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Verfasst: So 1. Jul 2007, 21:28 
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Cracksüchtiger Maulwurf
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Ich hatte mich völlig fertig auf meine zerschlissene, durchgelegene Matratze fallen lassen und die Augen geschlossen, aber als ich Freezes tiefe Stimme dicht neben mir hörte, öffnete ich sie doch wieder.
Und streckte daraufhin mit einem schwachen Lächeln die Hand nach dem Schokoriegel aus.
"Danke, Freeze", murmelte ich kaum hörbar und führte die Schokolade zaghaft an meine Lippen. Dann lutschte ich daran und schloss dabei verzückt die Augen.
Wann hatte ich diesen Geschmack das letzte Mal auf der Zunge gehabt? Wann hatte ich das letzte Mal so etwas süßes gekostet? Es musste in einem anderen Leben gewesen sein. Damals .. früher .. bevor ich ..
Das Diostesin begann zu wirken - ich merkte es daran, dass mein Denken wieder einsetzte und mich mit Erinnerungen flutete, die nur schwer zu ertragen waren. Ich versuchte, sie mit dem Geschmack der Schokolade hinunterzuschlucken, in der Hoffnung, dass sie dann nicht ganz so bitter wären - aber umsonst. Tränen begannen hinter meinen geschlossenen Augen zu brennen, so dass ich die Süßigkeit wieder aus meinem Mund nahm und mein Gesicht an der Matratze verbarg. Und dabei zog ich die Beine an und machte mich so klein, wie es nur ging. Es nützte aber nichts. Die Erinnerungen blieben, und nun, wo der körperliche Schmerz gegangen war, kam der seelische.

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Verfasst: So 1. Jul 2007, 21:40 
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Ehemals Sohn, jetzt sauer
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Ach du dickes Ei! Je gründlicher ich mich hier umsah, um so weniger wollte ich glauben, was ich sah!
Wer waren all diese Menschen? Wieso lebten sie hier unten und warum waren sie so verdammt abgewrackt?

Ich war wirklich nicht so blöd, wie ich aussah, ich wusste um den Widerstand. Die Medien berichteten schließlich täglich darüber, ständig gab es Meldungen über Überfälle, Entführungen und Mord. Aber wo man die Widerständler im allgemeinen stets als brutale Monster hinstellte - à la Mr. Freeze halt - sah ich hier Mütter und Kinder und alte Menschen, die abgemagert waren und aussahen, als wären ihnen die fadenscheinigen Klamotten inzwischen an ihren dreckigen Leibern festgewachsen. Menschen, die ihr Essen in sich hineinschlangen, als hätten sie eine Woche nichts zwischen den Zähnen gehabt. Und andere, die meiner charmanten Gastgeberin gegenüber auftraten, als wäre diese eine Heilige und nicht eine verdammte Entführerin, die mich hatte betäuben, fesseln und knebeln und herschaffen lassen, um mich hier unten dann auch noch mit meinem vorzeitigen Ableben zu bedrohen für den Fall, dass mein Vater nicht funktionieren sollte!

Ich hatte für all das gerade keine Worte. Der Schmerz an meiner Nase war in den Hintergrund gerückt über den, der mir hier geballt entgegenschlug, so dass ich, als wir schließlich an meinem sogenannten Einzelzimmer ankamen, lediglich mit einem knappen Nicken das Wasser entgegennahm und murmelte: "Schon klar, Lady .."
Dann betrat ich meine Suite, beide Flaschen unter dem Arm. Und atmete tief durch, als die Tür mit einem metallenen Scheppern ins Schloss fiel, der Riegel geräuschvoll vorgeschoben wurde und ich blicklos in die Finsternis starrte. Scheiße, wo war ich hier nur hineingeraten?

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Verfasst: So 1. Jul 2007, 21:56 
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Cracksüchtiger Maulwurf
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Registriert: So 1. Jul 2007, 14:55
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Ich reagierte nicht auf Freezes Worte, weil ich gerade mit meiner Fassung zu kämpfen hatte. Aber ich bekam mit, dass er sich mir gegenüber auf einer freien Matratze niederließ .. das Diostesin tat jetzt wirklich seine Wirkung.
Mist verdammter! Dass er bei mir blieb - warum auch immer - und nicht wieder zu seinem Platz zurückkehrte, war das allerletzte, was ich nun gebrauchen konnte.
Ich musste heute rauf. Ich musste nach oben, an die Oberfläche, und ich musste dort zu dem alten Lagerhaus, in dem ich meine Kommunikationseinheit versteckt hatte, denn wenn ich mich heute nicht melden würde, würde man annehmen, dass ich tot wäre, und dann würde Craig drastischere Maßnahmen ergreifen!

Eine Woche war es jetzt her, seit ich mich das letzte Mal bei ihm gemeldet hatte. Dass ich ihm den Tipp mit dem Nahrungsmitteltransport gegeben hatte, über seine Frage nach dem Versteck des Widerstandes aber einfach hinweggegangen war, indem ich die Verbindung wieder unterbrochen hatte. Und seitdem hatte es keinen Abend mehr gegeben, an dem ich mich hätte unbemerkt nach oben schleichen können. Ich musste mich aber melden! Ich musste Craig wissen lassen, dass ich noch lebte, damit er keinen neuen Maulwurf mit diesem Fall beauftragen würde, der, sobald er hierher gefunden hätte, dem NBTD den Ort des Verstecks verraten würde. Ich wollte nicht, dass das Büro erfuhr, wo die Widerständler sich versteckten, weil sie dann hierher kommen und 'aufräumen' würden .. mit anderen Worten, dass sie alle hier unten umbringen würden, ohne Rücksicht darauf, ob es sich um wirklich Schuldige oder nur um arme Obdachlose handelte. Das NBTD würde keinen Unterschied machen und jeden umbringen. Und das konnte und wollte ich einfach nicht.

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Verfasst: Mo 2. Jul 2007, 08:36 
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Cracksüchtiger Maulwurf
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Endlich hatte ich mal Glück! Freeze hatte es nicht lange an meiner Seite gehalten. Ich hatte schon befürchtet, er würde beschließen, die Nacht bei mir zu verbringen. Dann hätte ich das mit dem Verschwinden aber vergessen können! So jedoch sah es nicht schlecht aus. Ich würde hier liegen bleiben und ruhig warten, bis alle eingeschlafen wären, und dann würde ich mich aufmachen, um endlich wieder ein Lebenszeichen von mir zu geben. Nichts brannte mir gerade so sehr unter den Nägeln wie das!
Verstohlen drehte ich den Kopf und sah mich nach Freeze um. Er hockte mit Dawn zusammen und sprach leise mit ihr. Leider konnte ich nicht verstehen, was da gesprochen wurde, aber im Moment war es mir auch egal. Ich sah wieder weg, um weiter die Schlafende zu mimen, blickte dabei hinab auf meine Hände und entdeckte, dass der Schokoriegel in meiner Hand inzwischen geschmolzen war. Mit schiefem Blick begann ich sie sauberzulecken, dann kuschelte ich mich tiefer in die Decke und wartete ab.

Ein, zwei Stunden später war es dann soweit. Alles hatte sich inzwischen zur Ruhe gelegt, und auch Freezes breite Schultern hoben und senkten sich unter seiner Decke langsam und regelmäßig, soweit ich es in dem schwachen Licht der Leuchtstäbe erkennen konnte, welche man der Orientierung halber angelassen hatte. Nur zwei, das musste reichen für die, die sich nachts Erleichterung verschaffen mussten. Mehr wäre eine unnötige Energieverschwendung gewesen, mehr wäre jetzt auch für mich höchst unpraktisch gewesen, denn am besten wäre es, es sähe gar keiner, dass ich mich gleich entfernte. Falls doch, würde man hoffentlich annehmen, dass ich Druck auf der Blase hätte und darum in einem Seitengang der Kanalisation verschwand.
Ich wartete noch eine weitere Weile, um ganz sicher zu gehen, dann erhob ich mich nach einem letzten Blick zu Freeze vorsichtig und ging geräuschlos zwischen den zahlreich umherliegenden Matratzen einher. Ich war inzwischen wieder vollkommen ruhig geworden. Das Diostesin tat jetzt seine vollständige Wirkung, so dass ich mich ganz hervorragend fühlte. Von Zittern, Sehstörungen und Schwächeanfällen keine Spur mehr. Im Gegenteil, jetzt wurde ich von der diostesintypischen Euphorie erfüllt, die einen jedesmal auf einen Höhenflug brachte, sobald man das Zeug konsumiert hatte. Dieser Höhenflug befähigte mich jetzt zwar, mich zielstrebig und leise fortzubewegen, aber er war auch gefährlich, das wusste ich sehr genau, denn es veränderte das Bewusstsein für das Wesentliche – die Gefahr zum Beispiel. Und so ermahnte ich mich, trotz der angenehmen Scheißegalstimmung weiter Vorsicht walten zu lassen, denn wenn ich bei meinem Vorhaben entdeckt würde, wäre das mein Tod, da war ich mir ganz sicher.
Ich hörte also nicht auf, mich verstohlen umzublicken und auf die Schläfer, die ich passierte, ein scharfes Auge zu haben, und als ich den Seitengang endlich erreicht hatte, der mich nach wenigen Metern in den Hauptgang der Kanalisation führen würde, bog ich um die Ecke, hielt dahinter aber erst einmal an und blickte zurück.
Nein, niemand war mir gefolgt. Es war wie all die anderen Male zuvor auch, die ich mich nun während des gesamten letzten Vierteljahrs an die Oberfläche geschlichen hatte – die Zeit, die ich nun dem Widerstand angehörte, nachdem Freeze mich ‚zufällig’ an der Oberfläche auf der Flucht vor einigen NBTD Cops ‚gerettet’ und anschließend in den Untergrund gebracht hatte. Um meine Glaubwürdigkeit zu erhöhen – was verdammt notwendig gewesen war, denn vor mir waren bereits vier unserer Undercover Agents aufgeflogen, deren Leichen die Widerständler desnachts aufs Übelste zugerichtet vor dem Gebäude des NBTD abgelegt hatten – hatte ich mir selbst einen Streifschuss am Arm verpasst und auf Craigs dringende Empfehlung hin bereits vier Wochen vor Einsatzbeginn damit begonnen, mir regelmäßig Diostesin zu injizieren. Eine Cracksüchtige würde niemand für einen Cop halten, das war Craigs Argument gewesen. Es hatte mich zwar eine Menge Überwindung gekostet – ehrlich gesagt war es mir sehr viel leichter gefallen, meinem Körper selbst ein Leid zuzufügen, indem ich mir den Streifschuss verpasst hatte als ihn vielleicht irreparabel zu schädigen, indem ich ihn drogenabhängig machte – doch ich hatte mich Craigs logischer Argumentation nicht verschließen können. Es war einfach sicherer, denn was nutzte mir ein gesunder Körper, wenn ich dafür tot war?
Nein, ich hatte nicht vor, schon zu sterben. Weshalb ich auch jetzt die größtmögliche Vorsicht walten ließ und mich erst dann von meinem Beobachtungsposten löste, als ich wirklich sicher sein konnte, dass mir niemand, aber auch wirklich niemand folgen wollte.
Ich tastete mich an der Wand entlang, bis ich unter meinen Fingerspitzen die kantigen Umrisse des losen Steines spürte, hinter dem ich meinen Leuchtstab versteckt hatte. Ohne Licht würde ich den Weg nicht zur Oberfläche finden, darum hatte ich mir bereits zu Beginn meiner Undercover-Tätigkeit hier unten einen der Leuchtstäbe an Land gezogen und ihn hier versteckt. Da ich ihn immer nur dann benutzte, wenn ich ins Freie wollte, hatte er nach wie vor Energie, und ich hoffte, dass er das auch noch eine Weile länger haben würde, denn ich wäre aufgeschmissen, wenn ich irgendwann in den Kanälen im Dunkeln stehen würde.
Ich aktivierte den Leuchtstab in dem kleinen Gang noch nicht, denn es stand zu befürchten, dass der Schein bis zur Gruppe dringen würde. Erst, als ich den Hauptkanal erreicht hatte, machte ich ihn an und schritt dann auch schneller aus. Ich kannte den Weg inzwischen in- und auswendig und musste nicht an jeder Abzweigung anhalten und überlegen, in welche Richtung ich nun weiterzugehen hatte.
Eine gute Viertelstunde später hatte ich die eisernen, glitschigen Stangen erreicht, die man als Leiter eine über der anderen in der ebenfalls glitschigen, moosbedeckten Wand eingelassen hatte und die mich wieder an die frische Luft bringen würde. Ich kletterte den Schacht hinauf, wobei ich den Schmier auf den Stangen schon gar nicht mehr bemerkte – wenn man drei Monate im Untergrund gelebt hatte, war man einfach nicht mehr empfindlich – und nachdem ich den Kanaldeckel mit etwas Mühe aufgestoßen und mich ins Freie gezogen hatte, atmete ich die kühle Nachtluft, die mich umwehte, tief ein und verharrte erst einmal einen Moment lang auf dem Fleck. Diesmal nicht unbedingt, um den Ort zu sichern oder um zu lauschen, ob mir jemand nachgegangen war, sondern einfach, weil es unglaublich gut tat, wieder im Freien zu sein nach der langen Zeit im düsteren, engen, stinkenden Kanal.
Zu lange jedoch erlaubte ich mir diesen Luxus nicht. Nachdem ich meinen Leuchtstab in die Innentasche meiner Jacke geschoben hatte – deaktiviert hatte ich ihn schon, ehe ich mich ins Freie begeben hatte, denn mir lag nichts an unnötiger Aufmerksamkeit – lief ich in die Richtung los, in der ich das alte, verlassene Lagergebäude wusste. Der Halbmond beleuchtete die leeren Straßen hinreichend, so dass ich mich gut orientieren konnte und auch andere Personen rechtzeitig erkannte hätte. Zumindest, wenn sie sich auf der Straße befunden hätten. Aber da war niemand. Hier war eigentlich nie jemand, denn der Ausgang, den ich stets benutzte, führte zu einem längst aufgegebenen Industriegelände, wo sich keine Menschen herumtrieben. Was für meine Absichten natürlich zweckdienlich war.

Kurze Zeit später hockte ich vor dem Versteck in der Lagerhalle, einem alten Schreibtisch in einem zerfallenen Büro, in dessen Schublade ich das kleine Kommunikationsgerät schon seit längerem verborgen hielt. Ich holte es heraus, gab Craigs Frequenz ein und wartete. Es dauerte wie üblich nicht lange, und wie üblich war seiner Stimme nicht die geringste Müdigkeit anzuhören, obwohl der Stand des Mondes mir klar gemacht hatte, dass es tief in der Nacht sein musste und er sicherlich bereits geschlafen hatte.
„Sam? Mein Gott, endlich! – Verdammt, ich hab gedacht, sie hätten dich erwischt! .. Wieso meldest du dich erst jetzt? Was ist passiert?“Ich atmete tief durch, ehe ich ihm antwortete.
„Es ging nicht eher. Seit eurem Zugriff auf den Nahrungsmitteltransport waren alle in hellem Aufruhr gewesen. Es wurde eine Menge diskutiert, meist die Nächte hindurch. Es war nie wirklich so ruhig, dass ich mich hätte davonstehlen können!“
„Wo ist das Versteck, Sam? Du hast bei deinem letzten Anruf gesagt, dass sie sich in der Kanalisation aufhalten. Wo genau?“
Ich hatte damit gerechnet, dass Craig sofort darauf zu sprechen kommen würde, und obwohl er mich damit nicht unvorbereitet traf und ich eine Woche lang Zeit dazu gehabt hatte, über meine Antwort nachzudenken, hatte ich mir noch keine zurechtgelegt. Nicht wirklich. Ich war einfach zu hin- und hergerissen zwischen meinem Pflichtbewusstsein und dem Drang, die Frauen, Kinder und die Alten vor einem wahllosen Abschlachten des NBTD zu schützen.
„Hör zu, Craig ..“, begann ich und wandt mich dabei innerlich, „ .. wenn ich dir jetzt sage, wo sie sich verstecken, wirst du mit der Kavallerie anrücken und das Nest ausnehmen ..“
Ich hatte noch nicht ganz zu Ende gesprochen, als Craig mir mit scharfer Stimme antwortete: „Ganz sicher werde ich das. Darauf kannst du Gift nehmen!“
Wieder atmete ich durch.
„Eben. Und darum sage ich es dir jetzt nicht.“
Ich sparte es mir, Craig die wahre Begründung dafür zu liefern. Ich wusste, er würde es nicht gelten lassen, wenn ich ihm jetzt sagte, dass ich versuchte, Unschuldige vor einem schlimmen Schicksal zu bewahren. Für Craig waren sie alle schuldig. Aber er hatte sie ja auch nicht gesehen .. er hatte nicht mit ihnen gelebt, so wie ich. Ich musste ein anderes Argument anbringen, wenn ich wollte, dass er sich noch eine Weile zurückhielt. Aber was? Was?
„Sag mal, bist du auf Dio?“, herrschte er mich auch prompt an. „Du bist jetzt verdammte dreizehn Wochen bei denen, hast mir am Anfang erzählt, dass sie dich noch nicht mit in ihren Unterschlupf genommen hätten, hast mich dann hingehalten und gesagt, dass du sicher BALD Zugang zu ihrem Unterschlupf haben würdest, beim letzten Mal dann war auf einmal – oh Wunder – die Verbindung weg, ausgerechnet als du ansetzen und mit der Information herausrücken wolltest …“, Craig legte eine kleine Pause ein, in der mein Herz wie rasend schlug und ich meine Lippen aufeinanderpresste. Dann fuhr er ruhiger, aber auch sehr viel kälter fort: „Sag es mir, Sam – hast du die Seiten gewechselt? .. Ist es so? .. Gehörst du jetzt zu ihnen?“
„NEIN!“, widersprach ich heftig. Wenn Craig dachte, ich wäre nicht mehr loyal, würde er auf alle Fälle einen neuen Maulwurf losschicken, dem es ganz gewiss auch nicht schwer fallen würde, Zugang zum Versteck der Widerständler zu finden, wenn er sich nur elendig genug gab. Und das wäre dann nicht nur das Ende der armen Menschen unter der Erde, es wäre auch meines.
„Craig, hör auf, so einen Schwachsinn zu denken!“
Ich hatte meinen energischsten Ton angeschlagen und suchte doch immer noch verzweifelt nach etwas, das Craig noch eine Weile zurückhalten würde.
Und dann wusste ich es!
„Pass auf ..“, meine Stimme bekam nun einen beschwörenden Klang. „Meine Gruppe ist eine kleine und besteht nur aus wenigen Mitgliedern. Sie kommen an die Oberfläche, sie überfallen Transporte, sie verschwinden wieder. Aber im Grunde sind sie nichts anderes als Wegelagerer, als Tagediebe. Ich weiß, dass es viele solcher Gruppen gibt, die sich an vielen Stellen in der Kanalisation aufhalten. Jede dieser Gruppe hat ihren Anführer, klar. ABER ..“
Nun war ich diejenige, die eine kleine Kunstpause einlegte, um den nächsten Worten mehr Gewicht zu verleihen.
„ .. du willst doch nicht nur eine kleine Handvoll Widerständler. Oder, Craig? Du willst dich doch nicht mit ein paar schwachen Welpen abgeben, wenn du den Rudelführer haben kannst!“
Ich warf gerade etwas in die Waagschale, von dem ich nicht einmal wusste, ob es sich um ein Faktum oder nur um eine Art von Mythos handelte. Mir war unten im Kanal immer wieder zu Ohren gekommen, dass alle Widerstandsgruppen zwar in sich geschlossene Lebenssysteme waren, dennoch aber einer übergeordneten Gruppe unterstanden, welche anscheinend von einem einzigen Mann geführt wurde. Wie dieser Mann hieß, wie alt er war und woher er kam, darüber gab es die verschiedensten Angaben. Manche sagten, er wäre alt und gebrechlich, hätte aber eine ungeheuer große Autorität, und darum würden ihm die Menschen folgen. Andere sagten, er wäre jung und kräftig, ein ungewöhnlich großer Kämpfer und schlauer Taktiker, der seine ganzen Widerstandszellen so hervorragend auszubilden und zu organisieren wusste, dass diese einfach nicht zu fassen waren. Wieder andere sprachen von einem unscheinbaren Mann, der jedoch ein ungeheueres Charisma entwickelte, sobald er zu sprechen begann.
Was und wer dieser Mann auch immer war – und ob er überhaupt existierte, was ich im Grunde bezweifelte – aber hier und jetzt gab er mir ein gutes Argument in die Hand, mit dem ich an Craigs Ergeiz appellieren und die schwachen Glieder meiner Gruppe vielleicht noch eine Zeitlang schützen konnte.
Und tatsächlich, erst war es eine Weile still am anderen Ende. Als ich die Stimme meines Vorgesetzten dann aber wieder hörte, klang sie sehr nachdenklich.
„Bist du dir sicher, Sam? – Du meinst, das sind nicht alles nur Diebesbanden, die sich willkürlich zusammenrotten und Raubzüge unternehmen? Du meinst, es steckt jemand dahinter, der sie organisiert?“
Ich schloss meine Augen. Er hatte angebissen!
„Das meine ich nicht nur, Craig, ich bin mir ziemlich sicher. Alle sagen es. Immer wieder höre ich Geschichten über ihn. Aber ich weiß nicht, wer er ist und wo er sich versteckt hält. Ich könnte es jedoch herausfinden, nur brauche ich dazu Zeit. Verstehst du? Wenn du jetzt anrückst und den Kanal ausräucherst, hast du eine kleine Gruppe erledigt, aber der große Fisch geht dir durchs Netz! Ich brauche noch ein paar Wochen, Craig. Ich hab einen guten Kontakt zur Rechten Hand unseres Gruppenführers. Einen ziemlich guten sogar. Wenn ich es geschickt anstelle, kann ich über ihn vielleicht herausfinden, wo dieser Mann sich aufhält und wer er ist!“
Wieder einen Moment Stille. Dann die Frage, die mein Herz wieder etwas schneller schlagen ließ.
„WIE gut ist dein Kontakt zu diesem Kerl?“
War das Eifersucht, die da gerade aus Craigs Stimme herausklang? Oder wollte er einfach nur wissen, wie wahrscheinlich es war, dass ich Erfolg mit meinen Nachforschungen haben würde?
„Ich würde sagen, so etwas wie beginnende Freundschaft“, antwortete ich wahrheitsgemäß – und hätte fast noch hinterhergeschoben, dass es ganz sicher nicht mehr war, damit Craig keine falschen Schlüsse zog und womöglich dachte, dass ich mit Freeze was hätte. Dass ich es dann aber doch nicht tat, lag daran, dass ich damit vielleicht in Craigs Augen wieder meinen Einfluss auf Freeze geschmälert hätte. Ich beließ es also bei dieser Aussage, harrte aber mit unterdrückter Nervosität auf seine nächsten Worte. Wann würde er endlich sagen, dass er mich vermisste?
Was dann aber kam, zog mir den Boden unter den Füßen weg – und zwar nicht nur sprichwörtlich, sondern tatsächlich.
„Mach mehr draus, Sam!“
Ich starrte fassungslos ins Leere und fiel dabei aus meiner hockenden Position auf meinen Hosenboden.
„Bitte was?“
„Hol dir den Kerl, das sollte dir nicht schwerfallen. Wickel ihn um den Finger, bind ihn an dich. Ich will, dass du ihn zum Quatschen bringst, okay? Wenn es diesen Typen gibt, diesen .. Führer und dein Freund die Rechte Hand eures Gruppenführers ist, wird er ihn kennen. Und wissen, wo er zu finden ist. – Sam? .. Hast du verstanden?“
Ich blickte nicht länger ins Leere, ich hatte inzwischen meine Augen geschlossen und mir fassungslos in mein struppiges, schwarzes Haar gegriffen.
„Ist das ein dienstlicher Befehl, Commander Conners?“, fragte ich heiser und mit zuckenden Mundwinkeln.
„Sam .. nun komm! Du weißt, ich liebe dich, Kleines. Aber hier geht es um mehr! … Du hast dich freiwillig für diesen Einsatz gemeldet, hast du das vergessen? Ich muss dir nicht sagen, WIE wichtig es ist, dass wir diesen Kerl in die Finger kriegen. Ein einzelner Führer, der alle organisiert .. verdammt, Sam, das kann in eine Revolution ausarten! In einen verdammten Bürgerkrieg! Das können wir nicht zulassen, hörst du? Wir müssen ALLES dafür tun, dass wir diesen Typ zu fassen bekommen! ALLES, okay? – Wenn man für Recht und Gerechtigkeit kämpft, Sam, und für eine heile, gesunde Welt, dann muss man eben manchmal einen Preis zahlen! .. Ich sage ja nicht, dass du mit ihm schlafen sollst. Vielleicht schaffst du es ja auch so. Bezirz ihn, Kleines. Du bist ein cleveres Mädel! Es sollte doch kein Problem für dich sein, ihn mit Versprechungen zu locken und ihn gleichzeitig ein wenig hinzuhalten. Wie lange hast du MICH denn seinerzeit hingehalten?“
Das leise Lachen am anderen Ende der Kommunikation hallte so laut in meinen Ohren wider, als hätte Craig gebrüllt.
‚… dann muss man eben manchmal einen Preis zahlen …’
Und welchen Preis musste ER zahlen?
„Ich liebe dich, Craig“, flüsterte ich unglücklich und wollte noch so vieles mehr sagen, aber mehr kam mir nicht über die Lippen.
„Ich liebe dich doch auch, Kleines. Das hab ich dir doch vorhin gesagt. – Nun komm .. Kopf hoch! Sobald du den Namen und das Versteck dieses Kerls weißt und uns die Informationen durchgegeben hast, ist der Job für dich erledigt. Okay? Dann setzt du dich ab und kommst zu mir zurück. Und wir machen einen langen, ausgedehnten Urlaub zusammen .. nur wir zwei alleine. Was hältst du von einer hübschen kleinen Insel im Kamarischen Meer, hm? Romantische Abendessen, Spaziergänge am Strand, Sonnenuntergänge .. wie klingt das, hm?“
Meine Lippen begannen zu beben.
„Wann wird das sein, Craig? Vor oder nach meinem Entzugsaufenthalt in der Klinik?“, fragte ich bitter zurück.
„Sam, hey .. komm schon, nicht so jetzt, okay? – Das kriegen wir schon wieder hin, das mit dem Diostesin. Du wirst sehen, ruckzuck bist du wieder clean, und dann ist es so, als wäre nichts gewesen. Die besten Ärzte werden sich um dich kümmern, Kleines. Okay? – Und jetzt gibst du mir trotz alledem den Aufenthaltsort deiner Gruppe. Ich versprech dir, dass ich nichts unternehmen werde, bis du mir die Infos beschafft hast. Aber ich MUSS wissen, wo du bist. Du weißt, dass du verpflichtet bist, mir zu sagen, wo du dich aufhältst, Sam. Es ist zu deinem eigenen Schutz, Kleines!“
Er fuhr alles auf, was er zu bieten hatte, um mich dazu zu bringen, ihm das Versteck meiner Gruppe zu nennen – die Vorschriften, seine ‚Sorge’ um mich .. aber auf einmal gab es für mich noch einen Grund mehr, ihm nicht zu geben, was er so dringend haben wollte: Meine Verletztheit über das, was er mir in den letzten Minuten alles gesagt hatte. Was er von mir erwartete, damit ER bald einen Fahndungserfolg erzielen konnte. War das wirklich noch der Mann, den ich bereits seit zwei Jahren liebte? Mit dem ich fast ebenso lange zusammen war? Dem ich bis vor diesem Einsatz blind vertraut hatte? Für den ich alles getan hätte?
Aber damals hatte ich ja auch noch nicht gewusst, dass Craig und ich unterschiedliche Auffassungen von dem Wort ‚Alles’ hatten. Es gab einfach Dinge, die ich nicht zu tun bereit war. Nicht für ihn, auch nicht für meinen Job. Und mit Freeze zu schlafen in der Hoffnung, er würde mich dann vielleicht ins Vertrauen ziehen und mit Infos über diesen sogenannten Führer herausrücken – was er sowieso niemals tun würde, dafür kannte ich ihn inzwischen gut genug – hörte ganz gewiss dazu.
„Ich melde mich wieder, sobald ich die Informationen habe, Commander Connors“, antwortete ich schließlich mit kratziger, fremd klingender Stimme, als ich den größten Schock verdaut und meine Sprache wiedergefunden hatte. „Das kann allerdings ein paar Wochen dauern. Bitte unternehmen Sie bis dahin nichts, es sei denn, Sie wollen meinen Auftrag gefährden. Reeves Ende!“
Dann unterbrach ich die Kommunikation ebenso wie beim ersten Mal, doch diesmal aus einem völlig anderen Grund. Und es dauerte eine ganze Weile, bis ich mich in der Lage sah, das kleine Kommunikationsgerät wieder in sein Versteck zu legen und mich auf den Rückweg zu machen. Es wurde langsam Zeit. Falls jemand mitbekommen hatte, dass ich zum Austreten meinen Platz verlassen hatte, würde ich mich in dessen Augen verdächtig machen, wenn ich erst zwei Stunden später zurückkehrte. Und trotzdem lief ich nicht zum Kanalabstieg zurück, sondern bewegte mich traumwandlerisch zurück – oder besser albtraumwandlerisch, denn ich hatte gerade wirklich das gefühl, mich in seinem Albtraum zu befinden.
‚Mach mehr daraus, Sam! - Hol dir den Kerl, das sollte dir nicht schwerfallen! - Wie lange hast du MICH denn seinerzeit hingehalten?’

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Verfasst: Mo 2. Jul 2007, 10:45 
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Cracksüchtiger Maulwurf
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Ich war nicht vorsichtig genug gewesen! Freeze war mir doch tatsächlich gefolgt, und in meiner Gefühlsaufwallung, in die mich das Gespräch mit Craig gestürzt hatte, hatte ich nicht bemerkt, dass er in den Schatten der Lagerhalle auf mich gewartet hatte.
Ich schrie leise auf, sowohl vor Schreck als auch vor Schmerz, als er mein Handgelenk auf einmal mit einer Kraft packte, als wollte er es mir brechen. Leise wimmernd ging ich in die Knie, und die Tränen, die mir ohnehin schon wegen Craig in den Augen gestanden hatten, lösten sich nun und rannen mir über die Wangen.
"Nicht, Freeze!! .. Du brichst mir den Arm!"
Eine sarkastische kleine Stimme sagte mir in diesem Augenblick, dass er mir noch sehr viel mehr brechen würde als das, dass es jetzt vorbei wäre mit mir und ich mit meinem Leben abschließen konnte. Aber ob aufgeflogen oder nicht, ob gerade zutiefst verletzt von Craigs unglaublichen Anweisungen oder nicht, dazu war ich gerade nicht bereit. Ich wusste, ich musste hier weg. Musste irgendwie versuchen, von Freeze loszukommen, damit ich mein Heil in der Flucht suchen konnte. Die Frage war nur, ob er mir diese Gelegenheit überhaupt noch geben würde.
'Überhaupt noch geben? Er wird dich hier auf der Stelle killen, du Genie! Mach schon mal deinen Frieden mit dir!'

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Verfasst: Mo 2. Jul 2007, 11:09 
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Cracksüchtiger Maulwurf
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Ich wusste, dass es keinen Sinn hatte, mich mit Freeze auseinanderzusetzen. Ihm zu erklären, dass ich nur meinen Job getan hatte - dann würde er seinen Job tun und mich alle machen!
Nein, ich musste versuchen zu entkommen. Und das einzige Mittel, das mir dazu einfiel, war, einen auf schwach und weinerlich zu machen, voll das wimmernde Weibchen raushängen zu lassen und darauf zu hoffen, dass noch ein Funken an Sympathie in ihm brannte. Ich wusste, er hatte mich gern gehabt. Umgekehrt war es ja irgendwo nicht anders gewesen. Ich wusste auch, dass er darum jetzt um so enttäuschter war, was ihn nicht gerade kalkulierbarer machte.
Egal, meine Überlebenschancen waren sowieso auf Null gesunken. Ich musste eben alles versuchen, dass er mich zumindest losließ und ich ihm dann in die Eier treten und abhauen konnte. Kampflos würde ich mich ihm auf keinen Fall ergeben.
"Freeeeze ...", jammerte ich weinend und ließ mich jetzt so richtig in seinem überaus schmerzhaften Griff hängen. Dass das den Schmerz noch vergrößerte, musste ich hinnehmen - war sicher auch kein Vergleich zu dem Schmerz, den Freeze mir wahrscheinlich ohnehin gleich antun würde.
"Bitte .. du brichst mir den Arm!!"
Ja ja, der gleiche Spruch wie eben. Aber ich verwandte meine Phantasie in diesem Moment lieber auf die Frage, wie ich meinem Schicksal entfliehen konnte als auf einfallsreiche Bemerkungen.

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Verfasst: Mo 2. Jul 2007, 11:22 
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Verdammt, er ließ mich nicht los und gab mir nicht die geringste Chance, mich dadurch zu tun. Also gut, dann musste ich die Initiative ergreifen! Ich würde mich ganz sicher nicht freiwillig von ihm in die Kanalisation hinunterschaffen lassen. Man würde mich dort verhören, man würde alles aus mir herausquetschen, und gegen so eine 'Befragung' wäre ein gebrochenes Handgelenk ein Zuckerschlecken.
"Freeze, bitte ...!!!", jammerte ich weiter und hörte nicht auf, so zu tun, als wäre ich am Ende.
Und dann trat ich zu!
Urplötzlich spannte ich mich an, rammte Freeze mein Knie mit Wucht in die Kronjuwelen, im gleichen Moment entriss ich ihm meinen Arm aus dem lockerer gewordenen Griff, und dann wirbelte ich herum und flog aus der Halle heraus, den Schrei hinter mir - eine Mischung aus Schmerz, Überraschung und Wut - ignorierend.
Weg! Ich musste weg, so schnell wie möglich!
Und so schnell wie möglich rannte ich dann auch über den großen Vorhof der Lagerhalle, diesmal jedoch nicht mit dem Ziel Kanalisation, diesmal mit dem Ziel Straße, Stadt, Sicherheit.

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Irrlicht
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Ich konnte nach Sams Anruf nicht mehr schlafen. Sie lebte noch – Gott sei Dank! Nun konnte ich mir den Flug nach CoA eigentlich sparen, mein eigenes Engagement als Maulwurf ebenfalls und mich auf andere Dinge konzentrieren. Das Nest .. oder besser gesagt, die Nester des Widerstandes auszuheben und die Terroristen allesamt zu eliminieren hatte zwar oberste Priorität, war aber beileibe nicht alles, womit ich mich herumschlagen musste. Wir wussten, dass sie es ebenso hielten wie wir und ihre Maulwürfe in unseren Organisationen hatten. Diese zu enttarnen, zu verhören und danach ihrer gerechten Strafe zuzuführen hielt mich nicht weniger beschäftigt als die Suche nach den Verstecken der Ratten. Und war sicherlich genauso wichtig.

Was mich jedoch nun wunderte – und das war wohl der Grund, warum ich letztlich kein Auge mehr zumachte – war die Sache mit diesem großen Anführer. Von so einem Kerl hatte ich bislang noch nie gehört, und das wollte etwas heißen, denn ich hielt mir zugute, ziemlich genau über die Struktur des Widerstandes Bescheid zu wissen. Zum Teil durch die Verhöre, die ich stets selbst zu führen pflegte. Zum Teil auch, weil ich über eine recht gute Kombinationsgabe verfügte, um Einfühlungsvermögen ebenso, so dass ich mir einen weiteren Teil zusammenreimen konnte.
Und trotzdem .. die Führersache war mir völlig neu, und das hatte mich ein wenig aus dem Konzept gebracht. Ich hatte, im Bett liegend und an die dunkle Decke starrend, darüber nachgedacht, ob Sam mich vielleicht belogen hatte. Ich hatte schon bei unseren letzten Gesprächen das Gefühl gehabt, dass sie mir etwas verschwieg, war aber nicht unbedingt auf den Gedanken gekommen, dass es sich bei der zurückgehaltenen Information um ihr eigentliches Auftragsziel handelte. Das Vertrauen der Widerständler gewinnen, ihren Unterschlupf ausfindig machen und den dann dem Büro melden, mehr hatte sie nicht tun sollen. Eigentlich keine große Sache, nicht für sie, da sie ein cleveres Mädchen war, das, wenn es wollte, den Eindruck großer Hilfs- und Schutzbedürftigkeit erwecken konnte. Beides war sie jedoch in keiner Weise. Ich kannte kaum eine Frau, die über einen festeren Willen und größere Zielstrebigkeit verfügte als sie. Ich hatte darum keinerlei Zweifel daran gehegt, dass sie es schaffen würde, uns die Terroristen zu präsentieren – zumal die Vorbereitungen zur Schaffung der Maulwurf-Identität ja diesmal sehr gründlich gewesen waren.
Aber dann hatte sich das ganze in die Länge gezogen. Kontaktaufnahmen, die mehr als zäh gewesen waren, nur hin und wieder ein Tipp auf geplante Aktivitäten der Widerständler, die uns außer ein paar toten Gegnern keine Erfolg beschert hatten, ansonsten nichts nennenswertes. Viel zu wenig für die lange Zeit, die sie nun schon an den Gesetzlosen dran war.
Dann das vorletzte Gespräch. Sie würden die Kanalisation als Unterschlupf nutzen. Und kaum hatte sie das gesagt, Ende aus. Keine Verbindung mehr. Es hatte mich seinerzeit geärgert, denn natürlich hatte ich die begründete Hoffnung gehabt, endlich genaue Angaben zu erhalten, damit unsere Leute losschlagen konnten. Aber die hatten wieder einmal ausbleiben sollen. Die Kanalisation .. ja, soweit war ich in meinen Gedanken auch bereits gewesen. Es gab sonst kaum einen Ort, der so viele Gesetzlose fassen, verbergen und sie gleichzeitig befähigen konnte, überall in der Stadt zuzuschlagen wie die Kanalisation. Aber wo? Wo?
Und jetzt das!
Sie hatte sich schlichtweg geweigert, mir den Ort zu verraten, an dem sie sich gerade aufhielt. An dem sich auch die anderen Terroristen aufhielten. Mit der Begründung, sie wolle nicht, dass ICH den Auftrag gefährdete, indem ich dort vorzeitig mit meinen Männern auftauchte! ICH!
Wenn es einem oblag zu entscheiden, wie mit diesen Informationen zu verfahren war, dann ganz sicher nicht sie. Aber sie hatte es sich angemaßt. Hatte sogar zum Schluss einfach die Kommunikation abgebrochen und mir keine Gelegenheit mehr zum Reagieren gegeben. Darum war für mich die Frage nun konkret geworden, ob ich ihr überhaupt noch länger vertrauen konnte oder ob sie inzwischen auf der anderen Seite stand.
Sie liebte mich, das wusste ich. Darum hatte ich sie in der Entscheidung bestärkt, den Auftrag zu übernehmen. Es gab wohl niemand loyaleren als eine Frau, die verliebt war. Man konnte Maulwürfe umdrehen, indem man sie bestach und gegen den Feind einsetzen – vorausgesetzt, man brachte sie nicht auf der Stelle um. Aber ein verliebtes Herz war unbestechlich. Das war meine Versicherung gewesen. Das war es auch jetzt, was mich immer noch hoffen ließ, dass sie wusste, auf welcher Seite sie stand. Doch ganz von mir weisen konnte ich den Gedanken auch nicht.

Es hatte keinen Sinn, ich musste mich persönlich davon überzeugen, dass sie mir noch treu war und nicht inzwischen gegen mich arbeitete. Ich wusste, dass es nutzlos war, die Frequenz ihres Kommunikationsgerätes zurückverfolgen zu lassen. Selbstverständlich war unser Gespräch aufgezeichnet worden, doch das half mir in diesem Fall nicht weiter, denn Sams Gerät war abgeschirmt. Das war einfach notwendig, denn wenn das Büro diese auffangen konnte, konnten es auch die Terroristen, und dann würde sie auffliegen. Aber ich wusste, wo sie mit dem Einsatz begonnen hatte, und ich hoffte darauf, dass sie irgendwo dort auch in den Untergrund gegangen war. Ich würde dort ebenfalls ansetzen und darauf hoffen, dass ich einen Kontakt zu den Widerständlern herstellen konnte, damit diese mich zu ihrem Unterschlupf führten. Und wie ich dann mit dem Wissen um ihr Versteck verfahren würde, wäre meine Entscheidung und nicht länger Sams. Ich würde mich danach richten, ob sie mir die Wahrheit über diesen großen Führer gesagt hätte oder ob sie gelogen hätte. Auf alle Fälle wäre ich dann aber nicht weiter zur Untätigkeit verdammt und könnte sicher sein, dass jetzt nicht einer von uns gegen uns arbeitet.
Ausgerechnet Sam – was schlimmeres könnte ich mir nicht vorstellen.
Nicht, weil ich mit ihr zusammen war, das hatte für mich keinerlei Bedeutung. Nein, sondern weil sie über Fähigkeiten verfügte, die in den falschen Händen für uns fatal werden konnten. Zwar waren all ihre Autorisationen und Zugänge in dem Moment gesperrt worden, indem sie ihre Tätigkeit als UCA angenommen hatte. Aber bis zu diesem Augenblick war sie eine unserer begabtesten Computerspezialistinnen gewesen, und wenn sie es darauf anlegte, in das System einzudringen, um die Terroristen mit Informationen zu versorgen, konnte es gut sein, dass sie die eine oder andere Tür finden würde.

Ich atmete gereizt durch und setzte mich auf. Dann aktivierte ich mein Com-Gerät erneut und ließ mich mit unserer Sicherheit verbinden.
„Commander Craig Conners hier. Stuart Atkinson von der ELS bitte!“
Die Electronical Data Security – die Abteilung, in der Sam bis zu ihrer ‚Außentätigkeit’ gearbeitet hatte. Es dauerte einen Moment, dann räusperte sich Atkinson in der Leitung.
“Commander Conners? Was gibt’s so dringendes?“
Man hörte es seiner Stimme an, dass er geschlafen hatte. Kein Wunder, die Uhr zeigte 03:12 an, und das Büro hatte mein Gespräch zu ihm nach Hause umgeleitet. Auch die Sicherheit schlief ab und zu.
„Dringend ist kein Ausdruck. Wir sehen uns in fünfzehn Minute in Ihrem Büro, Atkinson! Und holen Sie Ihre fähigsten Männer dazu! Conners Ende!“
Mehr sagte ich nicht, mehr war auch nicht notwendig. Ich schwang mich aus dem Bett und schickte mich an, mich anzuziehen. Ob Sam nun noch loyal war oder nicht, es konnte auf alle Fälle nicht schaden, einem etwaigen Angriff vorzubeugen. Vielleicht war es doch keine so gute Idee gewesen, sie mit diesem Job zu betrauen. Ihre Liebe zu mir machte sie zwar zu einer verlässlicheren Komponente als alle anderen infrage kommenden Agents, aber ihr Können auf dem Gebiet der Datentechnik konnte sich jetzt als Pferdefuß herausstellen.

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Verfasst: Mo 2. Jul 2007, 12:28 
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Ich sollte es nicht schaffen, weil plötzlich ein weiterer Kerl auftauchte, der meiner Flucht ein ziemlich entschlossenes Ende setzte. Voll mit Adrenalin und Diostesin - und voll mit einer ganzen Menge Schiss dazu - wehrte ich mich wie verrückt in seinem Griff, hatte aber bei ihm nicht mehr Erfolgschancen als bei Freeze. Und dem Typ hier jetzt auch in die Eier zu treten, darauf kam ich in meinem Toben leider nicht noch einmal.

Das Ende vom Lied war schließlich, dass ich mich irgendwann gefesselt auf Freezes Schulter wiederfand und es zurück in die Kanalisation ging. Schwer atmend versuchte ich mich, mich darüber zu freuen, noch am Leben zu sein, klappte aber nicht sonderlich, weil ich ahnte, dass man mich erst noch 'verhören' wollte, ehe man mich kalt machte.
Ich machte keine Anstalten zur Gegenwehr mehr, es hatte sowieso keinen Sinn und war Energie- und Zeitverschwendung. Stattdessen versuchte ich lieber, mir einen Plan zurechtzulegen, wie ich trotzdem noch meinen Kopf aus der Schlinge ziehen könnte. Etwas hielt mich aber davon ab, wirklich scharfsinnig darüber nachzudenken. Etwas nagte an mir, klopfte bei mir an, und ich brauchte eine ganze Zeit, bis ich schließlich kapierte, was genau es war.
Razor!
Freeze hatte den Neuen Razor genannt, und wenn der Kerl wirklich der Razor war, den ich im Kopf hatte - und wer sollte er anderes sein? - dann konnte das NBTD sich warm anziehen! Ich überlegte fieberhaft. Ich hatte nicht vorgehabt, mich den Widerständlern gegenüber als Cop zu erkennen zu geben. Ich hatte bis gerade vorgehabt, einfach zu erklären, dass die Cops mich bestochen und mir freien Zugang zu einer Menge Diostesin versprochen hätten, wenn ich für sie arbeitete. Das wäre für eine Drogenabhängige wie mich ein ziemlich verlockender Grund gewesen, Gott und die Welt zu verpfeifen. Aber wenn das hier wirklich Razor war, dann musste ich umdisponieren. Dann musste ich ihnen sagen, wer ich wirklich war und ich musste auch preisgeben, dass ich eine der Computerspezialistinnen des NBTD war. Auf diese Weise konnte ich so tun, als würde ich ihnen aus lauter Angst vor meinem Schicksal helfen. Sie würden wahrscheinlich von mir erwarten, dass ich ihnen den Zugang freiwillig anbot - denn genialer Hacker oder nicht, es wäre auch für Razor eine langwierige Arbeit, sich in unser System einzuklinken. Warum also nicht die kleine, ängstliche, jämmerliche Agentin mit dem Tod zu bedrohen, damit diese es ihnen leichter machte und ihnen vor lauter Panik Tür und Tor öffnete?
Darauf baute ich. Und DANN würde ich ihnen gehörig in die Suppe spucken und das System für Razor SO dicht machen, dass er bis zur Rente damit beschäftigt wäre, es zu knacken!!!

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Verfasst: Mo 2. Jul 2007, 13:05 
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Ich hatte meinen Blick die ganze Zeit über auf den Boden gerichtet, und das nicht unbedingt nur, weil mir die forschenden Blicke der durch den Lärm wachgewordenen Widerständler unangenehm waren.
Ja, unangenehm! Die Leute, die ich mit meinem Schweigen Craig gegenüber zu schützen versucht hatte, starrten mich jetzt an, als hätte ich sie ans Messer geliefert - dass ich nicht mehr dazugehörte, machte mein gefesselter Zustand klar, und dass das nur einen einzigen Grund haben konnte, wussten wohl auch die dummsten unter ihnen.
Nein, ich sah auch darum zu Boden, weil ich mich so besser konzentrieren und meine Angst im Griff halten konnte. Klar hatte ich Schiss, sagte ich ja schon. Hier ging's jetzt ums nackte Überleben, und wenn ich nicht sehr aufpasste, würde meine übel zugerichtete Leiche die nächste sein, die man morgen vor dem Hauptgebäude des NBTD finden würde. Aber ich war auf solche Situationen trainiert und nicht so gänzlich unvorbereitet, wie Zivilpersonen an meiner Stelle jetzt gewesen wären. Und das half mir, meine nächsten Schritte gut zu überlegen.

Ich hatte den Gedanken verworfen, so zu tun, als wäre ich nur aus lauter Geilheit auf Dio auf einen Deal mit den Cops eingegangen. Stattdessen wollte ich, dass die Widerständler erfuhren, dass ich selbst einer war. Natürlich aber ging das nicht, indem ich ihnen das einfach so sagte. Kein Cop verriet sich selbst, sie würden sofort riechen, dass ich was im Schilde führte, und dann käme ich nie an ihren Computer.
Der Trick war, ich musste mich so verhalten wie einer. Mit anderen Worten, sofort das Jammern und Wimmern einstellen, stattdessen ein gewisses Maß an Bockigkeit zeigen - was mir ohnehin nie schwer fiel - und stur die Klappe halten. Zivilpersonen und vor allen Dingen Junkies würden jetzt nervös werden, zu lügen beginnen, zu betteln beginnen.
Ich sagte einfach gar nichts, auch wenn ich mir durchaus darüber im Klaren war, dass ich mir damit ein paar von Freezes Maulschellen einhandeln würde. Aber das war wohl nicht zu umgehen, außerdem war ich nicht empfindlich. Ich reagierte also nicht auf Dawns Worte, sondern sah weiterhin stur nach unten und musterte stattdessen ihre und Razors Füße.

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Verfasst: Mo 2. Jul 2007, 13:46 
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WHAM! Mein Kopf explodierte und flog zur Seite. Und dann gleich noch einmal WHAM! Und ich blickte mit tränenden Augen in die andere Richtung. Keuchend atmete ich aus.
Okay, das war jetzt eigentlich wirklich alles, was ich für meine Glaubwürdigkeit an Schmerzen zu ertragen gewillt war. Trotzdem wusste ich, dass ich mich noch weiter weigern musste, um als Cop durchzugehen, denn ein solcher würde nicht direkt nach zwei Ohrfeigen zu Kreuze kriechen.
'Ohrfeigen! Das waren zwei Schläge mit dem Vorschlaghammer! Freeze, du verdammter Arsch!!!'
"Red keinen Scheiß", ächzte ich renitent und leckte mir das Blut von der Lippe. Dabei sah ich Dawn finster und ablehnend an. Kein Junkie würde sich jetzt so verhalten, sondern alles zugeben und darauf hoffen, dass das Tribunal ihm beim Strafmaß seine Drogensucht anrechnen und irgendwie mildernde Umstände geltend machen würde.
"Ich bin kein Cop", log ich stur. "Ich hab's für den Stoff gemacht, ganz so, wie du's gesagt hast! Sie haben mir freien Zugang zu 'ner Menge Dio versprochen. Eh verdammt, du WEISST, wie dringend ich das Zeug brauche!"
Kein Betteln, kein Jammern. Ich musste als der Cop rüberkommen, der ich war und darauf hoffen, dass ich es auf die Reihe kriegen würde, die verehrten anwesenden Richter von meinem Wert zu überzeugen, ehe sie mich in die Ewigen Jagdgründe schickten. Weshalb ich, kaum dass ich zu Ende gesprochen hatte, meinen Blick wutglühend in Freezes nicht minder fröhlichen bohrte und ihm ein stummes Versprechen gab, ihm gerne auch mein anderes Knie in seine Nüsse zu rammen, sollte er mich noch einmal anpacken.

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Verfasst: Mo 2. Jul 2007, 14:18 
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Ich hatte mich schon angespannt, um Freezes nächste Schläge in Empfang zu nehmen, aber Razor hielt ihn davon ab.
Wieso hielt Razor ihn davon ab?
Ich flog auf den Stuhl zurück, der unter der plötzlichen Wucht meines zurückgekehrten Körpers beinahe nach hinten umgekippt wäre und brauchte einen Moment, um sowohl mein inneres als auch mein äußeres Gleichgewicht wiederzufinden. Razor gab mir diese Gelegenheit, indem er jetzt den ruhigen Part übernahm und Freeze damit ausbremste - fast hätte ich darüber lachen können, denn das war Standardvorgehen bei jedem Verhör des NBTD. Der eine erschreckte den Zuverhörenden, der andere ging dazwischen und spielte den Netten, damit er sich so das Vertrauen des Verhafteten erwarb. War irgendwo schon komisch, aber ich lachte natürlich nicht. Von nichts war ich gerade weiter entfernt als davon.
Ich sah unter meinen wirren, fransigen Ponysträhnen finster zu Razor auf, und wär ich nicht in so einer Scheißlage wie der, in der ich mich befand, wäre mir wahrscheinlich da schon aufgefallen, dass er verdammt gut aussah und ziemlich genau meine Wellenlänge war. Aber wenn es einem an den Kragen geht und von jedem nächsten Wort das eigene Überleben abhängt, hat man andere Dinge im Kopf als Sex - ich zumindest. Weshalb ich mich lieber zu fragen begann, ob DAS jetzt der Moment war, wo ich 'auspacken' oder ob ich es noch ein wenig weiter auf die Spitze treiben sollte. Der drohende Blick, den Freeze mir zuwarf sowie mein wummernder Kopf sagten ganz klar 'NEIN! Bloß nicht!'. Nicht so sehr Razors Drohungen mit dem Auffanglager und dem Fertiggericht. Glaubte er etwa allen Ernstes, dass ich ihm diesen Widerständlerquatsch abkaufte? Die Lüge von den armen Menschen, die von irgendwelchen Aliens geholt, eingesperrt und dann aufgefressen wurden? Sowas verbreitete der Widerstand immer wieder, um eine Daseinsberechtigung zu haben und einen Grund dafür, zu rauben und zu morden. Und die Kleingeister unter der kamarianischen Bevölkerung glaubten das natürlich auch. Genauso wie die Armen, die ja gar nicht wusste, wie gefährlich es war, sich dem Widerstand anzuschließen und auf dessen Schutz zu hoffen. Ja, sie gaben den Hungernden was zu essen, ja, sie versorgten die Kranken mit Medikamenten und die frierenden mit Klamotten. Und Drogensüchtige wie mich mit Crack. Das legitimierte aber das Unrecht nicht, das sie begingen.

Ich ließ noch ein paar schweigende Sekunden ins Land gehen, in denen ich Freezes Geduld gehörig auf die Probe stellte - ich sah es ihm an. Dann aber 'gestand' ich es endlich ... und spuckte es Razor geradezu ins Gesicht.
"JA, verdammt! Ich BIN ein Cop! Und jetzt DRÜCKT schon ab und bringt die Sache hinter euch! Ich bin den Scheiß LEID, den ihr hier abzieht! MACHT schon! Schießt mir ein Loch in den Schädel und werft mich vors NBTD! Das KÖNNT ihr doch so gut, nicht wahr? Leute umbringen, Überfälle begehen und euch aufspielen als die MÄRTYRER der Welt! - Gott, ihr seid SO ein verlogenes Pack!!!"
Ich unterstrich meine Worte, indem ich Razor wütend anspuckte. Leider war er groß und ich mit meinem Hintern auf dem Stuhl geparkt, so dass meine Rotze statt seines Gesichts nur seine Brust traf. Trotzdem irgendwie ein befreiendes Gefühl!

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