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Verfasst: So 7. Okt 2007, 00:17 
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Irrlicht
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Es war eine Erklärung für Kerrigans Verhalten, das stimmte. Aber es war keine, die mir gefallen wollte.

Sara Brunauld und ihre Liebhaber ... Walsh würde dann wohl bald der nächste sein. Mir gefiel die Vorstellung nicht. Anscheinend musste man ordentlich Schotter haben, um bei ihr landen zu können. Die Kerle mit Kohle, die durften ihre Hand küssen. Die anderen, so arme Schlucker wie ich, die zog sie nur ab. Tanzte nackt vor deren Nase herum, um ihnen zu zeigen, was sie nie besitzen würden. Mein Hals wuchs, und meine Hand schloss sich so fest um das Glas Orangensaft, dass es knackte.
'Sei vernünftig', ermahnte ich mich und stellte das kaputte Glas auf einem vorbeispazierenden Tablett ab - die Hand wischte ich mir an meinem Taschentuch sauber, 'du solltest froh sein, dass du noch nicht in ihrem Spinnennetz hängst. - So wie dieser Walsh da hinten.'
Tat ich das wirklich nicht?
Ich wandte mich von den beiden ab und nickte Kerrigan dunkel zu.
"Tja, das wäre dann ja wohl eine Erklärung."
Eine Erklärung für Kerrigans Verhalten, vielleicht auch eine für Walshs, aber auch eine für Saras? Ich wusste es nicht. Und wollte es in diesem Moment auch nicht wissen.
"Haben Sie Hunger?"

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Verfasst: So 7. Okt 2007, 00:23 
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Antiquitätenhändlerin
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Irgendwie tat er mir schon fast leid. Es war ihm anzusehen, dass es ihm nicht passte und ich hoffte nicht, dass er sich in Sara Brunauld verguckt hatte. Es wäre aussichtslos und sie würde ihn nur um seinen Verstand bringen, der in der Tat ein guter war, denn er hatte schon einige Erfolge auf seiner Habenseite zu verbuchen. Ich beschloss es ihm leichter zu machen und ihm wenigstens noch ein kleines Highlight an diesem Abend zu bieten, also nickte ich leicht und lächelte sogar ehrlich und offen.
"Den habe ich in der Tat, Zack. Lassen Sie uns etwas vernünftiges essen."
Ich war bewusst zur vertraulicheren Anrede gewechselt und nahm auch schon seinen Arm und zog ihn mit mir in Richtung Buffet davon. Jetzt hatte ich wirklich Hunger und war froh, dass er meine Ausrede geschluckt hatte. Das war knapp gewesen.

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Verfasst: So 7. Okt 2007, 00:31 
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Diebische Elster
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Es zuckte amüsiert in meinen Mundwinkeln. Ich ließ meinen Blick über das Gemälde schweifen, dann über die Wände, in denen Kameras und Sensoren eingelassen waren und sogar über den Boden - allerdings nicht so, dass es auffiel.
"Oh si, gehaltvoller auf alle Fälle. - Sagen Sie, Senor Walsh .. haben Sie Ihr Interessengebiet in den letzten beiden Tagen von Schmuck auf Gemälde verlagert? Sie wissen hoffentlich, dass Gemälde etwas .. ähm, umständlicher zu transportieren sind, oder? Sie sind sperriger, sie gehen leichter kaputt .. und der Absatz von Gemälden ist auch nicht gerade leicht. Das Schwierigste aber ist eigentlich der 'Erwerb' dieser Dinger. Ich hab mir erzählen lassen, dass das oft mit Problemen behaftet ist. Stimmt das, Senor Walsh? Ist es wirklich so schwer, ein Gemälde zu erstehen?"
Ich klimperte meinen Begleiter unschuldig an, mein Schmunzeln allerdings war ziemlich wissend. Es bestand für mich kein Zweifel mehr, dass John Walsh den Turner im Blick hatte und gedanklich mit dessen 'Erwerb' beschäftigt war. Ob er sich so weit aus dem Fenster lehnen und sich weiter auf dieses Gespräch einlassen würde?

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Verfasst: So 7. Okt 2007, 00:54 
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Diebische Elster
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Aha! Er hatte es also wirklich auf den Turner abgesehen. Na die Suppe würde ich ihm versalzen! Das hier war mein Ding! Ich hatte ein Augen auf das Gemälde geworfen, von dem Moment an, wo ich erfahren hatte, dass es in den Besitz des Museum of Modern Art übergehen würde. Darum hatte ich den superteuren Druck gekauft, der jetzt unser Wohnzimmer verschönerte und darum war ich heute abend eigentlich hier. Nicht, weil ich so unglaublich gerne auf Präsentationen ging oder auf das blöde Geschwätz der Idioten hier stand, die von Gemälden ja doch keine Ahnung hatten. Ich war hergekommen, um mir die Sicherheitsvorkehrungen anzusehen, deshalb war ich hier. Ein bisschen Winter ärgern, dann die Lage checken und mir gedanklich ein paar Notizen machen .. das war das erklärte Ziel des heutigen Abends gewesen. Und jetzt musste ich feststellen, dass sich ein Konkurrent im Rennen befand? Einer, der zwar ganz zweifellos unglaublich attraktiv und heiß war, der mich aber auf der anderen Seite schon einmal abgezockt und darüberhinaus auch noch auf die Matte geschickt hatte! Allein schon mein Stolz gebot es mir hier, ihm einen Strich durch die Rechnung zu machen. Von meinem eigenen Interesse an dieser Sache ganz zu schweigen.
"Stimmt auffallend", pflichtete ich meinem charismatischen Widersacher bei und kraulte scheinbar versonnen Zazous Köpfchen. Meinen Blick hielt ich dabei auf den weiter auf den Turner gerichtet. "Weshalb ich der Meinung bin, Sie sollten beim Althergebrachten bleiben. In Ihrem eigenen Interesse, Senor Walsh. Umorientierungen wie diese können leicht in die Hose gehen. Besser, Sie versuchen es erst gar nicht!"
Ich sah ihn wieder an, und obwohl ich immer noch lächelte, stand in meinen Augen jetzt eine deutliche Warnung geschrieben. Er würde daraus schlussfolgern, dass ich arme, beklaute Millionärsgattin seine Absichten durchschaut hätte und mit dem Gedanken spielte, ihn nun doch an die Polizei zu verraten. Etwas, das ich niemals tun würde, denn es gab so etwas wie Ganovenehre, und die war heilig für mich - solange mich niemand beschiss, hieß das. Aber er sollte es ruhig glauben, dass ich ihn eventuell doch anzeigen würde, wenn er jetzt auch noch Hand an das Gemälde legen würde. Dann würde er vielleicht von dieser Sache absehen - und mir nicht in die Quere kommen, wenn ich selbst meinen Coup startete.

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Verfasst: So 7. Okt 2007, 09:26 
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Diebische Elster
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Diese funkelnden, braunen Augen .. diese raunende Stimme, die wirklich sexy war, da hatte ich Winter nicht angelogen ...
Noch immer spürte ich die warme Berührung seiner weichen Lippen an meinem Handgelenk, das leichte Pieksen seiner Barthaare dazu und erschauerte noch im Nachhinein.
Schön, charismatisch und auch noch auf der falschen Seite des Gesetzes? Auf meiner Seite? - Dieser Mann war eindeutig gefährlich!

Ich rieb mein Handgelenk an meinem Oberschenkel, um das Wohlgefühl zu vertreiben, das er in mir ausgelöst hatte. Normalerweise hatte ich zwar nichts dagegen, wenn mich ein Typ so anmachte. Ganz im Gegenteil, wenn dem so war, dann holte ich ihn mir und hatte meinen Spaß mit ihm. Aber hier ging es ums Geschäft, und das wusste ich strikt von meinem Privatvergnügen zu trennen.
Er war auf das Bild aus, ich war es auch. Er würde versuchen, es zu stehlen, ich würde ihm zuvor kommen!
Ich schob alles, was sich mir in Bezug auf John Walsh sonst noch aufdrängen wollte, energisch beiseite und richtete meinen Blick wieder auf den Turner und die Sicherheitsvorkehrungen. Und nahm mir dabei vor, diesmal schneller zu arbeiten als sonst - ich hatte noch nie in einen zeitlichen Wettlauf mit der Konkurrenz antreten müssen, doch in diesem Fall würde ich es tun müssen.

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Verfasst: So 7. Okt 2007, 10:03 
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Diebische Elster
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Vier Nächte später war es dann so weit. Ich hatte Jacques, wie sonst auch, wenn ich 'zur Arbeit' ging, sicherheitshalber ein paar Schlaftropfen in seinen Gute-Nacht-Martini gemixt - ich überließ nichts dem Zufall und wollte sicherstellen, dass er nicht ausgerechnet in dieser Nacht den Drang verspürte, um sein eheliches Recht zu bitten. Dann hatte ich mir meine Arbeitssachen übergezogen - einen schwarzen, eng anliegenden Rollkragenpullover, schwarze Leggings, schwarze Socken, schwarze Hand- und Turnschuhe - hatte mir meinen Rucksack mit dem notwendigen Werkzeug geschnappt und mich danach aus dem Haus gestohlen. Daraufhin hatte ich unser Grundstück zu Fuß verlassen und hatte mir das nächstbeste Auto geknackt, das am Straßenrand stand. Natürlich war kein Denken daran, mit meinem eigenen Wagen zum Ort des Geschehens zu fahren.

Eine gute halbe Stunde später erreichte ich Manhatten. Weitaus schneller als am Tag, aber nachts hatte man eben nicht das Hindernis des Berufsverkehrs. Ich stellte den Wagen in der 52. ab und legte den Rest des Weges zu Fuß zurück, bis mein Ziel in Sicht kam: das Museum of Modern Art, an der 53. Straße gelegen, ganz in der Nähe der 5th Avenue - ein riesiger, moderner Klotz aus Stahl, Beton und Glas, welcher allein schon für einen Einbrecher eine Herausforderung darstellte.
Normalerweise stieg ich bevorzugt von oben ein - mit anderen Worten, ich kletterte am Gebäude in die Höhe, was mir dank meiner Kindheit als Hochseilartistin nicht schwer fiel und suchte mir auf dem Dach die geeignete Einstiegsmöglichkeit. Das konnte ich hier aber leider vergessen, denn das MoMa, wie es so liebevoll von den New Yorkern genannt wurde, bot an der Außenfassade Null halt, und es war schlichtweg zu hoch, um ein Seil in die Höhe zu schießen und mich daran hinauf zu ziehen. Aber ich hatte ja auch gar nicht vor, den üblichen Weg zu gehen - ich würde es diesmal genau anders herum machen und durch die Kanalisation einsteigen.
Die Pläne, die mir meine verlässliche Quelle schon vor einiger Zeit besorgt hatte, hatte mir eine Möglichkeit aufgezeigt, wie ich von einer weniger belebten Seitenstraße aus bis unterhalb des Museums gelangen konnte und welchen Schacht ich dort wählen musste, um an das Gitter zu kommen, das direkt in die Kellerräume des Museums führte. Ich befand mich jetzt an genau dieser Stelle, sah mich nach allen Seiten um, um mich zu vergewissern, dass ich allein war. Ich entdeckte niemanden in meiner Nähe, also zog ich meine schwarze Skimaske aus meiner Hosentasche, nahm mein langes Haar am Hinterkopf zusammen und streifte mir die Maske über. Daraufhin bückte ich mich, öffnete meinen Rucksack und entnahm diesem eine lange Brechstange. Diese hakte ich in den Kanaldeckel ein, hebelte ihn auf diese Art ein Stück an und zog ihn mit leisem Ächzen beiseite. Die Brechstange verschwand wieder im Rucksack, ich in dem Schacht, und als ich den Deckel zurück an seinen Platz zog, verriet nur ein leises, schürfendes Geräusch, dass hier etwas passierte. Nicht für lange - zwei Sekunden später lag die Seitenstraße so ruhig und verlassen da, als wäre nichts geschehen. Und niemand sah, wie ich unter dieser ruhigen Seitenstraße meine am Gürtel hängende Taschenlampe anknipste und mich auf den Weg machte.

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Verfasst: So 7. Okt 2007, 10:35 
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Diebische Elster
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Eine gute Viertelstunde später befand ich mich im Keller des Museums. Das Gitter war kein großes Hindernis gewesen, es war nicht einmal an eine Alarmanlage angeschlossen gewesen, und so hatte ich lediglich meinen Akkuschrauber bemühen müssen, um das Ding aufzubekommen. Auch dieser Kellerraum gehörte nicht zum gesicherten Bereich. Hier unten wurde nichts gelagert, das irgendwie von Wert war - nur ein paar Kartons leuchteten im Lichtkegel meiner Taschenlampe auf, diverse Bretter und Planen dazu. Und die dicke Staubschicht auf allem legte den Schluss nahe, dass sie lange Zeit nicht mehr bewegt worden waren.
Mir war es nur recht. Ich durchquerte das Gerümpel auf leisen Sohlen, bis ich die Kellertür erreichte, welche natürlich verschlossen war. Wenig später war sie das nicht mehr, und ich befand mich auf dem Weg nach oben - Ziel, der Wachraum und nicht etwa der Raum, in dem der Turner sich befand. Hätte ich genügend Zeit für meine Vorbereitungen gehabt, hätte ich mir die Deaktivierung des Sicherheitssystems Stück für Stück erarbeitet. Aber Walsh hatte mir diese Zeit nicht gegeben, also musste ich unkonventioneller vorgehen. Und rigoroser dazu, auch wenn das normalerweise nicht mein Stil war.
Ich erreichte den Wachraum wenig später - die Taschenlampe hatte ich natürlich längst deaktiviert - und legte unhörbar meinen Rucksack auf dem blankglänzenden Fußboden ab. Die Tür war nur halb angelehnt, und Licht und Geräusche drangen aus dem Raum heraus. Ich öffnete lautlos eine Seitentasche meines Rucksacks und holte den Stofflappen und das Fläschchen Äthanol heraus, die ich für diesen Zweck eigens eingesteckt hatte. Dann tränkte ich den Lappen mit der Flüssigkeit und hielt dabei vorsichtshalber selbst die Luft an, weil ich vermeiden wollte, von dem beißenden Gestank benommen zu werden. Daraufhin schlich ich mich zur Tür, lugte durch den Spalt ins Innere und sah zu meiner Zufriedenheit, dass der Wachmann es sich vor einem kleinen, tragbaren Fernseher gemütlich gemacht hatte. Es lief gerade ein Ligaspiel der NBA, welches er mit Stulle und Kaffee verfolgte - weder sah er auf die anderen Bildschirme, die diverse Bereiche des Museums im Auge hielten noch drehte er sich um. Ich drückte die Tür leise auf und betrat den Raum geräuschlos. Langsam näherte ich mich dem Kerl, hob dabei den Lappen an und bemühte mich, das heftige Schlagen meines Herzens zu ignorieren, das mir lauter vorkam als der Fernseher selbst - wieviel lieber hätte ich mich nur mit der Technik auseinander gesetzt! Ich durfte nicht zögern, ich wusste, das Äthanol würde mich schnell verraten. Und so stand ich kaum hinter dem Kerl, als meine Hand samt Lappen auch schon vorschoss und sich auf Mund und Nase des Wachmanns presste, gleichzeitig schlang ich meinen anderen Arm um dessen Kehle und hielt ihn mit aller Kraft fest.
Ich mache mir keine Illusionen, es lag nur am Überraschungsmoment, dass er erst auf den Gedanken kam, sich gegen den Überfall zu wehren, als das Äthanol sich schon in seinem Nervensystem breitzumachen begann. Es gelang mir, ihn festzuhalten, bis sein Körper völlig erschlafft war, und nachdem ich daraufhin zwei-, dreimal tief durchgeatmet hatte, ließ ich ihn los, holte meinen Rucksack von draußen herein und begann, den Kerl auf seinem Drehstuhl zu fesseln und zu knebeln. Erst, als ich ihn wirklich sicher verpackt hatte, entspannte ich mich ein wenig und machte mich daraufhin an die Deaktivierung des Sicherheitssystems. Ich wusste genau, welche Knöpfe ich drücken musste, damit Kameras, Aufzeichnungen, Wärmesensoren und Bewegungsmelder ausgeschaltet wurden. Zu guter Letzt deaktivierte ich den separaten Stromkreis, mit dem der Turner gesichert wurde, dann raffte ich meine sieben Sachen zusammen, verließ den Wachraum und lief, so schnell ich konnte, auf mein Ziel zu. Ich wusste, dass das Bild aus Sicherheitsgründen nicht länger in der Haupthalle ausgestellt wurde, sondern eine Etage höher in einem separaten Raum. Und hoffte darauf, dass meine Informationen über das Sicherheitssystem lückenlos waren und ich dort nicht noch eine böse Überraschung erleben würde. Wenn ich Glück hätte, wäre ich innerhalb von fünfzehn Minuten wieder in der Kanalisation, ein wertvolles Stück Leinwand im Gepäck und eine Menge Genugtuung und Selbstzufriedenheit in meinem Herzen. Dieser Gedanke brachte mich zum Lächeln - Walsh würde ein ganz schön blödes Gesicht machen, wenn er morgen früh die Zeitung aufschlagen und vom Raub im MoMa lesen würde!

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Verfasst: So 7. Okt 2007, 12:49 
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Irrlicht
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Drei Nächte lang hatte ich im Museum of Modern Art auf der Lauer gelegen, weil mein siebter Sinn mir gesagt hatte, dass sie versuchen würde, sich den Turner zu holen.
Wer?
Sara Brunauld natürlich. Ich wusste es, war mir so sicher, dass ich meinen Job als Cop darauf verwettet hätte, dass sie dienenige war, die mich seit einem guten Jahr auf Trab hielt. Dass sie diejenige war, die sich quer durch New York geklaut hatte, stets auf Gemälde spezialisiert, die einen überaus hohen Wert hatten. Dass ein Teil dieser Gemälde nach kurzer Zeit wie durch ein Wunder wieder an ihrem Platz aufgetaucht waren, machte es dabei nicht besser. Im Gegenteil, gerade das empfand ich als Verspottung meiner Bemühungen, den Täter zu schnappen - die berühmte lange Nase, die sie mir hin und wieder gedreht hatte, um mir klar zu machen, dass sie ihre eigene hübsche immer ein Stückweit voraus hatte.
Die Tatsache, dass sie dann neulich selbst Opfer eines Diebstahls geworden war, hatte mir ein wenig Genugtuung verschafft - zuerst. Aber ich hatte schnell bemerkt, dass sie den Verlust der Ketten nicht sonderlich bedauerte, dass sie sich nicht einmal großartig was aus der Tatsache gemacht hatte, dass sie niedergeschlagen worden war, und als ich das erkannt hatte, hatte sich meine Genugtuung wieder in Luft aufgelöst.

Gerade eben kam sie zurück. Mit einem kleinen, zufriedenen Lächeln verfolgte ich durch die Kamera, die ich vor wenigen Tagen in diesem Raum hatte installieren lassen und die nicht mit dem Sicherheitssystem des Museums verbunden war, wie sie den Raum betrat und schnurstracks auf den Turner zuhielt. Sie war ganz in schwarz gekleidet und trug eine Skimaske, aber ich erkannte sie auf Anhieb - an ihrer geringen Größe und ihrer kurvigen Figur, die durch die eng anliegenden Sachen, die sie trug, noch betont wurde.
"Gleich hab ich dich, mein Vögelchen", raunte ich leise und sah zu, wie sie den Turner von der Wand nahm. Kein Alarm ging los, aber das hatte ich auch nicht erwartet. Ich wusste von unserem Posten am Wachraum, dass sie den 'Wachmann' - einen unserer eigenen Leute, der seit ein paar Nächten vorübergehend den Beruf gewechselt hatte - narkotisiert und ausgeschaltet hatte und letzteres dann auch mit der Elektronik getan hatte. Jetzt galt es nur noch abzuwarten, bis sie den Turner aus dem Rahmen getrennt und eingesteckt hatte, dann würden wir zuschlagen, und ich könnte sie auf frischer Tat verhaften.

Angespannt verfolgte ich, wie sie mit geschickten Fingern die Leinwand aus dem Rahmen löste. Gerade als sie sie einzurollen begann, wollte ich den Befehl zum Zugriff geben, aber da meldete sich auf einmal Jones über Funk und berichtete mir zu meiner großen Verwunderung, dass sich noch zwei Wachmänner dem fraglichen Raum näherten.
Noch zwei Wachmänner?
Es gab keine zusätzlichen Wachmänner hier, wir hatten alles Personal bereits vor drei Tagen abgezogen und durch unsere eigenen Leute ersetzt. Putzpersonal, Aufsichtspersonen, selbst die Kassierer, alle gehörten zu meinen Leuten und hatten den Auftrag, die Augen aufzuhalten, falls Brunauld tagsüber was versuchen wollte. Desnachts hingegen gab es nur einen einzigen 'Wachmann' im Konrollraum - und dann eben noch die versteckten Posten, die mich per Funk auf dem Laufenden hielten und auf meinen Befehl zum Zugriff warteten und mich, der ich zwei Räume weiter vor einem kleinen Monitor saß und bereits seit drei Nächten mein Überstundenkonto erhöhte. Zusätzliche Wachmänner gab es keine - darum mussten die Männer zu ihr gehören, was mich irritierte, denn bislang hatte es nie Hinweise darauf gegeben, dass Brunauld solche Dinger mit Komplizen drehte.
"Bereit halten", raunte ich in mein kleines Mikro, das mit dem Hörgerät an meinem Ohr verbunden war und behielt den Monitor weiterhin scharf im Auge. Erst musste ich mir darüber klar werden, was das für zusätzliche Kerle waren, ehe ich meinen Leuten den Befehl gab zuzuschlagen. Und sie mussten den Raum vorher betreten haben, damit meine Jungs den abriegeln konnte. Mir stand nicht der Sinn nach einer Verfolgungsjagd quer durchs Museum. Das hier musste jetzt funktionieren, und es musste problemlos funktionieren. Da ging ich lieber auf Nummer sicher.

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Verfasst: So 7. Okt 2007, 13:07 
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Diebische Elster
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Der Scheißkerl verpasste mir den Schreck des Lebens!
Gerade hatte ich damit begonnen, die Leinwand einzurollen, als er auf einmal den Raum betrat und so tat, als wäre er ein Wachmann!
Ich fuhr mit einem leisen Schrei zusammen und sah ihn entsetzt an.
Aber schon einen Sekundenbruchteil später erkannte ich ihn - John Walsh, diesen charmanten Drecksack, der es ebenso auf den Turner abgesehen hatte - und ein Scheißtiming besaß!

Er hatte sich als Wachmann verkleidet, trug aber seine Maske unter der Schirmmütze. Ich sah das sehr gut, da die Strahler, die die Gemälde ins rechte Licht setzten, auch in der Nacht ihren Dienst versahen, wenngleich das Hauptlicht natürlich aus war.
Verärgert darüber, dass er sich jetzt auch noch die gleiche Nacht wie ich ausgesucht hatte, um den Coup durchzuziehen, funkelte ich ihn durch den schmalen Schlitz meiner Skimaske an und zischte auf Englisch: "Fick dich, du Mistkerl!"
Eilig stopfte ich den gerollten Turner in meinen Rucksack, zog ihn zu, dann schulterte ich ihn mir .. und fixierte Walsh daraufhin angriffslustig.

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Verfasst: So 7. Okt 2007, 13:16 
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Diebische Elster
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Er hatte mich einmal überrumpelt, aber das würde ihm kein zweites Mal gelingen. Und schon gar nicht würde es ihm gelingen, mir das Bild abzunehmen, das war für mich eine Frage des Prinzips! Mir lag nicht viel an dem Turner. Ich hatte genügend Geld, und wie sonst, so war es mir auch hier lediglich um den Reiz des Verbotenen gegangen. Aber Walsh wollte den Turner ebenfalls, und ich war in keiner Weise gewillt, ihn ihm einfach so zu überlassen.

Ich wurde ganz ruhig und stützte in einer herausfordernden Geste die Hände in die Hüften.
"Hol ihn dir doch, Junge ..!"

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Verfasst: So 7. Okt 2007, 13:24 
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Diebische Elster
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Er machte es mir wirklich nicht schwer, ihm zu entwischen. Ich hatte mich bereits gedanklich darauf eingerichtet, ihm mein Knie in die Weichteile zu rammen oder meinen Kopf ins Gesicht - ohne Bedenken natürlich, denn er selbst hatte sich ja in dieser Hinsicht vor wenigen Nächten auch als ziemlich skrupellos herausgestellt - aber John Walsh war eine lahme Ente und bekam mich nicht zu fassen.
Lachend rannte ich aus dem Raum hinaus und drehte ihm noch im Laufen eine lange Nase. Aber da schlossen sich plötzlich zwei starke Arme um mich, was meiner Flucht ein Ende setzte. Wieder schrie ich leise auf, im gleichen Moment wurde ich mühelos in die Höhe gehoben und hörte eine weitere männliche Stimme spöttisch zu Walsh sagen: "Ich schlage vor, ich klemm sie mir unter den Arm, und wir nehmen sie auch gleich mit. Vielleicht kriegen wir für das Schätzchen hier ja auch was."

Mist, verdammter! Walsh arbeitete nicht allein!

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Verfasst: So 7. Okt 2007, 13:34 
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Ich hatte wie auf glühenden Kohlen abgewartet und meinen Männern noch keinen Befehl zum Zuschlagen gegeben, weil offenbar wurde, dass die zwei Männer nicht zu Brunauld gehörten und damit zu einem unkalkulierbaren Faktor wurden. Ich musste abwarten. Musste solange warten, bis alle in einem Raum waren, denn ich wusste nicht, ob die beiden Männer bewaffnet waren und durfte kein Risiko eingehen.
Dass Brunauld keine Waffe bei sich trug, dessen war ich mir sicher. Aber die zwei Typen hatten Wachuniformen an, und vielleicht trugen sie auch Knarren bei sich. Weder war mir daran gelegen, einen meiner Leute bei diesem Einsatz zu verlieren noch daran, dass Sara etwas geschah. Und so hielt ich mich mühsam zurück und wartete auf Jones' Bescheid, dass endlich alle ihren Hintern in den Raum bewegt hatten.
Leider wartete ich umsonst.
Wie Jones mir leise berichtete, blieb der zweite Kerl im Gang stehen und hielt Wache. Und dann ging alles ganz schnell.
Brunauld rannte auf den Ausgang zu, den ich mit meiner Kamera nicht mehr im Blick hatte, Jones ersetzte sie aber, indem er mir berichtete, dass sie dem zweiten Kerl in die Arme gelaufen wäre und dieser sie festhielt. Ich sah auf meinem kleinen Bildschirm, wie der andere Kerl den Ausstellungsraum ebenfalls verließ und wusste, ich durfte nicht länger zögern. Um des Erfolgs des Einsatzes Willen und um Saras Willen.
"Zugriff!!", stieß ich ins Mikro. Dann sprang ich vom Boden auf, zog meine Waffe aus dem Holster und lief aus dem Raum hinaus. Hohl klingendes Fußgetrappel im Flur verriet mir, dass meine Männer ebenfalls dabei waren, sich eilig dem fraglichen Raum zu nähern. Mein Blick fiel auf den Kerl, der sich Sara geschnappt hatte, jetzt aber alarmiert in meine Richtung sah.
"STEHENBLEIBEN!! UND LASSEN SIE DIE FRAU LOS!!! - SOFORT!!"

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