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Verfasst: So 25. Mär 2007, 16:51 
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Ihr ist es nur recht, dass sie zu Fuß gehen. Zuhause in Mexiko ist sie fast nur zu Fuß unterwegs gewesen – wenn man von den wenigen Gelegenheiten einmal absieht, bei denen sie den Bus genommen hat. Man erlebt seine Umgebung intensiver, nimmt sie besser in sich auf, wenn man sich die Zeit nimmt, sie gehend zu erkunden. Und Zeit haben sie heute im Überfluss .. zumindest denkt Carmen sich das, denn Frank hat bislang mit keinem Wort erwähnt, dass er noch etwas vorhätte. Büro zum Beispiel.
Gut gelaunt schlendert sie darum jetzt an der Hand ihres chicos über den breiten Gehweg des Rodeo Drive und sieht sich mit blanken Augen im teuersten Stadtteil von Los Angeles um.
Gucci, Armani, Coco Chanel, Dior .. all die großen Namen stürmen auf Carmen ein, als läse sie gerade eine dieser illustren Frauenzeitschriften, die immer bei ihrem Friseur in Culiacán ausgelegen haben. Blankgeputzte, riesige Glasscheiben, die sich bei näherem Hinsehen allesamt als Panzerglas entpuppen, locken mit der teuersten Mode und dem abgedrehtesten Outfit, und natürlich fehlen in dieser Parade an Berühmtheiten auch die Juweliere wie Cartier und Tiffany’s nicht, vor denen sich elegant gekleidete Luxusweibchen mit ihren Ehemännern oder Geliebten tummeln und auf mehrkarätige Ringe oder anderes funkelndes Geschmeide deuten. Gerade letzteres jedoch dämpft Carmens Enthusiasmus unvorhergesehen. Hat sie eben noch tief die Luft des Luxus und der Berühmtheit eingeatmet, ertappt sie sich jetzt dabei, wie sie zweifelnd an sich herabsieht und sich auf einmal zu wünschen beginnt, sie hätte heute noch einmal ihr zerknittertes, verschwitztes Kleid von vorgestern angezogen oder doch wenigstens ihren üppigen Ausschnitt mit Franks zur Sprache gebrachtem Schal bedeckt. Der Unterschied zwischen den anderen Passanten und ihr selbst wird ihr auf einmal mehr als bewusst, so sehr, dass die glänzenden und glitzernden Geschäfte mit ihren großen Namen, der breite Gehweg mit den schicken Leuten, ja sogar die warme Sonne und der laue Wind, der ihre Beine umweht und ihr kurzes Röckchen zum Flattern bringt, es nicht länger vermögen, sie in das Wohlgefühl zu tauchen, in dem sie eben noch gebadet hat. Sie bemerkt die Blicke der anderen .. die interessierten der Männer, die sie ansehen, als wollten sie sie auch noch des letzten bisschens Stoff entledigen, der ihren Körper verhüllt, sowie die der Frauen, die sie abfällig, ja fast sogar feindselig mustern und ihr in stummem Vorwurf das Wort ‚Nutte’ an den Kopf werfen.
Der Spaziergang auf dem Rodeo Drive entwickelt sich zu einem Spießrutenlauf.

Warum hat sie nicht besser nachgedacht?
Sie hätte wissen müssen, dass ihre Kleidung nicht das ist, was eine Amerikanerin mit Geschmack trägt! Zu bunt! Zu offenherzig! Selbst für eine Mexikanerin, die die kräftigen Farben liebt und deren Garderobe genügend tiefdekolltierte Kleider aufweist - no, aufwies muss sie jetzt wohl sagen, denn von ihrer Garderobe ist ja nicht mehr allzu viel übrig.

Carmens Wangen beginnen unter der Examinierung der übrigen Passanten zu glühen. Sie drängt Frank ins nächste Geschäft hinein, einfach nur, um aus dieser unangenehmen Situation herauszukommen und atmet auf, als die Glastür sich hinter ihnen mit einem leisen Bimmeln wieder schließt. In Sicherheit! Erst einmal …
Sie sieht sich um und stellt fest, dass sie in einem Bekleidungsgeschäft stehen. Ob es sich um eines der führenden Modemarken handelt oder einfach nur um ein ganz normales, das sich die sicherlich horrenden Mieten des Rodeo Drive leisten kann, kann Carmen erst einmal nicht einschätzen, denn sie sieht nirgendwo einen Namenszug an der Wand oder auf dem Boden. Aber das ist ihr im Moment auch nicht so wichtig. Hauptsache, sie hat den sezierenden Blicken der anderen entkommen können! Wenn sie sich hier erst einmal ein wenig gefangen und ihr Selbstbewusstsein auf Vordermann gebracht hat, wird es ihr nicht mehr allzu viel ausmachen, einen zweiten Anlauf zu starten und sich wieder in die Öffentlichkeit zu wagen. Zumindest hofft sie das inständig.
’Vielleicht findest du hier ja auch was für dich und kannst es direkt anbehalten,’, fährt es ihr durch den Kopf, als sie ihren Blick über die Kleider und Kostüme gleiten lässt, die sie umgeben – allesamt an abstrakten Puppen, kein einziges an einer Stange hängend. Dieser Gedanke baut sie zusätzlich auf. Es wird zwar etwas seltsam aussehen, wenn sie der Verkäuferin erklärt, sie solle ihre alten Sachen einpacken, weil sie die neuen gleich zu tragen gedenkt, aber Carmen nimmt an, dass sie damit leben kann. Besser hier kurzfristig einen schlechten Eindruck hinterlassen als draußen auf der Straße langfristig.
„Guten Tag“, unterbricht eine geziert klingende Frauenstimme ihre praktischen Überlegungen. Carmen zuckt zusammen und sieht in die entsprechende Richtung – wo sie der gleichen Art von Blick begegnet, vor der sie eben Hals über Kopf in dieses Geschäft geflohen ist. Geschätzte fünfzig Jahre Missbilligung und kühle Arroganz mustern sie von oben bis unten, ehe sie sich Frank zuwenden, um nur noch ausschließlich ihn zur Kenntnis zu nehmen und das billig angezogene Etwas, das er an der Hand hält, einfach zu ignorieren.
„Was kann ich für Sie tun?“
Franks Griff um ihre Hand verstärkt sich leicht, gleichzeitig spürt Carmen ein beruhigendes Streicheln.
„Meine Frau sucht etwas zum Anziehen“, erklärt er der kühlen Gewitterziege mit einem charmanten Lächeln, und so wenig der Gedanke Carmen ja sonst gefällt, dass er auf andere Frauen wirkt, in diesem Fall hofft sie sehr darauf, dass sein umwerfendes Aussehen sowie seine gewinnende Ausstrahlung die Schreckschraube auf anderen Gedanken bringen und man ihr hier verkauft, was sie haben möchte. Das ‚meine Frau’ nimmt Carmen dafür gerne in Kauf – ihr ist durchaus bewusst, dass Frank mit Absicht zu dieser Formulierung gegriffen hat, um auf diese Art eine Einheit mit ihr zu symbolisieren und es der Schreckschraube schwerer zu machen, sie anzugreifen. Dafür ist Carmen ihm wirklich dankbar.
Doch auch wenn man es der Schraube deutlich angesehen hat, dass der Ausdruck in ihrem Gesicht bei Franks Erwiderung wärmer und offener geworden ist, kaum kommt er auf Carmen zu sprechen, zieht ihre Miene sich wieder zu und wird so ablehnend wie zuvor.
„Ich bedauere, aber diese Größe führen wir nicht!“
Sie hätte genauso gut sagen können ‚Ich bedauere, aber Latina-Flittchen bedienen wir nicht!’, denn genau das ist es, was in den eisgrauen Augen der älteren chica geschrieben steht. Aber natürlich spricht sie es nicht aus, denn das wäre Diskriminierung, und sie müsste gewahr sein, dass Carmen dies zur Anzeige bringt. In einem Land, wo man für die geringfügigsten Dinge schon zu Zahlungen in Millionenhöhe verklagt werden kann, wird sie dieses Risiko wohl nicht eingehen.
Carmen reicht es.
„Iich trrrage Grrroße ssesssunndreissig“, erwidert sie spitz und funkelt die Verkaufschica herausfordernd an. „Uund obenherrrum maanchmal aachtunndreissig. Das werrden Sssie ja wohl fuuhren!“
Natürlich führt dieses Geschäft solche Größen! Zum einen sind es Standardgrößen, zum anderen könnte Carmen schwören, dass das schwarze Kleid, das die Puppe neben der Schreckschraube trägt, auch die Größe 36 hat. Alles nur eine dumme Ausrede dafür, sie nicht bedienen zu müssen.
„Es tut mir leid, aber ich fürchte, ich kann Ihnen nicht weiterhelfen.“
Carmen spürt, wie Frank sich neben ihr versteift, aber ehe er etwas sagen kann, ergreift sie wiederum das Wort. Das hier ist eine Sache, die sie alleine betrifft, und das wird sie auch alleine regeln. Sie ist ja kein Kind mehr!
Sie lässt Franks Hand los und geht mit energischen Schritten auf die Gewitterziege zu, deren Augenbrauen bei dieser für sie unerwarteten Reaktion überrascht in die Höhe schnellen. Es ist nicht das einzige, was Carmen auf Trab bringt, denn die Ziege weicht auch zwei Schritte zurück. Was denkt sie? Dass die Latino-Nutte jetzt handgreiflich wird?
Carmen hat nicht vor, handgreiflich zu werden. Sie rührt die Schreckschraube nicht einmal an. Stattdessen zieht sie den Kragen des schwarzen Kleides ein Stück nach hinten und wirft einen Blick auf das Etikett. Sechsunddreißig – ganz wie sie sich gedacht hat.
„Uund was iist daas iierr?“, fährt sie die Ziege anklagend an. „Daas iist Grooße sessunndreissig, uund das iist genau daas, was iich furr miich geseehen aabe!“ Sie überlegt kurz, dann korrigiert sie sich: „.. gessuucht aabe! – Aalsso? Woo iist die Umkleidekabiine?“
Eine zweite Verkäuferin, die offenbar bemerkt hat, dass ihre Kollegin sich in Schwierigkeiten befindet, gesellt sich zur ersten hinzu und fragt mit geringschätzigem Blick auf Carmen: „Gibt es hier irgendwelche Schwierigkeiten?“
Carmens Mund öffnet sich schon zu einer entsprechenden Erwiderung, doch die erste Ziege kommt ihr zuvor und erklärt der zweiten: „Ich habe dieser … Dame gerade gesagt, dass wir ihre Größe nicht führen, aber sie will mich offenbar nicht verstehen.“
Wiederum wird Carmen taxiert, jetzt von zwei Ziegen gleichzeitig, und beider Blicke bleiben an dem hängen, was ihr tiefausgeschnittenes Dekolleté üppig präsentiert.
„Bitte gehen Sie!“, tutet die zweite Ziege nun auch noch ins gleiche Horn wie die erste, und jetzt ist es an ihnen, eine Einheit gegen die unerwünschte Kundin zu bilden. Ein Bollwerk der Ablehnung sozusagen, das gerade dabei ist, Carmens wiedergefundener Selbstsicherheit gehörig das Wasser abzugraben. Sie schluckt und versucht es noch einmal.
„Iich bessteehe darrauf, dieses Kleid anssuprobiierrreen!“
Doch klingt ihre Stimme längst nicht mehr so fest wie eben noch.

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Seine düstere Miene hält die Personen, die mit ihnen den Lift betreten haben, ebenso auf Abstand wie seine große Gestalt, so dass Jane hinter ihm den Freiraum bekommt, der gut für sie ist.
El sieht mit beiden Tüten auf den Armen dunkel zur Liftanzeige auf, doch als er ihr Raunen hinter sich hört, zupft es an seinen Mundwinkeln.
Sie will ihn schubsen?
"Pass du auf, dass du nicht vor mir im Wasser landest", raunt er aus dem Mundwinkel zurück, ohne den Blick von den roten Leuchtziffern zu nehmen, die die Ebenen des Kaufhauses anzeigen. "Ich habe gehört, Salzwasser ist gut für die Heilung von Wunden!"
Si, und es tut gehörig weh.
'Aber Jane ist ja eine Meisterin im Zähnezusammenbeißen', geht es ihm durch den Kopf, und das Zupfen an seinen Mundwinkeln intensiviert sich bei diesem Gedanken. Darüber geht die Tür wieder auf, und da keiner der anderen Anstalten macht, den Lift zu verlassen, schiebt El sich einfach rempelnd durch den Pulk und zwingt einige der vor ihm stehenden Personen, dennoch auszusteigen, um ihn und auch Jane durchzulassen.
"Perdon!", kommt es ihm dabei gut hörbar, aber auch deutlich gleichgültig über die Lippen. Wozu er sich nicht anstrengen muss, denn es interessiert ihn in der Tat nicht die Bohne, dass er sich gerade aufführt wie ein Elefant im Porzellanladen. Hauptsache, niemand kommt versehentlich an Janes Schulter.

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Carmen sieht nicht, wie die cabras, die Ziegen auf Franks Worte reagieren, denn er hat sie zu sich herumgedreht, und damit wendet sie den beiden Verkäuferinnen den Rücken zu. Doch sie hört sie tuscheln, und noch während Frank sie mit seinem kleinen Schmunzeln und seinem zärtlichen Blick aufzumuntern versucht, fällt man offenbar hinter ihr die Entscheidung, dass es vielleicht doch besser ist, diese Kundin zu bedienen - anscheinend ist man eher bereit, über seinen Schatten zu springen als zu riskieren, dass die Bemerkung des Mannes den Tatsachen entspricht und man sich Ärger einhandelt. Die folgenden Worte der ersten cabra bestätigen diese Vermutung.
"Andererseits, man sollte nicht immer nur nach Augenmaß gehen, nicht wahr? Vielleicht stellt es sich ja heraus, dass es Ihnen doch passt. Ich denke, Sie sollten es einfach mal anprobieren."
Aber nun kann Carmen es nicht mehr - über ihren Schatten springen und dieses Kleid kaufen, so schön sie es auch findet. Sie dreht sich nicht zu den beiden Verkäuferinnen um, sondern sieht nach wie vor zu Frank in die Höhe. Jetzt aber mit brennenden Augen.
"Bitte lass uns gehen", beschwört sie ihn flüsternd - und wieder auf spanisch, so wie stets, wenn sie mit ihm spricht. "Ich will raus hier! Ich will dieses Kleid nicht mehr."
Si, vor allen Dingen will sie raus hier, ehe sie vor diesen beiden Mistkühen in Tränen ausbricht. Diablo, sie kann sich nicht daran erinnern, wann sie je so gedemütigt worden wäre!

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Wieder einmal stellt er fest, dass er auch nicht der geborene Stadtmensch ist. Mexico-City, Culiacán, das ist schon nichts für ihn gewesen, obwohl diese Städte trotz ihrer riesenhaften Größe immer noch mit dem Flair der Heimat aufgewartet haben. Doch L.A. ist anders. Noch weitaus unpersönlicher, hektischer. Es kommt El so vor, als schnürte es ihm zwischen all den Menschen, Autos und Hochhäusern die Luft ab.
Welch verlockende Vorstellung, das in absehbarer Zeit gegen die Weite des Meeres und einen hoffentlich menschenleeren Flecken Strand eintauschen zu können!

El steuert den Mercedes aus dem Parkhaus hinaus und reiht sich, als sich eine Lücke für ihn auftut, in den Verkehr ein. Es dauerte eine ganze Weile, bis sie den Großstadtverkehr hinter sich gelassen haben und sich Venice Beach nähern. Die Häuser werden flacher, der Verkehr geringer – doch der Menschenauflauf lässt nicht nach, ganz im Gegenteil. Während El den Wagen an der Strandpromenade entlang steuert, auf der sich Touristen und Einheimische tummeln, knapp bekleidedete Strandschönheiten, Kinder und Künstler, seufzt er gedanklich auf. Vom Regen in die Traufe kommen nennt man das wohl. Aber wenn Jane sich hier wohl fühlt, soll es ihm recht sein. Dann wird er sogar David Hasselhoff und seine Baywatch-Truppe ertragen. Hauptsache, sie erholt sich hier etwas.

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Carmen schafft es gerade noch zur Tür hinaus, ohne in beschämende Tränen auszubrechen, aber kaum sind sie wieder auf der Straße und setzen sich in Bewegung, da tropfen sie ihr die Wangen hinab. Frank bemerkt es nicht, denn nach einer kurzen, aufmunternden Bemerkung zieht er sie zielstrebig mit sich, offenbar auf ein anderes Geschäft zu, von dem er annimmt, dass sie dort trotz ihrer Hautfarbe bedient wird. Und Carmen ist ihm für sein entschlossenes Handeln wirklich dankbar – ebenso wie sie ihm für seine Schützenhilfe in diesem verdammten Schuppen von gerade dankbar gewesen ist. Aber es wäre ihr jetzt lieber gewesen, wenn er sich, anstatt vorwärtszustürmen, einen Moment Zeit genommen hätte, um sie in den Arm zu nehmen und .. zu trösten. Si, so kindisch es klingen magt, aber sie hätte jetzt einfach Trost gebraucht. Mehr als nur ein kurzes 'Kopf hoch!'.

Carmen wischt sich die Tränen weg, ehe Frank bemerkt, dass sie weint und folgt ihm. Dabei ringt sie mit ihrer Fassung. Dass die Passanten auf der Straße sie immer noch ansehen, als wäre sie eine Käufliche, macht es ihr dabei nicht einfacher. Doch als sie schließlich vor einem anderen Geschäft stehen bleiben und Frank ihr erklärt, dass sie dort ganz sicher bedient würde, weil das Geschäft einer Bekannten von ihm gehört, hat sie sich wieder einigermaßen im Griff und nickt.
Bueno“, murmelt sie. „Versuchen wir es dort.“
Vermutlich muss sie froh darüber sein, dass sie Frank mit seinen Beziehungen dabei hat, denn sonst würde eine wie sie hier wohl kaum über die Schwelle gelassen werden.
Genau das ist es, was Juanita dir erzählt hat. Es stimmt alles! Sie hassen die Latinos, genauso wie sie die Schwarzen hassen oder die Asiaten. Sie hassen alles, was anders ist als sie! Wie hast du nur einen Moment lang annehmen können, dass du in diesem schrecklichen Land glücklich werden kannst?

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“Ich werde es mir merken“, erwidert El mit einem kleinen Lächeln, zieht den Schlüssel ab und drückt die Tür auf. Bereits in diesem Moment weht ihm warme, nach Algen und Salz riechende Luft entgegen, so dass er unvermittelt tief einatmet – was für ein Unterschied zum Smog der Großstadt!
Die Anspannung, von der er bis gerade gar nicht gewusst hat, dass sie ihn ergriffen gehabt hat, fällt von ihm ab und macht einer angenehmen Ruhe breit. Er streift sich seine Jacke ab und wirft sie in den Fond – hier, wo sie allein sind, ist es ohnehin egal, ob seine Waffe sichtbar im Hosenbund steckt oder nicht – dann umrundet er den Mercedes, öffnet den Kofferraum und nimmt eine der Papiereinkaufstüten heraus, in die sie die Sachen gepackt haben, die sie für ein Picknick am Strand benötigen. Mit der freien Hand klappt El den Kofferraum wieder zu, und nachdem Jane mit der Beifahrertür das Gleiche getan hat, verriegelt er den Wagen und lässt den Schlüssel in der Hosentasche verschwinden.
„Wollen wir?“
Lächelnd hält er Jane seine Hand hin, eine spontane Geste, deren Bedeutung ihm erst bewusst wird, als er Janes Zögern bemerkt. Doch obwohl er damit erneut Erinnerungen an den Vorabend heraufbeschwört, macht er nun keinen Rückzieher mehr. Und er kann nicht leugnen, dass ihre schmale Hand in seiner sich gut anfühlt.
Und so schlendern sie gemeinsam auf die freistehende Villa zu, hinter der der blaugrüne Pazifik sich bis zum wolkenlosen, leicht diesigen Horizont erstreckt, und dabei blinzelt El mit zusammengekniffenen Augen einen Moment lang zur Sonne empor – derselben Sonne, die nun auch den staubiggelben Boden Mexikos mit Hitze küsst.

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Verfasst: Di 27. Mär 2007, 16:50 
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“Carrrmen ..“, antwortet Carmen Madame Eve ein wenig überfahren und sieht sich ungewohnt hilflos nach Frank um, während sie von diesem gesprächigen, blondrosa Bonbon tiefer ins Geschäft hineingezogen wird. Doch ihr chico winkt ihr lediglich lächelnd hinterher und macht keinerlei Anstalten, sie zu begleiten und ihr gegebenenfalls Schützenhilfe zu leisten. Und so fügt Carmen sich in das Unvermeidliche und richtet ihre Aufmerksamkeit schließlich auf Franks in jeder Hinsicht auffällige Bekannte, die wohl nur nach ihrem Namen gefragt hat, damit sie sich selbst eine Gelegenheit zum Luft holen verschaffen kann, um danach mit vermehrtem Enthusiasmus und wedelnden Handbewegungen fortzuplappern. Carmen ist dankbar dafür. Madame Eve scheint es sich auf die Fahne geschrieben zu haben, ihre Kunden mit seichtem Geplapper von der Notwendigkeit zu entbinden, ebenfalls Smalltalk betreiben zu müssen, denn nichts von dem, was sie zwitschert, bedingt, dass sie ihr noch einmal antwortet, und das ist nicht nur im Hinblick auf Carmens mangelhaftes Englisch gut, sondern auch wegen ihres etwas angeschlagenen Allgemeinzustandes.
Carmen entspannt sich zusehends, während sie sich von dem rosa Bonbon in die Abteilung für Damenoberbekleidung führen lässt. Wie Fahrstuhlmusik, so umplätschern die Worte der gringa ihre Ohren und besänftigen ihr aufgewühltes Gemüt. Und als Madame Eve ihr schließlich die alles entscheidende Frage stellt, welche Größe sie denn trägt, ist sie gefasst genug, um mit einem aufrichtig gemeinten Lächeln zu antworten: „Ssessuunndrrreissiig .. vielleicht abeerr auuch achtunndreissiig.“

Eine gute Dreiviertelstunde später kehrt Carmen mit einem Anflug von schlechtem Gewissen zu ihrem am Eingang mittlerweile auf einem Stuhl sitzenden und Kaffee trinkenden Paco zurück, während Madame Eve mit einem Arm voller Kleider, Kostüme und Unterwäsche hinter der Registrierkasse verschwindet, um den wahrscheinlich horrenden Gesamtpreis zu ermitteln.
„Na? Was denkst du?“
Carmen strahlt Frank an und dreht sich vor ihm.
Die Auswahl, die Madame Eve ihr gezeigt und für die Carmen sich letzten Endes auch entschieden hat, ist durchweg elegant gewesen, wenn man von einer Designer-Jeans und einem roten und einem weißen T-Shirt einmal absieht. Und ebenso elegant ist das schwarze, kurzärmelige Kleid, das sie trägt und das nichts mehr mit den leichten, luftigen Sommerkleidchen gemein hat, denen sie bislang immer den Vorzug gegeben hat. Schmal geschnitten und von festem Stoff schmiegt es sich bis zu den Waden an Carmens schlanke, weibliche Figur und betont diese aufs Vorteilhafteste. Schwarze, große Knöpfe verlaufen vom geraden, recht hohen Dekolleté bis hinab zum Saum, ein breiter Stoffgürtel lässt ihre Taille noch schmaler erscheinen als sie ohnehin schon ist, und ein kniehoher Schlitz auf der Rückseite des Kleides gewährt ihr genügend Beinfreiheit, um in ihrer neuen Errungenschaft auch vernünftig gehen zu können. Carmens Meinung nach fehlen nur noch schwarze Pumps und ein Paar schicker Handschuhe dazu, und sie sieht aus wie Ava Gardner. Ein tolles Gefühl. Eine tolle Mode. Sie hat nicht gewusst, dass die 40er Jahre wieder in sind, aber jetzt, da sie es weiß, hat sie ihr Herz daran verloren. Und eine entsprechende Auswahl getroffen, die Franks Geldbeutel wahrscheinlich arg strapaziere wird. Aber sie hat nicht vor, sich das alles von ihm bezahlen zu lassen. Die Ausgaben für ihre neuen Anziehsachen ebenso wie die Kaution, die er Jay gestern in Form eines Schecks in die Hand gedrückt hat, wird sie ihm zurückzahlen. Morgen schon wird sie sich nach einem Job umsehen und Geld verdienen. Und dann wird sie für alle Kosten aufkommen, die sie verursacht hat, denn sie ist eine selbstständige chica und nicht auf das Geld ihres Freundes angewiesen. Das letzte, was sie wollen würde, wäre, sich von ihm aushalten zu lassen. Diesen Fehler hat sie schon bei Ricardo nicht begangen, bei Frank kommt das erst recht nicht in Frage.
„Ich habe mir ein paar Kleider und Kostüme ausgesucht. Und Unterwäsche .. “, erklärt sie ihm darum auch gleich, ehe er antworten kann und beendet damit das Drehen vor seiner Nase. „Ich benötige auch noch ein paar Hosen und T-Shirts und Pullover – also normale Sachen, aber die werde ich hier nicht kaufen, die sind mir hier zu ..“, Carmen hält inne und blickt sich über die Schulter nach Madame Eve um, die fleißig die mehrstelligen Preise in die Kasse eintippt, dann senkt sie, obwohl sie spanisch spricht, ihre Stimme und fährt leiser fort, „.. zu teuer.“ Und sieht Frank dabei bezeichnend an.
„Ich werde mich morgen oder übermorgen in einem der günstigeren Kaufhäuser danach umsehen, bueno? Ich will schließlich keinen Kredit aufnehmen müssen, um dir das alles zurückzahlen zu können. – Aber eine Bitte hab ich noch, mi amor ..“
Sie geht vor Frank in die Hocke, greift nach seinen Händen und sieht mit treuherzigem Augenaufschlag zu ihm auf.
„Ich weiß, dass Männer es hassen, einkaufen zu gehen. Vor allen Dingen Schuhe einkaufen zu geben. Aber zu diesem Kleid hier hätte ich wirklich, wirklich gerne noch ein paar Pumps! – Hast du noch so viel Geduld?“
Carmen weiß, dass sie Frank gerade enorm viel zumutet. Er hat hier fast eine Stunde lang auf sie warten müssen, und wahrscheinlich ist ihm vor Langeweile bereits die Decke auf den Kopf gefallen. Und jetzt bittet sie ihn auch noch, mit ihm in einen Schuhladen zu gehen! Ausgerechnet!
Aber auf der anderen Seite fühlt Carmen sich einfach völlig außer Stande, zu diesem schicken, klassischen Kleid weiterhin ihre ausgeleierten, alten Korksandalen zu tragen. Sie hat inzwischen die Nase gestrichen voll davon, von anderen Leuten angestarrt oder ausgelacht zu werden. Sie will das nicht. Sie möchte angemessen gekleidet sein. Und sei’s nur darum, dass Frank sich wegen ihr nicht schämen muss.

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No, hast du nicht.”
Lächelnd zieht El Janes Hand an seine Lippen und küsst sie auf die Finger, dann zieht er Jane mit sich auf den menschenleeren Strand hinaus, an dem sich nur ein paar Möwen tummeln, die nach Futter suchen.
Heiß brennt die Sonne auf sie hinab, doch El macht es nicht das Geringste aus, und er nimmt nicht an, dass Jane anders empfindet. Sie gehen bis dicht an den Meeressaum und machen am letzten Meter trockenen Sandes Halt, und erst dort erkennt El, dass sie etwas vergessen haben.
„Wir hätten eine Decke mitnehmen sollen“, bemerkt er, während er Janes Hand loslässt und sich hinhockt und beginnt, die Tüte auszupacken. „Gleich wird alles voller Sand sein.“
Der Wind bläst ihm die langen, braunen Haarsträhnen ins Gesicht, doch er streicht sie erst zurück, als er fragend zu Jane aufsieht.
„Soll ich noch einmal zum Wagen zurückgehen und die aus dem Kofferraum holen?“

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Carmen legt ihre Arme um Franks Nacken und erwidert lächelt seinen Kuss.
„Mit anderen Worten, ich soll meinen Einkauf bei dir ‚abarbeiten’, hm?“, neckt sie ihn daraufhin schmunzelnd und beißt ihm sanft in die Lippe – jedem anderen chico hätte sie für diesen Vorschlag den Kopf abgerissen, aber nicht Frank. Sie weiß genau, wie er es gemeint hat. Und selbst wenn er es wirklich erwarten würde, dass sie ihm die Anziehsachen auf andere Art und Weise ‚bezahlt’, würde es ihr bei ihm wohl nicht das Geringste ausmachen. No, wirklich .. nicht das Geringste! – Doch hat sie für sich selbst schon längst beschlossen, dass sie ihm das Geld wiedergeben wird. Egal, wie er selbst die Sache sieht. Sie wird arbeiten gehen und sie wird ihre Schulden bei ihm begleichen. Täte sie es nicht, könnte sie sich nicht mehr in die Augen sehen. Aber sie erkennt auch, dass es jetzt keinen Sinn hat, mit ihm darüber zu diskutieren. Sie lässt es also.
„Na dann zück mal deine Kreditkarte!“
Schmunzelnd drückt Carmen sich wieder in die Höhe und hält Frank ihre Hand entgegen. Er erwidert ihr Schmunzeln und greift nach der dargebotenen Hand .. und beißt ihr grinsend in die Finger - eine kleine Retourkutsche für seine Lippe, wie Carmen vermutet. Erst daraufhin steht er auf und geht mit ihr zur Kasse, an der eine lächelnde Madame Eve bereits mit vier großen Einkaufstüten auf sie wartet. Und offenbar Spaß dabei hat, den beiden Turteltäubchen zuzusehen.

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Es dauert nicht lange, bis El mit der Decke zurück kehrt. Und doch hat die Zeit ihm ausgereicht, um sich erneut Gedanken über seine momentan etwas seltsame Beziehung zu Jane zu machen und noch einmal den Entschluss zu fassen, auf Abstand zu bleiben und die Sache von gestern als Ausrutscher zu betrachten. Nicht nur im Hinblick auf ihre gemeinsame Suche nach Echeverria ist das besser, das weiß er sehr genau.

"Gibt es schon cabrónes, die ich in ihre Schranken verweisen muss, weil sie eine einsame, schöne chica angegraben haben?", kommt es ihm dennoch trotz aller guten Vorsätze über die Lippen, als er wieder bei Jane eintrifft.
'Was wird denn das, chico? Wieso flirtest du mit ihr? Bleib sachlich, sprich über das Schwein Echeverria und check ab, wie es mit der Suche weitergehen wird. Was das FBI als nächstes unternehmen wird. Komm wieder runter, Mann!'
Es ist doch sonst nicht seine Art, Vorsätze gleich wieder über Bord zu werfen. Wenn er eines stets besessen hat, dann einen festen Willen.

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Carmen bleibt stehen und sieht Frank mit leuchtenden Augen an.
"Ist das dein Ernst?"
Ein Mann, der mit ihr einkaufen geht? Das ist ja noch nie dagewesen! Diego hat es immer gehasst wie die Pest, und Ricardo wäre mit ihr höchstens in ein Dessous-Geschäft gegangen - aber ganz gewiss nicht in einen Laden für Zeichen- und Malbedarf.
Carmen fasst ihr Glück nicht! Dieser chico hier ist ein wahrer Goldjunge!
'Bueno, zumindest jetzt. Vielleicht hängt er auch in fünf Jahren nur noch vor dem Fernseher ab, mit dickem Bierbauch unter seinem schmuddeligen Unterhemd, unrasiert, ungekämmt und schreit ständig nach seinem Essen.'
Aber was in fünf Jahren ist, ist Carmen im Augenblick egal. Sie strahlt Frank an .. bis ihr Blick zu seinen vollen Händen schweift, in denen er die vier schweren Plastiktaschen trägt. Und das Strahlen verschwindet wieder.
"Ehm .. vielleicht sollte ich das aber auch morgen machen", bietet sie, zerknirscht über ihren egoistischen Enthusiasmus, an. "Eine Staffelei und Leinwand, Farben, Pinsel, Blöcke, Fixiersprays .. das ist alles ziemlich schwer und sperrig. Und du bist ja jetzt schon beladen wie ein Maulesel .."
'Oh estupendo, chica! Das klingt ja jetzt so, als zögest du nicht einmal im Ansatz in Betracht, auch etwas zu tragen. Der Packesel ist schon beladen, also lassen wir weitere Einkäufe, ehe wir uns noch selbst die Hände schmutzig machen müssen, oder wie?'
"Ich meine ..", fügt sie hastig hinzu und spürt, wie ihre Wangen warm werden, ".. ich trage die Taschen auch gerne, kein Problem, aber dann müsstest du dich trotzdem mit dem Malkram abschleppen. Und wir wollen ja auch noch Schuhe kaufen. Ich denke, das ist zu viel für heute."
Sie hat die letzte Bemerkung schnell eingeworfen, fast schon schnatternd, wie immer, wenn sie verlegen ist. Und ärgert sich darüber nun noch mehr. Carajo, was ist nur los mit ihr? Sie benimmt sich ja wie ein kleines Kind! Warum macht dieser chico sie nur so nervös? Sie HAT doch schon mit ihm geschlafen! Ist doch nicht so, als ob sie sich gerade erst kennengelernt hätten!
Franks kleines, amüsiertes Lächeln und der wissende Blick in diesen unglaublich schönen Augen verursachen ein Kribbeln in Carmens Bauch. Dass er ihr nicht sofort antwortet, sondern sie auf diese Herzklopfen verursachende Art weiter ansieht, macht es auch nicht besser.
" .. oder was meinst du, hm?", fügt sie immer leiser und kleinlauter werdend hinzu.
Diablo, kann er nicht mal was sagen?

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"Die Moral der Kunst besteht in vollendeter Anwendung unvollkommener Mittel." ~ Oscar Wilde

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Verfasst: Mi 28. Mär 2007, 17:20 
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Vengador desperado
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El mustert Janes Hinterkopf – denn diesen dreht sie ihm gerade zu - mit forschendem Blick. Möwerich erschießen? Dafür die weiblichen Möwen aufs Korn nehmen?
Er schüttelt schmunzelnd den Kopf und nimmt auf der Decke Platz.
„Ich habe nichts gegen Vögel“, bemerkt er leichthin. „Warum sollte ich sie da erschießen?“
Sein Blick haftet nach wie vor auf Janes Haaren, doch plötzlich macht er sich selbstständig und gleitet an ihr herab – über ihren Nacken und ihre Schultern zu ihrem Rücken, ihrer Taille, ihren Hüften .. und er muss sich nicht anstrengen, um sich ins Gedächtnis zurückzurufen, wie schön sie unter dem T-Shirt und der schwarzen Hose, die sie trägt, ist.
’Du solltest dich vielleicht anstrengen, NICHT mehr daran zu denken, chico!
„Warte, ich helf dir! Es ist zu schwer für dich!“
Es ist ein Glück, dass Jane gerade in diesem Moment versucht, die volle Tüte hochzuheben – wahrscheinlich, um sie zwischen El und sich zu stellen. Ein Glück deshalb, weil es ihn von weiteren undenkbaren Gedanken abhält, die ihn langsam, aber sicher zu nerven beginnen. Was ist nur mit ihm los, diablo?
El drückt sich wieder von der Decke in die Höhe und greift über Jane hinweg nach dem Einkauf. Einen Augenblick später steht er auf der Decke, und El zieht die Flasche Rotwein heraus, die sie samt Flaschenöffner und zwei billigen Gläsern bei Macey’s gekauft haben.
„Möchtest du einen Schluck?“
Er wartet ihre Antwort gar nicht ab, sondern öffnet die Flasche gekonnt und schenkt daraufhin ein wenig in beide Gläser ein, die Jane inzwischen auch aus der Tüte gefischt hat. Dabei sieht er sie nicht an, und auch, als er die Flasche beiseite gestellt und sein Glas entgegen genommen hat, vermeidet er es, sie anzusehen. Stattdessen blickt er hinaus aufs weite Meer, an dem man mehrere weiße Segel ausmachen kann sowie ein paar größere Schiffe.
„Es ist schön hier!“, murmelt er, hebt den Blick und blinzelt in die Sonne. Und bleibt daraufhin für einen Moment so sitzen, den Kopf in den Nacken gelegt, die Augen wegen der Helligkeit allerdings geschlossen und darum bemüht, mit allen Sinnen bei der wunderschönen Landschaft zu sein.
Gar nicht so einfach.

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