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Verfasst: Fr 5. Okt 2007, 23:57 
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Irrlicht
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Irgendwie hatte ich es geahnt, dass Mistress Brunauld wieder einmal meine Selbstbeherrschung austesten würde. Auf die eine oder andere Art gelang ihr das jedesmal, wenn wir miteinander zu tun hatten - entweder, weil sie mir nur allzu deutlich bewusst machte, dass ich auch nur ein Mann war oder weil sie statt ihrer weiblichen Reize ihre Machtposition ausspielte und mich springen ließ.
Heute war ihr offenbar nach letzterem zumute gewesen, denn ich fuhr ihr gerade quer durch die City von New York hinterher, nur weil sie es sich in den Kopf gesetzt hatte, zum Freeclimbing zu fahren, anstatt damit zu warten, bis ich ihre Aussage aufgenommen hatte. Hätte ich nur irgendetwas gegen sie in der Hand, irgendetwas, dann hätte ich auf dieses Hinterherdackeln geschissen und sie ins Revier vorgeladen. Aber so ...

Es dauerte Dank des morgendlichen Berufsverkehrs eine gute Stunde, bis ich endlich am Climbing Center war, das ganz in der Nähe des nicht mehr existenten World Trade Centers lag. Ich parkte in zweiter Reihe - hier einen regulären Parkplatz zu finden war unmöglich - stieg aus und ging, nachdem ich die Wagentür ungehalten hinter mir zugeknallt hatte, auf das Center zu, in dem sich die Yuppies während ihrer Mittagspausen ihre feinen Drinks oder Dinner vom Vorabend abtrainierten. 'Oder ihre verwöhnten Gattinnen ihr Frühstück', fügte ich gedanklich hinzu, betrat das Gebäude und hielt dem Türsteher direkt meine Marke unter die Nase.
Er hob die Hände und machte bereitwillig den Weg frei. Ein Glück für ihn, denn ich hatte gerade eine verdammte Scheißlaune.
Einen Moment später betrat ich die riesige, immens hohe Climbinghalle und sah mich nach Madame um. Natürlich entdeckte ich sie nicht, denn selbst um diese frühe Uhrzeit wimmelte es hier nur so von Pseudosportlern, die eigentlich eher ihren Sportdress vorführten als wirklich körperlich aktiv zu sein.
"N.Y.P.D", erklärte ich dem nächsten Knilch, der mich danach fragen wollte, was ich hier zu suchen hatte und hielt auch dem meine Medaille unter die Nase. Der Typ - eine Schwuchtel in eng anliegendem, rosa T-Shirt und schwarzen Leggings - hob fragend seine gezupften Augenbrauen an.
"Ich suche Mistress Brunauld", erklärte ich schroff und musterte die Tunte dabei aus verengten Augen. Wie ich diese Typen hassen konnte. Die Schwuchtel brauchte einen Moment, um zu kapieren, was ich wollte, dann deutete sie ans Ende der Halle, wo diverse Kletterlinge an der Wand hingen und so taten, als wären sie sportlich.
Ich verzichtete darauf, mich bei der Tunte zu bedanken und schritt durch die Halle hindurch, kein Blick nach links oder rechts, sondern nur auf die Figuren an der Wand geheftet, von denen eine Sara Brunauld sein sollte. Es dauerte nicht lange, und ich hatte sie entdeckt. Sie hatte die Wand bereits zu einem Dreiviertel geschafft, allerdings war ich nicht gewillt zu warten, bis sie auch das letzte Viertel hinter sich gebracht hatte. Ich stützte eine Hand in die Hüfte und rief hinauf: "Mistress Brunauld? - Hätten Sie vielleicht die Güte und würden einen Augenblick herunter kommen?"
Sie hatte sie nicht - ich hatte nichts anderes erwartet. Sie warf nicht mal einen Blick in die Tiefe, um sich zu vergewissern, wer da was von ihr wollte. Natürlich nicht, sie wusste ja, dass ich ihr hinterher fahren würde. Sie hatte geschnipst, und ich war gesprungen. Und jetzt sollte ich hier wie bestellt und nicht abgeholt herumstehen, bis Madame sich bequemte, wieder herabzusteigen. Geschissen!
"Mam??? - N.Y.P.D!!", rief ich mit so lauter Stimme hinauf, dass man mich sicherlich noch bis in den letzten Winkel der Sporthalle hören konnte. "Ich würde Ihnen gerne ein paar Fragen stellen - Mistress Brunauld!!!"
Aha, das wirkte!
Ich sah, wie sie erstarrte, dann legte sie den Rückwärtsgang ein.
Na also! Warum nicht gleich so?

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Verfasst: Sa 6. Okt 2007, 01:20 
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Diebische Elster
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Ging das nicht noch lauter?
Ich biss die Zähne zusammen, als Winter laut herumposaunte, dass er von der Polizei war und auch meinen Namen nicht vergaß.
"Jódete! - Fick dich!", murmelte ich gepresst - und entschied mich für den schnellen Abstieg. Ich hakte mich in den nächsten Haken ein und ließ mich daraufhin am Sicherheitsseil im Expresstempo hinab. Nicht, weil ich so dringend Winters dezenter Bitte entsprechen wollte, sondern weil ich vemeiden wollte, dass er noch einmal quer durch die Halle brüllte und es dann auch wirklich der letzte idiota begriffen hatte, dass ich von der Polizei verhört werden sollte!
"Ich nehme an, Taktgefühl gehört nicht gerade zu den Voraussetzungen, die man mitbringen muss, wenn man Ihren Job ergreifen will, verdad?", fragte ich ihn schnippisch, als ich vor ihm landete und den Gurt von meinem Gürtel löste.
"Nein, nicht zwingend. Genauso wenig wie Geduld."
Winters Stimme klang immer noch verärgert, aber etwas in seinem Tonfall hatte sich verändert, klang fast ein wenig amüsiert - und ich lächelte in mich hinein, weil ich wusste, dass ich ihn schon wieder hatte. Das ging ja heute schnell!
"Nun, da haben wir ja wirklich was gemeinsam. Ich bin erstaunt, Sergeant."
Schmunzelnd stieg ich aus den Beinschlaufen des Sicherheitsgurtes und ließ diesen achtlos zu Boden fallen. Dabei fixierte ich Winter mit meinem Blick und strich mir eine schweißfeuchte Haarsträhne aus meinem erhitzten Gesicht, die sich aus meinem Pferdeschwanz gelöst hatte.
"Inspektor", korrigierte er mich mit betont ausdruckslosem Gesicht, aber ich ließ mich von seiner gelassenen Miene nicht täuschen. Ich wusste genau, dass Senor Winter sich schon länger in einem Zwiespalt befand - auf der einen Seite war da sein Pflichtbewusstsein, dass ihn mit großem Engagement der Spur diverser Gemäldediebstähle nachgehen ließ, welche ihn seltsamerweise immer wieder vor meine Haustür führte, auf der anderen Seite waren da seine Hormone, die seine Besuche ganz sicher noch häufiger als nötig ausfallen ließen, dafür hatte ich einfach einen siebten Sinn. Auch jetzt war es ihm trotz seiner demonstrativen Coolness nicht möglich, seinen Blick ausschließlich auf meinem Gesicht ruhen zu lassen. Ich sah, wie er einen Moment abwärts zuckte und sich an meinem verschwitzten Dekolleté festsaugte, ehe er sich darauf besann, wo er war und mich wieder ansah.
"Mistress Brunauld, es wurde letzte Nacht in Ihr Haus eingebrochen und mehrere Ketten von hohem Wert wurden entwendet“, begann er mir schließlich das Offensichtliche zu erzählen. „Ihr Mann hat uns berichtet, dass Sie den Dieb gesehen haben. Dass er Sie sogar niedergeschlagen hat. Können Sie den Mann beschreiben?“
Ich hatte wohl bemerkt, dass Winters Blick sich kurzzeitig auf meine bläulich schimmernde Schläfe gerichtet hatte, an der mich die Faust dieses cabróns von Einbrecher getroffen hatte. Ich hatte auch gesehen, dass Winters Gesicht sich dabei noch mehr verfinstert hatte. Gut so. Wenn er sich deshalb ärgerte, war er auf meiner Seite. Mehr wollte ich für den Moment nicht. Es würde ihn davon abbringen, mich weiter wegen anderer Dinge zu verdächtigen.
Ich bückte mich nach meinem weißen Frotteehandtuch, das ich vor meinem Aufstieg am Fuß der Wand deponiert hatte und wischte mir damit den Schweiß aus dem Gesicht. Dann, in einem Anflug von Biestigkeit, tat ich das Gleiche an meinem Hals bis hinunter zum Ausschnitt meines eng anliegenden, bauchfreien Sporttops, das, wie Winter eben schon festgestellt hatte, die festen Rundungen meiner Brüste appetitlich preisgab. Und ich tat es ganz langsam.
„Ob ich den Mann beschreiben kann?“, fragte ich ihn dazu mit einem unschuldigen Lächeln, das im krassen Gegensatz zu meinem Tun stand. „Machen Sie Witze? Er hatte natürlich eine Maske an. Außerdem trug er ein Tuch um die Haare, und er war ganz in Schwarz gekleidet. Und er trug Handschuhe.“
Winters Blick haftete wie magisch angezogen auf dem Handtuch … oder wohl vielmehr auf der gebräunten, feuchten Haut darunter, und ich lächelte in mich hinein, weil ich es genoss, ihn in der Hand zu haben.
Aber dann ging ein kleiner Ruck durch ihn hindurch, und als er mir daraufhin wieder in die Augen sah, lag etwas Unnachgiebiges darin. Offenbar war Senor Winter gerade bewusst geworden, dass ich an seinen Fäden gezupft hatte und die Erkenntnis gefiel ihm gar nicht.
„Hören Sie, vielleicht ziehen Sie sich jetzt erst mal um und begleiten mich dann aufs Revier. Ich denke, dass wir uns da besser unterhalten können als hier.“
Aufs Revier, aha. Man bedurfte wohl einer möglichst unromantischen Umgebung, damit man sich besser unter Kontrolle hatte. Ich schmunzelte in mich hinein.
„Aufs Revier? Wie käme ich darauf, Sie dorthin zu begleiten, Inspektor? Haben Sie vergessen, wer ich bin? Dass ich einen Ruf zu verlieren haben? – Was halten Sie davon, wenn wir stattdessen gleich frühstücken gehen? Ich kenne ein ganz ausgezeichnetes Diner, und das ist gar nicht weit von hier.“
Ich legte mir mein Handtuch um den Hals und hielt beide Enden fest. Und dabei lächelte ich ihn entwaffnend an.
„Oder ziehen Sie es vor, mich in der Umkleide zu befragen? Mir macht das nichts aus, müssen Sie wissen. Ich schäme mich nicht für meinen Körper.“
Es begann in Winters Blick zu glitzern – allerdings vor Wut, wie ich gleich darauf bemerken sollte.
„Verdammt noch mal, hören Sie endlich diese Spielchen auf! Ich bin in einer dienstlichen Angelegenheit hier, und Sie werden mich jetzt aufs Revier begleiten! Verstanden??“, fuhr er mich an, und zwar so unbeherrscht laut, dass wir wieder einmal Gegenstand der allgemeinen Aufmerksamkeit wurden. So sehr seine Wut wohl ein Zeichen dafür war, dass meine ‚Spielchen‘ erfolgreich waren, aber mir lang überhaupt nichts daran, die gesamte Halle zu unterhalten. Es war an der Zeit, eine schärfere Gangart einzuschlagen, wenn ich wollte, dass er mir aus der Hand fraß und davon absah, mir wie ein Bluthund auf der Fährte zu sein.
„Da werden Sie mich schon verhaften müssen, Sergeant Winter“, gab ich mit kühlem Lächeln zurück und schob mich an ihm vorbei – so dicht, dass ich seinen Arm deutlich spürbar streifte. Ich spürte, wie er sich in unterdrückter Wut nach mir umdrehte und tat es ihm gleich – woraufhin ich ziemlich dicht vor ihm zum Stehen kam. Herausfordernd funkelte ich ihn an und setzte hinzu, als wäre es mir gerade erst wieder eingefallen: „Ach, was vielleicht noch wichtig wäre: Er sprach Französisch. Und …“, ich machte eine kleine Kunstpause und beugte mich dabei ein kleines Stück vor, was mich Winter noch näher brachte, „ … er küsst unbeschreiblich gut!“
Mit dieser letzten, provokant geraunten Bemerkung ließ ich ihn stehen und ging lächelnd auf die Umkleide zu. Und war gespannt darauf, wie er das jetzt auffassen würde.

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Verfasst: Sa 6. Okt 2007, 09:32 
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Irrlicht
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Sie schob ab und wackelte dabei noch provozierend mit ihrem kleinen, in hautengen Radlern steckenden Hintern.
In mir kochte es.
Dieses verdammte Weib!! Wusste ganz genau, dass ich ihr in die Umkleide nicht nachgehen konnte und hatte wieder einmal einen Heidenspaß daran, mich hier wie einen Idioten stehen zu lassen.
Zum wievielten Mal eigentlich?
Ich spürte die Blicke der anderen auf mir ruhen und sah, als ich mich mit mahlenden Kiefern umblickte, dass einige sogar spöttisch lächelten. Klar, man wusste ja, dass ich ein Cop war, dafür hatte ich selbst gesorgt. Und jetzt war es eben offensichtlich, dass Madame Brunauld mit einem Cop umgesprungen war wie mit einem ihrer Lakaien.
Ich hatte die Schnauze voll!
Mit großen Schritten setzte ich mich in Bewegung und ging Mistress Brunauld nach. Sie war bereits in der Umkleide verschwunden, aber das störte mich nicht. Ich stieß die Tür derselben mit Wucht auf und ignorierte das Gekreische der anderen blöden Weiber, die Männerbesuch in ihrem Allerheiligsten gar nicht toll fanden.
"Raus!", fuhr ich die reichen Ziegen an, ohne meinen wütenden Blick von Sara Brunauld zu nehmen. Keiner reagierte, und ich wurde lauter.
"RAUS, VERDAMMT NOCH MAL!!"
Dabei zog ich meine Marke, und jetzt sah ich die Tussen an. Prompt setzten sie sich in Bewegung und verließen aufgeregt schnatternd die Umkleide. Ich heftete meinen wütenden Blick wieder auf Madame Brunauld, die sich inzwischen süffisant lächelnd zu mir umgedreht hatte und ging sie an: "Sie wollen, dass ich Sie HIER verhöre? Kein Problem, Mam! Sie sagten, er sprach Französisch? Mit oder ohne Akzent? Und war seine Stimme tief oder eher hell? Wie groß war er? Dunkle oder helle Haut? - Und was zum Geier sollte der Spruch mit dem Küssen?"

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Diebische Elster
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Dank Winter wurde der Tag, der für mich ziemlich unerfreulich angefangen hatte, recht amüsant. Ich hatte geahnt, dass er mir nachgehen würde. Gewusst nicht, aber es geahnt, und dass er sich gerade als so berechenbar herausstellte, gefiel mir. Ich liebte es, wenn ich die Männer nach meiner Pfeife tanzen lassen konnte.
"Er sprach akzentfrei", gab ich bereitwillig Auskunft und löste dabei das Gummi aus meinen feuchten, langen Haaren. "Und er hatte eine tiefe Stimme. Eine ... sexy Stimme."
Lächelnd streifte ich mir das Haargummi über mein Handgelenk und stellte dann ein Bein auf die kleinen Holzbank, um mir meinen Turnschuh auszuziehen. Dabei hatte ich keinerlei Hemmungen, Winter meine Kehrseite entgegenzustrecken und wusste genau, dass der Anblick meines nackten, unteren Rückens und der durchtrainierten Pohälften auf seine Weise inspirierend sein mussten.
Der Turnschuh fiel achtlos zu Boden, und nachdem ich das Bein gewechselt und den anderen geöffnet hatte, plumpste der neben den ersten.
"Außerdem ...", fuhr ich ohne große Eile fort und drehte mich wieder zu Winter um, der mich mit verärgertem Blick und mahlenden Kiefern musterte, " ... war er hellhäutig, soviel hab ich in der Hektik gesehen."
Ich erwiderte den giftigen Blick lächelnd ... und griff dann nach meinem verschwitzten Top, das ich mir daraufhin betont gleichgültig über den Kopf zog. Mein langes Haar fiel feucht in meinen Rücken zurück und die warme Luft in der Umkleide streifte meine nackten Brüsten seltsam kühl. Ich sah Winter lächelnd an, während ich das Top zu Boden fallen ließ und mir daraufhin die Radler samt Schlüpfer in die Tiefe zog - er hatte trotz seines hitzigen Gemüts eine gute Selbstbeherrschung, das musste ich ihm lassen. Dass seine Augen sich jedoch an meinem bloßen Körper festbrannten, sprach dafür, dass ihm gefiel, was er sah.
"Und was das Küssen betrifft ..", plauderte ich weiter, entstieg meiner Sporthose und drehte mich zu meinem Spint um, um ihn zu öffnen und ihm ein frisches Handtuch und mein Duschgel zu entnehmen, und dabei ließ ich mir wiederum Zeit, damit Winters mich ausführlich betrachten konnte, " .. so weiß ich deshalb, wovon ich rede, weil er mich geküsst hat. Claro?"
Ich drehte mich mit meinen Duschsachen in der Hand wieder zu Winter um und schmunzelte, als ich das Flackern in seinem Blick sah.

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Ich hatte beschlossen John und Roux heute morgen als erstes zu besuchen. Mein Kunde wartete auf eine positive Mitteilung, dass ich ihm die Aztekenkette noch heute würde vorbeibringen können und ich hatte noch andere wichtige geschäftliche Termine, die ich wahrnehmen musste. Also hatte ich mich dazu durchgerungen früher aufzustehen und zur Walshen Villa hinaus zu fahren. Ich selbst bewohnte ein Penthouse mitten in Manhattan und im gleichen Gebäude lag auch mein Geschäft. Nach außen hin war es ein exquisites Antiquitätengeschäft, welches sich nur mit den erlesensten Dingen beschäftigte. Aber hinter diesem Geschäft steckte viel mehr und ich hatte durch meine Nebentätigkeit schon einiges an Vermögen hinzu gewonnen. Außerdem gefiel es mir die versnobten und miesen Subjekte dieser gehobenen Gesellschaft, um ihre ach so hart erworbenen Glanzpunkte erleichtern zu lassen. Das war ein kleiner Teil meiner Rache an dieser Gesellschaft. Eine Gesellschaft, die mich früh dazu gezwungen hatte, straffällig zu werden, weil sie mich wie eine Ausgestoßene behandelt hatte und für ihre Machenschaften benutzt hatte. Aber ich hatte es geschafft und hatte den Spieß herum gedreht und nun war ich es, die sie benutzte und um das erleichterte, was ihnen sowieso nicht rechtmäßig gehörte. Ich hatte mir einen Namen gemacht. Ein Name, der falsch war. Ich war Julia Kerrigan die erfolgreiche Geschäftsfrau, die sich hauptsächlich mit exquisiten Antiquitäten beschäftigte und auch ihre Finger in anderen Geschäften stecken hatte. Aber tief in mir drin, bin ich immer noch Jennifer Keaton, die einst ausgezogen war, um diese Gesellschaft zu erobern und daran kläglich gescheitert war. Niemand würde je heraus finden, dass Julia und Jennifer ein und dieselbe Person waren, denn ich hatte mir eine perfekte Identität zugelegt, die alles hatte. Eine Vergangenheit und eine Sozialversicherungsnummer, eben alles, was zu einer Identität gehörte. Nach außen hin stammte ich aus einer angesehenen Familie aus England und hatte hier in New York meinen Weg in der harten Geschäftswelt gemacht. Alles war perfekt und auch meine kleine Rache wurde mit jedem gelungenen Coup größer und größer. Es ging mir gut und ich hatte meinen Spaß an der Sache.
Eines Tages waren John und Roux in meine Welt getreten und ich hatte schnell erkannt, dass hier zwei Männer waren, welche die gleichen Vorlieben hegten. Sie waren perfekt und erledigten jeden Auftrag mit einer ungewöhnlichen Präzision. Wir passten perfekt zusammen. Sie holten das, was sie wollten und ich bezahlte ihnen den Preis, den sie dafür haben wollten, während ich natürlich darauf achtete, dass stets eine gute Provision beim weiteren Verkauf für mich dabei heraus sprang.
Und nun war es wieder soweit, dass John mir ein sehr seltenes Schmuckstück präsentieren konnte. Zwei um genauer zu sein, denn der Rubin aus Amsterdam hatte auch bereits einen Interessenten, der es sich einiges kosten ließ, dass dieses Schmuckstück in seinen Besitz übergehen würde.
John hatte mich in seiner gewohnt respektlosen Art begrüßt, aber ich konnte es ihm nie übel nehmen. Er und Roux waren eben etwas besonderes und ich liebte die beiden auf meine Art und Weise. Ich schmunzelte also nach kurzer Zeit wieder und nahm noch einen Schluck von meinem Kaffee.
„Ich habe sehr gut geschlafen und habe in der Tat etwas Neues für euch. Wenn ihr denn interessiert seid. Allerdings erfordert diese Sache eine gute Vorbereitung und ist mehr als prekär. Um nicht zu sagen, vielleicht gar nicht durchführbar.“
Ich wusste genau, dass ich John mit solchen Worten direkt an der Angel hatte, denn nichts schätzte er mehr, als eine wirkliche Herausforderung. Aber ich hatte nicht gelogen, denn diese Sache war groß und gefährlich. Es ging um einen Einbruch ins New Yorker Metropolitan Museum of Art.

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Verfasst: Sa 6. Okt 2007, 10:33 
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Irrlicht
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Ich war wütend auf Sara Brunauld, weil sie mit mir spielte wie mit einem ihrer reichen Liebhaber, die sie wahrscheinlich in Massen hatte - anders konnte ich mir das bei ihrem Mann, der gewiss kein Adonis war, gar nicht vorstellen.
Aber noch wütender war ich auf mich selbst, weil ich so sehr auf sie reagierte!
Sie war schön. Gott, war diese Frau schön! Aber das wusste sie auch. Mir ging erst jetzt, wo ich hier stand und mir die Hose zu eng wurde, auf, dass sie genau das gewollt hatte ... dass ich ihr nachging, dass sie Gelegenheit bekam, noch ein paar Waffen mehr in die Waagschale zu werfen und mich so noch weiter zu manipulieren.
Und was für Waffen das waren!
Ich schaffte es beim besten Willen nicht, meinen Blick von ihrem makellosen, sonnengebräunten Körper loszureißen. Feste, volle Brüste, an denen kleine Schweißtropfen glitzerten und die in überraschend rosigen Spitzen gipfelten .. eine überaus schmale Taille, sanft gerundete Hüften, schlanke, durchtrainierte Oberschenkel ... und dazwischen ...

Mir wurde es gerade verdammt heiß. Allerdings nicht nur, weil mich ihr Anblick umhaute, sondern auch - vielleicht noch viel mehr - weil ich kurz vor dem Explodieren stand. Ist eben kein tolles Gefühl, wenn man weiß, dass man manipuliert wird und dank der eigenen Testosterone nicht mal was dagegen tun kann.
Ich ging mit großen Schritten auf Sara zu, und ich empfand es geradezu als Genugtuung, als ihr Blick einen Moment lang, nur einen winzigen Moment lang, alarmiert wurde. Dicht vor ihr blieb ich stehen, so dicht, dass ihr nackter Körper nicht mehr zu meinem Blickfeld gehörte, allerdings nicht so nah, dass ich sie berührte. Und nun sah ich ausschließlich in ihre Augen .. durchbohrte sie sogar förmlich.
"Sie täten gut daran, sich endlich etwas kooperativer zu zeigen, Mistress Brunauld!", zischte ich sie warnend an. "Immerhin gibt es da noch ein paar andere Fälle von Einbruch .. ungeklärte Fälle, die mich seltsamerweise immer wieder zu einer einzigen Adresse führen!!"
Sie antwortete mir nicht, aber sie ließ sich auch nicht von mir einschüchtern, das sah ich an dem Trotz, der plötzlich in ihren dunklen Augen auffunkelte.
"Ich bin kooperativ, Senor Winter! Und ich habe Ihnen alles gesagt, was ich weiß. Comprende?", antwortete sie mir überbetont deutlich, und für einen Moment wirkte sie verärgert - zu schön, um wahr zu sein, diese Vorstellung. "Es ging eben alles sehr schnell ...", ihre schwarzen Augenbrauen hatten sich so unwillig zusammengezogen, dass sie sich über der Nasenwurzel beinahe berührten. Offenbar mochte Madame Winter es nicht, dass ich nicht von meiner Cop-Tour abwich. Sie war wohl anderes gewohnt. Ich begann mich zu entspannen.
"Ich wollte ihm den Schädel einschlagen, aber er hat es wohl irgendwie geahnt und ist herumgewirbelt. Er hat meine Hand abgefangen, mich gegen die Wand gedrückt und mir den Mund zugehalten .. und dann hat er mich geküsst. Und danach k.o. geschlagen. - Dieser cabrón!"
Ich notierte mir das alles gedanklich. Und konnte nicht umhin, besagtem cabrón noch im Nachhinein Verständnis für sein Verhalten entgegen zu bringen - sowohl fürs Küssen als auch fürs Niederschlagen.
"Und ist ihnen nichts weiter aufgefallen? Irgendetwas, das sie vielleicht im Eifer des Gefechts nicht für so wichtig genommen haben, das ihnen aber jetzt im Nachhinein einfällt? Jede Kleinigkeit kann von Bedeutung sein, Mam."
Sie sah mich einen Moment lang schweigend an - und dann sah ich es in ihrem Blick, dass sie wieder etwas ausheckte! Ich spannte mich an und rechnete mit dem Schlimmsten. Und war doch vollkommen unvorbereitet, als sie plötzlich einen Schritt vormachte und so unseren Abstand auf Null reduzierte, dann ihre Hand an meine Wange legte und sie zärtlich streichelte.
"Oh, da gibt es in der Tat etwas, das mir gerade wieder einfällt."
Ich bemühte mich, die Hitze ihres nackten Körpers zu ignorieren, die durch mein Hemd und meine Jeans gegen meine Haut strahlte. Ich widerstand auch dem Drang, sie zu packen und ...
"Und was wäre das?"
Zum Glück verriet meine Stimme in keiner Weise, was sie gerade in mir auslöste. Dieses verdammte, kleine, berechnende Biest!
"Das, Sergeant ...", gurrte sie, näherte sich meinem Gesicht mit ihrem und senkte ihren Blick auf meine Lippen - und ich meinen unwillkürlich auf ihre, " .. erfahren Sie, wenn Sie heute Abend zum Museum of Modern Art kommen. Um 19.00 Uhr. Und seien sie pünktlich."
Die letzten Worte hauchte sie dicht an meinen Lippen, so dicht, dass ihr süßer Atem mein Gesicht streifte und ich meine ganze Beherrschung aufbringen musste, um nicht meinen Mund auf ihren zu pressen und herauszufinden, ob ihr Kuss genauso süß schmeckte.
Die Versuchung war groß. Aber zum Glück dauerte sie nicht lange an. Plötzlich löste Madama Brunauld sich leise lachend von mir, schob sich an mir vorbei und ging in den Duschraum. Doch ehe sie darin verschwand, drehte sie sich noch einmal zu mir um und lockte lächelnd: "Oder soll ich Ihnen das vielleicht lieber hier unter der Dusche erzählen? Sergeant?"
Da hatte sie mich wieder! Wütend stieß ich ihre Spinttür zu, dass es schepperte, dann verließ ich die Umkleide mit großen Schritten. Die Tür der Umkleide flog ebenso krachend ins Schloss. Und dämpfte das Lachen, das mir spöttisch hinterher wehte. Allerdings dämpfte es nicht meine Wut.

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Verfasst: Sa 6. Okt 2007, 19:22 
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Diebische Elster
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Ich hatte mir den Tag mit Einkaufen und Kaffee trinken vertrieben. Für gewöhnlich war ich nicht der Shopping-Typ, aber irgendwie musste ich ja die Zeit bis zum Abend totschlagen. Und da ich in dieser Stadt so gut wie keine wirklichen Freunde hatte und es auch keine Option gewesen war, nach Hause zurück zu kehren und dort dem vielleicht wartenden Winter in die Arme zu laufen, hatte ich mich den Mittag und Nachmittag über am Rodeo Drive aufgehalten, war von einer Boutique in die andere gelaufen, hatte Jacques‘ Kreditkarte ordentlich belastet und mich mit neuen Sachen eingedeckt. Unter anderem hatte ich mir bei Gucci ein feuerrotes Cocktailkleid gekauft, das mir sofort ins Auge gesprungen war, weil es … sagen wir mal, unkonventionell war und nicht ins Schema F passte. Es wurde an den Schultern und im Rücken von hauchzarten Riemchen gehalten, welche sich auch am gewagten Ausschnitt wiederfanden, so dass das Oberteil einer eng anliegenden Corsage glich. Das Unterteil hingegen fiel locker bis fast zu den Knien hinab und machte es darum tragbar für den Abend. Wäre es kürzer gewesen, wäre es für den Anlass zu anrüchig gewesen, und auch wenn ich ab und zu gerne provozierte – und es mir mit meiner Stellung ja auch leisten konnte – so war ich doch nicht darauf aus, unseren Namen in Misskredit zu bringen, indem ich es übertrieb. Das wäre ein unverzeihlicher Fehler gewesen, und ich war niemand, der Fehler beging. Zumindest nicht, wenn ich es verhindern konnte.
Dennoch, der Stil des Kleides war provokant. Zum einen durch die leuchtende Farbe, die heute Abend unter all dem dezenten Schwarz, Weiß, Grau und Dunkelblau auffallen würde wie ein farbenfroher Schmetterling in einem Schwarm grauer Motten, zum anderen natürlich wegen des Stils, der irgendwo zwischen mädchenhaft-grungy und sexy lag und der mir gerade darum so zusagte. Mein Kleiderschrank war zum Bersten voll mit eleganten Abendkleidern und Kostümen, und tief dekolletierte Cocktailkleider befanden sich natürlich auch darunter. Trotz allem besaß ich kein einziges Stück, wegen dem mein Mann mir einen tadelnden Blick zugeworfen hätte. Bei diesem hier aber, diesem roten, würde er mich sogar ganz gewiss alarmiert anstarren … und mich dann mit Vorträgen über „Do’s“ und „No-go’s“ eindecken und mir damit schon fast wieder die Lust an dem kleinen Spaß nehmen. Wie gut, dass er heute Abend im Rotary-Club war und mich gar nicht begleiten würde. So käme er erst gar nicht in die Versuchung mich zu belehren.
Zur Vervollständigung meines neuen Looks hatte ich mir noch ein Paar hochhackiger, schwarzer, wadenhoher Schnürstiefel gekauft, die ganz gewiss auch nicht das waren, was die Damen heute Abend tragen würden und die gerade deshalb in meine Einkaufstüte kamen. Dann war ich noch Kaffee trinken gegangen, und als meine Armbanduhr schließlich halb sechs anzeigte, war ich in meinen Minicooper gestiegen und wieder nach Hause gefahren. Und hatte meinem Shopping damit ein Ende bereitet.
Punkt halb sieben kam ich in der Villa an. Bewusst zu dem Zeitpunkt, an dem ich mich mit Winter mehr oder weniger im Museum verabredet hatte, denn so konnte ich sicher sein, dass er hier nicht mehr auf mich warten würde. Er hatte es ganz bestimmt bereits am Nachmittag versucht, mich hier zur Rede zu stellen, und ganz bestimmt hatte Jacques deshalb auch versucht, mich anzurufen. Aber ich hatte sicherheitshalber mein Handy ausgeschaltet und verspürte auch jetzt, wo ich allein im Haus war, keinen Drang, es wieder einzuschalten und nachzusehen, ob ich recht hatte.
Ich ging schnurstracks nach oben in mein Schlafzimmer, begrüßte meine Hunde, die mir allesamt schwanzwedelnd entgegen gelaufen kamen, dann zog ich mich um und frisierte mir daraufhin mein Haar am Schminktisch. Einen Moment lang hatte ich erwogen, es offen zu lassen wie beim letzten Empfang vor zwei Tagen hier in unserem Haus. Aber dann entschied ich mich dagegen. Wenn ich schon provozieren wollte, dann auch richtig!
Ich entschied mich für eine sehr untypische Abendfrisur – einen kecken Pferdeschwanz nämlich. Der, so fand ich, passte nicht nur am besten zur Art meiner ‚Garderobe‘, die Fransen und Strähnchen, die ich seitwärts herauszupfte, verdeckten auch perfekt das blauschimmernde Hämatom, das mir der cabrón von Dieb letzte Nacht an der Schläfe verpasst hat. Dazu steckte ich mir zwei große, dünne, goldene Kreolen an die Ohren, die mir eine zusätzliche südländische Note verliehen. Nun würde heute Abend nicht nur mein Kleid und mein unkonventionelles Schuhwerk Anlass zum Getuschel geben, sondern auch meine Frisurenwahl, da war ich mir sicher. Was man wahrscheinlich mit der leise geflüsterten Bemerkung quittieren würde, dass man von mir ja nichts anderes erwarten könnte, da ich schließlich eine mexicana war, eine muchacha, wie sie bei den meisten der Anwesenden wahrscheinlich in der Küche arbeitete. Es störte mich nicht, im Gegenteil. Ich wusste, sie würden sich trotzdem mit mir unterhalten müssen, eben weil ich die Gattin eines der reichsten Männer der Stadt war, sie würden mir trotzdem Komplimente wegen meines Aussehens machen, auch wenn sie sich insgeheim darüber mokierten. Und ich würde diese Komplimente so huldvoll wie eine Königin entgegen nehmen und mich in meinem kleinen, schwarzen Herzen diebisch darüber freuen, wie sehr sie sich doch verdrehen und verrenken mussten, während sie mich hofierten. Nur weil mein Mann einflussreich war und niemand es wagen würde, seine wahre Meinung über Madame Brunauld zu sagen. Manchmal war es wirklich gut, dass ich Geld geheiratet hatte.
Dunkelroter Lippenstift rundete mein Outfit ab. Auf Augen-Makeup verzichtete ich völlig, es wäre einfach zu viel gewesen bei all den kräftigen Farben, die ich an mir trug. Abgesehen davon hatte ich es wirklich nicht nötig, die Ausdruckskraft meines Blicks zu betonen.
Zu guter Letzt legte ich mir noch ein Kettchen um den Hals. Nichts teures – ich glaube, ich sagte es ja schon, dass mir Schmuck im allgemeinen nicht viel bedeutete – sondern ein schlichtes, goldenes Kettchen mit einem kleinen, goldenen Kreuz daran. Die Kette war das einzige Schmuckstück, an dem ich wirklich hing, denn sie hatte meinem Bruder gehört, bis er bei einer Messerstecherei in Veracruz ums Leben gekommen war. Es war das einzige, was mir von ihm geblieben war, abgesehen von ein paar alten Fotos und einem abgewetzten Fußball. An ihr hing ich noch mehr als an Zazou, und das wollte etwas heißen.

Eine gute Viertelstunde später fuhr das Taxi, das ich gerufen hatte, mich nach Manhatten zurück, und noch eine weitere Dreiviertelstunde später - es war bereits kurz vor acht und die Eröffnung des Empfangs inklusive langer und vor allem langweiliger Reden vorbei – betrat ich mit Zazou auf dem Arm das Museum of Modern Art, um mich dort auf dem Event blicken und fotografieren zu lassen, um Winter, den ich mir zum Spielen herbestellt hatte, noch ein wenig zu ärgern und um mir – und das war das Wichtigste überhaupt – die Sicherheitsvorkehrungen ein wenig genauer anzusehen, mit denen man den neuerworbenen Turner vor Diebstahl zu schützen gedachte.

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Antiquitätenhändlerin
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Registriert: Fr 5. Okt 2007, 23:47
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„Wenn es danach geht, ob es mir gefällt, dann würde ich dir davon abraten, John.“
Ich hatte mich unbemerkt an John heran geschlichen und stand schräg hinter ihm. Ich war gerade erst eingetroffen, damit ich nicht die langatmigen und langweiligen Reden hatte mitanhören müssen. John zuckte nicht einmal zusammen, obwohl ich mir sicher war, dass er mich nicht gehört hatte. Er antwortete mir in leisem Tonfall und mit einem hörbaren Lächeln.
„Mir ist es zu blass.“
Ich schmunzelte und legte den Kopf leicht schief, so als wäre ich ebenso in die Betrachtung des Bildes vertieft.
„Unscheinbar wäre sehr passend und unglaublich, wieso ein Mensch so viel Geld dafür bezahlt.“
John drehte sich ein Stück zu mir herum und betrachtete mich ausgiebig, was ihm ein weiteres Schmunzeln meinerseits einbrachte. Ich hatte mich für diesen Abend für meine Verhältnisse eher unspektakulär gekleidet. Ich trug ein silbergraues eng anliegendes langes Kleid, bei dem auf jeglichen Schnickschnack verzichtet worden war. Allerdings betonte es sehr gut meine Figur und meine grauen Augen. Meine Haare hatte ich hochgesteckt und nur dezenten Silberschmuck angelegt. Ich hatte einen anstrengenden Tag hinter mich gebracht und verzichtete darauf an diesem Abend aufzufallen.
„Ich war immer schon der Ansicht, dass Gemälde keine passende Geldanlage sind.“
John grinste bei seinen Worten und ich sah auf das Bild und wog nachdenklich den Kopf hin und her.
„Das kommt ganz darauf an. In manchen Fällen kann es eine ganz hervorragende Geldquelle sein, nicht wahr?“
Wir beide wussten, was ich damit gemeint hatte und Johns Grinsen wurde noch eine kleine Spur breiter. Ich sah zurück zum Eingang und bemerkte, dass einer meiner Kunden mir zuwinkte. Ich lächelte leicht und beugte mich ein Stück zu John.
„Wir sehen uns gleich noch. Ich muss noch etwas mit dir besprechen, mein Lieber.“
Mit diesen Worten verließ ich ihn, nicht nur, um dem Wink meines Kunden nachzukommen, sondern weil ich auch wusste, dass er im Augenblick mit wichtigeren Dingen beschäftigt war und dabei wollte ich ihn nicht stören. Denn der Ausgang dieser Betrachtung würde den Ausgang seines zweiten Besuches bei diesem Gemälde beeinflussen.

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Verfasst: Sa 6. Okt 2007, 20:37 
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Irrlicht
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Sie kam natürlich eine Stunde später - warum war ich nicht überrascht?
Nachdem ich am Nachmittag noch einmal in der Brunauldschen Villa vorgesprochen hatte in der Hoffnung, mir den Gang zum Museum heute Abend sparen zu können, dort aber hatte erfahren müssen, dass Mistress Brunauld nicht zugegen war und man auch nicht wüsste, wann sie wieder käme, war ich einen Moment lang in der Versuchung gewesen, die Sache komplett abzuhaken und sie für den nächsten Tag aufs Revier zu laden.
Aber dann hatte ich doch in den sauren Apfel gebissen.
Ich konnte sie nicht vorladen, so traurig das auch war, denn dafür hatte ihr Mann einfach zu viel Einfluss. Persönlicher Freund des Polizeipräsidenten und des Bundesstaatsanwaltes, Förderer, Kandidat aufs Senatorenamt, bla bla ... das alles band mir einfach die Hände, wenn es bei Madame um ein rigoroseres Vorgehen ging. Ich hatte ihr zwar damit gedroht, aber sie und ich, wir hatten beide gewusst, dass das nur ein leerer Spruch gewesen war. Sara Brunauld wusste durchaus, dass sie in gewisser Hinsicht am längeren Hebel saß, und sie nutzte das weidlich aus. Wie heute nachmittag, wie jetzt auch wieder.
Wie ein Hündchen schlich ich hier herum, in meinen einzigen Anzug gezwängt, den ich besaß und hielt mich an meinem Glas Wasser fest.
Und warum?
Weil dieses kleine Biest mich hierher bestellt hatte, natürlich weitaus früher als es selbst die Güte hatte zu erscheinen und damit wieder einmal gewaltig meine Geduld austestete.

Es schien mir wie eine Ewigkeit, aber schließlich traf Mistress Millionärsgattin ein. Ein Raunen machte mich darauf aufmerksam sowie zahlreiche Köpfe, die sich in Richtung Eingang umdrehten. Ich tat es ihnen nach .. und zog eine Augenbraue hoch. Hatte ich erwartet, dass sie jetzt behangen wie ein Christbaum auf der Bildfläche erscheinen würde, mit langer Robe und pelzbehangen, so sah ich mich getäuscht. Was kleines, rotes hatte sie an, Schnürstiefel dazu, und ihr schwarzes Haar wippte in einem frechen Pferdeschwanz - eigentlich eher das Outfit für einen Discobesuch als für eine Präsentation im Museum.
Wenn da bloß nicht dieser unsägliche, kleine Kläffer auf ihrem Arm wäre!
Trotzdem .. dass sie so normal aussah und sich nicht wie die anderen Schnepfen gab, besänftigte mich gerade ein wenig. Unwillkürlich dachte ich an den Moment in der Umkleide zurück und nahm eilig einen Schluck Wasser, während ich verfolgte, wie sie sich selbstsicher unter die Anwesenden mischte, diese mit einem strahlenden Lächeln bedachte, Hände schüttelte und Handküsse einsteckte.
Was für eine Frau das sein könnte, wäre sie nicht so grauenhaft berechnend und von sich eingenommen!
Ich fuhr fort, sie zu beobachten und ließ ihr ein wenig Zeit, um ihre 'Freunde' zu begrüßen. Jetzt, wo sie hier war, würde ich schon noch zu der Aussage kommen, die sie mir heute morgen vorenthalten hatte. Falls sie mir überhaupt noch etwas Wichtiges mitzuteilen hatte und der Spruch, dass ihr noch etwas eingefallen wäre, nicht bloß ein Trick war, um mich wieder einmal springen zu lassen.

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Verfasst: Sa 6. Okt 2007, 20:48 
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Diebische Elster
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"Das ist aber ein schönes Kleid!"
"Nein, wie gewagt, Ihre Frisur, meine Liebe!"
"Haben Sie den Frisör gewechselt? Sie sehen um Jahre jünger aus!"
"Das ist sicher eine antike Kette, die Sie da tragen, nicht wahr?"

Ich lächelte gleichbeibend und dachte mir meinen Teil dabei. Wie ich diese Heuchler doch verachtete! Nur der Gedanke, dass ich bei den meisten von ihnen schon einmal eingestiegen war und mir einige ihrer Lieblingsstücke 'ausgeliehen' hatte, ließ meine Laune weiterhin im oberen Bereich der Skala bleiben - man konnte natürlich auch Schadenfreude dazu sagen. Was auch immer, mein Lächeln blieb, und ich dachte mir nur: 'Wenn ihr wüsstet!'
Schließlich fiel mein Blick auf ein vertrautes Gesicht. Ein brummiges Gesicht dazu, und prompt vertiefte mein Lächeln sich. Ich löste mich von Saundra Jameson, einer überkandidelten Reedersgattin mit einer unvorteilhaften Neigung zum Botox und ging auf Winter zu.
"Ah, Sergeant .. wie schön, dass Sie kommen konnte. Damit hab ich gar nicht gerechnet! Sonst hätte ich mich natürlich um einiges früher auf den Weg gemacht. - Warten Sie schon lange hier?"
Ich flötete ihm meine Begrüßung gut gelaunt zu. Und streichelte Zazou beruhigend, der prompt zu knurren anfing, als ich mich Winter auf weniger als einen Meter genähert hatte.

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Verfasst: Sa 6. Okt 2007, 20:58 
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Irrlicht
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"Nein, ich bin gerade erst gekommen", log ich schlagfertig, einfach weil ich keine Lust hatte, Madame die Genugtuung zu geben, sich über meine lange Wartezeit amüsieren zu können. Dabei sah ich ihr bewusst nur in die Augen, obwohl sich meine eigenen am liebsten selbstständig gemacht hätten und ein wenig tiefer geglitten wären.
"Sie haben heute morgen gesagt, Ihnen wäre noch etwas eingefallen. Darf man jetzt endlich erfahren, was das ist?"
Ein Mädchen vom Catering-Service ging mit einem Tablett Champagner vorbei, und mein kapriziöses Gegenüber bediente sich erst einmal daran und nahm einen Schluck.
Ob sie mit ihrem eigenen Mann auch so umsprang? Und wenn ja, wie ertrug er das nur?
Mistress Brunauld ließ sich Zeit mit ihrer Antwort. Und während dieses unangenehm langen Moments knurrte mich der kleine Köter auf ihrem Arm ununterbrochen an.

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Verfasst: Sa 6. Okt 2007, 21:32 
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Diebische Elster
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Irgendwie stand ich drauf, wenn Winter sauer wurde. Er wirkte dann sehr ... männlich. Si, männlich, das trifft es wohl am besten. Diese unterdrückte Wut, dieses Zucken in seinen Wangenmuskeln, dieser Kampf in seinem Blick, der ständig schwankte zwischen mich übers Knie legen und verhauen wollen und anderen Dingen, die er wohl genauso gerne mit mir tun würde ... - Ich gebe es zu, es reizte mich, ihn zu reizen. Und darum ließ ich mir auch jetzt Zeit mit meiner Antwort.
"Ach, hab ich das heute morgen gesagt?", erwiderte ich mit unschuldigem Blick, lächelte und schwenkte mein Champagnerglas leicht hin und her. Winters Brauen zogen sich unheilverdündend zusammen und ich lachte leise auf.
"Wissen Sie eigentlich, dass Sie ziemlich gut aussehen, wenn sie so böse dreinblicken? Uuh, und Furcht einflößend!"
Winters Blick wurde noch finsterer, aber das machte nichts. Hier vor allen Leuten würde er mir keine Szene machen, so wie heute morgen im Climbing-Center. Hier musste er sich benehmen, denn hier waren wir unter den großen Tieren. Und da konnte sich selbst ein Inspektor Winter nicht alles erlauben.
"Mistress Brunauld, ich rate Ihnen dringend, mit diesen Spielchen aufzuhören", schlug er einen scharfen Ton an. Ich schmunzelte und stellte mein leeres Champagner-Glas auf einem Tablett ab, das gerade vorbeigetragen wurde. Dabei wurde mein Blick von etwas angezogen, das ich auf dieser Präsentation für recht ungewöhnlich hielt - von einem dunkelroten Schal und einem Rollkragenpullover, die beide ein Stück von uns entfernt lässig an einer Wand lehnten. Und als mein Blick höher wanderte, erkannte ich auch, zu wem diese unübliche Kleidung gehörte .. der schöne John Walsh, seines Zeichens Geldsack wie Jacques. Und nicht nur, dass er hier war, er sah mich auch noch an!
Irritiert blickte ich zurück, und dann waren es wohl meine Brauen, die sich unwillig zusammenzogen. Etwas an diesem Blick, dieser Haltung kam mir seltsam vor .. überheblich in ihrer Gelassenheit und irgendwie .. vertraut?
Ich runzelte die Stirn noch mehr und blickte lieber wieder Winter an.
"Wo war ich? - Ach ja, Furcht einflößend ..."
Ich lachte leise auf und schob Walsh auf die gedankliche Müllhalde.
"Mistress Brunauld ...!", Winters Stimme klang warnend, was mich wieder lächeln ließ. Allerdings hob ich gleichzeitig beschwichtigend meine Hände in die Höhe und signalisierte damit, dass ich endlich gesprächsbereit war. Jeder gute Witz fing irgendwann mal an, unwitzig zu werden.
"Bueno, bueno ... also, was mir zuerst entfallen war, mir aber heute morgen wieder eingefallen ist, ist, dass der Kerl, dem ich letzte Nacht begegnet bin, einen Bart gehabt hat. Das hab ich beim Küssen gespürt. Keinen langen Bart, eher einen kurz gestutzten. Ich glaube auch nicht, dass es ein Vollbart gewesen ist. Eher ein ..."
Ich stockte auf einmal mitten im Satz und sah unwillkürlich wieder zu Walsh hinüber.
"... eher ein ausrasierter ...", sprach ich langsam weiter - und dann begann mein Gehirn zu rotieren.
Walsh war vorgestern in unserem Haus gewesen, zwei Nächte später wurde bei uns eingebrochen. Walsh war jetzt auch hier, was natürlich ein Zufall sein konnte, denn auch einige der anderen hier Anwesenden waren vorgestern bei uns zu Gast gewesen. Aber all die anderen trugen keinen kurzgestutzten Bart ... sahen mich nicht so süffisant an. Die Größe .. die Haltung ..
"Ähm ..", fügte ich sprachgewandt hinzu, ohne meinen Blick von Walsh zu lösen. "Kennen Sie übrigens Mister Walsh, Inspektor? Ein guter Bekannter meines Mannes, bei dem, wenn mich nicht alles täuscht, letztens auch jemand eingebrochen ist."
Natürlich völlig gelogen, aber ich hatte auf einmal das dringende Bedürfnis, Walshs Stimme zu hören. Dann würde ich es genau wissen! Dann würde ich es wissen, ob er es gewesen war, der mich in der letzten Nacht so atemberaubend geküsst und dann so niederträchtig k.o. geschlagen hatte.
"Kommen Sie, Inspektor", ich griff einfach nach Winters Arm und zog ihn mit mir mit, auf Walsh zu, ehe dieser mir durch die Lappen gehen konnte. "Ich stelle Sie einander vor. Vielleicht kann er Ihnen ja auch noch ein paar wichtige Hinweise geben!"
Ich spürte, dass Winter sich einen Moment lang sträubte, wohl, weil er gerade überlegte, ob ich ihn wieder hochnahm. Aber dann begleitete er mich doch, und nur zwei Wimpernschläge später leisteten wir dem nun doch ein wenig überrascht dreinblickenden Walsh Gesellschaft.
"Mister Walsh! Wie schön, Sie so schnell wiederzusehen! Ich muss gestehen, damit hab ich nun wirklich nicht gerechnet! Sie interessieren sich auch für Kunst?"
Mit einem liebreizenden Lächeln hielt ich Walsh meine Hand hin und brachte Zazou mit der anderen ein Stück aus der Schusslinie. Ich war nämlich gerade jetzt nicht scharf darauf, dass mein kleiner Liebling mir meinen Gesprächspartner in die Flucht biss. Nicht, ehe ich nicht seine Stimme gehört hatte!!!

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