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Verfasst: Do 6. Mär 2008, 13:20 
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Zielscheibe wider Willen
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Ich fand die ganze Sache höchst merkwürdig, und ich wusste, das auch Jake seine Zweifel an Donahues Aussage hatte - klar, mit denen hielt mein Partner ja auch nicht gerade hinterm Berg. Aber da er gerade den Supermisstrauischen gab, übernahm ich lieber die Rolle der verständnisvollen Partei - das Guter-Cop/Böser-Cop-Spiel eben - in der Hoffnung, dass Donahue sich mir gegenüber mehr öffnen würde. Ich musste ihn im Redefluss halten. Mochte sein, dass ihm dabei der eine oder andere Fehler unterlief.
"Vielleicht sollten wir uns erst einmal setzen und unsere Gemüter beruhigen", schlug ich also vor und sprach dabei bewusst von "wir", um Donahue damit ein Gefühl von Gemeinsamkeit und Vertrauen zu vermitteln. Jakes Blick, mit dem er mich kurz bedachte, ignorierte ich - ich nahm einfach mal an, dass er wusste, was ich dachte und hoffte darauf, dass er seine "böse" Rolle weiter spielen würde. Sollte ihm ja eigentlich nicht schwer fallen.
Donahue nickte zögernd zu meinem Vorschlag und ging mit uns zur Sitzecke, die mir bereits bekannt war. Dort zog ich meinen Mantel dann doch aus und legte ihn über die Lehne eines der Sessel, und zwar ungeachtet der jetzt sichtbaren Waffe, denn ich stand dank meines Pullovers inzwischen kurz vor einem Schweißausbruch, und abgesehen davon hätte es ziemlich bescheuert ausgesehen, wenn ich mich mit in voller Montur gesetzt hätte. Außerdem wusste Donahue ja, dass wir Cops waren. Also was sollte es?
Ich nahm Platz, Dignam und Donahue ebenfalls, dann wandte ich mich wieder an letzteren.
"Wieso glauben Sie, dass Ihrer Frau etwas passieren könnte, Mister Donahue? Haben Sie gesehen, wie dieser Mann sie bedroht hat? Hat er ihr Gewalt angetan? - Und was ist mit dem Kennzeichen? An was können Sie sich da genau erinnern? Wenn Sie uns ein paar Anhaltspunkte mehr gäben, wäre das sehr hilfreich."

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Verfasst: Do 6. Mär 2008, 13:35 
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Frauenhasser
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"Und anhand dieser vagen Äußerungen sollen wir eine Fahndung lostreten??", schnaubte ich unwirsch und ging auf Careens Spiel ein. "Da müssen Sie uns schon etwas mehr liefern, Mister. Ihre Frau steigt freiwillig zu 'nem Kerl in den Wagen und haut mit ihm ab .. klasse! Vielleicht sollten Sie lieber 'nen Eheberater aufsuchen als die Polizei mit so 'nem Stuss zu belästigen. Ich glaub, wir verschwenden hier nur unsere Zeit!"
Ich stand demonstrativ wieder auf und ging zur Tür. Dabei wartete ich förmlich darauf, von Careen zurückgepfiffen zu werden. Musste ich nicht lange tun.
"Sergeant! Setzen Sie sich wieder. ICH sage, wann wir hier fertig sind und NICHT Sie!"
Ich grinste die Tür an und hätte drauf wetten können, dass es Careen mächtig Spaß machte, mich offiziell so springen zu lassen. Vor kurzem hätte ich ihr dafür noch gedanklich den Kopf abgerissen, denn da wäre es noch ein Kräftemessen zwischen uns beiden gewesen. Jetzt war es Taktik - und machte mir Spaß.
Ich holte eiligst mein mürrischstes Gesicht hervor, das ich auf Lager hatte und drehte mich wieder zu den beiden um. Dann ging ich zurück zu meinem Sessel und ließ mich wieder hineinfallen. Meinen Blick heftete ich dabei auf Donahue, und zwar so finster, als hätte ich vor, ihn gleich zu erschießen. Der Kerl sah prompt weg und blickte lieber wieder Careen an, die ihn verständnisvoll anklimperte. Ich schmunzelte innerlich.
"Mein Kollege hat leider recht", gurrte sie. "Ohne weitere Hinweise können wir nicht viel machen. Sie ist ja nicht einmal unfreiwillig mitgegangen. Aber wir könnten eine Fahndung einleiten, wenn sich unser Verdacht erhärten sollte, dass sie wirklich etwas mit dem Mord zu tun hat. Was genau hat Ihre Frau denn an Bemerkungen fallen gelassen?"
Oh, 'unser Verdacht erhärten'! Ich zog gedanklich den Hut vor Careen. Sie stellte es doch tatsächlich so dar, als wäre Katelyn Donahue unsere Hauptverdächtige. Dabei hatten wir uns dahingehend noch gar nicht festgelegt. Wenn Donahue mit seinem Theater allerdings noch weiter machte, würde ich ihn bald auf meine Topten-Liste setzen. Und zwar an die erste Stelle!

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Verfasst: Do 6. Mär 2008, 13:48 
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Zielscheibe wider Willen
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Donahues Aussagen waren schwammig und reichten eigentlich nicht für eine Fahndung. Jeder, der von dem Fall gehört hatte, hätte mit Fug und Recht sagen können, dass Kitty ihm leid tat und dass sie wohl zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen war. Das dachte ich ja auch zum Teil, und das machte mich nicht zum Mörder.
Trotzdem ging ich auf Donahues Spiel ein. Und würde eine Fahndung nach seiner Frau ausgeben, aber nur, weil ich sie sowieso finden wollte, denn immer mehr kam ich zu der Überzeugung, dass nicht SIE es war, die falsch spielte, sondern ER - Patrick Donahue. Das sagte ich aber natürlich nicht.
"In Ordnung, Mister Donahue. Ich denke, dass das ausreicht, um eine offizielle Fahndung nach Katelyn zu rechtfertigen. Ich muss Sie bitten, uns auf's Revier zu begleiten und dort Ihre Aussage zu Protokoll zu geben. Ich werde dann alles in die Wege leiten."
Mit diesen Worten stand ich auf und griff wieder nach meinem Mantel.

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Verfasst: Do 6. Mär 2008, 14:18 
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Frauenhasser
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"Er ist es!", kam es mir sofort über die Lippen, kaum dass wir wieder in Careens Wagen saßen.
Wir schnallten uns an, Careen startete den Wagen und fuhr los, sagte aber nichts.
"Was? - Ich hab doch recht! Der hat uns doch gerade das Blaue vom Himmel herunter gelogen!!!"
Careen sah kurz in den Rückspiegel, wahrscheinlich, um sich zu vergewissern, dass Donahue uns auch folgte, dann reihte sie sich in den Verkehr ein.
"Ja, das hat er. Ich glaube auch nicht, dass seine Frau mit einem anderen durchgebrannt ist. Dafür ist sie nicht der Typ. Außerdem hat er zu dick aufgetragen."
Zufrieden entspannte ich mich und sah geradeaus auf das Heck eines vor uns fahrenden LKW. Doch dann runzelte ich die Stirn.
"Aber?"
Ihr Gedankengang war noch nicht zu Ende gewesen. Ich kannte Bemerkungen, hinter denen ein unausgesprochenes Aber mitschwang, ziemlich gut. Ich brachte sie selbst oft genug.
"Er ist nicht Kittys Mörder."
"Wieso nicht? Was spricht dagegen?" Forschend sah ich Careen an. Sie zuckte mit den Schultern.
"Mein Gefühl."
Ich schnaubte.
"Nein, wirklich, Jake. Gerade weil Donahue gerade zu dick aufgetragen hat, ist er es nicht. Hast du nicht bemerkt, wie nervös er war?"
Ich runzelte die Stirn.
"Mit Recht. Wir sind ihm ja auch auf der Schliche."
Aber mein Boss schüttelte den Kopf.
"Derjenige, der Kitty Cartwright umgebracht hat, ist niemand, der schnell nervös wird. Er ist total abgebrüht und selbstsicher. Er hat eine junge Frau furchtbar abgeschlachtet und irgendwo ausbluten lassen, und dann hat er ihre Leiche in den Weinkeller der Burg geschafft, irgendwann früh am Morgen, wo er schon hätte Bediensteten begegnen können. Warum erst morgens? Warum nicht in der Nacht schon? Und warum in den Weinkeller? Warum hat er sie nicht einfach vor dem Haus abgelegt?"
"Er wollte nicht, dass sie sofort gefunden wird."
"Ja, das denke ich auch. Aber warum? Es hätte Patrick Donahue doch furchtbar egal sein können, wann die Leiche gefunden wird, wenn er der Mörder war. Es sei denn natürlich, er hätte sich erst einmal ein Alibi verschaffen müssen. Aber er hat gar kein Alibi. Also, noch mal - warum hat man die Leiche dann an einem so schlecht zugänglichen Ort geschafft? Für den Täter schlecht zugänglich. Er musste mit ihr durch die Eingangshalle, Jake! Er hätte von jedem gesehen werden können!"
Nachdenklich kratzte ich mich am Kinn und sah wieder auf den Laster vor uns.
"Wer auch immer sie umgebracht hat, hat nicht nur ruhiges Blut bewahrt, er muss sogar einen perfiden Spaß daran gehabt haben, ein Risiko einzugehen. Es hat ihm vielleicht einen Kick gegeben", überlegte Careen laut weiter. "Und er kannte sich mit der Forensik aus. Es war nichts an der Leiche zu finden gewesen, was Aufschluss auf den Täter gegeben hätte. Gar nichts."
"Du meinst, es war ein Cop?", ein wenig verblüfft sah ich sie von der Seite her an. Careen zuckte mit den Schulter und wechselte dabei die Spur. "Ich weiß es nicht. Vielleicht. Oder vielleicht auch ein Arzt. Pathologe möglicherweise."
Das war für mich eine völlig neue Sichtweise der Dinge.
"Aber wo bleibt da das Motiv?"
"Warum arbeiten neunzig Prozent aller Brandstifter bei der Feuerwehr?", gab sie trocken zurück und sah mich bezeichnend an. Sofort hob ich abwehrend die Hände. "Hey, ICH war's nicht!"
Careen schmunzelte, ich grinste. Ich mochte ihr Schmunzeln.
Aber dann wurde ich wieder ernst.
"Da nur wir zwei in diesem Fall ermitteln und wir uns beide wohl gegenseitig als Täter ausschließen können, fällt aber auch das Motiv flach, dass man selbst einen Fall kreiert, um ihn dann auch selbst lösen zu können."
Nachdenklich sog Careen ihre Unterlippe ein, was mich unwillkürlich an den Moment erinnerte, wo ich sie letztens geküsst hatte. Ich spürte, wie ich kribbelig wurde und lenkte meine Gedanken wieder in berufliche Bahnen.
"Ja, das schon. Aber es könnte doch auch sein, dass er sich mit uns messen will. Nach dem Motto 'Wer ist der bessere Cop, der ermittelnde oder der böse?'. Oder?"
Ich atmete tief durch.
"Dann müsste das jemand vom Revier sein. Und dann wahrscheinlich auch aus dem Morddezernat. Wenn es nicht Doc Morris selbst gewesen ist. Weißt du, was das bedeutet? Wäre echt der Hammer!"
Careen zuckte mit den Schultern. "Ich sag ja nicht, dass es so ist. Sondern nur, dass es so sein könnte. Es würde auf jeden Fall besser ins Täterprofil passen als einer von den Donahues. Eine Leiche in den Keller legen, um Riggs unter Mordverdacht zu bringen ..", sie schnaubte und warf mir einen Seitenblick zu. "Mal ehrlich, was bringt das denn? Selbst wenn Riggs verhaftet und in den Bau gesteckt würde, deshalb hätten sie das Erbe doch noch lange nicht. Aber ein Mordfall, der so überhaupt nichts mit der Burg zu tun hätte - mal abgesehen davon, dass die Tote vorher dort gearbeitet hat - also ohne jegliches plausibles Motiv, DAS wäre doch was, oder? Wir wissen doch beide, wie solche Psychopathen ticken. Ich glaube inzwischen fast sicher, dass wir es hier mit jemandem zu tun haben, der uns herausfordern will."
"Dir ist aber schon klar, was das bedeutet, oder?", fragte ich finster.
"Dass das nicht die letzte Leiche gewesen ist?", kam es von Careen sofort scharfsinnig zurück. "Ja, das denke ich auch. Der Typ, wer auch immer das war, ist auf den Geschmack gekommen. Und er wird uns noch mehr präsentieren."

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Verfasst: Do 6. Mär 2008, 15:36 
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Zielscheibe wider Willen
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Der gestrige Nachmittag war wie im Flug vergangen. Wir hatten Patrick Donahues Aussage zu Protokoll genommen, was nicht lange gedauert hatte, dann hatten Jake und ich uns in meinem Büro eingeigelt und noch einmal meine neue Theorie durchgesprochen, die für mich immer wahrscheinlichere Züge angenommen hatte. Welchen Dreck Patrick Donahue auch immer am Stecken hatte, es klebte mit höchster Wahrscheinlichkeit kein Blut daran. Dennoch durfte ich ihn weiterhin als möglichen Täter in Betracht ziehen, denn immerhin hatte Miss O'Leary ausgesagt, Katelyn Donahue hätte ihr gegenüber behauptet, ihr Mann hätte etwas mit dem Mord an Kitty Cartwright zu tun. Und solange ich Katelyn Donahue dazu nicht selbst befragen konnte, blieb Donahue erst einmal verdächtig. Das hatte ich ihm natürlich nicht gesagt, aber wieder hatte ich ihn darum gebeten, möglichst in der Stadt zu bleiben und weiterhin erreichbar zu sein - unter dem Vorwand, damit wir ihn sofort benachrichtigen könnten, sobald sich etwas bei der Suche nach seiner Frau ergeben sollte.

Kurz vor Feierabend hatte uns Higgins dann zu sich gerufen, um zu hören, wie wir mit den Ermittlungen voran kamen. Wir präsentierten ihm die Fakten und auch die Schlussfolgerungen, die wir bislang gezogen hatten, ließen die Böse-Cop-oder-Arzt-Theorie aber erst einmal weg. Dazu hatten wir zu wenig Anhaltspunkte, und das Argument, dass ich es einfach im Gefühl hatte, hätte er wohl nicht akzeptiert. Zum Schluss unserer Besprechung hatte er Higgins mich noch einen Moment zurückgehalten, während Jake schon mal gehen durfte und hatte mich gefragt, wie ich mit Jake zurecht käme. Ich hatte ihm geantwortet, dass ich mir die Zusammenarbeit mit meinem Partner nicht besser vorstellen könnte, was ihn ziemlich verwundert hatte. Ihm wären ein paar Gerüchte zu Ohren gekommen, hatte er daraufhin gemeint. Eine Wette, die Dignam ins Leben gerufen hätte und die ziemlich 'unfein' sein sollte. Ich hatte entgegnet, dass ich davon auch gehört hätte, dass das aber alles Unsinn wäre, woraufhin Higgins sich zufrieden gegeben und uns weiterhin Glück bei den Ermittlungen gewünscht hatte.

Das war der Stand um fünf Uhr Nachmittags gewesen. Im Anschluss an meinen Dienst war ich sofort in meine Wohnung gefahren - nachdem ich eine Einladung ins Paddy's abgelehnt hatte. Jake hatte mich gefragt, ob ich noch mit ihm auf einen Drink dort vorbei schauen würde. Und mir sofort mit einem fast schon verlegen wirkenden Lächeln beteuert, dass er diesmal ganz gewiss keine krummen Absichten hätte. Ich hatte es ihm geglaubt, aber trotzdem nein gesagt. Mein Kopf war so voller Gedanken, dass ich dringend das Bedürfnis gehabt hatte, ein wenig allein zu sein, um sie sortieren zu können. Ich hätte Jakes Einladung besser angenommen, denn ich war noch nicht lange zu Hause, als mein Handy geklingelt und ich wieder Matt in der Leitung gehabt hatte.
"Du hast mir noch nicht geantwortet, Cary", hatte er mich mit seiner sonoren, warmen Stimme erinnert. "Ich habe dir gesagt, dass ich dich heiraten möchte."
"Matt, bitte ... das kommt jetzt alles etwas schnell für mich."
"Ich liebe dich, Cary."
"Wir haben uns getrennt. Schon vor fünf Monaten."
"Ich bin in dieser Zeit gestorben ohne dich."
"Du bist in dieser Zeit mit deiner Frau in die zweiten Flitterwochen gefahren."
"Es war ein Fehler. Das weiß ich jetzt. Ich hatte es ihr dort sagen wollen, in einer entspannten Atmosphäre. Ich hatte gedacht, es würde ihr dann leichter fallen."
"Weißt du eigentlich, wie leicht es MIR gefallen ist, in diesen drei Wochen meinen Job zu tun? Dabei ständig deinen leeren Schreibtisch zu sehen und mir vorzustellen, wie du sie gerade am Strand eurer Scheißkaribikinsel ..."
"Careen, jetzt werd bitte nicht ordinär! - Careen?"
"Mach's gut, Matt. Ich hab jetzt einen Job in Cork, und der füllt mich vollends aus. Ich brauche dich nicht mehr."
"Aber ich brauche d..."
Mehr hatte ich nicht mehr gehört, weil ich aufgelegt hatte. Dann hatte ich mir die Augen aus dem Kopf geheult. Und bis zum Einschlafen immer wieder Matts Stimme gehört, die mir zugeflüstert hatte: "Cary, ich liebe dich. Ich will dich heiraten."

Auch heute morgen war mir die Sache mit Matt nachgelaufen, und das änderte sich erst, als ich endlich wieder in meinem Büro saß und begann, mich erneut auf den Carrigaline-Fall zu konzentrieren. Inzwischen waren die Alibis der Befragten allesamt bestätigt, und die beiden Personen, die keines hatten, waren der Postbote, der aber ein Hüftleiden hatte und schon allein aus diesem Grund niemals eine Frauenleiche die Kellertreppe hätte hinab schleppen können und der Gärtner, der es aber nicht sein konnte, weil im wirklichen Leben niemals der Mörder immer der Gärtner war. Das war nun mal eine unumstößliche Tatsache, weshalb ich ihn ebenfalls von der Liste der Verdächtigen gestrichen hatte. Nun gut, vielleicht auch, weil er bereits über siebzig war und nach Jakes Beschreibung wohl auch ziemlich kurzsichtig war.
Gerade wollte ich mir eine Tasse Kaffee holen und mich dann bei Jenkins nach der Fahndung nach Katelyn Donahue erkundigen, als das Telefon ging. Mein Schreibtischtelefon, nicht mein Handy, weshalb ich mit gutem Gewissen abnahm. Meine Ruhe sollte sich aber nur einen Moment später in geschäftige Hektik verwandeln, denn Sean Riggs war am Apparat und stieß aufgeregt in die Muschel: "Inspector! Sie müssen SOFORT kommen! Wir haben NOCH eine Leiche gefunden! In der Garage! Der GÄRTNER!"

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Verfasst: Do 6. Mär 2008, 15:58 
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Plötzlich Burgherr
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Ich hatte seit gestern nichts mehr von Kate gehört und mir inzwischen die größten Sorgen gemacht. Auch wenn ich nichts beweisen konnte, aber es war mir sowas von klar, dass Donahue sie irgendwo hingebracht hatte. Und vielleicht hatte er ihr sogar was angetan. Der Gedanke hatte mich verrückt gemacht, so dass ich nachmittags und auch abends noch mal zum Haus der Donahues gefahren war - mit Miss O'Leary natürlich - aber umsonst. Kate war nicht mehr aufgetaucht.
Wir waren daraufhin noch mal nach Cork reingefahren, einfach auf gut Glück. Vielleicht würden wir sie ja zufällig sehen. Aber klar, das hatte auch nichts gebracht. Den Rest des Abends und die Nacht hatte ich grübelnd verbracht. Geschlafen hatte ich nicht viel.

Heute morgen war ich entsprechend schlecht drauf gewesen. Ich hatte nur wenig gefrühstückt, dafür ein paar Tassen Kaffee mehr getrunken. Dann war ich mit Miss O'Leary aufgebrochen, weil wir noch einmal mit Inspector Cullen hatten sprechen wollen. Vielleicht hatte sich ja doch was ergeben.
Aber wir kamen nicht über die Garage hinaus. Kaum hatten wir das Tor aufgezogen und waren eingetreten, um den Bentley zu holen, als unser Blick auch schon auf zwei langgestreckte Beine gefallen war. In Hosen steckend diesmal und die Beine des Gärtners anstatt die eines Zimmermädchens - aber das war der einzige Unterschied gewesen. Auch Mister Ravendale hatte man das Hemd aufgerissen und Bauch und Brust mit dem Messer traktiert. Und auch die Augen hatte man ihm herausgeschnitten. Miss O'Leary hatte einen spitzen Schrei ausgestoßen, dann war sie umgefallen. So gerade noch hatte ich sie auffangen können.
Und jetzt standen wir beide vor der wieder verschlossenen Garage, nachdem wir Inspector Cullen alarmiert hatte und warteten auf die Polizei. Ich kann gar nicht wiedergeben, was mir in diesem Moment alles durch den Kopf schoss. Aber eines war klar - meine Ankunft hier auf Carrigaline Castle stand unter einem sauschlechten Stern.

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Verfasst: Do 6. Mär 2008, 22:01 
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Frauenhasser
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"Du hast Recht gehabt", konstatierte ich mit dunklem Blick, während wir in Careens BMW wieder einmal in Richtung Carrigaline Castle unterwegs waren. "Er hat schon wieder zugeschlagen. Aber verdammt, wieso so schnell?? Das ist überhaupt nicht typisch. Er hätte uns mehr Zeit lassen sollen."
"Irgend etwas treibt ihn zur Eile", murmelte Careen nachdenklich. "Vielleicht können wir ihn darüber festnageln. In der Eile begeht er vielleicht einen Fehler."
"Ja, aber wenn wir uns nicht auch beeilen, haben wir in drei Tagen die nächste Leiche da rumliegen. Wahrscheinlich wieder auf Burg Carrigaline."
"In vier", korrigierte Careen mich. Ich sah sie fragend an, und sie fügte hinzu, ohne den Blick von der Straße zu nehmen: "Kitty hatte bereits mehr als einen Tag im Keller gelegen, als man sie fand. Solltest du mit in Betracht ziehen."
"Meinetwegen in vier", brummte ich unwillig. "Nicht gerade viel Zeit, um den Kerl zu schnappen."
"Wenn es denn ein Kerl ist", lautete Careens nächste Bemerkung - ich fand sie heute morgen ziemlich pingelig.
"Wieso immer Carrigaline Castle? Wieso holt er sich seine Opfer immer dort?"
Careen zuckte mit den Schultern. Aha! Endlich mal etwas, worauf sie keine Antwort wusste.
"Vielleicht hat er sich nur zufällig darauf eingeschossen", mutmaßte sie. "Oder es ist doch jemand von der Burg, und unsere Theorie von dem superschlauen Psychopathen ist für die Katz."
"Du bist heute morgen richtig erfrischend. Weißt du das?"

Zehn Minuten später fuhren wir in den Burghof ein. Es hatte wieder einmal zu regnen begonnen, aber mich störte das nicht. Ich zog mir lediglich den Jackenkragen etwas höher, war allerdings überrascht, dass Careen auch nichts anderes machte. Kein Regenschirm, den sie aus dem Kofferraum zauberte? Waren die Weiber sonst nicht immer so auf den Sitz ihrer Frisur bedacht? Da durfte doch normalerweise kein Regentröpfchen dran kommen. Aber Careen war nicht wie andere Frauen, das hatte ich inzwischen längst kapiert. Darum kam ich auch gut mit ihr zurecht. Mit jedem Tag, den wir länger zusammen arbeiteten, besser. So gut, dass ich ziemlich gerne mit ihr geschlafen hätte, um unser Arbeitsverhältnis perfekt zu machen. Aber das war ja nach meinem gelungenen Einstand bei ihr von vor drei Tagen erst mal keine Option mehr. Ich konnte froh sein, wenn sie mich nach Dienstschluss überhaupt noch sehen wollte. Gestern war das ja schon nicht der Fall gewesen. Ob sie heute anders drauf wäre?
Wir wollten gerade auf die Haustür zugehen, als wir von der Seite angerufen wurden.
"Inspector? Hier entlang, bitte!"
Miss O'Leary kam uns mit einem großen Regenschirm entgegen, unter den gut und gerne eine ganze Fußballmannschaft Platz gefunden hätte und hielt diesen fürsorglich über Careen. Mich bedachte sie lediglich mit einem knappen Nicken.
"Wir haben ihn heute morgen in der Garage gefunden. Ein schrecklicher Anblick! Überhaupt eine schreckliche Tat! Wie kann man nur?"
Ja, wie konnte man nur. Das fragte ich mich auch jedesmal. Leider dachte nicht jeder so vernünftig.

Es war derselbe Täter gewesen, das sahen wir mit einem Blick, als wir die Garage betraten. Dieselbe Vorgehensweise, in der das Opfer abgeschlachtet worden war. Und auch hier war der Mord woanders geschehen, denn es gab keine Blutlache und keine Spritzer.
Mit einem nichtssagenden Gesichtsausdruck näherte Careen sich der Leiche, wobei sie zuvor den Boden nach Spuren absuchte, ehe sie einen Schritt tat, dann kniete sie sich neben den toten Gärtner und betrachtete ihn eingehend.
"Wer hat die Leiche gefunden?"
"Miss Leary und ich", gab Riggs, der hier am Tatort auf uns gewartet hatte, uns bereitwillig Auskunft.
"Wann?"
"Neun Uhr vierzehn", das war jetzt Miss O'Leary, die sich zu Wort meldete. Ich notierte mir das. "Ich hab extra auf die Uhr gesehen."
"Das war sehr vorausschauend von Ihnen, Miss O'Leary", lobte mein Partner sie.
"Nun, man bekommt langsam Routine."
Die alte Dame sagte das in einem Tonfall, der irgendwo zwischen Sarkasmus und Resigniertheit rangierte.
"Ja, offenbar ist das leider so", Careen stand wieder auf. "War sonst noch jemand hier gewesen? Wurde die Leiche von Ihnen berührt oder sogar bewegt? Haben Sie irgendetwas vom Tatort entfernt?"
Riggs und O'Leary verneinten das, ich notierte es mir.
"Der Tod is noch nicht lange her, denn die Leiche ist noch warm und das Blut an der Bauchhöhle und in den Augenhöhlen noch nicht getrocknet. Wer ist in den letzten zwölf Stunden hier gewesen? Auf der Burg, meine ich."
Miss O'Leary nannte die Namen der Leute, die in Frage kamen, und ich stieß ein Dankgebet gen Himmel, dass es diesmal wenige waren. Das würde die Befragung beschleunigen.
"In Ordnung, danke. Die Spurensicherung ist unterwegs - ich möchte Sie bitten, hier nichts zu verändern und meinen Kollegen die Arbeit nicht zu behindern. Da der Tatort wieder ein anderer ist als der Fundort und die Leiche nicht in der Burg gefunden wurde, werden unsere Leute auch die Umgebung absuchen und nicht nur die Garage. Den Burghof, den Garten ... alles, was zur Burg gehört. Auch die Burg selbst werden sie noch einmal in Augenschein nehmen. Wir wären schon einen ganzen Schritt weiter, wenn wir den Tatort fänden."
Ja, wenn der überhaupt hier in der Nähe war. Aber das dachte ich nur bei Careens Worten, ich sprach es nicht aus.
Miss O'Leary seufzte auf und nickte, Riggs tat es ihr gleich.
"Wir kennen das ja schon. - Sagen Sie, Inspector ...", er kam einen Schritt näher und sah Careen ernst an, "... warum werde ich nicht als tatverdächtig verhaftet? Das ist jetzt die zweite Leiche auf meiner Burg. Und die Morde fingen an, als ich hier einzog."
Ein amüsiertes Lächeln begann meine Lippen zu umspielen.
"Tja, eigentlich ist die Frage berechtigt", stimmte ich zu und sah Careen trocken an. Was sie ihm jetzt wohl antworten würde?
"Für eine Verhaftung reicht das nicht, Mister Riggs. Aber wenn Sie so scharf darauf sind, von der Polizei mitgenommen zu werden - in meinem Auto ist noch im Fond Platz. Wenn Sie wollen, können Sie uns gerne begleiten, wir müssen Ihre Aussage sowieso wieder zu Protokoll nehmen."
Riggs hob sofort abwehrend die Hände. "So eilig hab ich es nun auch wieder nicht. Ich wollte nur wissen, ob ich tatverdächtig bin."
"Jeder ist tatverdächtig, der sich zum Zeitpunkt des Mordes auf der Burg befunden hat, Mister Riggs."
Er nickte. Ich schmunzelte. Sie hatte ihm nicht gesagt, dass wir ihn als Täter ausschlossen, ebenso, wie wir Miss O'Leary nicht verdächtigten. Unser Inspector war eine harte Nuss.

Eine Stunde später hatten wir die Aussagen der wenigen Personen aufgenommen, die sich seit gestern Abend neun Uhr auf Burg Carrigaline aufgehalten hatten. Darüberhinaus hatten wir der Spurensicherung die Klinke in die Hand gedrückt und befanden uns jetzt auf dem Rückweg nach Cork. Es stand wieder eine Menge Arbeit an. Wie ich mich darauf freute!

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Verfasst: Fr 7. Mär 2008, 13:54 
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Zielscheibe wider Willen
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Wir hatten den Chief sofort nach unserer Rückkehr ins Revier von dem neuen Mordfall unterrichtet. Prompt war Higgins explodiert.
Wie das denn hätte passieren können, hatte er geschrieen. Ob wir denn nicht nach dem letzten Mord ein paar Officers dagelassen hätten, die die Burg hätten bewachen sollen. Meinen Einwand, dass wir keinen Grund gehabt hätten, mit einem zweiten Mord zu rechnen - zumal so schnell - hatte er einfach beiseite gewischt. Dann hatte er sich seine kümmerlichen drei Haare gerauft und gewehklagt, wie er das denn bloß dem Polizeipräsidenten beibringen sollte und dass uns die Zeitung morgen in Stücke reißen würde und dass was geschehen müsste ...
Dignam und ich hatten uns nur schweigend angesehen und das Donnerwetter über uns ergehen lassen. Wobei ich mir den Gedanken nicht hatte verkneifen können, dass die Aggressivität und Unbeherrschtheit meines Partners kein Wunder war, denn der Chief war diesbezüglich ja ein wahres Vorbild.

Am späten Nachmittag wurden wir ein zweites Mal in Higgins' Büro gerufen und tauschten auf dem Weg dahin unsere Meinungen über den Grund aus. Ich hatte ja die Hoffnung, dass Higgins sich bei uns für seinen Ausraster am Vormittag entschuldigen würde, während Dig zynisch spekulierte, dass er uns nur darum noch mal antanzen ließ, um uns beide zu degradieren.
Die Wahrheit lag wie so oft dazwischen.
Higgins entschuldigte sich natürlich nicht, aber er rechtfertigte seinen Wutausbruch zumindest mit dem Druck, den die Öffentlichkeit mit Sicherheit nun wieder auf die Polizei ausüben würde. Und er degradierte uns selbstverständlich auch nicht, aber er erklärte uns, nachdem wir wieder vor seinem Schreibtisch Platz genommen hatten, dass er es für angebracht halten würde, uns in diesem Fall Unterstützung zur Seite zu stellen - schließlich müsste er dem Polizeipräsidenten ja Maßnahmen präsentieren, die er nach dem zweiten Mord ergriffen hätte. Und so hätte er in im Hauptquartier in Dublin Verstärkung angefordert, und es hätte sich gut getroffen, dass man einen der fähigsten Mitarbeiter für Cork hätte abstellen können.
Mein Blick war schon bei der Erwähnung des Hauptquartiers alarmiert geworden, aber als nach Higgins letzter Bemerkung die Tür zum Nachbarbüro aufging und besagte Verstärkung herein kam, geriet er schockiert. - Matt!

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Verfasst: Fr 7. Mär 2008, 14:16 
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Ich hatte im Nebenraum auf mein Stichwort gewartet und betrat nun Higgins Büro.
Und dort saß sie, meine Cary!
Sofort heftete sich mein Blick auf sie, und ich lächelte sie an.
"Hallo Careen. Schön, dich wiederzusehen."
Sie starrte mich an, als wäre ich ein Geist. Natürlich hatte sie mit mir hier überhaupt nicht gerechnet, und mein plötzliches Erscheinen musste sie ziemlich verwirren. Vor allen Dingen nach unseren letzten beiden kurzen Telefonaten. Aber ich war mir sicher, sie würde ihre Befangenheit schnell verlieren. Ich hatte Fehler gemacht, aber die hatte ich korrigiert. Sie wusste jetzt, wie sehr ich sie liebte und dass ich sie heiraten würde. Sie musste sich nur erst wieder an den Gedanken gewöhnen, und das konnte sie am besten, wenn wir wieder miteinander arbeiteten.
"Ich nehme an, Sie beide kennen sich aus Dublin?", hakte Higgins jetzt nach, weil er wohl über meine vertrauliche Anrede gestolpert war.
"Ja, das tun wir in der Tat", antwortete ich ihm lächelnd und sah wieder zu Cary, die sich noch nicht gerührt hatte.
"Und wie es scheint, haben wir Inspector Cullen gerade ganz schön überrascht."
Auffordernd zog ich die Brauen in die Höhe und wartete darauf, dass Cary mich endlich begrüßte. Das tat sie dann auch. Aber förmlicher, als ich es mir erhofft hatte.
"Hallo, Inspector Forbes."
Ein kleiner Moment unangenehmen Schweigens machte sich im Raum breit, dann räusperte Higgins sich und ergriff wieder das Wort.
"Und das hier ist Sergeant Dignam."
Er blickte bezeichnend zu dem Kerl, der neben Cary saß und mich finster und ablehnend musterte. Ich lächelte nichtssagend. Ja, Dignams Name war mir natürlich bekannt - wie wohl jedem irischen Polizist, der im Morddezernat tätig war - und ich wusste auch, dass er ebenfalls an dem Carrigaline-Fall arbeitete. Aber wenn Cary sich erst einmal wieder an mich gewöhnt hatte, wäre er sowieso kein Thema mehr. Wir beide waren immer ein Superteam gewesen, das würden wir auch jetzt sein. Dignam würde ich mit den Routine-Arbeiten betrauen, dann wäre er beschäftigt und aus dem Weg.
"Sergeant", grüßte ich Dignam mit einem Nicken. Er nickte zurück, aber das war's auch schon. Kein 'Guten Tag', kein respektvolles 'Inspector!'. Aber Respekt würde sowieso das Letzte sein, was mir dieser Prolet zu Teil werden ließ.
"Tja, ich würde vorschlagen", kam es jetzt wieder von Higgins, und dabei lächelte er jovial, "wenn Sie sich jetzt mal zusammen setzen und die Angelegenheit besprechen würden. Ich bin mir sicher, dass Sie, Inspector Forbes, noch den einen oder anderen wertvollen Vorschlag oder Gedanken haben."
"Ich hoffe es, Sir."
Cary stand auf, Dignam auch, und beide gingen schweigend zur Tür. Ich folgte ihnen und öffnete die Tür für Cary galant, dabei schenkte ich ihr ein warmes Lächeln und ein kleines Zwinkern. Sie erwiderte es nicht, sondern verließ das Büro mit verschlossener Miene. Ich folgte ihr auf den Fuß, dann Dignam. Und seufzte in Gedanken auf, denn es würde noch ein kleines Stück Arbeit werden, bis ich Cary endlich wieder auf dem Dublin-Level hätte.

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Verfasst: Di 11. Mär 2008, 12:27 
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Gute Seele
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Ich hatte im Burggarten nach meinen Rosen gesehen, trotz des schlechten Wetters und kam gerade herein, als im Salon das Telefon läutete. Eilig lenkte ich meine Schritte in die entsprechende Richtung und band mir dabei meine Regenhaube ab, die ich in Ermangelung von Zeit in meine Manteltasche steckte - schließlich wollte ich im Salon ja nicht den Teppich nasstropfen.
"Hallo?", meldete ich mich freundlich-distanziert. "Carrigaline Castle, O'Leary am Apparat. ... Mistress Katelyn?", überrascht starrte ich ein Loch in die Luft, aber als mir bewusst wurde, was die Mistress da gerade gesagt hatte, geriet mein Blick alarmiert. "WO sind Sie jetzt, Kindchen?"

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Verfasst: Fr 25. Apr 2008, 12:26 
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Frauenhasser
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Registriert: Fr 29. Feb 2008, 11:43
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"Ich bin mir sicher, dass Sie, Inspector Forbes, noch den einen oder anderen wertvollen Vorschlag oder Gedanken haben", äffte ich Higgins in Gedanken nach, als ich hinter diesem aufgeblasenen Windei Forbes das Büro verließ.
Ich hätte kotzen können! Careen und ich waren an dem Fall dran, und ich fand, wir machten Fortschritte. Zumindest, was unsere Zusammenarbeit betraf - eine konkrete Spur zum Täter fehlte uns natürlich noch. Aber die hätten wir schon noch gefunden. Auch ohne die Hilfe des tollen Superbullen aus Dublin, der so tat, als wäre er Careens bester Freund.
Die beiden kannten sich offenbar gut, das hatte mir Forbes vertraute Begrüßung klar gemacht. Die Frage war, wie gut. Die nächste Frage war, wieso interessierte mich das überhaupt?
Mit finsterem Blick folgte ich den beiden zum Lift, stellte mich an Careens freie Seite und schob abwartend meine Hände in die Hosentasche. Dabei brütete ich vor mich hin. Wie die Ermittlungen nun wohl weiter laufen würden? Wahrscheinlich würde Mister Superbulle mit Careen eng zusammen arbeiten wollen. Aber die Suppe würde ich ihm versalzen! Wenn er meinte, mich jetzt abschieben zu können, nur weil er einen Dienstgrad wichtiger war als ich und Higgins ihm den Arsch geküsst hatte, würde er aber eine böse Überraschung erleben. Das hier war mein Revier und meine Partnerin. Ich hoffte für ihn, dass er das schnell begriff, ansonsten würde ich es ihm begreiflich machen müssen.

Es waren noch nicht mal zehn Minuten vergangen, als die erste Lektion offenbar fällig wurde. Careen war in ihr Büro zurückgekehrt, Forbes war ihr gefolgt, und als ich das ebenfalls tun wollte, drehte der Lackaffe sich in der Tür zu mir um und meinte affektiert: "Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie mir eine Tasse Kaffee besorgen könnten, Sergeant. Mit Milch und Süßstoff, bitte. Vielen Dank."
Daraufhin drückte er mir die Tür vor der Nase zu. Ich starrte mit mahlenden Kiefern einen Augenblick lang auf das Holz. Dann drückte ich die Klinke mit einem harten Ruck herunter und betrat Careens Büro ebenfalls.
"Holen Sie sich ihren Kaffee selbst, Inspector. Der Kaffeeautomat steht draußen!"
Forbes war bei meinem Erscheinen herumgefahren und hatte mich verärgert angefunkelt. Das tat er immer noch, aber ich schiss drauf und warf mich einfach ignorant in einen der Stühle vor Careens Schreibtisch.
Forbes reagierte nicht sofort. Aber als er die Klappe schließlich doch wieder aufmachte, fragte er Careen in so gestelzt höflichem Tonfall, dass mir schon der Verdacht kam, der Kerl wäre ein Engländer: "Cary, darf ich dir eine Tasse mitbringen?"
Careen sah Forbes an, ich sie. Sie nickte.
"Wie üblich nur mit Milch, ohne Zucker?"
'Ja, warum sagst du nicht gleich, was sie morgens am liebsten zum Frühstück hat? Das willst du mir hier doch zeigen, oder? Dass du sie schon unter dir gehabt hast!'
"Ja. Danke, Inspector."
Dass sie bei der offiziellen Anrede blieb, tat mir irgendwie gut. Vielleicht war doch noch nichts zwischen den beiden gelaufen, und er hätte es nur gerne gehabt. Wäre verständlich gewesen.
Forbes verließ das Büro, um den Kaffee zu besorgen. Kaum war er draußen, flog ich von meinem Stuhl hoch, drückte die Tür zu und schloss ab. Die Sichtblenden am Fenster ließ ich ebenfalls herunter. Dann drehte ich mich zu Careen um und fragte sie mit vor der Brust verschränkten Armen: "WAS ist das für ein Arsch?"
Careen sah mich wie vom Donner gerührt an. Zumindest einen Moment lang. Dann lehnte sie sich tief durchatmend in ihrem Sessel zurück und antwortete scheinbar gelassen: "Inspector Matthew Forbes vom Dubliner Hauptquartier."
"Ja, das WEISS ich!", gab ich gereizt zurück. "Aber was tut er HIER?"
"Uns helfen?" Careen begann sinnfrei, Akten zu ordnen. Ich ging zu ihr, stützte meine Hände auf dem Schreibtisch ab und beugte mich ein Stück zu ihr hinunter. "Ach, ECHT? Wir brauchen aber keine Hilfe! Schon gar nicht von so einem Schleimscheißer!"
"Warum hast du das vorhin nicht Higgins gesagt?"
"Sehr witzig. Der WARTET doch nur auf einen Grund, um mich abzusägen!"
"Ja, und soll ich dir auch sagen, woran das liegt?"
Careen funkelte mich an, ich funkelte zurück. Und kämpfte den plötzlichen Drang nieder, ihr Gesicht mit beiden Händen zu umfassen und sie zu küssen.
Die Türklinke wurde gedrückt, natürlich ohne Erfolg. Es klopfte daraufhin, aber ich ignorierte es. Careen auch, weil wir uns beide noch anstarrten.
"Ähm, Careen? ... Könntest du bitte aufmachen?"
"Was ist der Kerl für dich?", sprach ich aus, was ich auf einmal am dringlichsten wissen wollte.
"Er ist ein Arbeitskollege, Jake. Und jetzt schließ bitte wieder die Tür auf."
"Careen?? Hörst du mich? - Ist alles in Ordnung??"
"Ein Arbeitskollege, ja? Und warum sieht er dich dann so an? Und spricht so mit dir?"
"Es ist alles in Ordnung, Matt! Einen Moment!!", rief sie an mir vorbei der Tür zu - jetzt nannte sie ihn auch beim Vornamen, das ärgerte mich nur noch mehr. "Ich glaube nicht ...", wandte sie sich daraufhin wieder an mich, "... dass ich dir diese Fragen beantworten muss. Es geht dich nichts an, Jake."
"Ja, mag sein. Ich will es TROTZDEM wissen!"
"Careen!! Der Kaffee wird kalt!"
Careen stand auf und ging um den Schreibtisch herum. Ich hielt sie am Arm fest und zog sie zu mir heran.
"Du willst es doch auch nicht, dass er sich zwischen uns drängt, oder?", fragte ich sie mit eindringlichem Blick. Und schob abschwächend hinzu, als ihr Blick alarmiert geriet: "Ich meine, was den Fall betrifft."
Careen löste sich aus meinem Griff und ging einen Schritt auf Abstand.
"Was ich will, steht hier nicht zur Debatte. Er ist uns offiziell zugeteilt worden und wird mit uns gemeinsam an diesem Fall arbeiten. Und DU wirst ihn unterstützen, Jake, und zwar in jeder Hinsicht. Sonst werde ich dir das nächste Mal den Kopf nicht mehr aus der Schlinge ziehen. Haben wir uns verstanden?"
Ich atmete tief durch und sah auf sie hinab. Dann nickte ich unwirsch. Careen ging daraufhin zur Tür und schloss sie auf.
"Entschuldige, Matt. Ich hatte noch etwas mit Sergeant Dignam zu klären. Danke für den Kaffee."
Sie nahm ihm die Tasse ab, die er ihr hinhielt und kehrte damit zu ihrem Platz zurück. Forbes durchbohrte mich mit einem ablehnenden Blick, sah zur herunter gelassenen Sichtblende und dann wieder zu mir, um mir begreiflich zu machen, dass er durchaus kapiert hätte, was hier vorgefallen wäre. Ich wandte ihm verächtlich den Rücken zu und warf mich wieder auf meinen Stuhl. Und murrte: "Na, wo wir jetzt die Unterstützung von Superman persönlich haben, wär's doch gelacht, wenn wir den Täter nicht in den nächsten fünf Minuten überführen."
Der Spruch fiel leider nicht auf fruchtbaren Boden. Forbes setzte sich ebenfalls. ohne sich was von dem anzunehmen, was ich gesagt hatte und bedachte Careen mit seinem schleimigen Grinsen.
"So, dann wollen wir mal sehen, was ihr bis jetzt alles zusammen getragen habt. Die Akte bitte, meine Liebe."
Careen gab ihm, was er verlangte, und ich fragte mich, ob sie wohl was dagegen hätte, wenn ich kurz in ihren Papierkorb kotzte. Das Bedürfnis hatte ich nämlich gerade.

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Verfasst: Fr 25. Apr 2008, 16:07 
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Plötzlich Burgherr
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Registriert: Fr 22. Feb 2008, 17:52
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Ich saß in meinem Arbeitszimmer und mühte mich durch einen Haufen Rechnungen, als Miss O'Leary auf einmal herein gestürmt kam.
"Mister Riggs, Mister Riggs! Sie müssen unbedingt kommen!!!"
Überrascht hob ich den Blick und starrte meine Haushälterin an.
"Miss O'Leary? Wo brennt's denn?"
"Miss Katelyn!! Sie ist in Cork! Und Mister Donahue, dieser Mistkerl, tut ihr was an!!"
Bei diesen Worten riss ich die Augen auf. Dann ließ ich den Füller fallen und sprang auf meine Füße.
"Hat sie gesagt, wo genau sie ist?" Ich zerrte Miss O'Leary mit mir zur Tür hinaus, während ich sie das fragte. "Hat sie gesagt, wo sie sich gerade aufhält?"
"In der St. William's Street, in einer Toreinfahrt. Ich ... ich glaube, sie ist auf der Flucht vor Mister Donahue."
Auf der Flucht vor Mister Donahue?? Ich knirschte mit den Zähnen bei dem Gedanken, was der Scheißtyp ihr wohl alles angetan haben mochte. Miss O'Leary und ich flogen in die Halle, wo ich eilig meine Jacke und sie ihren Mantel von der Garderobe nahm. Dann griff sie nach dem Autoschlüssel, der auf der Kommode lag. Kurz darauf flogen wir über die Landstraße Cork entgegen, und mit jeder Minute, die verstrich, wuchs meine Sorge um Kate.

Eine gute halbe Stunde später bogen wir in die St. William's Street ein, die zum Glück nicht ellenlang, sondern recht übersichtlich war. Miss O'Leary parkte den Wagen, und noch ehe er still stand, riss ich die Tür auf und sprang auf den Bürgersteig.
"KATE????", rief ich laut und sah mich suchend um. 'Toreinfahrt, Toreinfahrt ...' - Ich sah unweit von mir eine Toreinfahrt und lief darauf zu. Noch ehe ich sie erreicht hatte, trat Kate aus dem Schatten ins Freie, und ohne darüber nachzudenken, zog ich sie in meine Arme und drückte sie fest an mich.
"Kate, Gott sei Dank!!!"
Ich spürte, wie sie zitterte und strich ihr beruhigend über den Rücken.
"Schhhh, ist ja gut. Jetzt ist alles gut. Ich bin da."
Eine Welle der Zärtlichkeit erfasste mich, wie ich sie in der Form noch nie erlebt hatte. Aber nur kurz darauf verwandelte diese Zärtlichkeit sich in Wut, denn als Kate sich wieder von mir löste, sah ich es an ihrem blauen Wangenknochen, dass sie geschlagen worden war.
"Dieses verdammte Schwein!!"
Miss O'Leary kam im gleichen Augenblick bei uns an, ebenso besorgt und empört wie ich.
"Oh mein Gott, Kindchen! Was hat er Ihnen nur angetan? Ich hab doch gewusst, dass dieser Mensch ein Schuft ist! Ich hab das immer gewusst!"
Mit mahlenden Kiefern sah ich mich um, entdeckte aber nirgendwo Donahues Visage.
"Wo ist er, Kate? WO?"

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