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 Betreff des Beitrags: Re: Wild At Heart
Verfasst: So 27. Jun 2010, 13:19 
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Stacheliger Kaktus
Stacheliger Kaktus
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Registriert: Mo 8. Sep 2008, 17:41
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Der Vorsprung, den wir hatten, war knapp. Wenn man den Hufschlag seiner Verfolger hört, ist man eigentlich schon fast geliefert, und man tut gut daran, entweder alles aus seinem Pferd herauszuholen, um noch schneller zu werden oder von der Bildfläche zu verschwinden. Ich machte mir nichts vor, das mit dem Schnellerwerden war unwahrscheinlich. Sobald wir das Wäldchen wieder verlassen hätten und uns auf der offenen Prärie hätten blicken lassen, hätten wir ein fettes Ziel für jeden guten Schützen abgegeben. Ich machte also erst gar keine Anstalten, das Wäldchen zu verlassen, sondern lenkte meine Stute dicht am Rand entlang und immer noch in der Deckung der Bäume gen Westen - die falsche Richtung zwar, denn wir mussten ja nach Süden, aber in diesem Augenblick entwickelte ich eine unglaubliche Flexibilität. Nur einmal blickte ich mich um, um mich zu vergewissern, dass Ellen an mir dran blieb. Danach verwendete ich meine ganze Konzentration auf unseren Fluchtweg, der natürlich kein Weg im eigentlichen Sinne war, sondern nur eine gedachte Linie von mir, welche sich mehr oder weniger gerade durch die zum Glück nicht ganz so dicht stehenden Bäume hindurch zog und immer wieder von Büschen und Gestrüpp unterbrochen wurde. Dabei bemühte ich mich zusätzlich, auf fremden Hufschlag zu horchen, aber das war nahezu unmöglich, weil der Lärm, den unsere Stuten machten, trotz des weichen, dämpfenden Waldbodens immer größer war als alle anderen Geräusche um mich herum. Zu meinem Ärger darüber - denn irgendwie hatte ich trotz der Vegetation, die mich umgab, das Gefühl, auf dem Präsentierteller zu sitzen statt im Sattel meiner Stute - gesellte sich Beklommenheit. Was, wenn wir das Ende des Wäldchens erreichten und gezwungen sein würden, aufs offene Land hinaus zu reiten? Im Wald bleiben war keine Option. Den hätten unsere Verfolger nur allzu schnell durchkämmt. Und die Nacht war noch Stunden um Stunden entfernt. Es war gerade erst einmal Vormittag, so dass die Sonne uns noch lange Zeit aufs Hauipt scheinen würde.
Meine Sorge, die die Euphorie meines Sieges über Vago schnell ausgelöscht hatte, nahm jedoch wieder ab, je länger wir durch den Schatten der Bäume galoppierten. Sie schienen endlos. Offenbar handelte es sich doch nicht bloß um ein Wäldchen, wie ich zuerst geglaubt hatte, sondern um den Ausläufer eines größeren Waldes. Ich begann mich zu entspannen. Auch wenn das nicht wirklich bedeutete, dass wir in Sicherheit waren und man unseren Spuren hier auf dem weichen Boden sehr viel besser würde folgen können als auf der kargen, harten Prärie, würden sich Vagos Kumpanen oder der Marshall oder vielleicht sogar Steven oder dieser snobbige Herzog - mehr mögliche Verfolger fielen mir gerade nicht ein - doch sehr schwer tun, uns einzuholen. Ich hatte auf jeden Fall nicht vor, mich noch einmal schnappen zu lassen. Und sah in dem unverhofften Glücksfall, als den sich dieser Wald hier herausstellte, unsere Rettung.

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 Betreff des Beitrags: Re: Wild At Heart
Verfasst: So 27. Jun 2010, 13:55 
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Hitziger Heiratsschwindler
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Die beiden chicas hatten mehr Glück als Verstand.
Zum einen, dass es ihnen gelungen war, diesen cabrón von Kopfgeldjäger zu überwältigen. Ich durfte mir gar nicht ausmalen, was alles hätte passieren können, wenn ... Typen wie diese kannte ich zur Genüge, und ich wusste sehr genau, dass die nicht nur unbedingt an dem Geld interessiert waren, das ihnen als Belohnung für einen erledigten Job zustand.
Zum anderen, dass wir nicht ganz so schnell hinterher kamen, wie sie vor uns davon preschten. Es gab keinen Weg hier, von dem wir hätten annehmen können, dass sie ihn genommen hätten, und der kurze Aufenthalt am Ort des Geschehens hatte lange genug gedauert, um jeglichen Hufschlag ihrer Tiere zum Verklingen zu bringen. Nachdem wir wieder aufgesessen hatten, blieb uns nichts anderes übrig, als der Spur ihrer Stuten zu folgen, was wir zwar im Trab tun konnten, denn die Hufabdrücke auf dem Boden waren einigermaßen gut sichtbar und das Gleiche galt für die abgeknickten Zweige diverser Sträucher, aber ein gestreckter Galopp war nicht drin.
So kam es, dass der Abstand zwischen uns und ihnen langsam immer größer wurde. Wir erkannten es an den Spuren, die immer schlechter zu lesen waren.
"Caramba!", fluchte ich, als wir schließlich an einen kleinen Fluss kamen und auf der gegenüberliegenden Seite nirgendwo weitere Hufabdrücke ausmachen konnten. Es war offenbar, dass die beiden Frauen die günstige Gegenheit genutzt hatten und eine Zeitlang durchs Wasser geritten waren, um ihre Spuren zu verwischen. Es blieb uns nichts anderes übrig, als das Ufer nach der Stelle abzusuchen, wo sie den Fluss wieder verlassen hatten, und da gab es natürlich zwei Richtungen, in denen wir suchen mussten und nicht nur eine. Es sei denn ...

Mit mahlenden Kiefern blickte ich zwischen den Ohren meines Pferdes hindurch auf das glitzernde, plätschernde Band, das uns unsere Suche erschwerte und dachte nach. Der Fluss kam aus Südwesten und floss nach Nordosten, in Richtung Massachussetts Bay, an der auch Boston lag. War es wahrscheinlich, dass unsere beiden Damen bei ihrer Flucht diese Richtung eingeschlagen hatten? Sicher, es lag im Bereich des Möglichen, wenn man die Option in Betracht zog, dass sie uns austricksen wollten. Erst einmal dorthin reiten, wo man überhaupt nicht vermutet wird und dann in einem großen Bogen die ursprüngliche Richtung einschlagen. Dann hätte man die Verfolger höchstwahrscheinlich nicht mehr im Rücken. Aber so ein Vorgehen erforderte eine gute Portion kühles Blut, und perdón, aber über das verfügte Sara, die ich für die treibende Kraft bei diesem kleinen Katz- und Mausspiel hielt, nun einmal nicht. Sie wusste, dass sie verfolgt wurden, sie würde auf Schnelligkeit setzen. Außerdem war sie auf dem Heimweg nach México - alles in ihr zog sie dorthin. No, sie war nach Südwesten geritten und setzte darauf, dass ihre Verfolger sie für durchtriebener hielten. Ob sie wusste, dass wir es waren, die hinter ihnen her waren?
"Hey!!", forderte ich meinen Braunen scharf auf, dazu gab ich ihm einen Ruck am Zügel und bugsierte ihn so nach links. Und schon preschte ich wieder los, am Fluss entlang den - wie ich hoffte - beiden chicas hinterher. Und da ich von meinem amígo keine Einwände hörte, sondern synchron klingenden Hufschlag, nahm ich an, dass Bredford die gleichen Schlüsse gezogen hatte wie ich.

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