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Verfasst: Mi 5. Sep 2007, 19:43 
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Ich runzelte unwillig die Stirn, weil mir das jetzt nicht ganz einleuchten wollte. "Wozu fliegen wir denn dann nach Ägypten? Wenn die Pergamente nicht von Nutzen sind und der Tempel seit ewigen Zeiten verschollen ist?"
Seit ewigen Zeiten ... allein schon diese Ausdrucksweise weckte den Unmut in mir. Wir Vampire sind wirklich nicht gut auf Ewigkeiten zu sprechen.

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Verfasst: Mi 5. Sep 2007, 19:50 
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Ich war immer noch nicht so ganz einverstanden damit, dass ich die Pergamente nicht bekommen sollte. Das war wieder einmal absolut typisch für Marius! Das Wissen, das er einmal besaß, behielt er am liebsten für sich und teilte es nur höchst ungern. Und am ungernsten mit mir. Das aber wollte ich nicht so einfach hinnehmen. Ungehalten stand ich auf und begann, vor dem Feuer auf und ab zu gehen.
"Aber was wird sein, wenn wir den Tempel gefunden haben? Dann werden wir die Pergamente doch benötigen! Oder etwa nicht? Also kannst du sie mir genauso gut sofort mitgeben!"
Hatte ich schon erwähnt, dass ich sehr hartnäckig sein konnte?

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Verfasst: Mi 5. Sep 2007, 20:01 
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Flegelhafter Prinz
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Wollte Marius mich nun für dumm verkaufen? Erst sträubte er sich wie die Katze vor dem Wasser, mir diese Pergamente auszuhändigen, und dann enthielten sie nichts wichtiges?
Mir lag schon eine entsprechend scharfe Erwiderung auf der Zunge, als er schließlich doch einlenkte und mir eines der Dokumente zusagte. Ich schluckte meinen Ärger hinunter und beließ es erst einmal dabei, auch wenn ich mir sicher war, dass er mir das weniger wichtige aushändigen würde. Aber wenn Marius sich so sehr verweigerte, würde ich ohnehin nichts mehr bei ihm erreichen.
"Bien. Also werden wir in Kürze nach Ägypten aufbrechen. Es soll mir recht sein. Frankreich ist auch nicht mehr das, was es einmal war."

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Verfasst: Mi 5. Sep 2007, 21:05 
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War es die untergehende Sonne oder die federleichte Berührung von Tahleahs Lippen, die mich weckte? Ich konnte es nicht sagen. Aber es holte mich aus dem tiefen, todesähnlichen Schlaf, den ich jetzt jeden Tag schlafen musste und gab mich dem Leben zurück, das ich jetzt führte und das ich immer noch nicht akzeptiert hatte.
In diesem Moment jedoch, als ich Tahleahs geliebtes Gesicht neben mir sah, dachte ich nicht an solche Dinge. Ich freute mich, sie zu sehen - müde und abgespannt zwar, aber lebendig und im Grunde wohlauf. Ich drehte mich ihr zu, stützte meinen Kopf in eine Hand und legte ihr die andere sanft an ihre blasse Wange. Dabei bedachte ich sie mit einem liebevollen Lächeln. Und beugte mich zu ihr hinab, um sie zärtlich zu küssen.
"Wie fühlst du dich, mon amour?", fragte ich sie daraufhin leise, streichelte ihre Wange immer noch und streichelte auch ihr Gesicht mit meinem zärtlichen Blick.

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Verfasst: Mi 5. Sep 2007, 21:17 
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Ich schlug bei Tahleahs Worten die Augen nieder - wie immer schämte ich mich, wenn die Sprache auf mein Unvermögen, für mich selbst zu sorgen, kam. Ich war kein Mensch mehr, aber ich war auch kein Vampir. Ich war irgendetwas dazwischen, etwas Unfertiges, etwas, das niemand wertschätzen konnte. Geschweigen denn lieben - bis auf Tahleah. Sie nahm mich so, wie ich war und umfing mich mit ihren Gefühlen. Sie sorgte für mich, sie behütete mich. Sie war meine Schöpferin, nicht der Vampir, der mich vor zwei Wochen zu seinesgleichen gemacht und dann einfach auf dem Boden liegend zurückgelassen hatte. Ohne Wissen um mein neues Dasein. Ohne Hilfe. Sie hatte mir alles gegeben. Jetzt war es an mir, ihr dafür zu danken.
"Ich weiß", antwortete ich leise und sah stirnrunzelnd auf die zerknautschte, rotschimmernde Bettdecke. "Ich werde heute jagen. Für dich und für mich. Es wird Zeit, dass ich tue, wozu ich ... geschaffen wurde."
Die Schonfrist war vorüber, das war mir schon klar gewesen, als ich mich am Morgen zum Schlafen neben Tahleah gelegt hatte. Ich musste sie endlich von dieser lästigen Pflicht befreien und selbstständig werden.

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Verfasst: Mi 5. Sep 2007, 21:28 
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Ich vergrub mein Gesicht in Tahleahs weichem Haar, schloss die Augen und schüttelte den Kopf.
"Non ... ich werde jagen gehen. Es muss sein. Ich kann mich nicht ewig von Tieren ernähren. Und ich kann dich nicht immer für mich einspannen. Es ist .. albern, dass ich mich bislang nicht dazu hab überwinden können. Ich bin jetzt, was ich bin. Es hat ja doch keinen Sinn, sich dagegen zu wehren."
Ich wusste, dass ich mir das alles gerade irgendwie schön redete, denn eigentlich war mir allein schon der Gedanke daran, einen Menschen töten zu müssen, zuwider. Nein, nicht nur zuwider, das traf es nicht einmal annähernd. Ich hatte einen regelrechten Horror davor. Aber was nutzte es? Tahleah konnte nicht hinaus, das war nun einmal so. Ich musste es also tun.

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Verfasst: Mi 5. Sep 2007, 21:50 
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Ich lächelte ein wenig, als ich mir Ägypten vorzustellen versuchte. Doch das Lächeln verschwand, als ich mir bewusst machte, dass ich nur ein Ägypten bei Nacht sehen würde, niemals bei Tag. Nie wieder die Sonne fühlen, die ich so sehr liebte - immer noch - nie wieder die sattgelben Dünen der Wüste sehen, die tiefgrünen Oasen, die dazwischen lagen und mit einem kühlen Versprechen lockten, die fast alabasterweißen Fassaden der Pyramiden, die wie Juwelen vor Ägyptens azurblauen Himmel glitzerten ...
Die Erinnerungen, die mich gerade an meinen ersten und einzigen Ägyptenurlaub fluteten - unvermittelt, aber dennoch intensiv - weckten erneut die Sehnsucht nach der Sonne in mir. Ich war kein Kind der Nacht und würde es niemals sein. Aber das sagte ich Tahleah nicht. Ich ließ es sie nicht einmal in Gedanken wissen, die ich vor ihr verschleierte, um sie nicht zu betrüben. Stattdessen murmelte ich leise: "Ja, ganz bestimmt werde ich das." Doch mein Blick, mit dem ich über ihren Kopf hinweg zum Fenster sah, sagte etwas anderes.

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Verfasst: Mi 5. Sep 2007, 22:15 
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Der Nachtwind schlug mir kalt und böig entgegen, als ich Marius‘ Haus verließ. Früher hätte ich mich wohl totgefroren, doch jetzt, da ich physikalischen Gesetzen nicht länger unterlag, konnte das Wetter mir in meinem kurzen, schwarzen Rock und der schwarzen, eng anliegenden Seidenbluse, die ich lediglich darüber trug, nichts anhaben. Nicht einmal der Hauch einer Gänsehaut kroch meine nackten Beine entlang, als ich mich schnell wie ein Gedanke auf die Grundstückspforte zubewegte, und kein Schaudern ließ mich fröstelnd meine Arme reiben.
Wenigstens kein erkennbares Schaudern, obwohl ich innerlich bebte. Das lag jedoch nicht an den nächtlichen Temperaturen, die sicher nur einstellig waren, das lag daran, dass ich meine Angst niederkämpfte – ich war auf der Jagd.
Nie zuvor war ich das gewesen. Immer hatte Tahleah mich mit Nahrung versorgt, hatte Blut für zwei getrunken und mir davon abgegeben, weil ich mich nicht zum Töten hatte überwinden können. Jetzt würde ich es müssen. Tahleah war noch immer abgrundtief erschöpft und viel zu schwach, um Beute zu machen. Es war also an mir, uns beide mit dem Nötigsten zu versorgen. Und nötig hatten wir es wirklich, ich, weil ich noch jung war und sie, weil der Vorfall der letzten Nacht noch an ihr zehrte. Da reichte auch Marius‘ starkes Blut nicht auf Dauer. Ich hatte meine Aversion also hinunter geschluckt und mich aufgemacht. Ich hätte es sowieso irgendwann tun müssen, denn es war jetzt meine Natur, das war mir klar, so wenig ich es auch wollte. Und gegen seine Natur konnte man nur eine sehr begrenzte Zeitlang handeln.
Ich eilte in Windeseile durch die Straßen von La Rochelle, hielt mich in den Schatten und wurde von keiner Menschenseele gesehen. Mein Ziel war der Parc Franck Delmas, welcher unweit der Rue de la Digue lag, einer berüchtigten Amüsiermeile. Dort würde ich schon die eine oder andere verruchte Seele finden, die mir ihr Blut geben würde. Mit schlafwandlerischer Sicherheit fand ich den Park und hielt zielstrebig auf dessen Mitte zu. Ich fragte mich nicht, woher ich den Weg wusste, obwohl ich keine Erinnerung daran hatte, je hier gewesen zu sein. Ich kannte ihn einfach, und das war mir genug.

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Verfasst: Mi 5. Sep 2007, 22:43 
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"Oh, Madame .. Ihr klingt, als wäret Ihr bereits sehr vertraut mit mir", gab ich spöttisch zur Antwort und wählte bewusst eine wohlgesetztere Sprache - hauptsächlich, um sie daran zu erinnern, wie alt ich bereits war und wie jung sie selbst, aber auch, weil es sich so besser spotten ließ. Ganz ohne Zweifel!
"Aber das müsste ich wohl wissen, n'est-ce pas? Es wäre mir wohl nicht entgangen, wenn ich eine so schöne, so mutige, so selbstständige Person wie Ihr in meine Seele hätte blicken lassen. Ihr seid doch gewiss jemand, den man nicht vergisst, wenn man einmal den Kreislauf mit ihm geschlossen hat, oder?"
Mein anzüglicher Tonfall und mein amüsiertes Lächeln machten deutlich, dass ich glaubte, dass sie sich selbst für so unvergesslich hielt - was sie sicherlich nicht einfach so hinnehmen würde. Und prompt blitzte es in ihren grünen Augen wütend auf. Aber ehe sie mir ihre Verachtung ins Gesicht schleudern konnte, setzte ich freundlich hinzu: "Es ist mir vollkommen egal, ob du mich dabei haben willst oder nicht, meine Hübsche - ich werde mit nach Ägypten fliegen und ich werde in eurer Nähe bleiben. Wenn du mich nicht sehen willst, brauchst du ja einfach nur die Augen zuzumachen."

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Verfasst: Mi 5. Sep 2007, 22:47 
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Meine hohen, schwarzen Schuhe verursachten keinerlei Geräusch auf dem steinernen Gehweg, den ich entlang schritt – weitaus langsamer entlang schritt als zuvor, denn jetzt war mir daran gelegen, gesehen zu werden. Ich wollte meine Beute anlocken, um ihre Seele mit meinen Gedanken zu erkunden, sie in meinen Bann zu ziehen und sie, sollte sie geeignet sein, zu töten. Das war der Plan. Keiner, den ich mir gerade erst ausgedacht hatte, sondern den ich völlig instinktiv anging – wie eine Venusfliegenfalle lockte ich mit meinen Reizen und würde gnadenlos zuschlagen, sobald ein Opfer dumm genug war, sich in meine Reichweite zu begeben.

Es sollte nicht lange dauern. Ich kam an einer Bank vorbei, auf der ein Clochard mit einer Flasche saß und mich weinselig anstarrte.
‘soir, J’lie – Nammd, Hüschhe“, lallte er dümmlich grinsend und fuhr meine sommerlich gekleidete Gestalt mit interessiertem Blick ab. Ich brauchte gar nicht erst in seinen Geist einzudringen, um zu erkennen, dass er kein böser Kerl war. Es war die Aura, die ihn umgab – traurig, sentimental, ein wenig verzweifelt und völlig desillusioniert – die ihn als empfindsamen Menschen auswies, dem das Schicksal einfach nur übel mitgespielt hatte. Er rührte mich an, traf meinen wunden Punkt, das Mitleid, das ich nur allzu schnell empfand, und so riet ich ihm nur mit leiser und dennoch gut verständlicher Stimme: „Geh, alter Mann. Leg dich an Orten zum Schlafen nieder, die nicht dunkel und einsam sind!“ Und dann hatte ich ihn auch schon passiert und war aus seinem Blickfeld entschwunden. Er durfte sein Leben behalten.

Auf meine nächste Begegnung traf das allerdings nicht zu. Selbst das Wort ‚Begegnung‘ war nicht richtig, denn ich begegnete meiner späteren Beute nicht, jagte sie nicht einmal, sondern sie verfolgte mich! Ich hatte gerade eine Wegkreuzung hinter mir gelassen und war aus dem hellen Licht der Laterne wieder ins Dunkle getaucht, als ich hinter mir Schritte hörte. Schritte, die im Gleichtakt mit meinen erklangen und die einem Mann gehörten – die Art, wie mein Verfolger auftrat, machte mir das klar. Ich ging weiter, als hätte ich nichts gehört, doch diesmal tastete ich mit meinen Gedanken nach ihm. Ich fand bestätigt, dass er männlich war. Aber ich erfuhr noch mehr als das, und das, was sich mir alles schonungslos darbot, festigte meinen Entschluss, dass er mein Opfer werden würde! – Blutjunge, nackte Mädchen mit Tränen in den Augen, manche von ihnen fast noch Kinder … Tränen der Verzweiflung, des Schmerzes … Männerhände, die sie grob packten und in Stellungen drückten, deren Zweck offensichtlich war … Männerkörper, die sich an ihnen vergingen, sie benutzten und ihnen weh taten … und ein Mann, der das alles filmte … der seine Kamera lächelnd auf diese grauenhafte Szenerie hielt, sie aufnahm und sich daran erregte … - Ein anderer Moment … eine junge Frau in einem kurzen, weißen Kleid im Sommer … hier im Park, am späten Abend, vor ihm hergehend, nichts ahnend … wenig später Schreie … Entsetzen im Gesicht der Frau, als sie plötzlich ins Gebüsch gezerrt und dort roh genommen wurde … wieder Schreie, die erst durch Schläge verstummten … leises Wimmern, lautes Stöhnen … ein Gefühl des Triumpfes, widerwärtiger Befriedigung … noch ein Tritt gegen den Körper, der ihm so viel Lust verschafft hatte, ehe dieser endlich in Ruhe gelassen wurde … – Dieser Mann war es, der mir folgte und mit mir das Gleiche vor hatte wie mit der Frau im Sommerkleid. Meine Aversion gegen das Töten verflüchtigte sich, während ich in Gedanken das Schicksal meines Opfers besiegelte.

Ich verlangsamte meinen Gang, als ich mich dem Schein einer weiteren Laterne näherte, und als ich diese erreicht hatte, blieb ich schließlich stehen und drehte mich um. Mein Verfolger stockte in seinem Schritt – höchstens noch zwei Meter von mir entfernt – dann musterte er mich ausgiebig, und ein kaltes Lächeln begann seine eigentlich recht attraktiven Züge zu verzerren. Er war höchstens Ende zwanzig und hätte mir vielleicht früher gefallen. Aber früher hätte ich ihm auch nur vor den Kopf gesehen und nicht hinein … und hätte nicht gewusst, was für ein abartiges Schwein er war und wie oft er schon Leid über andere gebracht hatte.
Ich sagte nichts, erwiderte lediglich seinen Blick. Das schien ihn zu irritieren, denn sein Lächeln nahm ein wenig ab und seine Miene wurde forschend. Er sah mir in die Augen … und runzelte die Stirn. Wahrscheinlich stutzte er, da sie seltsam funkelten. Bestimmt hatte er auch Anzeichen von Angst erwartet, vielleicht sogar, dass ich vor ihm fliehen würde. Immerhin war es mitten in der Nacht und niemand anderer in unserer Nähe, der mir würde helfen können. Aber ich floh nicht. Ich zeigte auch keine Angst, und das brachte ihn aus dem Konzept. Nicht für lange, denn als sein Blick an mir herab wanderte und sich auf meine Brüste heftete, deren Ansätze sich aus dem strategisch tiefen Ausschnitt meiner Bluse drängelten, kam wieder Leben in ihn.
Bonsoir, ma Jolie“, begrüßte er mich lächelnd und wusste nicht, dass er wie ein Echo des Clochards klang, dem ich kurz zuvor das Leben geschenkt hatte.

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Verfasst: Do 6. Sep 2007, 07:30 
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Sie war temperamentvoll und direkt, das hatte etwas erfrischendes. Ganz zweifellos würde ein Blutkreislauf mit ihr göttlich sein. Ich schmunzelte innerlich, nach außen hin jedoch ließ ich mir nicht anmerken, dass sie mich erheitert hatte. Ich ließ meinen Blick betont gelangweilt wieder zu Marius schweifen und fuhr fort, mit ihm zu sprechen, als wäre sie überhaupt nicht anwesend: "Wie gesagt, wir sollten so schnell wie möglich fliegen. Morgen abend noch, denn die Sache scheint mir recht dringlich zu sein. Was gedenkst du, wegen der ganzen jungen Kinder zu unternehmen, die gerade in La Rochelle einfallen, als wären sie ein Schwarm Hornissen?"

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Verfasst: Do 6. Sep 2007, 07:33 
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Bonsoir“, antwortete ich ihm, doch ich lächelte nicht. Ich hätte es vielleicht tun sollen. Es wäre sicherlich zweckdienlicher gewesen, denn ich wollte ihn ja ins Verderben locken, ihn in Sicherheit wiegen. Aber die Eindrücke, die ich eben in seinem Kopf hatte sammeln können und die in meinem immer noch frisch waren, erfüllten mich mit solch einer Abscheu, dass ich nicht heucheln konnte.
„Du bist spät unterwegs“, stellte er überflüssigerweise fest, lächelte breiter und kam mir näher. Ich sah ihm abwartend entgegen und machte keine Anstalten, vor ihm zurückzuweichen.
„Spät ist relativ. Für andere wäre es jetzt früh.“
„Also ich finde ja, dass die Zeit genau richtig ist …“, er blieb dicht vor mir stehen und sah mir hungrig in die Augen, dann in meinen Ausschnitt. Ich sah ihm dafür ebenso hungrig auf den Hals.
„Ja, das stimmt“, raunte ich leise und saugte mich mit meinem Blick an seiner Aorta fest, die unter seiner Haut appetitlich pulsierte.
Und dann ging alles ganz schnell. Ich schoss vor, schlang meine Arme um seinen Nacken und schlug ihm meine Zähne in den Hals. Tief und hart, und ebenso hart sog ich ihm den Lebenssaft aus seinem Körper. Er wollte schreien, er wollte sich von mir befreien, aber es kam nur ein gurgelndes Röcheln aus seinem Hals, und seine Hände glitten kraftlos an meinen Schultern ab. Nichts hatte er meiner unsterblichen Kraft entgegen zu setzen. - Eigentlich hatte ich nicht vorgehabt, so schonungslos vorzugehen. Ich wusste von Tahleah, dass ich ihm den Schmerz und den Schrecken mit Leichtigkeit nehmen konnte. Dass ich ihm sogar Lust und Ekstase bescheren konnte, so dass er mit einem verzückten Lächeln auf den Lippen sterben würde. Aber die Bilder der geschändeten Mädchen hatten sich in meinem Gedächtnis verankert, und ihre Angst hallte in meinem Herzen nach. Ich dachte gar nicht daran, diesem Schwein den Tod zu erleichtern, sondern nahm mir skrupellos, was ich brauchte. Und etwas in mir, das Ungeheuer, zu dem ich geworden war, genoss in der Tat jeden einzelnen Schluck, jeden einzelnen heißen Strahl, den ich gierig in mich hinein sog. So süß, so salzig zugleich schmeckte das Blut dieses Drecksacks, so unglaublich köstlich, dass ich erst von ihm abließ, als es schon fast zu spät war! Schwindelig und trunken, fast wie in einem Rausch, aber auch von einem Gefühl der Genugtuung erfüllt, das ich selten zuvor erlebt hatte!
Er starb nur wenige Sekunden danach, und ich blieb bis zum Schluss an seiner Seite und sah ihm mit kaltem, verächtlichem Blick beim Sterben zu. Als das Licht sich in seinen entsetzt geweiteten Augen schließlich für immer brach, wollte ich mich erheben und gesättigt zu Marius‘ Villa zurück eilen. Doch etwas hielt mich davon ab … ein Gefühl … eine Erinnerung …

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