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Verfasst: Mi 29. Aug 2007, 13:11 
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Cracksüchtiger Maulwurf
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Irgendetwas sagte mir, dass Shawn Recht hatte mit allem, was er da sagte. Ich wollte es mir nur nicht eingestehen, wollte auf meinem Standpunkt beharren und wusste nicht einmal, wieso. Heute denke ich, dass ich Shawn damit bewusst auf Abstand hatte bringen wollen - und zwar aus Angst. Ich war reingefallen mit Craig, hatte ein böses Erwachen erlebt und wollte das kein zweites Mal durchmachen. Ich befürchtete wohl, mich in Shawn auch zu irren ... Craig hatte ich die kleine Vergewaltigungsnummer schließlich auch nicht zugetraut, wer wusste da schon, wozu Shawn fähig war? Sowas in der Art musste ich wohl seinerzeit gedacht haben, darum mein kompletter Rückzug von ihm, darum die vorgeschobenen blöden Gründe, die ich ihm genannt hatte und mir auch erfolgreich selbst einredete. Ich war unsicher geworden, traute meiner Einschätzung nicht mehr und wollte mich vor neuem Schmerz wappnen. Aber natürlich wollte ich das damals alles gar nicht sehen.

"Bist du fertig?", fragte ich Shawn abweisend. "Dann wär's schön, wenn du dich jetzt entscheiden könntest, ob ich mitmach oder nicht. Aber eines sag ich dir, wenn du mich jetzt hier abziehst, dann brauchst du auch in Zukunft nicht mehr auf meine Hilfe zu rechnen. Dann bin ich raus." - Ich konnte manchmal echt unausstehlich sein.

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Verfasst: Mi 29. Aug 2007, 21:54 
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Cracksüchtiger Maulwurf
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Ich sah Shawn mit zusammengepressten Lippen nach, dann wandte ich mich von der offenen Tür ab und fuhr mir in einer unbewussten Nachahmung von Shawns hilfloser Geste mit meiner Hand durchs Haar. Schließlich verließ ich die Küche auch und ging mit entschlossenen Schritten auf die Wohnungstür zu. Ich entriegelte sie und stiefelte hindurch. Aber ich ging nicht hinunter, ich nahm die andere Richtung und stieg die Treppen hinauf, die zum Dach führten. Es waren ja noch ein paar Stunden bis zur Abfahrt. Wenig später wehte mir kalte, aber trockene Luft entgegen, als ich nämlich die Dachtür aufstieß, ins Freie trat und dort tief, tief durchatmete. Die Temperaturen waren inzwischen ziemlich gesunken und der Winter wohl nicht mehr weit. Mir war es jetzt egal, obwohl ich sonst der Sonne und Wärme den Vorzug gab. Ich hatte gerade keinen Gedanken frei für sowas. Shawns Vorwürfe hallten mir noch im Kopf nach, und vor allen Dingen seine Bemerkung, mit der er unsere Beziehung in Frage stellte. Nein, nicht unsere Beziehung, sondern meine Liebe zu ihm. Die stellte er in Frage. Lag es daran, dass wir jetzt seit über einer Woche nicht mehr miteinander geschlafen hatten? War das der Maßstab für meine Liebe? Hatte er nicht begriffen, dass ich gerade Zeit brauchte und meine Ruhe? Einfach nur meine Ruhe? Ich war nicht wie die anderen Weiber, die er vielleicht bislang gehabt hatte. Ich quatschte mir meine Probleme nicht von der Seele. Ich wurde anders damit fertig. Aber ich wurde damit fertig. Wenn man mir nur einfach etwas Zeit ließ. Nur danach stand Shawn der Sinn offenbar nicht. Er wollte, dass ich es direkt verarbeitete. In einem Gespräch mit ihm. Aber das lehnte ich ja ab, weil ich feige war. Feige! So sah er mich also!
"Ich bin nicht feige", murmelte ich mit erstickter Stimme, als ich mich hinter einem Schornstein aufs Dach setzte und über das Meer weiterer Dächer sah. Der Wind zerrte an meinem kurzen, fransigen Haar, kniff in meine Nasenspitze und trieb mir die Tränen in die Augen. Es war gut so, denn dann musste ich mich nicht vor mir selbst rechtfertigen, weil ich weinte. War jetzt alles aus zwischen uns? Er hatte gesagt, er liebte mich und für ihn hätte sich nichts verändert. Und trotzdem war es ihm offenbar nicht möglich, mich so zu nehmen, wie ich war. Mir Zeit zu geben.

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 Betreff des Beitrags: Re: Kamaria II
Verfasst: Fr 24. Okt 2008, 18:24 
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Freakkillender Cop
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Halsbrecherische Geschwindigkeit kam mir noch untertrieben vor, als der Repulsorzug wie ein Zäpfchen abging! Die Tränen wurden mir aus den Augen gedrückt, die Haare strack nach hinten geföhnt, und als ich mich kurz über die Schulter nach Josh und Freeze umsah, die beide breit grinsend die Schlusslichter unserer kleinen Reisegruppe bildeten, hatte ich doch wirklich Mühe, meinen Kopf wieder nach vorne zu drehen. Hölle nochmal! Und ich war echt nicht empfindlich.
Zum Glück dauerte die Fahrt nicht lange. Wahrscheinlich nicht einmal zehn Sekunden, dann wurde das Geschoss ... Verzeihung, Gefährt erstaunlich sanft abgebremst und wir von einer bewaffneten Einheit von zwei Personen mit einer ruckartigen Bewegung ihrer PKGs aufgefordert auszusteigen.
Wir kamen der Aufforderung nach. Und wiesen uns noch einmal erfolgreich als Technikerteam aus. Daraufhin wurden wir auf Waffen gescannt, unsere Metallkoffer ebenso, aber da wir in ihnen ein kleines Gerät platziert hatten, das ein falsches Bild reflektierte - das von harmlosem Werkzeug nämlich - ließ man uns mit ihnen passieren.

Wir befanden uns schließlich in einem grell erleuchteten, steril aussehenden Metallgang, an dessen Wänden in dunkelgrauer Farbe die Nummer 23 geschrieben stand - und wir standen allein in diesem Gang, doch waren wir nicht so dumm zu glauben, dass wir nicht weiter beobachtet wurden. Bewegliche Kameras folgten jeder unserer Bewegungen und zeichneten alles auf, was wir taten und sagten. Wir sprachen darum überhaupt nicht, sondern hielten schweigend auf die einzige Tür zu, die es in diesem Gang gab: Den Eingang zum Labor, das wir zu zerstören gedachten. Oder besser gesagt, zu sabotieren, denn natürlich würden wir es nicht einfach in die Luft jagen, solange wir noch anwesend waren. So was kam nicht gut, dreiundzwanzig Etagen unter der Erdoberfläche. Aber hier und da eine kleine Sprengladung an strategisch ausgesuchten Plätzen, ausgestattet mit Zeitzündern - Fernzünder hätten mit den dreiundzwanzig Ebenen eben auch ihre Schwierigkeiten gehabt - und WUMM! ... aus die Maus. So war es geplant. Und so würde es hoffentlich auch ablaufen.
Wir erreichten die Labortür, und ein vernehmliches Summen zeigte an, dass man uns diese öffnete. Hayes trat als erster ein, Sam und Dawn folgten ihm. Ich betrat als vierter das Labor, hinter mir dann noch Freeze, Clifford, Bishop und Jeffries. Und wieder mussten wir unsere Ausweise zücken sowie unseren Arbeitsauftrag präsentieren - diesmal jedoch keinen Wachen, sondern weiß gewandeten Laborratten mit emotionslosen Gesichtszügen ... Emotionslosigkeit war wahrscheinlich eine der Grundvoraussetzungen dafür, hier unten zu arbeiten, wenn man bedachte, woran hier gearbeitet wurde.
'Schade, dass ich euch nicht brennen sehen kann', dachte ich in bitterbösem Zynismus und schenkte einer kühl aussehenden Blondine mit perfekt sitzender Hochsteckfrisur ein scheinheiliges Lächeln. Sie erwiderte es nicht, sondern drehte mir den Rücken zu und ging. Mein Lächeln wurde breiter, doch nur für einen Moment. Als ich meinen Blick wieder von ihr nahm und ihn auf Dawn heftete, war er toternst.
"Dann mal los!"
Wir lösten uns von den anderen und gingen zur langen, blanken Metallwand linker Hand, hinter der laut unserem Schaltplan EPS-Leitungen verliefen. Offiziell würden wir sie einem Routinecheck unterziehen, inoffiziell dort eine unserer Sprengladungen anbringen. Die anderen hatten andere Orte, an denen sie aktiv werden würden - Hayes und Sam, Clifford und Freeze nicht einmal im gleichen Raum wie wir. Aber das war egal. Sobald wir unsere kleinen Überraschungseier abgeliefert hätten, würden wir uns hier am Ausgang wieder versammeln und dann kollektiv abrücken. Eigentlich sollte das in nicht später als dreißig Minuten der Fall sein - sollte alles glatt gehen, wovon man im Grunde ausgehen konnte. Andererseits wusste man ja nie ...

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 Betreff des Beitrags: Re: Kamaria II
Verfasst: Fr 24. Okt 2008, 23:40 
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Cracksüchtiger Maulwurf
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Die Aktion hier entwickelte sich zum Alptraum. Wir hatten natürlich gewusst, dass sie hier unten diese Zombies züchteten - aus genau diesem Grund wollten wir die ganze Anlage ja auch in die Luft jagen. Aber wenn ich ehrlich war, hatte ich doch darauf gehofft, keinem von ihnen mehr zu begegnen. Ich hatte in den letzten Wochen so viel Schreckliches durch diese Biester erlebt, dass es für mehrere Leben reichte. Leider kam jetzt noch ein Kapitel hinzu.
Ich reagierte automatisch, ebenso wie Shawn. Wir schossen den Freaks mit unseren Phasern in den Kopf, und zwar taten wir das im Laufen, wobei wir uns ständig nach unseren Verfolgern umdrehten, denn wir mussten um jeden Preis versuchen, zum Repulsorzug zu kommen, ehe die Ebene dicht gemacht wurde. Wenn wir Glück hatten, wartete der Rest unserer Gruppe dort schon auf uns, und dann brauchten wir nur noch zu verschwinden und die Sprengladungen ihren Job erledigen zu lassen.
Doch die Zombies rückten schneller nach, als wir sie ins Jenseits schicken konnten. Wie Kakerlaken quollen sie durch die offene Stahltür in den Gang hinein, in dem wir uns gerade befanden und wimmelten und wuselten in erschreckender Geschwindigkeit hinter uns her ... kein langsames, schleifendes Vorrücken wie seinerzeit in der Kanalisation. Aus irgendeinem Grund waren die Biester hier schneller unterwegs - offenbar hatte man an ihnen ein paar Verbesserungen vorgenommen, die uns jetzt das Genick brechen konnten. Wir erreichten den Treffpunkt, die Gangbiegung, an der wir uns mit Freeze und Josh verabredet hatten, und dort drückte Shawn mich plötzlich gegen die Wand. Dann riss er einen Thermaldetonator aus seiner Jackentasche, aktivierte ihn und warf ihn in die Menge unserer Verfolger. Die Explosion folgte auf den Fuß, und zwar so heftig, dass das Metall knirschte und schrie und glühend heiß wurde, obwohl wir hinter der Biegung Deckung gesucht hatten und die Druck- und Hitzewelle uns nicht direkt erwischte. Sie wuschte an uns vorbei, zerfetzte Leichenteile inklusive, aber da wir uns in einem Schlauch befanden, heizte die Luft sich ordentlich auf, und das Metall, das nur wenige Meter von uns entfernt zum Schmelzen gebracht worden war, leitete die Hitze schlagartig weiter, so dass ich mir zweifellos den Rücken verbrannt hätte, hätte ich nicht meine dicke Jacke getragen. Shawn riss mich von dem heißen Metall fort - ein Teil meines Overalls blieb daran kleben, was mir jetzt aber egal war - packte meine Hand und rannte mit mir den Gang entlang, durch den nach wie vor der Alarm schrillte, der aber Dank eines hervorragend funktionierenden Feuerabwehrsystems binnen Sekunden rauch- und flammenfrei war. Vor uns wenigstens, was hinter uns war, wusste ich nicht, da die Biegung mir die Sicht auf das Chaos nahm, das Shawns Detonator zweifellos unter den Zombies angerichtet hatte. Wir erreichten das Ende des Ganges und flogen in ein Labor hinein, in dem noch alles ruhig war. Niemand hielt sich darin auf, doch das war nicht wirklich beruhigend, denn hier hatten Stu und Dawn gearbeitet, und mir wäre es lieber gewesen, wir hätten sie hier wohlbehalten vorgefunden, als nun nicht zu wissen, wo sie steckten.
'Vielleicht sind sie schon am Repulsorzug', schoss es mir durch den Kopf. Shawn dachte wohl ähnlich, denn er rannte mit mir, alle anderen Türen, die von diesem Raum aus abzweigten, ignorierend auf die Eingangstür zu, die zu dem Gang führte, an dem wir die letzte Sperre durchlaufen hatten. Der Gang mit der Nummer 23. Als wir in diesen hinein stürmten, fanden wir wenigstens Dawn und Stu wieder - doch von Freeze und Josh noch keine Spur. Verdammt, die Zeit lief uns davon!
"WO SIND DIE ANDEREN?", schrie Shawn Stu an. Atkinson zuckte mit den Schultern und sah überhaupt nicht glücklich drein - wahrscheinlich hatte er genauso gehofft wie wir, dass wir jetzt wieder vollzählig wären.
"Okay - Dawn und Sam RAUS hier! Wenn ihr oben seid, schickt den Zug wieder runter!" Shawns Kommandoton ließ keinen Zweifel daran, dass er über diesen Beschluss jetzt nicht diskutieren wollte, und ehe Dawn und ich protestieren konnten, ließ er mich los und lief zur Ausgangstür, wobei er hervor stieß: "Wir müssen die Tür mit IRGENDWAS blockieren! LOS, vielleicht gibt es dr ..."
Was immer Shawn noch vorschlagen wollte, es blieb ungesagt, denn es war längst zu spät. Der Öffnungsmechanismus der Tür reagierte nicht mehr, die Ebene war abgeriegelt. Mit einem wütenden "VERDAMMT!" wirbelte Shawn wieder herum und funkelte uns an.
"Die DETONATOREN!", kam es daraufhin von Stu, und zwar in nicht weniger heftigem Tonfall. "Wir müssen sie wieder deaktivieren, bis wir die Verriegelung aufgehoben haben!"
Was logisch war, aber auch bedeutete, dass wir uns wieder trennen mussten - jemand musste an den Hauptcomputer, um ihn in die Gewalt zu bekommen und damit die Ebene wieder zu öffnen, die anderen mussten die Sprengkörper ausschalten. Und dann waren da auch noch die vermissten Freeze und Josh, die wir finden mussten.
Ich sah, wie es hinter Stus Stirn arbeitete und wusste, dass er dazu tendierte, sich um den Computer kümmern zu wollen. Aber so fähig, wie er in dieser Hinsicht sonst auch war, Shawn war der Bessere von beiden, und das wussten wir alle. Stus Machogene hatten nur gerade Schwierigkeiten, sich das einzugestehen. Shawn kam ihnen zur Hilfe.
"Du und Dawn, ihr kümmert euch um die Detonatoren! Und seht zu, dass ihr verdammt noch mal die anderen findet! Sam kommt mit mir, ich brauch sie als Rückendeckung."
Ohne eine Antwort abzuwarten - und das musste er ja auch gar nicht, denn nach wie vor war er der Boss - lief Shawn zur breiten Eingangstür neben der 23 zurück, hinter der sich das weitverzweigte System an Gängen, Labor- und anderen Räumen befand. Und ich folgte ihm erneut hinein, was mir das Gefühl von Himmelfahrtskommando vermittelte. Aber diesmal musste ich mich wirklich dazu zwingen.

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 Betreff des Beitrags: Re: Kamaria II
Verfasst: Sa 25. Okt 2008, 12:26 
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Cracksüchtiger Maulwurf
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Ich schrie vor Entsetzen laut auf, als ich sah, wie einer der Zombies Shawn in den Arm biss. Das Blut spritzte am modrigen Schädel des Ungeheuers vorbei - Arterienverletzung! Aber noch viel schlimmer als das war das Bewusstsein, das sich schlagartig in mir breit machte: Shawn war nun auch infiziert. Er war infiziert!! Und es würde nicht mehr lange dauern, bis er sich ebenfalls zu so einer reißenden Bestie verwandeln würde!!!
Der Freak hinter mir riss mich aus meiner Starre. Er packte mich hart an der Schulter, und ich roch schon seinen fauligen Atem an meiner Wange. Reflexartig drosch ich ihm meinen Kopf gegen seinen, womit ich ihn wieder ein Stück auf Abstand brachte. Dann riss ich meinen Phaser hoch und schmolz ihm das Gesicht weg. Zischend und röchelnd ging er zu Boden, aber das sah ich schon längst nicht mehr, denn mein Blick war zu der anderen Bestie zurückgeschnellt, die Shawn immer noch am Arm hing. Ich schnellte vor, presste dem Zombie meinen Phaser gegen den Hinterkopf und drückte ab. Der Kopf explodierte blutig unter der heftigen Hitzewelle, die ihn schlagartig erfasste. Ruckartig wandte ich mein Gesicht ab, um nichts von dem Mist in die Augen oder in den Mund zu bekommen. Dann stieß ich den kopflosen Leichnam fort und stürzte neben Shawn auf die Knie.
"Oh Gott!!!", keuchte ich und presste verzweifelt meine Hand auf die große Fleischwunde. "Ich muss es abbinden ... ich muss es abbinden ...!"
Shawn war bereits kalkweiß im Gesicht, sein Blick wurde trüb - wegen des Blutverlustes oder weil er sich schon in ein Monster verwandelte? Bei dem Gedanken schossen mir die Tränen in die Augen und verschleierten mir die Sicht. "Shawn ...", schluchzte ich erstickt.
"Lass mich ...", keuchte er. "Verschwinde von hier, Sam ...!"
Trotzig schüttelte ich den Kopf und schniefte: "Nein! ... NEIN, auf GAR keinen Fall!!"
Eilig machte ich mich daran, Shawn den Overall vom Oberkörper zu streifen, dabei ignorierte ich sein gepresstes Keuchen. Dann riss ich ihm den Gürtel aus den Schlaufen, wickelte ihn oberhalb der spritzenden Wunde um seinen Bizeps und zog ihn mit aller Kraft an. Mehrere Male wickelte ich das Leder daraufhin noch um seinen Arm, dann fixierte ich das Ende des Gürtels notdürftig und schloss für einen Moment tief durchatmend die Augen.
"Sam, du musst ..."
"Halt die KLAPPE, Shawn! Ich LASS dich hier nicht verrecken, okay? Ich werde dich hier rausbringen!"
Darüber ließ ich nicht mit mir diskutieren. Schon gar nicht jetzt, in dieser Scheißsituation. Ich aktivierte das Comlink und informierte die anderen: "Shawn hat es erwischt. Er ist verletzt ...", wie die Art der Verletzung aussah, ließ ich ungesagt, weil ich es erst gar nicht riskieren wollte, dass einer der anderen - oder alle womöglich - sich Shawns Meinung anschloss und ihn hier lassen wollte. "Ich brauche Hilfe. Ich krieg ihn allein nicht hoch. Außerdem muss ich noch an den Computer ..."
Wie viel Zeit würde Shawn noch bleiben? Wann würde er sich in einen Zombie verwandeln und mich angreifen? Ich hätte bei diesem Gedanken schreien können, so weh tat er mir. Warum Shawn? Warum hatten sie nicht mich erwischt?

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 Betreff des Beitrags: Re: Kamaria II
Verfasst: Sa 25. Okt 2008, 13:27 
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Ehemals Sohn, jetzt sauer
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Ja, wo steckten wir eigentlich? Wir krabbelten immer noch wie die Kakerlaken durch die Lüftungsrohre, und die waren nicht nur so eng, dass wir die Seitenwände mit unseren Schultern berührten und ständig den Kopf eingezogen halten mussten, in denen war es auch noch scheißeheiß! Der Schweiß rann mir in Bächen aus den Haaren und brannte in meinen Augen wie pures Salz. Da half kein Zwinkern und Reiben.
"Wo jetzt entlang?", fragte ich an der nächsten Abzweigung über die Schulter zurück - meine Stimme hatte hier in dieser Röhre einen blechernen Klang, einen gereizten dazu, aber das lag natürlich nicht an der Umgebung, sondern an der Entwicklung, die die ganze Angelegenheit genommen hatte.
"Rechts!"
Freeze war ein schlauer Kerl, auch wenn man es ihm nicht unbedingt ansah. Er verfügte über die geniale Eigenschaft, sich einen Lageplan mit nur einem einzigen Blick einzuprägen. Fotografisches Gedächtnis, aber sowas von! Wir hatten davon auch früher schon profitiert, und jetzt wieder, denn Dank Freezes Begabung wurde es nicht erforderlich, das PADD aus dem Overall zu kramen, auf dem der Plan der Anlage gespeichert war.
Ich krabbelte also ins rechte Rohr, das wie die vorherigen Rohre über keine eigene Beleuchtung verfügte, sondern lediglich notdürftig von den darunter liegenden Räumen erhellt wurde, deren Licht in regelmäßigen Abständen durch die Lüftungsgitter in die Höhe strahlte. Aber nicht nur Licht drang hindurch, auch das Stöhnen und Ächzen der Zombies, die unter uns zu Gange waren. Ich dankte im Stillen gerade keine Ahnung wem dafür, dass die Gehirnamputierten nicht ahnten, wer über ihren Köpfen hinweg durch die Decke krabbelte, als plötzlich etwas neben mir auf den Metallboden des Schachts polterte - besagtes PADD, das offensichtlich doch nicht so tief in meiner Overalltasche gesteckt hatte, wie ich geglaubt hatte.
Schlagartig wurde es still unter uns, und ich konnte die stieren Blicke förmlich durch den Metallboden hindurch sehen, mit denen die Freaks nun die Decke über sich sezierten.
"Ooooh Scheiße!", murmelte ich. Das war kaum raus, da flog auf einmal einen Meter vor mir das Lüftungsgitter in die Höhe, und der hässliche Kopf eines dieser Mistviecher ploppte hoch wie ein Korken an eine Wasseroberfläche. Ohne zu überlegen hechtete ich vor, warf mich auf Kopf samt Lüftungsgitter und drückte beides wieder runter.
"LOS!!! WEITER!!!!", brüllte Freeze hinter mir ohrenbetäubend, womit er mir durchaus Beine machten. Ich krabbelte eilig über das unter mir heftig wackelnde Lüftungsgitter hinweg auf die nächste Schachtabzweigung zu, wählte instinktiv die linke und krabbelte schnell weiter. Ins Dunkle hinein, weil die Räume, über die ich mich nun bewegte, ebenfalls allesamt im Dunkeln lagen. War das nun gut oder schlecht? Ich wusste es nicht. Ich wusste auch nicht, was hinter mir abging, aber gemessen an dem Knallen und Scheppern zeigte Freeze den Biestern wohl, was er von ihrer Idee hielt, den Lüftungsschacht zu entern. Ich blickte nicht zurück, sondern verschwand im Dunkeln. Bis mir klar wurde, dass ich GAR nichts mehr hörte. Weder vor mir, unter mir noch hinter mir. Auch keinen Freeze, der einfach zu bullig war, um völlig geräuschlos durch die enge Röhre zu kriechen. Mit heftig schlagendem Herzen hielt ich an der nächsten Abzweigung inne und blickte zurück. Vages Dämmerlicht kennzeichnete die Richtung, aus der ich kam. Keuchend hielt ich inne und wischte mir den brennenden Schweiß aus den Augen. Dann aktivierte ich mein Comlink und sprach leise hinein: "Freeze? Freeze, wo steckst du, Mann? Ich hab dich verloren!"
Scheiße aber auch!

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 Betreff des Beitrags: Re: Kamaria II
Verfasst: Sa 25. Okt 2008, 13:43 
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Freakkillender Cop
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"Gegenmittel???", Sam sah mich mit einer Mischung aus Panik und Hoffnung an. Ich nickte bestätigend, während Dawn zur Tür huschte und diese sicherte. "Ja, Gegenmittel. Es gibt wohl eines hier - in einem Tresor im letzten Raum", was natürlich ganz besonders prickelnd war, weil das bedeutete, dass, wer auch immer das Mittel holen gehen würde, das arme Schwein der Loser war, der noch einmal durch die ganze Meute an Zombies musste.
Hayes murmelte irgendwas Unverständliches und schloss die Augen, Sam sprang sofort auf ihre Füße und checkte ihren Phaser. "Okay! DU regelst das mit dem Computer, ICH hole das Gegenmittel."
'Schoon klar, Sam!'
Unter anderen Umständen hätte ich ihr den Kopf getätschelt und sie dann mit ein paar Handschellen am Stuhl festgebunden. In diesem Augenblick jedoch war mir eher nach einer klärenden Ohrfeige zu Mute - und Handschellen gehörten leider nicht zur Standardausrüstung eines Technikers.
Ich schnaubte, packte sie am Arm und bugsierte sie zu einem der Terminal-Arbeitsplätze in diesem Raum. Dann wandte ich mich Hayes zu und nahm ihm seine Tasche mit dem Laptop ab. Die drückte ich daraufhin Sam in den Schoß.
"Los! Arbeiten! Dawn wird dir Rückendeckung geben!"
Ohne auf Sams Antwort zu warten, aktivierte ich das Comlink wieder und rief hinein: "Freeze? Clifford? Bishop? Jeffries? Wo steckt ihr? Einer von euch noch im hinteren Laborbereich?"
Ich erhielt Rückmeldung von Freeze, Bishop und Jeffries - dass Clifford nicht reagierte, wollte ich jetzt nicht interpretieren ... vielleicht war ja nur sein Comlink kaputt.
"Ich steck mit dem Arsch innem verdammten Luftschacht, Mann. Irgendwo in der Mitte." - Das war eindeutig Freezes Bass gewesen. Bishops Antwort folgte auf dem Fuß: "Jeffries und ich sind ziemlich weit hinten. Worum gehts?"
"Im letzten Raum hier auf der Laborebene gibt es einen Tresor, darin liegen blaue Ampullen. Das ist das Gegengift zu dem Scheiß, der Menschen zu Zombies macht. Wir brauchen das Zeug, und wir brauchen es DRINGEND! Hayes hat es erwischt!"
Bishop antwortete erneut: "Wir kümmern uns darum."
"Ich mich auch", stimmte Freeze zu. "Sobald ich diesen Pfadfinder von Clifford gefunden hab."
Okay, Clifford steckte anscheinend auch irgendwo in der Scheiße. Das war überhaupt nicht gut, aber im Moment auch nicht zu ändern. Ich hoffte darauf, dass Freeze ihn irgendwo einsammeln würde und sich dann Jeffries und Bishop anschließen würde. Ich selbst beschloss, hier zu bleiben und Sam zu helfen. Zu zweit hatten wir allemal einen größere Chance, das Computergehirn hier auszuschalten.

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 Betreff des Beitrags: Re: Kamaria II
Verfasst: Sa 25. Okt 2008, 15:37 
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Cracksüchtiger Maulwurf
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Wie eingefroren starrte ich auf die Screens, weil das Monster, das immer nur für Bruchteile darauf zu sehen war, so grauenhaft war, dass es mir jede Fähigkeit zu denken und zu handeln nahm.
Was ... WAR ... das???
Bestimmt zwei Meter fünfzig groß, mit langem Haarbewuchs auf dem Ding, das wohl seinen Kopf darstellte, auch wenn es außer zwei Augen, die wie Kohlen glühten und einem riesigen Schlund, in dem ich gemeint hatte, messerscharfe, lange Fangzähne blutig rot aufblitzen zu sehen, kein wirkliches Gesicht hatte. Dieser "Kopf" saß auf massiven Schultern, die in Arme ausliefen, deren Muskeln dicker waren als mein gesamter Körperumfang. Was dieses Riesenungetüm sonst noch auszeichnete, konnte ich nicht sagen, da es uns nicht den Gefallen tat, vor einer der Kameras zu verharren und zu posieren. Aber hätte Stu mir jetzt erzählt, er hätte noch schaufelradgroße Pranken mit langen Krallen gesehen oder einen Schwanz mit einem riesigen Giftstachel am Ende, dann hätte ich ihm das zweifellos geglaubt. Dieser Kreatur traute ich alle Scheußlichkeit der Welt zu, und eines war klar, sollte sie auf dem Weg hierher sein, hätten wir ein Problem.
"Vielleicht war die Deaktivierung der Detonatoren doch keine so gute Idee", krächzte ich, den Blick immer noch wie gefesselt auf die Bildschirme gerichtet. Stu stieß mir seinen Ellbogen in die Rippen und zischte: "Los! Weiter!", was mich wieder ein wenig zur Besinnung brachte. Er hatte Recht. Wir mussten jetzt wirklich zusehen, dass wir die Ebene deaktiviert bekamen. Aber in einer Sache stimmte ich ihm nicht länger zu: Wir hatten nicht mehr die Zeit, beide hier herumzusitzen und uns durch das System zu hacken. Wenn Freeze und die anderen auf dem Weg waren, das Gegenmittel zu holen und hier gleichzeitig der Computer manipuliert wurde UND wenn dazu noch diese Mischung aus Yeti und King Kong draußen herum lief, dann musste sich jetzt auch einer um die Detonatoren kümmern. JETZT, und nicht erst, wenn die anderen beiden Gruppen Erfolg hatten!
"ICH mach das hier!", erklärte ich Stu in einem Anfall von Vernunft, dabei linste ich zu Shawn und wünschte mir im gleichen Moment, ich hätte es nicht getan. "DU wirst die Detonatoren wieder aktivieren, und du wirst die Zeit auf fünfzehn Minuten verkürzen! - LOS JETZT!!! ICH KOMM SCHON KLAR HIER!"
Es war das einzig Richtige. Shawn war der genialste Hacker, den es in meinen Augen gab. Stu und ich konnten ihm nicht das Wasser reichen, aber wir beide waren uns ebenbürtig. Von dem Standpunkt aus gesehen war es darum egal, wer hier blieb. Allerdings war Stu sein sehr viel besserer Kämpfer als ich, und kämpfen würde er müssen, wenn er zu den Sprengladungen zurück wollte. Also würde ER losziehen und ICH dem Dreckscomputer meinen Willen aufzwingen. Vielleicht wäre Shawn ja noch in der Lage, mir zu helfen. Ich gab Stu, als er nicht sofort reagierte, also einen Schubs mit der Seite, dass er halb vom Stuhl fiel. Dabei fauchte ich: "Nun BEWEG dich schon! Und setz mir SHAWN an die Seite, verdammt!!!! JETZT!!"
Zum Glück war Stu selten schwer von Begriff. Er rappelte sich eilig auf, war mit zwei Schritten bei Shawn und zog ihn kraftvoll in die Höhe. Dann drückte er ihn auf den Stuhl nieder, auf dem er bis gerade selbst gesessen hatte und verschwand mit gezogener Waffe. Was er noch zu Dawn sagte, als er durch die Tür zischte, entging mir. Ich war voll auf das Hauptsystem konzentriert, das mich zwar inzwischen herein gelassen hatte, mir aber partout keinen Zugriff auf die Sicherheitssysteme geben wollte und stieß dabei hervor: "Shawn, ich BRAUCH DICH! - Verdammt, HILF MIR! Ich komm nicht weiter hier!"

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 Betreff des Beitrags: Re: Kamaria II
Verfasst: Sa 4. Jun 2011, 17:21 
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Mir gefiel das alles immer weniger. Die ganze Sache entwickelte sich nicht so, wie wir das geplant hatte, sondern eskalierte – ich war zwar ein verdammt flexibler Kerl, aber auf so was stand ich nun gar nicht!
Ein Superzombie. Na klasse! Als ob der Rest der Bande nicht schon stressig genug gewesen wäre!
Während ich durch die metallenen Gänge hastete, deren beschädigte Notbeleuchtung die zahlreichen Leichen, Leichenteile und erledigten Freaks bizarr in Szene setzte, flogen meine Gedanken mir voran. ‚Drei Detonatoren … einer im ersten Labor, einer bei der Energieverteilung, einer am Ende von Gang 23.’ Ich beschloss, den im Energieverteilungsraum und den hintersten zuerst wieder einzuschalten. Die würden dann auch zuerst losgehen, und es war allemal besser, die Explosion bei unserer Flucht im Rücken zu haben als vor uns. Das Dumme war nämlich, dass sie jetzt nacheinander aktiviert wurden und nicht zeitgleich – auch wenn ich ein genialer Kerl war, aber dreiteilen konnte ich mich leider noch immer nicht.
‚Die Hirnlosen hier, die Fleischfresser, die können das aber.
Oh ja, das war echt hilfreich. Ich schob derlei Gedankengänge lieber von mir fort und überlegte stattdessen, wie ich die Reaktivierung der Sprengkörper besser koordinieren konnte. Das tat ich im Laufschritt, den Phaser schussbereit erhoben, aber entweder waren die Freaks gerade anderweitig beschäftigt, oder wir hatten die meisten von ihnen inzwischen erledigt. Gerne hätte ich „alle“ gedacht, aber da war ja noch das Riesenbiest.
„Bishop?“, rief ich in mein Comlink hinein – im gleichen Moment erreichte ich den Energieverteilungsraum und flog auf die Wand zu, in der Freeze und Clifford gemäß unserem Plan die Sprengladung angebracht haben mussten. Dass ich richtig lag, bezeugte der Umstand, dass die metallene Vertäfelung auf dem Boden lag und dass in dem in der Wand klaffenden Loch ein magnetisch angebrachter kleiner Kasten scheinbar tot vor sich hinschlummerte – der deaktivierte Detonator.
„Bishop, verdammt noch mal, MELDE dich!“, rief ich wieder, während ich unser "Überraschungsei" anknipste, es auf fünfzehn Minuten einstellte und darauf hoffte, dass ich endlich Antwort erhalten würde. Ich wollte nämlich, dass Bishop das Gleiche bei dem Detonator im hinteren Bereich machte … schließlich war er da ja sowieso schon im Einsatz, da lagerte schließlich das Gegenmittel. Aber Bishop antwortete mir nicht, auch Jeffries nicht, den ich danach rief. Mist, verdammter!
„Freeze?“
Auch der schwieg sich aus. Waren sie etwa schon alle tot?
Ein abermaliges lautes Gebrüll machte mir klar, dass zumindest einer noch nicht tot war: Unser neuer Freund, das Monster. Und es schien sich in meine Richtung zu bewegen, denn das Spektakel, das es machte, war lauter als zuvor.
„Atkinson!“
Die gekeuchte Stimme hinter mir ließ mich alarmiert herumwirbeln. Schwer atmend und schweißüberströmt hing Clifford im Türrahmen, einen kleinen, gläsernen Kasten in der Linken, während er wie ich mit seiner Rechten seinen Phaser umklammerte.
„Du hast das Gegenmittel? Gut! Wo sind die anderen?“
„Freeze … hinten!“, keuchte der Junge, dabei machte er eine vage Bewegung mit seinem Kopf. „Bishop und Jeffries tot. Ein ... ein Riesenteil …Hölle noch mal … ein verdammtes …“
„Ja, ich weiß. Ich hab’s gesehen.“ Ich drückte eine Taste am Detonator, und er begann von fünfzehn an im Sekundentakt rückwärts zu zählen. Dann heftete ich meinen Blick wieder auf Clifford. „Mach, dass du zu Hayes kommst! Er ist noch im Computerraum, Sam und Dawn ebenfalls. Ich hol Freeze. Wir haben fünfzehn Minuten, dann geht die Bude hoch. Scheiße, wir haben dreizehn Minuten und sechsundfünfzig Sekunden. LOS!“
Clifford nickte und drückte sich vom Türrahmen ab. Ich folgte ihm aus dem Raum hinaus, lief aber in die entgegengesetzte Richtung. Vom rettenden Ausgang weg und dem alptraumhaften Gebrüll entgegen ... meinem Tod möglicherweise. Manchmal wünschte ich mir echt, das Arschloch und der Feigling in einer Story zu sein.

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 Betreff des Beitrags: Re: Kamaria II
Verfasst: Sa 4. Jun 2011, 19:14 
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Es war verdammt schwer, unter diesen Umständen einen klaren Gedanken zu fassen. Die Angst um Shawn machte mich fast verrückt – viel mehr, als es irgendein Zombie oder diese monströse Kreatur, die wir eben auf dem Screen gesehen hatten, hätten tun können. Deshalb dauerte es auch einen Moment, bis ich begriff, was er von mir wollte. Aber kaum war der Groschen gefallen, wurde ich flott.
„Okay …“, keuchte ich atemlos, zog mir sein Laptop heran und legte los. Ich rief unser Programm auf, veränderte es, indem ich Shawns und meinen Algorithmus zu einem einzigen vereinte, zog den kleinen "Doppelwhopper" auf einen Datenstick und packte diesen daraufhin ins Panel des Hauptcomputers. Prompt wurde der Bildschirm vor mir schwarz. Na super!
„Komm schon …“, murmelte ich drängend. Ein kurzer Seitenblick auf Shawn ließ mich die beiden Worte noch einmal flehend wiederholen: „Komm schooon …!!!“
Sein Kopf war inzwischen zur Seite gekippt, seine Augen verdreht, so dass man nur noch das Weiße sehen konnte. Das allerdings war gar nicht mehr so weiß, sondern durchzogen von roten, angeschwollenen Blutäderchen. Genauso angeschwollen war seine Halsschlagader, richtig bläulich sogar, und das sah unter seiner bleichen, schweißnassen Haut ziemlich bedrohlich aus. Nicht weniger bedrohlich war der Sabber, der ihm aus dem Mundwinkel zu rinnen begonnen hatte. Und das stoßartige Keuchen, das jetzt auch noch von einem gutturalen Knurrlaut untermalt wurde, setzte dem Ganzen eigentlich noch die Krone auf. Ich schluckte hart und zwang mich, wieder auf den Screen zu sehen. Immer noch schwarz. Was war denn nur los hier?
Ein lauter Brüller drang wieder ins Labor und gemahnte mich daran, dass die Zeit nicht nur wegen Shawn knapp wurde. Mit immer heftigerem Puls, der inzwischen schmerzhaft hinter meinen Schläfen schlug, trommelte ich auf der Tastatur herum. Genau in diesem Moment – als hätte der Rechner nur darauf gewartet – füllte sich der Screen mit Leben. Besser gesagt mit einer Menge kryptischer Elemente, die mir sagten, dass unser Programm aktiv wurde. Es begann, die Sperren und Sicherungen zu eliminieren, die Firewalls niederzureißen und mir so den Weg zum Hauptmenü frei zu räumen. Ein, zwei aufgeregte Herzschläge später ploppte genau dieses vor mir auf. Mit fliegenden Fingern – denn das Knurren neben mir wurde lauter, und in diesem Augenblick wünschte ich mir, ich hätte Stu nicht darum gebeten, Shawn neben mich zu setzen – verschaffte ich mir Zugang zum entsicherten Sicherheitsbereich und öffnete unsere Ebene wieder so wie alle darüber liegenden Ebenen bis hin zur ersten Tür, durch die wir diese Einrichtung betreten hatten und die uns wieder in die Freiheit führen würde. Erleichtert atmete ich auf und klappte das Laptop zu. Doch nur eine Sekunde später wurde ich mit einem unmenschlichen Fauchen gepackt und von meinem Stuhl gerissen. Shawn! Über meinen Erfolg hatte ich ihn für einen Moment vergessen. Ein Fehler, wie ich erkannte, als ich heftig zu Boden ging und unter seinem Gewicht begraben wurde.
„SHAWN! NICHT!!!“
Verzweifelt versuchte ich, von ihm frei zu kommen, aber es gelang mir nicht. Unter normalen Umständen hätte ich gegen ihn schon keine Chance gehabt, aber dieser Virus verlieh ihm eine Kraft, die unglaublich war. Fauchend und knurrend schlug er mit seinen Zähnen nach mir, gleichzeitig versuchte er mich mit seinen Händen zu packen. Das aber machte ich ihm schwer, weil ich in meiner Panik nach ihm schlug und drosch und mich auch noch strampelnd unter ihm wand wie ein Aal. Dabei rief ich immer wieder seinen Namen – erfolglos, denn jetzt war er völlig außer Kontrolle.
Nein, halt! Plötzlich hielt er inne und stierte mit verzerrtem Gesicht verständnislos auf mich herab. Erkannte er mich nun doch? Hatte seine Liebe zu mir ihn innehalten lassen? Ein letzter Rest an Wiedererkennen, der ihn davon abhielt, mich aufzufressen?
Mit einemmal erschlaffte er und fiel auf mich wie eine Marionette, der man die Fäden durchgeschnitten hatte. Ich hatte noch im letzten Moment meinen Kopf zur Seite reißen können, um seinen nicht ins Gesicht zu bekommen, und jetzt starrte ich auf eine leere Spritze, die ihm im Nacken steckte und daraufhin auf Dawn, die gebeugt über uns stand und mich grimmig anfunkelte. Es dauerte etwas, bis mir klar wurde, was gerade geschehen war. Natürlich hatte Shawn mich in seinem Zustand nicht mehr wiedererkannt, und ganz zweifellos hätte er mich aufgefressen, wenn Dawn ihm nicht entschlossen das Gegenmittel in den Hals gerammt hätte. Es schien sofort zu wirken, denn Shawns Toben war einer tiefen Bewusstlosigkeit gewichen. Bewusstlosigkeit, nicht Tod, denn ich spürte sein Herz hart gegen meine Brust schlagen. Aber wirkte es auch richtig? Würde es ihn zurückholen und ihn wieder zu dem Mann machen, den ich so sehr liebte? Oder war es zu spät gewesen? War seine Verwandlung bereits zu weit fortgeschritten gewesen?
Die Antwort darauf würde ich jetzt kaum erhalten. Shawn wurde von zwei Männerhänden energisch in die Höhe gezogen – Josh, wie ich nur am Rande erkannte – und gleich darauf wurde ich selbst auf die Beine befördert … von Dawns überraschend kraftvoller Hand.
„Wir müssen hier raus!“, übernahm sie energisch das Kommando. Dabei ging sie mit großen Schritten zur Wand, wo Stu den Detonator versteckt hatte und machte sich daran zu schaffen. Sie aktivierte ihn wieder. Mein Blick flog zu Josh, der sich einen Arm des bewusstlosen Shawn über die Schulter gelegt hatte und ihn nur mit Mühe in einer aufrechten Position hielt. Ich schnappte mir Shawns anderen Arm und sah unglücklich zu meinem auf dem Computertisch liegenden Phaser, den ich jetzt zurücklassen musste, da ich mit meiner anderen Hand Shawns Laptop fest hielt. Und der erschien mir in diesem Augenblick wichtiger als meine Waffe – ein bisschen strange vielleicht unter diesen Umständen, aber ich war nun mal noch viel mehr Computerfreak als Cop. Außerdem wusste ich, was der Laptop Shawn bedeutete. Dawn sammelte meinen Phaser ein, dann huschte sie vor uns aus dem Labor und sicherte den Gang. Josh und ich folgten ihr, ich immer wieder einen Seitenblick auf Shawns schlaff auf der Brust hängenden Kopf werfend. „Bleib bei mir“, flüsterte ich dabei flehend. „Bleib bei mir!“

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 Betreff des Beitrags: Re: Kamaria II
Verfasst: So 5. Jun 2011, 01:50 
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Ich hatte zwei Ziele: Den letzten Detonator anwerfen und Freezes Arsch aus der Scheiße ziehen. Und wie es das Schicksal wollte, sollte es mir gleich vergönnt sein, beides auf einmal zu erledigen. Quasi zwei Fliegen auf einen Streich. Von denen eine ein verdammt fetter Brummer war – und ich meine damit jetzt nicht Freeze!

Ich flog den Gang in Richtung letztem Labor entlang, über Leichen springend und immer darauf bedacht, auf dem vom Blut glitschigen Boden nicht auszurutschen. Dabei hielt ich die abgehenden Nebenräume scharf im Blick, deren Türen allesamt offen standen, aber untoten Besuch bekam ich aus
keinem mehr … wahrscheinlich doch alle erledigt. Als ich dem Ende des Ganges näher kam, schwoll das Gebrüll immer mehr an, was mir klar machte, dass das Riesenbiest sich an meinem Zielort aufhielt. Und gemessen an der Wut, die in seinem Toben lag, war ich mir sicher, dass ich auch Freeze dort finden würde. Dass ich damit richtig lag, erkannte ich, kaum dass ich meine Nase in einer Art Blitzblick in den verwüsteten Raum gesteckt hatte … zwar verbaute das Biest mir mit seinem massigen Körper beinahe komplett die Sicht, aber Freezes glänzenden Kahlkopf konnte es nicht vollkommen verdecken. Immer wieder blinkte er irgendwo auf. Und wenn er das tat, knickte das Monster kurz darauf mit einem unartikulierten Schrei ein oder fuhr brüllend herum, um sich zu wehren. Genau, um sich zu wehren! Denn Freeze vermöbelte es so ordentlich, dass ich ein, zwei Augenblicke nicht anders konnte als dastehen und zusehen.
Linker Haken, rechter Haken, Headbanging, Jackie-Chan-Kungfu-Tritt … klar, er steckte auch ein, aber dem Vieh war es nicht möglich, Freeze zu erledigen oder ihn auch nur ernsthaft zu verletzen. Ich zog gedanklich den Hut. Riss mich nach diesem kurzen Anfall aufgeflammter Hochachtung dann aber von dem Anblick ab, weil ich mich daran erinnerte, was ich zu tun hatte. Freeze lenkte das Biest ab, und das war gut. Ich huschte um die beiden herum, darauf bedacht, das Monster nicht durch unachtsame Berührung auf mich aufmerksam zu machen, erreichte so unbemerkt die offene Wand und streckte meine Hand nach dem deaktivierten Detonator aus. Eilig schaltete ich ihn ein, gab die Fünfzehnminutenfrist ein und drückte den Startknopf. Dann wandte ich mich davon ab und richtete meine Aufmerksamkeit wieder auf die beiden Kampfhähne. Zeit, das hier zu beenden. Ich riss meinen Phaser hoch, zielte auf das Vieh und drückte ab. Es zischte und flammte grellrot auf, der Strahl traf die lederartige Haut, aber es tat sich nichts. Meine Waffe hatte nicht die geringste Wirkung auf das Biest! Okay, das erklärte, warum Freeze sich auf einen Faustkampf eingelassen hatte.
Das, was ich vorher hatte vermeiden wollen, hatte ich mit meiner Attacke nun erreicht: Das Mörderteil hatte geschnallt, dass da noch jemand anderes war und wandte sich seinem neuen Ziel – mir – zu! Ich feuerte noch einmal, genau in sein aufgerissenes Maul hinein, woraufhin es daraus qualmte und zischte. Das Vieh brüllte noch mehr, aber es hörte sich verdammt noch mal nach Wut an und nicht nach Schmerz.
„Die Phaser bringen es nicht um!“, schrie Freeze mir über das Wüten zu und drosch mit einem Metallregal auf das Rückgrat des Superzombies ein. Die Aufmerksamkeit hatte er sich damit wieder gesichert! Ich überlegte fieberhaft, wie wir uns dieses Biests entledigen konnten … es musste verdammt schnell gehen, denn der Detonator in der Energieverteilung lief schon geschätzte fünf Minuten – uns rann die Zeit davon. Einer Eingebung folgend riss ich den Detonator aus der Wand, besah mir das blinkende Teil kurzzeitig und warf ihn dabei wie einen Baseball ein Stückchen in die Luft. Dann fixierte ich unseren Feind mit zusammengekniffenen Augen. ‚Wieso eigentlich nicht?’
Ich riss meinen Phaser wieder hoch und feuerte noch einmal auf Godzilla. Gerade in dem Moment, wo es Freeze aus dem Raum katapultierte. Das Biest fuhr zu mir herum und riss sein Maul wieder auf. Darauf hatte ich gewartet!
„Hier, du verdammter Angeber!“, schrie ich noch lauter, als mein Gegenüber brüllte. Und warf ihm den Detonator entgegen wie einem Hitter einen Fastball. Er landete in der offenen Schnauze und verschwand kurz darauf, als Godzilla ihn verschluckte. Das Vieh erstarrte und gab ein glucksendes Geräusch von sich. Ich nutzte das Überraschungsmoment und spurtete an ihm vorbei ins Freie.
„LOS!“, schrie ich Freeze an, der sich gerade aufgerappelt hatte. „VERSCHWINDEN WIR!“
Das musste ich ihm nicht zweimal sagen. Wir rannten los, den Gang hinunter, unseren Verfolger im Nacken, was sich nicht mehr durch Gebrüll bemerkbar machte – etwas musste ihm die Kehle verstopfen – aber durch lautes Schnaufen und Stampfen. Wir hielten uns nicht mit Schulterblicken auf, aber einen Seitenblick warfen wir in den Computerraum, in dem ich Hayes, Dawn und Sam zurück gelassen hatte. Sie waren nicht mehr da, weder lebendig noch tot, und ich kann gar nicht beschreiben, wie erleichtert ich darüber war. Weiter ging’s, in Richtung Repulsor. Unbehelligt, denn – ich weiß, ich wiederhole mich, aber es war offenbar wirklich so – anscheinend hatten wir alle Zombies erledigt. Alle bis auf den Freak hinter uns, klar, aber dessen Minuten waren auch gezählt. Freeze und ich stürmten durch die offen stehende Gangtür hinaus in den Liftschacht und sprangen dort beherzt in den direkt davor parkenden Wagen, in dem Clifford, Dawn und Sam mit einem bewusstlosen oder toten Hayes warteten. Den Zustand des letzteren ignorierte ich für den Moment.
„LOS, STARTEN!“, schrie ich. Überflüssigerweise, muss ich sagen, denn das letzte Wort war noch nicht im Gang verhallt, als der Wagen sich auch schon mit einem Ruck in Bewegung setzte und mit zunehmender Geschwindigkeit nach oben zischte – Dawn hatte den Motor bereits angeworfen gehabt und umgehend Gas gegeben, kaum dass wir an Bord gewesen waren. Halt suchend griff ich nach dem Wagenrand und blickte zurück. Unser Freund Godzilla kam im gleichen Augenblick aus dem Gang geschossen und sprang in den Schacht. Da der nicht senkrecht war, sondern nur schräg, machte das Biest auch nicht den Abflug – leider – sondern fand Halt an den Gleisen der Bahn und hechtete uns hinterher. Ich machte mir keine Sorgen, dass es uns einholen würde, dafür war der Repulsorzug bereits viel zu schnell. Was ich hingegen bedenklich fand, war die Vorstellung, dass das Mistvieh gleich hier in dem Schacht in die Luft fliegen würde. Und die Feuerwalze, dem Kamineffekt gehorchend, in die Höhe schießen würde. Wären wir auch dafür schnell genug? Ich warf einen kritischen Blick auf meine Uhr. Wie lange noch? Dummerweise hatte ich nach meinem Fastball vergessen, das Gleiche zu tun und mir die Zeit zu merken. Ich schätzte, noch vier Minuten. Würde das ausreichen? Gang neunzehn … Gang achtzehn … Gang siebzehn … Gang sechzehn … - ich begegnete Freezes Blick und wusste, er dachte dasselbe. Um mich abzulenken, denn ich konnte ja sowieso nichts tun, sah ich zu Hayes und dann zu Sam. „Ist er tot?“ Sie schüttelte den Kopf … gut. Gang dreizehn … Gang zwölf … Gang elf … wie lange noch? Drei Minuten? Zwei?
„Wir schaffen es, oder?“
Das kam von Sam. Ich sah ihr in die dunklen Augen und erkannte die Angst darin.
„Klar.“ Ich lächelte beruhigend. „Wir haben es hinter uns. Auftrag erledigt!“
Ob sie mir glaubte, wusste ich nicht. Aber immerhin nickte sie leicht und lächelte schief … - Gang acht … Gang sieben … Gang sechs … - Ich sah wieder in die Tiefe. Godzilla war nicht mehr auszumachen, doch das war jetzt egal. Es stand nicht anzunehmen, dass er den Rückwärtsgang angetreten hatte. Wenn wir nicht gleich aus dem Schacht heraus kamen, würden wir ein paar verdammt heiße Hinter bekommen!
Es rumste plötzlich, so heftig, dass der Wagen vibrierte – der Detonator in der Energieverteilung! Die Notbeleuchtung im Schacht flackerte, dann ging sie aus. Ich griff in meinen Overall und zog einen Leuchtstab heraus, den ich durch Knicken zum Glühen brachte. – Gang drei … Gang zwei … zum Glück war der Repulsor motorbetrieben und nicht auf Strom angewiesen, sonst hätten wir jetzt klettern müssen. Ein erneutes Krachen unter uns erschütterte den Wagen – der zweite Detonator aus dem Labor oder eine Kollateral-Explosion? Ich kam nicht dazu, weiter darüber nachzudenken, denn wieder rumste es unter uns, jetzt aber ungleich lauter, und im selben Moment wurde es leuchtend hell im Schacht. Godzilla war nicht mehr, aber wir gleich auch nicht mehr, wenn wir nicht machten, dass wir hier raus kamen! … Gang eins … - die Feuerwalze drängte den Schacht empor, eine Hitzewelle ging ihr voraus. – Parterre, Endstation!
„Los, los, los, LOS!!!“
Freezes dröhnende Stimme übertönte den Explosionslärm unter uns. Er bückte sich, schnappte sich Hayes und warf ihn sich wie einen Mehlsack über die Schulter. Dawn, Clifford und Sam waren bereits aus dem Wagen gesprungen, ich tat es ihnen gleich, und gemeinsam brachen wir durch den Ausgang ins Freie. Kaum waren wir draußen, warf ich die schwere Metalltür hinter uns zu – keine Sekunde zu früh, denn die ersten Flammen zischten mir schon entgegen.
„ZUM WAGEN!“
Freeze hatte das Kommando übernommen, mir war es egal. Wir mussten hier weg, damit hatte er Recht. Wir liefen los, durch den Zaun hindurch und auf den Kleinbus von „Clifford Enterprises“ zu, und ich wollte mich schon wundern, wieso uns kein Wachtposten aufhielt, als ich seitlich vom Ausgang des Zauns ein paar Freaks über einen am Boden liegenden Mann hocken sah, dessen zuckende Füße bewiesen, dass er noch lebte, während die Kerle über ihm im die Gedärme aus dem Leib räumten. Dawn und ich reagierten gleichzeitig. Ein paar gezielte Schüsse in die Köpfe der Fleischfresser, und sie kippten tot auf ihr Opfer. Letzterem gab ich mit einem bitteren Geschmack im Mund den Gnadenschuss, um sein Leiden zu beenden. Dann sicherte ich die Umgebung, während Freeze Hayes in den Wagen packte und die Mädels hinter her kletterten.
„Weg hier!“, zischte ich der neben mir stehenden Dawn zu. Sie nickte kurz, und wir stiegen ebenfalls in den Wagen ein. Kurz darauf gab Freeze Vollgas, und wir machten, dass wir hier weg kamen.

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 Betreff des Beitrags: Re: Kamaria II
Verfasst: So 5. Jun 2011, 14:06 
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Er zitterte, und seine Augen bewegten sich hektisch hinter geschlossenen Lidern. Die Adern unter seiner bleichen, schweißnassen Haut stachen bläulich hervor, so als hätte man ihm eine Art Kontrastmittel gespritzt, das sie sichtbar machte wie Straßen auf einer Landkarte. Die Lippen hatte er zusammengepresst, die Hände schlossen und öffneten sich krampfartig. Er kämpfte. Gegen den Tod oder gegen die Verwandlung, ich wusste es nicht. Aber beides lief auf dasselbe hinaus – darauf, dass ich ihn verlieren würde – und darum war es egal, gegen was er sich wehrte. Wichtig war, dass er es tat.
Ich unterstützte ihn dabei, so gut es ging. Wusch ihm den kalten Schweiß von Gesicht und Hals, tat das Gleiche auch mit seinem Oberkörper, nachdem ich ihn von dem blutdurchtränkten Overall befreit hatte, und dabei redete ich mit ihm. Leise und eindringlich. Sagte ihm all die Dinge, die ich ihm noch einen halben Tag zuvor nicht hatte sagen können, die ich ihm die ganzen letzten Wochen nicht hatte sagen können, öffnete mich ihm völlig. Ich gab zu, dass er Recht mit allem gehabt hatte. Dass ich feige war. Dass ich ständig geglaubt hatte, mir etwas beweisen zu müssen. Dass ich es war, die ein Problem mit Frauen hatte und nicht er. Dass ich ein Problem mit mir hatte und es an ihm ausgelassen hatte. Mich darum von ihm entfernt und dicht gemacht hatte.
„Ich hatte Angst, Shawn“, flüsterte ich, legte den Waschlappen in die Waschschüssel und griff nach seiner Hand. Der des gesunden Arms - wenn man in seinem Zustand überhaupt von gesund reden konnte. „Ich hatte mich in Craig geirrt, und das war schlimm. Ich wollte nicht entdecken, dass ich mich auch in dir geirrt hatte. Weil das noch viel schlimmer gewesen wäre. Darum hab ich uns aufgegeben. – Es tut mir leid.“ Die Tränen brannten mir in den Augen. Hilflos streichelte ich seine zuckende Wange. Hörte er mich überhaupt? Wahrscheinlich nicht. Ich redete trotzdem weiter. „Du musst kämpfen, hörst du? Ich bin vielleicht feige, aber du bist es nicht! Du darfst nicht aufgeben, Shawn! Ich will dich nicht verlieren.“ Ich streichelte seine Wange noch immer, aber nichts veränderte sich an ihm, nichts deutete darauf hin, dass ich zu ihm durchdrang. Wo zum Geier blieb der Doc?
Kaum hatte ich das gedacht, öffnete sich die Schlafzimmertür, und Dawn führte einen fremden Mann herein. Es war nicht der gleiche Arzt wie der, der Craig operiert und mir bei meinem Bein geholfen hatte. Aber das war nur logisch – ganz bestimmt gab es mehrere Ärzte im Widerstand. Die letzte ärztliche Behandlung war außerdem in CoA gewesen, und wir befanden uns gerade in New Sidney.
„Machen Sie bitte Platz, Mam“, forderte der Mann mich auf – ein unangenehmer Typ, wie ich fand. Klein, dünn, mit wässrig blauen Augen, einem schmallippigen Mund und fliehendem Kinn. Seine Stimme war noch unangenehmer als seine Erscheinung, aber er war ja nicht hier, um einen Schönheitswettbewerb zu gewinnen, er sollte dem Mann, den ich über alles liebte, das Leben retten.
Ich tat, was er sagte, weil mir klar war, dass er Platz zum Arbeiten brauchte. Aber ich tat es widerwillig und setzte mich gleich an Shawns andere Seite … keinen Zentimeter wollte ich von ihm entfernt sein. Am liebsten hätte ich mich an ihn geschmiegt und ihn mit Armen und Beinen umklammert, um ihm so nah wie möglich zu sein. Aber das ging natürlich überhaupt nicht, und so beließ ich es bei meiner jetzigen Position.
Der Arzt holte einen medizinischen Tricorder aus seiner Tasche und scannte Shawn. Dann entnahm er der Tasche ein paar Hyposprays und verabreichte seinem Patienten eines nach dem anderen. Dabei sprach er kein Wort. Sagte nichts zu Shawns Zustand, erklärte nicht, was er tat, arbeitete einfach monoton vor sich hin und brachte mich mit seiner Stummheit an meine persönliche Belastungsgrenze.
„Und? Wie sieht es aus mit ihm?“, fragte ich also. Ich brauchte unbedingt eine Diagnose. Brauchte Gewissheit, dass alles wieder gut werden und ich Shawn nicht verlieren würde.
Der Kerl tat so, als hätte er mich nicht gehört und lockerte den Gürtel um Shawns Arm, den ich ihm umgebunden hatte, damit er nicht verblutete. Das Blut strömte sichtlich in den Unterarm zurück – die Adern begannen auch hier ein bläuliches Netz zu bilden, was mich nicht gerade beruhigte.
„Hallo?“ Mein Ton wurde schärfer, und ich tippte den Arzt an der Schulter an. „Haben Sie nicht gehört? Ich will wissen, was mit ihm ist. Wird er wieder gesund?“
Jetzt erhielt ich zumindest einen kurzen Seitenblick. Aha, der Kerl war also doch nicht taub.
„Wird sich zeigen.“ Mehr kam nicht. Er wandte sich wieder Shawn zu und scannte ihn erneut.
War das alles? Mehr nicht? ‚Wird sich zeigen’???
Er war vielleicht nicht taub, aber definitiv lebensmüde! Ich schnellte vom Bett hoch, griff nach meinem auf dem Tisch liegenden Phaser und richtete ihn mit funkelndem Blick auf den Doc.
„LOS jetzt! Ich will eine KLARE Antwort!!!“
„Sam!“
Ich spürte Stus Hand an meiner Schulter, schüttelte sie aber unwillig ab und ließ den Arzt dabei keine Sekunde aus den Augen. Der saß jetzt wie zur Salzsäule erstarrt auf dem Bett und glotzte mich ungläubig an. Gut, jetzt hatte ich wenigstens seine volle Aufmerksamkeit.
„ALSO?“
Stu griff nicht wieder ein, auch Dawn nicht, die ich mehr hinter mir spürte als sah. Offenbar wollten sie beide eine genauere Auskunft über Shawns Gesundheitszustand, weshalb sie meinen Ausflipper tolerierten. Dass ich den Arzt nicht wirklich über den Haufen schießen würde, sollte er nicht antworten, war ihnen wahrscheinlich sowieso klar. Und mir irgendwo hinten in meinem Oberstübchen auch.
Dem Doc aber nicht so ganz, wie es schien, denn er entspannte sich nicht wirklich. Mit seinem Blick an der Mündung meiner Waffe klebend antwortete er plötzlich schnell und sehr ausführlich: „Das Mittel, das ihm gespritzt wurde, wirkt wahrscheinlich wie ein Antiserum. Nur im Gegensatz zu den üblichen Seren, mit denen man Viren bekämpft, mit hoher Geschwindigkeit. Was es auch muss, denn das Virus verbreitet sich ebenso schnell. Dies stellt eine hohe Belastung an den Organismus des Befallenen dar.“ Des Befallenen? Konnte dieser Quacksalber Shawn nicht beim Namen nennen? Ich presste die Lippen aufeinander und schoss dem Mistkerl eine Warnung vor den Bug – mit meinen Augen, nicht mit dem Phaser. Er räusperte sich nervös. „Ja, nun … also wie gesagt, der Organismus wird belastet. Und wehrt sich auf seine Weise dagegen, denn er weiß nicht, dass das Serum den Virus bekämpfen will. Es ist schließlich kein körpereigen produzierter Stoff.“
Oh, jetzt wurde ich auch noch belehrt! Der Typ wurde mir immer sympathischer.
„Weiter!“, forderte ich ihn unnachgiebig auf.
„Ich habe dem Befallenen ein stärkendes Medikament injiziert, das …“
„Mister Hayes!“
„Bitte wie?“
„Sie haben es Mister Hayes injiziert!“, wiederholte ich warnend. Aus dem Mund des Arztes klang das Wort „Befallener“ für mich genauso wie „Aussätziger“.
„Ja, äh … sicher. Ich habe Mister Hayes ein stärkendes Medikament injiziert, das ihm helfen sollte, die Belastung zu überstehen … in der Theorie jedenfalls.“
„In der Theorie?“, fuhr ich auf. „Was heißt das nun wieder?“ Ich war drauf und dran, meine Geduld zu verlieren.
„Nun ja, dieses … Gegenmittel ist mir nicht bekannt. Die Zusammensetzung desselben, meine ich. Ich kann nur die Wirkweise beurteilen, und diese scheint gegeben zu sein, wie die Tricorderdaten veranschaulichen. Er … Mister Hayes reagiert zumindest. Ob diese Reaktion aber ausreicht, um das Virus zu eliminieren, kann ich nicht sagen. Ebenso wenig, wie ich wissen kann, ob dieses Mittel Nebenwirkungen hat oder ob Spätschäden zu erwarten sind. Falls er es überhaupt überlebt.“
Jetzt wusste ich, woran ich war. Und wünschte mir in diesem Augenblick, ich hätte meine Klappe gehalten und den Arzt nicht gezwungen, mir genauere Auskunft zu geben.
Ich ließ den Phaser sinken und setzte mich matt aufs Bett zurück.
„Und was können wir jetzt noch tun?“
Der Doc bedachte meine Waffe mit einem letzten Blick, dann begann er, die Bisswunde an Shawns Arm mit einem Gewebegenerator zu behandeln. Sie schloss sich, aber es blieb ein Loch zurück. Dort, wo der Zombie ein Stück Fleisch heraus gerissen hatte.
„Abwarten. Nichts weiter. Die nächsten 48 Stunden werden kritisch sein. Wenn er diese übersteht, hat er es wahrscheinlich überlebt. Aber wie und in welchem Zustand er sich dann befinden wird, kann ich nicht prognostizieren.“
Auf einmal fühlte ich mich unglaublich müde. Ich antwortete dem Arzt nicht mehr, sondern sah ihm schweigend dabei zu, wie er seine Sachen packte, aufstand und zur Tür ging. Dass Dawn ihn dort aufhielt und ihm eine Ampulle des Gegenmittels in die Hand drückte, damit es auf die genaue Zusammensetzung untersucht werden konnte, erfuhr ich erst später. In diesem Moment glitt das alles an mir vorbei und berührte mich nicht mehr.
Der Arzt verließ das Zimmer, Dawn folgte ihm. Stu kam noch einmal zu mir und legte mir erneut die Hand auf die Schulter.
„Kann ich irgendwas für dich tun?“
Ich schüttelte stumm den Kopf. Der Druck seiner Hand verstärkte sich daraufhin kurz aufmunternd, dann verschwand er völlig, und an den leisen Schritten hinter mir hörte ich, dass auch er den Raum verließ. Tief durchatmend legte ich die Waffe auf den Nachttisch. Dann, einem dringenden Bedürfnis folgend, zog ich mir meinen Overall aus und schlüpfte, mit Unterhemd und Shorts bekleidet, neben Shawn, um genau das zu tun, was ich vorhin schon tun wollte: um mich eng an ihn zu schmiegen und ihn mit meinen Armen und Beinen zu umfangen. Um mein Gesicht in sein Haar zu drücken, das nach Blut und Schweiß und Dreck roch, was mir aber völlig egal war. Alles, was in diesem Moment wichtig war, war, dass er überlebte und bei mir blieb. Damit ich ihm sagen konnte, dass er mit allem Recht gehabt hatte und ich einfach nur dumm gewesen war. Damit ich ihm sagen konnte, dass es mir leid tat und dass er wichtig für mich war. Damit ich ihm sagen konnte, wie sehr ich ihn liebte.

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