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Verfasst: Mi 26. Sep 2007, 19:23 
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Irrlicht
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Flug zurück nach New York, kurzer Zwischenstop in Walshs Villa, Klunker deponieren, umziehen, Vorbereitungen für den nächsten Coup treffen - manche würden Stress dazu sagen, für mich war es mein Leben. Es gab nichts, was mich mehr anmachte und zugleich mehr entspannte. Besser als Sex, besser als Drogen.

Um Punkt sieben Uhr ging dann der Vorhang für die nächste Show auf. Jaques-Henri Brunauld, Besitzer mehrerer Mode- und Sportlabel, Kosmetikgigant, Multimillionär ... ein hässlicher, kanadischer Zwerg mit Halbglatze und Bauchansatz, der dank seiner Kohle von den Oberen Zehntausend hofiert wurde und dem die schönsten Weiber scharenweise vor die Füße sanken. Inklusive seiner eigenen, eine schwarzhaarige Latina mit scharfen Kurven - ehemalige Miss Mexico, die ihren Titel abgeschossen hatte, weil sie sich kurz nach ihrer Krönung vom Playboy hatte ablichten lassen. Krone weg, dafür aber war der Zwerg auf sie aufmerksam geworden. Sicher keine Verschlechterung für die chica.
Tja, das war es, was uns heute abend erwartete. Das und ein stinklangweiliger Empfang mit stinklangweiligen, reichen Säcken - nur gut, dass ich meinen scheißunbequemen Armani-Anzug nicht lange würde tragen müssen! Rein in die gute Stube, bisschen Smalltalk, Häppchen Kaviarcracker und Schlückchen Champagner, und dann würde Walsh sein Ding drehen und sich die Kette holen. Die in der Hand zu halten, würde mich danach für die 'Zwangsarbeit' entschädigen. Dann würden Walsh und ich auf unsere Art feiern. Und dabei würde dann keiner vor Langeweile einschnarchen. Dann würde aber die Post abgehen!

Tief durchatmend betrat ich nach Walsh die Villa und gab meine Visitenkarte ab - Roux Dulane, mein richtiger Name, den man mit dem biederen, erfolgreichen Geschäftsmann verband, den ich in der Öffentlichkeit gab. Ich besaß zwar auch eine Menge falscher Identitäten, doch die wurden nur ausgepackt, wenn ich arbeitete. Ich achtete peinlich darauf, dass nichts den Namen Roux Dulane beschmutzte.
Und dann befanden wir uns mitten im Getümmel
Geigengedudel von einem kleinen Liveorchester, Geplapper, albernes Gekicher und ein Buffet, das unter der Last der beladenen Silberplatten fast zusammenklappte. Und das alles in einer stuckverzierten Halle, in der locker ein Airbus Platz gehabt hätte und in der sich momentan die gesamte New Yorker Schickeria tummelte, sich gegenseitig begaffte und übereinander herzog und klar machte, dass es zwar für eine Menge Schotter gereicht hatte, aber für Anstand nicht mehr. Ich seufzte in Gedanken auf, als ich sah, wie sich die Blicke mehrerer gelifteter, grell geschminkter Schreckschrauben auf Walsh und mich hefteten, als wären wir Schokotoffees - leider war es auch hier so, dass Geld nicht unbedingt schöner machte.
"Lass uns das Ding so schnell wie möglich durchziehen", raunte ich meinem Kumpel zu, während ich einen Schluck eiskalten Champagner nahm und einer auftoupierten Blondine, die bereits mit einem weißgebleichten Zahnpastalächeln auf uns zugeschossen kam, abweisend den Rücken zudrehte. "Das 'Sixties' hat seit letztem Wochenende wieder auf. Da sind die Appetithäppchen alle mindestens zwanzig Jahre jünger!"

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Verfasst: Mi 26. Sep 2007, 21:46 
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Diebische Elster
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"Bist du fertig, Liebling?"
Ich verdrehte ansatzweise die Augen, während ich fortfuhr, mein langes, schwarzes Haar zu bürsten - ich würde es heute offen tragen und nicht, so wie sonst zu solchen Anlässen, kunstvoll hochgesteckt. Offen passte es einfach besser zur Art der Kette, die ich präsentieren sollte, denn immerhin war es eine alte Aztekenkette, eine Indianerkette also, und wer hatte schon je davon gehört, dass Indianerinnen sich die Haare hochgesteckt hätten?
"Ich komme gleich", antwortete ich Jacques mit einem Anflug von Gereiztheit und legte die Bürste beiseite. Ich trug noch ein wenig Rot auf meine Lippen auf, dann erhob ich mich und strich mein eng anliegendes, schwarzes Seidenkleid glatt, das sich wie eine zweite Haut an meinen Körper anschmiegte. Daraufhin verließ ich mein Schlafzimmer und begab mich in Jaques', damit er mir dort die Kette - das Highlight des heutigen Abends - umlegen konnte.
"Du siehst hinreißend aus, mein Schatz!", japste mein Göttergatte und ließ seinen hungrigen Blick an mir auf- und abwandern. 'Wenn ich das doch auch von dir sagen könnte', fuhr es mir sarkastisch durch den Kopf.
"Die Kette?", zog ich es vor, das Thema zu wechseln und strich mir das Haar auf eine Seite.
"Kommt sofort, mein Engel."
Wenn er es doch bloß lassen würde, jeden Satz an mich mit einem Kosewort zu beenden. Wie ich das hassen konnte!
Ich hörte, wie er hinter mir den Safe öffnete, drehte mich aber nicht zu ihm um. Einen Augenblick später legten sich glatte, kühle Steine auf meine warme Haut und bedeckten das tiefausgeschnittene Dekolleté meines schwarzen Abendkleids mit kostbarem Lapislazuli. Aber ich spürte auch Jacques' Fingerkuppen an meinen Schultern und unterdrückte ein angewidertes Schaudern.
"Gracias", flötete ich gespielt gut gelaunt und löste mich sogleich von meinem mehr als fürsorglichen Mann. Ich drehte mich, als ich zwei Schritte Abstand zwischen ihn und mich gebracht hatte, zu ihm um und bedachte ihn mit einem Lächeln, von dem ich wusste, dass er noch in der nächsten Nacht davon träumen würde. Als ich mich aber mit einem "Bueno, dann wollen wir mal" wieder von ihm abwandte, hatte das Lächeln sich längst wieder verabschiedet. Ich kehrte in mein Schlafzimmer zurück und rief nach meinen Lieblingen - Pepita, Yiffy, Bozo und Ray, meine weißen Königspudel und Zazou, meinem kleinen Yorkshire, den ich zu solchen Anlässen stets auf dem Arm zu tragen pflegte und das auch heute zu tun gedachte. Die Hunde sprangen aus ihren mit Kaninchenfell ausgelegten Körbchen und liefen schwanzwedelnd auf mich zu, und nachdem ich meinen kleinen Babies mit ein paar Streicheleinheiten verwöhnt hatte, bückte ich mich nach Zazou, hob ihn hoch und verließ mit der kleinen Meute Hunde meine Räumlichkeit.
Jacques hatte im langen Korridor vor den Schlafzimmern auf uns gewartet und hielt mir nun galant seinen Arm hin. Ich hakte mich bei ihm ein, und gemeinsam schritten wir die breite Treppe zur Halle hinunter, um den Gästen das zu präsentieren, was Jacques für sein kostbarstes Besitztum hielt: Seine Frau und das Artefakt.

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Verfasst: Mi 26. Sep 2007, 22:41 
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Diebische Elster
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Aller Augen ruhten auf uns. Nicht nur bei unserem Erscheinen, sondern auch weiterhin, und diesmal galt die Aufmerksamkeit nicht nur mir, sondern auch der Kette. Heute wohl vor allem der Kette.
Ich konnte damit leben.
Die Zeiten, wo ich mich darüber gefreut hatte, das Interesse anderer zu wecken, hatte sich an dem Tag verabschiedet, an dem ich mir ein Hobby zugelegt hatte, bei dem ich gerade das Interesse anderer nicht gebrauchen konnte. Und so gönnte ich dem Artefakt die Aufmerksamkeit und ging dabei in Gedanken durch, wie die kommende Nacht aussehen würde. Auch während ich bekannte Gesichter begrüßte und von Jacques unbekannten vorgestellt wurde. Ich hatte Übung darin, mit dem Körper präsent zu sein und mit meinem Geist in vollkommen anderen Sphären zu schweben. Das war einfach notwendig, wenn man sich in seiner Freizeit mit Dingen beschäftigte, wie ich es tat - oder mit einem Mann verheiratet war, den man der Form halber alle Vierteljahre einmal über sich drüber rutschen lassen musste.

Auch, als unser kleiner Begrüßungsrundgang uns zu den Senores Walsh und Dulane führte, war ich geistig abwesend, wenngleich ich die beiden Männer gleichbleibend freundlich lächelte. Jacques begann sich mit ihnen zu unterhalten, und ich blieb artig daneben stehen und tat so, als hörte ich zu. In Wahrheit aber bekam ich nicht ein Wort mit, das gewechselt wurde. Wieder zwei dicke Tiere im Big Business! Zwei, deren gut geschnittene Gesichter mir durchaus vertraut waren, denn ab und an flackerten sie über den Bildschirm oder man sah sie auf den Titelseiten der Finanzzeitungen. Aber gerade deshalb interessierten sie mich nicht die Bohne, denn in meinen Augen gab es nichts langweiligeres als solche Typen, die nur über Aktienkurse, Politik oder Finanzierungsmöglichkeiten sprachen. Da konnten sie noch so gut aussehen.
"Entschuldigen Sie mich bitte", verabschiedete ich mich dann auch bereits nach einer knappen Minute blöden Herumstehens und wandte mich, Zazou am Öhrchen kraulend, angeödet von dem Männertrio ab.
"Aber natürlich, mein Zuckerschnäuzchen", beeilte sich Jacques meinem Rücken zu versichern, dann hörte ich noch, wie er mich noch ein weiteres Mal bei Walsh und Dulane entschuldigte - ich verdrehte die Augen, weil ich es einfach widerlich fand, wie er sich bei diesen beiden Schlipsträgern trotz seines enormen Kapitals einschleimte. Und außerdem hatte er mich schon wieder mit einem Kosewort bedacht.

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Irrlicht
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Ich verzog mich schmunzelnd. Steak alleine essen? Weiber alleine beglücken? Wovon träumte Walsh eigentlich nachts?
Mein Weg führte mich wieder zum Eingang - im Slalom allerdings, weil ich darauf bedacht war, jeder reichen Tusse auszuweichen, die im Begriff war, weinselig auf mich zuzusteuern - und dann hatte Elvis das Gebäude auch schon verlassen.
Kleiner Spaziergang um Brunaulds Hütte herum, behender Wiedereinstieg durch eines der Parterrefenster, schließlich Durchmarsch zum Keller, in dem sich, wie ich wusste, die Sicherungen befanden.
Und einen Wimpernschlag später gingen auf der Fete über mir die Lichter aus.

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Diebische Elster
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"Du siehst wundervoll aus, Sara!"
"Das ist aber ein tolles Kleid! Chanel? Balenciaga?"
"Hast du dir den Busen liften lassen, Liebes? Er sieht so unglaublich straff aus!"
"Wie hübsch die rosa Ohrspitzen deiner kleinen Lieblinge aussehen! Wo hast du sie einfärben lassen?"
Ich lächelte allen gleichbleibend freundlich zu und unterdrückte dabei nur mit Mühe ein Gähnen. Alles hohle Nüsse um mich herum! Wenn man bei denen den Stöpsel ziehen würde, käme sicher nur heiße Luft heraus und übrig blieben leere Hüllen.
'Hässliche Hüllen', setzte ich noch gedanklich hinzu und schenkte einem von Jacques 'guten' Geschäftskollegen ein so zuckersüßes Lächeln, dass der sich prompt seinen Hemdkragen von seinem fetten, verschwitzten Hals wegzog, um sich mehr Luft zu verschaffen. Ich wettete darauf, dass er in diesem Moment mit seiner Hose am liebsten das Gleiche gemacht hätte, aber natürlich konnte er das in der Öffentlichkeit schlecht tun.
"Gehen Sie immer noch diesem ... Sport nach?", fragte der idiota mit heiserer Stimme.
"Das Freeclimbing, meinen Sie?", flötete ich lächelnd zurück und kraulte Zazou dabei am Schnäuzchen - Freeclimbing war nicht gerade ein angesehener Sport in meinen Kreisen, nicht so wie Golf oder Tennis oder Ski. Aber für mich war es die beste Übung, um fit zu bleiben und weiterhin meinem 'Hobby' nachgehen zu können.
Die Qualle, mit der ich gerade sprach, machte schon den Mund auf, um mir zu antworten, als es auf einmal mit einem Schlag zappenduster um uns herum wurde. Stromausfall .. nur noch die hohen Fenster ließen Licht ins Innere der Halle, und sogleich begannen einige der Weiber hysterisch zu kreischen, weil sie Angst im Dunkeln hatten.
Ich hatte keine Angst im Dunkeln - im Gegenteil, ich war wie eine Katze, die sich in der Dunkelheit erst richtig wohl fühlte und keinerlei Probleme hatte, sich darin zu bewegen. Doch das Wohlgefühl, das ich im Schutz der Finsternis normalerweise empfand, wurde gerade überlagert von einem anderen Gefühl - einem, das mich warnte und mir sagte, dass Stromausfälle auf Empfängen, auf denen millionenschwere Artefakte ausgestellt wurden, keine Zufälle waren.
Auf der Stelle wechselte ich meinen Standort, um einem eventuellen Langfinger keine Möglichkeit zu geben, nach meiner Kette zu grabschen. Ich stellte mich in eine abseitige Ecke, den Rücken zur Wand und setzte Zazou auf dem Boden ab. Dann nahm ich das teure Schmuckstück vom Hals und behielt es mit wachem Blick in der Hand. Wenn jetzt noch einer was versuchen wollte, musste er schon an mir und meinem Hund vorbei.

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Irrlicht
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Ich verzog mich auf die gleiche Weise aus Brunaulds Hütte, wie ich sie betreten hatte. Wenig später stand ich Zigarillo rauchend vor dem Eingang und wartete ab. Im Eingang tummelte sich Sicherheitspersonal, und alle sahen übernervös aus. Ich beschloss, dass es besser war, sich noch ein wenig frische Luft um die Nase wehen zu lassen, damit mein Weggehen und Wiederkommen nicht zeitgleich mit dem Stromausfall zusammenfiel.

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Diebische Elster
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Das Licht kam wieder, ohne dass ich eine fremde Hand an meinem Hals gespürt hätte. Ich legte die Kette wieder um, aber ich war immer noch misstrauisch und weit davon entfernt, an einen Zufall zu glauben.

Ein allgemeines Aufatmen ging durch den Saal - offenbar waren alle froh, dass sie ihre Cocktails und Hors d'Oeuvres wieder sehen konnten und sich nicht aus Versehen in die manikürten Finger bissen. Das Aufatmen ging allerdings nahtlos in ein entsetztes Kreischen über, und als ich den Blicken aller folgte, sah ich auch sofort, was - oder besser gesagt, wer - den nächsten Aufruhr verursacht hatte.
Meine Lieblinge!!
Tummelten sich auf und unter dem Buffet, patschten mit ihren Pfoten durch Crème Brulée und Sahnetorte, steckten ihre Schnauzen in Kaviarschalen und schleckten den Bowletopf leer.
"No! - No, no, no, no, no!!", rief ich aus, dann klatschte ich laut in die Hande und eilte auf meine Hunde zu. "Hört ihr wohl auf!? - Weg da! Wie ihr wieder ausseht!!!"
Das würde wieder einen ganzen Tag kosten, das Fell meiner Schätze auf Vordermann zu bringen. Und eigentlich hatte ich den morgigen Tag anders verbringen wollen als beim Hundecoiffeur.

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Irrlicht
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"Na endlich sind wir mal einer Meinung."
Mit einem Schmunzeln schnippte ich meinen Zigarillo beiseite und machte mich gemeinsam mit Walsh auf den Heimweg.
"Und? Hast du gesehen, was du sehen wolltest?"

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Irrlicht
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Ich zuckte mit den Schultern und grinste, während ich den Wagen in Richtung City steuerte.
"Ein Kilo Goulasch und ein paar Tütchen Schlafpulver .. vielleicht hast du ja Glück und die Ballermänner fallen genauso drauf rein wie die hässlichen Köter. Nennt man 'Zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen'."
Mein Grinsen wurde breiter, als ich aus den Augenwinkeln mitbekam, wie Walsh mich schief ansah.
"Komm schon .. darüber kannst du dir morgen noch gedanken machen! Jetzt wird gefeiert, Mann! Ein Ding pro Tag, das war unser Ziel. Und das hatten wir heute schon. Zeit, anders Dampf abzulassen!"
Ich konnte es kaum noch erwarten, mich im "Sixties" endlich unter die Meute zu mischen, mir ein paar Whisky in den Kopf zu hauen und was Süßes abzuschleppen. Ich fand, ich hatte mir das verdient. Wer hart arbeitete, der musste eben auch ab und zu mal abschalten.

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Irrlicht
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Walsh machte sich vom Acker und war wenig später in der Dunkelheit verschwunden. Jetzt kam mein Teil der Arbeit, und der musste funktionieren, ansonsten wäre mein Kumpel gleich geliefert. Ich hegte nämlich keinen Zweifel daran, dass er sich auf meine Zusage verlassen und in wenigen Minuten den Einstieg wagen würde. Und wäre die Alarmanlage dann noch nicht deaktiviert, wäre hier gleich der Teufel los.

Aber das würde nicht passieren, und John wusste das. Ich hatte ihn noch nie hängen lassen, egal, wie schwierig mein Job auch gewesen sein mochte. Dieser hier war es eigentlich nicht, schwierig. Aber er war ziemlich kurzfristig, und das machte ihn zu einer Herausforderung. Ich hatte mir innerhalb eines Tages einen Plan zurecht legen müssen, wie ich John heute Abend Zugang in die Brunauldsche Villa verschaffte, und mir war im Voraus klar gewesen, dass ich es würde vergessen können, irgendwo den Strom zu kappen. In Gegenden wie diesen, wo die dicken Bonzen lebten, bedeutete ein Stromausfall automatisch ein Anrücken von Sicherheitskräften, und darauf konnten wir verzichten.
Ich war anders vorgegangen, ein wenig unorthodoxer als gewöhnlich. Ich hatte mich noch während des Empfangs am Vorabend über den Namen des Hausdieners informiert, in der Nacht dessen Telefonnummer ausfindig gemacht und ihn heute morgen angerufen. Ziemlich distanziert war der Junge gewesen, aber nicht lange. Als er gehört hatte, was ich ihm zu sagen gehabt hatte, hatte ich seine volle Aufmerksamkeit gehabt. Zehntausend Dollar im Voraus, auf das Konto seiner Wahl, zwanzigtausend in bar diese Nacht um halb eins, in einem Briefumschlag direkt neben der Einfahrt ins Gebüsch gelegt - und dafür musste der Kerl nur um Punkt zwölf die Alarmanlage ausschalten und sie bis halb eins ausgeschaltet lassen. Leichtverdientes Geld und die sicherste Art und Weise, Walsh den Weg frei zu machen. Bedenken, dass der Kerl - Pete Savage mit Namen - nicht bestechlich sein könnte, hatte ich keine gehabt. Jeder hatte seinen Preis, und wenn er bei dreißigtausend nicht angebissen hätte, hätte ich eben noch was draufgelegt. Walsh und ich konnten es uns leisten und mussten nicht auf den Cent gucken. Auch, dass Savage die ersten zehntausend kassieren und uns danach auflaufen lassen könnte, hatte ich nicht angenommen. Ich hatte dem Jungen klar gemacht, dass ich mir das Geld genauso schnell wieder zurückholen und ihm dazu noch das ganze Konto leer räumen konnte, falls er auf den Gedanken käme, uns in die Scheiße zu reiten. Das hatte gewirkt. Und so hatte er schließlich angebissen, nachdem ich ihm eine Viertelstunde Zeit gegeben hatte, um sich bei seiner Bank über seinen neuen Kontostand zu informieren.

Gleich würde sich zeigen, wie geldgeil der Typ wirklich war. Optimistisch wie meist - nicht zuletzt, weil ich inzwischen ein Gefühl für solche Menschen entwickelt hatte und wusste, dass ich mich auf dieses Gefühl verlassen konnte - öffnete ich, nachdem Walsh 'zur Arbeit' gegangen war, das Handschuhfach und nahm besagten Umschlag heraus. Damit verließ ich den 'Leihwagen' und begab mich zu Fuß zur Einfahrt, trotz meines sicheren Gefühls mit wachsamem Blick, damit ich keine unliebsame Überraschung erlebte. Und als ich am Tor ankam, schlug die Uhr Punkt zwölf. Gleich würde es sich zeigen, ob ich die richtige Maßnahme ergriffen hatte.

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Verfasst: Fr 5. Okt 2007, 22:48 
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Diebische Elster
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Zazou knurrte leise, und ich war mit einem Schlag hellwach. Ich schlug die Augen auf und lauschte in die Dunkelheit hinaus, aber ich hörte nichts. Zazou hingegen offenbar schon, denn sein Knurren nahm kein Ende.
Ich richtete mich auf und bedeutete meinem neben mir liegenden Hündchen, still zu sein. Zazou hörte aufs Wort und verstummte, sah mich jedoch mit seinen schwarzen, glitzernden Augen aufmerksam an.
"Du bleibst hier!", flüsterte ich leise und hielt ihm mit eindringlichem Blick meinen Zeigefinger vor die Nase. Er schleckte kurz mit seiner kleinen, rosa Zunge daran, dann rollte er sich wieder zusammen und gab damit zu erkennen, dass er gewillt war, auch weiterhin ein braver Liebling zu sein.
"So ist es gut."
Ich lobte ihn genauso leise, wie ich ihn eben ermahnt hatte. Dann stand ich auf und griff nach meinem schwarzen, seidenen Morgenrock, den ich mir über mein gleichfalls schwarzes, seidenes Negligée warf. Daraufhin verließ ich auf nackten Sohlen lautlos mein Schlafzimmer und trat in den finsteren Flur hinaus, der nur durch ein einziges Bleiglasfenster erleuchtet wurde.
Alles war still, nichts ungewöhnliches war zu sehen. Und doch hatte Zazou leise angeschlagen. Wenn ich in meinem turbulenten Leben eines gelernt hatte, dann, nichts auf die leichte Schulter zu nehmen und Warnungen in den Wind zu schlagen. Mein Hund hatte ein sehr viel besseres Gehör als ich, und ich wäre eine dumme Nuss, wenn ich das ignorieren würde.
Unhörbar schloss ich die Schlafzimmertür hinter mir und blieb einen Moment lang unschlüssig stehen.
Wenn ein Einbrecher im Haus war, wo hielt er sich dann wohl auf?
Mir fiel nur ein einziger Ort ein, der dafür in Frage kam, und der lag zwar auf gleicher Ebene wie mein Schlafzimmer, jedoch am anderen Ende der Villa. Ich musste, um dorthin zu gelangen, den ganzen Flur entlang, an der Galerie vorbei, von der aus man in die Eingangshalle hinab sehen konnte und in den anderen Trakt des Hauses - manchmal stellte es sich eben als Nachteil heraus, dass unser Domizil so weitläufig war.
Ich beschloss, mich zu vergewissern, dass alles in Ordnung war und setzte mich in Bewegung. Der dicke, rote Teppich hätte meine Schritte wohl auch dann geschluckt, wenn ich Pumps angehabt hätte, aber barfuß machte ich erst recht kein Geräusch. Ich ging den Flur entlang, erreichte die Galerie und blickte geradeaus in den Flur des anderen Hausteils hinein, der ebenso lang war wie der, an dem mein Schlafzimmer und das meines Mannes lag.
Und da sah ich es!
Die Tür von Jacques' kleiner Schatzkammer stand einen Spaltbreit offen, und Licht drang in den Flur. Dass es im Inneren des Zimmers nicht dunkel war, war nicht ungewöhnlich, denn die Preziosen, die er darin aufzubewahren pflegte, wurden sogar desnachts angeleuchtet. Aber dass die Tür aufstand, das war verdächtig! Denn Jacques letzter Gang galt immer diesem Raum - in der Regel, nachdem er sich an meinem Raum eine Abfuhr abgeholt hatte.
Ich kniff die Augen zusammen und überlegte kurz. Würde ich jetzt um Hilfe rufen, würde der Kerl sofort abhauen. Würde ich zum nächsten Telefon gehen, könnte ich nicht mehr verfolgen, ob er das Zimmer verließ oder nicht. Gut möglich, dass er dann auch verschwand. Ich musste also selbst hinein, aber ich hatte keine Waffe, mit der ich den Typen würde in Schach halten können. Zumindest keine Schusswaffe ...
Mein Blick fiel auf einen auf einer Zierkommode stehenden silbernen Kerzenleuchter, und mein Entschluss war gefasst. Ich ging darauf zu, nahm ihn, dann näherte ich mich lautlos der offenen Schatzkammer und atmete tief durch. Daraufhin drückte ich die Tür sachte weiter auf, bis mein Blick auf eine schwarzgekleidete Gestalt fiel, die mir den Rücken zudrehte und gerade damit beschäftigt war, unsere Klunker einzusacken. Der Schmuck war mir egal. Im Gegensatz zu anderen Frauen meiner Stellung gab ich einen Scheißdreck darum, ebenso um den Wert, den diese Stücke besaßen. Was ich aber absolut nicht toll fand, war, dass dieser cabrón kackdreist durch unser Haus lief und sich selbst bediente. Das machte mich sauer, und darum scherte ich mich gerade nicht um die Möglichkeit, dass der Kerl vielleicht selbst bewaffnet sein könnte. Ich packte den Leuchter fester, schlich mich lautlos an den Sack an und hob meine Hand zum Schlag. Und dann ließ ich das schwere, silberne Ding auf den Schweinehund niedersausen - und es war mir scheißegal, ob ich ihm damit jetzt den Schädel einschlug oder nicht.

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„Aber mein Zuckerschnäuzchen, du kannst doch jetzt unmöglich zum Training gehen! Die Polizei kommt doch gleich.“
Ich schnaubte und bemühte mich dabei, meine Kopfschmerzen zu ignorieren.
„Glaubst du, ich sitz jetzt hier den ganzen Tag herum und warte darauf, dass diese Sesselfurzer sich endlich herbequemen?“
Sauer stopfte ich meine Trainingssachen in die Sporttasche - sauer aus vielerlei Gründen, einer davon sicherlich der, dass ich am Morgen mit einem Mörderschädel im Schatzkämmerlein meines Mannes aufgewacht war. Am Morgen erst! Und das nur, weil dieser Mistsack von Dieb hübsch säuberlich wieder die Vitrinen verschlossen und auch das Fenster hinter sich zugezogen hatte, nachdem er sich nach erfolgreichem Raubzug vom Acker gemacht hatte und darum der Alarm nicht losgegangen war! Erst, als ich nicht zum Frühstück erschienen war, war meinem Göttergatten aufgefallen, dass etwas fehlte – ich nämlich – und hatte sich auf die Suche nach mir gemacht! Das war heute definitiv ein Tag, an dem ich es bedauerte, mein Bett nicht mit ihm zu teilen.
„Aber Sara! Bitte .. nicht diese Gossensprache!“
Ich verdrehte die Augen und zog es vor, Jacques darauf nicht zu antworten. Manchmal vergaß er einfach, dass ich genau daher kam, aus der Gosse nämlich. Was man mir in der Regel nicht anmerkte, nur wenn ich wütend war, konnte ich meine Herkunft kaum verheimlichen.
„Ich bin im Climbing Center – für den Fall, dass Winter hier auftauchen sollte“, erklärte ich meinem Angetrauten mit finsterem Blick, schulterte meine Sporttasche und ließ Jacques einfach im Schlafzimmer stehen. Auf der Stelle folgte er mir.
„Aber Sara. Nun sei doch vernünftig! Du kannst jetzt nicht trainieren, du bist in der Nacht überfallen worden! Du musst dich schonen! Wenn dir die Polizei schon egal ist, dann denk wenigstens an dich selbst!“
„Das tu ich ja gerade!“
Ich eilte die breite Treppe in die Eingangshalle hinab und hielt schnurstracks auf die Haustür zu.
„Aber die Polizei wird sicher gleich kommen. Wenn du nur fünf Minütchen …“
Ich hörte nicht mehr, was ich in fünf Minütchen tun sollte, denn die Haustür fiel krachend hinter mir ins Schloss. Wenig später saß ich in meinem grünen Mini Cabrio und fuhr mit einer Stinkwut im Bauch auf die Straße hinaus. Einer Wut, die mir selbst galt, denn obwohl ich niedergeschlagen und beraubt worden war, obwohl mein Schädel hämmerte wie verrückt und ich heute sicher wieder einmal das unaussprechliche Vergnügen mit Zack Winter haben würde, kreisten meine Gedanken blöderweise nur um eines – um den Kuss, den dieser Mistkerl von Einbrecher mir letzte Nacht aufgezwungen hatte und der mir auch jetzt noch, Stunden später, weiche Knie bescherte.

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