Skriptorium
Aktuelle Zeit: So 16. Dez 2018, 00:47

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde [ Sommerzeit ]




Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 75 Beiträge ]  Gehe zu Seite Vorherige  1 ... 3, 4, 5, 6, 7  Nächste
Autor Nachricht
 Betreff des Beitrags:
Verfasst: Do 6. Sep 2007, 12:10 
Benutzeravatar
Die Sucherin
Die Sucherin
Offline

Registriert: Sa 8. Okt 2005, 09:21
Beiträge: 54
Ich wusste nicht, warum sie auf einmal so auf ein solches Versprechen drängte, aber ich nickte und gab es ihr. Ich hätte ihr alles gegeben.
"Ich verspreche es dir", flüsterte ich leise und strich ihr sanft das blonde Haar aus dem Gesicht. Dann verwischte ich das Blut, das ihre Lippen noch verführerisch benetzte, ein wenig mit meinem Daumen ... schließlich zog ich sie sanft wieder zu mir hinab und ließ meine Zungenspitze langsam über ihre vollen, metallisch schmeckenden Lippen gleiten. Ich liebkoste und säuberte sie gleichzeitig, und meine Sehnsucht nach der Vereinigung wuchs mit jedem Tropfen Blut, den ich mir zurück holte sowie mit jedem Zentimeter Haut, den ich berührte. Ich schloss die Augen und hörte nicht auf, sie mit meiner Zungenspitze zu kitzeln. Lediglich von ihrem Mund ließ ich ab und glitt langsam höher, zu ihrer Wange, ihrem Ohr, und als ich dort angekommen war, wisperte ich erwartungsvoll hinein: "Sag mir, was ich tun soll."

_________________
Bild


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags:
Verfasst: Do 6. Sep 2007, 14:38 
Benutzeravatar
Die Sucherin
Die Sucherin
Offline

Registriert: Sa 8. Okt 2005, 09:21
Beiträge: 54
Ihre Worte brachten mich zum Erbeben, rührten etwas an in mir, tief, tief in mir. Brachten es zum Kribbeln. Begannen mein Blut zu erhitzen.
Mein Blick, der sich sengend in Tahleahs versenkt hatte, glitt hinab zu ihrer Kehle und heftete sich dort auf ihren Pulsschlag, der mich wie eine glühende Signalspur lockte, mir Ekstase versprach, aber noch viel mehr Vereinigung mit meiner Geliebten, absolute Erfüllung ...!

Ich zögerte nicht länger - ich hatte es bislang ja ohnehin nur getan, weil ich Angst gehabt hatte, diese eine Hemmschwelle zu überschreiten, die mich bis dato davon abgehalten hatte, auch andere zu beißen. Die Hemmschwelle existierte jetzt nicht mehr, denn ich hatte bereits an den Kehlen anderer getrunken. Und nun hielt mich auch nichts mehr davon ab, es an Tahleahs zu tun.

Ich strich mein langes, schwarzes Haar auf eine Seite und beugte mich langsam zu Tahleah hinab. Sie legte ihren Kopf in den Nacken und bot mir ihren schutzlosen Hals dar, schloss die Augen halb, behielt mich aber weiterhin unter ihren Wimpern im Blick. Ich quittierte es mit einem kleinen Lächeln, das aber nur allzu schnell wieder schwand, als meine Lippen Tahleahs Haut berührten. Sie war kühl, nicht so warm wie meine, und sie war weiß, sehr weiß. Ich streifte sie sachte, streichelte sie mit meinen Mund. Dann tat ich das gleiche mit meiner Zungenspitze, ebenso, wie ich es zuvor an ihren Lippen getan hatte. Langsam liebkoste ich ihre seidige Kehle in kleinen Kreisen, die hin und her wanderten, genoss dabei das unglaubliche Gefühl der Vorfreude, das in mir immer drängender wurde und ließ mir trotz der Eile, in der Tahleah sich eben noch befunden hatte, Zeit mit ihr. Das hier war das erste Mal, das ich das tat - auch wenn ich es mir in Gedanken bereits oft genug vorgestellt hatte. Ich wollte es nicht durch Hast zerstören, sondern mich ganz dem Augenblick widmen. Mich ganz Tahleah widmen, für die es wunderschön sein sollte, damit sie es nicht bereute, sich so auf mich eingelassen zu haben.
Und so beschäftigte ich mich noch eine ganze Weile lang damit, mit meiner Zungenspitze sachte ihren Hals entlang zu fahren, dabei gleichzeitig mit meinen Händen über ihren schönen, kühlen Körper zu gleiten, der dank des Morgenmantels, den sie getragen hatte, schnell entblößt gewesen war und die Erregung, von der ich hoffte, dass sie Tahleah inzwischen ergriffen hatte, so noch auf sehr sterbliche Art zu steigern. Obwohl ich als Sterbliche niemals so weit gegangen wäre, ihren nackten Körper zu liebkosen.
Tahleah dankte es mir mit einem Zittern, das sie durchlief und das - so hoffte ich jedenfalls - ein Zeichen dafür war, wie sehr sie mein Tun genoss. Ich fuhr also damit fort, streichelte und umfing fast schon ehrfürchtig eine ihrer runden, weißen, makellosen Brüste, und in dem Moment, wo ich verspielt in ihre rosige Spitze kniff, drückte ich meine Zähne mit sanfter Gewalt durch ihre Porzellanhaut hindurch und grub sie tief in ihre Halsschlagader. Das Blut, das zum Teil ihr eigenes war, zum Teil Marius und zum Teil mir gehörte, sprudelte mir entgegen, füllte meinen Mund heiß und süß und versetzte mich in einen wahren Rausch der Sinne. Tief aufstöhnend trank ich es, als wäre es der köstlichste Wein, erschauerte heftig dabei, schloss verzückt die Augen und sog und trank weiter. Doch war der Geschmack allein schon unglaublich, dann gab es für die Empfindungen, die mich auf einmal bestürmten und die ganz gewiss nicht nur meine eigenen waren, keine Worte mehr. Ein weiteres Mal stöhnte ich auf und erbebte unter der Gewalt der Gefühle - und dann ergab ich mich ihnen, gab meine Selbstbeherrschung auf, schob meine Hände unter Tahleahs Arme und hob sie mir mit einem Ruck entgegen. Und fuhr daraufhin fort, lustvoll stöhnend an ihrer Kehle zu saugen - unvergleichbar leidenschaftlicher und zügelloser.

_________________
Bild


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags:
Verfasst: Do 6. Sep 2007, 15:16 
Benutzeravatar
Die Sucherin
Die Sucherin
Offline

Registriert: Sa 8. Okt 2005, 09:21
Beiträge: 54
Ich hatte so etwas noch nie erlebt. Obwohl mir während dieser unglaublich lustvollen Vereinigung mit Tahleah andere Momente in Erinnerung kamen, in denen ich mich vor Verlangen und Liebe ähnlich aufgelöst hatte. Doch nicht so, nicht in diesem Maße. Nicht so absolut vollkommen, denn nie zuvor hatte ich im Gleichklang mit jemandem gelebt, gefühlt und geliebt. Es war wie eine Offenbarung. Ein Einswerden mit der Person, die ich am meisten liebte. Es war einfach unbeschreiblich, ganz so, wie Tahleah es mir vorausgesagt hatte, und jetzt, wo das Eis bei mir gebrochen war, wusste ich ganz genau, dass das hier zwar das erste, aber nicht das letzte Mal war, dass ich das machte.

Ich weiß nicht, wie lange wir so ineinander verschlungen gewesen waren - mit unserern Körpern, unserem Blut und unseren Seelen - aber als wir uns irgendwann matt und gesättigt voneinander lösten, schwebte ich im siebten Himmel! Tief durchatmend blickte ich zur Decke, glaubte aber, den Himmel und die Sterne zu sehen und ließ mich von der angenehmen Schwere tragen, die derjenigen glich, welche ich früher nach einem Liebesakt mit heftigem Höhepunkt empfunden hatte. Das soeben Erlebte brachte auch diese Erinnerung zu mir zurück. Doch damit gleichzeitig das Wissen, dass alle Befriedigung, die ich als Sterbliche erfahren hatte, nichts war im Vergleich zu dem, was Unsterbliche einander schenken konnten. Was Tahleah mir geschenkt hatte!
Mit einem seligen Lächeln drehte ich den Kopf und sah Tahleah überglücklich an. "Ich liebe dich so sehr", hauchte ich ihr zu und streichelte ihre schönen Züge mit meinem glitzernden Blick. Und: "Merci, mon amour. Für alles!"

_________________
Bild


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags:
Verfasst: Do 6. Sep 2007, 21:42 
Benutzeravatar
Flegelhafter Prinz
Offline

Registriert: Sa 8. Okt 2005, 09:18
Beiträge: 48
Es gibt wohl kaum etwas Sinnlicheres für einen Vampir als den Blutkreislauf mit jemandem zu teilen. Nichts Erregenderes. Außer vielleicht, zwei anderen Vampiren dabei zuzusehen, so wie ich es gerade getan hatte. Und oh, es hatte meine ganze Selbstbeherrschung gefordert, mich weiterhin im Hintergrund zu halten und meine Anwesenheit nicht zu verraten. Denn am liebsten, das will ich ganz ehrlich zugeben, hätte ich mich zu den beiden hinzugesellt und noch ein wenig altes Blut hinzugesteuert. Was für Tahleah wie für Yaelle ja nur eine Bereicherung gewesen wäre!
Aber mir war natürlich klar gewesen, wie Tahleah darauf reagiert hätte. Sie konnte mich aus irgendeinem unerfindlichen Grund nicht leiden, weshalb sie es ganz sicher nicht zu schätzen gewusst hätte, wenn ich aus der trauten Zweisamkeit eine ebenso traute Dreisamkeit gemacht hätte. Abgesehen davon hätte sie bestimmt eifersüchtig reagiert, wenn ich mich ihrer kleinen Yaelle gewidmet hätte. Tahleah war ganz einfach nicht der Typ, der gerne teilte. Um meiner Aufgabe Willen hatte ich also auf das prickelnde Vergnügen verzichtet, das sich mir hier geboten hatte und mich weiterhin in Schatten gehüllt. Und das sollte sich auch nicht ändern, als Tahleah und Yaelle schließlich mit ihrem Gepäck in der Hand das Schlafzimmer verließen und sich zum Flughafen aufmachten. Ich folgte ihnen unbemerkt - und dachte bei mir, dass ich bei meiner Landung auf demselben nicht damit gerechnet hätte, ihn so schnell wiederzusehen.

_________________
Bild


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags:
Verfasst: Fr 7. Sep 2007, 22:24 
Benutzeravatar
Die Sucherin
Die Sucherin
Offline

Registriert: Sa 8. Okt 2005, 09:21
Beiträge: 54
Das Haus war wundervoll, mit seinen großen, offenen Fenstern, durch die der Nachtwind sanft herein wehte und den Geruch des Sommers mitbrachte. Jede Kleinigkeit nahm ich in mir auf - die gediegene Einrichtung, die wehenden, zarten Gardinen, die lebendig tanzenden Schatten an der Wand - und stellte fest, dass ich das alles liebte. Weil es Tahleah war, was ich hier sah und nicht Marius. Weil wir hier alleine waren, sie hier mir gehörte und mir das unglaublich gut tat. Ich erkannte es erst jetzt, wo wir hier waren, dass ich Marius nicht nur deshalb abgelehnt hatte, weil er mächtig war und stets eine kühle Distanz zu allem wahrte, sondern auch, weil ich eifersüchtig gewesen war. Weil ich wusste, dass Tahleah ihn liebte und er sie und ich mich unterschwellig immer gefragt hatte, ob sie vielleicht auch ihr Blut miteinander teilten, während ich abwesend war.
Jetzt war diese Gefahr nicht mehr gegeben, und das war gut so. Aber ich war noch aus einem anderen Grund froh, hier zu sein, und der hatte nichts mit Tahleah zu tun, sondern mit der Erinnerung, die mich in der letzten Nacht im Park heimgesucht hatte - die Erinnerung an meinen sogenannten Schöpfer. So lange ich in La Rochelle geblieben wäre, wäre mir diese Erinnerung immer präsent gewesen. Aber hier, das fühlte ich, würde ich ihn vergessen können. Mit Tahleahs Hilfe, ihrer Liebe, würde ich über dieses Schwein hinweg kommen, das mich einfach so zum Spaß zur Vampirin gemacht und dann wie eine heiße Kartoffel fallen gelassen hatte!
"Es ist so schön hier", schwärmte ich glücklich, drehte mich zu Tahleah um und strahlte sie an. "Wunderschön! Können wir hier bleiben? Ich möchte nicht zurück nach Frankreich. - Bitte!"

_________________
Bild


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags:
Verfasst: Fr 7. Sep 2007, 22:55 
Benutzeravatar
Die Sucherin
Die Sucherin
Offline

Registriert: Sa 8. Okt 2005, 09:21
Beiträge: 54
Gebannt hörte ich Tahleah zu und fügte all das, was sie mir erzählte, dem hinzu, was ich durch unseren Blutkreislauf bereits erfahren hatte. Was eigentlich nicht viel gewesen war, zum Beispiel hatte ich nicht gewusst, dass Tahleah die Wiedergeburt einer ägyptischen Hohepriesterin war. Was ich unglaublich spannend fand, geradezu faszinierend ... und so unglaublich passend! Ja, Tahleah hatte etwas hoheitsvolles, das sehr gut zu einer Priesterin passte. Ich konnte sie mir sehr gut in einem Tempel vorstellen. Und so schrecklich ich mein Dasein als Vampirin auch fand, ich war froh, dass sie sich dazu entschieden hatte, eine zu werden, denn anderenfalls wäre sie vielleicht in absehbarer Zeit gestorben - wenn sie denn ein Kind bekommen hätte. Davon, dass ich sie sonst niemals kennengelernt hätte und nun auch niemanden hätte, der mir helfen würde, mit meinem neuen Leben zurecht zu kommen, ganz zu schweigen.

"Also so ist das", bemerkte ich schließlich, als Tahleah mit ihrem Bericht zum Ende gekommen war. "Und weiß Marius davon?"
Irgendwie wünschte ich mir das gerade ... dass Marius' Interesse an Tahleah nur in ihrer Vergangenheit begründet lag und nicht unbedingt an ihr selbst. Ich hatte Angst, sie zu verlieren und hoffte jetzt darauf, einen Konkurrenten weniger zu haben.

_________________
Bild


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags:
Verfasst: Fr 7. Sep 2007, 23:10 
Benutzeravatar
Die Sucherin
Die Sucherin
Offline

Registriert: Sa 8. Okt 2005, 09:21
Beiträge: 54
"Aber warum sollte mir etwas geschehen?"
Ich verstand Tahleahs Sorge um mich nicht. Es ging mir doch gut, nichts und niemand bedrohte mich. Und ich hatte jetzt auch bewiesen, dass ich -zumindest in Notfällen - in der Lage war zu jagen. Was machte sie sich denn jetzt Gedanken um mich?
Beruhigend lächelte ich sie an und drückte dabei ihre Hand.
"Ich habe mich nie wohler gefühlt, mon amour." Wenigstens konnte ich mich nicht daran erinnern. "Ich bin hier bei dir, und das ist alles, was zählt."

_________________
Bild


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags:
Verfasst: Fr 7. Sep 2007, 23:21 
Benutzeravatar
Die Sucherin
Die Sucherin
Offline

Registriert: Sa 8. Okt 2005, 09:21
Beiträge: 54
Mein Enthusiasmus erhielt einen ordentlichen Dämpfer, als Tahleah mich daran erinnerte, dass ich noch trinken musste. Nicht, dass mir das ein Angang war, im Gegenteil - Hunger hatte ich jetzt schon. Aber trinken bedeutete Jagd, und jetzt, wo ich einmal gezeigt hatte, dass ich es konnte, würde Tahleah sicherlich nicht wieder dazu übergehen, zwei Opfer zu schlagen, nur damit ich es nicht tun musste.
Ich lächelte schief, als sie sich mit mir drehte und machte gute Miene zum bösen Spiel.
"Ja, das werde ich. Ich freue mich schon darauf!"
Wenn die Jagd doch bloß schon vorüber wäre!

_________________
Bild


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags:
Verfasst: Fr 7. Sep 2007, 23:36 
Benutzeravatar
Die Sucherin
Die Sucherin
Offline

Registriert: Sa 8. Okt 2005, 09:21
Beiträge: 54
Ich war erleichtert, dass Tahleah mir die Bürde der Jagd abgenommen hatte, und ich hatte keine Skrupel, ihr Angebot anzunehmen, denn ich wusste, dass es stimmte, was sie gesagt hatte - sie jagte gerne, liebte es geradezu. Ich hasste es, und so waren wir ein gutes Team, wie ich fand.
Warm umwehte uns der Nachtwind, als wir gemeinsam durch die Luft flogen, um uns zu dem Ziel zu begeben, zu dem Tahleah unbedingt wollte. Und jetzt konnte ich den Flug genießen. Ich würde diese Nacht niemanden töten müssen.

_________________
Bild


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags:
Verfasst: Sa 8. Sep 2007, 00:25 
Benutzeravatar
Flegelhafter Prinz
Offline

Registriert: Sa 8. Okt 2005, 09:18
Beiträge: 48
An dieser Stelle muss ich mich endlich wieder einmal in Erinnerung bringen, damit hier nicht der Eindruck entsteht, das hier wäre Tahleahs Geschichte!
Sie ist es nicht.
Natürlich ist es meine Geschichte, auch wenn ich bislang nur den arroganten Schönlings beziehungsweise den Spanner gegeben habe. Keine Angst, das wird sich wieder ändern. Sie glauben doch wohl nicht etwa, dass ich mich mit so einer kleinen Nebenrolle zufrieden gebe?
Lediglich die Umstände zwangen mich damals, mich vorerst so bedeckt zu halten. Doch hatte die Sache natürlich auch ein Gutes, denn so erfuhr ich vielerlei Dinge, ohne dass ich auch nur einen Tropfen von Tahleah oder ihrer kleinen Geliebten getrunken hatte. Ich erfuhr nun aus Tahleahs Mund die Geschichte ihrer Vergangenheit und konnte so sicher sein, dass Marius mir nichts vorenthalten hatte. Ich erfuhr auch, wie schwach ihr Liebling Yaelle war und merkte mir das für künftige Gelegenheiten. Wenn Tahleah sich mir gegenüber weiterhin so ablehnend verhielt - und ich rechnete mit nichts anderem, obwohl es eigentlich unbegreiflich war - konnte ich mir meine Informationen immer noch bei Yaelle holen. Sie würde meiner Betörung nichts entgegenzusetzen haben, aber was immer sie aus Tahleahs Blut erfuhr, würde ich aus ihrem erfahren ... ein beruhigender Gedanke.

Muss ich noch erwähnen, dass ich den beiden Damen in die Nacht hinein gefolgt war, sie bei ihrer seltsamen Jagd begleitete und ihnen nun auch an Ramses' Statue Gesellschaft leistete? Ich hoffe nicht, denn wenn doch, kann ich mich nicht gerade einer intelligenten Leserschaft rühmen. Was schade wäre, denn in diesem Fall wäre selbst mein bisheriger kleiner Auftritt die reinste Verschwendung gewesen.

_________________
Bild


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Le Jardin Sauvage
Verfasst: Do 25. Sep 2008, 18:10 
Benutzeravatar
Irrlicht
Offline

Registriert: Sa 8. Okt 2005, 09:17
Beiträge: 1
Was stand denn heute auf dem Programm? Ich war kaum aufgestanden, als ich mich das fragte, denn es gab kaum einen Abend, an dem ich nicht auf irgend einer der zahlreichen Gesellschaften erschien. Natürlich diente das nur einem einzigen Zweck, nämlich meinen Abendbrottisch ein wenig aufzufrischen. Es war schon hilfreich, zu den oberen Zehntausend zu zählen. Dort ging ich ein und aus, und niemand würde jemals auch nur einen Verdacht gegen mich hegen. Obwohl ich mich weniger diskret verhielt, denn jeder meiner Auftritte war ein Ereignis. Ich sah auf meinen Terminkalender, welchen ich mit ins Badezimmer nahm und lächelte kalt. Heute war der Empfang von Monsieur Clairemont, einem Geschäftspartner meines Vaters. Zur Einführung seiner Tochter in die Gesellschaft von La Rochelle. Wenn das nicht eine überaus glückliche Fügung war, denn ich hatte bereits die Ehre gehabt, Mademoiselle Jeanette Clairemont kennen zu lernen. Durchaus sehr hübsch, diese Kleine. Dunkelhaarige Französin und sehr temperamentvoll. Sie würde ein überaus hitziges und köstliches Abendbrot abgeben. Ich hatte nicht vergessen, dass sie mich hatte abblitzen lassen. Einen Alexander Thornton lässt man nicht abblitzen, zumindest nicht ungestraft. Ich leckte mir über meine Lippen, und im Spiegel sah ich meine Fangzähne aufblitzen. Ich konnte den süßen Geschmack ihres unschuldigen Blutes schon förmlich auf der Zunge schmecken, aber bevor es so weit war, würde ich ihr erst einmal zeigen, zu was ein Alexander Thornton in der Lage war. Ein kaltes Lächeln umspielte meine Lippen, und nachdem ich noch einen Blick in den Spiegel geworfen hatte, machte ich mich auf den Weg, das Haus, das ich zur Zeit bewohnte, zu verlassen. Es war aber auch zu nett gewesen, dass Monsieur Aubin dem Sohn seines Geschäftsfreundes seine Villa überlassen hatte, während er selbst in Monte Carlo weilte. Auf die Angestellten hatte ich verzichtet mit der Begründung, dass ich mich ganz in Ruhe meinen Studien widmen wollte, und Monsieur Aubin hatte eingewilligt und sein Personal in Urlaub geschickt. Ich zog mir frische Sachen an und betrachtete mich noch einmal im Spiegel des Kleiderschranks. Wie immer war ich überaus gut gekleidet, denn darauf legte ich auch als Vampir viel Wert.

Ich war 24 Jahre alt gewesen, oder besser gesagt, ich war es noch, denn ich würde niemals mehr altern und niemals mehr krank werden. Ich bin ein Vampir und ich bin es gerne. Vor ein paar Jahre fand mich mein Schöpfer und beschloss, mich zu einem Vampir zu machen. Bis dahin hatte ich das Glück, das ausschweifende Leben des Sohnes eines reichen Industriemagnaten zu leben. Mein Vater war ein millionenschwerer Mann, der sich in seinem Erfolg sonnte und dem es egal war, was ich anstellte. Was immer ich machte, er hatte eine Entschuldigung dafür. Und nein, er wusste nicht, was mit mir geschehen war. Das hatte ich erfolgreich vor ihm verheimlichen können. Da ich vorgab zu studieren und es mich von New Orleans nach New York und schließlich hierher geführt hatte, hatte ich nur selten Kontakt mit meinem Vater. Er bezahlte mein ausschweifendes Leben und wenn meine Mutter auf die Idee kam zu widersprechen, so antwortete er stets mit den Worten: „Lass den Jungen sein Leben genießen. Er muss noch früh genug ran und die Firma übernehmen.“ Mir passte das hervorragend in den Kram, denn so standen mir Tür und Tor offen, auch wenn ich finanziell längst nicht mehr von meinem Vater hätte abhängig sein müssen. Es war in New Orleans gewesen, als ich meinen Schöpfer getroffen hatte. Ihm hatte wohl meine Skrupellosigkeit und Boshaftigkeit gefallen, die ich durchaus an den Tag, oder besser gesagt, an die Nacht legen konnte. Unendliche Macht und ewiges Leben hatte er mir versprochen. Darüber hinaus hatte er mir demonstriert, welche Kräfte ich erlangen konnte und welche Macht ich über die Menschen hatte. Ich hatte nicht lange gezögert. Das einzige Dumme daran war die Sache mit der Sonne. Das hatte mich zögern lassen, aber wer brauchte schon die Sonne, wenn er unendliche Macht erlangen konnte? Das war nun zwei Jahre her und ich genoss mein neues Leben in vollen Zügen. Nachdem ich mich durch die Gesellschaft von New Orleans gemordet und schließlich auch in New York nicht abstinent gelebt hatte, hatte ich meinem Schöpfer den Rücken gekehrt und beschlossen, auf eigenen Füßen zu stehen. Deutlicher ausgedrückt ... ich hatte ihn umgebracht, weil er mich nicht hatte ziehen lassen wollen. Ich hatte ihn in eine Falle gelockt und in Brand gesteckt und zugesehen, wie er elendig krepiert war. Dann hatte ich mich nach La Rochelle begeben, um hier mein Unwesen zu treiben. Es war einfach herrlich, wie naiv die Menschen doch waren und wie schnell die jungen Frauen der oberen Gesellschaft meinem Charme erlagen.

Ich verließ die Villa und hatte mich für die heutige Nacht für den kleinen roten Sportwagen entschieden. Ein Porsche Cabriolet, angemessen für Alexander Thornton und für meine Zwecke genau richtig. Mit dem Schlüssel in der Hand stieg ich in den Wagen, startete den Motor und brauste mit einer höllischen Geschwindigkeit los. Ein Druck mit meinem Finger auf die Musikanlage des Wagens und die rockigen Klänge einer amerikanischen Band dröhnten mir entgegen. Kalt auflachend fuhr ich der Villa von Monsieur Clairemont entgegen, wo das Fest bereits in vollem Gange sein würde. Ich bereitete mich innerlich auf meinen Auftritt vor und lachte laut auf.
Meine liebe Jeanette, feier deine Einführung in die Gesellschaft. Ich werde dich ihr dann wieder entreißen .... für immer .... und ewig.

_________________
Bild


Nach oben
 Profil  
 
 Betreff des Beitrags: Re: Le Jardin Sauvage
Verfasst: Sa 21. Nov 2009, 00:14 
Benutzeravatar
Irrlicht
Offline

Registriert: Fr 20. Nov 2009, 21:57
Beiträge: 1
Mit steifen Schritten verließ ich das Polizeipräsidium von La Rochelle. An der frischen Luft angelangt, atmete ich erst einmal tief durch und schloss für einen Augenblick meine Augen. Gab es Momente im Leben die absolut paradox waren? Ich hatte gerade so einen Augenblick erlebt. Zugleich den schlimmsten und erleichterndsten Moment in meinem Leben hatte mir die Polizei beschert. Ich hatte eine Leiche identifizieren müssen. Die Leiche einer jungen Frau, welche einer vermissten Person sehr ähnlich gesehen hatte. Ich hatte diese Person als vermisst gemeldet und war noch nie in meinem Leben so erleichtert gewesen, als ich hatte feststellen müssen, dass die tote Frau auf dem Seziertisch nicht die Frau war, die ich nun schon seit drei Wochen verzweifelt suchte.
Yaelle war spurlos verschwunden. Die Frau meines Lebens, meine Verlobte, die ich in ein paar Wochen heiraten wollte.

Als ich vor drei Wochen von einer kurzen Geschäftsreise zurück gekommen war, war sie einfach so weg gewesen. All ihre Sachen waren noch in ihrer Wohnung gewesen. Nichts hatte darauf hin gedeutet, dass sie verreist war. Niemand hatte sie gesehen. Ihre beste Freundin Catherine hatte nichts von ihr gehört, geschweige denn mit ihr gesprochen. Keiner unserer anderen Freunde hatte sie gesehen und wusste irgend etwas darüber, dass sie La Rochelle verlassen hatte. Sie war auf einer kleinen Party bei Catherine und ihrem Mann Pierre gewesen und hatte diese mitten in der Nacht verlassen. Seitdem hatte man sie nicht wieder gesehen. Als ich den Flughafen von La Rochelle vor drei Wochen verlassen hatte, hatte ich sofort versucht sie anzurufen, aber sie hatte sich nicht gemeldet. Da es bereits sehr spät gewesen war, hatte ich keinen Verdacht geschöpft, denn immerhin war es mitten in der Woche gewesen und Yaelle hätte am nächsten Tag arbeiten müssen. Also war ich in meine Wohnung gefahren und hatte mich erst einmal schlafen gelegt. Aber am nächsten Morgen hatte ich sofort wieder versucht, sie zu erreichen und wieder war sie nicht an ihr Handy gegangen. Ich hatte daraufhin im Büro angerufen und erfahren, dass sie dort seit drei Tagen nicht aufgetaucht war und dass man nicht wüsste, was geschehen war. Yaelle hatte sich nicht krank gemeldet und auch keinen Urlaub eingereicht. In Windeseile hatte ich meine Wohnung verlassen und war zu ihrer gefahren. Wir wohnten noch nicht zusammen, weil wir nach einer ganz speziellen Wohnung für uns beide gesucht hatten und auf meinem Tisch häuften sich die Angebote eines Maklers, die wir uns in dieser Woche zusammen hatten ansehen wollen. Natürlich hatte ich einen Schlüssel zu ihrer Wohnung und als ich dort ankam, hatte ich festgestellt, dass all ihre Sachen noch vorhanden waren. Der Kleiderschrank war nicht leer geräumt und auch sonst hatte nichts darauf hingedeutet, dass sie abgereist war.
Den ganzen Tag hatte ich damit verbracht, Leute zu befragen. Ihre Nachbarn, unsere Freunde, ihre Arbeitskollegen. Ich war bei Catherine gewesen, die sich große Sorgen machte und völlig aufgelöst war, als ich ihr gesagt hatte, dass Yaelle bereits seit drei Tagen verschwunden war. Sie hatte mir eine Liste mit allen Partygästen erstellt und hatte aber direkt erwähnt, dass noch ein paar andere Gäste anwesend gewesen waren, die von geladenen Gästen mitgebracht worden waren. Sie hatte nicht alle gekannt und auch nicht alle Namen behalten.
Ein paar Tage später hatte ich einen Privatdetektiv engagiert und Yaelle auch bei der Polizei als vermisst gemeldet. Aber Yaelle blieb vom Erdboden verschwunden. Niemand hatte sie gesehen, etwas von ihr gehört. Es gab nicht die geringste Spur und ich war dementsprechend verzweifelt. Aber ich hatte nicht aufgegeben und so war ich heute sofort zum Präsidium gefahren und hatte dort die Leiche der Frau identifiziert, welche man im Park gefunden hatte. Es war nicht Yaelle und die Erleichterung war unendlich groß gewesen.

Wie oft würde ich das noch tun müssen, nur, um irgendwann doch eine tote Frau als Yaelle zu identifizieren und dann mit der Gewissheit leben zu müssen, dass die Frau, die ich über alles liebte, tot war? Das war jetzt das erste Mal gewesen. Aber wie viele Male würden noch folgen? Als der Anruf der Polizei mich erreicht hatte, und sie mir gesagt hatten, dass es möglich wäre, dass sie Yaelle gefunden hätten, war ich fast verrückt geworden vor Schmerz. Ich war völlig fertig gewesen und mir waren allerlei Horrorszenarien durch den Kopf gefahren. Ich holte ein Päckchen Zigaretten aus meiner Manteltasche und zündete mir eine an. Yaelle hatte es vor einem Jahr geschafft, mich davon abzubringen und seit sie verschwunden war, hatte ich wieder damit angefangen. Ich saugte den Rauch tief in meine Lungen und blies ihn in die kühle Nachtluft hinaus. Mit einer Hand strich ich mir eine lose Haarsträhne aus dem Gesicht und machte mich auf den Weg zurück zu meinem Wagen. Morgen würde ich wieder ins Büro fahren und wieder würde ein Tag beginnen, an dem ich erneut hoffte, dass Yaelle wieder auftauchte. Eigentlich hätte ich morgen zu einem Kundentermin nach Paris fliegen sollen, aber ich hatte Jean gebeten, für mich einzuspringen. Er hatte sofort zugesagt, weil er wusste, was los war und hatte mir versichert, dass ich mir um den Auftrag keine Sorgen zu machen brauchte. Ich arbeitete für eine Firma, die neueste Technik aus allen möglichen Bereichen verkaufte. Ich war Juniormanager für den Bereich der medizinisch-technischen Geräte und präsentierte sie in der ganzen Welt andern Firmen. Ich hatte schon einige sehr lukrative Aufträge an Land gezogen und der Auftrag in Paris wäre der nächste große Auftrag für Groupe-Dupont gewesen. Aber im Augenblick interessierte mich meine Arbeit kaum noch. Alles, was ich wollte, war, Yaelle wieder zu finden.

_________________
Bild


Nach oben
 Profil  
 
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 75 Beiträge ]  Gehe zu Seite Vorherige  1 ... 3, 4, 5, 6, 7  Nächste

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde [ Sommerzeit ]


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast


Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst keine Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du darfst keine Dateianhänge in diesem Forum erstellen.

Gehe zu:  


Monstersmilies


cron
Powered by phpBB® Forum Software © phpBB Group
Deutsche Übersetzung durch phpBB.de