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 Betreff des Beitrags: Re: Le Jardin Sauvage
Verfasst: So 10. Jan 2010, 13:22 
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Die Gefühle stritten in mir. Zurück nach Frankreich? Auf der einen Seite wollte ich es dringend, denn ich spürte, dass Tahleah Recht hatte - das Rätsel um das, was ich in meinem Traum empfunden hatte, war nur dort zu lösen, da es höchst wahrscheinlich etwas mit meinem vorherigen Leben zu tun hatte. Auf der anderen Seite waren da Marius und mein Schöpfer ... beides Personen, denen ich in meinem ganzen Leben - und das ist bei einem Vampir eine unendlich lange Zeit - nicht wieder begegnen wollte. Marius nicht aus Angst, Tahleah an ihn zu verlieren und meinem Schöpfer nicht, weil die Vorstellung eine grauenhafte Furcht in mir auslöste. Nie wieder wollte ich in diese eisgrauen, gefühllosen Augen sehen, nie wieder auch nur an diesen schlimmen Moment des Schöpfungsaktes denken. Es war mir inzwischen egal geworden, wer mich damals geschaffen hatte. Ich wusste ja nun, dass es nicht aus Liebe oder Fürsorglichkeit geschehen war. Er, mein Schöpfer, hatte mich nicht vor einem unausweichlichen Tod wie zum Beispiel durch eine tödliche Krankheit bewahren wollen, es war auch nicht so gewesen, dass er mich generell nicht hatte verlieren wollen und mich darum zu seinesgleichen gemacht hatte ... damit ich die Ewigkeit mit ihm verbrachte. Er hatte es getan, weil ihm in diesem Augenblick danach gewesen war. Eine spontane Entscheidung, ohne auch nur einen Gedanken an die Konsequenzen zu verschwenden, die dieser Akt für mich mit sich bringen würde. Eine Laune eben. Wie grausam musste diese Kreatur sein, dass sie sich damals so entschieden hatte? Hätte sie sich "nur" an mir gelabt, ihren Durst gestillt, ich hätte es noch verstehen können. Es war nun einmal die Natur der Vampire, das Blut anderer zu trinken und zu töten. Er aber hatte mich nicht getötet, er hatte mich zu einem Leben als Monster verdammt, ohne mir die Gelegenheit zu geben, mich zu entscheiden. Nie, nie wieder wollte ich diesem Vampir begegnen!
Und dennoch ... wollte ich dieses Sehnen in mir ergründen und mehr über mich selbst erfahren, musste ich zurück und damit dieses Risiko eingehen. Eine Rückkehr war wichtig für mich, denn auch Kinder der Nacht brauchten eine Identität. Ich hatte keine, noch nicht. Ich war wie ein Fortsetzungsroman, bei dem der erste Teil fehlte. Niemand verstand den zweiten Teil einer Geschichte, wenn er den ersten nicht kannte. Also musste ich über meinen Schatten springen und trotz meiner Ängste in meine Heimat zurückkehren.
Ich atmete tief durch. Wenigstens würden wir nicht mehr in Marius' Haus wohnen. Das war doch schon was.
"Also gut. Fliegen wir zurück", stimmte ich zu. Mein Blick schweifte dabei wieder zum Spiegel, der nun zwei Augenpaare reflektierte - eines golden wie zuvor, das andere smaragdgrün, und beide von phosphoreszierender Leuchtkraft. Ich suchte in Tahleahs Blick nach Antworten, und ich fand Liebe, Mitgefühl und Zärtlichkeit. Doch darüber hinaus nichts, was mir weitergeholfen hätte.

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 Betreff des Beitrags: Re: Le Jardin Sauvage
Verfasst: So 10. Jan 2010, 14:51 
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Mein Blick begegnete ihrem und ich konnte Yaelles Trauer förmlich körperlich spüren. Sie tat mir so leid und ich wollte so gerne, dass sie sich endlich wieder an alles erinnern konnte. Aber das brauchte seine Zeit und es konnte gut sein, dass ihre Erinnerung niemals wieder kommen würde. Jedoch würde ich alles dafür tun und dies sollte auch meine oberste Priorität haben.
„Sobald wir wieder in La Rochelle sind, werden wir nach deiner Familie suchen, Yaelle. Mir stehen viele Möglichkeiten offen. Marius hat einigen Einfluss und wir haben Geld genug, einen Detektiv zu engagieren. Wir können nachforschen, ob du dort gelebt und gearbeitet hast. Vielleicht wohnen deine Angehörigen ja auch in der Stadt. Es gibt doch bestimmt eine Vermisstenmeldung. Jemand muss dich gesucht haben, oder sucht dich immer noch. Wir werden das alles in Betracht ziehen und auch Erfolg haben.“
Ich lächelte aufmunternd und streichelte über ihre Wange.
„Morgen Abend werden wir fliegen. Wir fliegen über Nacht, damit ...“
Ich sprach nicht weiter, denn ich wollte Yaelle nicht mit diesem Geheimnis auch noch belasten.
„Damit wir in der Wohnung angekommen, erst einmal ausschlafen können und dann werden wir übermorgen Abend sofort mit der Suche anfangen.“

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 Betreff des Beitrags: Re: Le Jardin Sauvage
Verfasst: So 10. Jan 2010, 16:06 
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Registriert: Sa 8. Okt 2005, 09:21
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Ich fühlte mich bei Tahleahs Worten unendlich dumm. Sicher, eine Vermisstenmeldung! Die musste es doch inzwischen geben, denn ganz bestimmt hatte ich doch Familie gehabt. Freunde. Einen Job. - Einen Ehemann? Kinder?
Auf alle Fälle musste es Personen geben, die durch mein sang- und klangloses Verschwinden alarmiert waren und sich Sorgen machten. Unter Garantie war da der eine oder andere bei der Polizei vorstellig geworden. Wieso hatte ich nicht selbst daran gedacht?
"Ja, du hast Recht. Machen wir es so", gab ich Tahleah meine Zustimmung und lächelte schwach. Ich fühlte mich getröstet und gefestigter, wie immer, wenn sie bei mir war. Aber der Gedanke an eine Rückkehr nach Frankreich hinterließ dennoch ein mulmiges Gefühl in mir.

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 Betreff des Beitrags: Re: Le Jardin Sauvage
Verfasst: So 18. Sep 2011, 13:10 
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Registriert: Mo 3. Okt 2005, 20:52
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Wir waren erst am frühren Morgen los geflogen. Yaelle und ich hatten den Tag über geschlafen. Marius’ Personal war wie üblich angewiesen, den Privatjet zu verlassen, bevor wir es tun würden und so war niemand mehr anwesend, als wir am Abend in La Rochelle erwachten. Meine wertvolle Fracht war bereits verladen und in mein Penthouse gebracht worden. Dies hatte ich bereits am Abend zuvor noch verfügt, damit ich mich damit nicht abschleppen musste. In dieser Wohnung gab es einen speziell gesicherten Raum, der allerhand Schätze beherbergte, die ich auf meinen vielen Reisen mit Marius gefunden hatte. Aber jetzt war etwas anderes wichtiger. Ich wollte mich erst einmal vollkommen auf Yaelle konzentrieren. Selbst Marius und Lestat spielten in meinen Gedanken keine Rolle, weil sie für mich nicht mehr wichtig waren. Ich wollte meiner geliebten Freundin helfen, endlich Licht in ihre Dunkelheit zu bekommen. Sie musste sich irgendwann erinnern, damit sie mit ihrem alten Leben abschließen und somit ihr neues Leben annehmen konnte. Wäre das nicht der Fall, so wäre sie immer ein Kandidat für den freiwilligen Tod. Irgendwann würde sie diese Unwissenheit erschlagen.
Die kleinere goldene Statue trug ich jedoch bei mir. Sie war der Schlüssel und den wollte ich selbst im Tresor der Wohnung verstauen.
Yaelle war sehr schweigsam und selbst als wir in der Limousine saßen, die uns zum Penthouse bringen sollte, sagte sie kein Wort. Ich konnte ihre Schwermut fast schon greifen und mir wäre es auch lieber gewesen, wenn wir noch länger in Ägypten hätten bleiben können. Aber das wäre nicht gut gewesen.
„Wir werden jetzt erst einmal nach Hause fahren. Es wird dir dort gefallen. Das ist eine ganz andere Wohnung, als die in Ägypten. Mit allem technischen Schnickschnack. Manchmal brauch ich das.“
Leise auflachend sah ich Yaelle an.
„Danach werde ich uns ein kleines Abendbrot besorgen und dann werden wir sehen, was wir bei der Polizei bezüglich einer Vermisstenanzeige heraus finden können. Da müssen wir allerdings sehr vorsichtig vorgehen. Sollten wir nichts heraus bekommen, werden wir einfach einen Privatdetektiv beauftragen, der was finden wird. Ich habe übrigens von einem neuen, angesagten Club in La Rochelle gehört, den wir uns mal ansehen sollten. Das wird uns ein bisschen ablenken.“

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