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Verfasst: Mi 28. Mär 2007, 17:21 
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Ja, was denn jetzt? Erst gibt er ihr keine Antwort und geht einfach weiter, und als Carmen sich in Bewegung setzt und hinter ihm her eilt, bleibt er wieder stehen und setzt das Gespräch fort, als wenn nichts gewesen wäre.
Carmen schwankt zwischen Irritation und latenter Verärgerung.
Die negativen Gefühle lösen sich aber sofort in Luft aus, als sie hört, was er ihr zu sagen hat.
Sie sei niedlich? Verführerisch?
Ein kleines Lächeln zupft an Carmens Lippen.
Und sie gehen doch noch Malsachen kaufen und lassen sie sich nach Hause schicken?
Aus dem kleinen Lächeln wird ein Strahlen – und ein leises Auflachen, als Frank sich auf einmal vorbeugt, die Lippen spitzt und die Augen schließt, um sich einen Kuss abzuholen. Carmen mustert ihn liebevoll, lacht aber gleich noch einmal, weil er so, wie er da steht – den Kopf vorgereckt und die beiden Arme mit den Taschen ein Stück vom Körper abgespreizt, dabei einen unübersehbar erwartungsvollen Ausdruck im Gesicht – aussieht wie ein liebeskranker Hahn.
‚Er würde dich übers Knie legen und dir den Hintern versohlen, wenn er wüsste, was du gerade denkst!’
Carmen schüttelt schmunzelnd den Kopf und nähert sich Franks Kussmund. Doch ist es seine Nasenspitze, die von ihren Lippen berührt wird. Sie drückt ihm einen kleinen Schmatzer darauf und blickt ihm vergnügt funkelnd in die Augen, als diese sich überrascht öffnen und sie dann übertrieben enttäuscht ansehen.
„Schauspieler!“, tadelt Carmen ihren chico grinsend und knufft ihn. Frank quittiert das mit einem amüsierten Lachen und setzt sich wieder in Bewegung.

Eine halbe Stunde und fünf Paar Schuhe später …

Wie sehr sich dieser Tag doch gebessert hat, seit sie bei Madame Eve gewesen sind!
Davor hatte Carmen sich noch mit dem Gedanken getragen, nach Mexiko zurückzufliegen, und jetzt flaniert sie mit Frank durch das teuerste Viertel L.A.’s und hat ihren Spaß.
Kleider machen wirklich Leute!
Nicht nur, dass niemand sie mehr abfällig anstarrt oder sich offen über sie mokiert, sie selbst fühlt sich plötzlich auch dazugehörig, wohingegen sie in den bunten Anziehsachen, die Jay ihr von seiner Schwester gegeben hat, wie Aschenputtel vorgekommen ist, das sich aus Versehen ins Schloss des Prinzen verirrt hat. Wie ein käufliches Aschenputtel!
Aber jetzt fühlt sie sich richtig amerikanisch. Es scheint keinem mehr aufzufallen, dass ihre Hautfarbe wesentlich dunkler ist als die der weißen Einwohner von L.A. – zwar fühlt sie sich dennoch ab und zu gemustert, aber eher wohlgefällig als abfällig. Kein Vergleich zu dem Fleischbeschau-Gefühl von vorhin!

Gut gelaunt stöckelt Carmen an Franks Seite über den breiten Gehweg und bewundert ihre elegante, schwarzgekleidete Gestalt und die neuen schwarzen Pumps in den blankgeputzten Schaufenstern. - Jetzt ist alles perfekt! Oder doch noch ein Hut dazu? Grinsend beißt sie sich auf die Lippe und malt sich in Gedanken aus, wie Frank wohl reagieren würde, schlüge sie ihm jetzt auch noch einen Besuch in einem Hutladen vor.
Gerade will Carmen ein amüsiertes Lachen entschlüpfen, als ihr Blick auf zwei chicas fällt, die ihnen entgegen kommen, und ein kleines Alarmglöckchen beginnt in ihrem Kopf zu klingeln. - Der fleischgewordene amerikanische Albtraum!
Ebenfalls elegant gekleidet, allerdings sehr viel luftiger als Carmen selbst, denn ihre gebräunten, perfekten Hollywoodkörper mit den langen Beinen und den festen, runden Brüsten werden von kurzen Kleidchen umweht, die in der warmen Sommerbrise ebenso flattern wie ihr langes, blondes Haar, schlendern diese beiden chicas auf sie zu, jede ein Handy am Ohr und einen aufgebretzelten Yorkshire-Terrier an der Hand, telefonieren, unterhalten sich aber offenbar auch untereinander, wie ihr ausgelassenes Lachen bezeugt. Immer näher kommen diese beiden Pamela-Anderson-Verschnitte, näher rückt auch Carmen, allerdings an Frank heran, denn ihr siebter Sinn für Unannehmlichkeiten meldet sich gerade zu Wort – zu recht, wie sich auch nur einen Wimpernschlag später herausstellt!
Keine fünf Meter mehr sind die Blondinen von ihnen entfernt, als sie ihre Köpfe heben und geradeaus sehen und – wie zwei Habichte, die im Gras Beute erspäht haben – Frank mit ihren Blicken fixieren. In Zeitlupe sinken die Handys in die Tiefe, ebenso in Zeitlupe blüht in den Gesichtern der Barbies ein strahlendes Kukident-Lächeln auf, das jedem Zahnarzt Freude bereitet hätte, in Carmen aber gerade den heftigen Wunsch erweckt, mit der Schuhkarton-Tüte auszuholen und kräftig draufzuhauen.
Sie tut es nicht – natürlich nicht, sie hat für’s Erste genug von amerikanischen Gefängnissen – aber sie nimmt Frank zwei Tüten ab und wechselt diese in ihre Linke, mit der sie auch die Schuhtüten hält. Und dann greift sie demonstrativ nach seiner Hand, damit hier auch keine Irrtümer aufkommen und diese blöden Schnepfen gleich begreifen, dass diese Wiese abgegrast ist.
Aber offenbar begreifen es diese blöden Kühe nicht nur nicht, es scheint sie noch nicht einmal zu interessieren, denn sie würdigen Carmen keines Blickes, ignorieren sie völlig, saugen dafür aber Franks Anblick in sich auf wie zwei trockene Schwämme das Wasser! Carmen kneift die Augen zusammen und schießt Giftpfeile auf die Schlampen ab – umsonst! Noch während sie an ihnen vorbei stolzieren, verschlingen diese Ziegen, deren Hündchen wahrscheinlich einen höheren IQ haben als sie selbst, Frank mit ihren Blicken, zwinkern ihm zu und strahlen ihn an, als wäre er einer von den Chippendales und hätte sich soeben vor ihnen entblättert!
Carmens eigener Blick fliegt zu Franks Profil, weil sie sich vergewissern will, dass er auf diese Anmache nicht reagiert. Aber er erwidert die Blicke dieser dummen Hühner nicht nur, er schmunzelt sogar. – Er lächelt zurück! … Er lächelt zurück!!!
Carmen beginnt zu kochen.
Da geht ihr chico mit ihr durch die Stadt … und flirtet mit anderen Frauen!!!

Die Pamelas sind vorüber, und alles, was Carmen noch von ihnen mitbekommt, ist ein albern hoches Gekicher und das Klackern ihrer Absätze. Und das Parfum .. das Parfum, das wie eine Fahne hinter den beiden herweht und welches ihr noch süß und penetrant in die Nase dringt. Die Nase, die sie gerade gestrichen voll hat!
„Bild dir bloß nichts darauf ein!“, schnaubt sie beleidigt und wirft Frank dabei einen giftigen Seitenblick zu. Sie lässt seine Hand demonstrativ los, daraufhin umrundet sie ihn und nimmt ihm auch die beiden anderen Tüten ab – nicht nötig, dass er hier den Wasserträger spielt, wo er doch so viele wichtigere Dinge zu tun hat! Flirten zum Beispiel ..!
Mit sechs Tüten an der Hand und einer Mörderwut im Bauch, die nichts, aber auch gar nichts mit Eifersucht zu tun hat, sondern nur was mit Franks unmöglichem Verhalten, legt Carmen einen Zahn zu und marschiert im Stechschritt weiter, mit jedem Schritt darauf bedacht, mehr Abstand zwischen sich und diesen aufgeblasenen Pfau zu bringen.
Cabrón!

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"Die Moral der Kunst besteht in vollendeter Anwendung unvollkommener Mittel." ~ Oscar Wilde

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Überrascht durch die unerwartete Berührung an seinen Lippen zuckt El leicht zusammen und glaubt für einen Moment, dass es Janes Lippen sind, die er da hauchzart und kühl spürt. Doch noch ehe er die Augen aufmachen kann, hört er ihre Stimme und fühlt es dann auch, dass es etwas anderes ist, mit dem sie ihm sanft über den Mund streicht. Eine Erkenntnis, die ihn mit einem latenten Bedauern erfüllt, welches er jedoch sogleich von sich schiebt.

„Lass mich raten“, raunt er mit leiser, tiefer Stimme und lächelt dazu. „Definitiv nicht der Gorgonzola, den du diesem kleinen, dicken chico in der Käseabteilung vor der Nase weggeschnappt hast.“
No, ganz sicher nicht, denn das hätte er längst gerochen .. und ganz gewiss nicht mit Janes wohlschmeckenden Lippen verwechselt! El meint, einen schwachen, süßlichen Duft wahrzunehmen.
Die Weintrauben?
Si, es muss eine Weintraube sein, das fruchtige Aroma ist unverkennbar. Doch er sagt es nicht, er will kein Spielverderber sein.

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Er hätte besser daran getan, sie vorbeizulassen, denn mit jedem gescheiterten Versuch, Frank aus dem Weg zu gehen, wird Carmen wütender.
„Eine LAUS?“, braust sie darum schließlich laut auf, nachdem sie es aufgegeben hat und vor Frank zum Stillstand gekommen ist. Dabei schießt sie ein paar mörderische Blick zu ihm in die Höhe.
„EINE LAUS??? – Das war keine LAUS, das war eine verdammte, eingebildete, selbstverliebte KAKERLAKE!! Comprende? Eine, die es ja offenbar SCHEISSnotwendig haben muss, dass sie jeder dämlichen, blonden, BILLIG angezogenen SCHLAMPE nachgaffen muss, der die Titten aus den Klamotten hängen!!“ – Dass sie vor gut einer Stunde noch genauso oder schlimmer über den Rodeo Drive gelaufen ist, ignoriert Carmen jetzt einfach mal. Tut ja auch nichts zur Sache.
„Ist dir dabei einer ABGEGANGEN, HE? Hat dich wohl HÖLLISCH SCHARFgemacht, dass die beiden Weiber dich mit ihren Blicken ausgezogen haben! STEHST du auf sowas? BRAUCHST du sowas? HE? Dann sags mir lieber GLEICH, damit ich mir irgendwo Geld besorgen und nach Mexiko ZURÜCKFLIEGEN kann!!“
Carmen bekommt in ihrer Rage gar nicht mit, dass sie inzwischen Zuschauer und –hörer haben, die ihr lautstarker Ausbruch angelockt hat. Und es wäre ihr auch herzlich egal, wenn sie es bemerken würde. Andere interessieren sie gerade nicht. Nur dieser eingebildete Lackaffe vor ihr, dem sie am liebsten jedes verdammte Barthaar einzeln aus dem Gesicht reißen würde, der interessiert sie. Und der ist noch nicht am Gröbsten vorbei! Noch lange nicht!

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Schmunzelnd zerkaut er die süße Frucht und fragt sich, ob sie ihn nun auf diese Weise zu füttern gedenkt. Er könnte sich schlimmeres vorstellen.
Aber es ist keine zweite Weintraube, die folgt. Das, was ihn daraufhin hauchzart berührt, sind Janes Finger - er spürt es an der Weichheit ihrer empfindsamen Fingerkuppen, er riecht es am Duft ihrer Haut, der seit dem vergangenen Abend vertrauter für ihn ist als je zuvor.
Sein Verstand rät ihm, die Augen aufzuschlagen und den zärtlichen Moment damit zu zerstören, der sich wieder einmal zwischen ihnen eingestellt hat. Er weiß, sobald er Jane ansieht, wird sie sich zurückziehen. Doch er will es nicht. Er will gar nicht, dass sie sich zurückzieht. Er will, dass sie fortfährt, ihn so sanft zu berühren. Zärtlichkeit, Vertrautheit .. all das ist in den vergangenen vier Jahren trotz mehrere intimer Begebenheiten nie ein Thema gewesen. Nicht so. Weil er es nicht gekonnt hat. Weil er es nicht zugelassen hat. Jetzt ist es anders. ER ist anders. Er spürt, dass er bereit ist, sie näher an sich heranzulassen als es je bei einer Frau nach Carolina der Fall gewesen ist.
Carolina ...
Dieses Wort besitzt Zauberkraft - eine berauschende, inspirierende, als sie noch gelebt hat. Eine zerstörerische jetzt, wo sie tot ist.
Ihr Gesicht schiebt sich in Els Gedächtnis, und allein das genügt schon, um ihn die Augen nun doch wieder öffnen zu lassen.
No, er wird niemals frei sein von ihr. Immer wird sie ihn begleiten, in seinem Herzen, in seinem Kopf, wird nicht zulassen, dass eine andere Frau sich dem Platz nähern könnte, die sie ein paar wunderbar süße Jahre innegehabt hat.

In Els dunklen Augen ist nichts von dem zu lesen, was gerade in seinem Inneren vorgeht. Er lächelt sogar leicht, als er Jane ansieht und leichthin fragt: "Man kann Blauschimmelkäse missbrauchen?"

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Sie hat sich schon auf einen handfesten Streit eingerichtet. Einen, bei dem er sich rechtfertigen und ihr mit markigen Sprüchen kommen wird, bei dem er vielleicht auch laut wird, ihr vielleicht sogar eine knallt, weil sie sich gerade unmöglich aufführt und vergisst, wo sie sich befinden - in seinem tollen L.A. nämlich, auf dem tollen Rodeo Drive, ganz in der Nähe seiner tollen Wohnung.
Aber es kommt alles ganz anders.
Frank wird laut, ja. Aber das, was er ruft, zieht Carmen den Boden unter den Füßen weg!
„ALLE MAL HERGEHÖRT!! ICH LIEBE DIESE FRAU HIER UND KEINE ANDERE!! HÖRT IHR??? ICH L-I-E-B-E SIE!!!“
Sie starrt ihn an, als hätte er den Verstand verloren. Doch nicht für lange, denn auf einmal wird sie von ihm gepackt, gedreht und gedrückt, und ehe sie sich versieht, findet sie sich in seinem Arm liegend wieder und stellt fest, dass sie ihn küsst - ihn KÜSST, wo sie ihm doch eben noch jedes Barthaar einzeln hat ausreißen wollen!
Carmen vergisst die Barthaare, sie vergisst auch die beiden Pamelas, sie vergisst sogar, dass sie auf dem Gehweg des Rodeo Drive stehen und den Passanten hier eine Gratis-Show liefern. In dem Moment, wo Franks leidenschaftlicher Kuss ihren Mund versiegelt, wird das alles einerlei. Und so lässt sie schließlich auch ihre sechs Tüten fallen und schlingt die Arme fest um ihren chico. Damit sie ihn noch hingebungsvoller und stürmischer zurückküssen kann.

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Irgendetwas läuft jetzt hier grundlegend falsch, dazu muss man keine Gedanken lesen können, um das zu bemerken.
El spürt Janes Enttäuschung beinahe körperlich, und ebenso spürt er, dass ihr Stimmungswandel ihn trifft. Er will nicht, dass sie wegen ihm so fühlt. Er will sie nicht verletzen, ihr weh tun. Aber offenbar tut er es doch immer wieder, ob gewollt oder nicht, und das setzt ihm zu.

Er sieht ihr nach, wie sie zum Wasser geht und zögert nur einen kleinen Augenblick, dann drückt er sich ebenfalls von der Decke hoch und folgt ihr - weit muss er dafür nicht gehen, denn der Meeresrand ist nur ein paar Meter entfernt.
„Was erwartest du von mir, Jane?“, raunt er mit leiser, tiefer Stimme, als er schließlich hinter der chica stehen bleibt – dicht, doch nicht so dicht, dass er sie berühren würde. Lediglich ihr Haar, das der Wind ihr sanft aus dem Gesicht und in seines weht, streichelt seine Wangen. Ein Echo des Gefühls, das ihre Fingerspitzen eben noch in ihm hervorgerufen haben.

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Ihr ist ganz schwindelig von diesem Kuss, als Frank sie wieder in die Höhe zieht. Außerdem ist ihr die Luft ausgegangen.
Dios!“, japst sie und atmet erst einmal tief durch. Dabei bemerkt sie dann auch endlich, dass sie Zuschauer haben, denn auf einmal klatscht und pfeift es um sie herum, als stünden sie auf einer Theaterbühne. Carmens ohnehin schon ziemlich warm gewordene Wangen beginnen zu glühen, gleichzeitig aber blüht ein Lächeln in ihrem erhitzten Gesicht auf. Das bei Franks Worten zu einem kleinen Lachen wird.
„Du bist unmöglich, chico“, tadelt sie ihn gespielt böse und boxt ihm schmunzelnd gegen die Brust. „Trotzdem ..“, Carmen kommt nicht umhin, das jetzt noch einmal anzumerken – nur für den Fall, dass sowas wie eben noch einmal passiert, „ .. solltest du dir es demnächst zweimal überlegen, wen du anlächelst. Bueno?“ Belehrend hebt sie dabei den Zeigefinger an, und ihre dunklen Augen funkeln eindringlich. „Weil es gut sein kann, dass ich beim nächsten Mal wirklich böse werde! Sowas gehört sich nämlich nicht, mit anderen zu flirten, wenn man mit seinem Part ..“
Das Handy in ihrem Rucksack klingelt auf einmal und unterbricht sie in ihren Belehrungen. Carmen, die damit jetzt überhaupt nicht gerechnet hat, sieht Frank verdutzt an und klappt den Mund wieder zu. Dann nimmt sie den Finger herunter und zieht sich den Rucksack von der Schulter.
Sie öffnet ihn und fahndet in den Tiefen nach dem kleinen Gerät, das Jay ihr zwei Tage zuvor in die Hand gedrückt hat mit der Bemerkung, sie solle es auslassen und nur im Notfall benutzen, da er kein Aufladekabel habe. Nun, letzteres hat sich in der Zwischenzeit geändert, denn als ihr neuer schwarzer Freund ihr gestern ihre Reisetasche gebracht hat, hat er plötzlich doch ein Kabel dabei gehabt – wie er an dieses gekommen ist, danach hat Carmen in Franks Gegenwart lieber nicht gefragt. Und sich mit dem Gedanken beruhigt, dass Jay vielleicht auch mal ein paar Dinge ganz regulär im Geschäft kauft, anstatt sie sich auf andere Art und Weise zu ‚besorgen’.
Wie auch immer, aufgeladen, wie ihr Telefon seitdem ist, hat sie es am Morgen eilig in ihren Rucksack geworfen, ehe sie mit Frank die Wohnung verlassen hat. Und da sie es für das Aufladen eingeschaltet gehabt hat – sie hat nicht gewusst, ob das Aufladen funktioniert, wenn das Telefon aus ist – ist es das folglich immer noch, so dass Jay – denn es kann niemand anderes sein – mit seinem Anruf durchgekommen ist.
Carmen erhält die Bestätigung, dass es sich wirklich um den netten Taxifahrer handelt, als sie das klingelnde und vibrierende Handy endlich gefunden hat, das richtige Knöpfchen drückt und das Telefon an ihr Ohr hält.
Hola ...? - Hola, Jay!!!
Inmitten ihrer sechs am Boden liegenden Tüten steht sie, mitten auf dem Gehweg des Rodeo Drive, an der Seite ihres chicos, mit dem sie sich eben noch gestritten hat und strahlt Löcher in die Luft.
„Das iist aberr einee Uberrraschuung!! … Wie es mirr geht? Gut! … Iich warr gerradee einkaufeen, miit Frrrank … Wo? …No, no, niicht im Macey’s. Daas kenn iich garr niicht. Auf dem Rrrodeo Drrrive … Si, si“, Carmen lacht, weil ihr neuer Freund das nicht glauben will und streicht sich mit einer Hand das Haar aus dem Gesicht. Dabei dreht sie Frank den Rücken zu – nicht absichtlich, sondern einfach, weil sie völlig vergessen hat, dass er auch noch anwesend ist. „ .. iich luug niicht, no! Iich aab jetsst viiele neue Kleideerrr uund Schuee. Du kannst die anderreen Sacheen surruck aaben, ich brrauch ssie niicht meehrr. … - Que? … Oob iich eute naachmittag Sseit aabe? Iich .. ahm ..“, Carmen erinnert sich wieder, dass sie nicht alleine unterwegs ist und dreht sich zu Frank herum, „.. no, iich denke niicht, dass iich das aabe. Wir aaben noch einiges vorr, weißt du. … Morrgen? .. Ahm, iich weiß niicht … que?
Carmen dreht sich noch einmal von Frank weg und hört Jay konzentiert zu – was gar nicht so einfach ist, denn die Handyverbindung ist nicht gut, und er ist schwer zu verstehen. Dann sieht sie Frank erneut an. „Un momentito, por favor …“
Sie nimmt das Handy vom Ohr und wiederholt Frank Jays Worte auf spanisch, weil’s so schneller geht: „Jay fragt, ob ich morgen nachmittag Zeit habe. Er will mir ein wenig die Stadt zeigen, sagt er. Und dann hinaus zum Strand fahren. Nach Venice Beach. - Musst du morgen arbeiten?“
Im Grunde hat Carmen sich schon entschieden, denn sie würde morgen furchtbar gerne mit Jay den Nachmittag verbringen - er ist ein so lustiger chico, und sie fühlt sich sauwohl in seiner Gegenwart. Wenn Frank ins Büro muss, wird sie zusagen, wenn nicht, dann nicht.
Was ihr chico hingegen generell davon hält, dass sie den nächsten Tag mit einem anderen Mann verbringen will, das fragt Carmen sich gar nicht. Wozu auch? Sie will ja nichts von Jay.

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Verfasst: Do 29. Mär 2007, 13:37 
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Hat er es vorher bereits geahnt, so erhält er jetzt die Gewissheit: Das, was Jane für ihn empfindet, geht über Freundschaft und Verlangen hinaus - sie hat sich in ihn verliebt.
Obwohl er hätte vorgewarnt sein müssen, denn immer wieder hat ihn diese Frage in der letzten Zeit gestreift, trifft es El wie ein Schlag. Etwas zu ahnen und es letztlich sicher zu wissen, sind eben doch zwei verschiedene Paar Schuhe.
Bestürzt sieht er auf Janes Hinterkopf. Wie soll er jetzt damit umgehen? Wie soll er weiter mit ihr umgehen? Heute morgen schon hat er sich das gefragt. Aber irgendwie ist er damit klar gekommen .. oder hat es zumindest gemeint. Jetzt sieht die Sache anders aus. Schlimmer.
Soll er zurück nach Mexiko gehen und darauf vertrauen, dass die amerikanischen Behörden Echeverria schon erwischen werden? No, das ist keine Option. Er muss dabei sein, wenn das Schwein geschnappt wird. Er muss sicherstellen, dass dieser cabrón nie wieder kleine Kinder oder chicas entführen oder umbringen kann. Und das kann er nur, wenn er dafür sorgt, dass es ein Sarg sein wird, den Echeverria von innen sieht und keine amerikanische Zelle.
Er muss also hier bleiben, zumindest bis diese Angelegenheit erledigt ist. Doch muss er auch in Janes Nähe bleiben?
"... aber es ist so schön, wenn du bei mir bist. Dann fühle ich mich anders.“
Ihm geht es genauso. Er fühlt sich gut in ihrer Gegenwart. Es tut .. weniger weh. Aber kann er auch jetzt, unter diesen Voraussetzungen, noch bei ihr bleiben? Wäre es nicht absolut selbstsüchtig, wenn er sich weiter mit Janes Gesellschaft umgeben würde, weiter von ihr nehmen würde, was sie ihm fraglos geben würde, nur damit ER sich besser fühlt? Was ist mit ihr? Er würde ihr Herzblut einfordern, und das darf er nicht. Sie würde sich Hoffnungen machen, genauso, wie sie sich bereits jetzt Hoffnungen gemacht hat - zu recht natürlich, denn mit dem gestrigen Abend hat er ihr jeden Grund dazu gegeben. Aber diese Hoffnungen würde er ihr nie erfüllen können. Sie weiß es, er weiß es ebenso. Würde es demzufolge nicht eine Tortur für sie sein, wenn er weiter an ihrer Seite bliebe?
"Ich fühle mich auch sehr wohl in deiner Gegenwart, Jane", antwortet er ihr so leise, dass nur sie und der Wind es hören können, und dabei haften seine dunklen Augen intensiv glühend auf ihrem Hinterkopf. "Aber das, was du von mir haben möchtest und was du zweifellos verdienst, kann ich dir nicht geben. Die Liebe, die ich in mir trage, ist tot. So wie ich. Mein Körper lebt, aber meine Seele nicht. Ich habe sie vor vier Jahren mit meiner Frau und meiner Tochter begraben."

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Sie sieht es Frank genau an, dass ihm Jays Vorschlag überhaupt nicht gefällt, und der Anflug eines schlechten Gewissens streift Carmen.
Hat sie ihm gerade nicht die Hölle heißgemacht, weil er ein paar blöde Fregatten angegrinst hat? Und jetzt macht sie ihm klar, dass sie den nächsten Tag mit jemand anderem verbringen will. Jemandem, den er nicht einmal kennt .. sie eigentlich auch nicht.
'Wie würdest du dich fühlen, wenn er dir morgen sagen würde, er wolle übermorgen mit Mel ins Disneyland fahren? Du würdest die Krise kriegen, chica!'
Si, und ihm wohl vorsorglich die Eier abreißen! Carmen kennt sich und ihre Eifersucht sehr genau, sowohl Diego als auch Ricardo hatten diesbezüglich nichts bei ihr zu lachen, und Frank wird es auch nicht haben. Aber sie selbst nimmt sich das Recht heraus, sich mit Jay einen schönen Tag zu machen!
'Eh chica, nun übertreib mal nicht!', meldet sich eine zweite Stimme in Carmens Kopf zu Wort, und sie fragt sich gerade, welche der Stimmen wohl dem Engelchen gehört und welche dem Teufelchen. 'Du hast für ihn alles stehen und liegen gelassen, hast dein ganzes Leben für ihn aufgegeben, um hier bei ihm zu sein. Da kann er wohl kaum erwarten, dass du nur in seiner Wohnung hockst und die Zeit absitzt, bis er wieder nach Hause kommt. Du brauchst schließlich auch Freunde, Bekannte um dich herum. Das hat nichts mit Liebe, Flirterei und Eifersucht zu tun!'
Carmen beschließt, dass die letzte Stimme die der Vernunft gewesen ist, weshalb sie das Thema gedanklich abhakt und strahlend ins Telefon flötet: "Jay? .. Es geht clarro! Oolst du miich ab? .. Sswei Uuhrr? Fantástico! ... Si, iich frreuee miich auch! Hasta luego!"
Dann legt sie auf, geht lächelnd in die Hocke und packt ihr Telefon wieder in die Rucksack. Und daraufhin sammelt sie summend ihre Einkaufstüten ein.

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"Damit ich nicht mehr mit dir .. was, Jane?", fragt er leise zurück. Ohne es zu wollen, hebt er dabei seine Hand an, und fast hätte er sie ihr auf die Schulter gelegt, doch er tut es nicht. Unverrichteter Dinge lässt er sie wieder sinken.
".. zusammen sein muss? Mit dir umgehen muss? Was, Jane? - Vor allen Dingen, was möchtest du? Du sprichst nur von mir, aber du sagst nicht, was du willst. - Willst du, dass ich gehe?"
Er wird es tun, wenn sie es sagt. Er wird gehen und sich von ihr fern halten, wenn es das für sie leichter macht. Aber er erwischt sich bei dem irrationalen Wunsch, dass es nicht so weit kommt. Dass sie ihn nicht gehen lässt. Und ihn somit von der Verpflichtung entbindet, eine Entscheidung treffen zu müssen.

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Es hat eine Zeitlang gedauert, aber schließlich hat Carmen alles gefunden, was sie für ihre Malerei benötigt – fürs erste. Staffelei, Leinwand, Öl-, Aquarell- und Acrylfarben, eine Palette, Pinsel der verschiedensten Breite, darüberhinaus Blöcke mit Büttenpapier, braune und schwarze Zeichenkohle, bunte Kreide, weiche und harte Bleistifte, zwei Radiergummis, mehrere Mappen unterschiedlichster Größe zum Aufbewahren ihrer Bilder und zu guter Letzt mehrere Flaschen Fixatur, all das stapelt sich gerade neben der Kasse, an der ein junger Verkäufer wacker die Preise eintippt. Allerdings braucht das nicht nur allein deshalb seine Zeit, weil Carmen einen echten Rundumschlag getätigt hat, sondern weil der chico seinen Blick lieber auf seiner Kundin weilen lässt als auf den Etiketten der Ware und sich demzufolge ständig vertippt. Carmen quittiert es mit einem kleinen, amüsierten Lächeln und macht sich einen Spaß daraus, den armen Kerl mit ihrem funkelnden Blick noch nervöser zu machen – was völlig ungefährlich ist, da Frank in ihrem Rücken steht und ihr Tun nicht mitbekommt.
Erst, als der Verkaufschico nach dem wahrscheinlich siebenundzwanzigsten Anlauf endlich die Endsumme parat hat, vergeht Carmen das Lächeln – denn die Summe ist beinahe vierstellig.
Sie räuspert sich, atmet tief durch, dann dreht sie sich um und ruft quer durch den Laden: „Francisco? .. Du müsstest jetzt … ähm, zahlen!“
Carajo, sie will hoffen, dass Frank nicht herzinfarktgefährdet ist

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Er sieht die ungeweinten Tränen in ihren schönen Augen, und Wut auf sich selbst kocht in ihm hoch.
Warum hat er ihr das angetan? Warum ist er so egoistisch gewesen? Hat er es denn nicht bereits vorher geahnt, dass sie etwas für ihn empfindet? Gerade deshalb hätte er es nie so weit kommen lassen dürfen, wie es gestern Abend gekommen ist!

Els Kiefer mahlen, sein Blick, mit dem er Janes Gesicht streichelt, ist finster.
"Soll ich mir ein Hotelzimmer nehmen?"
Warum fragt er überhaupt? Er weiß doch, dass es besser wäre.

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