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Verfasst: Mo 27. Aug 2007, 12:40 
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Cracksüchtiger Maulwurf
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Stu und die anderen nickten Shawns Anweisungen ab und machten sich an die Arbeit. Einen Augenblick später war der Schuppen leer, bis auf Shawn und mich, aber wo ich sonst dankbar dafür gewesen wäre, etwas Privatsphäre mit ihm teilen zu können, war es mir jetzt beinahe unerträglich. Immer noch hallten Craigs Worte in meinem Kopf nach, immer noch fühlte ich seine rohen Hände an meinem Körper und den Schmerz in meinem Schultergelenk, seit er mir den Arm verdreht hatte - und immer noch empfand ich das Entsetzen über seine Verwandlung in dieses ... Tier so intensiv, als hätte er mich wirklich mit Gewalt genommen.
Ich musste mich ablenken, und das würde nicht funktionieren, wenn ich weiter mit Shawn alleine war. Gleich würde er mich fragen, ob es mir auch gut ginge. Würde mich in seine Arme ziehen und mir damit nur um so bewusster machen, was für ein wundervoller Mann er war und was für ein grauenhafter Craig. Würde mir aufzeigen, in wen ich mich zwei Jahre lang verrannt hatte und wie wenig ich die Menschen doch kannte. Es würde meine Selbstbeherrschung zunichte machen und dem Schmerz erlauben, an die Oberfläche zu kommen. Es würde mich schwach machen, genauso schwach, wie ich eben noch gewesen war, und diese Vorstellung ertrug ich jetzt nicht. Ich ging also auch zur Tür, die Freeze nach seinem Verlassen nur angelehnt hatte und bemerkte dabei über die Schulter: "Ich helfe den anderen."
Dann war auch ich raus aus dem Schuppen - entschlossen, all das, was vorhin geschehen war, lieber in mich hineinzufressen, anstatt mich damit auseinanderzusetzen. Es tief in mir zu vergraben und nie wieder an die Oberfläche zu lassen. Nur so würde ich den Vorfall mit Würde überstehen.

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Verfasst: Mo 27. Aug 2007, 14:25 
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Freakkillender Cop
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Ich hatte es Dawn gewünscht, dass wir einen Symbionten bei ihrem Dad fanden, aber dem war nicht so. Und jetzt rastete sie aus.
Ich konnte es nicht länger mit ansehen, weil die Kleine mir leid tat, absolut leid. Mit wenigen Schritten war ich bei ihr und zog sie von Capshaw weg, drehte sie zu mir um und hielt sie mit festem Griff an ihren Armen fest. Dabei sah ich sie eindringlich an.
"Dawn! - DAWN! HÖR AUF!"
Sie wollte sich von mir befreien, wollte wieder zu Capshaw zurück, um ihn weiter zu traktieren und ihren verständlichen Schmerz so erträglicher zu machen, aber das würde jetzt keinem helfen. Ich zog sie in meine Arme, hielt sie fest und sagte das erstbeste, das mir einfiel, um sie zumindest für den Moment zu trösten: "Vielleicht haben sie ihn manipuliert. Vielleicht haben sie ihn einer Gehirnwäsche unterzogen!"
Ich glaubte es zwar nicht, aber es war auch nicht im Bereich des Unmöglichen.

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Verfasst: Mo 27. Aug 2007, 14:43 
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Freakkillender Cop
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Meine Kiefer mahlten, obwohl mich Hayes' Bestätigung nicht überrascht hatte. Ich nickte knapp, dann zog ich Dawn mit mir zur Tür hinaus, damit sie den Scheißkerl nicht mehr sehen musste, der ihr Vater war.
Draußen drückte ich sie auf die Flurtreppe des unbewohnten, abbruchreifen Wohnhauses, das wir für unsere Aktion ausgewählt hatten, hockte mich davor und nahm ihr Gesicht in meine Hände. Es war verheult, was nur allzu verständlich war. Und der Ausdruck, der auf ihm lag, war verletzt. So unglaublich verletzt.
Es berührte meinen weichen Kern, den ich durchaus hatte, auch wenn Sam mir jetzt wahrscheinlich schnaubend widersprechen würde. Fürsorglich wischte ich ihr mit dem Daumen die Tränen von den Wangen - ein Taschentuch hatte ich leider nicht dabei - und sah Dawn ernst in die geröteten Augen. Dann raunte ich leise: "Hey, du ... - Vergiss ihn, okay? Er ist es nicht wert, dass du um ihn weinst. Keine eine Träne ist er wert, hörst du?"

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Verfasst: Mo 27. Aug 2007, 19:49 
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Freakkillender Cop
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Es ging mir echt an die Nieren, wie Dawn litt. Ich setzte mich neben sie und zog sie in meinen Arm, drückte sie dabei fest an mich und sprach beruhigend in ihr Haar hinein: "Ja, genau - er ist ein Verräter, und deshalb vergisst du den Dreckskerl jetzt, okay? Du hast ein falsches Bild von ihm gehabt. Hast gedacht, er wäre ein toller Kerl, dabei war er ein Arschloch, das sogar seine Tochter verrät. Der Sack ist es nicht wert, dass du dich deshalb jetzt fertig machst! Okay? Du brauchst ihn nicht! Du hast eine Familie. Uns, Dawn. Wir sind deine Familie! Vergiss den Penner, denk nicht mehr an ihn."
Klang nicht gerade nach großer Psychologie, was ich da von mir gab, aber wenn's anders gewesen wäre, wär ich nicht Chef der EDS geworden, sondern Oberarzt in 'ner Klapse. Trotzdem hoffte ich, dass es Dawn irgendwie trösten würde. Ich bekam nämlich langsam Bauchschmerzen über ihren Kummer.

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Verfasst: Mo 27. Aug 2007, 20:50 
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Freakkillender Cop
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Wo war das ruppige, schlagkräftige Ding geblieben, das sonst wie ein Kerl austeilte und vor dem sogar Freeze Respekt hatte?
So klein und verletztlich erschien sie mir auf einmal, so schutzbedürftig, dass ich gar nicht anders konnte, als mich ihrem Gesicht mit meinem zu nähern und sie zu küssen ... auf die Nasenspitze, weil ich ihre Situation jetzt nicht ausnutzen wollte.
Sie dankte es mir mit einem süßen, verheulten Lächeln, das mir das Herz aufweichte.
"Siehst du", murmelte ich leise und lächelte sie aufmunternd an, dabei legte ich meine Stirn gegen ihre und kraulte ihr durch ihr dickes, lockiges Haar den Nacken. "Es wird schon. Du bist nicht allein, Dawn. Denk immer daran, okay?"

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Verfasst: Mo 27. Aug 2007, 21:08 
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Freakkillender Cop
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"Ich ja, du nicht. Du gehst jetzt 'ne halbe Stunde spazieren, klar?"
Auf keinen Fall würde ich es zulassen, dass sie noch einmal in die Wohnung ging und dort Zeuge des 'Verhörs' wurde, das Capshaw blühte. Darum würde ich mich schon kümmern. Im Wechsel mit Freeze, wie ich den großen Jungen kannte. Und wir würden herausfinden, was Capshaw zu erzählen hatte. Jedes einzelne Wort, jede Kleinigkeit, die er wusste .. was danach mit ihm werden würde, würde Hayes entscheiden. Und ehrlich, ich hoffte, dass er die richtige Entscheidung fällen würde - Cop hin oder her.

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Verfasst: Mo 27. Aug 2007, 21:24 
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Freakkillender Cop
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Ich streichelte Dawns Wange und bemerkte auf einmal, wie weich sie war. Ich sah auch - das allerdings nicht zum ersten Mal - wie süß geschwungen ihre Lippen waren, und verdammt noch mal, aber die Versuchung, sie zu küssen, wurde immer größer! Ich hatte das letzte Mal noch gut in Erinnerung. Zu gut. Und wollte sie noch einmal schmecken. Aber auch jetzt hielt ich mich zurück. Ich war kein Conners, ich dachte nicht bloß an mich selbst. Und so musste ihre Nasenspitze noch einmal herhalten, dabei zwinkerte ich ihr zu.
"Wir haben ihn uns nicht umsonst geschnappt. Keine Sorge, er wird auspacken, und es wird uns was bringen."
Ich stand auf und ging nach einem letzten Blick auf Dawn wieder in die Wohnung hinein. Zeit, Mister Capshaw mal ein paar Dinge heimzuzahlen.

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Verfasst: Mo 27. Aug 2007, 22:07 
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Cracksüchtiger Maulwurf
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Stu kam wieder herein, und ich wusste, er und Freeze würden Capshaw jetzt weichklopfen für das, was er getan hatte - und das ganz sicher nicht nur, um herauszufinden, was er wusste. Mir stand der Sinn nicht danach, dabei zuzusehen. Ich war kein Weichei und hatte schon häufiger solchen 'Verhören' beigewohnt. Aber hier war es anders. Ich war anders. Verletzlich seit dem Tag, an dem Craig mir sein dunkelstes Gesicht gezeigt hatte, unsicher dazu, weil ich diesen Zug an mir nicht kannte und nicht wusste, wie ich damit umgehen sollte. Shawns Nähe war mir in den letzten Tagen eine Hilfe gewesen, aber nicht in dem Maße, dass ich mein inneres Gleichgewicht bereits wiedergefunden hätte. Ich hatte Schwierigkeiten, mich in Gegenwart der anderen normal zu verhalten. Hauptsächlich deswegen, weil alle wussten, was zwischen Craig und mir passiert war. Am liebsten hätte ich mich darum vollkommen zurückgezogen, aber das ging aus vielen Gründen nicht, also musste ich lernen, irgendwie damit zu leben - mit dem schwachen Bild, das ich abgegeben hatte .. mit heruntergelassenen Hosen, unfähig, mich zu wehren, wimmernd. Es klappte mehr schlecht als recht, und gerade jetzt klappte es überhaupt nicht. Ich verließ die Wohnung also kommentarlos, stellte allerdings fest, dass ich außerhalb auch nicht alleine war, denn da saß Dawn auf der Treppe und sah so aus, wie ich mich fühlte. Ich war einen Moment in der Versuchung, doch wieder hineinzugehen, aber nach einem zweiten Blick in ihr Gesicht überlegte ich es mir anders und setzte mich neben sie.
"Geht's wieder?"
Ich nahm an, dass Stu bereits Aufbauarbeit geleistet hatte - immerhin war er ja mit Dawn hinausgegangen. Außerdem kannte ich meinen Ex. Trotzdem drängte mich irgendetwas dazu, Dawn auch ein paar aufmunternde Worte zu sagen. Sie hatte gerade ihre eigene Welt gerade zu rücken, die aus den Fugen geraten war. Und ich wusste verdammt genau, wie schwer sowas war.

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Verfasst: Mo 27. Aug 2007, 22:24 
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Cracksüchtiger Maulwurf
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Bei Dawns Gegenfrage bereute ich sofort, dass ich mich zu ihr gesetzt hatte, denn das letzte, was ich jetzt wollte, war, über meinen Gefühlszustand zu sprechen. Ich ließ es dann auch und zuckte nur mit den Schultern, während ich mir eine ihrer Zigaretten nahm und sie mir von ihr anzünden ließ. Tief inhalierte ich den Rauch, und erst, nachdem ich ihn eine Weile angehalten und dann wieder langsam aus meinen Lungen entlassen hatte, gab ich ihr eine Antwort.
"Sieht wohl so aus. Tut mir leid mit deinem Dad. Ich hätte dir gewünscht, dass er diesen Dreckswurm in sich trägt. - Was ist mit deiner Mom? Wirst du dich bei ihr melden?"

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Verfasst: Mi 29. Aug 2007, 02:18 
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Cracksüchtiger Maulwurf
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Seit dem Vorfall mit Craig war ich in eine Art von schweigsamer Schwermut verfallen und erledigte alles nur noch mechanisch. Die Vorbereitungen für unsere nächste Aktion, die Gespräche, ich nahm an allem teil, aber ohne meinen sonstigen Elan. Natürlich war das nicht unbemerkt geblieben, aber die anderen hatten es Shawn überlassen, damit umzugehen, denn nun waren wir beide offiziell zusammen. Aber mein neuer Freund hatte damit echt nicht das große Los gezogen, wie mit mir selbst auch nicht, denn wenn ich eines war, dann ein Beziehungskrüppel. Genau das hatte Stu mir in der Vergangenheit oft genug an den Kopf geworfen und genau das stellte ich auch diesmal wieder unter Beweis.

Shawn hatte mehrere Male einen Anlauf unternommen, um mit mir zu reden, war aber gescheitert, weil ich ihn nicht an mich herangelassen hatte. Ich hatte dicht gemacht, hatte abgeblockt und ihn ins Leere laufen lassen. Nicht nur, weil ich nicht mit ihm über die Sache mit Craig reden wollte, sondern vor allen Dingen, weil ich mich selbst damit nicht auseinander setzen wollte. Es hatte mich tief verletzt, was Craig getan hatte, und ich schämte mich dafür. Ich hatte ihn falsch eingeschätzt, hatte ihm vertraut und war noch nicht einmal in der Lage gewesen, mich gegen ihn zur Wehr zu setzen. Schwach war ich gewesen, so schwach. Ein dummes Weib, dem man die Fehleinschätzung und das Versagen ja hätte verzeihen können, wenn es eine Frisörin oder Verkäuferin gewesen wäre. Aber ich war ein Cop! Einer, der bis zum Erbrechen Selbstverteidigung geübt hatte und der über Erfahrung und Instinkte verfügte! Leider aber hatte sich das alles in dem Moment verabschiedet, wo es um mich persönlich gegangen war. Um mein Gefühlsleben, mein Liebesleben. Ich hätte mich von Craig niemals so überrumpeln lassen dürfen, aber ich hatte es doch getan und damit gezeigt, was ich konnte. - Nichts! Gar nichts! Ich hatte einen Fehler gemacht, als ich mich in Craig verliebt hatte, ich hatte einen Fehler gemacht, als ich mich anderthalb Jahre von seinem Symbionten hatte verarschen lassen, ich hatte einen Fehler gemacht, als ich mir von ihm hatte das Diostesin aufschwatzen lassen, und ich hatte einen Fehler gemacht, als ich zu ihm hatte zurückgehen wollen, um ihn vor sich selbst zu schützen. Den größten Fehler aber hatte ich gemacht, als ich ihn zu einem Gespräch unter vier Augen gebeten hatte. Aus Rücksicht auf seine Gefühle. Aus Mitleid. Ich hätte es einfach besser wissen müssen. Hätte auf Shawn hören sollen, der mich gewarnt hatte ... der gewusst hatte, was kommen konnte, obwohl er Craig doch eigentlich gar nicht kannte. Ich aber, die ich geglaubt hatte, ihn zu kennen, ich hatte gedacht, ich wüsste alles besser und war meinem Ex ins offene Messer gelaufen. - Mit heruntergelassener Hose. Mit heruntergelassener Hose hatte ich da gestanden, flach gegen den Felsen gepresst, als Shawn und Stu mir zur Hilfe gekommen waren! Ich konnte mir nichts Erniedrigenderes vorstellen als das - Craig hatte mir mit Leichtigkeit aufgezeigt, wo meine Grenzen waren und was ich alles wirklich konnte.
Seitdem litt ich. Ich konnte mich selbst nicht mehr ausstehen. Verachtete mich. Ertrug mich nicht mehr. Darum stieß ich Shawn von mir. Darum küsste und streichelte ich ihn nicht mehr, und darum schliefen wir auch bereits seit anderthalb Wochen nicht mehr miteinander, obwohl wir nach wie vor jede Nacht das Bett miteinander teilten und in seiner Wohnung ja auch ungestört waren.
Ich konnte es einfach nicht. Ich mochte mich nicht mehr, und darum konnte ich mir nicht vorstellen, dass er mich noch mochte. Auch wenn ich es besser wusste und ihm glaubte, dass er mich liebte. Es war eine Gefühlssache, keine Kopfsache, und mit Gefühlssachen hatte ich schon immer meine Probleme gehabt. - Beziehungskrüppel ... Shawn bekam die Wahrheit dieses Wortes gerade am eigenen Leib zu spüren, und so wenig ich das wollte, aber ändern konnte ich es auch nicht.

Der Tag war gekommen, an dem wir unser Unternehmen "Labor" angehen wollten, und ich konnte es kaum noch erwarten, bis es so weit war. Ich ertrug die Wohnung nicht mehr, ich ertrug Shawns Nähe nicht mehr. Wie ein gereizter Tiger wanderte ich bereits seit Stunden hin und her, nervte Shawn damit ziemlich, das spürte ich, auch wenn er nichts sagte, aber ich konnte nicht mehr still sitzen, sondern musste jetzt was tun. Ich musste mich ablenken. Musste mir endlich wieder zeigen, dass ich doch noch etwas wert war. Nur dieser eine Wunsch beseelte mich noch ... mir, Shawn und den anderen zu beweisen, dass ich etwas konnte und eben nicht das schwache Weib war, zu dem Craig mich vor zwei Wochen abgestempelt hatte.
Ich sah zum xten Mal auf die Uhr, dann hatte ich vom Warten genug. Es war zwar noch knapp drei Stunden Zeit bis zu unserem Aufbruch, aber ich sah mich nicht mehr in der Lage, hier noch weiter zu warten. Entschlossen brach ich mein Patrouillieren ab und ging zur Garderobe, an der meine Allwetterjacke hing. Ich griff sie mir, zog sie mir über und fahndete in einer der Außentaschen nach meinem Phaser. Die übrigen Waffen befanden sich in der Tasche, die Shawn bereits gepackt hatte, aber meinen Phaser trug ich immer am Leib - nicht nur, weil ich ein miserabler Cop war, sondern auch, weil diverse Aufeinandertreffen mit Zombis mich in der Vergangenheit davon überzeugt hatten, dass es besser war, nur noch bewaffnet das Haus zu verlassen.
Ich fand den Phaser, checkte ihn kurz, dann drehte ich mich um und rief in Richtung Küche, in der Shawn gerade neuen Kaffee aufsetzte: "Ich bin schon mal raus."
Daraufhin wandte ich mich der Schalttafel zu und gab den Sicherheitscode ein, um den Alarm auszuschalten und die Tür zu entriegeln. So blöd wie damals, wo ich bei meiner kopflosen Flucht aus dieser Wohnung den Alarm ausgelöst hatte, war ich in diesem Moment dann doch mal nicht.

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Verfasst: Mi 29. Aug 2007, 09:49 
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Cracksüchtiger Maulwurf
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Ich hatte nicht damit gerechnet, dass Shawn mich aufhalten würde. Und ganz gewiss hatte ich nicht damit gerechnet, dass er mich so energisch aufhalten würde. Es war eigentlich nicht seine Art, impulsiv zu sein. Er war eher der bedachte Typ, der erst überlegte und dann handelte. Was ja auch normalerweise nicht verkehrt war, nur in diesem Fall hatte er offenbar darauf verzichtet, überlegt vorzugehen. Ich sah es ihm an, dass er sauer war. Und als er den Mund aufmachte, wusste ich auch, warum.
"WAS??", entfuhr es mir ebenso heftig wie ungläubig. Er wollte mich auf einmal nicht mehr dabei haben? Hätte er mir seine Faust in den Magen gerammt, er hätte mich nicht mehr treffen können.
"Warum? Hast du jetzt Zweifel an meinen Fähigkeiten? Oder sollte ich vielleicht besser fragen, hast du wieder Zweifel an meinen Fähigkeiten? Erst die Sache in CoA, wo du mich eiskalt abserviert hast und jetzt DAS? - Was soll das, Shawn? Ich bin ein verdammter COP! Ich weiß, was ich tue, und ich tue es GUT!"
Es war also so, wie ich es vermutet hatte - meine Schwäche, die ich während des Vorfalls mit Craig offenbart hatte, hatte Shawn davon überzeugt, dass ich es einfach nicht brachte. Er hatte das ja schon vorher bezweifelt, als er mich in CoA nicht bis zum Schluss hatte bei ihm bleiben, sondern mich von Stu hatte aus dem Weg räumen lassen. Und hatte seine Meinung über mich anscheinend bestätigt gefunden, als er mich wimmernd in Craigs Griff vorgefunden hatte.
Ich stand kurz vor dem Explodieren!

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Verfasst: Mi 29. Aug 2007, 10:45 
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Cracksüchtiger Maulwurf
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Mein Blutdruck war bei Shawns anfänglichen Beschuldigungen mächtig in die Höhe geschossen, und ich war schon drauf und dran gewesen, ihm ins Gesicht zu springen, seine letzten Worte hatten mich jedoch wieder etwas herunter geholt. Was aber nicht hieß, dass ich jetzt ein Einsehen hatte und gesprächsbereiter war.
"Wer sagt denn, dass ich Hilfe brauche?", erwiderte ich ablehnend. "Ich komm schon allein klar, okay? Ich bin kein Jammerlappen, auch wenn ich letztens vielleicht so ausgesehen hab. Und ich bin auch nicht labil. Das ist totaler Unsinn! Und so verdammt typisch für euch Männer. Labil ..", ich schnaubte und verschränkte abweisend die Arme vor der Brust. "Sowas würdest du nie zu mir gesagt haben, wenn ich nicht eine Frau wäre. Stimmt's? Männer sind nie labil. Sie sind anders. Oder verschlossen. Unzugänglich. Aber Frauen sind labil. Weißt du, was dein Problem ist? Du traust einer Frau nichts zu, DAS ist es! Weil du glaubst, wir Frauen würden von unseren Gefühlen beeinflusst. Aber das IST nicht so, okay? Ich hab einfach nur keinen Bock, darüber zu reden, was damals bei dem Felsen passiert ist, und hieße ich jetzt Freeze oder Stu oder Jeffreys, würdest du das auch akzeptieren und überhaupt nicht in Frage stellen, ob ich mitkommen soll oder nicht! Aber weil ich eben eine Frau bin, bin ich labil, mit anderen Worten, nicht zurechnungsfähig. Und da muss ich natürlich in Watte gepackt und zu Hause gelassen werden. Vielen Dank, Shawn!"

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