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Verfasst: Mo 19. Mär 2007, 15:34 
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Er hätte es nicht angenommen, aber nachdem Jane in seinem Arm eingeschlafen ist, sind auch ihm die Augen zugefallen. Tief und fest hat er geschlafen. Irgendwann in der Nacht ist er einmal aufgewacht, hat die Decke vom Fußende des Bettes hochgezogen und über Jane und sich ausgebreitet, dann hat er seine muchachita wieder in seinen Arm gezogen und bis zum Morgengrauen durchgeschlafen.
Die ersten Sonnenstrahlen, die ins Schlafzimmer gedrungen sind, haben ihn allerdings geweckt. So ist es fast jeden Morgen, er wacht früh auf, und dann beginnt das Denken. Und der Schmerz. Heute ist es nicht viel anders gewesen, allerdings hat der Schmerz sich ein wenig in Grenzen gehalten. Dafür hat das Denken mehr Raum eingefordert. - El hat sich gefragt, ob es richtig gewesen ist, was er getan hat. Ob er sich wirklich hat auf Jane einlassen sollen oder ob es besser gewesen wäre, sie beide hätten diesen Schritt nie getan.
Vorher sind sie Freunde gewesen. Aber was sind sie jetzt füreinander?
Die Frauen, mit denen El in den vergangenen vier Jahren geschlafen hat - er kann sie an einer Hand abzählen - haben ihm eine Nacht lang Vergessen geschenkt, danach sind sie allesamt aus seinem Leben verschwunden. Aber Jane wird nicht verschwinden. Und wenn er ehrlich mit sich selbst ist, dann muss er sich eingestehen, dass er das auch gar nicht will. Nur wie sollen sie jetzt miteinander umgehen? Was erwartet sie von ihm? Will sie mehr als das, was sie gestern miteinander geteilt haben? Will ER mehr?

Die Fragen haben El lange beschäftigt, und jetzt, wo er geduscht, aber unrasiert im Badezimmer steht, das nasse Haar straff nach hinten gekämmt und lediglich mit seinen Shorts bekleidet, lassen sie ihn immer noch nicht los. Nachdenklich sieht er auf das dampfende Wasser, das in die im Waschbecken stehende Schüssel plätschert und zieht den Waschlappen mit seinem Zeigefinger langsam hindurch. Die Schüssel ist irgendwann voll, und er dreht den Hahn ab. Er legt sich ein Handtuch über die Schulter, dann hievt er das Gefäß aus dem Becken heraus und trägt es ins Schlafzimmer hinein, und dabei beschließt er, das Thema 'Was wird?' für den Moment fallen zu lassen. Jane setzt ihm schließlich nicht die Pistole auf die Brust - wofür er nebenbei recht dankbar ist.
Lautlos stellt er die Schüssel auf dem Nachttisch aus Zedernholz ab, setzt sich auf die Bettkante und drückt das Wasser aus dem Waschlappen. Dann zieht er Jane vorsichtig die Decke bis zu den Unterschenkeln und beginnt, ihren schönen Körper sachte zu waschen. Sie wird mit ihrer Verletzung nicht duschen können, und sich selbst zu säubern, dürfte ihr einige Schwierigkeiten bereiten. El hat kein Problem damit, sich um sie zu kümmern. Im Gegenteil, er tut es gern.

Der feuchte Waschlappen hat sie kaum berührt, als Janes Lider auch schon zu flattern beginnen. Dann schlägt sie sie auf und sieht ihn verschlafen an - wie müde und erschöpft sie gewesen sein muss, dass sie bis jetzt durchgeschlafen hat!
"Buenos dias, mi corazón", begrüßt El sie mit leiser, tiefer Stimme, fährt dabei aber mit dem Waschen fort, so als wäre es das Selbstverständlichste auf der Welt. Und für ihn ist es das auch.

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Verfasst: Mo 19. Mär 2007, 16:09 
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Carajo, das ist das lästige daran, wenn man nachts über das Fenster auflässt! Kaum ist die Sonne raus, da schwirren einem die Fliegen um die Nase und lassen einen nicht mehr schlafen!

Unwillig schlägt Carmen nach dem kleinen Quälgeist, der sie gemeinerweise aus ihren wundervollen Träumen gerissen hat und will sich gerade wieder in den Schlaf fallen lassen, als die Fliege penetranterweise zurückkehrt, plötzlich jedoch zu einem Paar weicher, vertrauter Lippen wird und Dinge murmelt, die sie jetzt ja nur geträumt haben kann.
Misses Carmen Collins?
No, das hat sie nicht wirklich gehört! Das hat sie sich nur eingebildet, ganz sicher! Sie hat einfach zu viel über genau dieses Thema nachgedacht, seit Frank gestern dieser Mel an den Kopf geworfen hat, dass er seine Putzfrau heiraten will. Das spukt ihr noch im Gehirn herum, darum meint sie jetzt, so einen Unsinn gehört zu haben! Denn ganz sicher wird er sich nicht mit dem Gedanken tragen, sie heiraten zu wollen! Wo sie sich doch noch keine drei Wochen kennen und gerade mal erst drei Tage wirklich fest zusammen sind – von denen sie sich zwei Tage nicht einmal gesehen haben.

Carmen beschließt, dass es einfach so sein muss .. sie hat sich verhört, Feierabend. Blinzelnd öffnet sie ihre Augen und schenkt Frank ein kleines, verschlafenes Lächeln. Dann murmelt sie: „Hola, chico. Du bist ja schon auf .. – Komm her!“
Sie wühlt ihre Arme aus der Decke hervor und streckt sie ihm entgegen, und als er tut, was sie sagt und sich schmunzelnd zu ihr hinab beugt, schließt sie sie um ihn und gibt ihm einen langen, zärtlichen Gutenmorgenkuss. Wobei ihr durch den Kopf geht, dass ihrer Meinung nach ruhig jeder Tag so anfangen könnte. Vielleicht sogar noch mit einem leckeren Frühstück dazu, das er ihr ans Bett bringt. Bueno, man kann nicht alles haben. Aber das wird sie ihm schon noch beibringen. Für den Anfang ist es auf alle Fälle schon verflixt gut, wie er das handha ..
Carmens Gedanken, die sie sich beim Küssen gemacht hat, laufen ins Leere, als würziger Kaffeeduft an ihre Nase dringt. Sie öffnet die Augen und schnuppert, ihre Lippen dabei immer noch mit Franks verschmolzen. Dann linst sie zur Seite, hebt ihre Augenbrauen … und schiebt Frank auf der Stelle mit einem begeisterten „Frühstück!!!“ von sich fort. Ungeachtet der Tatsache, dass dieser Kuss eigentlich noch gar nicht beendet gewesen ist.
Aber was macht das schon? Man muss eben Prioritäten setzen!

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"Die Moral der Kunst besteht in vollendeter Anwendung unvollkommener Mittel." ~ Oscar Wilde

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Verfasst: Mo 19. Mär 2007, 17:56 
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El schmunzelt. Si, er glaubt es ihr, dass sie sich gerne jeden Tag verwöhnen lassen würde. Wer würde das nicht? Darüberhinaus ist sie eine chica, die man täglich verwöhnen sollte. Allerdings, ob ER derjenige sein sollte ...?
Wie zuvor streift El diesen Gedanken ab, denn er will ihn jetzt nicht denken. Er fährt fort, Janes Körper zu waschen, und als er bei ihren Füßen angekommen ist, befiehlt er in raunendem Tonfall und einem Lächeln auf den Lippen: "Umdrehen!"
Ein kleiner Klaps auf ihren Oberschenkel unterstreicht seine Aufforderung.

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Verfasst: Mo 19. Mär 2007, 18:28 
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Carmen drückt sich in den Kissen hoch und lehnt sich ans Kopfende des Bettes an, für den Moment nur wirklich keinen Blick für ihren chico. Sie greift nach dem Tablett und nimmt es mit einem kleinen Ächzen vom Nachttisch, dann parkt sie es mit leuchtenden Augen auf ihrem Schoß und lächelt all die guten Sachen an.
Ja was nimmt sie denn zuerst?
Sie streckt ihre Hand schon nach dem Quark aus, als sie Franks Bemerkung mitbekommt und sich stattdessen eine Weintraube abzupft. Mit der wirft sie schmunzelnd nach ihm - und trifft ihn auch, mitten auf der Nase.
"Da hast du deine Beachtung!"
Voller Genugtuung widmet sie sich nun dem Quark. Und dabei geht ihr der Gedanke durch den Kopf, dass sie sich wirklich vorhin verhört haben muss. Denn wenn er wirklich 'Carmen Collins' gesagt hätte und dahinter auch eine gewisse Absicht gestanden hätte, dann hätte er doch irgendwie darauf reagiert, dass sie nicht darauf reagiert hat.
Oder?

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Verfasst: Mi 21. Mär 2007, 09:36 
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"Wir werden heute auch nicht hinausgehen", erwidert El Jane mit einer Bestimmtheit, die keine Kompromisse zulässt. Dabei fährt er fort, sachte ihren Rücken zu waschen. "Sie werden einen Tag ohne dich auskommen. Du musst dich erholen. Wenn deine Wunde sich entzündet und du Fieber bekommst, nutzt du auch niemandem."
Langsam gleitet der Waschlappen über Janes hellen Körper, hinterlässt feuchte Spuren und kleine Wassertröpfchen, die in Zeitlupe an ihrer Haut herabperlen. Ein wunderschöner Anblick, von dem El kaum den Blick nehmen kann. Ein anregender dazu - er wäre kein Mann, würde er nicht so empfinden - doch ihre Ruhe ist ihm wichtiger als seine eigenen Bedürfnisse. Sie ist immer noch angeschlagen. Da benötigt sie einen fürsorglichen chico, der sich um sie kümmert, dringender als einen liebeshungrigen Don Juan. El schmunzelt, als ihm dieser Gedanke durch den Kopf geht. Er gleitet mit dem Waschlappen in die Tiefe, über Janes makellose, seidig glatte Halbkugeln hinweg und weiter hinab zu ihren Oberschenkeln, um sie auch dort von Schweiß, Staub und den klebrigen Spuren ihrer gestrigen Liebe zu reinigen. Danach wird er sich ihre Wunde ansehen .. und darauf hoffen, dass sie gut aussieht. Denn wenn nicht, werden sie heute doch noch einmal hinaus müssen.

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Verfasst: Mi 21. Mär 2007, 09:58 
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Carmen bleibt die Weintraube im Hals stecken, als sie Franks Spruch hört.
Trauringe???
Entgeistert starrt sie ihm nach.
Dann aber ziehen sich ihre Augenbrauen bedrohlich zusammen. Sie packt das Tablett und stellt es neben sich, schiebt sich unter der Bettdecke hervor und eilt Frank nach. In der offenen Badezimmertür bleibt sie mit vor der Brust verschränkten Armen stehen.
"WAS soll das? He?", fährt sie seinen Rücken an. "Wieso machst du seit gestern ständig irgendwelche komischen Anspielungen? Warum tust du so, als wolltest du mich heiraten, he? Macht dir das Spaß? Findest du die Vorstellung witzig, wie sich die kleine chica jetzt Hoffnungen macht? Sich ständig fragt, wie der große, tolle gringo das gemeint haben könnte?"
Carajo, wenn er wüsste, wie oft sie seit gestern über genau dieses Thema nachgedacht hat! Seit er die Bemerkung Mel gegenüber hat fallen lassen. Richtig gemein, sowas!

Mit hochmütigem Blick löst Carmen ihre Arme wieder und wedelt mit einer Hand betont gleichgültig in der Luft herum. "Wenn du mir etwas zu sagen hast, sag es. Wenn nicht, lass es!"
Damit wendet sie sich wieder ab und lässt Frank stehen, wo er ist.
Chicos!

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Verfasst: Mi 21. Mär 2007, 11:21 
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El sieht Jane einen Moment lang an, ein kaum merkliches Lächeln in den Mundwinkeln. Schließlich wendet er sich wieder der Schüssel zu und wäscht den Waschlappen darin aus. Dabei vertieft sein Lächeln sich ein wenig.
"Si, mit mir. Hast du gedacht, dass du mich so schnell los wirst?"
Er kann sich ziemlich genau vorstellen, was in Janes Kopf vorgeht. Und er kann sie verstehen. Sie weiß nicht, was sie jetzt denken soll. Sie möchte wissen, wie er zu ihr steht. Das würde er selbst gerne. Doch er kann es nicht. Er weiß nicht, wo er steht. Er begehrt sie, sicher. Was wäre er für ein Mann, wenn er das nicht täte? Und er mag sie sehr. Aber Liebe?
Ist es bei ihr Liebe?
Er erinnert sich daran, mehrere Male einen seltsamen Ausdruck in ihrem Gesicht wahrgenommen zu haben. Einen, der ihn hat stutzen lassen.
Si, wenn er jetzt zurückdenkt und sich ihr Verhalten vor Augen führt, ist es sehr gut möglich, dass sie sich in ihn verliebt hat.
Solltest du dann nicht eigentlich besser gehen? Ehe sie beginnt, sich Hoffnungen zu machen, die du nicht erfüllen kannst?

Das Lächeln verschwindet wieder von Els Gesicht. No, es geht nicht. Er kann jetzt nicht gehen. Sie braucht ihn. Und da ist immer noch Echeverria. Mit ernster gewordenem Blick drückt er den Lappen aus, dann zieht er sich das Handtuch von der Schulter und beginnt, Jane fürsorglich abzutrocknen.
"Ich werde mir jetzt deine Wunde ansehen, danach werden wir frühstücken. Was hältst du davon?", wechselt er das Thema und behält seinen Blick auf das gerichtet, was er tut.

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Das Herz schlägt ihr bis zum Hals!
Mit aufgerissenen Augen sieht Carmen zu Frank auf, für den Moment nun doch - trotz der ganzen vorausgegangenen Grübelei - viel zu überfahren, um auf seine berückende Nähe und seinen intensiven Blick zu reagieren. Eigentlich sogar zu überfahren, um auch nur eines weiteren Gedankens fähig zu sein. Weshalb es etwas dauert, bis sie reagiert ... und sich dann räuspernd und kopfschüttelnd aus Franks Umarmung befreit.
"No ... n-no ...", stammelt sie aufgeregt, hebt abwehrend die Hand und wendet sich von ihm ab. Mit weichen Knien geht sie die paar Schritte zum Bett zurück und setzt sich auf die Bettkante, ehe sie hier lang hinschlägt. Dann holt sie erst einmal tief Luft.
"Das geht nicht, Francisco", erklärt sie daraufhin entschieden, sieht ihm dabei aber nicht in die Augen, sondern auf seine Knie. "Wir kennen uns doch noch gar nicht. Und wir sind erst seit ein paar Tagen zusammen. Man .. man sollte nicht so schnell heiraten."
Dios, er liebt sie. Er liebt sie wirklich, sonst hätte er ihr doch gerade nicht die Frage aller Fragen gestellt, oder?

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Verfasst: Mi 21. Mär 2007, 15:31 
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El steht mit der Schüssel schmutzigen Wassers auf und lächelt nun doch wieder, als er auf Jane hinab sieht.
„ICH werde einkaufen gehen. Du bleibst hier und schonst dich. Comprende?
Er bedenkt sie mit einem kleinen Zwinkern, dann trägt er das Wasser ins Bad zurück und gießt es im Waschbecken aus. Mit neuem Wasser und einem kleinen Verbandskasten, den er unter dem Waschbecken im kleinen Handtuchschrank gefunden hat, kehrt er zurück, stellt es erneut auf dem Nachttisch ab und nimmt wiederum neben Jane Platz.
Bueno, jetzt werden wir uns erst einmal deine Wunde ansehen.“
Er beugt sich vor und beginnt vorsichtig, den Verband an Janes Schulter zu lösen. Dass sie sich aufrecht hingesetzt hat, macht es ihm einfacher, ihn abzuwickeln. Auch, dass Jane nicht so empfindlich ist, denn sie verzieht kein einziges Mal die Miene dabei, obwohl El sich sicher ist, dass sie noch Schmerzen in der Schulter haben muss. Nachdem er die elastische Binde abgewickelt hat und achtlos hat zu Boden fallen lassen, zieht er behutsam die Mullauflage von der Wunde und betrachtet diese kritisch. Sie hat ein wenig genässt unter den Stichen, und sie ist ganz leicht an den Rändern gerötet. Aber ansonsten sieht sie gut aus. Wenn das Nässen und die Rötung nicht zunimmt, wird sie gut heilen, und Jane kommt um einen weiteren Krankenhausbesuch herum.
El nickt anerkennend. „In ein, zwei Tagen wirst du so gut wie nichts mehr spüren.“
Er spricht da aus Erfahrung. Eine Erfahrung, die er mit ihr teilt, wie die zahlreichen Narben an ihrem Körper beweisen. El öffnet den Verbandskasten, entnimmt ihm ein Fläschchen mit medizinischem Alkohol, reißt mit seinen Zähnen ein Päckchen Mullauflagen auf und fischt sich eine der Auflagen heraus. Er tränkt sie mit der sterilisierenden Flüssigkeit, dann beginnt er vorsichtig, die Wunde damit zu betupfen. Auch jetzt lässt Jane sich nichts anmerken, obwohl es jetzt erst recht weh tun muss. Lediglich das Zucken ihres Auges lässt erkennen, dass sie nicht ganz so unempfindlich ist, wie sie gerne wirken möchte.
Tapfere chica.
Der Gedanke geht El nicht zum ersten Mal durch den Kopf, und er ist gerade dankbar dafür, dass seine Überlegungen in eine andere Richtung gehen als eben noch. Es ist notwendig, dass sie wieder eine normale Ebene finden, auf der sie miteinander umgehen können. Die aktuelle ist einfach zu angespannt.
Als er das Desinfizieren beendet hat, greift er nach einer frischen Auflage, legt sie auf die Wunde, und diese umwickelt er dann mit einer neuen elastischen Binde. Nicht zu fest, nicht zu lose, sondern so, dass es für sie einigermaßen angenehm ist.
„Ist es gut so?“

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Verfasst: Mi 21. Mär 2007, 15:34 
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Carmens Gefühlsleben hat gerade verdammte Ähnlichkeit mit einer Achterbahnfahrt. Das Wissen darum, wie sehr Frank sie offenbar liebt, lässt sie auf Wolken schweben. Aber der Gedanke an so einen weitreichenden Schritt wie eine Hochzeit bewirkt genau das Gegenteil - nämlich dass sie erbarmungslos auf den Boden der Realität zurückgezogen wird, und die Realität sieht nun einmal so aus, dass er ein Amerikaner ist mit amerikanischen Eltern und amerikanischen Freunden und dass er einen ur-amerikanischen Beruf hat, den er sicher auch gerne behalten möchte. Von Beförderung gar nicht zu reden.
Was aber, wenn er eine kleine Latina heiratet? Möglich, dass seine Eltern damit noch irgendwo einverstanden wären. Wenn Frank sagt, dass sie keine Rassenvorurteile haben, mag das zutreffen. Er kennt sie schließlich gut genug. Auf der anderen Seite ist es immer leicht, vorurteilsfrei zu sein, solange nicht die eigene Familie betroffen ist. Womöglich ändern sie ihre Meinung ja, wenn Frank ihnen die ‚frohe Botschaft’ kund tut. Was aber seine Freunde, seinen Bekanntenkreis und seine Arbeit betrifft, ist Carmen sich ziemlich sicher, dass er dort einige negative Überraschungen erleben wird, sollten sie beide wirklich einmal heiraten. Sie weiß es von einer Kommilitonin, die ein halbes Jahr mit einem gringo aus Boston verlobt gewesen ist, dass es Firmen gibt, die es nicht gerne sehen, wenn ihre Mitarbeiter beabsichtigen, Personen aus ethnischen Minderheitsgruppen zu ehelichen. Weshalb Juanitas Verlobung auch nie in einer Hochzeit gegipfelt ist, sondern in einer Abschiebung zurück nach Mexiko – nachdem ihr toller chico beschlossen hat, dass ihm seine Karriere dann doch wichtiger ist. Und der war nur, wenn Carmen das noch richtig im Kopf hat, in einem Architekturbüro angestellt, nicht beim FBI!

Es macht ihr Angst. Jetzt um so mehr als zuvor. Schon in Culiacán hat sie sich ständig gefragt, was aus ihnen beiden werden wird. All diese kulturellen Unterschiede, all die Probleme, die damit verbunden sind .. – letzten Endes hat sie gemerkt, dass ihre Liebe zu Frank größer ist als ihre Angst, darum ist sie ihm Hals über Kopf gefolgt. Doch hier, jetzt, wird sie gleich wieder mit diesen Fragen konfrontiert. Und zwar diesmal in einer wirklich drastischen und weitreichenden Weise. Sie hat noch nicht einmal eine Ahnung, wie sie hier leben wird. Ob sie hier weiter studieren kann, ob sie hier eine Job findet, vor allen Dingen, was sie tun wird, wenn der nächste Fall ruft, für den Frank dann abgezogen wird. Wird sie tage-, wochenlang hier in dieser Wohnung sitzen können? Allein? Mit ihrer ständigen Angst um sein Wohlergehen in ihrem Bauch? Mit der Ungewissheit, wann er wiederkommt? OB er überhaupt noch einmal wiederkommt? Und was ist, wenn dann einmal Kinder da sind? Wird sie sie allein großziehen müssen? Werden ihre Kinder Freunde haben oder werden die anderen nicht mit ihnen spielen, weil es Mischlinge sind? Weil sie wertloses Latino-Blut in ihren Körpern haben? Wie wird SIE sich hier fühlen? Wird sie sich hier eingewöhnen können? Wird sie hier Freunde finden? Gerne hier leben? Oder wird, wenn die Euphorie des ersten Verliebtseins vorüber ist, all dieses .. dieses Amerikanische sie irgendwann erdrücken und die Sehnsucht nach ihrer Heimat übermächtig werden? Was wird sie dann tun? Frank verlassen, die Kinder ebenfalls und nach Hause zurückfliegen, als wäre sie nur mal für längere Zeit im Urlaub gewesen? Oder die Kinder mitnehmen, sie ihm damit WEGnehmen und ihm ganz gewiss das Herz brechen?

All diese Fragen stürmen auf Carmen ein und lassen ihr den Kopf schwirren. No, es ist zu früh. VIEL zu früh, um schon über so wichtige Dinge wie Hochzeit zu reden. Erst muss sie sich hier in diesem fremden Land zurecht finden. Und gleiches gilt auch für den chico an ihrer Seite – auch mit ihm muss sie sich erst einmal zurecht finden. Sie kennt ihn ja gar nicht. Sie liebt ihn zwar, aber sie weiß doch eigentlich nicht das Geringste über ihn. Was, wenn sich herausstellt, dass er ein paar Leichen im Keller hat? Oder einen an der Klatsche? Oder dass er noch weitere Kinder hat, irgendwo verstreut im Land – vielleicht auch verstreut in Mexiko – und ihr das nur noch nicht erzählt hat?
No, ehe Carmen sich all dieser Dinge nicht sicher sein kann, wird sie ihr Leben und ihre Seele nicht an ihn binden. Es ist eine Sache, jemandem hinterher zu reisen, weil man es ohne ihn nicht mehr aushalten kann. Wenn die Dinge hier wirklich schief laufen für sie, kann sie immer noch nach Mexiko zurück. Aber wenn sie verheiratet ist, dann ist sie verheiratet. Eine Scheidung dauert ewig und kostet Geld. Und da ist dann auch noch der religiöse Aspekt, der für Carmen sehr wichtig ist. Sie wird nur ein einziges Mal in ihrem Leben heiraten, das weiß sie ganz gewiss. Und dann wird es der Mann sein, der wirklich für sie bestimmt ist. Von Frank kann sie das noch nicht sagen, auch wenn sie natürlich hofft, dass es so ist. Aber es sind einfach noch zu viele Fragen offen. Darum ist es ihr sehr recht, dass er seinen unorthodoxen Heiratsantrag von soeben wieder relativiert und auf eine längere Bank geschoben hat. Sie ist ja von Natur aus eigentlich schon sehr spontan. aber SO spontan? Das muss nun auch nicht sein.

Bueno“, murmelt sie darum mit schiefem Blick und einem misslungenen Lächeln, das kläglich an ihren Lippen zupft.
Wenn er sie das nächste Mal fragt .. – was er wohl mit ’das nächste Mal’ meint?
Übermorgen? – Es würde Carmen nicht wundern, bei dem Tempo, das dieser chico bei ihr vorlegt. Oder erst in zwei Jahren wieder? - Das wäre Carmen allerdings dann doch ein wenig ZU lang!

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El weiß genau, was sie sagen will. Er nickt leicht, greift nach Janes Hand und zieht sie an seine Lippen. Dann küsst er zärtlich ihre Finger. „Das bin ich auch, muchachita.“
Er streichelt ihre Finger mit seinem Daumen, dann aber lässt er Jane los und steht auf.
„Soll ich dir etwas zum Anziehen holen?“
Sein Blick schweift zum Kleiderschrank, dann wieder zu Jane.
„Sag, was du haben möchtest. Ich hole es dir und helfe dir beim Anziehen.“
Danach wird er sich selbst noch einmal in sein nach Schweiß riechendes Hemd und seine schmutzstarrende Hose vom Vortag zwängen und hinab zur Garage fahren, um seine vergessene Reisetasche aus dem Kofferraum des Mercedes zu holen. Saubere Wäsche könnte ihm jetzt nämlich auch gut gefallen.

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Verfasst: Do 22. Mär 2007, 12:10 
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Er reagiert mit Verständnis, und das gibt Carmen einen Teil ihrer Selbstsicherheit zurück. Sie folgt Franks Finger mit ihrem Blick in Richtung Frühstückstablett und lächelt, nickt dazu und antwortet: „Bueno. Essen ist immer gut. Die eine Weintraube hat mich nicht wirklich satt gemacht.“
Sie schmunzelt Frank wieder an, beugt sich vor und drückt ihm einen kleinen Kuss auf seine hübschen Lippen. Dann dreht sie sich um und krabbelt auf allen Vieren zu der Bettseite hinüber, die sie in der Nacht als ihre auserkoren hat, schlüpft dort wieder unter die Decke und schiebt sich das Kopfkissen in den Rücken, damit sie es bequem hat. Daraufhin nimmt sie das Tablett wieder auf ihren Schoß, um Frank Platz zu machen. Und als er sich ebenfalls neben sie unter die Decke geschoben hat, stellt sie das Tablett zwischen ihm und sich ab, greift ein weiteres Mal nach dem Quark und fährt mit ihrem unterbrochenen Frühstück fort. Dabei beginnt sie Frank von sich zu erzählen, ganz so, wie er sie gebeten hat.

Sie fängt bei ihrer Kindheit in Culiacán an, erwähnt ihre Eltern und ihren älteren Bruder Manolo, lässt aber erst einmal aus, dass sie zu letzterem ein eher indifferentes Verhältnis hat und dass das zu ihren Eltern sich sogar in der Zwischenzeit von schlecht auf Null reduziert hat. Sie schildert Frank ihre Schulzeit und lässt anklingen, dass sie nie viele Freunde gehabt habe, weil sie als Kind „klein, hässlich und dünn“ gewesen sei, außerdem „eigensinnig und manchmal schwierig“. Das mit den wenigen Freunden habe sich im Laufe der Zeit auch nicht großartig geändert, doch mit zunehmendem Alter es eher von ihr selbst ausgegangen als von den anderen, da ihr die chicas in der Regel viel zu zickig und oberflächlich gewesen seien und die chicos immer nur das eine von ihr gewollt hätten, nämlich sie so schnell wie möglich ins Bett abzuschleppen. Gerade letzteren habe sie sich darum immer wieder entzogen.
„Diego ist mein erster wirklicher Freund gewesen, weißt du?“, bemerkt sie leichthin, während sie den leckeren Quark zu Ende löffelt. „Schon in der Schule .. wir haben da eine Menge Unsinn zusammen angestellt“. Carmen schmunzelt und leckt mit einem verschmitzten Seitenblick auf Frank ihren Löffel ab. Dann lässt sie ihn ins leere Quarkschälchen fallen und beginnt sich ein Brötchen zu schmieren. „Er ist mir immer ein guter Kamerad gewesen. Als es mit den chicos in der Schule immer schlimmer wurde, hat er so getan, als wäre er mein fester Freund und wir würden miteinander gehen. Das hat die meisten auf Abstand gehalten. Diego hat sich nämlich immer gerne geprügelt. Dafür war er bekannt, musst du wissen.“ Lächelnd beißt sie in ihr Käsebrötchen, dass es kracht, kaut ein wenig, dann fährt sie fort.
„Wir haben uns nach der Schule eine Zeitlang aus den Augen verloren und sind uns irgendwann im Freibad wiederbegegnet. Tja, und da hat es dann plötzlich wirklich gefunkt zwischen uns ..“
Carmens Blick wird nachdenklich, während sie gedanklich in der Zeit zurückreist und die Momente noch einmal erlebt. „Es hat nur ein halbes Jahr gehalten. Ich hab damals nicht gewusst, dass er auf die schiefe Bahn geraten war. Er wurde von der Polizei gesucht. Und eines Tages – wir lagen in seinem Bett, Arm in Arm und haben geschlafen - da sind die Bullen in seine Wohnung gestürmt, haben ihn aus dem Bett gezerrt, verhaftet und mitgenommen, und ich wurde aufs Präsidium geladen und musste stundenlang Aussagen machen. Diego ist danach zu drei Jahren Gefängnis verurteilt worden. Das war das Ende unserer Beziehung.“
Kein verschmitztes Funkeln mehr, kein Lächeln .. – Ein Hauch von Wehmut hat sich auf Carmens Gesicht gestohlen, ohne dass es ihr bewusst ist. Sie sieht blicklos ins Leere, doch dann geht ein kleiner Ruck durch sie, und sie findet wieder ins Hier und Jetzt zurück. Entschuldigend sieht sie Frank an. „Perdoname, mi amor – wo war ich? Ach ja, das Ende unserer Beziehung .. ich lernte einige Zeit später Ricardo kennen, und es dauerte nicht lange, bis ich mich in ihn verliebte. Meine Eltern waren schockiert. Er war ein Freund von Manolo, und er war gut situiert, ein erfolgreicher Geschäftsmann .. aber er war auch achtzehn Jahre älter als ich. Er hätte mein Vater sein können. Sie haben versucht, mir diese Beziehung zu verbieten, aber ich habe nicht auf sie gehört. Ich hätte es vielleicht besser, denn dann wäre mir eine Riesenenttäuschung erspart geblieben.“ Ein leiser Seufzer folgt. „Ricardo hat mich nie geliebt, weißt du? Er hat mich verwöhnt, si. Er hätte mir vermutlich alles gekauft, um das ich ihn gebeten hätte. Aber er hatte kein Interesse an mir selbst, an meinen Vorstellungen vom Leben, meinen Plänen. Seine Pläne waren alles, was zählte. Ich schmiss, kurz nachdem ich ihn kennengelernt hatte, meinen Job in der Näherei, in der auch meine Mutter arbeitete und begann mein Kunststudium. Gegen den Willen meiner Eltern. Sie wollten, dass ich Schneiderin wurde und Geld verdiente, damit ich die Familie unterstützen konnte. Ich aber wollte malen. Schon als kleines Kind wollte ich das. Seit meine Großmutter mich mit ins ‚Museo de Arte de Sinaloa’ mitgenommen hatte. Dem berühmten Kunstmuseum in Culiacán ..“, fügt Carmen erklärend hinzu, ohne dass Frank sie gefragt hätte. „Seit dem Moment, in dem ich die Werke der großen Künstler gesehen hatte – Gaugin, van Gogh, Klimt, Dali, Kahlo – hatte ich gewusst, dass DAS auch mein Leben war. Ich wusste, ich hatte Talent. Ich hatte schon immer gerne und gut gemalt. Aber ich wollte mehr, ich wollte nicht nur gut sein. Nicht nur nette Zeichnungen kritzeln können. Ich wollte es lernen. Darum schrieb ich mich gegen den Willen meiner Eltern in der Universität in Culiacán ein und begann mein Studium.“ Kleine Pause, während der Carmen ihren Blick senkt und einen Moment schweigend auf die Bettdecke starrt. „Es gab daraufhin einen großen Streit. Mein Vater warf mich aus dem Haus und verbot mir, je wiederzukommen. Ich .. habe meine Eltern seitdem nicht mehr gesehen und auch nichts wieder von ihnen gehört.“ Wieder ein kleiner Moment des Schweigens, dann aber zuckt Carmen mit den Schultern und sieht Frank mit einem aufgesetzten, schiefen Lächeln an. „Wenigstens hatte ich danach Ruhe und musste mir nicht ständig anhören, dass ich wirres Zeug im Kopf hätte und mein Freund viel zu alt für mich wäre. Weißt du, nur das ist es gewesen, das sie an Ricardo störte .. sein Alter. Nicht etwa, dass er oberflächlich war und sich nicht wirklich für ihre Tochter interessierte. Dass er stets nur wollte, dass ich seine Erwartungen erfülle, anstatt sich zu fragen, ob ich vielleicht auch welche hatte. Aber wie hätten sie auch so weit denken können? Sie waren ja genauso wie er. Auch sie wollten immer nur, dass ich ihre Erwartung erfülle – in der Näherei arbeiten, um zu Hause Geld abzuliefern, solange zu Hause wohnen und Mama beim Haushalt zu helfen, irgendwann dann einen netten mexikanischen jungen Mann zu heiraten, der sein Geld in der nächsten Zigarrenfabrik verdient und mit ihm einen Haufen Kinder bekommen. All das entsprach aber nicht meinen Vorstellungen ..!“
Carmen kann es nicht verhindern, dass sich Trotz in ihre Stimme und ihre Blick geschlichen hat. Auch wenn das alles jetzt schon längere Zeit zurückliegt, aber völlig abgestriffen hat sie es nie.
„Eigentlich passten Ricardo und meine Eltern ganz hervorragend zusammen“, fährt sie mit sarkastisch emporgezogener Augenbraue fort und nimmt einen Schluck vom Orangensaft. „Ricardo war es auch nur daran gelegen, dass ich nach seiner Pfeife tanzte. Er hatte zwar nichts dagegen, dass ich Kunst studierte, aber er fand es absolut unpassend, dass ich mir eine Wohnung in Santa Cécilia gesucht hatte. In diesem ‚Drecksnest’, wie er es immer bezeichnete. – Kannst du dir vorstellen, dass er in den gesamten zwei Jahren unserer Beziehung kein einziges Mal in meiner Wohnung gewesen ist? Ich hatte ihn so oft gebeten, doch auch mal zu mir zu kommen. Ich wollte ihm so gerne meine Bilder zeigen, meine Wände, die ich bemalt hatte. Ich wollte, dass er wusste, wie ich lebte. Aber das war ihm total egal. Er lehnt es rundweg ab und bestand darauf, dass ich zu IHM kam. In sein Designerappartment in der besten Wohngegend in Culiacán. Und ich war lange Zeit blöd genug, ihm immer wieder nachzugeben. Mich von ihm auf langweilige Parties und Geschäftsessen schleppen zu lassen, wo von mir nicht wirklich erwartet wurde, dass ich den Mund aufmachte. Er kaufte mir tolle Kleider für diese Anlässe - allerdings auch ziemlich tief ausgeschnittene - und hochhackige Schuhe, damit ich sexy aussah. Das war alles, was ich tun musste. Er wollte nur etwas zum Präsentieren haben, damit seine ‚Freunde’ ihn beneideten und ihn weiterhin für den tollen Hecht hielten, der er in seinen eigenen Augen ja ohnehin war. – Na ja, all das hatte schon ziemlich in mir gegärt. Und dann erwischte ich ihn zu guter Letzt auch noch mit einer Blondine in seinem Bett! An einem Wochenende, wo ich eigentlich nicht kommen wollte, weil am Montag darauf eine Klausur angesetzt war, für die ich mich eigentlich vorbereiten musste. Ich fuhr dennoch zu ihm, weil ich trotz allem Sehnsucht hatte. Und hörte es schon an der Eingangstür .. seine und ihre Laute aus dem Schlafzimmer … - Ich weiß nicht, wer sie war. Ich kannte sie nicht. Ich weiß nur, dass sie blond gefärbt war und das weinrote Negligée trug, das Ricardo mir mal geschenkt hatte und das er so sehr an mir geliebt hatte, dass ich es ihm oft da ließ, wenn ich wieder zurück nach Santa Cecilia fuhr. Und dass sie dicke Titten hatte!“, nächster schiefer Blick zu Frank. „Darauf stand Ricardo nämlich unheimlich. – Tja, das war’s dann.“
Wieder nippt Carmen an ihrem Orangensaft. Und fügt mit treuherziger Miene hinzu: „Du hast dir da ein ziemlich verkrachtes Pinselchen an Land gezogen, chico. Eines, das keine Superfamilie aufweisen kann, so wie du, sondern nicht einmal Kontakt zur eigenen hat. Eines, das so gut wie keine Freunde hat. Und eines, dessen einzige Erfahrung mit Männern sich auf die mit einem Kleinkriminellen und einem untreuen, oberflächlichen Geschäftsmann beschränkt. Du solltest dir das mit dem Antrag wirklich noch einmal überlegen. Vielleicht entdeckst du ja noch, dass das Pinselchen an all diesem Scheiß kräftig Schaden genommen hat und sich nicht gerade zur Verbreitung einwandfreier, amerikanischer Collins-Gene eignet.“

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"Die Moral der Kunst besteht in vollendeter Anwendung unvollkommener Mittel." ~ Oscar Wilde

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