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Verfasst: Mi 5. Mär 2008, 13:58 
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Zielscheibe wider Willen
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Mir entging die Art nicht, wie Donahue meine Gestalt musterte, und ich wusste genau, was gerade in seinem Kopf vorging - Männer waren in dieser Hinsicht immer leicht zu durchschauen. Das war der Moment, wo ich zum ersten Mal Zweifel an der 'großen Liebe' zu seiner Frau bekam, ein Eindruck, der sich später noch verstärken sollte. Auf der anderen Seite sagte es mir aber auch, dass sein Pokerface wohl doch nicht so gut war, wie ich gedacht hatte und dass seine Aussagen vielleicht doch der Wahrheit entsprochen hatten. Es sei denn, er wollte, dass ich genau das dachte. Es war manchmal schon ein Kreuz mit der Logik.

Ich beschloss, die Befragung zu beenden, da er mir alle relevanten Punkte beantwortet hatte und ich mir von ihm keine neuen Erkenntnisse mehr erhoffte. Zumindest nicht zum jetzigen Zeitpunkt.
"In Ordnung, Mister Donahue, das war es erst einmal. Ich habe Ihnen ohnehin schon zu viel Ihrer kostbaren Zeit gestohlen."
Ich klappte meinen Block zu und packte ihn samt Kugelschreiber wieder in meine Tasche, die verschloss ich und hängte sie mir um, dann stand ich auf.
"Ich möchte Sie bitten, vorerst nicht die Stadt zu verlassen. Es kann sein, dass ich noch die eine oder andere Frage an Sie habe."

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Verfasst: Mi 5. Mär 2008, 14:06 
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Zielscheibe wider Willen
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Ich war drauf und dran, ihm zu sagen, dass mir seine Gewinne und Verluste eigentlich ziemlich egal waren, aber dann besann ich mich anders - warum die harte Tour fahren? Donahue hatte mir keinen Grund gegeben, und er konnte schließlich nichts dafür, dass ich heute nicht gut auf Männer zu sprechen war.
"Also gut. Wenn Sie mir heute noch eine E-mail mit der Adresse zuschicken, an der Sie sich morgen aufhalten und mir versprechen, Ihr Handy morgen anzulassen, drück ich ein Auge zu."
Ich kramte aus meiner Tasche eine Visitenkarte hervor, auf der auch meine E-mailadresse stand und reichte sie Donahue. Im gleichen Moment reichte Miss Preston mir meinen Mantel. Aber ehe ich danach greifen konnte, nahm Mister Donahue ihn ihr ab und half mir galant hinein.

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Verfasst: Mi 5. Mär 2008, 14:14 
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Zielscheibe wider Willen
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Ich schenkte Donahue ebenfalls ein Lächeln, antwortete ihm aber sachlich: "Vielen Dank, Mister Donahue. Ich weiß Ihre Kooperationsbereitschaft sehr zu schätzen. - Gute Fahrt morgen. Miss Preston ..."
Ich nickte seiner hübschen Sekretärin, die natürlich genauso blond war wie die Barbiepuppen unten, freundlich zu, dann wandte ich mich zum Gehen und war nur wenige Sekunden später durch die Tür.
Aber kaum stand ich wieder im gläsernen Lift, als jede polizeiliche Entschlossenheit von mir abfiel und ich wieder in das Jammertal abzurutschen drohte, in das Dignam mich heute morgen gestoßen hatte. Eilig holte ich meinen Notizblock hervor und beschäftigte mich mit den Aufzeichnungen, um nur ja nicht das heulende Elend zu bekommen. Dafür war nach Dienstschluss noch Zeit genug.

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Verfasst: Mi 5. Mär 2008, 14:33 
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Zielscheibe wider Willen
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Der Heulkrampf war dann auch nach Feierabend ausgeblieben. Offenbar hatte ich ihn mir abgearbeitet, anders konnte ich mir das nicht erklären. Irgendwie tat es mir leid, dass er nicht mehr gekommen war. Ich hätte ihn nämlich furchtbar gerne mit auf Dignams Schuldenliste gesetzt, mal ganz abgesehen davon, dass Heulen doch auch ziemlich befreiend sein konnte. Aber nichts war passiert. Ich war nach der Arbeit nach Hause gekommen, hatte mich aufs Sofa gesetzt und gewartet, und nachdem ich das nach einer halben Stunde immer noch getan hatte, war ich unwirsch wieder aufgestanden und unter die Dusche gegangen.
Dort hatte ich es lange Zeit auf mich herab regnen lassen. Doch irgendwann war das Wasser immer kühler geworden, und das hatte mich veranlasst, mich mit dem Waschen zu beeilen und zu machen, dass ich wieder raus kam. Gerade hatte ich mir meine Jogginghose und einen dicken Kuschelpulli übergestreift und wollte mich daran machen, meine Haare zu föhnen, als es an der Tür klingelte.
Stirnrunzelnd legte ich den Föhn wieder beiseite, verließ das Bad und ging zur Wohnungstür, um dort die Sprechanlage zu betätigen.
"Ja?"
"Careen? Ich bin's, Jake."
Prompt war das Jammertal wieder in greifbarer Nähe.
"Verschwinde!"
Ich ließ den Knopf für die Gegensprechanlage los und ging mit finsterem Gesicht zum Bad zurück. Aber ich hatte es noch nicht erreicht, als es wieder klingelte. Ich hielt inne und schloss die Augen. Aber nur für einen Moment. Dann setzte ich mich wieder in Bewegung, betrat mein Bad und schaltete den Föhn an.
Eine Weile lang passierte gar nichts, und ich hatte mein Haar bereits zur Hälfte trocken. Aber dann ging die Türklingel wieder. Ich atmete tief durch und ignorierte es. Daraufhin wurde energisch an meine Wohnungstür geklopft. Es reichte mir!
Ich knipste den Föhn aus und zog mit einem Ruck den Stecker aus der Wand, dann marschierte ich mit dem Teil in der Hand auf meine Wohnungstür zu, so, als wollte ich Dignam damit auf die Straße hinunterpusten. Mit einem weiteren Ruck zog ich die Tür auf und fauchte ihn an: "Was WILLST du von mir? Ich hab gesagt, du sollst VERSCHWINDEN!"

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Verfasst: Mi 5. Mär 2008, 14:59 
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Frauenhasser
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Ich war darauf vorbereitet gewesen, dass Cullen mich nicht ins Haus lassen würde. Was mich aber nicht davon abgehalten hatte, es trotzdem zu versuchen. Nachdem sie mich bereits an der Gegensprechanlage zum Teufel gewünscht hatte, hatte ich es nur noch ein einziges Mal versucht, sie mit meinem Klingeln zu einem weiteren Gespräch zu bewegen. Dann hatte ich es aufgegeben und einfach bei einer anderen Mietpartei geklingelt, bis man mir die Haustür per Summer geöffnet hatte. Daraufhin war ich mit großen Schritten die Treppen hinaufgelaufen - den Aufzug hatte ich auch diesmal übersehen - und es oben an der Tür noch einmal versucht. Mit wenig Hoffnung, ich geb's zu. Aber Cullen überraschte mich, indem sie die Tür plötzlich mit Schwung aufriss und mich wütend ein zweites Mal zum Teufel jagte.
"Ich muss mit dir reden, Careen."
Ihr Vorname kam mir ungewohnt über die Lippen, vielleicht, weil ich ihn zum ersten Mal ohne Hintergedanken aussprach.
"Wozu reden?", fuhr sie auf. "Es ist alles gesagt! Ich wüsste nicht, was wir beide außerhalb unserer Dienstzeit noch miteinander zu schaffen hätten!"
"Nein, es ist NICHT alles gesagt!", widersprach ich energisch. "Ich ..", und jetzt stockte ich.
'Die Entschuldigung! Die Entschuldigung, Dignam!!'
"Ich ... wollte mich bei dir bedanken, Careen."
Nein, ich fing lieber erst damit an. Das fiel mir leichter.
"Ach ja? Wofür? Dass ich dich heute Mittag nicht erschossen hab? GERN geschehen!", fauchte sie mich mit wütend funkelnden Augen an. Ich schüttelte den Kopf.
"Nein, das ist es nicht."
Ich schob meine Hände in die Taschen meiner Jeans und suchte nach den richtigen Worten.
"Ich wollte mich dafür bedanken, dass du mich beim Alten gedeckt hast. Das war ziemlich in Ordnung gewesen."
"Sonst noch was?"
Sie fauchte nicht mehr, aber ihr Ton war abweisend und verächtlich. Dazu hielt sie die Tür so, als ob sie sie jederzeit zuschmeißen wollte. Was sie wohl auch bald tun würde.
"Ja ... - Ich ...", ich räusperte mich und sah mit gerunzelter Stirn zur Seite. Irgendwie fiel es mir leichter, mit ihr zu sprechen, wenn ich sie nicht ansah. "Es tut mir leid, Careen. Was ich da mit dir abgezogen hab. Ich weiß, dass das totale Scheiße gewesen ist und dass du .. dass du das echt nicht verdient hattest."
Schweigen. Sie antwortete nicht. Das verunsicherte mich und ich sah sie wieder an.
"Keine Frau hat so etwas verdient, Jake", kam es jetzt doch von ihr, allerdings ziemlich heiser, so als ob es ihr die Kehle zugeschnürt hätte. Was wohl auch kein Wunder war.
"Ja, mag sein. Ich wollte nur, dass du weißt, dass ... - Oh VERDAMMT, müssen wir das eigentlich hier im FLUR besprechen?"
Verärgert sah ich sie an. Warum ich jetzt sauer wurde, wusste ich nicht. Weil sie nicht weiter herumschrie und mir eine Szene machte? Weil sie nicht heulte, so wie es die Weiber doch andauernd taten? Mit all dem wär ich besser klar gekommen als mit dieser ... dieser verdammten stummen Bitterkeit.
Careen warf mir auch jetzt nicht die Tür vor der Nase zu, obwohl ich wider besserer Vorsätze laut geworden war. Sie dachte einen Moment lang nach, dann öffnete sie die Tür ganz und bedeutete mir mit ihrem Kopf, dass ich eintreten sollte. Ich tat es. Erleichtert darüber, dass sie offenbar doch noch gesprächsbereit war.

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Verfasst: Mi 5. Mär 2008, 18:31 
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Zielscheibe wider Willen
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Ich war innerlich ganz schön aufgewühlt, doch ich ließ es mir nicht anmerken. Nachdem Jake herein gekommen war, schloss ich die Wohnungstür wieder und ging zwei Schritte in mein Wohnzimmer hinein, dann aber blieb ich stehen und verschränkte die Arme vor der Brust. Ich setzte mich absichtlich nicht hin. Jake sollte gar nicht erst auf den Gedanken kommen, es sich gemütlich zu machen. Ich hatte ihn sowieso nur herein gelassen, damit wir nicht das gesamte Haus unterhielten. Laut genug dafür war er ja.
"Also?"
Ich sah ihn abwartend an, Jake erwiderte meinen Blick aber nicht, sondern sah zu Boden. Nicht aus Verlegenheit, das wusste ich. Er war nicht der Typ, der verlegen wurde. Wohl eher aus Hilflosigkeit. Zweifellos gehörte sowas hier nicht zu seinen Standardübungen.
"Es tut mir leid."
"Ja, sagtest du schon ... - Wieso, Jake? Was hast du dir eigentlich dabei gedacht? Was hatte ich dir getan, dass du zu solchen Mitteln gegriffen hast?"
"GAR nichts!" Unwillig wandte er sich von mir ab und atmete gereizt durch. Ich verdrehte die Augen. Gott, war dieser Typ schwierig!
"Du konntest überhaupt nichts dafür, klar?", setzte er so unwirsch hinzu, als hätte ich mir für sein Benehmen selbst die Schuld gegeben. "Es ging um den Job, okay? Der MIR zugestanden hätte nach Mulligans Abtreten. ICH sollte den Laden übernehmen, das hatte Mulligan selbst gesagt!"
Ja, sowas in der Art hatte ich mir inzwischen gedacht.
"Aber dann bin ich gekommen und hab dir alles versaut. Posten, Beförderung ..."
"Ja, GENAUSO war es!" Jake drehte sich abrupt wieder zu mir um und funkelte mich böse an. Aber höchstens für zwei, drei Sekunden, dann schüttelte er seinen Kopf und sah schweigend zu Boden.
"Hast du vielleicht mal in Erwägung gezogen, dass man mich gar nicht aus Dublin angefordert hätte, wenn man dich für geeignet gehalten hätte, den Posten eines Inspectors zu bekleiden?", fragte ich ihn bemüht sachlich. Jakes Blick flog in die Höhe und bohrte sich in meinen. Klar, dass er das jetzt in den falschen Hals bekommen musste.
"Nein, ich meine nicht, dass du für einen Inspector nicht qualifiziert bist, Jake", korrigierte ich seinen Irrtum und sah ihn dabei fest an. "Du bist der beste Ermittler hier in Cork, und ich kann wahrscheinlich sogar behaupten, auch besser als jeder Ermittler, den sie drüben in Dublin haben. Ich habe inzwischen deine Akte studiert und weiß genau, zu was du fähig bist. Aber auch, was du NICHT leisten kannst. Und das ist, eine Abteilung zu führen."
Jake schnaubte und drehte sich wieder von mir weg, eine Hand in die Hüfte gestützt. Demonstrative Opposition, nachlassende Gesprächsbereitschaft. Wenn er weiter so machte, war er schneller wieder draußen, als er gucken konnte.
"Du hast NULL Teamgeist, Jake! Du arbeitest NUR für dich allein. Du bist aufbrausend, selbstgefällig, laut, aggressiv, und außerdem bist du keinen Deut in der Lage, dich deinen Vorgesetzten unterzuordnen. Darüberhinaus bist du der größte Macho, der mir je untergekommen ist, aber das hat mit deinen beruflichen Qualitäten jetzt nicht viel zu tun. Ich will es dir trotzdem mal sagen. Du bist so unerträglich, dass ich schreien könnte! Und ganz bestimmt das Letzte, was ich mir an Partner gewünscht hab!"
"Na dann passt es ja HERVORRAGEND, dass ich GEHEN werde!", schoss er wütend zurück und durchbohrte mich wieder mit seinem Blick. "Dann bist du den aufbrausenden, selbstgefälligen, lauten, aggressiven Macho endlich los!"
Ich runzelte die Stirn. Meinte er mit gehen, dass er meine Wohnung jetzt verlassen würde? Oder meinte er, dass er sich versetzen lassen oder den Dienst quittieren würde? Da er keinen Anstalten machte abzuhauen, musste ich von letzterem ausgehen.
"Wie meinst du das?" Aus misstrauisch verengten Augen sah ich ihn an.
Er schnaubte und lachte in einem - ein ziemlich abfälliges Geräusch.
"Jetzt TU doch nicht so dumm! Du BIST nicht dumm, du bist sogar verdammt schlau - für eine Frau."
"Vielen Dank."
"Ich hau AB. Okay? Wenn wir den Carrigaline-Fall durch haben, bin ich weg. Dann kannst du aufatmen und dir einen neuen Partner suchen. Jenkins wird den Job sicher gerne übernehmen. Der steht sowieso auf dich."
Es interessierte mich einen Scheißdreck, auf wen Jenkins stand, und das sagte ich Jake auch.
"Ach ja? Und ich hab gedacht, dass ihr sowas braucht. Selbstbestätigung im Männerjob ..."
Ich schloss meine Augen und atmete tief durch. War das zu fassen? Er war hierher gekommen, um sich bei mir zu entschuldigen, und jetzt stritten wir uns schon wieder. Und wieder kam er mir mit seinen Macho-Sprüchen!
"Jake ... kann es sein, dass du ein großes Problem mit Frauen hast?"
Ich sah ihn wieder an, allerdings inzwischen etwas müde geworden - er war verdammt anstrengend.
"Quatsch! Die Weiber stehen auf mich!"
Allein schon seine Ausdrucksweise ... ich verdrehte die Augen und ging in die Küche, um mir was zu trinken zu holen. Aber vorher legte ich den Föhn auf einem meiner noch unausgepackten Umzugskartons ab - ich wohnte hier zwar schon seit ein paar Tagen, aber richtig eingezogen war ich noch nicht.
Als ich mich mit einem Glas Cola - bewusst nur einem - wieder umdrehte, um ins Wohnzimmer zurück zu kehren, lehnte Jake im Türrahmen und sah mich nachdenklich an. Es nervte mich, dass er mir noch weiter auf die Pelle gerückt war, aber seltsamerweise empfand ich keine Angst, obwohl er mir jetzt eigentlich den Weg hinaus versperrte. Er konnte sein, wie er wollte, aber ich wusste, er würde mir nichts tun. Ich kannte ihn inzwischen. Er konnte mich nicht mehr überraschen.
"Du siehst gut aus, Careen."
Okay, er konnte es doch noch.
Verwundert über seinen schlagartigen Themenwechsel zog ich eine Augenbraue in die Höhe, dann sah ich an mir herab: schwarzer Schlabberpulli, alte, graue Jogginghose, nackte Füße - unvorteilhafter konnte ich mich gar nicht kleiden.
"Du stellst aber geringe Ansprüche an das Aussehen einer Frau."
Ich blickte wieder auf und bemerkte, dass er schmunzelte. Es war ein ansteckendes Schmunzeln, das mich an gestern Abend erinnerte und daran, dass wir uns einen Moment lang ziemlich nah gekommen waren. Es hatte mir gefallen. Aber ich war schon immer mehr ein Kopfmensch gewesen als ein Gefühlsmensch - zum Glück, denn sonst wäre ich heute morgen zum Gespött der Abteilung gemacht worden.
Der Gedanke an Jakes Wette ernüchterte mich auf der Stelle, und wo ich mir eben noch hatte Mühe geben müssen, sein Schmunzeln nicht zu erwidern, fiel es mir jetzt nicht mehr schwer. So leicht ließ ich mich von ihm nicht einwickeln.
"Was willst du wirklich, Jake? Ist das jetzt der zweite Anlauf, um deine Wette doch noch zu gewinnen?"
"Nein ... ich habe es gerade gemeint, wie ich es gesagt habe. Du ... siehst gut aus."
Einen Moment lang hatte ich den Eindruck, er hätte etwas anderes sagen wollen, aber schließlich wiederholte er nur, was er schon einmal gesagt hatte. Und fügte dann achselzuckend hinzu: "Ich werde, wenn wir den Carrigaline-Fall erledigt haben, meine Rückversetzung nach Kilkenny beantragen. Wenn du willst, auch eher. Ich seh ein, dass du mit mir nicht mehr zusammen arbeiten kannst."
Jetzt sprach er wieder von Versetzung. Davor das Kompliment. Davor der Wutausbruch. Davor die Entschuldigung.
Einmal mehr bestätigte sich meine Meinung von Jake Dignam, nämlich dass er ein verdammt schwieriger Kerl war. Und nicht nur schwierig, sondern unglaublich launisch dazu. Möglicherweise würde ich mit Jenkins weniger Probleme haben und besser zusammenarbeiten. Nein, nicht nur möglicherweise. Ganz sicher sogar.
Trotzdem schüttelte ich nach einem kleinen Moment des Nachdenkens den Kopf.
"Nein. Ich will nicht, dass du deine Versetzung beantragst."
"Nicht?" Er wirkte ehrlich überrascht. "Und warum nicht?"
Ich stellte das Cola-Glas beiseite und schob meine Hände in die Taschen der Jogginghose.
"Weil es ist, wie ich gesagt habe. Du bist der beste Ermittler, den wir haben. Ich kann nicht auf dich verzichten."

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Verfasst: Mi 5. Mär 2008, 19:07 
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Frauenhasser
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Sie wollte weiter mit mir zusammen arbeiten? Trotz der Sache von heute morgen???
Ich war ziemlich überrascht. Und fragte mich unwillkürlich, ob sie das jetzt nur tat, um eine Gelegenheit zu bekommen, sich bei mir für die Wette zu revanchieren. Aber das hätte sie einfacher haben können. Sie hätte bloß, nachdem sie von der Wette erfahren hatte, zum Chief gehen und sich bei ihm über mich beschweren müssen. Keine Frage, dass er ihr sofort geglaubt hätte. Und dass sie sich vorher für mich bei ihm verwendet hatte, hätte sie nur noch glaubwürdiger gemacht.
Wer ihr das mit der Wette wohl verraten hatte?
"Offenbar bist du als Ermittler noch besser als ich, denn du bist mir immerhin auf die Schliche gekommen." Ich sagte das weder zerknirscht noch mit dem charmanten Grinsen eines Kerls, der weiß, dass man ihm alles verzeiht, sondern ganz sachlich. "Eine Chance zu erfahren, wer dir das gesteckt hat?"
Sie schüttelte den Kopf, und ich zog den Hut vor ihr.
"Nein, keine."
Nein, sie war niemand, der andere in die Pfanne haute. Ganz im Gegensatz zu mir.
"Okay ..."
Ich wandte mich von der Küchentür ab - ein wenig widerwillig, wie ich zugeben muss, denn auch wenn das hier ein scheißunangenehmes Gespräch gewesen war, war es doch auch irgendwie ziemlich privat gewesen ... in ihrer Küche, sie in diesen Schlabbersachen ... - Morgen wäre das wieder anders. Da wäre sie wieder der Boss, und ich musste sie mit 'Inspector' und 'Mam' anreden. Scheißformalitäten. Mir war die Kumpelatmosphäre lieber, auch wenn es mal krachte. Aber kam das unter Freunden nicht mal vor?
Ich überraschte mich selbst damit, dass ich begann, Careen so zu sehen. Ich merkte in diesem Moment auch, dass ich von ihr nicht mehr als Cullen dachte, sondern sie auch in Gedanken bei ihrem Vornamen nannte. Ob wir es doch noch hinbekommen würden, dass aus uns gute Partner würden? Sie hatte ihren Teil dazu geleistet, gar keine Frage. Und dabei alle Augen zugedrückt. Jetzt war es an mir, mich zu beweisen. Und genau das wollte ich. Ich wollte ihr zeigen, dass ich sehr wohl teamfähig war und nicht nur mein eigenes Ding durchziehen konnte. Dass mehr an mir dran war als bloß eine große Schnauze.
Ich drehte mich noch einmal zu ihr um und informierte sie umgänglicher, als ich in den gesamten vierzehn Jahren meiner Berufslaufbahn je gewesen war: "Ich hab übrigens bis eben jeden einzelnen auf deiner Liste verhört. Die Carrigaline-Sache, du weißt schon. Bin allerdings noch nicht dazu gekommen, deren Alibis zu überprüfen. Du hast die Berichte morgen früh auf dem Schreibtisch. Ich werde meinen Hintern jetzt noch mal ins Büro schwingen und sie tippen. Hab heute sowieso nichts besseres vor."
Careen, die mir bis zur Küchentür nachgegangen war, lehnte jetzt ebenso im Türrahmen wie ich eben noch und musterte mich einen Augenblick lang nachdenklich. Dann schüttelte sie den Kopf, und ich hätte schwören können, dass ich da ein kleines, kaum merkliches Lächeln auf ihren hübschen Lippen gesehen hatte.
"Nein, das dauert mir zu lange. Ich will jetzt wissen, wie's gelaufen ist. Hast du deine Notizen dabei?"
Ich klopfte bezeichnend auf die Brusttasche meiner Jeansjacke.
"Okay, dann pflanz dich irgendwo und hol sie raus. Willst du auch eine Cola?"
Sie wartete meine Antwort nicht ab, sondern drehte mir den Rücken zu und ging zum Kühlschrank. Ich lächelte.
"Ja. Cola ist okay."
Dann zog ich mir die Jacke auf und kehrte zum Sofa zurück, um mich zu setzen. Mit jedem Ausgang unseres Gesprächs hätte ich gerechnet, aber ganz sicher nicht damit, dass wir zum Schluss zusammen sitzen und über den Fall sprechen würden.

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Verfasst: Mi 5. Mär 2008, 20:02 
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Zielscheibe wider Willen
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Heute morgen war ich zum ersten Mal seit langem mit einem guten Gefühl im Bauch aufgewacht. Jake und ich hatten noch lange zusammen gesessen und über den Carrigaline-Fall diskutiert, bis wir uns gegen eins getrennt hatten und ich zufrieden ins Bett gefallen war. Zufrieden wegen der Entwicklung zwischen Jake und mir, nicht zufrieden wegen der Ergebnisse, die er vorzuweisen gehabt hatte.

Sein gestriger Job war ein undankbarer gewesen - langweilige Routinearbeit, die ihn den gesamten Nachmittag und den frühen Abend von einer Adresse zur anderen geführt hatte. Aber er hatte es durchgezogen. Er hatte wirklich alle Personen auf meiner Liste befragt, obwohl es ja nicht einmal eine Liste der Tatverdächtigen gewesen war, sondern nur eine der Personen, die am fraglichen Tag Zugang zur Burg Carrigaline gehabt hatten. Das Resultat waren eine Menge Alibis gewesen, die er heute checken musste. Nur zwei Personen hatten niemanden benennen können, der glaubhaft hatte versichern können, dass sie zur Tatzeit nicht in der Burg gewesen waren. Alle anderen mussten überprüft werden, und das tat mein arbeitsfreudiger, energiegeladener Kollege heute morgen.
Ich hingegen war ins Büro gefahren, weil ich die Ergebnisse der Spurensuche erwartete - ein Polizist, der sich mit dem Routinekram beschäftigen musste, war weiß Gott genug. Ich hatte mich aber noch nicht ganz aus dem Mantel gepellt, als das Telefon auch schon ging.
Der Chief? - Vielleicht wollte er ja hören, wie wir im Fall Carrigaline voran kamen?
Aber nein, es war ein externer Anruf, wie ich am Blinken sah.
Jake? - Wenn ja, dann war er aber verdammt früh dran. Er konnte doch noch nicht mal vor Ort sein. Aber vielleicht langweilte er sich ja.
Mit einem Schmunzeln, weil ich mir gerade sein langes Gesicht hinterm Steuer seines Wagens vorstellte, ging ich um den Schreibtisch herum und nahm ab.
"Mordkommission Cork, Inspector Cullen am Apparat."
"Hallo Careen, hier ist Matt. Schön, deine Stimme zu hören."

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Verfasst: Mi 5. Mär 2008, 20:35 
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Plötzlich Burgherr
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Ich hätte nie in meinem Leben angenommen, dass Arbeit auch Spaß machen konnte! Aber Spaß hatte ich mit Kate gehabt am gestrigen Nachmittag. Und das nicht zu knapp!
Neben dem Spaß hatte ich aber auch festgestellt, dass die wirtschaftlichen Aktivitäten, die Tante Abigail zu Lebzeiten vom Zaun gebrochen hatte, ziemlich spannend waren. Es war kein geheucheltes Interesse gewesen, mit dem ich Kates Ausführungen gefolgt war. Ich hatte jedes Wort, das ihr über ihre hübschen Lippen gekommen war, aufgesogen und abgespeichert. Darüber hatte ich aber immer noch Zeit gefunden, Kate lächelnd zu beobachten und mich an ihrer Schönheit und ihrer Natürlichkeit zu erfreuen.

Als das Telefon heute morgen dann um neun ging, war ich darum doch tatsächlich schon auf! Nicht wach, auf! Angezogen, gewaschen, rasiert, gekämmt ...
Ich hatte es einfach nicht mehr länger in meinem Bett ausgehalten und fertig sein wollen, wenn Kate käme. Sogar das Frühstück hatte ich bereits in meinem Bauch, das mir von einer sehr wohlwollend dreinblickenden Miss O'Leary serviert worden war.
Aber dann kam die kalte Dusche.
Ich hatte mich kaum gemeldet, als Kate mir auch schon sagte, dass sie nicht kommen würde. Weil sie sich um eine Freundin kümmern müsste. Und dass sie überhaupt gar nicht mehr kommen würde. "Leb wohl, Sean!" - Ende, aus.
Fassungslos starrte ich den Hörer an. Sie hatte mir nicht einmal die Gelegenheit zu einer Erwiderung gegeben. Bittere Enttäuschung stieg in mir auf.
Aber nicht für lange.
Ich hörte in Gedanken wieder ihre Stimme in meinem Kopf. Und plötzlich hatte ich den Eindruck, sie klang gepresst. Sollte Donahue etwa ...?

"Ich brauch das Auto!", erklärte ich Miss O'Leary energisch und verließ bereits mit großen Schritten den Salon.
"Aber Mister Riggs, Sie können doch gar nicht fahren! Keinen Schaltwagen! Nicht links!"
"Holen Sie mir George!"
"Georges Dienst beginnt erst um zehn."
"Joseph ..."
"Joseph hat keinen Führerschein."
Mitten in der Halle drehte ich mich ruckartig zu Miss O'Leary um.
"Haben SIE einen Führerschein?"
Sie nickte.
"Dann werden SIE fahren. LOS!"
Ich wirbelte wieder herum und eilte auf die Haustür zu.
"Aber Mister Riggs ...", Miss O'Learys Schuhe klackerten hinter mir, weil sie sich beeilte, zu mir aufzuschließen. "Ich kann doch nicht ..."
"Es geht um Mistress Kate, Miss O'Leary!"
"Was??? - Ich hol sofort die Schlüssel! Gehen Sie schon mal zum Wagen!"

Zehn Minuten später fuhren wir bei den Donahues vor, und ich sprang sogleich aus dem Bentley und klingelte an der Haustür Sturm. Eine halbe Minute lang ... eine ... zwei ... - es tat sich nichts.
"Aber Mister Riggs?? Was hat das zu bedeuten?"
Mit mahlenden Kiefern sah ich zu den Fenstern, die allesamt verschlossen waren. Nichts deutete darauf hin, dass sich noch jemand im Haus befand.
"Das bedeutet, Miss O'Leary, dass der feine Mister Donahue Kate daran hindert, noch einmal zu mir auf die Burg zu kommen. Und ihr vielleicht wer weiß was angetan hat."
Miss O'Leary holte scharf Luft - und obwohl ich die alte Lady nicht hatte erschrecken wollen, interessierte mich es jetzt auch mal nicht, was bei dieser meiner Bemerkung in ihrem Kopf vorging.
Ich trat ein paar Schritte vom Haus zurück und rief so laut ich konnte: "KATE??- KATE!!!!"
Keine Antwort, nichts geschah.
"Wir müssen die Polizei verständigen!"
Miss O'Learys Stimme bebte - ob vor Zorn oder vor Angst, konnte ich nicht sagen. Wahrscheinlich vor beidem.
Ich fuhr mir in hilfloser Wut mit einer Hand durch mein Haar und erwiderte bitter: "Nur dass die uns nicht helfen werden, weil Kate sich bei uns abgemeldet hat und nicht vermisst wird. Und wir nichts beweisen können. Und ihr Mann das Recht hat, sie überall mit hinzunehmen ..."
Ich wusste gerade nicht ein noch aus.
Verdammt! Ich hätte sie gestern nicht nach Hause fahren lassen sollen!

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Zielscheibe wider Willen
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"Hallo Matt ..."
Ich hatte einen Moment gebraucht, bis ich hatte antworten können. Mit leiser, kratziger Stimme.
"Wie geht es dir, Kleines? Alles okay bei dir?"
"... ja ... ja danke. Es geht mir gut. - Warum rufst du an?"
Wild wirbelten die Gedanken durch meinen Kopf, und mit meinen Gefühlen in meinem Herzen sah es nicht viel anders aus. Hatte ich geglaubt, jetzt, wo ich in Cork war und er in Dublin, hätte ich genügend Abstand zu ihm gewonnen? Da hatte ich mich aber geschnitten!
"Um zu hören, wie es dir geht", Matt lächelte hörbar, und ich schloss die Augen beim Klang seiner sanften, warmen Stimme und stellte mir sein Gesicht vor. Ein verdammt gut geschnittenes Gesicht mit grünen, oft spitzbübisch funkelnden Augen, einer geraden Nase und einem häufig lächelnden, hübschen Mund in einem ansonsten männlich attraktiven Gesicht. Mein Herz klopfte schneller. Verdammt!
„Ich sagte doch, es geht mir gut.“
“Ja, das sagtest du“, wieder lächelte er hörbar, und jetzt begann sich mein Herz zu verkrampfen. “Und? Kommst du mit deinen neuen Kollegen klar? – Dieser Dignam muss ja ein schweres Kaliber sein. Ich hoffe, er macht dir keine Schwierigkeiten.“
Ich atmete tief durch.
„Matt .. was willst du?“
Einen Moment lang kam gar nichts mehr am anderen Ende der Leitung. Und dann der tödliche Satz: “Ich … habe die Scheidung eingereicht.“
Ich schluckte und schloss die Augen. Und jetzt raste mein Herz.
“Careen? Hast du gehört? Amy und ich werden uns scheiden lassen.“
„Ich … ich hab es gehört, Matt“, brachte ich irgendwie krächzend hervor und drehte dem Bürofenster den Rücken zu, damit keiner meiner Kollegen draußen mitbekam, wie es gerade um mich bestellt war. „Warum erzählst du mir das jetzt, Matt?“
Ich ahnte, was jetzt kommen würde, ehe er es sagte. Ich kannte ihn eben so gut.
“Weil ich wieder mit dir zusammen sein möchte, Careen. – Hörst du? … Ich möchte dich heiraten.“

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Oh je, dieser grässliche Mensch Donahue hatte ihr etwas angetan! Ganz sicher!!!
Mir wurde bang ums Herz bei dem Gedanken an Mistress Katelyn, so bang, dass ich die Hand vor den Mund schlug und eine Weile völlig konfus war.
Die Polizei würde uns nicht helfen? Aber wenn die Polizei einem nicht half, wer dann? Wozu hatten wir die Behörde denn? Hier war eine junge Frau in Gefahr, und man würde nichts tun, um sie zu beschützen?
Das wollte ich nicht akzeptieren.
"Aber man muss doch was tun! Ganz bestimmt hat dieser Kerl ihr weh getan! Wir können doch nicht die Hände in den Schoß legen!!!"
Mister Riggs begann, wie ein eingesperrtes Tier auf dem Vorrasen auf und ab zu gehen. Es nahm ihn genauso mit wie mich, und das machte alles nur noch schlimmer.
"Und wenn wir uns an diese Inspektorin wenden?", schlug ich, mich bereits am Rande der Verzweiflung befindend, vor. "Wie hieß sie noch gleich?"
"Inspektor Cullen?" Mister Riggs schnaubte. "Die ist von der Mordkommission, Miss O'Leary. Die wird keinen Finger für uns krümmen und uns im besten Fall an jemand anderen verweisen. Aber sehr viel wahrscheinlicher ist, dass sie uns fragen wird, worüber wir uns eigentlich so aufregen, ehe sie auflegt."
"Aber sie ist doch eine Frau!!", protestierte ich empört. "Sie wird es sicher verstehen, wenn wir ihr die Umstände erklären!"
Jemand, der so rücksichtsvoll gewesen war, mich am Abend des Mordes ins Bett gehen zu lassen, anstatt mich zu verhören, hatte doch ein Mitgefühl.
"Wird sie nicht!", widersprach Mister Riggs mir. Das wollte ich jedoch nicht akzeptieren. "Haben Sie eine Karte von Inspector Cullen?"
Mister Riggs griff tatsächlich in seine Hosentasche, um sein Portemonnaie hervor zu holen. Daraus zog er eine Visitenkarte hervor und hielt sie in die Höhe.
"Und jetzt? Ich hab kein Handy."
"Ich aber!", meinte ich triumphierend, holte besagtes Mobiltelefon aus meiner Tasche und schaltete es ein. Dann drehte ich Mister Riggs' Hand so herum, dass ich einen Blick auf die Visitenkarte werfen konnte, zog meine Lesebrille auf, die ich wie immer um den Hals trug und tippte sorgfältig die Nummer der Inspektorin ein. Dann betätigte ich mit einem zufriedenen Lächeln die Taste mit dem grünen Telefon.

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Verfasst: Mi 5. Mär 2008, 22:33 
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Zielscheibe wider Willen
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Ich starrte meine Bürowand an und war zu keiner Antwort mehr fähig.
"Careen? Bist du noch dran? - Careen! Sag doch was!"
Er hatte die Scheidung eingereicht?
"Careen?? Hallo?"
Er wollte mich heiraten!!
Das Handy in meiner Tasche klingelte plötzlich. Ich zuckte zusammen und stammelte in den Telefonhörer hinein: "Ich ... es klingelt. Ich ... ich muss auflegen, Matt."
Das tat ich dann auch, mit schmerzhaft pochendem Herzen. Und atmete erst einmal ein paarmal durch, ehe ich den kleinen Apparat aus meiner Handtasche holte und den Ruf annahm.
"Cullen hier ...", keinen Titel, kein Guten Tag - ich vergaß alles, weil mir immer noch Matts Worte im Kopf herumspukten und ich darum ziemlich neben der Spur war.
"Inspector Cullen? Hier spricht Amily O'Leary von Carrigaline Castle."
"Guten Tag, Miss O'Leary. Was kann ich für Sie tun?"
Zum Glück fasste ich mich schnell. Das hier klang nach Arbeit, und Arbeit hatte mich immer schon auf andere Gedanken bringen können.
"Inspector, wir .. das heißt, Mister Riggs und ich haben den dringenden Verdacht, dass Mistress Katelyn Donahue entführt worden ist."
"Entführt, sagen Sie?" Matt war mit einem Schlag aus meinem Kopf verschwunden. "Wenn Sie entführt ist, dann sind Sie bei mir nicht an der richtigen Adresse, Miss O'Leary, denn ich ..."
"Wir denken, dass es etwas mit dem Mordfall zu tun hat, Inspector", unterbrach mich die alte Dame resolut und sehr überzeugend klingend. Dass ich von ihr nach Strich und Faden angelogen wurde, allein um ihre Aufmerksamkeit zu haben, davon konnte ich in diesem Moment nicht ausgehen.
"Mit dem Mord? Wo sind Sie jetzt, Miss O'Leary?"
"Mister Riggs und ich stehen vor dem Haus der Donahues."
"Ist es Ihnen möglich, zu mir ins Revier zu kommen?"
"Ja, das ist es. Wir sind mit dem Auto da."
"Gut. Dann kommen Sie bitte sofort her."
"Wir sind schon unterwegs, Inspector Cullen."
Es klickte in der Leitung, und ich legte auch auf. Dann sah ich wieder an die Wand, doch diesmal war meine Miene nachdenklich. Wieso war Katelyn Donahue entführt worden? Und wie konnte ihre Entführung mit dem Mord zusammen hängen?

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