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Verfasst: Mi 5. Mär 2008, 22:57 
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Plötzlich Burgherr
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Ich zog den Hut vor der alten Lady!
Da hatte sie den Inspector doch kackfrech angelogen, damit wir von Cullen nicht abgewimmelt wurden und es erst einmal bis in ihr Büro schafften.
"Chapeau, Mam", lobte ich sie darum, als wir beide wieder in den Wagen stiegen, und obwohl die Lage ernst war, musste ich schmunzeln, als ich sah, wie zufrieden Miss O'Leary daraufhin lächelte.
"Tja, mein Guter - wer wie ich im Zweiten Weltkrieg als Spionin fürs Vaterland gekämpft hat, der kann lügen, dass sich die Balken biegen!"
Gerade wollte ich mich anschnallen, jetzt aber hielt ich in der Bewegung inne und starrte Miss O'Leary verdattert an.
"Sie waren mal Spionin???"
Miss O'Leary lächelte und schwieg. Dafür gab sie allerdings ordentlich Gas, und nur einen Moment später flogen wir auf der Landstraße Cork entgegen, dass ich mich unwillkürlich mit dem Anschnallen beeilte.
Die Zitrone war einfach der Hammer!

Gut zwanzig Minuten später betraten wir das Polizeirevier und fuhren sofort in den vierten Stock, in dem die Mordkommission lag. Kurz darauf betraten wir Cullens Büro und wurden von ihr persönlich mit Handschlag begrüßt.
"Bitte setzen Sie sich und erzählen Sie mir alles!", kam sie sofort zur Sache und nahm wieder hinter ihrem Schreibtisch Platz.
Na jetzt war ich ja mal gespannt, was Miss O'Leary an Geschützen auffahren würde, um die Polizei in Bewegung zu setzen. Lange warten musste ich nicht, denn die plauderte sofort drauflos: "Inspector Cullen, Sie müssen sofort ein paar Einheiten losschicken und Mister Donahue verhaften lassen!"
"Muss ich?" Cullens Miene war eine Mischung aus Überraschung und Amüsiertheit.
Miss O'Leary nickte eifrig.
"Stellen Sie sich vor, Mistress Katelyn hat heute morgen Mister Riggs angerufen und ihm gesagt, sie hätte Angst um ihr Leben. Ihr Mann hätte ein paar Bemerkungen fallen gelassen, die sie zu dem Schluss hat kommen lassen, dass er etwas mit dem Mord zu tun haben muss. Sie hat ihn damit konfrontiert, und da muss er wohl auf sie losgegangen sein. Sie hat sich noch soeben ins Schlafzimmer flüchten und uns anrufen können. Aber dann ...", Miss O'Leary fing an zu schluchzen und zog ein Taschentuch aus ihrer Handtasche, um sich damit die Augen abzutupfen und ihre spitze Nase zu schnäuzen, "... dann hat Mister Riggs Lärm im Hintergrund gehört". Hatte ich? "Und dann hat Mistress Donahue geschrien, und Mister Riggs ist am Telefon Zeuge eines Kampfes geworden. Dann war die Leitung tot, und wir sind sofort hinüber gefahren. Aber niemand hat uns aufgemacht. Und jetzt befürchten wir, dass dieser ... Kerl ihr etwas getan hat oder sie verschleppt hat und noch etwas tun wird! Oh Inspector, sie MÜSSEN ganz einfach helfen!!"
Miss O'Leary klimperte Inspector Cullen verzweifelt an, und in ihren leicht hervorstehenden, blauen Augen glänzten sogar ungeweinte Tränen. Die Lady beeindruckte mich mit jeder Sekunde mehr! Für DIE Rolle hatte sie glatt den Oscar verdient!
Inspector Cullen sah uns beide ernst an, dann blieb ihr Blick an mir hängen.
"Können Sie das alles bestätigen, Mister Riggs?"
Ich nickte, räusperte mich und tat es dann noch einmal verbal, das bestätigen. "Ja, kann ich."
Cullen blickte uns beiden noch einen Moment forschend ins Gesicht, dann nickte sie und hob den Hörer ihres Telefons ab. "Officer Jenkins? Schicken Sie bitte eine Streife zum Haus der Donahues ... Kirkpatrick Road 113, Carrigaline. Sie sollen erst einmal anläuten, und wenn sich niemand meldet, sollen sie sich Zutritt zum Haus verschaffen und mir sofort Bericht über den Zustand desselben erstatten!"
Cullen legte wieder auf. Dann schaltete sie ihren Computer an und holte sich irgendeine Datei auf den Schirm - welche, konnte ich von meinem Platz aus nicht erkennen. Schließlich nahm sie das Telefon wieder zur Hand und wählte eine neue Nummer.
"Ich werde jetzt Mister Donahue anrufen und ihn bitten, mir zu sagen, wo ich seine Frau erreichen kann. Vielleicht stellt sich das alles ja als ein Irrtum heraus."
Sie wollte mit diesem Schwein quatschen? Das durfte ja wohl nicht wahr sein! Glaubte sie denn, er würde sagen 'Hey klar, ich hab meine Frau verprügelt/verschleppt/verbuddelt - gut, dass Sie anrufen, Inspector, da kann ich mich ja endlich stellen!'? ... Ich fasste es nicht!

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Verfasst: Mi 5. Mär 2008, 23:11 
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Zielscheibe wider Willen
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Es war erstaunlich, welch eine Dynamik dieser Fall auf einmal annahm - und eigentlich sehr untypisch, wenn man bedachte, dass die Lösung eines Verbrechens normalerweise das Ergebnis langer, akribischer Puzzelei war. Hier aber gab es an einem Tag eine Leiche ohne klares Täterprofil und zwei Tage später schon den Mörder?
Etwas stimmte hier nicht, das sagte mir mein Gefühl. Fast hatte es mir eben so erscheinen wollen, als spielte Miss O'Leary mir etwas vor. Aber welchen Grund konnte sie dafür haben?
Verdacht hin oder her, ich konnte ihre Aussage nicht ignorieren, weil es möglicherweise um Mistress Donahues Leben ging. Und so tat ich, was getan werden musste - ich schickte ein paar Beamte zu den Donahues hinaus und kontaktiere daraufhin Mistress Donahues Mann, der sich auch verhältnismäßig schnell meldete. Und diesmal bedeutend freundlicher als beim letzten Mal.
"Guten Tag, Mister Donahue ..", er hatte beim Sprechen gelächelt, ich tat das auch. "Mister Donahue, ich muss Ihre Frau noch einmal im Mordfall Carrigaline sprechen, habe Sie aber in ihrem Haus nicht erwischt. Können Sie mir vielleicht sagen, wo ich sie erreichen kann?"

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Verfasst: Mi 5. Mär 2008, 23:37 
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Zielscheibe wider Willen
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Donahue gab mir mit seiner Aussage absolut kein Packende. Ich konnte nichts von dem nachprüfen, was er sagte, außer, dass ich selbst Katelyn Donahues Handynummer anwählte und es auf diese Art probierte - aber was sollte das nützen? Entweder er sagte die Wahrheit, und dann würde sie sich nicht melden, weil sie ihr Handy ja vergessen hatte. Oder er hatte ihr was getan, und dann ging sie sicher auch nicht an den Apparat.
Da ich auch keinen Namen und keine Adresse dieser Freundin hatte, musste ich wirklich bis zum Abend warten und darauf hoffen, dass Katelyn Donahue sich bei mir melden würde. Täte sie es nicht, wäre das ein Grund, ihn unter Tatverdacht verhaften zu lassen. Oder wenn mir die Kollegen gleich berichten würden, dass es in dem Haus der Donahues nach einem Kampf aussähe. Dann würde ich mich sogar persönlich in meinen Wagen setzen, um Donahue zu verhaften. Aber solange ich nicht die geringste Bestätigung eines Verbrechens in den Händen hatte, waren mir letztere gebunden. Da reichte nicht einmal Miss O'Learys Aussage, dass Katelyn Donahue davon gesprochen hätte, dass ihr Mann mit dem Mord auf Carrigaline Castle zu tun hatte. Das musste mir Katelyn Donahue schon selbst sagen, dann war diese Aussage etwas wert. Und solange sie das nicht konnte, konnte ich Donahue nicht einfach in den Bau stecken. Es war wie verhext.
"Ich verstehe. Nun gut, sagen Sie Ihrer Frau bitte, dass sie mich auf meinem Handy anrufen soll, sobald sie zurück ist. Ich werde es heute Abend an lassen. Vielen Dank, Mister Donahue."
Mit diesen Worten beendete ich die Verbindung und sah Miss O'Leary und Mister Riggs bedauernd an.
"Mister Donahue hat mir gesagt, dass seine Frau bei einer Freundin ist, deren Namen und Adresse er nicht kennt. Und dass sie ihr Handy vergessen hat ..."
"Und das GLAUBEN sie dem Drecksack etwa?", fuhr Riggs auf und funkelte mich wütend an. Ich hob bremsend meine Hand und bedeutete ihm, sich wieder zu setzen.
"Ich habe bislang noch keinen Grund, daran zu zweifeln."
"Aber der Kampf ...!"
"Sie können sich geirrt haben. Geräusche hören sich durchs Telefon oft anders an. Vielleicht ist es nur ein Streit unter Eheleuten gewesen."
"Aber ihre Aussage, dass ihr Mann bei dem Mord seine Finger im Spiel gehabt hat!", erinnerte Miss O'Leary mit empörtem Blick.
"Die muss Mistress Donahue persönlich machen. Aussagen aus zweiter Hand sind bei uns gar nichts wert, Miss O'Leary!"
"Aber sie ist in Gefahr, Inspector!"
Die alte Dame ließ nicht locker, und irgendwie fand ich das sehr sympathisch. Aber mir waren im Moment die Hände gebunden.
"Sollte es im Haus der Donahues Hinweise auf einen Kampf geben, gebe ich ihnen mein Wort, dass Mister Donahue heute noch verhaftet wird, Miss O'Leary. Wenn nicht ...", ich breitete bedauernd die Arme aus.
Die alte Dame seufzte und schien ein wenig in sich zusammen zu fallen.
"Dürfen wir wenigstens bleiben, bis Ihre Kollegen sich bei Ihnen gemeldet haben?"
Ich nickte. "Natürlich. Möchten Sie solange eine Tasse Kaffee trinken?"
"Tee wäre mir lieber, ehrlich gesagt."
"In Ordnung, Tee. Sie auch, Mister Riggs?"
"Wollen Sie mich vergiften??", entfuhr es dem Amerikaner. Ich verkniff mir ein Schmunzeln, weil es in dieser Situation einfach nicht angebracht gewesen wäre. "Also einen Tee, zwei Kaffee."
Ich wählte Jenkins an und gab ihm Bescheid, dass er die Getränke besorgen sollte, dann lehnte ich mich auf meinem Stuhl zurück und wartete. Wobei meine Gedanken wohltuend um den Fall und hauptsächlich um Patrick Donahue kreisten und kein bisschen um Matt.

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Verfasst: Do 6. Mär 2008, 00:05 
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Gute Seele
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Ich hatte meinen Tee gerade zur Hälfte getrunken, als Inspector Cullens Telefon läutete - wie gebannt starrte ich darauf, Mister Riggs neben mir ebenfalls, dann hefteten wir unsere Blicke gespannt auf den Inspector.
Cullen nahm den Hörer ab und meldete sich mit ihrem Namen. Dann kam erst einmal nichts mehr. Dann ein "Verstehe ... danke, Officer."
Dann legte sie wieder auf.
"Und???", kam es Riggs und mir gleichzeitig über die Lippen.
Cullen faltete ihre Hände auf dem Tisch, und ich wusste, wir hatten verloren.
"Es gab keine Spuren eines Kampfes im Haus der Donahues", erklärte sie sachlich. "Und erwarten Sie jetzt bitte nicht von mir, dass ich das bedauere, denn das bedeutet, dass es Mistress Donahue höchstwahrscheinlich gut geht."
Ich schnaubte.
"Das glauben Sie doch wohl selbst nicht! Dieser Mann ist ein Monster! Glauben Sie denn, Mistress Abigail hätte Mistress Katelyn umsonst enterbt, nachdem diese ihn geheiratet hatte?"
"Miss O'Leary, es steht mir nicht zu, Mistress Donahues Partnerwahl zu kritisieren. Ich nehme an, er muss auch ein paar gute Seiten haben, sonst hätte sie sich wohl nicht für ihn entschieden. - Wir werden den Abend abwarten. Wenn Mistress Donahue sich dann auch nicht bei mir meldet, werde ich persönlich ihren Mann aufsuchen und hierher ins Revier schaffen. Das verspreche ich Ihnen. Aber bis dahin müssen Sie sich gedulden."
"Gedulden, pah!!", entfuhr es mir zornentbrannt. Ich stand auf und sah funkelnd auf den Inspector hinab. "Und ICH habe geglaubt, Sie würden uns helfen! Weil Sie eine Frau sind!"
"Ich helfe Ihnen ja, Miss O'Leary", antwortete sie mit einer Ruhe, die ich nicht empfand. "Nur kann ich nicht die Kavallerie losschicken, wenn kein ausreichender Grund vorliegt."
"Aber was wir gehört haben .."
"... ist in diesem Fall nicht ausreichend. So leid es mir tut, Miss O'Leary."
Ich atmete gereizt durch. Dann nickte ich.
"Nun gut. Vielen Dank, dass Sie uns Ihre kostbare Zeit geopfert haben, Inspector. Kommen Sie, Mister Riggs!"
Ich wandte mich zum Gehen, und nach einem nicht gerade freundlichen Abschiedsgruß, den Mister Riggs noch für Inspector Cullen übrig hatte - eine Unhöflichkeit, die ich gerade mehr als verständlich und gerechtfertigt fand - begleitete er mich zur Tür hinaus, und wir verließen die Mordkommission.
"Und was jetzt?", fragte ich ihn draußen mit bitterer Miene. "Was sollen wir jetzt tun?"
Mister Riggs sah mit dunklem Blick zum Büro der Mordkommission zurück und schüttelte den Kopf.
"Ich weiß es nicht. - Verdammt, ich weiß es nicht!"

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Verfasst: Do 6. Mär 2008, 09:27 
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Zielscheibe wider Willen
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Nachdem Miss O'Leary und Sean Riggs gegangen waren, hatte ich noch eine Weile über die Donahues gegrübelt, mich dann aber bewusst in den Bericht der Spurensicherung gestürzt, um nur ja nicht wieder an Matt denken zu müssen.

Es waren eine Reihe von Fingerabdrücken im Weinkeller gefunden worden, doch stammten diese allesamt vom Personal und Miss O'Leary, wie wir inzwischen wussten. Der Hausdame, Sean Riggs und Katelyn Donahue hatte man bei ihrem ersten Antritt im Revier die Fingerabdrücke genommen, nachdem sie ihre Aussagen noch einmal zu Protokoll gegeben hatten, das restliche Personal hatte man anschließend antreten lassen. Und darum konnten wir sicher sein, dass keiner der gefundenen Abdrücke vom Täter stammte.
Aber das hatte ich sowieso nicht erwartet. Der Umstand, dass man an der Leiche ebenfalls nichts gefunden hatte - kein Haar, keine fremde Stofffaser und eben auch keinen Fingerabdruck - hatte in mir schon die Ansicht zementiert, dass der Täter sehr umsichtig vorgegangen sein musste und offenbar genau gewusst hatte, wie er Spuren vermied. Darum war ich nicht sonderlich enttäuscht gewesen, als sich das Thema Fingerabdrücke als Sackgasse herausstellte.
Es war etwas anderes, das meine Aufmerksamkeit auf sich zog.
Man hatte die gesamte Burg nach Spuren eines gewaltsamen Eindringens abgesucht, aber keine gefunden. Was nur bedeuten konnte, dass der Täter wirklich einen Schlüssel gehabt haben musste oder von jemandem, der zur Burg gehörte, eingelassen worden war. Letzteres hatte ich bereits überprüft, und keiner der Befragten - diejenigen inklusive, die Jake sich gestern vorgenommen hatte - hatte etwas entsprechendes ausgesagt. Wenn Kitty ihrem Mörder also nicht selbst eingelassen hatte, dann musste dieser sich auf reguläre Weise Zutritt verschafft haben, und da kam nur ein Schlüssel in Frage. Es wurde höchste Zeit, dass ich mich in Kittys Umfeld umhörte - vielleicht hatte der Mord ja überhaupt nichts mit der Burg und seinen Bewohnern zu tun, und man hatte die Leiche nur dort abgelegt, um die Polizei das glauben zu machen. Außerdem - und das war mittlerweile schon überfällig - mussten Jake und ich endlich ein Täterprofil erstellen. Die Tat an sich hatte etwas psychopathisches, aber auch etwas sehr überlegtes, raffiniertes, was auf einen verhältnismäßig hohen Intellekt hinwies. Auf keinen Fall hatte unser Mann blind mit seinem Messer gewütet, auch wenn die wilden, unsinnigen Schnitte auf der Brust des Mädchens so wirken sollten. Es steckte eine Methode hinter diesem Wahnsinn, und die mussten wir heraus finden.

Es war bereits nach Mittag, als mein Handy auf einmal ging und mich aus meinen Überlegungen riss. Mit einem unguten Gefühl, denn plötzlich war mir Matt wieder sehr präsent, nahm ich den Anruf entgegen, entspannte mich aber, als ich hörte, dass es Katelyn Donahue war, die ich in der Leitung hatte. Meine Entspannung sollte aber nicht länger als zwei, drei Sekunden dauern, denn noch während sie sich meldete, wurden mir zwei Dinge klar: Zum einen zitterte ihre Stimme hörbar - sie hatte Angst, das spürte ich sofort. Zum anderen hatte sie ihren Apparat auf Lautsprecher gestellt, wie mir der typische Hall in ihren Worten sagte. Beides konnte nur einen Grund haben, nämlich den, dass ihr Mann mithörte. Aber warum sollte er das tun, wenn doch alles in Ordnung war, wie er es mir versichert hatte? - Riggs' und Miss O'Learys Beteuerungen, dass Katelyn Donahue in Gefahr wäre, drängten mit aller Macht in mein Bewusstsein zurück, und ich begann langsam zu glauben, dass sie Recht hatten.
"Mistress Donahue?", ich lächelte und gab meiner Stimme einen warmen, Vertrauen erweckenden Klang, gleichzeitig überlegte ich fieberhaft, wie ich herausfinden konnte, wo sie steckte. "Schön, dass Sie sich melden. So früh hab ich gar nicht mit Ihnen gerechnet. - Ich würde Sie gerne noch einmal in der Mordsache Carrigaline sprechen. Wenn Sie mir sagen, wo Sie sind, komme ich zu Ihnen. Ich will Ihnen nicht noch mehr Umstände machen, als ich es schon getan habe."
'Los, Mädchen - sag es! Sag, wo du steckst, und ich komme und helf dir!'

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Verfasst: Do 6. Mär 2008, 09:58 
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Zielscheibe wider Willen
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Oh ja, da war was im Busch! Ich spürte ihr Zögern, ich hörte ihr leises Keuchen ... und ich fühlte geradezu ihre Tränen. Auch wenn ich ein Kopfmensch war, hieß das nicht, dass ich keine Feinfühligkeit besaß.
"Nein, tut mir leid, Mistress Donahue. Ich kann auf KEINEN Fall bis morgen warten!", bewusst wurde ich energischer - und winkte dabei Jenkins, der gerade in meine Richtung sah und deutete mit alarmiertem Blick auf mein Handy, um ihm so zu bedeuten, dass er das Gespräch zurückverfolgen sollte. Jenkins blickte mich wie die sprichwörtliche Kuh am Sonntag an, und ich verdrehte die Augen.
"Wissen Sie", fuhr ich fort und stand dabei auf - ich musste weiter sprechen und Katelyn Donahue so lange genug am Apparat halten, "es haben sich ein paar neue Umstände in diesem Fall ergeben ...", ich verließ mein Büro und ging eilig zu Jenkins' Schreibtisch, wo ich ihm auf seinen Notizblock kritzelte: "Orten! SOFORT!!!". Und meine Anweisung dann auch noch dreimal mit energischem Blick unterstrich - Mensch, Jake hätte sofort kapiert, was ich von ihm gewollt hätte!
Jenkins riss die Augen auf, dann nickte er und griff eilig zum Hörer. Ich machte, dass ich in mein Büro zurück kam, damit am anderen Ende der Leitung niemand hörte, was Jenkins in sein Telefon quatschte und sprach dann endlich weiter: "Entschuldigen Sie mich, Mistress Donahue, ein Kollege hat mich gerade abgelenkt. Also, es ist wirklich dringend, dass ich Sie HEUTE noch spreche. Ich muss darauf bestehen. Und wenn Sie nicht wollen, dass ich zu Ihnen komme, dann werden SIE zu MIR kommen. Und zwar noch, BEVOR ich Dienstschluss habe!"

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Ich hatte mich seit dem Morgen damit beschäftigt, die Alibis der gestern Befragten zu überprüfen, aber irgendwann gegen Mittag hatte ich die Nase davon voll gehabt.
Wieso machte ich das hier eigentlich?
Okay, ich hatte sicher sowas wie eine Strafarbeit verdient. Ich hatte mich ja auch verhalten wie ein Schwein. Aber verdammt, Careen hatte gesagt, ich wäre ihr bester Ermittler. Wieso fuhr ich also durch die Scheißgegend und quatschte mit Leuten, die mir sowieso nichts Interessantes zu erzählen hatte, anstatt mit ihr in ihrem Büro zu sitzen, die Fakten zusammen zu tragen, ein Profil des Täters zu erstellen und Theorien durchzusprechen?

Kurzentschlossen wendete ich meinen Passat und wählte Jenkins' Nummer. Besetzt, klasse! Ich verdrehte die Augen und probierte es bei Careen. Eine ganze Weile, da ich ein Freizeichen bekam, aber dann meldete sich die Zentrale, die mir zwar sagte, dass Inspector Cullen im Haus wäre, aber wohl offenbar nicht in ihrem Büro. Genervt verlangte ich Hopkins zu sprechen. Nach dreimal Tuten nahm mein alter Kollege ab.
"Hey Hopkins, Dignam hier. Sag Jenkins, wenn er sein Gespräch beendet hat, er soll sich noch einen von den Jungs schnappen und nach Carrigaline raus fahren. Und mich anrufen, damit ich ihm die Namen und Adressen der Leute durchgeben kann, die er noch befragen soll."
"Alles klar, Sarge. Ich richt's ihm aus."
Hopkins legte auf, ich ebenfalls, dann gab ich Gas. Wurde Zeit, dass ich endlich wieder die Aufgaben wahrnahm, für die ich qualifiziert war.

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Verfasst: Do 6. Mär 2008, 11:36 
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Zielscheibe wider Willen
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Ich wollte noch etwas sagen, aber das Gespräch wurde plötzlich beendet.
"Mist!!"
Mit großen Schritten kam ich wieder aus dem Büro heraus und fixierte Jenkins. "Und??"
Er schüttelte den Kopf. "Ihr Gesprächspartner war zu schnell weg, Mam, und jetzt ist das Handy aus. Wir wissen nur, dass der Anruf aus Cork kam, nicht von außerhalb. Zentrum."
"Verdammt!!!"
Ich schlug mit meiner Faust auf den Tisch, dann atmete ich tief durch und sah auf meine Armbanduhr. Fünf, hatte sie gesagt. Das bedeutete, dass ich mich noch gut dreieinhalb Stunden gedulden musste. Ganz sicher umsonst gedulden musste, denn inzwischen stand für mich fest, dass Patrick Donahue seine Frau wirklich entführt hatte und irgendwo fest hielt. Und es gab für mich nur einen Grund für sein Verhalten - seine Frau wusste in der Tat etwas über ihn, das ihn in Schwierigkeiten bringen würde, und er wollte verhindern, dass sie auspackte.
War er der Mörder?
Ich war schon fast überzeugt davon.

Aber wie das so oft ist, wenn man von etwas überzeugt ist ... plötzlich kommt einer daher und wirft das Kartenhaus der Schuldtheorie mit einem einzigen, kleinen Schubser um.
Dieser Jemand war in meinem Fall Jake, der eine halbe Stunde später mein Büro betrat. Ich wusste bereits, dass er auf dem Rückweg war und Jenkins und Smith mit seiner Aufgabe betraut hatte - und ich hatte seine Entscheidung gebilligt, denn ich konnte ihn hier sehr viel besser gebrauchen als draußen auf der Straße. Kaum hatte er die Tür geschlossen und sich mir gegenüber auf den Stuhl geworfen, als ich ihm die neueste Entwicklung im Fall Carrigaline schilderte. Und mit Katelyn Donahues letztem Anruf meinen Bericht beendete.
Jake hatte mir schweigend zugehört und sich dabei an seinem Dreitagebart gekratzt. Und fragte jetzt, wo ich fertig war: "Was wirst du tun, wenn sie nicht kommt?"
"Dann werde ich einen Haftbefehl gegen Patrick Donahue erwirken und mir den Kerl kaufen!", kam es etwas mir etwas emotionaler als beabsichtigt über die Lippen - aber ich hatte eben immer noch Katelyn Donahues ängstliche Stimme in meinem Ohr.
Jake schürzte die Lippen und musterte mich nachdenklich. Das machte mich nervös.
"Was? - Wenn sie nicht auftaucht, ist doch wohl klar, dass Miss O'Leary und Riggs die Wahrheit gesagt haben! Katelyn Donahue hat ihnen gegenüber am Telefon Andeutungen gemacht, dass ihr Mann etwas mit dem Mord zu tun hat, und jetzt ist sie weg. Das lässt doch wohl nur EINEN Schluss zu!"
"Tut es das?"
Jakes Gelassenheit regte mich auf. Abrupt erhob ich mich von meinem Sessel und begann, auf und ab zu gehen.
"Was sollte es denn sonst bedeuten, he?"
"Vielleicht war SIE es ja auch, die den Mord begangen hat. Und belastet ihren Mann jetzt, um aus dem Schneider zu sein."
"Ach komm, Jake! Ich habe ihre Stimme gehört. Sie hatte Angst!!"
"Vielleicht ist sie nur eine ziemlich gute Schauspielerin."
"Aber sie hat vom Handy ihres Mannes aus angerufen! Und das hatte Patrick Donahue einstecken, das weiß ich genau. Zwei Stunden vorher hab ich ihn noch auf seinem Handy angerufen! Wie sollte sie jetzt vom gleichen Apparat aus sprechen, wenn sie nicht bei ihm war? Was sie aber nicht wäre, wenn deine Theorie stimmt! Oder?"
"Careen ...", woah, wieso war dieser Kerl jetzt so verdammt gefasst und ruhig, wo er sonst bei jeder Gelegenheit herumflippte?? Ich selbst stand gerade kurz vor dem Ausrasten, weil ich absolut überzeugt von der Richtigkeit meines Verdachts war. Auch wenn vielleicht einige Dinge dagegen sprachen oder es andere Optionen gab. Aber mein Instinkt sagte mir, dass ich richtig lag. Warum wollte Jake das nicht einsehen? Das war doch nur wieder sein typischer Frauenhass, der da durchschlug, dass er Katelyn Donahue zur Täterin machte!
"Ich hab keine Ahnung, wie sie an sein Handy gekommen ist", fuhr er in aller Seelenruhe fort. "Vielleicht ist Donahue inzwischen auch tot, keine Ahnung. Oder er weiß noch gar nichts von der Show, die sie abgezogen hat und was sie Miss O'Leary alles gesagt hat. Vielleicht ist sie nach ihrem kleinen Ausflug wer weiß wohin wirklich wieder zu ihm zurück und hat von seinem Handy telefoniert. Es ist immer noch möglich, dass sie den Mord BEIDE GEMEINSAM begangen haben, sie jetzt aber versucht, ihren Mann als alleinigen Täter darzustellen. Wäre nicht das erste Mal, oder?"
Ich atmete gereizt durch und sah mit in die Hüften gestützten Händen ins Großraumbüro. Die Vorgänge dort bekam ich allerdings nicht mit.
"Also haben wir zwei mögliche Theorien. Drei, wenn man deine letzte mit einschließt."
Jake nickte schweigend.
"Und wenn ich Donahue verhafte, sollte Katelyn sich hier nicht um fünf einfinden, dann spielen wir ihr genau in die Hand, sollte sie wirklich die Täterin sein. Oder die Mittäterin."
Wieder nickte Jake. "Genauso ist es."
Ich drehte mich um und sah ihn funkelnd an. "Aber was, wenn du dich irrst und er Katelyn wirklich irgendwo festhält? Kann ich das Risiko eingehen?"
"Er wird sie nicht direkt umbringen, Careen."
"Und wieso bist du dir da so sicher?"
"Überleg doch mal ..", Jake stand auch auf und setzte sich mit seinem Hintern auf meine Schreibtischkante, wahrscheinlich, weil er es leid war, sich nach mir den Hals zu verrenken. "Die Frage ist doch immer noch, warum man Riggs eine Leiche in den Keller gelegt hat. Wir sind uns beide einig, das war kein Mord im Affekt, sondern eine geplante Tat. Und so sehr der Mörder auch rumgeast hat, er war nicht so verrückt, dass er nicht gewusst hätte, was er tat. Ganz offenbar hat er vorgehabt, Riggs unter Mordverdacht zu bringen - der einzige Grund, der mir überhaupt einfällt, warum wir Kitty im Weinkeller gefunden haben - und das hat er entweder getan, weil er selbst Anspruch auf das Erbe erhebt - wobei wir wieder bei den Donahues wären - oder weil es einen völlig anderen Grund gegeben hat, Kitty Cartwright zu töten, sich uns dieser Grund aber noch nicht erschlossen hat. Vielleicht zurückgewiesene Liebe oder so ... irgendwas, das mit Kitty selbst zu tun hat und überhaupt nichts mit Riggs oder Donahue. Und das wir eben nur denken sollen, die beiden letzten Parteien wären involviert, um uns auf eine falsche Fährte zu lenken."
"Ja, das weiß ich alles, Jake", gab ich ungeduldig zurück. "Und? Was willst du mir jetzt damit sagen?" Ich sah das Ende von Jakes Logikkette noch nicht.
"Ich will sagen, dass es überhaupt keinen Grund für Patrick Donahue gibt, Katelyn etwas anzutun, wenn der Mord nichts mit ihnen zu tun hat - wobei es dann auch nicht mehr in unser Aufgabengebiet fällt, Katelyn Donahue von ihrem möglicherweise tyrannischen Ehemann zu befreien. Und falls es doch so ist, dass er sie entführt hat, weil sie ihn als Mörder beschuldigen könnte, wird er sie allein deshalb nicht umbringen, weil er Abigail Desmonds Erbe dann völlig abhaken kann. Er braucht sie lebend, wenn er sich überhaupt noch Chancen auf das Erbe ausrechnen will."
"Wieso braucht er sie lebend?", hielt ich sofort dagegen. "Sie sind verheiratet. Wenn Katelyn tot ist, erbt er, was sie geerbt hätte. Er kann auch nach ihrem Tod Anspruch auf das Erbe erheben, wenn Riggs unter Mordverdacht fallen würde."
"Ja, aber nur, wenn der Tod zweifelsfrei geklärt ist. Dazu gehört eine Leiche, an der nichts auf einen Mord hinweist. Und du weißt genauso gut wie ich, dass es heutzutage kaum noch möglich ist, jemanden umzubringen, ohne dass die Forensik es feststellen kann."
"Man kann einen Unfall herbei führen."
"Mit einer entführten Frau? Die sich ja auch ganz bestimmt ohne Zwangsmaßnahmen wie Betäubung, Fesseln und dergleichen hinter das Auto eines Steuers setzen würde, um dann von selbst vor einen Baum zu fahren? Komm, Careen ... du bist nicht objektiv. Und selbst wenn Donahue es schaffen würde, sich seiner Frau geschickter zu entledigen - keine Ahnung, Sturz vom Balkon oder so - muss er immer damit rechnen, dass es vielleicht doch einen Zeugen gibt, den er nicht bemerkt. Und sollte er die Leiche verschwinden lassen und so tun, als wäre sie abgehauen, ist das Risiko zu groß, dass sie durch einen dummen Zufall gefunden wird. So oder so, er würde ins Zentrum unserer Ermittlungen rücken - selbst wenn er es schaffen würde, seine Frau umzubringen, ohne aufzufliegen, weil da immer noch der Mord an Kitty ist. Und er nunmal das beste Motiv hat."
Angespannt fuhr ich mir durchs Gesicht und ließ mir Jakes Überlegungen durch den Kopf gehen. Sicher, das, was er da gesagt hatte, hatte was. Alles. Sogar die Theorie, dass Katelyn die eigentliche Schuldige war. Konnte ich wirklich sicher sein, dass sie mir nicht nur etwas vorgespielt hatte?
"Careen, wenn du ihn heute Abend verhaftest, nur weil seine Frau nicht zu einer Befragung gekommen ist, dann wirst du ihn morgen wieder laufen lassen müssen. Du hast keine Beweise für seine Schuld."
Ich seufzte leise auf und ließ mich resigniert wieder in meinen Sessel fallen.
"Und was sollen wir jetzt tun?"
"Wir warten erst mal bis fünf Uhr ab", schlug Jake pragmatisch vor. "Danach können wir immer noch entscheiden."
Tja, etwas anderes blieb uns wohl nicht übrig.

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Geistesgegenwärtig hatte Careen auf den Lautsprecher gedrückt, nachdem sie den Hörer ihres bimmelnden Schreibtischtelefons abgenommen hatte.
Donahue!
Na jetzt war ich aber mal gespannt!!

Und dann kam die Show des Jahrhunderts! Also entweder war Donahue der totale Jammerlappen oder trug hier mächtig auf. Ich tippte auf letzteres, weil sich doch wohl kein Mann SO aufführte, wenn ihn die Frau wegen eines anderen Kerls verließ. In meinen Augen wäre da ein Wutausbruch viel angemessener gewesen. ICH hätte das Telefon genommen und an die Wand geschmissen, anstatt damit die Polizei zu rufen. Aber okay, ich war wohl auch kein Maßstab.
"Nun beruhigen Sie sich, Mister Donahue", sprach Careen wie zu einem Idioten - was der Kerl ja anscheinend auch war. "Wo sind Sie jetzt?"
"In meinem Büro. Bitte ... ich weiß nicht, was ich noch tun soll!"
"Ganz ruhig, Mister Donahue. In zwanzig Minuten bin ich bei Ihnen! Bleiben Sie, wo Sie sind."
"Ja. Ja, sicher tu ich das. Danke, Inspector!"
"Keine Ursache. Bis gleich."
Dann legte Careen auf und erhob sich. Ich stand ebenfalls auf.
"Ich komme mit. Mit dem Schwachsinnigen lass ich dich auf keinen Fall allein!"
Hatte ich mit Widerspruch gerechnet, hatte ich mich geirrt. Careen nickte knapp, legte sich ihr Brusthalfter um, das sie aus ihrem Schreibtisch holte und zog sich dann ihren Mantel über. Ihre Tasche noch, dann verließ sie mit mir ihr Büro und informierte Hopkins im Vorbeigehen kurz, wohin wir wollten. Dann waren wir auch schon raus.

Die versprochenen zwanzig Minuten später stellten wir Careens Kiste vor einem Protzkasten von Firmengebäude ab und machten uns auf den Weg.
"Oh Mann, ein Bonze. Hab ich ja gewusst!", murmelte ich verächtlich und sah dabei an der gläsernen Front des Gebäudes in die Höhe.
"Halt dich bloß zurück, Jake!", warnte mein Boss mich mit einem scharfen Seitenblick, während wir durch die Drehtür gingen. "ICH führe das Gespräch, verstanden?"
Ich salutierte ironisch. "Aye, Mam!"
Und folgte Careen zur Zentrale, hinter der ein paar blonde Tittenmäuse saßen und so taten, als würden sie arbeiten. Eine davon, eine ultrablonde, sah uns ziemlich giftig an, als Careen uns anmeldete. Mit einem albernen Schmollmund nahm sie den Telefonhörer in ihre lackierten Griffel und rief in der Chefetage an. Schließlich, nachdem sie wieder aufgelegt hatte, nickte sie und erklärte uns hoheitsvoll: "Mister Donahue erwartet Sie. Sie wissen ja, wo's lang geht."
"Danke", flötete Careen zuckersüß und setzte ihren kleinen Hintern wieder in Bewegung. Ich zwinkerte der Blondine übertrieben angetan zu, eigentlich in der Annahme, dass sie das richtig verstehen würde. Tat sie aber nicht - okay, sie war ja auch blond - sondern änderte ihren Gesichtsausdruck und klimperte mich mit ihren langen, falschen Wimpern an. Oh Mann, wurd Zeit, dass die aus meinem Blickfeld kam, ehe ich noch was Falsches sagte.

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Verfasst: Do 6. Mär 2008, 12:42 
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Zielscheibe wider Willen
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Ich hatte Donahue stirnrunzelnd zugehört und mir dabei meinen Mantel aufgeknöpft, weil es hier im Büro gut geheizt war. Ausziehen wollte ich ihn wegen der Waffe aber nicht unbedingt.
"Was für ein Wagen? Modell? Farbe? Kennzeichen konnten sie wohl nicht zufällig erkennen, oder?"
Das war nicht ich, die Donahue das fragte, sonder mein übereifriger Partner, der schon seinen Block in der Hand hielt und Donahue mit seinem scharfen Blick sezierte. Ich verkniff mir eine Bemerkung - irgendwo war's klar gewesen, dass Jake sich doch in das Gespräch einmischen würde, obwohl ich ihm was anderes gesagt hatte, aber dass er das bereits tun würde, ehe ich meine erste Frage stellen konnte, ärgerte mich ja doch etwas - und sah mich stattdessen im Büro um. Woher kam nur diese Unordnung? Hier sah es aus, als wäre ein Tornado hindurch gefegt. Na, wahrscheinlich würde ich das gleich erfahren.

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Verfasst: Do 6. Mär 2008, 13:01 
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Zielscheibe wider Willen
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Wieder schoss Jake mir dazwischen, indem er zum Fenster ging, in die Tiefe blickte und dann trocken meinte: "Dubliner Kennzeichen, hm? Gratulation, Mister Donahue. Damit haben Sie wohl die besten Augen in ganz Irland!"
Ich warf Jake einen energischen Blick zu, dann wandte ich mich an Donahue.
"Das hier ist mein Kollege, Sergeant Dignam. Er ermittelt mit mir gemeinsam in dem Carrigaline-Mordfall."
Donahue musterte Jake, Jake musterte zurück, dann nickten beide knapp. Ich ergriff daraufhin wieder das Wort.
"Sie sagen also, ein Mann hätte in einem dunkelblauen Kombi gesessen, welches ein Dubliner Kennzeichen hatte. Die Frage meines Kollegen ist berechtigt, Mister Donahue - wie konnten Sie das alles von hier oben sehen?"

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Verfasst: Do 6. Mär 2008, 13:06 
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Frauenhasser
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"Sie hat den Lieferantenaufzug genommen?", echote ich ungläubig und gesellte mich wieder zu Careen hinzu - der Kerl log doch gerade, dass sich die Balken bogen! Merkte sie das nicht?
"Wieso sollte Ihre Frau den Lieferantenaufzug genommen haben, Mister Donahue? Und jetzt erzählen Sie mir bloß nicht, weil der komfortabler und schneller als der reguläre ist!"
Ich stützte eine Hand in meine Hüfte und musterte den reichen Sack vor mir finster. Wieso hatte Careen mir eigentlich nicht erzählt, was für ein Unsympath das war?

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