch ich etwas Ruhe."
Ich war mir nicht ganz sicher, ob Gar'ek meine Andeutung richtig interpretiert hatte. Er wirkte etwas verdutzt, als ich ihn zurückgelassen hatte, aber ich brauchte eine kleine Auszeit, bevor es morgen weitergehen sollte.
Der ganze Tag stand mir offen. Ich schaute in meinem Quartier auf dem Schiff einige Filme an, besuchte das Fitnesszentrum der Station und spielte Karten mit einem Fremden in einem der Maschinenräume der Station. Was würde mich am nächsten Tag erwarten? Bisher war ich auf mich alleine gestellt gewesen. Sicher, ich hatte meine Crew gehabt, doch dieses Mal lag mir wieder die Föderation im Nacken.


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 Betreff des Beitrags: Re: Beyond the Frontier
Verfasst: Mi 5. Aug 2020, 05:29 
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Persönlicher Logbucheintrag John Stanton, 28. Juni 2416, 07:40, Harrington-Station: "Ich bin gespannt auf mein neues Kommando. Auch wenn ich nicht genau weiß, was auf mich zukommt, bin ich bereit mich der Herausforderung zu stellen."

Das Briefing begann in wenigen Minuten. Ich hatte meinem ehemaligen ersten Offizier schnell zum Captain befördern müssen, da ich nicht weiter der Kommandant der Alsafi sein sollte. Sie hatte es mit relativ gelassenem Lächeln aufgenommen. Ich hatte sogar den Eindruck bekommen, dass sie ich nicht sonderlich wunderte, dass sie geahnt hätte, ich würde das Schiff irgendwann verlassen.
Meine Dankesrede an die Crew war recht kurz und, ich muss zugeben, vielleicht etwas unpersönlich. Ich hatte nicht lange mit ihnen zusammengearbeitet, da die meisten recht neu gewesen waren.Ich hatte allerdings den Eindruck, dass Alexandra die Crew sehr gut weiterführen würde.
Der Aufzug führte mich runter zu Deck 107. Es war kein sehr nobles Deck, da es recht weit weg von den ganzen Frachtschiffen war. Häufig dockten dort Militärschiffe oder kleinere Kampfkreuzer an, am meisten jedoch überlichtfähige Jäger. Weil der Aufzug direkt am Fenster vorbeifuhr, konnte ich sehen wie einige von ihnen wie Fliegen vor der Station schwirrten und den Anweisungen der Stationscontroller folgten. Es waren viele private Schiffe, ein solches besaß ich ebenfalls. Es war eingestaubt auf dem zweiten Planeten des Qamadi-Systems, wo ich derzeit wohnte.
Doch dann fiel mein Blick auf eines der größeren Schiffe. Um genau zu sein, auf den leichten Explorer, der direkt zu meinen Füßen auftauchte und auf dem IFS Interceptor stand. Das musste es sein. Es war das einzige größere Schiff, welches momentan hier angedockt hatte. Es war zwar viel kleiner als die Alsafi, doch bestand der Frachter natürlich fast ausschließlich aus Frachtraum. Es war augenscheinlich ein Schiff der Alligator-Klasse. Ellipsenförmig und vorne spitz zulaufend wirkte es wie ein flacher Faustkeil. Da es aber ein Explorer der Föderation war, der, zugegeben, von einem privaten Unternehmen für Privatleute gebaut wurde, aber zahlreich in der Flotte verwendet wurde; war es dennoch erstaunlich gut bewaffnet. Wenn ich mich recht erinnerte besaß das Schiff zwei Klasse-2- und drei Klasse-3-Plasmastrahlwaffen, einen Revolvermultiraketenstarter und acht Schnellfeuerplasmageschütze. Antriebstechnisch war dieses Schiff mehr als ausreichend ausgerüstet, und zwar mit einem Klasse-C-Sublichtantimaterieantrieb mit einer Höchstgeschwindigkeit von 188.000 Kilometern pro Sekunde, ohne Zeitverlust; einem 4600Xi FTL-Antrieb mit einer empfohlenen Reisegeschwindigkeit von 2.725-facher Lichtgeschwindigkeit und einer Höchstgeschwindigkeit von 3.140-facher Lichtgeschwindigkeit, und dem neuartigen Sprungantrieb, der es ermöglicht Distanzen von bis zu 34,45 Lichtjahren in wenigen Sekunden zu überwinden, wobei jedoch der Treibstoffverbrauch immens ist. So immens, dass man ihn nur äußerst selten einsetzt. Des öfteren war es schonmal vorgekommen, dass Schiffe einfach mitten im Nichts liegengeblieben waren, weil sie eine falsche Route gewählt hatten, dortlang, wo es keinen Treibstoff zu tanken gab. Dieses Schiff könnte bis zu 1.200 Lichtjahre weit fliegen ohne aufzutanken, allerdings mit dem Sprungantrieb nur maximal 130 Lichtjahre.
Die Aufzugtüren öffneten sich und ich betrat das Deck. Admiral Robertson wartete bereits mit einem unerklärlichen Lächeln auf den Lippen vor der Luftschleuse.
"Guten Morgen, Mister Stanton. In Frachtraum 1 ist die gesamte Besatzung versammelt. Aber ich denke, bevor Sie sie kennenlernen, sollten Sie Ihre Uniform anlegen, nicht war? Sie liegt in Ihrem Quartier. Dort werden Sie auch Ihre Befehle erhalten. Sind Sie bereit?"
"Das bin ich ..." Der Admiral runzelte die Stirn. "Das bin ich, Sir", fügte ich hinzu. Ich unterstand wieder der föderalen Flotte. Der Admiral lächelte wieder und wies mir den Weg durch die Luftschleuse.
Im Inneren des Schiffes bekam ich den Eindruck, es sei viel größer, als es von außen wirkte. Es war viel ordentlicher als ich es von der Alsafi gewöhnt war. Alles hatte seinen Platz, alles war picobello und nichts wirkte zufällig. Auch mein Quartier, welches so geräumig wie ein Frachtraum war, wirkte, als bestünde das Schiff nur aus Quartieren. Es hatte einen Schreibtisch, eine Couch mit Couchtisch, eine Küchenecke, eine Nahrungsreproduktionseinheit, einen großen Bildschirm an der Wand und einige Topfpflanzen, die offenbar von Admiral Robertson hier aufgestellt wurden. Eine Tür am langen Fenster, welches sich durch den gesamten Wohnbereich zog, führte zum Schlafbereich. Auf dem Bett lag nun meine Uniform. Frisch, ordentlich und vollkommen neu. Sie war schwarz und hatte dunkelgraue Akzente. Wir5 alle Uniformen auf einem Raumschiff war sie ein Ganzkörperanzug und Raumtauglich, sodass man im Notfall eines Druckverlustes nur einen Helm aufsetzen musste.
Nachdem ich sie angezogen hatte, die übrigens perfekt saß, schaute ich in den Spiegel. Es war ein sehr ungewohnter, aber bekannter Anblick. Ich war bereits Captain gewesen, doch musste ich mich an meine neue alte Aufgabe erneut gewöhnen. Ich war mir nicht sicher, ob ich nach dieser Mission weitermachen wollte.

Die Frachtraumtür öffnete sich und 57 Männer und Frauen standen vor mir, stramm und in Formation. Einige Mitglieder anderer Spezies waren auch dabei, so waren zwei Virianer, ein Rhodi, drei Ter'eras, ein Arano und vier Vorash. Auch wenn meine Crew recht interstellar zusammengesetzt war, waren keinerlei Mitglieder des Imperiums oder der Allianz an Bord. Ich war natürlich eine Ausnahme. Aber die Föderation vertraute ihrer eigenen Spezies viel weniger als jeder anderen, was auch für die Allianz und das Imperiums galt. Ich vermochte nicht die Emotionen der Besatzungsmitglieder zu lesen. Alle hatten diesen typischen, steinernen Blick, den man einem vorgesetzten Offizier entgegenbrachte, wenn man aufgefordert wurde still zu stehen. Deswegen konnte ich nicht wissen, ob jemand Zweifel, oder gar Abneigung, hegte. Auf der anderen Seite wusste ich nicht, ob sie wussten, dass ich, neben der Föderation, Bürger der Allianz war.
Alle schauten geradewegs nach vorne. Ich folgte dem Admiral auf ein kleines Podium und er begann zu sprechen: "Das hier ist Captain John Stanton. Er wird nun das Kommando über die Interceptor übernehmen. Auch wenn mein Dienst mit Ihnen sehr kurz war, war es mir dennoch eine Freude mit Ihnen zusammen gearbeitet zu haben. Ich freue mich, wenn ich irgendwann wieder die Chance erhalte mit Ihnen zu dienen. Danke." Der Admiral verließ das Podium und eine Frau, die offensichtlich der erste Offizier des Schiffes war, signalisierte: "Achtung!" Alle Mann salutierten. Erst nachdem sie das gesagt hatte, war mir aufgefallen, dass diese Frau Alexandra war. Für kurze Zeit war ich etwas verwirrt, doch ich fing mich wieder schnell, als ich merkte, dass niemand etwas sagte. Der Admiral verließ den Frachtraum und nun war ich der ranghöchste Offizier. Mir bereitete der Anblick der gesamten Crew ein völlig neues Gefühl: Unruhe. War ich etwa verwöhnt gewesen? Verwöhnt von meinem Dienst auf einem Frachtschiff? Ein Militärschiff war streng hierarchisch aufgebaut. Es war keineswegs wie auf einem Frachtschiff, oder gar einem Forschungsschiff der Föderation. Hier erwartete man von mir ein Vorbild zu sein. Man erwartete die strenge Einhaltung von Vorschriften, Disziplin und vor allem das allerhöchste Maß an Führungsqualitäten. Ich war darin etwas eingerostet. Ein paar Patrouillenmissionen, ein paar Kämpfe ... und alles war schon so lange her gewesen. Nun stand ich wieder dort. Vor all den Menschen, die von mir erwarteten, ein Vorbild zu sein.
"Rühren!" Alle Körper erschlafften, als ob jeder von ihnen ein Beruhigungsmittel bekommen hätte. "Ich bin ... kein großer Redner, wie unser lieber Admiral. Aber ich kann Ihnen sagen, dass ich mich darauf freue diesen Auftrag anzunehmen und ihn zusammen mit Ihnen auszuführen. Ich bin mir sicher, dass wir viel von einander lernen können. Danke."
Alexandra signalisierte erneut "Achtung!" und alle Mann salutierten wieder. Ich verließ das Podium und steuerte direkt auf Alexandra zu.
"Ich glaube, Sie wollten mir noch Bescheid geben, dass Sie plötzlich für die Flotte arbeiten, nicht wahr?", fragte ich. Alexandra lachte kurz auf.
"Das wollte ich tatsächlich. Aber Ich dachte, Sie wären auf dem Planten. Ich hatte nicht gedacht, dass ich Sie hier wiedersehen würde. Ich hätte Sie nach der Ansprache des neuen Captain über Subraum kontaktiert."
"Ich hatte genau das selbe vor", erwiderte ich. Alexandra gab mir ein Pad, auf dem die Liste aller Crewmitglieder abgebildet war. Darin waren alle Informationen zu allen Crewmitgliedern enthalten. Doch da sie mich gerade in Richtung Brücke führte, las ich mir schnell die Daten der Brückenoffiziere durch.
Die Brücke befand sich ganz vorne. Das Schott öffnete sich und alle Offiziere stellten sich aufrecht hin, bereit den Captain zu begrüßen, nachdem der zweite Offizier, Lieutenant McKenzie, "Captain auf der Brücke!" gemeldet hatte.
Auf der Brücke hatte man eine herrliche Aussicht auf den Raumhafen. Das Fenster war sehr groß, einige Holoanzeigen stellten Informationen zu den Systemen und zu anderen Raumschiffen dar. Die Brücke war recht dunkel gehalten, damit eine vernünftige Aussicht nach draußen möglich war. Zwei Piloten steuerten das Schiff ganz vorne. "Das ist Lieutenant Marcus Reighley. Er ist der Pilot der Interceptor und zuständig für alle navigatorischen Fragen der Raumschiffsfunktionen", spulte Alexandra herunter. Mister Reighley erhob sich, salutierte und setzte sich wieder hin. Er war blond, hatte ein rundes, freundliches Gesicht und wirkte, als ob er stets bester Laune war. Laut seiner Akte war er ein passionierter Raumpilot, mit Vorliebe für kleinere Abfangjäger und irdischen Flugzeugen des 21. und 22. Jahrhunderts. "Die Copilotin ist Lieutenant Junior Grade Evangeline Dupont. Sie steuert das Schiff und unterstützt den Piloten bei seiner Arbeit", fuhr Alexandra fort. Auch sie erhob sich und salutierte. Sie war eine recht junge, dunkelhäutige Frau mit schulterlangem Haar und wirkte sehr ehrgeizig. In ihrer Akte stand, dass sie die Akademie mit Bravour gemeistert hatte, doch nach ihrer Beförderung zum Fähnrich erst sechs Monate Passagierschiffcopilotin gewesen war, bis sie wieder in den Dienst zitiert worden war. "Dieser junge Herr ist Ensign Vorial K'arun. Er ist der Systemoffizier. Er bedient die Hauptsysteme des Schiffes, hat den Überblick über Sensoren, Schutzschilde, Langstreckensensoren und Energieverteilungssystemen." Ensign K'arun erhob sich und salutierte ebenfalls. Er war ein recht junger Rhodi. Er war etwa 1,50 Meter groß, graurothäutig, ein echsenähnliches Gesicht und hatte gerade die Akademie verlassen und nun seinen ersten Dienst auf einem Raumschiff angetreten. Die Rhodi waren bekannt für ihre sehr genauen Analysen und ihrer enormen Spiritualität. Auch wenn der Planet Rhodius, der im System Eveni lag, nicht Teil der Föderation war, hatte es dieser junge Mann geschafft aufgenommen zu werden. Und das bewunderte ich sehr. Alexandra deutete auf den nächsten Offizier. "Das ist Lieutenant Commander Manon Korvan. Er ist der Wissenschaftsoffizier und leitet die wissenschaftlichen Abteilungen des Schiffes, bedient zusammen mit dem Systemoffizier die Sensoren und ermittelt die Prioritäten bei wissenschaftlichen Untersuchungen. Er ist Leiter der atronomischen Labors, des geologischen Labors, des biologischen Labors und des anthropologischen Labors." Commander Korvan war Arano. Sehr hoch gewachsen, mindestens 2,30 Meter und hatte eine sehr dünne Statur. Das lag an der etwas geringeren Schwerkraft auf Aranes. Seine Haut war sehr grau und fahl, doch sein Gesicht sprühte vor Leben. Aranes war ein Föderationsplanet kurz vor der Grenze zum Raum, der noch nicht kolonisiert wurde. Arani waren eine Spezies mit einer langen Forschertradition. Schon seit Jahrhunderten schickten sie Raumschiffe durch den Weltraum. Sie hatten ein sehr großes astronomisches Wissen, von dem die Föderation schon viel profitiert hatte. "Lieutenant Inari Nagano. Er ist der Kommunikationsoffizier, zuständig für die Kommunikationssysteme, extern sowie intern, Kurz- und Langstreckenkommunikation. Übersetzungen und Erweiterung des Übersetzungscomputers." Lieutenant Nagano war ebenfalls ein junger, aufstrebender Mann, der vor einigen Jahren die Akademie verlassen hatte. Er hatte die Bestnoten in Xenolinguistik, Anthropologie und Kommunikationswissenschaften. Er sprach zudem 23 Sprachen, sowie eine Menge Dialekte. Alexandra wies nun auf die letzte Person. "Das hier ist Lieutenant Commander Kate McKenzie. Sie ist der taktische Offizier und zuständig für taktische Planung, Bedienung der Waffensysteme des Schiffs und für bewaffnete Kampfeinsätze bei Außenmissionen. Zudem ist sie der zweite Offizier der Interceptor." Commander McKenzie war eine sehr entschlossen wirkende Frau, die selbst mit ihrer geringeren Körpergröße einen sehr starken und autoritären Eindruck machte. Sie salutierte ebenfalls.
Ich schaute in die Runde und bemerkte, dass sie genauso gespannt auf mich waren, wie ich auf sie. Auch ihre Gesichter wirkten erwartungsvoll. Ich nahm mir vor, ihre Erwartungen zu erfüllen. Bevor ich jedoch den Befehl geben konnte, die Andockklammern zu lösen, öffnete sich das Schott der Brücke und ein weiterer Offizier trat hinein.
"Ich habe ... oh, Verzeihung, Sir." Der Mann fror ein, als er mein Gesicht sah. "Ich bin ... Lieutenant William Hensley, der Chefingenieur des Schiffes. Ich war bisher im Maschinenraum, um die restlichen Tests vor dem Start durchzuführen.
"Natürlich, Lieutenant. Ich bin Captain John Stanton. Fahren Sie bitte fort."
"Danke, Sir. Ich muss an meine Station hier auf der Brücke", sagte der Mann und huschte zu seiner Konsole.
"Also schön, meine Damen und Herren. Wie ist unser Status?" Ich setzte mich auf den großen Stuhl in der Mitte der Brücke und lehnte mich zurück. Auf einem kleinen Display an meiner rechten Seite wurde mir der Kurs angezeigt, der uns in Richtung des galaktischen Südens bringen sollte. Alle Offiziere überprüften ihre Anzeigen und führten die Tests der Startprozedur durch, sodass ein sicheres Abdocken von der Station möglich war.
"Harrington Station meldet, dass Andockklammern nach eigenem Ermessen gelöst werden können", sagte Lieutenant Nagano und übermittelte eine Antwort, nachdem ich nickend bestätigt hatte.
"Mister Hensley, wie ist der Status der Manövriertriebwerke?", fragte Commander Novak und setzte sich ebenfalls auf ihren Stuhl.
"Tests für Manövriertriebwerke abgeschlossen und Abdockmanöver wird eingeleitet. Lieutenant Reighley, Sie haben die Kontrolle", antwortete der Chefingenieur.
"Ich habe die Kontrolle. Alle Steuersysteme grün, Antimaterieantrieb grün, FTL-Antrieb grün, Sprungantrieb grün, Autopilot Test und grün, Autothrottle grün, automatische Notabschaltung Test und grün, Treibstoffvorrat grün, Treibstoffleitungen und Energieversorgung der Triebwerke Grün, Treibstoffkollektor grün. Abdocken."
"Systemoffizier, Systemstatus?", fragte Novak Ensign K'arun.
"Schutzschilde grün, Hüllenpolarisierung grün, Langstrecken- und Kurzstreckensensoren grün, Hauptcomputer grün, Navigationscomputer grün, Schiffsenergieversorgung grün."
"Waffenoffizier, taktische Systeme?"
"Plasmastrahlwaffen grün, Schnellfeuergeschütze grün, Raketenwerfer geladen und grün. Taktische Sensoren grün, Aktiv- und Passivsensoren und -Radarsysteme grün", antwortete Lieutenant Commander McKenzie.
"Dann kann es ja losgehen. Mister Reighley, nehmen Sie Kurs auf den ersten Wegpunkt", befahl ich dem Steuermann, der den Befehl sofort wiedergab und das Schiff mit den Manövriertriebwerken aus der Nähe der Station brachte. Als wir weit genug entfernt waren, gab Hensley die Kontrolle des FTL-Antriebs frei und Reighley steuerte das Schiff sofort in den Subraum, der es uns ermöglichte zu den Sternen zu reisen.
Vor uns tat sich ein Sog aus Subraumernergie auf, den wir nur durch ein leichtes Flackern sehen konnten, und zog uns auf die andere Seite des physischen Seins. Alles was im normalen Raum existierte konnten wir noch sehen, doch waren wir für das Auge im Normalraum nicht mehr sichtbar. Mit einem Male zog der Planet, um den Harrington Station sich drehte und auf dem ich nie gewesen war, so schnell an mir vorbei, dass ich auf meinem kleinen Monitor rechts von mir sah, wie er innerhalb von Sekunden zu einer tennisballgroßen Kugel schrumpfte und anschließend nur noch als reflektierender Punkt zurückblieb. Ich war für kurze Zeit von dieem Schauspiel sprachlos, das mir durch die Ausrichtung des Teleskops ermöglicht wurde. Doch als ich durch das große Frontfenster blickte, erinnerte ich mich wieder daran, dass wir mit einer schneckenartigen Geschwindigkeit den Weltraum bereisten. Die Sterne und anderweitigen weit entfernten Objekte wirkten, als ob sie an eine große, schwarze Leinwand gemalt worden wären. Es wirkte, als würden wir uns gar nicht fortbewegen. Wenn ich eben nicht beobachtet gehabt hätte, wie der Planet mit wahnwitziger Geschwindigkeit scheinbar von uns flog, hätte man nie auf den Gedanken kommen können, dass wir uns in irgendeiner Weise fortbewegten. Und das änderte sich auch in Stunden kaum. Zwar wurden die Sterne etwas größer, je näher wir ihnen kamen, doch das war ein winziger Unterschied, der nur auffiel, wenn man sich darauf die ganze Zeit konzentrierte. Nach drei Stunden hatten eine feste Geschwindigkeit von 2.700 c erreicht, was bedeutete, dass unsere Reise etwa einen Monat dauern würde.


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