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Verfasst: Di 9. Okt 2007, 19:08 
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Diebische Elster
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Ich war hin- und hergerissen. So sehr freute ich mich darüber, dass er es wirklich in Betracht zog, mich besuchen zu wollen. Aber dann sagte ich mir, dass das genauso gut eine Floskel sein konnte. Oder er irgendwann einmal, wenn er wieder würde laufen können, auf einen weiteren Quickie vorbei schauen und sich dann wieder verdrücken könnte. Seine Anspielung, dass er es mit seinen lädierten Beinen im Moment nicht konnte, sprach ja doch irgendwie dafür, oder?
"Wir haben einen Aufzug im Haus", wandte ich zögernd ein - um nichts in der Welt wollte ich so klingen, als ob ich ihn zu einem Besuch bei mir drängen wollte. Er sollte sich nicht verpflichtet fühlen, zu mir zu kommen. Das hätte ich ganz schrecklich gefunden. "Einen alten Gitteraufzug. Aber er funktioniert. Ich wohne auch nicht so hoch. Nur im zweiten Stock."
Jetzt klang ich ja doch so, als würde ich betteln!
Auf der Stelle schloss ich meinen Mund und saß wieder auf meine Handschuhe.

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Verfasst: Di 9. Okt 2007, 19:16 
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Diebische Elster
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Ich hatte mich lange nicht mehr in so einem Gefühlsbad befunden! Eben noch hatte ich mich in Grund und Boden geschämt für meine Aufdringlichkeit, jetzt hatte ich das Bedürfnis, mein Glück laut hinauszuschreien und einen Indianertanz aufzuführen!
Ich atmete tief ein und wieder aus, während ich John mit wieder einmal heftig schlagendem Herzen ansah - und dann strahlte ich ihn an.
"Du kommst? Du kommst wirklich? - Morgen?"
Ich konnte es jetzt einfach nicht mehr verhindern, dass meine Stimme hoffnungsvoll klang. Ich wollte es doch so sehr, dass er wieder zu meinem Leben gehörte. Wir hatten damals so wenig Zeit miteinander gehabt, so wenig, auch wenn wir sie in jeder Hinsicht intensiv genutzt hatten.

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Verfasst: Di 9. Okt 2007, 19:22 
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Diebische Elster
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"Es .. es ist in Ordnung, wenn er es erfährt!", versicherte ich John schnell und nickte dazu heftig. In diesem Moment wäre es für mich sogar in Ordnung gewesen, wenn er mir gesagt hätte, dass Jacques ihn fährt. Hauptsache, er kam überhaupt!
"Um drei? Sagen wir um drei Uhr?"
Ich saugte mich förmlich mit meinem Blick an seinem schönen Gesicht fest, dem der Frost kalt in Nase und Wangen gebissen hatte.

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Verfasst: Di 9. Okt 2007, 19:30 
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Diebische Elster
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Ich nickte wieder heftig - und kam mir vor wie ein Backfisch bei seinem ersten Date. Was hatte mich so verändert? War es der Umstand, dass ich zum ersten Mal in meinem Leben richtig verliebt war? Denn so komisch sich das auch anhören mochte, vor allen Dingen im Hinblick auf meine zahlreichen Affären, die ich gehabt hatte, aber richtig verliebt, mit Herzklopfen, feuchten Handflächen, Nervosität und Sehnsucht, war ich bislang noch nie gewesen.
"Ich freu mich auch. - So sehr!"
Ich strahlte John an. Und dann beugte ich mich blitzschnell vor, küsste ihn auf seinen schönen Mund, klaubte dabei meine Handschuhe aus seinem Schoß, dann sprang ich förmlich von der Bank und damit aus seiner Reichweite.
"Erinnerst du dich noch?", fragte ich lachend, und auch wenn ich es nicht sehen konnte, wusste ich, dass meine Augen funkelten. "Den war ich dir noch schuldig!"
Dann riss ich mich förmlich von seinem Anblick los und lief weiter den Gehweg entlang. So, als hätte ich mal gerade eben einen kleinen Stop beim Joggen eingelegt. In Wahrheit aber hatte ich angehalten, um meinem Leben noch einmal eine vollkommen neue Richtung zu geben. - Wenn er denn morgen kommen würde.

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Verfasst: Di 9. Okt 2007, 20:26 
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Diebische Elster
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Nächster Tag, Sonntag ...

Ich war schon seit sechs Uhr auf den Beinen und bereits den ganzen Tag supernervös. Ich hatte die gesamte Wohnung geputzt und alles aufgeräumt, hatte sogar ein paar Möbel umgestellt, damit es wohnlicher aussah und auch noch ein paar Kerzen in den Regalen und auf dem Tisch platziert - neben den üblichen Adventskerzen. Dann hatte ich Feuerholz aus dem Keller nach oben geschleppt, um damit, wenn es Abend wurde, meinen kleinen Kamin anheizen zu können. Danach hatte ich noch den Weihnachtsbaum in den Ständer gepackt, ihn nahe dem Wohnzimmerfenster aufgestellt und ihn gegossen. Daraufhin war ich schnell in den Supermarkt gesprungen, der auch am Sonntag geöffnet hatte und hatte dort Lebensmittel für ein Abendessen, Wein und Christbaumschmuck gekauft. Letzteren hatte ich erst einmal in die Ecke gepfeffert, kaum dass ich wieder zurück in meiner Wohnung war, weil ich mir vorgenommen hatte, mich um den Weihnachtsbaum als letztes zu kümmern - großer Fehler, wie sich später herausstellen sollte.
Dann hatte ich mich ans Kochen begeben und einen Zucchini-Auberginenauflauf mit Hähnchenbrustfiletstücken gezaubert. Der war schon einmal präventiv in den Backofen gekommen, damit ich ihn am Abend nur noch kurz aufwärmen musste. Als Nachtisch würde es Bratäpfel mit Zimt und Nüssen geben. Auch die hatte ich bereits vorbereitet und in eine Auflaufform gestellt, die ich mit Alufolie abgedeckt und dann auf dem Herd geparkt hatte. Danach hatte ich meinen kleinen Esstisch, der am Fenster stand, mit einer weißen Adventdecke und Porzellan und Gläsern eingedeckt. Von diesem Fenster aus - wie auch vom Wohnzimmerfenster aus, das sich im gleichen Raum befand, denn Küche, Essecke und Wohnraum waren bei mir eins - hatte man einen hübschen Blick auf die schmale Straße, an der ich wohnte. Ein paar parkende Autos, gegenüber die gleiche Backsteinhäuserfront wie die, in der ich lebte, Straßenlaternen und laubkahle, niedrige Bäume, in die man Lichterketten gehangen hatte .. all das konnte man von meinem Fenster aus wunderbar sehen. Ich thronte quasi über allem, und wenn ich gewollt hätte, hätte ich den Leuten auf dem Bürgersteig unter mir auf den Kopf spucken können. Aber natürlich tat ich das nicht. Was sicher ein Grund dafür war, weshalb ich mit meinen Nachbarn gut klar kam.
Als auch das erledigt war, besann ich mich auf mich selbst. Ein kurzer Blick auf die Uhr - noch eine Stunde - und ich steuerte mein Schlafzimmer an, nahm mir frische Wäsche aus dem Kleiderschrank und betrat danach mein winziges Badezimmer, das an mein Schlafzimmer anschloss. Eine Dreiviertelstunde später verließ ich es wieder, geduscht, eingecremt, geföhnt und angezogen, und zwar in eine champagnerfarbene Seidenbluse, einen rostbraunen, knielangen Rock, hautfarbene, halterlose Strümpfe, Unterwäsche von der gleichen Farbe wie meine Bluse und braune Pumps. Mein Haar hatte ich lose hochgesteckt, und der einzige Schmuck, den ich trug, war das Goldkettchen meines Bruders und kleine Perlen als Ohrstecker. Auf Make-up hatte ich ganz verzichtet - seit ich mein Leben umgekrempelt hatte, stand ich nicht mehr auf die glamouröse Nummer. Das war einfach nicht ich. Eigentlich war ich es nie gewesen.
Um kurz vor drei schaltete ich dann meinen CD-Player an und legte - in der letzten Zeit hatte ich einfach einen Narren an ihm gefressen - Frankieboy auf. Daraufhin entzündete ich die Kerzen im Wohnraum, der dadurch in einen warmen, goldenen Schein getaucht wurde, welcher die Dunkelheit vertrieb, die sich dank der kurzen Wintertage bereits in ihm hatte breitmachen wollen.
Und erst, als es punkt drei Uhr war und es an der Haustür läutete, fiel mein Blick auf den ungeschmückten Weihnachtsbaum, und ich schlug mir vor die Stirn.
Zu spät!
Ich schüttelte den Kopf über mich selbst, lief zur Tür, ermahnte Zazou auf dem Weg dorthin, schön in seinem Körbchen liegen zu bleiben und schnappte mir meinen Hausschlüssel vom Schlüsselbrett. Dann eilte ich die Treppen hinab, um John persönlich an der Haustür hereinzulassen. Natürlich hätte ich auch einfach auf den Türöffner drücken und dann abwarten können. Aber ich wusste ja, dass er zur Zeit behindert war, und ich hatte mir gestern nach unserem Treffen noch genug Vorwürfe gemacht, ihn einfach allein im Park zurückgelassen zu haben. Ich wollte meinem schlechten Gewissen nicht noch eine weitere Unterlassungssünde hinzufügen.
Als ich die Haustür endlich erreichte, riss ich sie mit vor Aufregung glühenden Wangen förmlich auf und strahlte selbst wie eine Weihnachtsbeleuchtung, natürlich in der Erwartung, John vor mir zu sehen. Stattdessen aber stand ein völlig fremder Kerl im Hauseingang, und nicht nur, dass mein Strahlen sich verflüchtigte, ich prallte sogar förmlich zurück. Und stotterte dann keuchend: "Par ... pardon, Senor. Ich .. ich hatte jemand anderen erwartet."
Si, und wie ich jemand anderen erwartet hatte! Meine Enttäuschung hätte nicht größer sein können!

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Verfasst: Di 9. Okt 2007, 20:58 
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Diebische Elster
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"Hola, Senor", antwortete ich John mit einem warmen Lächeln und schwankte zwischen meinem Wunsch, meiner Begrüßung einen Kuss folgen zu lassen und meiner Vernunft, die mir dazu riet, lieber darauf zu verzichten. Ich entschied mich schweren Herzens für letzteres, denn ich wollte ihn nicht bedrängen. Oder den Eindruck erwecken, es nötig zu haben.
"Tut mir leid, dass ich gestern vergessen hab, die Treppen zu erwähnen", ich öffnete die Gittertür des Aufzugs, der sich in der Mitte des Flurs befand und selten benutzt wurde, dann ging ich um John herum und schob ihn samt Rollstuhl in die Kabine hinein. "Hat es sehr weh getan?"
Meine Frage war keine Höflichkeitsfloskel, ich sorgte mich wirklich um ihn. Ich hatte nämlich ganz genau gesehen, wie sehr es ihn angestrengt hatte, sich die Stufen zur Haustür hinaufzuschleppen.

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Verfasst: Di 9. Okt 2007, 21:12 
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Diebische Elster
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Ich lachte leise auf und sah liebevoll auf seinen Hinterkopf - was für wunderschönes, schimmerndes Haar er doch hatte!
"Meine Wohnung liegt nicht ganz so hoch, keine Angst. Eigentlich sind wir sogar schon da."
Der Lift hielt an, und ich drehte mich zur Tür um, öffnete das rasselnde Ding und zog John rückwärts wieder aus der Kabine heraus. Dann drehte ich ihn um und schob ihn die wenigen Meter zu meiner Wohnungstür.
Dahinter hörte man die leise Stimme Sinatras und das laute Gewinsel Zazous. Mein kleiner Liebling hatte mich im Flur gehört und wollte jetzt dringend, dass ich wieder herein kam. Ich tat ihm den Gefallen, indem ich die Haustür aufschloss, kehrte jedoch erst noch einmal zu John zurück, um ihn auch mitzunehmen und nicht im kalten Flur stehen zu lassen. Das war der Moment, wo mein Hund aus der Wohnung geschossen kam, schnurstracks auf John zuhielt, ihn ansprang und sich knurrend in seinem Hosenbein verbiss.
Ich riss die Augen auf und fegte sofort um den Rollstuhl herum.
"ALTO! - Halt!", schimpfte ich Zazou auf spanisch aus, löste ihn mit Mühe von Johns Hose, hob ihn hoch und sah ihm böse in die funkelnden Augen. Dann hob ich meinen Zeigefinger und erklärte ihm unmissverständlich: "Es un amigo, comprende?? NO morder! - Er ist ein Freund, verstanden! NICHT beißen!"
Zazou funkelte mich weiter an, dann blickte er tatsächlich zu John, und es sah aus, als müsste er erst einmal darüber nachdenken. Ich beschloss, die Probe aufs Exempel zu machen und fragte John: "Hast du Mut?"

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Verfasst: Di 9. Okt 2007, 21:25 
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Diebische Elster
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Ich biss mir auf die Lippen, um ein Auflachen zu unterdrücken und kam Johns Bitte nach. Vorsichtig setzte ich Zazou in seinem Schoß ab, neben dem Paketchen, von dem ich mal hoffte, dass es für mich war und hielt meinem Hündchen noch einmal mit energischem Blick meinen Zeigefinger unter die Nase.
"Un amigo, claro? No olvidarte! - Ein Freund, klar? Nicht vergessen!"
Zazou sah mich mit großen Unschuldsaugen an und blieb friedlich. Beruhigt kehrte ich zu meinem Platz hinter John zurück und schob ihn dann endlich ins Warme hinein, ehe ihm ein Eiszapfen an der Nase wuchs. Die Tür drückte ich mit meinem Fuß hinter mir zu. Ich fuhr John bis in die Mitte meines Apartments, dort umrundete ich ihn wieder, sah zerknirscht auf ihn hinab und entschuldigte mich gleich für mehrere Dinge.
"Tut mir leid wegen Zazou. Er kann Männer für gewöhnlich nicht leiden. Jacques hat er seinerzeit so oft gebissen, dass der sich gar nicht mehr in meine Nähe getraut hat, wenn ich den Hund auf dem Arm gehabt hab. Und eigentlich hab ich ja auch noch den Weihnachtsbaum schmücken wollen, aber das ist mir irgendwie durch die Lappen gegangen. Und ach ja, tut mir auch leid wegen gestern nachmittag - ich hätte dich nicht einfach so allein im Park zurücklassen sollen. Wie bist du eigentlich nach Hause gekommen? Aber nicht mit deinem Chopper quer durch die Stadt, oder?"
Ich war nervös. Merkt man das?

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Verfasst: Di 9. Okt 2007, 21:47 
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Diebische Elster
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"Für mich?"
Meine Nervosität wich Verblüffung. Ich starrte das Päckchen erst einmal eine ganze Weile an, ehe ich danach griff.
"Du weißt aber, dass wir noch nicht Weihnachten haben, oder?"
John grinste, sagte aber nichts weiter zum Thema, sondern deutete noch einmal mit seinem Kinn auf das kleine Paket. Noch eine Aufforderung brauchte ich nicht. Ich zupfte eilig das Geschenkband auf, riss ungeduldig wie ein Kind das dunkelrote Papier ab und hob erwartungsvoll den Deckel an.
"Oh Dios!! Ist DAS süß!", entfuhr es mir, als ich den Stoffvogel - die berühmte diebische Elster, wie konnte es anders sein - darin vorfand und um ihren Hals ein wunderschönes, silbernes Armand entdeckte, an dem vereinzelt Diamanten funkelten.
Ich nahm das Stofftier heraus und stellte die Schachtel auf dem Boden ab, dann betrachtete ich erst die Elster mit einem begeisterten Lächeln, schließlich nahm ich ihr das Armband ab und bewunderte auch dies. Ich hatte in meinem Leben schon viel Schmuck getragen - genauer gesagt während der drei Jahre, die ich mit Jacques verheiratet gewesen war, noch genauer gesagt megateuren Schmuck, der preislich sicher weitaus wertvoller als das kleine Armband hier war. Aber nichts, was Jacques mir je geschenkt hatte, war auch nur annähernd so schön gewesen! So zart. So filigran. So märchenhaft anmutig.
"Gracias, John", flüsterte ich und fühlte mich auf einmal ergriffen. Andächtig fuhr ich mit meiner Daumenspitze über das kühle Metall, dann bückte ich mich zu John hinab und hauchte ihm einen zärtlichen Kuss auf den Mund, wobei ich mir zwei Tränen aus den Augen zwinkerte.
"Legst du es mir bitte an?", bat ich ihn, nachdem ich mich wieder aufgerichtet hatte. Wie gerührt ich doch war! John hatte sich Gedanken gemacht und nicht für irgendetwas sinnlos mit Geld um sich geworfen. Ich konnte mit Gewissheit sagen, dass das das Schönste war, was man mir je geschenkt hatte.

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Verfasst: Di 9. Okt 2007, 21:59 
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Diebische Elster
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So, wie er mich auf meine Hand küsste, so hatte er mich auch damals geküsst, bei unserer ersten .. no, zweiten .. no, dritten Begegnung im Museum of Modern Art. Ich würde das nie vergessen!
"Si, so ein Zufall! Aber da haben wir es - der Name ist Schuld an allem! Ich kann eigentlich gar nichts dafür!"
Lächelnd schob ich John zu meiner Sitzecke im Wohnraum - ein gemütliches, großes, mit rotbraunem Stoff bezogenes Sofa, auf dem viele Kissen herumlagen, ein kleiner Walnusstisch und zwei Sessel, die zum Sofa passten und sah John dann fragend an.
"Möchtest du im Rollstuhl sitzen bleiben oder lieber woanders sitzen? Und möchtest du einen Kaffee? Oder etwas kaltes zu trinken? Ist es dir hier eigentlich warm genug?"
Schon wieder begann ich zu plappern.

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Verfasst: Di 9. Okt 2007, 22:59 
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Diebische Elster
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Ich freute mich darüber, dass es John hier gefiel. Es war mir wichtig, weil diese Wohnung ich war. Ich hatte sie ausgesucht und sie gekauft und nach meinem Geschmack eingerichtet. Sie war nicht klein, aber auch nicht wirklich groß. Auf keinen Fall zu vergleichen mit dem Ort, an dem ich davor gewohnt hatte. Aber im Gegensatz zu Jacques Villa gehörte mir dieser Flecken hier allein, und ich hatte ihn mit viel Holz, Teppichen, Kissen, Bildern und Pflanzen zu einem Hort der Behaglichkeit gemacht. Ockerrot gestrichene Wände, dunkelglänzende Holzdielen, federleichte hellgelbe Gardinen und jedes Möbelstück einmalig .. keine Antiquitäten, sondern Gebrauchsgegenstände, an denen die Vorbesitzer ihre Spuren hinterlassen hatten und die darum in meinen Augen lebten. Bei Jacques war alles einfach nur tot gewesen.
"Warte einen Moment .. ich bin gleich wieder da."
Ich wollte mich gerade von John abwenden, als ich sah, wie Zazou wieder auf seinen Schoß sprang, um sich weiter kraulen zu lassen. Na da hatte aber jemand schnell seine Meinung geändert! - Nicht, dass ich es meinem Hund hätte verdenken können, denn am liebsten hätte ich das Gleiche getan .. meinen Kopf in Johns Schoß gebettet und mich einfach nur von ihm streicheln lassen.
Zu Frankies 'I've got you under my skin' - einem Titel, der nicht wahrer hatte sein können - ging ich in den Küchenbereich, setzte dort Kaffee auf und schenkte John von dort aus immer wieder ein Lächeln. Er machte sich verdammt gut auf meinem Sofa ... von mir aus hätte er da Tag und Nacht sitzen können, ich hätte nichts dagegen gehabt. Nun gut, jeden Tag .. nachts hätte ich ihn lieber woanders gesehen, wenn ich ehrlich mit mir war.
Der Kaffee lief schnaufend durch, und ich beschäftigte mich damit, derweil Zucker und Milch auf ein Tablett zu stellen, Kaffeebecher anstatt -tassen und auch eine kleine Schale mit Keksen. Auch Löffel legte ich dazu, dann spülte ich die Kaffeekanne aus, goss den inzwischen durchgelaufenen, frischen Kaffee hinein, packte auch diese auf das Tablett und kehrte zu John zurück.
"Ist irgendwie seltsam, findest du nicht?", stellte ich dabei schmunzelnd fest und begann, das Tablett auf dem Wohnzimmertisch zu leeren. "Normalerweise laufen Bekanntschaften wohl eher anders ab. Ich meine ..", ich setzte mich neben John, goss ihm Kaffee ein und biss mir amüsiert auf die Lippe, "erst haben wir uns geschlagen - oder eher du mich - dann haben wir uns geliebt, jetzt trinken wir Kaffee miteinander. Die Reihenfolge müsste doch umgekehrt sein, oder nicht? - Milch und Zucker?"
Meine Nervosität hatte sich etwas gegeben - wozu Kaffeekochen nicht alles gut sein kann!

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Verfasst: Mi 10. Okt 2007, 07:40 
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Diebische Elster
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Jetzt fühlte ich mich wirklich wie ein Backfisch!
Ich hatte John während seiner kleinen Ansprache Kaffee eingeschenkt und mir ebenfalls, hatte bei mir noch etwas Milch dazu gegeben und dann meinen Becher zur Hand genommen - und an dem hielt ich mich gerade fest, als wäre er der berühmte Strohhalm, an den man sich klammert, um nicht zu ertrinken.
"Und ... was empfindest du für mich, John?"
Ich hatte schon oft gehört, was Männer für mich empfanden. Sicherlich häufig der Wahrheit entsprechend, häufig aber auch nur als Mittel zum Zweck, damit sie mich ins Bett bekamen, und diese hatten es nie kapiert, dass es gar nicht darum ging, was sie empfanden, sondern darum, was ich wollte, wenn die Bettfrage aufkam. Es hatte mich niemals interessiert, ob ein Mann Gefühle für mich hatte. Genauso wenig hatte ich es einem muchacho je gesagt, dass ich Gefühle für ihn hätte.
Jetzt war alles anders. Neu. Aufregend. Fast ein wenig zum Fürchten.

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