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 Betreff des Beitrags: Der Fluch der Meere
Verfasst: Mi 21. Sep 2011, 21:37 
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Schreibstubenhexe in Ausbildung
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Der Fluch der Meere

3.5.1960
Nachdem Luky, Chen und ich (Armella) das erste Mal im Meer geschwommen sind - das war heute vor genau fünf Jahren, als die größte Welle, von der je erzählt wurde, an die Ostküste mit all den Fischen und Algen und dem Sand einschlug - hat sich unser Leben für immer verändert. Ich kann es weder sagen noch aufschreiben. Ich würde ja gerne, aber er verbietet es mir, es zu sagen oder aufzuschreiben oder überhaupt erst mal seinen Namen zu sagen, denn er hört alles. Ich habe Angst. Lucky und Chen stecken genauso drin wie ich. Die Welle, die an der Ostküste einschlug, hat uns am Strand erwischt und deshalb könnte es sein, dass du dieses Tagebuch am Strand oder im Wasser gefunden hast. Wir waren Waisen. Also hat uns keiner vermisst. Wir drei, Luky, Chen und ich sind an diesem Tag 15 gewesen. Ich bin an diesem Tag 15 geworden, und deshalb gingen wir auch zum Strand. Und weil unsere Waisenmutter sehr streng war, durften wir nur an sehr, sehr, sehr besonderen Tagen wie an Geburtstagen oder an Weihnachten aus dem Heim. Und meinen Geburtstag haben wir genutzt, um an den Strand zu gehen. Das war ein sehr großer Fehler. Es hat uns in etwas verwandelt, was wir gar nicht sein wollten. Das wäre wahrscheinlich der größte Wunsch eines Mädchens, aber wenn man es erst ist, dann verabscheut man es, und man will es gar nicht mehr sein, und der Wunsch, dass man wieder so wird wie früher, wird groß. Aber diesen Wunsch kann dir nur der Mann erfüllen, der dich so gemacht hat, und diesen Mann bettel ich schon seit Ewigkeiten an, aber er tut es nicht. Stattdessen hat er mich gegen meinen Willen zu seiner Frau gemacht. Ich darf nur eins schreiben: ich bin unter Wasser. Ich bin erst 15, und er hat mich zu seiner Frau gemacht. Da hat er Glück, dass unter Wasser andere Regeln gelten als an Land. Ich habe ein Atemgerät, das mich am Leben hält. Luky wurde zum Diener gemacht, und Chen heiratete unter Zwang den Bruder meines Mannes. Luky hat es am besten, denn er ist ja ein Diener. Aber Chen und ich müssen diese Zungenküsse ertragen. Die Gebrüder sind sich sehr ähnlich, denn beide stecken ihre Zunge bis hinten in den Hals. Chen hat mir gesagt, dass das ihr Mann auch tut. Wir geben nie die Hoffnung auf. Ich und Chen sind Königinnen, weil unsere Männer Könige sind. Das einzig Gute an der Sache ist, dass wir bedient werden, wann und wo wir wollen, nur leider von Luky. Es wird von Tag zu Tag schlimmer hier unten. Ich halte es nicht mehr sehr lange aus. Das Schlimmste ist: ICH BIN UNSTERBLICH. Und mein Mann auch. Ich esse ganz komische Sachen, bei denen ich gar nicht weiß, was das ist, aber es schmeckt aussergewöhnlich lecker. Alle hier sind Untertanen der Gebrüder, die Luky, Chen und mich hier gefangen halten. Drei oder vier mal in der Woche darf ich meinen Kopf - aber auch nur meinen Kopf - aus dem Wasser halten. Es ist schön, die Luft zu atmen, aber inzwischen darf ich nur noch einmal in der Woche meinen Kopf aus dem Wasser halten und die frische Meeresluft genießen. Chen und Luky werden langsam genau so wie alle anderen hier. Sie werden besessen von dieser Stadt.

10.5.1960
Es sind nun 7 Tage vergangen, seitdem ich das letzte Mal in meinem Tagebuch geschrieben. Ein Unheil kam über die Stadt und dieses Unheil war eine 50 Meter lange Seeschlange mit 20 Metern Durchmesser, 5 Meter langen gefletschten Zähnen, die wiederum 1 Meter lange Zacken haben, und diese Seeschlange war gruselig moorgrün. Dieses riesige Monster griff die Stadt an und zerfleischte blutig meinen Mann. Damit waren alle meine Hoffnungen, wieder normal zu werden, blutig zerfleischt. Ebenso verschlang das Biest den Mann von Chen, und auch ihre Hoffnungen wurden verschlungen. Die riesige Seeschlange riss Luky blutspritzend die Eingeweide aus, und genau das Gleiche tat dieses schreckliche Ungeheuer mit Chen. Ich schwamm traurig in die Korallen des Scheidens, wo man Gebete spricht. Dort ist eine Spitze, die, wenn sie ein anderes Tier oder eine Meerjungfrau berührt, sich darum schließt, und die Tiere machen das, was du flüsterst, nicht das, was du schreist, noch das, was du in den Gedanken sagst. Nur das, was du flüsterst. Du musst dich aber mit den Händen festhalten, damit du nicht abrutschtst, denn wenn du flüsterst, rast es schneller durch das Meer. Denn wie in alten Geschichten, in denen Meerjungfrauen mit Hyperschallgeschwindigkeit schwimmen können, ist es nicht. Ja, Meerjungfrauen können sehr schnell schwimmen, aber nicht so schnell wie in alten Geschichten. Deshalb nutzen wir die Tiere unter Wasser damit wir scheller sind. Leider bin ich noch nie alleine hier unten ausserhalb der Stadt gewesen. Ich habe Angst, dass wieder so ein Vieh wie das, was in der Stadt war, auf mich zukommt.Ich weine, weil ich meine beiden allerbesten Freunde verloren habe. Ich habe meine Kette verloren, die mir Mama zu meiner Geburt geschenkt hat. Das war das einzige, was ich noch von meinen Eltern hatte, das einzige, was sie mir gelassen hatten, ist weg. Naja, damit muss ich leben. Ich gebe auch heute noch die Hoffnung nicht auf. Ich werde immer auf dich warten und hoffen, dass du mich irgendwann befreist. Alles, was ich höre und sehe, schreibe ich hier auf. Ich hoffe, dir hilft das, um mich zu befreien, aber du darfst keinem, wirklich keinem etwas verraten. Ich meine, dass du das Tagebuch gefunden hast, weil die Menschen dann nach mir Jagd machen. Und du darfst keinem verraten, dass ich eine Meerjungfrau bin oder das es überhaupt erst welche gibt.

16.5.1960
Ich irre hier schon 6 Tage lang umher und habe bis jetzt noch nichts gefunden, was dir irgendwie helfen könnte, mich zu befreien. Falls du mir helfen kannst, mich zu befreien und du es schaffst, gibt es für dich und auch nur für dich die größte Belohnung, die sich ein Mensch vostellen kann. Wertvoller als Reichtümer und Schätze, etwas, das sich kein, wirklich kein Mensch auf der Welt vorstellen kann. Ich will dich ja nicht mit Reichtümern bestechen, aber ich will hier raus, es geht um Leben und Tod. Bist du ein Wissenschaftler, dann flehe ich dich an, suche mich nicht. Bist du aber kein Wissenschaftler, dann flehe ich dich an, suche mich. Nur als Info für unterwegs: Wenn ich noch kein Mensch bin, aber ich mit dem ganzen Körper aus dem Wasser gelange, werde ich eines qualvollen Todes sterben. Es gibt etwas stärkeres als die Liebe und zwar dieser Tod. Den ich erleben werde, wenn du mich nicht rettest.

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 Betreff des Beitrags: Re: Der Fluch der Meere
Verfasst: Fr 7. Okt 2011, 14:25 
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Registriert: Mi 21. Sep 2011, 21:36
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21.5.1960

Meerjungfrauen leben ewig.
Man kann uns nur töten, wenn man uns an Land bringt.
Dann werden wir zu Meerwasser, und man kann uns nicht mehr wiederbeleben.
Also versuche ich einfach so lange wie möglich unter Wasser zu bleiben.
Ich suche die Meerhexe, in der Hoffnung, dass sie mir helfen kann.

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